21.03.: Flores / Tikal

Heute müssen wir mal wieder früh raus: um 4 werden wir abgeholt und nach Tikal kutschiert. Wir haben ja schon ein wenig Angst, dass uns Tikal auch nicht mehr so recht erfreuen kann, nachdem wir schon so viele Maya-Stätten (7 an der Zahl) besichtigt haben. Um ca. 6 Uhr sind wir dann auch “schon” da. Wir hatten eigentlich gehofft vielleicht noch den Sonnenaufgang mitzubekommen, aber der fällt heute zwecks Nebel aus. Schade!

Mit einer Karte des riesigen Gebiets bewaffnet tigern wir los. Erfreulicherweise ist hier eigentlich so gut wie nichts los im Moment. Hat sich das Aufstehen wenigstens gelohnt. Erster Stopp ist ein riesiger Baum, der für die Maya die Verbindung zwischen Himmel und Erde verkörpert hat (ich hoffe, ich habe das richtig im Kopf behalten und schreibe hier keinen totalen Mist). Die Baumkrone sieht recht interessant aus: die Äste bilden fast sowas wie einen Teller oder eine Plattform. Weiter geht es über einen kleinen Dschungelpfad Richtung Haupttempel. Unterwegs bemerken wir ein paar Spider-Monkeys in den Baumwipfeln. Die Affen sind aber eher nur zu erahnen als wirklich zu sehen. Nach wenigen Minuten stehen wir dann auf der zentralen Plaza, die von Tempel I und II sowie 2 weitern Gebäudekomplexen eingerahmt wird. Leider ist der Platz von einigen lärmenden Schulklassen bevölkert. Ausserdem ist an Tempel I ein Gerüst befestigt, da wird wohl gerade etwas restauriert. Sehr fotogen ist das Gerüst aber leider nicht. Und raufklettern darf man da auch nicht :-(

Trotzdem ist die Plaza mit ihren Gebäuden schon ein imposanter Anblick. Auf den Tempel II darf man auch mittels einer etwas baufällig aussehenden Holzleiter-Konstruktion rauf. Oben angekommen haben wir einen tollen Ausblick über die Plaza. Die Treppen des Tempels gehen vor uns steil nach unten. Wiedermal stelle ich mir die Frage wieviele Mayas sich beim Ersteigen der Tempel wohl den Hals gebrochen haben.

Wieder unten angekommen läuft uns ein putziges Tierchen über den Weg, auf der Suche nach fressbaren Abfällen der Touris. Sieht ein bisschen wie ein Waschbär mit langem Schwanz aus. Genau jetzt gibt der Akku der Kamera auf und bis ich ihn gewechselt habe ist er (der Bär) ausgebüchst. Aber Carina hat ihn erwischt. Wir machen uns auf den Weg zu den nächsten Tempel. Da es viel mehr Wege gibt als auf unserer Map verzeichnet sind ist die Navigation etwas schwierig. Aber wir nehmen einfach mal die nächste Abzweigung. Das erweist sich als Glücksfall, denn vor uns auf dem Weg tauchen wieder zwei Viechers (auf unserer Karte war zwar eine Auflistung der hiesigen Tiere mit Bild und Namen, aber die habe ich gerade nicht griffbereit) auf. Sie sind sehr klein und sehen ein bisschen wie Mini-Ferkelchen aus. Putzig.

Nach einigen Metern durch den Dschungel stehen wir wieder auf einem Platz. Der ist aber etwas kleiner und auch nur von kleineren Gebäuden umgeben. Aber schön ruhig ist es. Wir machen eine kleine Pause auf einer Bank. Ich versuche auf der Karte zu erkennen wo der Pfad rechts von uns wohl hinführt habe aber keinen Erfolg. Naja, dann müssen wir es halt rausfinden. Bevor wir den Platz hier hinter uns lassen klettere ich noch den Hügel zu einem der Gebäude hoch. Carina wartet unten. Gerade als wir weiter wollen flattern über uns zwei Vögel hinweg. Auf Anhieb erkennt man sie an den riesigen Schnäbeln: Tukane! Sie lassen sich in einem der Bäume hinter diesem Gebäude nieder. Nichts wie hin! Wir sehen sie zwar rumhümpfen und hin und her fliegen, aber es ist immer ein Ast im Weg der das Fotografieren unmöglich macht. Mist. Wir verfolgen die Vögel mit ausgefahrenem Objektiv in der Hoffnung auf eine gute Möglichkeit. Leider sind die beiden Tukane etwas unruhig und halten sich einfach nicht still wenn man sie mal kurz sieht. Nach ca. 10 Minuten flattern sie dann davon. Wir verfolgen sie um den Tempel herum. Sie lassen sich etwas weiter weg auf einem anderen Wipfel nieder. Immerhin haben wir jetzt freie Sicht auf einen der beiden und er hält sich auch endlich still. Mal sehen ob man aus den Fotos was rausholen kann, denn er ist schon etwas weit weg.

Nach der Vogelbeobachtung geht es weiter durch den Dschungel. Wir landen unverhofft vor Tempel V. Die Holzleitern zur Besteigung sind leider gesperrt und sehen auch nicht mehr so toll aus. Hier sind ein paar Tafeln mit Fotos von der Freilegung des Tempels aufgestellt. Schon krass wie sehr überwuchert die alle waren. Aus der Luft muss das einfach ausgesehn haben wie ein bewaldeter Hügel. Unterwegs zu den nächsten Ruinen kommt es wieder zu einer Tiersichtung: Blattschneideameisen. Sieht schon lustig aus wie hunderte kleine gruene Blattteile den Baumstamm runtertanzen. Auf dem Boden ziehen die Ameisen dann über von mir sogenannte Ameisen-Highways weiter: der Boden ist eigentlich überall mit Laub bedeckt, nur dieser ca. 10 cm breite Streifen wurde von den Ameisen freigelegt.

Auf dem Weg zu Tempel IV kommen wir am nicht weiter freigelegten Tempel III und an einer Gruppe mit einem Guide vorbei, der gerade auf einen Baum deutet und dort 6 Tukane zählt. Ich sehe keinen einzigen. Ah, doch, da hat sich was bewegt. Und da. Leider sind die Vögel wieder sehr unstet und entweder verdeckt oder am Rumhüpfen. Kein gutes Foto möglich. Trotzdem warten wir 10 Minuten auf eine gute Möglichkeit – vergebens. Dann eben weiter zum Tempel. Den kann man auch wieder besteigen. Da er ganz aussen steht hat man von oben einen Überblick über Tikal. Naja, so viel sieht man eigentlich gar nicht: nur Dschungel und die Spitzen von den Tempeln I, II und III. Aber trotzdem hat man einen super Ausblick von hier. Wir sitzen bestimmt 15 Minuten auf den Treppen und geniessen die Sonne und den Ausblick.

Wieder unten machen wir uns wieder Richtung Zentrum auf. Unterwegs kommen wir zu einem Baum, der gerade von zwei anderen Touris unter die Lupe bzw. vors Objektiv genommen wird. Im Baum sitzen mehrere Tukane. Leider nur eine kleinere Art aber trotzdem schön anzusehen. Wir gesellen uns zu den anderen beiden und knipsen eifrig mit. Danach biegen wir mal wieder vom Hauptweg ab und kommen zu zwei mittelgrossen Pyramiden. Auf eine klettern wir gleich mal wieder rauf. Das ist inzwischen ganz schön anstrengend, da die Sonne hoch am Himmel steht und es sehr heiss wird. Schnell sind wir wieder unten und flüchten uns auf den schattigen Weg Richtung Zentrum zurück. Mal wieder stossen wir auf einige Affen – diesmal in fotografierbarer Entfernung – und 3 blaue Pfau-ähnlich Vögel.

Zurück am zentralen Platz ist wieder der waschbär-ähnliche Bursche vom Anfang unterwegs. Diesmal kann ich auch ein paar Fotos machen. Da wir inzwischen schon gut durchgeschwitzt sind beschliessen wir eine handvoll kleineren Tempel auszulassen und direkt zum etwas abgelegenen Tempel VI zu wandern. Die Wanderung dauert dann auch ca. ne halbe Stunde. Und der Tempel ist leider etwas zu klein geraten, um den Aufwand zu rechtfertigen. Also wieder ne halbe Stunde zurück. Es ist mittlerweile kurz nach 12, wir sind also inzwischen gute 6 Stunden hier unterwegs. Krass. Ist uns beiden nicht so lang vorgekommen. Aber wir haben dann jetzt auch eigentlich genug und steuern unseren Sammelpunkt für den Bus an. Der geht um 12:30.

Wir sind beide stark beieindruckt von Tikal. Die Anlage ist echt gigantisch! Das absolute Highlight in Sachen Maya-Tempeln. Unsere anfänglichen Befürchtungen waren also unbegründet.

Gegen halb 3 sind wir dann wieder in Flores. Nach einem guten Essen geht es noch an den See, ein wenig plantschen, sonnen und relaxen.