Mandalay

Von Bagan aus geht es weiter nach Mandalay. In unserer Unterkunft haben wir einen Shuttle-Service zur Bushaltestelle geordert, der auch einwandfrei klappt. Pünktlich um 11:30 Uhr werden wir zusammen mit noch ein paar anderen Touristen aufgesammelt. Hier erleben wir frustrierendes: mit uns sind zwei spanische Pärchen unterwegs, die sich eifrig unterhalten und wir stellen zu unserem Entsetzen fest, dass wir überhaupt gar nichts mehr verstehen. Zunächst sind wir uns ja noch nicht einmal sicher, ob es wirklich Spanisch ist oder vielleicht doch Portugiesisch, aber leider ist es tatsächlich die Sprache, mit der wir uns zwei Jahre früher durch Südamerika geschlagen haben und eigentlich auch sehr viel verstanden haben. Krass, wie schnell man alles wieder verlernt, wenn man nicht dran bleibt. Enttäuscht von unserem eigenen Versagen klinken wir uns schließlich aus und lassen uns von einem etwas schäbigeren Bus über die unzähligen Schlaglöcher und Unebenheiten in der Straße karren.

Pünktlich um 16:30 Uhr erreichen wir schließlich Mandalay und bekommen überraschenderweise tatsächlich gleich einen Transfer vom Busbahnhof zu unserer Unterkunft. In einem Sammeltaxi geht es in die Stadt. Wir sind zunächst ein wenig irritiert, weil wir irgendwie ganz woanders hinfahren, als unsere Unterkunft liegt und wir eigentlich schon in der Nähe waren, aber wie sich herausstellt liefert der Fahrer erst noch zwei Einheimische ab, die uns gar nicht aufgefallen sind. Es stellt sich auf jeden Fall heraus, dass die Entfernungen in der Stadt doch ganz ordentlich sind, d. h. zu Fuß können wir unsere Ziele nicht ablaufen. Mal schauen, wie wir dieses Problem lösen werden.

Gegen 18 Uhr sind wir dann endlich in unserem Hotel, wir checken nur schnell ins Zimmer ein und dann gibt es im Hotelrestaurant noch einen Fried Rice, zu mehr können wir uns heute nicht mehr aufraffen.

Am nächsten Tag starten wir dann unsere Erkundungstour durch Mandalay. Die Frage nach der Fortbewegung in der Stadt hat sich auch von selbst gelöst, nachdem unser Hotel kostenfreie Fahrräder zur Verfügung stellt. Das ist natürlich eine praktische Sache und wir nehmen dieses Angebot dankend an. Unser erstes Tagesziel ist Palast, der von einem Wassergraben umgeben ist und sich auf eine Fläche von 4 Quadratkilometer erstreckt. Das bedeutet, den Palast zu umrunden, das dauert schon ein bisschen. Man kann auch nicht von allen Seiten rein, so müssen wir erstmal halb rum radeln. Der Verkehr hier in der Stadt ist auch interessant. Als Radlfahrer muss man schon ganz ordentlich aufpassen, dass einen nicht ein Rollerfahrer oder ein Auto vom Radl holt. So ganz wohl fühle ich mich nicht, aber mir ist es trotzdem lieber, als zu Fuß laufen zu müssen.

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Am Straßenrand stehen überall etwas heruntergekommene Fitnessgeräte, die von den Einheimischen doch recht fleißig genützt werden. Das müssen wir auch gleich ausprobieren. Lustig, sowas brauchen wir daheim auch! J

Schnell ein paar Klimmzüge gemacht und schon geht es weiter. Der erste Eingang ist schon mal nicht für Ausländer, also weiter. Am zweiten Eingang dürfen wir passieren. Laut unserem Reiseführer kassieren die Wächter von den Touristen keine Reisepässe mehr ein, während sie den Palast erkunden, aber das stimmt leider nicht. Man muss noch immer seinen Pass hinterlegen, um eintreten zu dürfen. Man darf auch nur den direkten Weg zum Palast nehmen und nirgends abbiegen oder anderweitig rumschwirren. Naja okay, dann halten wir uns eben an die Regeln.

Leider ist der Palast selbst ein wenig enttäuschend. Angeblich soll er aus insgesamt ca. 130 Gebäuden bestehen, aber so wirklich vorstellen kann ich mir nicht, dass der tatsächlich so viele einzelne Häuser hat. Das Areal ist nicht so groß, wie man aufgrund der Gesamtgröße vermuten würde. Auch die einzelnen Gebäude sehen alle ziemlich ähnlich aus, nur sind manche größer und andere eben kleiner. Einzig das erste Gebäude unterscheidet sich massiv von allen anderen, da es golden ist. Der Rest ist aus einem roten Holz und darf mit Schuhen betreten werden, im ersten Haus muss man jedoch seine Schuhe ausziehen. Hier sind auch einige Mönche, die ihr Mittagessen bekommen. Offensichtlich kann da aber jeder hingehen, denn an den Tischen sitzen auch einige Touristen. Mich lacht das Büffet mal wieder nicht so an. Ich weiß, ich bin da ein wenig „hoaglig“ aber ich kanns auch nicht ändern. Bevor wir uns ebenfalls auf den Weg zum Lunch machen, erklimmen wir noch den 50 m hohen Aussichtsturm, um einen besseren Überblick über das Gelände zu bekommen. Von oben sieht es dann doch ein wenig spektakulärer aus, als von unten. Es ist aber dennoch kein Vergleich zu anderen asiatischen Palästen, die wir bislang besucht haben.

Wir radeln schließlich weiter zu einem Thai-Lokal, das uns unser Reiseführer empfiehlt. Dort gibt es ein Massamann-Curry, das ein wenig zu spicy für unseren Geschmack ausfällt, aber dennoch lecker schmeckt.

Nachdem wir den weiteren Tagesablauf verplant haben, schwingen wir uns wieder auf unsere Bikes und erkunden noch ein paar Tempel. Es ist ein bisschen nervig, dass man hier wirklich für alles seine Schuhe ausziehen muss. Zum Radln haben wir extra festes Schuhwerk angezogen, so dass es wirklich jedes Mal ein Act ist, bis man wieder tempelfertig ist. Um aber nicht negativ aufzufallen, halten wir uns auch diesmal an die Regeln und ziehen brav an jedem einzelnen Punkt unsere Schuhe aus. Zuerst inspezieren wir das Atumashi Kloster, das aus einer großen und recht beindruckenden Haupthalle besteht, das Untergeschoss hingegen ist eher unspektakulär, so erkunden wir lediglich den oberen Teil des Gebäudes. Auf der Terrasse sitzt eine Gruppe von Schülern, die zu Hiphop-Musik ihre Hausaufgaben erledigen. Lustig, ich kenn es noch so, dass Hausaufgaben zu Hause gemacht werden müssen und dass dazu keine Musik laufen darf…

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Anschließend geht es zum Shwenandaw Kloster, welches sich ganz massiv von allen anderen unterscheidet, da es ausschließlich aus Holz ist. Es besteht aus feinsten Schnitzereien und alleine die Verzierungen an den Säulen ist wahrscheinlich eine Lebensaufgabe für eine Einzelperson. Im Inneren gibt es wieder einen Bereich, der lediglich für Männer bestimmt ist. Brav halte ich mich an die Vorgaben, enthalte mich an dieser Stelle aber eines Kommentars. Hank schaut sich währenddessen die Buddha-Statuen genauer an, während ich außerhalb der „verbotenen Zone“ verweile. Am Kloster gibt es noch einige Verkaufsstände und wir versuchen weiterhin einen Holzlöwen zu einem uns angemessen erscheinenden Preis zu ergattern, aber auch hier lassen die Birmanen nicht wirklich mit sich handeln. Es läuft immer gleich ab: die Händler nennen einen utopischen Preis, fragen dich wieviel zu bereit bist zu zahlen, dann nennst du deine Vorstellungen, die Händler lachen und fragen nochmals nach einem ernsthaften Angebot. Ich weiß jedenfalls nicht, wie hier jemals ein Geschäft zustande kommen soll. Wir zahlen auf jeden Fall nicht die wild aus der Luft gegriffenen Preise, die sich die Birmanen so vorstellen und die scheinen auch nicht auf die Geschäfte angewiesen zu sein, denn auch hier ist es völlig in Ordnung, dass wir ohne tatsächlich etwas zu kaufen weitermarschieren.

So geht es nun zu unserem nächsten Ziel: die Kuthodaw Pagode. Diese besteht aus zig kleinen Pagoden, in denen jeweils eine Marmor-Tafel mit einer Inschrift zu finden sind. Insgesamt, wenn man alle einzelnen Tafeln zusammensetzt, ergeben die Texte dann ein ganzes Buch. Ich finde, dass diese Pagode ein wenig wie die Friedhöfe in Argentinien ausschaut. Ich muss aber gestehen, dass meine Lust an Tempel- und Pagodenbesichtigungen inzwischen mehr als gestillt ist und ich sehr froh bin, als wir endlich an der letzten für heute ankommen: die Kyautaktawgyi Pagode. Was soll ich sagen? Wieder eine Pagode mehr, wahrscheinlich unterscheidet auch sie sich von den anderen, aber ich als alter Kunstbanause, erkenne dies für heute nicht mehr.

Stattdessen freue ich mich darauf, dass wir jetzt zum Mandalay Hill marschieren, von wo aus man einen tollen Ausblick auf den Sonnenuntergang haben soll. Uns wird gesagt, dass der Aufstieg zum Gipfel etwa eine Stunde dauern soll. Natürlich muss auch dieser barfuß gemacht werden. Also schön langsam nervt es mich echt ziemlich, dass man überall seine Schuhe ausziehen muss, vor allem weil der Weg auf den Hill alles andere als sauber und eben ist. Aber gut, machen wir das hald auch diesmal so. Von wegen eine Stunde dauert es bis zum Gipfel. In weniger als 35 Minuten sind wir oben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier tatsächlich jemand eine ganze Stunde hoch braucht.  Oben am Gipfel gibt es – welch eine Überraschung – wieder einen Tempel. Nachdem ich mittlerweile wirklich durch bin mit der Tempelhopperei lauf ich nur einmal kurz durch, mach 3-4 Fotos und nehme meinen Platz für den Sonnenuntergang ein. Es füllt sich hier doch ganz ordentlich. Der Sonnenuntergang selbst ist allerdings nicht sonderlich beeindruckend, gerade wenn man davor das Spektakel in Bagan gesehen hat, ist das hier einfach nur ein weiterer Sonnenuntergang wie jeder andere auch. Wir bereuen es dennoch nicht, hier hoch gekommen zu sein, denn man hat einen schönen Überblick über die Stadt selbst und ein bisschen Treppensteigen hat ja auch noch niemanden geschadet.

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Anschließend geht es den Berg wieder runter und wir müssen mit unseren Bikes durch die Dunkelheit und vor allem den mega chaotischen Verkehr von Mandalay düsen. Also hier ist es schon ziemlich verrückt, glücklicherweise haben unsere Räder Lichter und wir können auf uns aufmerksam machen. Ich bin schon ziemlich froh, nachdem wir wieder in unserer Unterkunft angekommen sind.

Der nächste Morgen startet wieder gemütlich mit einem ausgiebigen Frühstück, bevor es zu einem weiteren – und wie ich hoffe auch letzten – Tempel: Mahamuni-Pagode. Hier steht der bedeutendste Buddha von ganz Myanmar. Den dürfen wir natürlich nicht auslassen, also radeln wir wieder mal los. Wir kämpfen uns wieder durch das Verkehrschaos, teilweise bin ich mir echt nicht sicher, wie wir auf die andere Straßenseite gelangen sollen, aber Hank ist hier sehr anpassungsfähig und macht es den Birmanen gleich. Er fährt auch einfach los und tatsächlich, irgendwie geht es dann doch immer. Trotzdem, für mich ist das nix. Ich fühle mich da wie ein kleines Kind, das nach Mama`s Hand greifen möchte.

Am Tempel müssen wir natürlich mal wieder unsere Schuhe ausziehen und eine Gebühr für die Benutzung einer Kamera bezahlen und dann darf ich noch nicht mal mit zum Buddha. Der ist mal wieder nur für die Männer bestimmt. Ich weiß das nicht gleich und hab mich wohl zu nah an den Buddha herangetraut und werde sofort von 3 Männern geschimpft, dass ich da nicht hindarf. Ja ja, ist ja schon gut, ich tu dem Buddha schon nix! Ehrlich gesagt bin ich ziemlich schockiert über dieses Pascha-Gehabe und bei dem Gedanken daran, dass bei uns bis vor nicht so langer Zeit auch noch keine Gleichberechtigung geherrscht hat, wird mir richtig schlecht. Dennoch reihe ich mich brav in den Außenbereich ein, der für die Frauen bestimmt ist. Man darf den Buddha ja immerhin von der Ferne anschauen. Hank steht währenddessen direkt dran und verpasst dem Buddha ein weiteres Goldplättchen.

Beim Besichtigen der restlichen Tempelanlage kommen wir mit einem Mönch ins Gespräch. Dieser studiert in dem hiesigen Kloster Englisch und anscheinend ist es nicht ungewöhnlich, dass die Sprachstudenten Touristen ansprechen, um die Englischkenntnisse zu vertiefen. Der Mönch ist jedenfalls sehr nett und er erzählt uns einiges über das Mönch-Dasein, die birmanische Sprache und das Kloster. So kommen wir unverhofft zu einer privaten Führung. Es ist wirklich sehr interessant, die Anlage von ihm gezeigt zu bekommen und auch ein wenig über die Hintergründe zu erfahren. Zur Mittagszeit müssen wir unseren privaten Guide allerdings wieder abgeben.

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Mittag, unser Stichwort. Wir steuern quer durch die Innenstadt, um einen Tipp unseres Reiseführers aufzusuchen. Dieser erweist sich auch tatsächlich als gute Adresse und wir genießen gutes Thaifood. Inzwischen sind wir beide ein wenig unmotiviert und es klingt sehr verlockend, einfach mal eine Pause im Hotel einzulegen. Das machen wir dann auch. Erst gegen 16:30 Uhr brechen wir nochmal auf. Wir wollen noch einmal durch den Markt schlendern und den Sonnenuntergang wollen wir auch erleben. Leider ist aktuell das absolute mega Chaos auf der Straße und es gibt teilweise kaum ein Durchkommen. Am Ende schieben wir sogar unsere Räder, weil es viel zu chaotisch zugeht. Eine Frau fällt mitsamt ihrem Roller einfach um, aber das scheint nicht so wirklich ungewöhnlich zu sein. Als wir beim Markt ankommen, wissen wir auch, warum das Chaos aktuell ganz so schlimm ist. Der Markt ist aus und da drängen alle raus. Hmm, hier hat unser Plan wohl ein Loch. Naja egal, dann fahren wir eben direkt weiter zum Viewpoint für den Sonnenuntergang. Wie sich herausstellt, war es doch gut, dass wir nicht auf den Markt gegangen sind, denn der Sonnenuntergang ist schon sehr weit fortgeschritten. Wir genießen die letzten Augenblicke, bevor die Sonne für heute gute Nacht sagt und kehren dann wieder zurück zu unserer Unterkunft.