Koh Phi Phi

Wir sind uns bis kurz vor knapp nicht sicher, wo es als nächstes hingehen soll: die Optionen sind Ko Lanta und Ko Phi Phi. Für Lanta spricht, dass wir dort noch nicht waren und dass es sicher nicht so eine Partyinsel wie Phi Phi ist. Für letzteres spricht, dass es dort auch Kletterrouten gibt. Aus diesem Grund entscheiden wir uns schließlich für Phi Phi. OK, ich gebe zu, dass auch die Abfahrtszeit der Fähre nach Lanta etwas zur Entscheidung beigetragen hat. Hätten wir sie erwischen wollen, dann hätten wir nur ne dreiviertel Stunde fürs Frühstücken und Packen gehabt, was uns dann doch auch zu stressig war ;-)

Da das direkte Boot nach Phi Phi aber auch schon weg ist, müssen wir einen Umweg über Krabi machen. Kein Problem, ist halt eine Longtail-Boot-Fahrt zusätzlich. So sitzen wir schon bald in so einem Boot und legen von Railay ab, nicht ohne noch einen schmerzlichen Blick hinüber zu den Klettergebieten zu werfen. War die Fahrt nach Railay noch sehr ruhig und entspannt, so verläuft die Rückfahrt etwas anders: heute ist ziemlicher Wellengang und unser Boot wird ordentlich hin und her und auf und ab geschüttelt. Manchmal krachen wir schon ganz schön heftig in ein Wellental und dem ein oder anderen Mitreisenden entfährt ein kleiner Schrei. Wir sitzen praktischerweise mal wieder in der vordersten Reihe. Normalerweise ist das nicht schlecht wegen der guten Sicht, heute heißt das, dass wir jede Menge Spritzwasser von der Gischt abbekommen. Jede Menge bedeutet, dass wir klitschnass an Land ankommen.

Tropfend und mit Salzwasser-Geschmack im Mund werden wir gleich in Empfang genommen und zu einem Minivan geleitet, der uns zur Fähre bringen soll. Wie üblich ist der Fahrer nicht gerade zimperlich und gibt ordentlich Gas. Aber einem Asienaufenthalt ohne so eine Fahrt würde auch was fehlen. So kommen wir kurze Zeit später am Fährhafen an und können nach einer kurzen Wartezeit unser Schiff besteigen. Erst denken wir „He, die haben da aber ein tolles neues Schiff, das ist nicht so eine Rostlaube wie vor 6 Jahren“ aber schnell merken wir, dass wir ausgetrickst wurden: die alte Rostlaube ist hinter dem schönen großen Schiff vertäut und wir landen letztlich doch wieder auf ihr (oder einer ähnlichen zu der von vor 6 Jahren). Naja, wir sind ja nicht für eine Luxus-Kreuzfahrt hier. Die Überfahrt verläuft dann unspektakulär und nach knappen zwei Stunden steuert die Rostlaube das Pier von Phi Phi an.

Welcome to PP
Welcome to PP

Beim Verlassen des Schiffs merken wir schnell, dass sich hier einiges getan hat seit unserem letzten Besuch: waren damals noch kleinere Häuschen am Ufer gebaut, manche sogar noch von vor dem Tsunami, wurden die zwischenzeitlich alle entfernt und durch eine Uferpromenade ersetzt. Dass wir beim Betreten des Festlandes von den „Hotel-Schleppern“ überfallen werden ist zwar nicht neu, wohl aber wie sie arbeiten: wir werden in ein kleines Büro geleitet (da wir ausnahmsweise nichts reserviert haben gehen wir mal mit) und dort hängen an der Wand Bilder, Beschreibungen und Preise von zig Unterkünften. Wir werden gefragt was wir in etwa wollen, wo die Unterkunft sein soll und bekommen die möglichen Kandidaten vorgestellt. Die Auswahl ist groß und fällt uns entsprechend schwer. Unsere präferierten Objekte sind alle schon ausgebucht wie sich rausstellt, also müssen wir bei Lage, Preis, Frühstück oder Pool Abstriche machen. Schließlich bleibt der Pool auf der Strecke und wir haben eine Unterkunft am ruhigeren Ende der Insel (mit der Party-Meile hatten wir beim letzten Mal ja schon schlechte Erfahrungen gemacht).

Nachdem wir eigecheckt haben geht es gleich wieder Richtung Zentrum. Zuerst suchen wir uns mal ein kleines Thai-Restaurant und stillen unseren Hunger. Auf dem Weg hierher haben wir schnell gemerkt, dass die Insel, die schon vor 6 Jahren sehr touristisch war, inzwischen ein absolut überfüllter Touri-Hotspot ist. Durch die Gassen drängen sich fast ausschließlich Ausländer, Einheimische sieht man nur in ihren Läden sitzen oder als „Träger“ von Gepäck und jeglichen Waren. Naja, eigentlich sind es keine Träger, sondern eher Schieber, da alles in kleinen Wägelchen transportiert wird, die vom Prinzip her Schubkarren sind, nur viel größer als bei uns. Diese Karren versperren auch oft den Weg oder man wird angepfiffen weil man nicht schnell genug zur Seite hüpft wenn einem so einer entgegenkommt. Ziemlich nervig, aber man gewöhnt sich dran. Dafür gibt es hier ansonsten keinen Verkehr, die Insel ist eine Fußgängerzone.

Wie gesagt, es wimmelt geradezu von Touristen und dementsprechend sehen auch die Ladenzeilen aus: Souvenirshops, Touranbieter, Tauchunternehmen, Tattoo-Studios, Restaurants und Massagestudios wohin das Auge blickt. Und natürlich werben die Besitzer ständig um Kunden und man wird alle zwei Meter angequatscht. Wir lehnen aber alle Angebote ab, da wir ein bestimmtes Ziel vor Augen haben: den Adventure Club, mit denen haben wir vor 6 Jahren einen super Schnorchel-Ausflug gemacht und wollen das wiederholen. Wir finden in dem Gässchen-Labyrinth überraschend schnell unser Ziel und informieren uns über die Optionen. Da der Adventure Club auch Tauchgänge anbietet wird uns auch nahegelegt das mal auszuprobieren. Nein, wir wollen schnorcheln! Die Betreiber geben sich geschlagen und erläutern uns ihre Schnorchel-Tour. Sie klingt auf jeden Fall gut und wir haben vor sie morgen Nachmittag zu machen. Bevor wir das buchen wollen wir aber noch ein Kletterseil für übermorgen klarmachen.

Nach einigem Suchen finden wir dann auch einen etwas kleinen und abgelegenen Klettershop und erkundigen uns nach einem Seil. Wir fallen aus allen Wolken, als der Betreiber uns sagt, dass sie nichts verleihen, ja gar nicht dürfen, das wurde wohl von der Polizei untersagt. Äh wie bitte, wieso das denn? Naja, ist halt so, er kann da nichts machen und woanders werden wir auch nichts kriegen, da er der einzige Laden ist. Wir haben ja den leisen Verdacht, dass das nur eine Masche ist, um uns einen Kletterkurs zu verkaufen, darauf haben wir aber keine Lust. Ziemlich frustriert ziehen wir ab und suchen erstmal ein Café auf, um den Schock zu verdauen. Wir sind echt ziemlich geknickt, war doch der Hauptgrund nach Phi Phi zu kommen, unsere Kletterei.

Nachdem der erste Schock verdaut ist gehen wir unsere Optionen durch: von der Insel abreisen können wir nicht, da wir unsere Unterkunft schon für drei Tage bezahlt haben. Da es auch kein ganz billiges Zimmer ist fällt das also weg. Einen Kletterkurs machen wollen wir eigentlich nicht, diese Option ist also auch weg. Schnorcheln gehen wäre immer noch eine Option. Was noch? Hm, schön langsam freunden wir uns mit der Idee an, doch mal ein Schnupper-Tauchen zu probieren. Carina ist sich aber sehr unsicher, für sie ist das eine ihrer größten Ängste. Und ich bin mir auch nicht sicher ob mir das gefallen würde oder ob ich unter Wasser Panik bekomme. Naja, informieren wir uns lieber noch ein wenig.

Also ziehen wir wieder los und bleiben bei zwei drei Tauchzentren stehen. Aber so richtig überzeugen können uns die Burschen nicht. Bei einem kleinen Touranbieter meint eine Dame dann, dass es doch einen Anbieter geben könnte, der Kletter-Sachen verleiht. Praktischerweise soll der in der Gasse sein, in der auch der Adventure-Club liegt, da wollten wir eh nochmal hin wegen dem Schnorcheln und evtl. auch Tauchen. Also durchforsten wir wenig später die genannte Gasse, passieren dort den Adventure-Club und stehen auch bald am Ende der Gasse, den genannten Kletteranbieter haben wir aber natürlich nicht gefunden.

Dafür gibt es hier noch einen anderen Tauchladen, die Aquanauts. Auch hier riskiere ich einen Blick auf die ausliegenden Flyer. Es kommt auch gleich ein Tauchlehrer aus dem Shop. Angenehmerweise will er uns aber nicht gleich einen Tauchgang aufschwatzen, sondern fragt einfach, ob er uns helfen kann. Wir schildern unser Seil-Problem, er kann uns da aber leider auch nicht helfen. Also geht das Gespräch weiter zum Tauchen und er beantwortet uns ausführlich unsere Fragen dazu. Zufälligerweise handelt es sich bei Henning, so heißt er, auch um einen Deutschen und so wechseln wir gleich mal in unsere Muttersprache. Das ist bei einem neuen Thema wie dem Tauchen natürlich sehr angenehm für uns, v.a. wenn man bedenkt, dass diese Sportart wohl auch einige Risiken in sich birgt und man besser alles 100% richtig verstanden haben sollte, was einem der Lehrer erklärt. Naja, was soll ich sagen, es entwickelt sich ein sehr angenehmes und lockeres Gespräch an dessen Ende wir doch tatsächlich unseren ersten Tauchgang buchen!

So sind wir am nächsten Morgen mal wieder sehr früh auf den Beinen, um 7:15 müssen wir bei der Tauchschule sein. Dummerweise gibt es unser gebuchtes Frühstück erst ab 7:30. Ich habe zwar den Vermieter abends noch gefragt, ob wir auch eher was haben könnten – und sei es nur eine Scheibe Toast – und er hat auch eingewilligt, aber entweder hat er das nicht weitergegeben oder es hat ihn nicht wirklich interessiert. Auf jeden Fall ist keiner da, um uns nen Toast auszuhändigen. Wer Carina kennt weiß, dass Frühstück ein kritisches Thema ist und man da lieber keine Faxen macht. So ist sie auch sichtlich schlecht gelaunt, als wir Richtung Tauchschule aufbrechen. Zum Glück finden wir auf dem Weg noch eine Bäckerei – ja, wirklich mit richtigen Backwaren – und wir kriegen doch noch ein kleines Frühstück.

Kurz darauf sitzen wir mit Henning am Tisch und er erläutert uns nochmal im Detail was uns erwartet. Wir lernen verschiedene Taucher-Handzeichen und die Verhaltensregeln unter Wasser und müssen sogar zum Schluss noch eine kleine Prüfung schreiben. Naja, gut, die 15 ja/nein-Fragen sind nicht so schwierig zu beantworten, aber Prüfung ist Prüfung ;-) Mit dem nötigen Know-How ausgestattet starten wir zum Pier, wo auch schon das kleine Boot der Tauchschule wartet. Insgesamt sind sechs Gruppen an Bord, jeweils ein Tauchlehrer mit zwei Schülern. Nachdem das Ganze Equipment an Bord ist und alle ihre Plätze eingenommen haben legen wir auch schon ab und starten in Richtung Koh Phi Phi Leh, die kleinere der beiden Phi Phi Inseln. Dort waren wir vor 6 Jahren auch beim Schnorcheln. Wir steuern das Gebiet mit dem Namen Malong an, dort sollen einige Schildkröten leben.

Kurz bevor wir am Ziel ankommen werfen wir uns in Schale: Wetsuit, Taucherbrille und Flossen kennen wir ja schon, aber der Umhängegurt mit Sauerstoffflasche und den Instrumenten ist neu und ungewohnt. Die Aufregung steigt natürlich auch, ich frage mich schon ob es eine gute Entscheidung war das zu machen. Aber viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht mehr, wir sind da. Einer nach dem Anderen hüpft ins Wasser. Also watscheln auch wir zum Rand des Boots. Henning hat uns nochmal erklärt wie wir am besten ins Wasser kommen und wartet dort nun auch schon auf uns. Alles klar, auf geht’s, Taucherbrille mit der einen Hand festhalten, GoPro und Instrumente mit der anderen, ein Schritt nach vorne und „Platsch“ – angekommen. Hinter mir macht es nochmal Platsch, Carina ist also auch da. Gut, diese erste Hürde ist also genommen.

Wir schwimmen Richtung Insel, um noch ein paar Übungen zu machen, bevor wir dann wirklich abtauchen. Schon unterwegs signalisiert Henning, dass er eine Schildkröte gesichtet hat. Na toll, und wir können noch nicht nach unten. Also begnügen wir uns damit, das Tierchen ein wenig aus der Schnorchel-Perspektive zu beobachten. Da wir aber auch noch irgendwann nach unten wollen, beginnen wir mit unseren Übungen:

1) Das Mundstück unter Wasser herausnehmen, wieder in den Mund nehmen und das Wasser aus dem Schlauch pusten.

2) Wie 1., nur dass das Wasser durch einen Spülknopf am Mundstück rausgeblasen wird.

3) Das Mundstück wieder herausnehmen, loslassen, durch eine Ruderbewegung mit dem rechten Arm wieder in den Griff bekommen und in den Mund stecken.

4) Wasser in die Maske laufen lassen und durch zurücklehnen, Maske oben festhalten und durch die Nase ausatmen wieder rausdrücken.

OK, hört sich in der Theorie ganz einfach an. Henning demonstriert uns dann auch alles noch einmal und dann bin ich auch schon dran es ihm gleichzutun Also lasse ich etwas Luft aus meiner Tauchweste und sinke ein Stück nach unten. Auch wenn ich wahrscheinlich nicht mal einen halben Meter unter Wasser bin ist das schon sehr ungewohnt. Rein reflexartig halte ich anfangs immer wieder den Atem an, da muss ich mich erst daran gewöhnen unter Wasser atmen zu können. Die Übungen bekomme ich auch gut durch, und ich darf/muss wieder auftauchen. Carina ist dran. Ich seh ihr über Wasser schon an, dass ihr das gar nicht geheuer ist und erinnere mich nur ungern an das Drama vor 6 Jahren beim Schnorcheln, da hätte sie fast aufgegeben. Und so kommt es wie es kommen muss, sie ist hyper-nervös und kommt anfangs gar nicht klar unter Wasser. Ich kann ihr da jetzt leider gar nicht helfen, bin ich doch selbst noch nicht ganz sicher in der Materie. Aber Henning kann sie ein wenig beruhigen und nach ein paar Anläufen schafft sie die Übungen dann auch. Sehr gut, das ist mein Mädchen!

Carina bei ihren Übungen.
Carina bei ihren Übungen.

Also kann es losgehen, wir tauchen zusammen ab. Leichter gesagt als getan, mit der Höhenkoordination unter Wasser komme ich anfangs gar nicht klar. Der Druckausgleich durchs Nase zuhalten und Luft dagegen pressen klappt hingegen besser als erwartet. Auch wenn das Quietschen und Knirschen in meinem Kopf dabei schon etwas befremdlich ist. Auf unserer Tauchtiefe angekommen (dürften um die 5 Meter sein) können wir uns dann auch endlich der Schildkröte, die netterweise auf uns gewartet hat, widmen. Dann beginnen wir eine kleine Runde zu schwimmen. Carina kann sich für den Anfang bei Henning am Arm einhalten, das gibt ihr Sicherheit und von der anfänglichen Nervosität ist bald nichts mehr zu merken. Ich versuche ohne Hilfe auszukommen, muss aber doch immer wieder auf Hennings Arm oder seine helfende Hand zurückgreifen. Die Höhe zu halten und gleichmäßig dahinzuschwimmen ist echt nicht einfach.

Wir sehen auf unserer Runden natürlich jede Menge bunte Fischchen und auch 5 mal eine Schildkröte – auch wenn es nur 3 unterschiedliche waren. Es ist schon sehr toll die bunte Unterwasserwelt so aus der Nähe zu sehen. Wir sind zwar auch noch ab und an mit uns selbst beschäftigt, können den Tauchgang aber doch genießen und viele Meeresbewohner beobachten. Henning ist inzwischen dazu übergegangen ein klein wenig hinter und über uns zu schwimmen und uns an unseren Westen festzuhalten und zu lenken. Ab und zu würd ich ja schon gern losstarten und irgend einem Fisch hinterher tauchen, aber es ist wahrscheinlich besser wenn ich unter der Kontrolle unseres Guide bleibe.

Hanckarina unter Wasser
Hanckarina unter Wasser

Nach etwa einer halbe Stunde ist unser erster Tauchgang dann beendet und wir werden vom Boot wieder aufgesammelt. Wir sind beide begeistert und überglücklich das Wagnis eingegangen zu sein. Die anfänglichen Schwierigkeiten und die Skepsis sind vergessen und wir können es kaum erwarten zu unserem zweiten Tauchgang wieder ins Wasser zu kommen.

Davor ist aber noch eine kleine Pause eingeplant. Wir schippern in die Maya Bay. Dort ist der Strand, an dem 1999 „The Beach“ mit Leonardo DiCaprio gedreht wurde. Dieser Strand zieht seitdem unzählige Schaulustige an, die unbedingt den einen Strand aus dem Film sehen wollen. Dementsprechend ist er total überlaufen und kostet inzwischen sogar 400 Baht Eintritt (ca. 11 Euro). Verrückt. Unser Skipper meint dann es sei ihm zu voll und er findet keinen guten Platz zum Ankern, also fahren wir gleich weiter. Das stört aber niemanden an Bord. Wir verbringen unsere Pause dann vor der kleinen Insel Bida Nok, dort soll dann auch der zweite Tauchgang stattfinden. Aber erstmal stärken wir uns mit frischen Obst und reichlich Wasser. Dann noch ein wenig in der Sonne chillen, quatschen und ein zwei akrobatische Sprünge vom Oberdeck ins mehr. Dabei lerne ich von einem der anderen Tauchlehrer den „Dead Mexican“: man klettert über die Reling, steht mit dem Rücken zum Wasser, überkreuzt die Arme vor der Brust und lässt sich einfach nach hinten fallen. Beim Fallen dreht man sich automatisch in der Luft und landet dann quasi mit einem Köpfer im Wasser. Henning verflucht mich, dass ich den einfach so gemacht habe, er hadert da seit Wochen mit sich *g*

Dead Mexican
Dead Mexican

Dann ist es soweit, wir dürfen uns wieder in unsere Ausrüstung quetschen und ab ins Wasser. Bevor wir die Oberfläche verlassen ermahnt uns Henning noch nah zusammen zu bleiben, da es hier stärkere Strömungen gibt und er nicht abgetrieben werden will. OK, machen wir. Ich hab zwar wieder etwas Probleme beim Abtauchen, aber insgesamt läuft es schon etwas besser als beim ersten Tauchgang. Wir beginnen damit die kleine Insel zu umrunden. Carina bleibt lieber wieder in Hennings Nähe, ich darf mich schon ein wenig freier bewegen. Also mehr als ein zwei Meter entferne ich mich natürlich auch nicht von den beiden anderen, aber ich kann ein wenig damit experimentieren nach oben und unten zu kommen. Schön langsam klappt das auch besser.

Auf unserer Runde sehen wir natürlich wieder sehr viele Fische und auch zwei Riesenmuscheln. Besonders angetan haben es uns die großen Fischschwärme. Das sieht schon echt fantastisch aus wie die sich zusammen bewegen. Ach und habe ich schon die Haie erwähnt? Ja, solche begegnen uns auch, auch wenn sie einen großen Sicherheitsabstand bewahren. Aber ihre eleganten Bewegungen sind auch beeindruckend. Bei unserer Runde kommen wir bis auf 10,5 Meter hinunter und ich habe dann doch etwas mit dem Druck hier unten zu kämpfen. Ich habe das Gefühl, dass ich gar nicht so schnell einen Druckausgleich machen kann, wie der Druck steigt. So muss ich ein paar Mal ein wenig aufsteigen, damit der Druck wieder abnimmt. Aber im Großen und Ganzen klappt es dann doch ganz gut unter Wasser.

Viel zu schnell ist dann auch dieser Tauchgang zu Ende und wir kehren zurück an die Wasseroberfläche. Unser Boot ist aber nicht in Sichtweite. Laut Henning sind wir sehr weit gekommen und deswegen ist keiner in Sicht, kann natürlich auch sein, dass wir gar nicht weit gekommen sind und er uns nur ermuntern wollte ;-) Also müssen wir warten bis wir vom Boot entdeckt und aufgesammelt werden. Zum Glück können wir uns einfach im Wasser zurücklehnen und dahintreiben: die Taucherweste kann man mit Luft befüllen. So treiben wir gemütlich um die Insel herum, rekapitulieren das Erlebte und Quatschen einfach noch ein wenig. Es dauert sicher 15-20 Minuten bis uns das Tauchboot findet und aufsammelt. Da wir die letzten im Wasser waren geht es dann auch gleich zurück Nach Phi Phi Don.

Etwa eine Stunde später sitzen wir wieder in der Tauchschule zur Nachbesprechung. Auf einer Farbtafel zeigt uns Henning noch einmal viele der gesichteten Fische. Dann meint er auch noch, dass es ganz gut geklappt hat mit uns und dass er zufrieden ist mit unserer Performance. Sieht man mal von den Startschwierigkeiten bei Carina ab. Da war er wohl kurz davor das Ganze abzubrechen und unverrichteter Dinge zum Boot zurückzukehren Puh, da hat er zum Glück nicht gleich das Handtuch geworfen! Zu guter Letzt bekommen wir noch ein Zertifikat über die Tauchgänge. Damit könnten wir den heutigen Tag bei einem Tauchkurs innerhalb des nächsten Jahres anrechnen lassen. Naja, die Wahrscheinlichkeit, dass wir in Deutschland im Baggerweiher tauchen gehen schätze ich als relativ gering ein, aber was man hat, hat man.

Der restliche Tag ist dann relativ ereignislos. Erstmal sind wir ziemlich faul und auch etwas ausgelaugt. Das Tauchen war doch anstrengender als gedacht. Das hat uns Henning aber auch schon vorausgesagt, scheint wohl nicht ungewöhnlich zu sein. Am späten Nachmittag ziehen wir ein wenig durch die kleinen Gässchen und lassen keinen Stress aufkommen. Von einem Café aus können wir das Treiben gut beobachten. Einer der Party-Touristen fällt uns besonders auf: er kann sich kaum mehr auf den Beinen halten und wackelt sturzbetrunken herum. Krass, und dabei gehen die Partys dann jetzt erst richtig los. Naja, das haben wir zumindest gehört ;-)

Am nächsten Tag machen wir das, was man typischerweise auf einer traumhaften Insel mit jeder Menge Sandstrand macht: wir gehen wandern. Wir wollen die Insel in nördlicher Richtung erkunden und das Phi Phi Village sowie den dortigen Strand besuchen. Also tigern wir kurz nach dem Frühstück los und durchqueren erneut die Touristenmeile. Um die Uhrzeit regt sich noch nicht so viel, war wohl ne lange Nacht für die meisten anderen Besucher. Henning hat uns gestern noch den Weg beschrieben, der ist wohl nicht ganz so einfach zu finden. Und tatsächlich laufen wir fast an dem kleinen Gässchen vorbei dass er uns beschrieben hat.

Kurz darauf stehen wir an einem schmalen felsigen Strandabschnitt, der eigentlich ganz schön wäre, wäre er nicht so extrem vermüllt. Da hier wohl nur wenige Touris lang kommen kümmert sich auch keiner um den Strand, d.h. es liegt bergeweise Plasik-Treibgut herum: Plastiktüten, leere Flaschen, Flip Flops, Bojen und so weiter. Kein schöner Anblick. Dafür ist der zurück in die Bucht nicht zu verachten. Wir folgen dem Strand, klettern über ein paar kleinere Felsen, bis wir schließlich etwas ratlos vor einigen höheren Felskanten stehen. Hm, das kann doch nicht der Weg sein, oder? Aber Insel-einwärts sehen wir auch nichts was diesen Namen verdient hätte. Sind wir etwa zu weit? Zum Glück kommt auch gerade ein Einheimischer aus dem Dschungel, der uns erklärt wir müssten über die Felsen und weiter bis ganz ans Ende des Strandes. So kraxeln wir über die Hindernisse und haben dann auch wieder ein Ziel vor Augen. Der Weg macht schon Spaß, zum Glück haben wir ihn auch ganz für uns allein.

Wanderweg am Strand
Wanderweg am Strand

Am Ende des Strandabschnitts führt dann auch wirklich ein Weg in den Dschungel und es geht gut bergauf. Obwohl es heute ziemlich bewölkt ist und auch etwas kühler, kommen wir gut ins Schwitzen. Der Pfad ist wirklich sehr schmal, immer wieder hängt irgendwelches Grünzeug hinein. Und man muss ständig aufpassen, dass man auf keinen der überall herumkriechenden Tausendfüßler steigt. Nach etwas 30-40 Minuten Aufstieg geht es dann auch wieder bergab und es dauert etwa nochmal so lange, bis wir die Ausläufer des Dorfes erreichen. Hier gibt es dann sogar einen gepflasterten Weg, der uns weiter führt. Vorbei an einem Mangrovenwald führt er uns schließlich ins Phi Phi Village.

Wir sind total begeistert von diesem Örtchen, hier ist es so, wie es auf einer Insel wie dieser sein sollte: sehr relaxt und ruhig, kleine gemütliche Bars und Lokale säumen die Straße, einfach perfekt! Einfach der totale Kontrast zu dem Touristen-Pferch auf der anderen Inselseite. Ich dachte ja hier drüben ist nur ein Dorf von Einheimischen, sonst nichts. Hätten wir vorher gewusst, wie es hier ist, hätten wir uns ziemlich sicher hier eine Bleibe gesucht. Da es schon bald Mittag ist und leicht zu regnen anfängt suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen in einem der Lokale und bestellen auch gleich Thai-Food. Es schmeckt dann auch super und wir sind rundum zufrieden. Der Regen wird dann noch etwas stärker, aber wir haben kein Problem damit hier sitzen zu bleiben und einfach abzuwarten bis er wieder nachlässt.

Chillige Bar in Phi Phi Village
Chillige Bar in Phi Phi Village

Nach guten zwei Stunden Pause setzen wir unsere Wanderung dann aber wieder fort, wir wollen noch ganz in den Norden der Insel zum Laem Tong Cape. Also verlassen wir das Dorf wieder und folgen weiter dem Küsten-Sträßchen. Irgendwann macht dieses einen Knick nach links ins Innere der Insel, geradeaus geht es am Strand. Wir entscheiden uns am Wasser entlang zu gehen und werden mit einem wunderschönen Strand belohnt. Er ist zwar auch schon von Hotels gesäumt, aber hier ist eher die Nobelmeile und dementsprechend ist es eher ruhiger hier. Wir wandern weiter Richtung Norden und gelangen am Ende des Strandes in eine riesige Hotelanlage. Wie groß die Anlage ist merken wir auf der Suche nach dem Weg Richtung Norden. Merkwürdigerweise ist hier auch so gut wie niemand, außer ein paar Bauarbeitern. Wir vermuten, dass das alles noch neu und nicht eröffnet ist. Naja, egal, wir gehen kreuz und quer durch die Anlage, können aber keinen wirklichen Weg nach draußen finden. Schließlich nehmen wir einfach einen kleinen Weg der in etwas parallel zur Küste nach Norden verläuft. Der sollte uns ja dann in Richtung Kap führen.

Tja, falsch gedacht. Nachdem wir wieder in den Dschungel gekommen sind und uns schon kurz vor unserem Ziel wähnten, stehen wir plötzlich in einer Sackgasse. Man könnte auch sagen wir stehen auf einer Mülldeponie, hier liegt allerlei alter Schrott herum. Na das haben wir uns aber anders vorgestellt. Wir probieren noch zwei oder drei kleinere Abzweigungen, aber alle enden nach wenigen Metern wieder. So ein Mist. Da bleibt uns wohl nur umzukehren. Und da wir auch noch einen langen Heimweg quer durch den Dschungel vor uns haben und es hier auch schon recht früh dunkel wird, haben wir keine Zeit mehr einen anderen Weg an unser Ziel zu suchen. Schade eigentlich.

So gehen wir die ganze Strecke zum Phi Phi Village wieder zurück, nehmen dort dann aber eine andere Abzweigung: wir wollen noch zum Viewpoint den wir auch schon bei unserem letzten Besuch aufgesucht haben. So wandern wir wieder einen verschlungenen Pfad durch den Dschungel bergauf. Zwischendurch fährt mal ein Thai auf seinem Roller an uns vorbei, aber wundern tut uns das eigentlich nicht sonderlich. Wir sind ja schließlich in Asien, da werden andere Ansprüche an so ein Zweirad gestellt.

Irgendwann haben wir dann unser Ziel erreicht und stehen am „Viewpoint 3“. Äh, Moment mal, wieso 3? Hier war doch nur ein Viewpoint, oder? Naja, vor sechs Jahren war das schon so, aber wie schon mal erwähnt, es hat sich einiges getan auf der Insel. Also kehren wir dieser Aussichtsplattform nach kurzer Zeit wieder den Rücken und gehen weiter, wir wollen zu dem Punkt, an dem wir auch bei unserem letzten Besuch waren. Es stellt sich heraus, dass der damals einzige Viewpoint inzwischen „Viewpoint 2“ heißt, es wurde noch einer davor und einer danach gebaut. Auch neu ist, dass man jetzt Eintritt für den Viewpoint zahlen muss.

Koh Phi Phi vom Viewpoint 3
Koh Phi Phi vom Viewpoint 3

So stehen wir wenig später also endlich am Ziel. Der Ausblick ist heute aber eher mäßig, der Himmel ist komplett wolkenverhangen. Aber uns geht es in erster Linie darum, den Unterschied zu unserem letzten Besuch zu sehen. Und der ist schon deutlich bemerkbar. Die Inselmitte war zwar damals auch schon ziemlich eng bebaut, aber man erkennt trotzdem überall neue Bauten. Und es wird fleißig weiterbetoniert, an einem Hang gegenüber entsteht gerade ein riesiger Komplex mit sicher 250 Zimmern. Schon krass. Noch krasser ist aber der Unterschied zu 2001: meine Schwester war damals hier und hat uns ein Bild davon geschickt: es gab zwar auch schon ein paar Häuser und Hotels, aber hauptsächlich sieht man auf dem Bild Palmen und Strand. Jetzt einen grünen Fleck in dem Hotelmeer zu finden ist schon schwer. Ich würde sagen, da ist es den Menschen mal wieder sehr gut gelungen ein Paradies zu vernichten…

Der Abstieg dauert dann nicht mehr lange und wir steuern schnurstracks unsere Bleibe an. Wir waren jetzt doch deutlich länger unterwegs als gedacht und sind auch etwas erschöpft. Aber die Wanderung war es auf jeden Fall wert und hat uns Spaß gemacht. Am nächsten Morgen packen wir dann wieder unsere sieben Sachen in die Rucksäcke und marschieren zum Pier, um eine Fähre nach Phuket zu nehmen, wo Abends schon wieder der Heimflug ansteht.

Bye bye Thailand!

Railay

Weiter geht’s und zwar sportlich – so ist jedenfalls der Plan. Mit dem Longtail-Boat geht es nach Railay. Da waren wir 2010 schon mal, wir wissen beide nicht mehr so recht, warum wir damals nicht länger dort geblieben sind, weil die Halbinsel eigentlich der Wahnsinn ist. Interessant ist sie für uns auch deshalb, weil man hier wohl gut klettern kann. Als wir ankommen, sehen wir schon die ersten Kletterer in den Felsen hängen. Sieht schon stark aus vor dieser Szenerie. Zudem stellen wir fest, dass sich die Front doch ein wenig verändert hat – es ist eindeutig mehr los und es gibt jetzt auch einen mobilen Steg. Seinerzeit sind wir noch vom Boot ins Wasser gestiegen und dann an Land marschiert. Das muss man jetzt nicht mehr.

Nachdem wir uns hier schon vor einiger Zeit eine Unterkunft gebucht haben, da diese Halbinsel sehr beliebt und günstige Unterkünfte schon lange im Voraus ausgebucht sind, wissen wir wenigstens gleich wo wir hinmüssen. Das Railay Garden View Resort. Es liegt ein bisschen abseits und bietet wie der Name schon sagt eher einen Blick ins Grüne als zum Meer, aber es ist trotzdem ein sehr schöner Bungalow mit einem gemütlichen Balkon.

20161126100644img_6584

Wir checken uns schnell ein, dann machen wir uns auf den Weg. Wir brauchen ein Seil! Unser Ziel ist King Climbers. Von diesem Anbieter haben wir auch unser Guidebook und anscheinend kümmert sich der King führend um die Instandhaltung der Kletterrouten. Vielleicht kann er uns auch ein paar nützliche Infos geben. Leider müssen wir dort feststellen, dass der King nur Kurse gibt und kein Material verleiht. Ja verdammt! Wir versuchen dennoch ein wenig Informatives mitzunehmen und sind sehr erstaunt, dass die Kurse mit den Anfängern 5er und 6er-Routen machen. Das sind zwar keine Profi-Routen aber schon schwierigere Sachen und für einen Anfänger eigentlich nicht geeignet. Wir kommen zu dem Schluss, dass die Bewertung hier ein wenig härter sein muss, als die Routen tatsächlich sind, denn anders geht das ja gar nicht. Wir sind dementsprechend sehr zuversichtlich, dass wir hier einiges klettern können.

Trotzdem haben wir noch immer kein Seil. Glücklicherweise gibt es hier unzählige Klettershops und es dauert nicht lange, bis wir erfolgreich sind. Für insgesamt 3 Tage und umgerechnet rund 26 EUR haben wir jetzt ein Kletterseil. Es kann also losgehen. Nein, noch nicht ganz. Erst müssen wir noch was essen, denn ungestärkt geht ja gar nichts. Gegen 13 Uhr sind wir dann endlich am Fels. Und natürlich einige andere auch. Die ganzen Kurse wuseln hier rum. Hier hängt ein Seil, da hängt ein Seil. Echt krass, wie es hier zugeht. Zum Einstieg beginnen wir mit einer 5er-Route. Schnell stellt sich heraus, dass die Bewertung der Routen doch nicht so utopisch ist und wir hier schon gefordert werden. Hank macht regelmäßig den Vorstieg, während ich im Toprope nachsteige. Ich muss gestehen, zum einen hab ich einen Heidenrespekt vor dem Vorstieg in der Natur und zum anderen bin ich nicht so der Fan vom Umfädeln am Ende der Route. Hank hat da glücklicherweise schon eine gewisse Routine entwickelt und auch sein Ehrgeiz in schwierigen Situationen dennoch weiter zu steigen, um ja keinen Materialverlust in Kauf nehmen zu müssen und das damit verbundene Sturzrisiko ist schon bemerkenswert. Nebenbei beobachten wir auch ständig die Kurse und schauen, wie sich die Anfänger in den Routen anstellen. Wir sind doch ein wenig erleichtert, dass die Guides den Teilnehmern doch sehr unterstützend zur Hand gehen und das Seil ständig straff ziehen, wenn ein Kletterer einen Fortschritt gemacht hat. Außerdem rufen die Guides von unten jeden einzelnen Schritt, den die Kletterer machen müssen, zu. Also: put your right foot up, put your left hand to the side…  Das ist dann schon Klettern light. Ich wäre schon ziemlich frustriert gewesen, wenn ich hier im gleichen Level geklettert wäre, wie die totalen Anfänger. Nichtsdestotrotz ist es aber immer wieder ein riesiger Unterschied zwischen Felsklettern und in der Halle klettern. Aber die Aussicht ist einfach sensationell und es macht wirklich Spaß auch wenn der Großteil der Routen für uns unerreichbar ist. In einer 5er-Route macht Hank den Vorstieg, ich steige im Toprope nach und danach versucht Hank die im gleichen Umlenker liegende 6b-Route im Toprope. Recht weit kommt er nicht und muss sich dann enttäuscht eingestehen: No way, da komm ich nicht rauf! Tja, Level 5 ist unser Niveau, also müssen wir die Routen in der Schwierigkeit machen. Leider gibt es da nicht allzu viele und einige sind von den Kursen belegt, aber ein paar können wir dann heute doch machen.

DCIM104GOPROG1279609.

Anschließend relaxen wir in einer Strandbar mit den gemütlichen Dreieckskissen und lassen unsere doch etwas enttäuschende Kletter-Performance Revue passieren. Hoffentlich klappt das morgen dann besser.

Am Abend verfällt Hank dem überall ausgestellten frisch gefangenen Seafood und wir landen in einem BBQ-Restaurant, aber der frisch gegrillte Red Snapper schmeckt auch wirklich lecker.

Am nächsten Tag wollen wir unsere Thailand-Kletterkarriere fortsetzen. So geht es nach dem Frühstück wieder zum gleichen Kletterspot wie gestern. Leider sind die Kurse auch schon wieder da, das heißt, dass einige Routen schon wieder besetzt sind. Wir starten mit einer gut kletterbaren 5er-Route und gehen dann weiter in eine – wie ich finde – Genussroute, die echt richtig schön zum Klettern ist und eine weitere Route, die ich gestern nicht ganz geschafft habe, aber heute erreiche ich den Umlenker. Nebenbei beobachten wir, wie ein Anfänger unsere Tagesstart-Route im Vorstieg macht und dann auch noch oben umfädeln muss. Also, da muss ich schon sagen, das finde ich mega krass und eigentlich auch ziemlich verantwortungslos. Man sieht, dass der Kletterer nicht so ganz weiß was er tun muss, der Guide ruft von unten: no, you have to do it like… – Krass, echt! Der arme Kerl muss sich oben aus dem Seil ausbinden, d. h. wenn er irgendwas falsch macht, dann hauts ihn hald einfach mal den Fels runter. Ich finde auch, dass man in seinem Leben schon ein paar mehr Achter-Knoten gemacht haben sollte, bevor man sich an das Umfädeln rantraut, da es oben keinen Partnercheck mehr gibt, sprich wenn was nicht passt, dann ist man für sich selbst verantwortlich. Das war bei unserem Outdoor-Kletterkurs hald super, da haben wir das Umfädeln erstmal unten geübt und beim ersten „Ernstfall“ konnte der Guide von oben an den Umlenker rangehen und uns zuschauen, wie wir uns umgebunden haben. Das gibt die Sicherheit, die diesem Anfänger hier am Fels einfach fehlt. Es dauert auch echt lange, bis er fertig und wieder unten ist. Krass finde ich auch, dass die Anfänger, wenn sie sich gegenseitig sichern, nicht mit einem Halbautomaten sichern, sondern mit einem Tube. Wenn der Sicherer da einen Fehler macht, dann rauscht der Kletterer durch. Bei einem Halbautomaten blockiert das Sicherungsgerät von selbst, so dass das Durchrauschen gar nicht passieren kann. Also, ich persönlich würde davon abraten, einen richtigen Vorstiegskletterkurs in Thailand zu machen. Klettern im Toprope ist in Ordnung, die Guides haben das soweit schon im Griff, aber ansonsten ist es vielleicht nicht gerade die sicherste Art, um das Klettern zu lernen.

Anschließend will Hank in eine Route einsteigen, die als 6er beschrieben wird. Er hat sie sich im unteren Bereich angeschaut und ist davon überzeugt, dass die machbar ist und wenn er nicht weiter kommt, dann fädelt er eben an einem unteren Bohrhaken um. Zudem bietet die Route den idealen Platz für ein Foto. Ich bin ein wenig skeptisch, halte ihn aber nicht von seinem Vorhaben ab. Der Einstieg ist tatsächlich unproblematisch und es dauert nicht lange, bis Hank an der Fotostelle ist. Er will aber erstmal weiterklettern. An einem Stalagtiten klettert er hoch über einen kleinen Überhang und bis ich mich versehe, hat er die nächste Expresse eingeklippt. Weiter geht’s. Er kommt echt gut voran und scheint die 6er gut zu meistern, bis er schließlich an die Schlüsselstelle kommt. Unglücklicherweise liegt die an einer Stelle, die ich von unten nicht so gut sehe. Ich merke nur, wie es mich aushebt, Hank ist wohl gestürzt. Und gleich nochmal rauf. Hank versucht es wieder und wieder. Als er dann eine längere Pause macht, bin ich mir eigentlich schon sicher, dass er aufgegeben hat und umfädelt. Ich bin bereit ihn abzulassen, als er von oben ruft: „ich geh weiter“. Mit ein bisschen Cheaten kommt er dann tatsächlich zum nächsten Bohrhaken und der letzte ist dann keine große Schwierigkeit mehr. Er ist tatsächlich oben am Umlenker angekommen. Respekt! Nein, diese Route mach ich nicht, so viel steht fest! Ich lasse Hank dann bis zu seiner Fotostelle wieder ab und dann beginnt er sein Posing. Wie ein kleines Äffchen turnt er an dem Stalagtiten rum und versucht, das perfekte Bild zu erhaschen. Ich bin ziemlich froh, als ich ihn endlich wieder auf festen Boden habe. Er ist auch ziemlich kaputt nach dieser Anstrengung und wir entscheiden, erstmal eine Mittagspause zu machen.

DCIM107GOPROG1382808.

Das tut auch wirklich gut gerade. Nach dem Essen gehen wir noch auf die andere Inselseite, um ein bisschen den Strand zu genießen und zu relaxen. Allzu lange sitzen wir nicht am Strand rum, wir beobachten schon die hiesigen Felsen und studieren unseren Kletterführer, was es hier für Routen gibt. Es gibt wohl tatsächlich zwei 5er-Routen. Na dann wollen wir das doch gleich mal versuchen. Hank steigt wieder vor. Unten ist die Route noch im Schatten, aber oben raus, wird es doch sehr sonnig. Der Einstieg sieht nicht ganz so einfach aus, weil wenige Griffe und Tritte vorhanden sind, aber beim Durchsteigen stellt sich das als geringeres Problem heraus als angenommen. Die Route führt weiter durch eine Engstelle, die Hank eigentlich gar nicht gerne mag. Dennoch klettert er sauber durch, muss aber dann feststellen, dass er nicht weiß, wie die Route weiter verläuft. Er befürchtet, sich „verklettert“ zu haben. Er sieht einen Umlenker, der allerdings noch relativ weit weg ist und keine Zwischensicherung mehr vorgesehen ist. Er ist sich nicht sicher, ob das das richtige Ziel ist, peilt den Umlenker aber dennoch an. Die Überwindung weiterzuklettern wohlwissend, dass die letzte Sicherung relativ weit unten ist, bremst ihn ein wenig, aber er macht es dennoch sehr gut und kommt sturzfrei oben an. Auch ich komme soweit gut durch die Route durch, aber dadurch, dass der Umlenker möglicherweise nicht zu der Route gehört, die wir hier klettern, hat sich das Seil bei mir verhängt, das heißt, ich bin eigentlich relativ schlecht gesichert, weil ziemlich viel Schlappseil rumhängt, das Hank nicht einholen kann. Ich bin selbst erstaunt, wie ruhig ich in Anbetracht dieser Tatsache eigentlich bleibe, dennoch sagt mein Hirn ständig: jetzt bloß nicht stürzen, jetzt bloß nicht stürzen! Ich bin echt erleichtert, dass ich es dann doch irgendwann schaffe, die Verkeilung des Seils zu lösen und Hank dadurch das überschüssige Seil wieder einholen kann. So komm auch ich sturzfrei oben an und kann eine sensationelle Aussicht genießen.

Nachdem das Klettern oben in der Sonne doch sehr anstrengend und schweißtreibend war, lieg ich mich erstmal auf unsere Strandmatte und genieße die Aussicht. Nein, ich schaue nicht auf das Meer und den Strand, sondern ich genieße die Aussicht auf die Felsen und die Routen, die man hier klettern kann. Krass, wie sich die Wahrnehmung ändert. Ich bin total beeindruckt von der Beschaffenheit des Felsens und kann mich gar nicht satt sehen. Auch der Verlauf der Routen ist sowas von spektakulär. Ich versuche mir vorzustellen, wie hier die Profis hochklettern und vergesse dabei völlig die Zeit. Hank ruft mir irgendwann zu: so, ich will jetzt den Felsen hochklettern, sicherst Du mich? Okay okay, ich komm ja schon.

20161127162811img_6729

Hank hat sich wieder eine Route ausgesucht, die in den 6er-Bereich fällt, die sich aber an einer Stelle teilt und entweder als 6a oder als 5 weitergeht. Hank startet souverän und an der entscheidenden Stelle entscheidet er sich, obwohl seine Kräfte schon schwinden, für den 6er-Teil. Ich halte es nicht für eine kluge Idee, aber der kleine Dickschädel lässt sich nicht abbringen. Geschickt steigt er weiter und kommt an die für ihn schwierigste Stelle. Er ist schon ordentlich über der letzten Sicherung und kurz vor dem nächsten Bohrhaken. Eigentlich hat er ihn schon fast, als er nur kurz ruft: ich falle. Schnell versuche ich noch ein wenig Schlappseil einzuholen, da hebt es mich auch schon gewaltig aus und zieht mich an den Felsen. Hank hat einen doch recht weiten Sturz hingelegt, aber glücklicherweise ist er weich in den Gurt gefallen und es ist nichts passiert. Er flucht kurz und steigt dann wieder hoch. Er schaut sich die Stelle nochmal genauer an, überlegt und überlegt, bis er sich dann doch dazu entschließt, die Route auf dem 5er-Teil zu Ende zu bringen. Dies war auch wirklich eine vernünftige Entscheidung, denn seine Kraft hat jetzt doch schon erheblich nachgelassen. Mit letzter Mühe erreicht er dann den Umlenker und kann unser Material auf dem Weg nach unten wieder einholen. Das wars dann für heute mit klettern.

Wir gehen zurück zu unserer Unterkunft und dabei merke ich, dass es mir gar nicht gut geht. Mein Bauch macht ziemliche Flachsen. Na toll, das hat mir jetzt gerade noch gefehlt. Ich leg mich gleich hin, aber es wird für mich eine ziemlich unruhige Nacht, auch am nächsten Morgen fühle ich mich noch nicht so richtig wohl. Das Frühstück schmeckt zwar, aber gut geht es mir dennoch nicht. Bevor wir zum Klettern starten können, brauche ich definitiv noch eine Auszeit. Hank meint schon, dass wir es auch lassen können, wenn es nicht geht, aber ich bin fest entschlossen, dass wir klettern gehen. Immerhin haben wir unser Seil ausgeliehen. Wir verbringen den Vormittag auf unserer Terrasse und marschieren dann gegen Mittag mal an den gegenüberliegenden Strand, vielleicht können wir ja in der Muschelhöhle, die Hank vor 6 Jahren entdeckt hat ein paar Muscheln sammeln. Leider ist noch Flut, so dass man da noch nicht hinkommt. Wir legen dann mal einen Lunch-Stopp ein, allerdings bekommt mir das Essen auch noch nicht so gut. Ich schaffe noch nicht mal die Hälfte von meinem Pad Thai, aber ich bin weiterhin zuversichtlich, dass wir jetzt dann klettern gehen. Und das machen wir dann auch. Wir eilen nur schnell zurück in unsere Unterkunft, schnappen uns unser Equipment und los geht es an den Felsen. Diesmal wieder ein anderes Gebiet. Leider sind hier auch einige Kurse, so dass wir erstmal warten müssen, bis wir endlich anfangen können. In einer Route hängt ein Seil und es ist weit und breit niemand, der klettert. Hank sucht schnell den Guide, der ihm die Route freigibt und ihn bittet, die Exen, die oben eingehängt sind, mitzunehmen. Okay, machbar. Also los. Hank steigt unten ein und es sieht noch ziemlich simpel aus. Dann kommt er plötzlich an eine Stelle, an der er zu Zweifeln beginnt und wo man das erste Mal eine gewisse Angst bei ihm bemerkt. Er findet die Lösung nicht und die Entfernung zur nächsten Sicherung ist ziemlich weit. Problem ist auch, dass er auf einem kleinen Plateau steht, d. h. wenn er stürzen würde, dann wäre das im Grunde wie ein Bodensturz. Er überlegt eine Weile und geht die Optionen durch. Die Route, die er sieht, führt extrem weit rechts vom Bohrhaken nach oben, d. h. er braucht sehr viel lose hängendes Seil, bis er dann links wieder einhängen kann, sonst sieht er leider keine Alternative. Nach längerem Hin und Her entscheidet Hank, die Route hier abzubrechen und an dem Bohrhaken, an dem er gerade hängt umzufädeln. Nachdem er wieder auf festen Boden steht, würde ich die Route eigentlich auch gerne bis zu der Stelle, zu der Hank gekommen ist, versuchen. Hank hält das für keine gute Idee, da das Seil nicht im sicheren Umlenker, sondern lediglich in einem Bohrhaken hängt und man nie sicher sein kann, dass der Haken auch wirklich hält. Okay gut, dann eben nicht. Die nächste Route, die er vorsteigt, die darf ich dann auch steigen. Die ist aber auch recht einfach und hat echt gute Tritte und Griffe. Auf einmal gibt es einen kurzen Schockmoment und alle hier halten den Atem an. Neben uns hat ein Kletterer einen Sturz an der ersten Exe und ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich am Boden aufgeknallt ist oder ob ihn der Sicherer kurz vorher noch fangen kann, aber er hat sich auf jeden Fall weh getan. Zum Glück aber nichts Schlimmes. Dennoch sind alle ziemlich erschrocken.

Nachdem wir diesen Schockmoment überwunden haben, fangen wir eine weitere 5er-Route an. Hank ist gerade am zweiten Bohrhaken als ein Wolkenbruch über uns einzieht und es monsunartig zu regnen anfängt. Glücklicherweise ist Hank noch soweit unten, dass er die Route noch abbrechen kann. Er holt die beiden Expressen wieder ein und klettert vorsichtig wieder runter. Schnell alles zusammengepackt, suchen wir Schutz in einer kleinen Holzhütte. Lange dauert der Wolkenbruch nicht, aber dafür ist er heftig. Das wars dann wohl mit Klettern. Die Routen sind jetzt nass, das kann man dann wohl vergessen.

Etwas frustriert ziehen wir schließlich von dannen und ich leg mich wieder auf ein Dreieckskissen in der Strandbar und genieße meinen Nachmittagskaffee. Hank versucht derweil unser Kletterseil zurückzugeben. Leider ist der Shopbesitzer gerade nicht anwesend, so kommt Hank unverrichteter Dinge zurück. Nachdem wir das Seil aber erst morgen um 9 Uhr zurückgeben müssen, überlegen wir jetzt, ob wir vielleicht morgen nach dem Sonnenaufgang und vor dem Frühstück noch eine Klettersession einlegen sollen. Das klingt in jedem Fall gar nicht so schlecht, wir können uns das ja noch überlegen.

Jetzt wollen wir erstmal noch einen Versuch starten und die Muschelhöhle erkunden. Als wir am Strand ankommen ist auch gerade Ebbe und man kann gut hinmarschieren. Leider ist Hank ein wenig enttäuscht, dass die Höhle nicht mehr so cool ist, wie er sie in Erinnerung hat. Seine Beute ist auch nicht gerade bemerkenswert. Aber wenn wir schon hier sind, dann schauen wir wenigstens gleich den Sonnenuntergang an. Der ist heute sogar wirklich schön. Hat sich also doch noch gelohnt, dass wir hier an den Strand gekommen sind.

DCIM108GOPROG1493210.

Zurück marschieren wir dann an einigen Seafood-BBQs vorbei und nachdem sich mein Bauch inzwischen wieder besser anfühlt und sich auch ein wenig Hunger breit macht, genehmigen wir uns noch einen leckeren Tintenfisch und eine fette Tigerprawn. Mmmmh, sehr lecker. Das lohnt sich schon. Frischer kann man seinen Fisch eigentlich nicht bekommen, als hier direkt am Meer.

Am nächsten Tag klingelt um 6:30 Uhr der Wecker. Kurzer Blick aus dem Fenster: Sonne scheint – nutzen wir die Gelegenheit und gehen wir klettern! Eine Entscheidung, die wir definitiv nicht bereuen. Am Kletterspot angekommen, ist hald einfach noch niemand da. Wir haben freie Auswahl, was wir klettern wollen. Wenig später kommen zwei weitere Kletterpärchen, aber das wars dann auch. Wir gehen in aller Ruhe zwei schöne Routen, bevor wir unser Seil zurück gegeben müssen. Das hat sich in jedem Fall mehr als gelohnt. Also, wenn jemand Interesse hat, auf Railay zu klettern und nicht gerade die Profirouten machen kann, dann sollte man in jedem Fall einen Early Bird machen und gleich nach dem Aufstehen an den Fels gehen! Nicht nur, dass es noch ruhig ist und man den Fels für sich hat, es ist auch noch angenehm von der Temperatur her und macht einfach Spaß.

Nach diesem erfreulichen Erlebnis geben wir dann unser Seil zurück und machen uns auf den Weg zu unserem Frühstück. Ein perfekter Start in den Tag. Mal schauen, was als nächstes kommt…

Ao Nang

Wir werden planmäßig von unserem vorgebuchten Taxi im Hotel abgeholt und fahren zum Flughafen. Für die 30 km brauchen wir fast eine Stunde, das sollte alles über den Verkehr hier sagen. Der Flughafen selbst ist schon etwas größer, aber es ist nicht besonders viel los. Wir reihen uns in die Warteschlange bei der Thai Smile Airways ein und wundern uns etwas, wie langsam es vorwärts geht. Wir waren jetzt ja schon auf einige Flughäfen der Welt, aber dieser toppt alles in Sachen Langsamkeit. Die Abfertigung der Reisenden beim Check-In dauert einfach ewig. Nach etwa einer halben Stunde sind wir an der Reihe und überraschend schnell auch wieder fertig. Dafür, dass der Flieger aber in einer Stunde abheben soll, stehen jetzt aber noch viel zu viele Leute hier. Wenn die in dem Tempo weitermachen haben wir entweder eine deftige Verspätung oder die Hälfte der Leute bleibt hier. Naja, die werden schon wissen was sie machen. Die Damen am Check-In Schalter scheinen dann auch wirklich an Tempo zugelegt zu haben, denn es kommen doch alle Leute zum Gate und können den Flug antreten. Selbiger startet dann auch nur mit einer halben Stunde Verspätung.

Etwa eineinhalb Stunden später landen wir (mal wieder) in Bangkok, wollen aber gleich weiter Richtung Süden. Also marschieren wir zum Thai-Airways Office und buchen gleich den nächsten Flug, in ner guten Stunde geht’s nach Krabi (mal wieder *g*). Aber diesmal ist unser Ziel nicht Krabi Town, sondern Ao Nang, das soll einen schönen Strand haben, und dafür wird’s jetzt mal Zeit. Zuerst einmal müssen wir aber in unsere Unterkunft gelangen und steigen in den Flughafen-Shuttle. Der bringt uns praktischerweise bis zur Haustür. Wir kommen gerade noch rechtzeitig um kurz vor 8 an, später wäre evtl. niemand mehr an der Rezeption gewesen.

Dafür hat das Restaurant aber schon geschlossen. Da das Baan Suan Hotel auch in the Middle of Nowhere liegt, können wir nicht einfach um die Ecke irgendwo einkehren. Der Besitzer der Anlage gibt sich aber einen Ruck und ich kann mir noch was zum Essen bestellen. Wie nett. Wir schauen etwas verdutzt, als Carina dann auch eine Portion serviert bekommt. Das haben wir eigentlich nicht bestellt, aber da sie extra für uns gekocht haben wollen wir uns jetzt auch nicht beschweren. Als sie den Fried Rice schon zur Hälfte verdrückt hat, kommt der Besitzer wieder und meint, der wäre für jemand anders gewesen. Er ist etwas angepisst deswegen. Ja saublöd, das ist ja echt dumm gelaufen, aber wir können da ja auch nichts dafür. Es ist ja auch sonst gar niemand da. Naja, wir werden nicht so recht schlau aus dem Kerl, erst war er ganz nett, jetzt ist er eher grantig. Er will uns auch einen Bootsausflug für morgen schmackhaft machen, knallt uns aber eigentlich nur einen Flyer auf den Tisch und erzählt nix dazu. Merkwürdiger Typ.

Am nächsten Morgen werden wir vom Hotel-Shuttle an den Strand gebracht. Wir gehen ein paar Meter und lassen uns dann im Sand nieder. Untypischerweise ist Carina als erste im Wasser, mich ziehts es grad gar nicht so rein. Der Strand ist zwar schon schön, aber auch etwas überbevölkert. Regelmäßig kommen Verkäufer vorbei und wollen uns allerlei Zeug aufschwatzen. Massage, Bier, Kokosnuss, Maiskolben, Sonnenbrille oder Uhr, es ist das typische Repertoire für Touris. Wir entschließen uns mal den Strand entlangzuwandern, am Ostende sind einige Felsen, vielleicht gibt es ja dort etwas zu entdecken. Der Marsch durch die pralle Sonne ist ganz schön schweißtreibend, aber für Sonne und 30° sind wir ja schließlich hier. Am Strandende angekommen nehmen wir kurz die Felsen in Augenschein, nehmen dann aber von einer Kletterpartie Abstand.

Endlich am Strand!
Endlich am Strand!

Dafür führt ein Pfad in den Dschungel, wieder ist es zu meiner Überraschung Carina, die als erste auf der Leiter dorthin steht. Es geht über Holztreppen und –leitern gut bergauf. Zum Glück ist der Weg aber im Schatten. Nachdem wir oben auf dem Hügel angekommen sind laufen wir direkt in ein Rudel Affen, ich bin entzückt. Carina nicht so, sie schaut, dass sie die kleinen Burschen so schnell wie möglich passiert. Ich lasse mir Zeit und gehe nicht sofort auf Abstand, so sitzt mir auch gleich ein Äffchen auf der Schulter. Es hat aber scheinbar kein Interesse daran mit uns mitzukommen und hüpft wieder davon als ich weiter gehe. Uns kommt dann noch ein anderes Wander-Pärchen entgegen. Amüsiert beobachte ich, wie gleich zwei Affen an den Klamotten des Mädels hochkraxeln. Sie findet das nicht so lustig und kreischt etwas. Ihr Freund macht aber erstmal ein paar Fotos, bevor er ihr hilft und die Affen verjagt.

Am Ende des Monkey-Trails angekommen bietet sich uns ein herrlicher Anblick: wir stehen vor einer kleinen Bucht mit einem superschönen Strand und einer Felswand im Hintergrund. Wow, hier lässt sichs aushalten. Das hat sich auch schon irgendein Unternehmer gedacht und hier ein tolles Resort reingebaut. Wir stehen ja normal nicht so auf diese großen Anlagen, aber diese hier sieht echt super aus. Da der Strand dann auch ein Privatstrand ist, müssen wir uns in eine Besucherliste eintragen und werden angewiesen nur am Strand zu bleiben. Wir schlendern also am Wasser durch die Bucht, bis zu einem kleinen Pier an dem der Shuttleservice für das Hotel anlegt, eine Zufahrtsstraße gibt es nämlich nicht. Hier setzen wir uns ausnahmsweise mal über die Anweisungen hinweg und gehen auf den Steg hinaus, um einen besseren Überblick zu bekommen.

Phai Plong Bay.
Phai Plong Bay.

Dabei fällt unser Augenmerk auch auf den Ao Nang Tower, einen hohen Felsen, der etwas vor der Küste aus dem Wasser ragt und der sehr interessant aussieht. Dort soll es auch Kletterrouten geben. Und angeblich kann man da auch Deep Water Soloing, d.h. direkt aus dem Boot oder Wasser anfangen zu klettern und dann irgendwann ins Wasser springen. Das klingt schon sehr verlockend. Also fragen wir hier gleich mal ob wir uns ein Kajak ausleihen können, um rüber zu paddeln. Geht leider nicht, die sind nur für Hotelgäste. Aber am Hauptstrand gibt es ja auch welche. Dorthin machen wir uns nach jeweils einem Bad im Wasser und der Sonne auch wieder auf den Weg. Die Affen hängen immer noch auf dem Weg herum und wieder wird ein entgegenkommendes Mädel von einem angesprungen. Sie kreischt laut auf, schüttelt das Tierchen ab und versteckt sich etwas panisch hinter mir. Ob sie in dem Moment mitbekommt, dass ich gar nicht zu ihrer Gruppe gehöre wage ich mal zu bezweifeln, aber es ist ihr wohl auch egal.

Zurück bei unseren Handtüchern legen wir aber erst einmal Mittagspause ein. Beim Essen entschließen wir uns dazu, dass ich nochmal schnell in unsere Unterkunft zurückkehre, während Carina die Stellung hält und ihren täglichen Kaffee genießen kann. Also mache ich mich auf den Weg, um einen Taxi-, Tuk Tuk-, Moped oder Was-auch-immer-Fahrer zu finden, der mich schnell hin und zurück bringt. Das sollt ja kein Problem sein. Denkste! Also ein Problem ist es im Grunde nicht, aber die Preisvorstellungen sind schon krass. Da haben wir für den Flughafentransfer weniger gezahlt. Ich frage haufenweise am Straßenrand stehende Fahrer, aber alle nennen denselben Preis. Und handeln will auch keiner so richtig. Also irgendwie war das früher anders in Thailand. Naja, irgendwann gebe ich dann auf und zahle zwar einen bisschen besseren Preis, aber immer noch zu viel.

Mit dem richtigen Equipment machen wir uns dann auf zum nächsten Kajak-Verleiher und paddeln kurz darauf los Richtung Ao Nang Tower. Laut dem Typen dauert es eine Stunde dahin zu kommen, aber das können wir nicht so recht glauben. Wir sind dann auch nach 15 min dort. Leider stellt sich dann heraus, dass im Moment nicht daran zu denken ist hier zu klettern mit dem Wasser als Sicherheit, da Ebbe ist und es einfach nicht tief genug ist. Wir sind schon etwas enttäuscht, lassen uns die gute Laune aber nicht verderben und paddeln eben so noch etwas zwischen den Felsen herum.

Mit dem Kajak vorm Ao Nang Tower
Mit dem Kajak vorm Ao Nang Tower

Schließlich findet sich doch noch eine Stelle, an der das Wasser an den Felsen tief genug ist, um eine Kletterpartie zu starten. Also springe ich ins Wasser und versuche die Wand hochzukommen. Aber mit nassen Händen und Füssen ist daran nicht zu denken, nach zwei Griffen liege ich auch schon wieder im Wasser. Mist. Naja, wir haben ja nicht umsonst unsere Schuhe mitgenommen, also klettere ich zurück ins Kajak, um sie anzuziehen. Gerade als ich in die engen Dinger geschlüpft bin und zurück Richtung Wand will donnert es laut und auch ein Blitz zuckt über den Himmel. Das haben wir hier jetzt gar nicht mitbekommen, wie der Himmel sich verdunkelt hat.

Oje. Ich überlege noch kurz, ob wir drauf pfeifen sollen und noch einen Kletterversuch starten, aber ausnahmsweise siegt der Verstand über die Abenteuerlust und wir paddeln schleunigst zurück Richtung Festland. Unterwegs gibt es noch einen heftigen Schauer, der aber zum Glück gleich wieder vorbei ist. In sicherlich rekordverdächtiger Zeit (beachtet man die veranschlagte Stunde) sind wir dann wieder zurück am Ufer und verkriechen uns in einer trockenen Bar. Rein klettertechnisch war der Ausflug zwar ein Reinfall, aber Spaß hat die Paddelei trotzdem gemacht. Nachdem der Regen dann wieder aufgehört hat, haben wir noch ein zwei Stunden Zeit, um uns in den zahlreichen kleinen Shops an der Uferpromenade umzusehen. Die Verhandlungen sind zwar auch hier meist wieder zäh, aber ein paar Kleinigkeiten erstehen wir dann doch und kehren in unsere Unterkunft zurück.