Tag 9: Highest Point – Port Renfrew – Victoria

Unsere letzte Nacht im Zelt war eher schlecht als Recht und ich bin daher dementsprechend froh, als um 7 Uhr endlich der Wecker klingelt und wir die letzte Etappe zu Ende bringen koennen. Wir frühstücken nochmal gemütlich, ehe wir ein letztes Mal unsere Zelte einpacken und die Habseligkeiten im Rucksack verstauen.

Jetzt heißt es die letzten 4 Kilometer bis Gordon River bezwingen. Wir sind gespannt, was uns erwartet, denn in jedem Bericht sind die letzten 5 Kilometer als das härteste Teilstück des ganzen Trails beschrieben. Umso mehr sind wir überrascht, dass wir doch relativ gut vorankommen, da eigentlich nur ein einziges bergauf und bergab die Etappe bestimmt. Hin und wieder müssen wir über Felsen klettern, die durch das fliessende Quellwasser etwas rutschig sind.

Auch die Leitern sind bezwingbar, da haben wir an Tag 5 schon echt andere Kaliber bezwungen. Ich bin aber nicht unglücklich darüber, dass sich dieses Stück als einfacher erweist als erwartet.

Wir nähern uns rasant dem Ziel. Alle uns entgegen kommenden Wanderer beneiden uns dafür, dass wir schon so weit sind und motivieren sich daran, dass wir nach wie vor sehr gut gelaunt sind. Gegen 11:20 Uhr erreichen wir dann das letzte Kilometerschild mit der Nummer 75.


Völlig überwältigt von diesem Moment küsse ich das Schild! Das Gefühl das Ziel erreicht zu haben, für das man ca. 4 Monate trainiert und hingearbeitet hat, ist einfach unglaublich!!!

Wir machen noch einige Fotos am Ziel, bevor wir uns an den Gordon River begeben. Unglücklicherweise ist der Fährmann gerade ohne uns ans andere Ufer gefahren, so dass wir ca. 30 mins warten müssen.

Wie angekuendigt, kommt der Fährmann tatsächlich pünktlich, um uns sicher ans andere Flussufer zu bringen.

Wir melden uns im Office als „angekommen“ wieder an und erfahren, dass es während wir unterwegs waren 2 Evakuierungen gegeben hat. Wäre schon interessant zu wissen, was das für Wanderer waren, aber eigentlich Wurscht, denn es hätte uns genauso treffen können. Einmal blöd ausgerutscht, Fuss verknackst oder so und schon wäre man ein Fall fuer die Evakuierung!

Wir erfahren, dass es im nebenan gelegenen Campingplatz von Port Renfrew für 2 Dollar die Möglichkeit gibt, hier zu duschen! Oh mein Gott, das sind mit Sicherheit die bestinvestiertesten 2 Dollar meines Lebens!!!

Nach dieser Erfrischung suchen wir uns ein nettes Plätzchen, wo Marion unser Outdoor-Thanksgiving-Essen zubereitet, wobei ich mir meinen Hunger lieber für das Abendessen in einem richtigen Lokal in Victoria aufspare.


Gegen 15 Uhr bringt uns der Trailbus dann in die Hauptstadt von British Columbia. Die Fahrt dauert ca. 2 Stunden und wir sind ziemlich erschöpft. Als es endlich wieder Handy-Empfang gibt, schicke ich schnell meine „mir gehts gut“-SMSen los, ehe ich mein Handy ausgeschaltet in die Hosentasche stecke.

Der Trailbus-Driver setzt uns direkt am Ocean Inn Hostel ab, eine sehr grintige Jugendherrberge, die eigentlich völlig überteuert ist, aber gut, was solls – nach dieser Woche ist jede Absteige besser als das Zelt. ;-)

Nach dem Einchecken treffen wir uns wieder unten, wo wir uns noch über die Möglichkeiten des Whale Watchings in Victoria informieren. Ehe ich mich versehe, haben wir für morgen drei Plätze – Marion will nicht mit – im Zodiac reserviert. Also morgen Wale beobachten!

Danach gehts an den Hafen, leckeres Seafood aufnehmen.

Juppi, endlich wieder was anderes als Nudeln! Anschliessend noch einen leckeren Kaffee, der gleich 5x so gut wie sonst schmeckt, bevor es dann wieder zurück ins Hostel geht. Auf dem Weg dorthin kommen wir am erleuchteten Parlamentsgebäude vorbei.


Als ich den Handy-Wecker für den nachsten Tag stellen möchte, stelle ich entsetzt fest, dass es sehr unklug ist, ein ausgeschaltetes Touchscreen-Handy in die Hosentasche zu stecken, da sich offensichtlich die PIN 3x falsch eingegeben hat und somit meine SIM-Karte gesperrt ist!! Na toll. Hank Handy kaputt, ich SIM-Karte zerstört – eine gute Kombination. (bis zur Erkenntnis, dass man die beiden noch funktionierenden Komponenten kombinieren kann, hat es noch ein bisschen gedauert! ;))

Tag 8: Camper Bay – Highest Point (9 km)

Unsere heutige Route führt uns nur durch den Wald. Leider. Es gäbe auch die Möglichkeit am Strand zu gehen, aber die bleibt uns leider verwehrt, weil wir erst dort ankommen werden, wenn die Flut schon zu hoch steht. Echt schade, das soll einer der besten Abschnitte des Trails sein, mein Kleinwagen-grossen Felsen zum drüber Klettern, Surge Channels zum drüber Springen und einer Höhle zum durch Wandern. Klingt echt nicht schlecht, aber wie gesagt, wir können das nicht machen.

Bleibt uns der Waldweg mit den bereits nur zu gut bekannten Hindernissen: riesige Wurzeln, Schlammlöcher, umgestürzte Baumstämme und Leitern. Aber davor müssen wir erstmal das letzte Mal in einem Cable Car einen Fluss überqueren. Aber darin haben wir ja schon Übung. Es folgen fuer die nächsten Stunden die genannten Unwegsamkeiten.

Das Bemerkenswerte an den Baumstämmen uber die man längs drüber muss ist, dass es inzwischen schon ganz normal ist für uns. Die ersten Stämme die wir so überqueren mussten waren noch ein kribbelndes Gefühl ob man rüber kommt oder abrutscht. Aber jetzt geht man halt drüber wie immer. Business as usual.


Da wir noch nicht so recht wissen wo wir heute nächtigen werden füllen wir unterwegs nochmal unsere Wasservorräte auf. Die leeren Flaschen einfach in ein gemütlich dahin plätscherndes Bächlein gehalten, Filtertabelette rein und voila, fertig ist das Trinkwasser.

Der letzte offizielle Campingplatz zwischen Camper Bay und dem Ende des Trails wäre eigentlich Trasher Cove. Er liegt aber am Ende der Strandroute. Wir müssten vom Wald aus erstmal ca. einen Kilometer ans Meer zurücklegen, um dorthin zu kommen. Und morgen dann wieder in die andere Richtung zurueck. Also 2 Kilometer zusätzliche Strecke. Und laut einem Bericht am gestrigen Lagerfeuer soll es der eine Kilometer richtig in sich haben: sehr steil ohne Leitern wo welche sein sollten und auch rutschig und matschig. Keine tollen Aussichten. Na mal sehen, wir müssen uns erst bei Kilometer 70 entscheiden.

Dort angekommen legen wir eine kleine Pause ein und beratschlagen uns wo es hingehen soll.

Da wir in Trixis Buch gelesen haben, dass bei Kilometer 71 auch noch eine Möglichkeit sein soll zu campen, beschliessen wir also auf dem Trail zu bleiben und unser Glück dort zu versuchen. Der Platz soll irgendwo in der Nähe des höchsten Punktes des Trails sein. Leider gibt es kein Schild „Höchster Punkt“. Also irren wir etwas orientierungslos den Trail entlang. Als wir dann aber nochmal einige Leitern hoch müssen sind wir uns relativ sicher, dass wir dem höchsten Punkt nahe sind. Nach wenigen Metern findet sich auch ein Plätzchen für unsere beiden Zelte. Für ein drittes würde es aber schon knapp werden mit dem Platz. Ob das der im Buch erwähnte Platz ist wissen wir nicht, ist aber auch egal.

Auf den offiziellen Camgrounds gibt es immer eine kleine Metallbox, um die Nahrung Bären-sicher aufzubewahren. Die gibts hier natürlich nicht. Also packen wir unsere letzten Reste in einen Sack der in den Bäumen aufgehängt werden muss. Bäume hats hier ja genug. Wir suchen uns einen in sicherer Entfernung von den Zelten. Das Seil an die richtige Stelle zu bugsieren braucht ein paar Versuche, aber schliesslich hängt das Essen dort oben.

Mittlerweile ist es ziemlich frisch geworden. Wir packen uns alle dick ein. Normalerweise hätten wir ja jetzt ein schönes Lagerfeuer, um uns aufzuwärmen, aber hier mitten im Wald geht das natürlich nicht. So fällt auch das abendliche ins-Feuer-starren aus. Also kriegen endlich die UNO Karten die ich schon über 70 km mitschleppe ihre Chance. Wir verkriechen uns zu viert in ein Zelt und spielen ein paar Runden. Da ein 2-Mann-Zelt aber nicht so bequem ist für vier Leute läßt der Spass bald nach. Also ab in die Schlafsäcke. So sind wir heute also schon um halb 8 im „Bett“.

Ach ja, beim Essen sind noch ein paar Wanderer vorbeigekommen und haben uns erzählt, dass Boston den Stanley Cup gewonnen hat. So ein Mist. Gefällt mir nicht. Ich wollte doch den riesigen Pokal noch in Vancouver bewundern :-(

Tag 7: Walbran Creek – Camper Bay (9 km)

Wir haben uns den Wecker auf 7 Uhr gestellt und quälen uns dann etwas verschlafen aus dem Zelt. Wenigstens wartet gleich ein doppeltes Oatmeal und ein leckerer Cappuccino auf uns. Weiterer Lichtblick des Tages: die Sonne scheint, allerdings haben wir eine komplette Waldetappe vor uns, so dass wir das schöne Wetter gar nicht richtig mitbekommen.

Laut Trixis Reiseführer soll das heute eine ziemlich harte Teilstrecke werden, mit vielen Leitern, die gefühlt wie 25 Stockwerke sein sollen. Naja, mal schaun, ob das stimmt.

Wir wandern einfach mal im Wald los.

Schnell zeigt sich allerdings, dass der Reiseführer Recht behalten soll. Es geht mal wieder über viele Boardwalks, Schlammlöcher und Wurzelgeflechte, bis wir zu den Monsterleitern kommen. Auf der einen Seite geht es über ca. 8 Einzelleitern runter, dann über eine Brücke über den Fluss und auf der anderen Seite geht es die gleiche Leitersammlung wieder hoch. Krass, das ist schon ganz schön anstrengend. Gott sei Dank passt das Wetter. Oben angekommen führt der Weg über einige Boardwalks, jede Menge Schlamm und Wurzeln, bis schließlich die nächsten Hammer-Leitern kommen. Dort geht es erneut ewig weit nach unten, um dann eine ca. 30 cm breite wankende Hängebrücke überqueren zu können und auf der anderen Seite wieder hochzuklettern. Aber die Brücke ist schon ziemlich cool! Es kann jeweils nur einer drüber laufen und die Schwingungen sind er Wahnsinn. Leider ist das die einzige derartige Brücke.

Naja, was solls, es gibt ja noch genügend andere Hürden, z. B. die Leitern, die wir jetzt wieder hochkraxeln müssen. Das geht schon ganz schoen auf die Füße, ich bin echt froh, als wir oben ankommen. Hank läßt dann spasseshalber verlauten: „paßt blos auf, in 200 m gehts wieder runter!“ und tatsächlich, so kommt es dann auch. Nur diesmal wartet unten ein Cable Car auf uns. Die Dinger sind wirklich ziemlich anstrengend, denn der Kraftaufwand in den Armen ist enorm! Kaum drüben angekommen, gehts auch schon wieder nach oben. Dort erwarten uns dann wieder die üblichen Hinternisse: Boardwalks, Wurzeln und jede Menge Schlammlöcher.

Man, bin ich froh um meine Hiking-Sticks, die sind hier echt ein uentbehrliches Gut!

Inzwischen kommen wir leider nicht mehr ganz so schnell voran, denn Trixis Knie macht massiv Probleme und ausserdem reißt an Hanks Rucksack der Bauchgurt endgültig durch. Wie er so das letzte Stück schaffen möchte ist mir ein absolutes Rätsel, aber er wird sich schon durchschlagen, denn den Notfallgurt, den ihm Trixi anbietet, lehnt er vehement ab. Naja, dann lass bleiben, alter Sturkopf! ;-) Allerdings über Rückenschmerzen beschwert er sich dann schon. Ich kann ihm daher nur bedingt Mitleid entgegen bringen.

Dennoch erreichen wir zu einer halbwegs vernünftigen Uhrzeit, gegen 16:30 Uhr unser Camp in Camper Bay auf Kilometer 62. Hank legt sich erstmal auf unsere Zeltplane um ein bisschen zu rasten, ehe er unser Zelt aufbaut und am anderen Ufer mit der Aldi-Tüte ausgestattet Feuerholz für unser heutiges Lagerfeuer sammelt. Ausserdem versucht er es mir gleich zu tun und springt, wie ich gestern, ins eiskalte Quellwasser um sich zu waschen.
Auch er findet das Gefühl nach dem Kälteschock ziemlich gut, aber mir reicht einmal!

Währenddessen macht sich Marion mal wieder an die Arbeit, um für die Gruppe ein leckeres Abendessen zu zaubern. Diesmal gibt es Nudeln mit einer Tomaten-Milchpulver-Sosse, serviert mit ein paar Stückchen Salami. Klingt zwar komisch, schmeckt aber sehr lecker!

Nach dem Abendessen sitzen wir noch gemütlich am Lagerfeuer und lassen den Tag locker ausklingen.

Tag 6: Cribs Creek – Walbran Creek (12 km)

Nach dem Frühstück beschließe ich meine Regenhose mit Hilfe von Tape wieder in Stand zu setzen. Klappt auch ganz gut. So marschieren wir weiter. Nach kurzer Zeit fängt es zu nieseln an. Haben sich die Reparatur-Maßnahmen schon gelohnt.

Es geht mal wieder am Strand entlang.

Immer wieder stehen beeindruckende Felsen in der Brandung.

Nach diesem einfachen Warm-Up steht wieder eine Waldpassage an. Es geht steil bergauf, ist sehr schlammig und rutschig. An einigen Stellen kommt man nur dank oben festgeknoteter Seile weiter. Die Kletterei macht mir aber schon Spaß auch wenn es teilweise doch schwierig ist das Gleichgewicht trotz des schweren Rucksacks zu halten. Oben angekommen geht es dann wieder über die schon gewohnten Hindernisse. Nach 2 Kilometern müssen wir uns entscheiden: entweder weiter durch den Wald oder wieder an den Strand. Da an dem Strandabschnitt aber einige nicht ungefährliche Surge-Channels sein sollen und es außerdem ein kleiner Umweg ist entscheiden wir uns für den Waldweg. Hier geht es mal rauf, mal runter und wir legen die ein oder andere kurze Verschnaufpause ein. Mein Rucksack macht mir heute mehr zu schaffen als die letzten Tage. Ob es an dem beschädigten Hüftgurt, falschem Packen oder einfach genereller Erschöpfung liegt ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich ein wenig von allem.

Jetzt wartet ein Highlight auf uns: Chez Monique, der Burgerladen des Trails.


Aber erst muss die letzte Leiter zurück zum Strand überwunden werden. Im Sand stoßen wir auf Tierspuren, die wir nach unserer Einweisung vor drei Tagen sofort als Wolfsspuren identifizieren. Ein Wolf? Ein Wolf! Hier? Am Strand? Gespannt halten wir Ausschau nach dem Tier, sehen aber nichts. Also weiter zum Burgerladen.
Wie Burgerladen? Jaja, ihr lest schon richtig. Angefangen hat das Ganze vor 22 Jahren. Monique wollte aussteigen und hat sich hier nieder gelassen. Dann kamen ein paar Wanderer vorbei und haben ihr ihr Cola abgekauft. „The rest is history“ sagt sie. Sie hat um ihre bescheidene Hütte einen Gemüsegarten in dem sie vieles auch selber anbaut was sie so braucht. Aber natürlich wird sie per Boot mit allerlei Waren versorgt. Man kann hier Schokoriegel kaufen, Bier, Cola, Marshmellows, Chips, etc. Aber das Beste sind ihre Burger. Ich bestelle einen „fully loaded with everything“. Leider sind Champignons und Bacon aus, also wird es nur ein Cheeseburger. Nichts desto trotz schmeckt er sehr sehr gut. Als Beilage gibt’s ein wenig Kuskus.

Beim Essen taucht der vermeintliche Wolf auf: es ist Moniques Hund. Naja, zumindest haben wir die Spuren nicht komplett falsch gedeutet… Beim Essen fällt mir noch auf, dass mein Handy wieder mal weg ist. Mist, das hab ich heut Früh in der Seitentasche im Zelt vergessen. Aber zumindest is es dann auch im Rucksack.

Frisch gestärkt geht es weiter am Strand. Nach kurzer Zeit müssen wir mal wieder ins Cable Car steigen.

Danach wird der Strand wieder schwieriger zu gehen, die bereits verhassten Steinchen sind wieder da.

Wir machen eine kleine Pause am Bonilla Point. Um die Ecke ist ein schöner kleiner Wasserfall.


Dann geht es schon wieder weiter. Wir müssen uns jetzt ein wenig beeilen, um den Vancouver Point noch vor der Flut zu erreichen. Ansonsten hieße es zurück marschieren und den Waldweg nehmen. Wir kommen aber rechtzeitig an und meistern die kleine Kletterpartie um den Point ohne Probleme.

Jetzt sind wir fast am heutigen Tagesziel, dem Campground am Walbran Creek. Dummerweise liegt der am anderen Flussufer und das Cable Car ist nur über den Waldweg zu erreichen. Also heißt es Schuhe aus, Hosen abgezippt und durch den Creek waten.

Das Wasser ist eiskalt. Nach wenigen Schritten beginnt es bereits ein wenig weh zu tun. An einer kleinen Insel angekommen schaue ich zurück was Carina macht. Ich befürchte ein großes Drama. Aber sie überrascht mich und watet auch ohne Anstalten durchs Wasser. Normalerweise meidet sie Kälte wie der Teufel Weihwasser.

Wir schlagen unser Lager zwischen den angespülten Baumstämmen auf. Beim Aufbauen des Zelts kommt mein Handy auch wieder zum Vorschein. Leider hat es die Feuchtigkeit und den Sand aus dem Zeltinneren nicht so gut vertragen. Das Ding hats wohl hinter sich.
Noch bevor ich das Feuer anhabe die nächste Überraschung: Carina verkündet, dass sie schnell in den kleinen See am Creek hüpft. Wie bitte? Carina freiwillig ins kalte Wasser? Was ist denn hier los? Aber sie lässt ihren Worten Taten folgen und springt ins nasse Kalt. Hätt ich nicht für möglich gehalten.


Ich sorge mal wieder fürs Campfire. Dabei haut es ein paar Funken davon, mir genau auf das vor 4 Tagen gekaufte Longsleeve-Shirt. Ergebnis ist ein schönes großes Brandloch im Ärmel. Nicht so mein Tag heute.

Am Strand tauchen dann noch ein paar Rehe auf. Die passen hier irgendwie so gar nicht ins Bild. Wo bleiben Bär, Puma und Wolf? Die würd ich lieber sehen! Aber man muss wohl nehmen was da kommt.

Wir genießen noch die letzten Sonnenstrahlen und dann ist der Tag auch schon wieder rum.

Tag 5: Tsusiat Falls – Cribs Creek (16 km)

Heute haben wir einen langen Marsch vor uns: ganze 16 Kilometer müssen wir mit dem Gepäck zurücklegen und als ob das nicht genug wäre, regnet es bereits früh am Morgen, so dass wir zum einen unsere Sachen nass einpacken müssen und zum anderen ohne Frühstück loswandern müssen. Na toll, ich bin „not amused“! Aber da der „Point of no return“ längst überschritten ist, bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Regenkleidung anzuziehen, die Gamaschen umzuschnallen, Rucksack auf den Rücken zu werfen und loszuwandern. So what – bringen wirs hinter uns!


Der Tagesmarsch beginnt am Strand, wobei der Regen gar nicht wirklich stört, wir kommen gut voran – bis zum Hole in the Wall, ein Felseneck, an dem man nur rumkommt, wenn man den Moment erwischt, indem die Welle gerade zurückgeht. Dann heißt es schnell laufen und nicht nass werden! Einer nach dem anderen hüpft um dieses Eck, bis wir schließlich alle 4 drüben sind.

Dann geht es über ein paar Felsen, die aufgrund des Regens ein bisschen rutschig sind, so dass Vorsicht geboten ist.

Nach diesem ersten Teilstück am Strand geht es dann wieder in den Wald, über unzählige Wurzeln, Schlammlöcher und jede Menge alte wacklige Boardwalks, die direkt an den Nitinat River führen.

So, hier kommen wir ohne fremde Hilfe nicht weiter.

Hank ruft dem Fährmann, der uns dann in seiner „Fähre“ ans andere Ufer bringt. Zur Wetterlage erklärt er uns, „just look out there and then you will see what you get!“ Aha, werden wir machen – momentan schaut es nicht so berauschend aus!

Plötzlich endet der Weg im Sumpf und wir müssen außen rum wandern. Der Regen hat zwischenzeitlich auch aufgehört, so dass wir gut vorankommen. Wir müssen wieder an den Klippen entlang laufen, wohl wissend, dass direkt neben uns der Abgrund ist. Beruhigend! ;-)

Wir erreichen dann den Cheewat River.


Laut Einweisung darf man hier auf gar keinen Fall campen, weil dort ein agressiver Bär gesichtet wurde. Wir sind wachsam und hoffen insgeheim, eine Begegnung mit einem Bären zu erleben, aber Pech/Glück gehabt, kein Bär in Sicht.

Mittlerweile merke ich schon sehr, dass der Marsch heute anstrengend wird, meine Beine tun mir ziemlich weh und aufgrund des Regens am Morgen hab ich meinen Rucksack nur „schnell schnell“ gepackt, so dass das Gewicht leider ziemlich schlecht verteilt ist. Dies trägt nicht gerade zum besonderen Tragecomfort bei! Auch das permanente Einsinken beim Gehen am Strand verbessert meine Gesamtsituation nicht wirklich! Mit unseren Habseligkeiten kämpfen wir uns wieder über die Felsen – immer voll konzentriert, um nicht auszurutschen.

Auf einmal entdecken wir eine ganze Seeadler-Familie am Himmel, die sich durch nichts erschüttern lässt.

Wie sich herausstellt, ist der Grund dafür, die am Strand liegende tote Seerobbe, deren Aas von den Adlern permanent umringt wird.


Ich finde den Anblick eher ekelhaft, aber Hank ist schwer begeistert von der Szenerie.

Zum Glück ist es von der Seerobbe aus nicht mehr weit, bis zu unserem Camp Cribs Creek auf Kilometer 41. Oh mein Gott, was bin ich froh darüber. Der Tag war mein persönlicher Horror-Tag. Meine Füße schmerzen ohne Ende, der Rücken ist völlig überlastet und auch sonst bin ich nicht gerade begeistert. Ich brauch erstmal 20 Minuten, um ein paar Dehnübungen zu machen, bis ich überhaupt wieder ansprechbar bin.

In der Zwischenzeit hat Hank bereits das Zelt aufgestellt und das Lagerfeuer angeworfen, so dass ich mich nur in das gemachte Nest sitzen muss 


Marion macht sich wieder an die Kocherei und kredenzt uns ein leckeres Pesto! Die Wetterlage hat sich auch wesentlich verbessert, so dass der Tag wesentlich besser endet, als er begonnen hat…

Hank will auch noch seinen Senf dazugeben, hier seine Kommentare:

Es gibt die ersten Schäden am Material. Heute im Laufe des Nachmittags habe ich mir die Naht meiner Regenhose aufgerissen. Bis zum Abend ist ein beachtlicher Riss bis zum Knie des einen Fußes zu Stande gekommen.

Was noch schlimmer ist: bei meinem Wanderrucksack ist eine Naht des Beckengurts (der ja den Großteil der Last von den Schultern nimmt) eingerissen. Noch ist der Gurt dran, aber gut schaut des nicht aus, ich hoffe das hält noch ein paar Tage.

Am Lagerfeuer erfahre ich von ein paar anderen Hikern, dass Boston in Spiel 6 kurz vor Schluss 4-2 geführt hat. Schaut nicht gut aus für Vancouver. Dann muss es eben in Spiel 7 klappen!