19.02. Mr. Babatsi

Wecker klingelt mal wieder um 7 Uhr. Was für eine unmenschliche Uhrzeit im Urlaub. Naja, hilft wohl alles nix, wir müssen aufstehen, immerhin haben wir viel vor heute. Zunächst mal – wie gewohnt – frühstücken, dabei bekommen wir Besuch von einer weiteren Katze, die unmittelbar in der Obhut von Marion landet. Unterwegs zur Toilette entdecke ich die Mietzi von gestern Abend und bring sie auch mit zur Marion, die sich bereits um den neuen Besucher kümmert und ein Milchschüsselchen bereit stellt. Da lässt sich der Kater auch nicht mehr halten und schnappt der neuen kleinen Mietzi alles weg. Marion is not amused, immerhin hat es ihr Kleine noch ein bisschen mehr angetan. Als sie auf die Idee kommt dem Kater die Ohren zu putzen ist Schluss mit lustig. Marion ist für ihn nicht mehr der Freund und auch dem Rest gegenüber ist er jetzt ein wenig skeptisch.

Während am Camp die Katzenversorgung läuft, versammelt sich in unmittelbarer Nähe eine Eselsfamilie. Die lässt sich echt überhaupt nicht aus der Ruhe bringen – im Gegenteil – die wirken so, als ob wir sie gar nicht meinen können. Schnell noch ein paar Fotos gemacht und schon packen wir unsere Sachen zusammen und fahren los. Unser erstes Ziel ist der Brandberg, wo wir eine Wanderung zur White Lady machen möchten. Leider darf man diese nur mit einem Guide mache, so dass wir von einem Einheimischen begleitet werden, der uns ein bisschen was über die Gegend hier erzählt. Insgesamt dauert der Marsch 1 1/2 Stunden, also 45 Minuten einfache Strecke. Unterwegs begegnen wir Geckos, Echsen und auch Dessins. Inzwischen ist es auch schon wieder gut warm und ich bereue, dass ich keine richtige kurze Hose angezogen habe. In den vorgegebenen 45 Minuten erreichen wir die White Lady, das sind Höhlenmalereien, die schon sehr beeindruckend sind.

Nachdem wir hier alles angeschaut haben, geht’s wieder zurück zum Ausgangspunkt. Unterwegs treffen wir auf ein Kamerateam vom NDR, das hier eine Dokumentation über Namibia dreht, die am 31.3. um 18 Uhr ausgestrahlt wird. Aha, klingt ziemlich spannend – ist mal im Hirnkasten abgespeichert. Am Ausgangspunkt will Hank noch ein paar Kristalle kaufen und verhandelt mit unserem Guide über den Preis. Da sich die beiden am Ende einig werden, haben wir nun 3 Kristalle dabei. Das bringt uns zu der Idee unterwegs selbst nach Kristallsteinen zu suchen, so dass wir an einem großen Steinhaufen versuchen, diese aufzuschlagen, in der Hoffnung, dass sich innen auch Kristalle befinden. Diese Operation ist leider eher weniger erfolgreich, so dass wir unsere Fahrt in Richtung Twyfelfontain fortsetzen.

Dort angekommen gibt es erstmal einen kleinen Snack, da die Sonne aber inzwischen brutal runter brennt, sind wir froh, dass wir ein bisschen unter dem Dach stehen können. Die Arbeiter hier sehen das wohl ganz genau so, denn anstatt irgendwas zu arbeiten, sitzen sie alle nur in Strohhaufen rum und machen gar nix. Gestärkt buchen wir dann eine guided tour zur Twyfelfontain. Unsere Führerin ist Karen, eine etwas übereifrige Einheimische, denn sie scheint es wohl mit dem Marsch etwas eilig zu haben. Wir gehen einen 45-minütigen Spaziergang durch den Löwenpfad und halten an allen vorhandenen Wandmalereien. Insgesamt gibt es hier wirklich ziemlich viele, an jeder Ecke gibt es Giraffen, Zebras, Löwen usw. zu sehen. Insgesamt ist diese „Wanderung“ aber im Vergleich zur White Lady doch eher unspektakulär, aber wir schauen dennoch ganz gespannt alles an was uns Karen zeigt und lauschen ihr, was sie uns erzählt.

Pünktlichst kehren wir zum Ausgangspunkt zurück und kaufen noch ein von Karen handgefertigtes Mitbringsel, denn das ist sinnvoller als Trinkgeld zu geben. Wir setzen sodann unsere Fahrt in Richtung Outjo fort, wobei wir noch nicht wissen, wo wir den nächsten Campingplatz finden, denn es ist immerhin schon 18 Uhr. Das hießt wir fahren einfach mal drauf los, bis wir irgendwann ein Schild mit der Aufschrift „Babatsi-Camp“ entdecken. Na dann schauen wir da doch mal hin. Es geht durch ein Tor hindurch und dann müssen wir laut Anzeigetafel 12 Minuten fahren – Aha!

Wir fahren und fahren – mitten ins Nirgendwo, bis wir nach 10 Minuten vor einer Hütte stehen, die wohl der Campingplatzeingang sein soll.Hank und Flo checken die Lage und kommen wenig später zurück, wir dürfen hier campen. Mr. Babatsi, in Wirklichkeit heißt er Gerald und ist ein Deutscher, muss noch einen seiner Angestellten losschicken und dieser soll am Campingplatz den Boiler anwerfen, damit wir warmes Wasser haben. Wir sollen doch so lange reinkommen und können Kaffee trinken. Okay, auch kein Problem. Dann stehen wir auch schon auf seiner gigantischen Terrasse, die nicht nur mit Pool und allem möglichen Schnickschnack ausgestattet ist, sondern auch einen atemberaubenden Ausblick bietet, so z. B. auf sein eigenes Wasserloch, wo sich gerade eine Herde Giraffen stärkt.  Hammer!

Gerald erzählt uns, dass er mit ca. 1000 Hektar (also insgesamt 10 Quadratkilometer) eher ein kleines Grundstück hat, auch der Sonnenuntergang ist heute eher langweilig, weil keine Wolke am Himmel ist. Das sind natürlich schon enorme Luxusprobleme. wir sind ziemlich beeindruckt von seinem Anwesen und sehen ganz deutlich den Unterschied zwischen reich und arm in Namibia.

Anschließend fahren wir zu unserem Camp, welches ca. 500 Meter von Geralds Haus entfernt ist. Der Zeltplatz ist ebenfalls sehr schön, vor allem ist er ziemlich verwachsen, so dass wir hier total ungestört sind. Völlig hungrig werfen wir unseren Kocher  an und verzehren leckere Nudeln mit Sahnesoße. Außerdem entdecken wir im Camp noch einen riesigen Tausendfüßler. Wir sitzen noch eine Weile draußen, bevor wir schließlich total erschöpft in unsere Zelte fallen.

18.02. Brandberg

Na toll. der Tag beginnt schon mit einer totalen Enttäuschung: es regnet und es ist richtig unschön vom Wetter her! Das ist ja mal wieder typisch, kaum freu ich mich mal richtig auf irgendwas hat Petrus Einwände dagegen! Offensichtlich bin ich auch die Einzige, die heute Quadfahren gehen will, so dass ich mich wohl oder übel mit dem Gedanken anfreunden muss, dass mir dieser Spaß verwehrt bleibt. Dementsprechend guter Laune bin ich natürlich. Bevor allerdings weiter fahren, wollen wir noch einen neuen Reifen kaufen, so dass mir die Hoffnung bleibt, dass bis dahin das Wetter besser wird. Nachdem wir 3 Reifenläden abgeklappert haben, mit der Autovermietung telefoniert haben und von einem Gangster zum Nächsten geschickt wurden, haben wir schließlich einen nagelneuen Reifen für unser Fahrzeug. Das Wetter hingegen hat sich noch immer nicht wesentlich verbessert.

Glücklicherweise mähen wir erstmal noch einen Kaffeestop in einem Café, das vom Logo her eindeutig die Markenrechte von Starbucks verletzt hat, aber der Café schmeckt und Internet gibt es auch, das wohl das Wesentliche. Nach einer Kaffeestärkung schauen wir noch bei Peter’s Antiquitäten vorbei, ein Souvenierladen, der uns gestern schon aufgefallen ist. Hier gibt es ein paar tolle Mitbringsel, aber nachdem wir noch eine sehr lange Reise vor uns haben, entscheiden wir uns dafür mit dem Souvenirs kaufen noch ein wenig zu warten. Dafür kaufen wir heute Postkarten. Wie sich herausstellt, ist der Verkäufer ein Deutscher, sogar ein Bayer, bzw. sogar Niederbayer. Er selbst ist aus Passau, aber sein Onkel aus Landshut. Dieser hat eine Fahrschule in Landshut – nämlich die Mier. Das ist ja lustig und echt ein ziemlicher Zufall, dass es sich dabei genau um die Fahrschule handelt, bei der ich meinen Führerschein gemacht habe.

Nach dem Stoppen klart das Wetter endlich ein bisschen auf, so dass wir auf gut Glück einfach mal zur Quadstation fahren und fragen, ob es heute möglich ist, die Wüste mit dem Quad zu erkunden. Tatsächlich, ich habe Glück. In 20 Minuten können wir starten. Flo und Marion wollen in der Zwischenzeit reiten gehen, während Hank und ich mit dem 4-Rad-Gefährt über die Dünen fetzen. Wir werden wenig später abgeholt und zu den Quads gebracht. Dort gibt es eine kurze Einweisung und schon geht’s los. Voll cool, wir sind nur zu zweit mit unserem Guide. Am Anfang ist es noch ein bisschen komisch auf den schnellen Gefährten, aber man entwickelt relativ schnell ein Gespür fürs fahren.

Am Anfang fahren wir noch eine relativ einfache Strecke und der Guide zeigt uns via Handzeichen worauf wir achten müssen, aber wir steigern das Level relativ schnell. Am Lustigsten ist das schräg auf die Dünen fahren und dann Schuss wieder runterfahren. Das macht echt Mordsspaß. Nach ca. 30 Minuten machen wir eine kurze Pause mit Fotosession und schon geht’s wieder weiter. Wir sind beide ziemlich begeistert von diesen flotten Spielzeugen. Unterwegs hält uns der Guide nochmal auf, er hat im Sand eine Echse entdeckt, die er uns zeigen möchte.  Krass, die ist sog gut getarnt und er hat sie trotzdem gesehen. Das heißt nochmal einen Fotostop, ehe wir die letzten Runden drehen. Insgesamt sind wir knapp 1 1/2 Stunden unterwegs. Völlig begeistert kehren wir zur Quadstation zurück, von wo aus wir mit dem Shuttle wieder zurück in die Stadt gebracht werden.

Nachdem wir uns erst in ca. 1 Stunde mit Flo und Marion wieder treffen, kehren wir schon mal in das Café zurück, wo wir das Internet nochmal nutzen und kleinen Snack zu uns nehmen.

Gegen 15 Uhr setzen wir schließlich unsere Fahrt in Richtung Norden fort, allerdings nicht ohne vorher nochmal einzukaufen. Man muss hier alle Gelegenheiten nutzen. Wir fahren bis zum Brandberg, vor wir uns einen Campingplatz suchen wollen. Unglücklicherweise gestaltet sich dies schwerer als erwartet. Wir irren eine gefühlte Ewigkeit auf den holprigen Straßen umher, die lediglich eine Geschwindigkeit von 40 m/h zulassen und landen am Ende in einer Sackgasse. Na wunderbar, der Sonnenuntergang rückt auch immer näher und grillen wollen wir auch noch. Ich werde langsam aber sicher ein bisschen ungeduldig und will endlich das Ziel erreichen, doch erstmal müssen wir umkehren und die Holperstrecke wieder zurück fahren.

Auf dem Weg stoßen wir auf eine französische Rentnergruppe, die offensichtlich den gleichen Campingplatz suche. Dieser ist aber definitiv nicht zu finden, so dass auch die Gruppe gleich wieder umkehrt. Zurück an der „Hauptstraße“ fahren wir noch ca. 2 km bis wir tatsächlich ein Schild erblicken, das auf einen Campingplatz hinweist. Na hoffentlich haben wir nun mehr Glück, es sind wohl noch 2 km, bis zum Camp und wir fahren und fahren, nix kommt. Wir haben die Hoffnung schon fast aufgegeben und stehen am Ende dann doch noch vor den Toren eines Campingplatzes. Schnell einchecken und schon sind wir da.

Wir wollen uns gerade einen Platz aussuchen, als wir von einer Gruppe Afrikanern abgefangen werden, wir sollen ihnen folgen, es wurde ein Elefant gesichtet. Na wenn das so ist, dann doch gleich mal hinterher. Und tatsächlich – auf unserem Campingplatz befindet sich ein wilder Elefant, wobei er total zahm und scheu ist, aber in freier Wildbahn eben. Was für ein Glück, das wir ausgerechnet hierhin gefahren sind.

Leider geht aber auch die Sonne schon unter, so dass wir ihn relativ schnell mangels Licht nicht mehr fotografieren können. Aber echt faszinierend, wie wenig es den Elefanten beeindruckt, dass um ihn herein eine ganze Horde an schaulustiger Menschen versammelt steht. Nachdem es inzwischen fast dunkel ist, machen wir uns doch mal auf die Suche nach einem passenden Stellplatz, bauen die Zelte auf und schmeißen den Grill an. Dabei bekommen wir Besuch von einer sehr süßen Katze,  die – welch ein Wunder – mal wieder unmittelbar auf die Marion zugesteuert kommt. Die Tatsache, dass Flo und Marion die Mietzi mit Grillfleisch füttern, lässt sie natürlich nicht den Platz verlassen, so dass wir wohl für heute Nacht ein Haustier haben. Wir sitzen noch ein wenig draußen, hören den Elefanten nicht weit entfernt schreien und gehen irgendwann völlig erschöpft ins Bett.