Tag 16: Jasper

Heute haben wir unseren Wecker sehr früh gestellt, auf 6 Uhr. Für uns entspricht das aber eigentlich 5 Uhr, da wir erst gestern Nachmittag in diese Zeitzone hier gekommen sind. Der Grund dafür: heute wollen wir zum Lake Maligne fahren. Der ist etwa 60 Kilometer von Jasper entfernt. Die Straße dorthin windet sich durch die Berge. Im Lonely Planet steht, dass man sehr gute Chance hat ein paar wilde Tierchen zu sehen, wenn man früh genug und vor der Besucherflut des Sees dran ist.

Auf dem Weg aus dem riesigen Campingplatz (780 Stellplaetze) raus sehe ich ein Karibu-Jungtier über die Straße hüpfen. Carina ist noch viel zu verschlafen, um zu reagieren. Ich schau mich um, wo denn die Mutter von dem Jungtier ist und sehe sie ca. 50 Meter durch den Wald, bei den nächsten Stellplätzen. Dort jagt sie gerade eine Touristin und ihre beiden Hunde um den Wohnwagen. Ganz lustig anzusehen, sicher nicht lustig fuer die Touristin. An den ganzen Warnzetteln, die man hier ständig bekommt und die überall rumhängen ist wohl doch was dran.

Weiter gehts auf dem Highway. So kann es weitergehen mit den Wild-Sichtungen. Ich bin schon gespannt auf die Maligne Road! Diese fahren wir dann ganze 60 Minuten entlang. Leider stellt sich heraus, dass der Lonely Planet der hiesigen Tierwelt nicht Bescheid gegeben hat, dass es sich gehört für die Frühaufsteher am Straßenrand zu posieren. Genau Null Sichtungen. Ich bin enttäuscht :-(

Beim Lake angekommen holen wir dann erstmal das Frühstück nach. Jetzt sind wir fit für eine kleine Wanderung. Die führt uns erst am Ufer des Lake Maligne entlang. Echt ein schöner See. Mit 22 km der längste in den kanadischen Rockies.

Außer einer Ente auch hier nix tierisches zu sehen. Dann zweigt der Wanderweg Richtung Lake Moose ab.

Vielversprechender Name aber wieder nix. Die namensgebenden Elche sind wohl schon vor langer Zeit weiter gezogen. Na gut, ein paar Vögel sind hier, die dann als Ersatz als Fotomotive herhalten müssen. Zurück am Parkplatz wächst meine Enttäuschung. Von wegen Kanada das Land der Bären und Elche!

Man könnte hier auch ein Kanu mieten und rumpaddeln, aber dazu ist es uns zu kalt. Alternativ kann man mit einem etwas grösseren Touri-Boot bis ans andere Ende des Lakes fahren. Dort ist eine kleine Insel, die auf vielen Postkarten zu sehen ist. Aber die 60 Dollar pro Person ist uns der Anblick dann doch nicht wert. Also fahren wir wieder den ganzen Weg zurueck.

Nach einigen Kilometern sehen wir dann auf der anderen Straßenseite einen Bus und einige Autos stehen. Was da wohl sein mag? Kurzentschlossen lenke ich den Van in die nächste Parkbucht und wir springen mit den Kameras bewaffnet aus dem Wagen. Uns kommen schon 2 Touris entgegen mit der freudigen Nachricht “A bear”! Man darf aber nur mit dem Auto ran. Also zurück, gewendet und in die Warteschlange eingereiht. Es ist auch schon ein Ranger vor Ort, der die vordersten Autos nach einigen Augenblicken immer wieder weiter winkt. Als wir endlich ganz vorn sind sehen wir erstmal gar nix. Dann bewegt sich ein schwarzer Punkt im Dickicht. Das ist er! Zu meiner Freude bewegen sich hinter dem grossen Punkt auch noch zwei oder drei kleinere. Wie geil, eine Mutter mit ganz jungen Bärchen. Carina versucht den Bär gut vor die Linse zu bekommen. Leider ist er etwas versteckt und dann werden wir auch schon weiter gewunken.

Ganz euphorisiert von dem Anblick wenden wir nach ein paar hundert Metern wieder in unsere Richtung. Als wir am Bär vorbeikommen stehen da grad nur zwei Autos. Wir nutzen die Gelegentheit und halten nochmal an. Inzwischen sind die Babys aus dem Wald gekommen und spielen in der Wiese. Was für ein Anblick! Die Mutter kommt auch gerade aus dem Wald. Riesig. Nein. Bärig! Carina ist mit fotografieren beschäftigt. Dann müssen wir wieder weiter. Als ich die Fotos betrachte bin ich entsetzt. Keine Baby-Bären drauf! Wuah! Carina hat ihren Zoom so weit ausgefahren, dass sie nur die Mutter gesehen hat und überhaupt nicht mitbekommen hat, dass die Kleinen auf der Wiese sitzen. Ich bin sehr enttäuscht, das wär ein Hammer Foto gewesen. Naja, aber wenigstens haben wir überhaupt die Bären gesehen. Muss ich das Bild halt gut in Erinnerung behalten.

Weiter geht die Rückfahrt. Dann vor uns wieder einige stehende Fahrzeuge. Noch ein Bär? Nein, die Leute sind ausgestiegen. Wir halten auch. Was wir wenige Meter entfernt sehen ist wohl ein Wapiti-Hirsch. So genau kann ich das aber nicht sagen, die Wild-Sorten hier ähneln sich für einen Laien doch zu sehr.

Wir schießen ein paar Fotos und fahren weiter Richtung Stadt.

Auf dem Weg liegt noch der Maligne Canyon. Weil wir nichts weiter vorhaben halten wir an und laufen los. Hier hat sich der Maligne River im Laufe der Jahrhunderte ins Gestein gefressen und ist nun gute 20 Meter unter uns. Wir stehen auf einer Brücke und schauen zum Fluss hinunter.


Man könnte noch weiter stromabwärts wandern, aber da wir keine rechte Wanderslust verspüren, etwas müde sind und auch nicht so beeindruckt sind beschliessen wir zurück in die Stadt zu fahren.

Dort angekommen machen wir erstmal bei einem der hiesigen Asiaten Mittag. Die Süss-Sauer-Sosse ist schon sehr süss. Aber schmeckt grad noch. Wir fahren zurück zum Campingplatz und wollen am Laptop Blogeinträge vorbereiten. Der Computer hat die letzten Tage schon ein wenig zu bocken angefangen, jetzt fährt er gar nicht mehr hoch. Na super! Ich bin froh, dass ich meine auf den PC überspielten Fotos noch nicht von der Speicherkarte gelöscht habe. An dieser Stelle dank an Moare für die Ersatzkarten!

Tja, was nun? Da wir heute nichts mehr unternehmen wollen fahren wir wieder in die Stadt und gehen eben in ein Internet-Cafe zum bloggen. Damit sind wir dann auch über ne Stunde beschäftig. Das wars auch schon für heute.

Tag 15: Valemount – Jasper

Als zur gewohnten Zeit um 7 Uhr der Wecker klingelt, erleben wir erstmal einen kleinen Schock: strömender Regen prasselt auf unser Wohnmobil! Oh nein, das darf doch nicht wahr sein! Dementsprechend langsam kommen wir in die Gänge und dehnen das Frühstück länger hinaus als sonst.

Gegen 8:45 Uhr sind wir on the road, um das letzte Stückchen bis Jasper in Angriff zu nehmen. Wenigstens ab und zu gibt es Lichtblicke und der Regen läßt nach. Wir hoffen auf unser Glück und kommen dem Ziel immer näher. Nach einer Kurve werden wir plötzlich geflashed, vor uns zeigt sich der Mount Robson, der höchste Berg der kanadischen Rocky Mountains. Der ist schon sehr beeindruckend, wie er aus dem Nebel hervorragt.


Wir halten am Information Center und erkundigen uns ueber die weiteren Möglichkeiten. Es gibt einige Trails, die man wandern kann, da wir aber aufgrund der Wetterlage eher eine kleine Runde gehen wollen, entscheiden wir uns für einen Marsch zu den Overlander Falls. Laut Info-Center dauert der Marsch etwa 45 Minuten. Dementsprechend erstaunt sind wir, als wir nach ca. 10 Minuten gehen vor den Wasserfällen stehen. Auch den angekündigten Bären haben wir nicht gesehen! So ein Beschiss! :-) Die Wasserfälle sind zwar nett, aber im Vergleich zu dem, was wir gestern gesehen haben, eher langweilig.
Während der Weiterfahrt hört der Regen auf einmal auf und die Sonnenbrille wird ausgepackt. Juppi!

Wir passieren die Einfahrt in den Jasper National Park und stellen fest, dass man in dem Bundesstaat Alberta zum Einen die Uhr um eine Stunde vorstellen muss und zum Anderen fuer die Nationalparks ordentlich blechen muss! Schweinerei!! In Jasper-Stadt angekommen gehts erstmal zur Information, ehe wir dann unsere Lebensmittelvorräte wieder aufstocken. Unglücklicherweise setzt nun der Regen wieder ein.

Wir beschliessen daher erstmal den Campground aufzusuchen, wobei wir den ersten Hirsch erblicken.


Nach dem Mittagessen gehts wieder in die Stadt, wo wir uns durch sämtliche Giftshops arbeiten. Da fühl ich mich mal wieder wie ein kleines Kind an Weihnachten! :-)

Als wir Postkarten kaufen wollen, erfahren wir, dass in komplett Kanada die Post streikt!! Das bedeutet, seit ca. 2 Wochen verläßt kein einziger Brief das Land, weil alle Postfilialen die Arbeit verweigern! Echt krass, ich stell mir das mal vor, wie das in Deutschland wäre, wahrscheinlich eine Katastrophe!!

Als sich die Wetterlage wieder ein bisschen bessert springen wir kurzerhand in unseren Campervan und fahren zu den örtlichen Seen. Der erste ist der Patricia Lake, ein wirklich wunderschöner See, der eine sehr grüne Farbe hat und sich daher schön von der restlichen Landschaft hervorhebt.

Weiter gehts an den Pyramid Lake, auch ein netter See, aber nicht so schön wie Patricia. Da es so wolkenverhangen ist, sieht man auch den Pyramid Mountain nicht wirklich. Schade!!

Aber hier laufen wieder die süssen kleinen Chipmunks rum, so dass wir eifrig mit der Kamera hinterher laufen.


Auf der Rückfahrt erblicken wir dann einen Wapiti Hirsch, der unseren Linsen ebenfalls nicht entkommt. Wir machen nochmal Halt in der Stadt, um uns in ein nettes kleines Cafe zu setzen und nochmal die Giftshops unsicher zu machen, ehe wir in unser Lager zurückkehren.