Bago

Nach einem kurzen Frühstück machen wir uns auf den Weg Richtung Bahnhof. Da es dorthin doch etwas weiter ist wollen wir ein Taxi nehmen. Also winke ich an der Hauptstraße dem ersten Taxi zu, erlebe aber eine Überraschung: der Taxifahrer winkt zurück und fährt weiter. Beim nächsten Taxi passiert das Selbe. Hm, hat es sich in Yangon schon rumgesprochen, dass wir nicht Taxi fahren und sie ignorieren und jetzt absichtlich? Wir werden leicht nervös, da kein weiteres Taxi in Sicht ist. Auch keine Fahrradrikscha oder sonstiges Gefährt. Ständig wollen sie uns mitnehmen, nur wenn wir dann mal wollen nicht! Pft! Aber bevor Panik ausbrechen kann erbarmt sich dann doch ein Taxifahrer und nimmt uns mit.

So sind wir kurze Zeit später am Bahnhof und haben noch genug Zeit ein Ticket zu organisieren. Wo wir hinmüssen wissen wir ja schon. Am Schalter beschäftigen sich dann gleich drei Leute damit unsere Upper-Class-Tickets auszustellen. Als sie fertig sind winkt man uns auch gleich hektisch zum Zug und der Schaffner zeigt uns unsere Plätze. Wir riskieren noch einen kurzen Blick in die normale Klasse und sind dann doch recht froh um unsere etwas heruntergekommenen, aber gepolsterten Sitze: dort sind nur sehr unbequem aussehende Holzpritschen. In unseren Sitzen liegt man zwar mehr als dass man sitzt aber das stört uns nicht sonderlich. Beim Warten auf die Abfahrt (wieso hatten es vorhin alle so eilig uns in den Zug zu bekommen?) lernen wir dann noch einen ganz besonderen Fahrgast kennen: eine kleine Maus flitzt zwischen den Sesseln umher und hofft wohl auf ein paar Krümel unseres Proviants. Pünktlich um 8 tuckert unser Zug dann eher gemächlich los. So richtig Geschwindigkeit nimmt er die ganze Fahrt nicht auf. Naja, bei knappen 2 Stunden für ca. 80 km kann man sich den Durchschnitt ja ausrechnen. Während der Fahrt sehen wir viel grüne Landschaft und auch die ein oder andere golden glänzende Stupa.

In Bago angekommen versucht man natürlich wieder uns die unterschiedlichsten Hostels aufzuschwatzen. Wir folgen schließlich Mr. Myo, der auch wohlwollend in unserem Reiseführer erwähnt wird und recht gutes Englisch spricht. Er bringt uns ins Emperor Hotel, das zwar seine besten Tage schon hinter sich hat (wenn es die je gab), aber für uns ausreichend ist. Wir machen mit Mr. Myo auch gleich eine Sightseeing-Tour für Bago aus.

So sitzen wir wenig später mit ihm und seinem Onkel (der Fahrer) im Auto und starten zur ersten Attraktion, dem Kha Khat Wain Kyaung. Das ist ein Kloster in dem über tausend Mönche leben und ausgebildet werden. Wir kommen kurz vor 11 dort an und haben so Gelegenheit die Prozession der Mönche in ihren Speisesaal zu verfolgen. Eine schier endlose Schlange von Mönchen kommt durch die Gänge und Gläubige und Touristen stecken ihnen Spenden zu. Vorm Eintreten in den Speisesaal bekommt jeder Mönch seine Portion Reis aus einem riesigen Bottich geschöpft. Das erledigen zum Teil andere Mönche, zum Teil aber auch Touristen. Ich empfinde das irgendwie als unwürdig und halte mich da lieber fern. Man sieht einigen Mönchen auch ihren Wiederwillen an, als sie von weiblichen Touristen ihren Reis in die Schüssel bekommen. Manche Mönche ignorieren die auf sie zukommenden Touris auch komplett und steuern direkt auf andere Mönche zu. Richtig so, diese „Mönchs-Fütterung“ als Touri-Attraktion muss ja nun wirklich nicht sein!

Nachdem wir noch einen Lunch-Stopp in einem Straßen-Restaurant gemacht haben geht es weiter zur Shwemawdaw-Pagode. Die ist mit 114 Metern die höchste Myanmars, laut unserem Guide sogar die höchste von Thailand, Laos und Kambodscha. Der Weg zur Pagode ist komplett verstopft mit Einheimischen und Mr. Myo erklärt uns, dass morgen Vollmond ist und das wohl ein wichtiger buddhistischer Feiertag ist. Von überall her kommen Gläubige hierher um das Fest zu begehen. Das erklärt natürlich das rege Treiben um uns herum. Auch in der Tempelanlage geht es gut zu, morgen soll es aber noch sehr viel mehr sein. Wir umrunden das goldene Bauwerk – der obere Teil ist mit echten Goldplatten verkleidet – staunend und sehen uns auch die kleineren Schreine an. Einige davon sind sehr witzig und erinnern eher an eine Jahrmarkt-Attraktion: kleine Schlüsselchen bewegen sich mechanisch auf und ab oder auf einem Rad und die Gläubigen versuchen gefaltete Geldscheine hineinzuwerfen. Wenn man trifft bringt das wohl besonders viel Glück. Wenn nicht auch gut, dann war es zumindest eine Spende an den Tempel. Man kann also nicht verlieren.

Wir vor der Shwemawdaw-Pagode
Wir vor der Shwemawdaw-Pagode

Neben der Shwemawdaw-Pagode ist gleich noch die Dama Lin Khar Ra Pagode, an deren Eingang man von zwei riesigen Elefanten-Statuen begrüßt wird. Der Innenraum ist sehr schön mit beschnitzem Holz verkleidet und gefällt uns sehr gut. Da die Spendengelder aber ausgegangen sind, wird das Kloster im Moment nicht weiter renoviert und der Rest sieht dann auch aus wie eine Baustelle. Weiter geht es nach Gyi Taw, dem Schlangen Kloster. Hier wird eine etwa 40 Jahre alte und 6 Meter lange Python als Wiedergeburt Buddhas verehrt. Sie hat ein eigenes kleines Haus in dem sie sich frei bewegen kann, sogar mit Pool ;-) Als wir da sind liegt sie faul an der Wand und verdaut wohl gerade ein Huhn. Zumindest hat sie kurz hinter dem Kopf eine Beule die darauf hindeutet. Das riesige Tier ist echt beeindruckend und sehr schön gemustert. Sie bewegt sich dann auch ein wenig auf die Zuschauer zu und es ist faszinierend das Muskelspiel an der unteren Kante zu beobachten.

Danach kommen noch einige weitere Stationen, insgesamt besuchen wir 11 Sehenswürdigkeiten auf dem Ausflug. Unter anderem noch den etwa 90 Meter langen liegenden Buddha von Mya Tharlyaung, der uns sehr gut gefällt. Dort laufen wir auch mal wieder in eine Gruppe Einheimischer, die Fotos mit uns machen wollen. Nachdem jeder einzeln ein Bild will, dauert das etwas, aber es ist lustig und macht Spaß. Als letzten Stopp möchte ich noch die Mahazedi-Pagode erwähnen, die ich persönlich super fand. Dort dürfen Männer die Pagode erklimmen und können von oben eine herrliche Aussicht genießen. Man sieht auch all die anderen Pagoden des Ortes aus den Bäumen ragen und auch der oben erwähnte liegende Buddha ist zu sehen. Der Aufstieg ist zwar bei den hier herrschenden Temperaturnen sehr schweißtreibend und die Treppen sind sehr steil, aber es lohnt sich auf alle Fälle. Während ich oben eine Runde drehe wartet Carina unten und macht inzwischen wieder einige Fotos mit Einheimischen.

Liegender Buddha von Mya Tharlyaung
Liegender Buddha von Mya Tharlyaung

Nach insgesamt fast 6 Stunden und 11 Attraktionen ist unser Ausflug dann zu Ende. Er hat sich aber auf jeden Fall gelohnt und wir haben viele tolle Eindrücke mitgenommen. Vielleicht sind es sogar ein paar zu viele Stopps, bei den letzten ist man nicht mehr wirklich aufnahmefähig und immer recht schnell durch. Nichtsdestotrotz ist er auf jeden Fall empfehlenswert! Da wir gut mit Mr. Myo ausgekommen sind und er sehr bemüht war um uns, machen wir mit ihm auch gleich einen Ausflug für den nächsten Tag aus, wir wollen mit dem Auto zum etwa 80 km entfernten Golden Rock und wieder zurück.

So werden wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück von ihm aufgesammelt. Im Auto teilt er uns dann aber mit, dass er nicht mit uns kommt, da er einen anderen Job erledigen muss. Aber er meint unser Fahrer versteht uns auch. Wir sind zwar nicht besonders begeistert, aber können jetzt auch nicht mehr aus. Na gut, wird schon klappen. Also fahren wir los. Während der Fahrt stellt sich dann aber heraus, dass unser Fahrer genau gar kein Wort Englisch versteht. Na toll, so haben wir uns das nicht vorgestellt. Aber zumindest Auto fahren kann unser Fahrer und so kommen wir etwa 2 Stunden in Kinpun an, dem Basislager zur Weiterfahrt zum Golden Rock. Selbiger befindet sich in über 1100 Metern Höhe auf einem Berg. Es führt zwar ein etwa 10km langer Pilgerpfad dort hinauf, aber da sind wir jetzt ausnahmeweise mal zu bequem dazu. ;-)

Also schließen wir uns den Massen von Einheimischen an und gehen zur LKW-Verladestation. Dort werden jeweils 42 Leute auf die Ladefläche eines kleinen Lasters gepfercht und der bringt die Ladung dann über steile Serpentinen den Berg hinauf. Die Fahrt erinnert uns stark an eine Runde mit der Wilden Maus auf der Dult, wir werden gut durchgeschüttelt und rutschen auf den Bänken hin und her. Naja, soweit das geht bei den engen Platzverhältnissen. Man sollte meinen auf so einer eher anspruchsvollen Strecke wird vernünftig gefahren, aber da haben wir die Rechnung ohne die Birmanen gemacht: wir überholen an zwei zwar etwas breiteren aber immer noch steilen Stellen jeweils einen anderen LKW und werden auch selbst einmal überholt. Naja, die Jungs werden schon wissen was sie tun. Hoffentlich. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde und wir sind dann doch recht froh, als wir oben ankommen.

Irgendwie habe ich mir das hier aber ganz anders vorgestellt, etwas natürlicher oder einsamer. Tatsache ist, dass es hier quasi ein kleines Dorf gibt. Von der Abladestelle der LKWs zieht sich ein Pfad Richtung des Heiligtums, der gesäumt wird von unzähligen Souvenir-Shops, Restaurants und sonstigen Einrichtungen wie Massage-Studios. Und es geht sprichwörtlich zu wie am Stachus. Gut, das hängt wohl mit dem heutigen Feiertag zusammen. An einem normalen Tag kommen ca. 10.000 Pilger hier herauf, heute sind es zig-tausend. Und wir mitten drin. Wir folgen also den anderen Leuten Richtung Golden Rock. Da es aber im Moment recht wolkig ist und sich auch schon wieder der Hunger regt, kehren wir erst einmal in ein Restaurant ein und hoffen, dass sich das Wetter bessert.

Wir haben wieder einmal Glück, am frühen Nachmittag reißt die Wolkendecke auf und die Sonne kommt heraus. So lässt sich der Felsen natürlich viel besser bewundern. Der Golden Rock ist ein riesiger Felsen, der an der Kante eines Berges liegt. Der Legende nach nur von einem Haar Buddhas an Ort und Stelle gehalten. Und irgendwie scheint das schon plausibel, mir will einfach nicht einleuchten wie der Fels dort zum Liegen gekommen ist. Man hat alle möglichen Perspektiven auf den verehrten Stein und von einer Stelle kann man ganz gut zwischen einem Teil seiner Unterseite und dem Berg hindurchsehen, er steht also direkt an der Kante. Man hat das Gefühl als müsste der Golden Rock jeden Moment über diese kippen und ins Tal hinunter donnern. Tut er aber nicht. Seit Ewigkeiten trotzt er an Ort und Stelle den Elementen. Das ist schon echt unglaublich!

Golden Rock
Golden Rock

Da wir mit Mr. Myo ausgemacht haben, dass wir bis zum Sonnenuntergang bleiben und dann mit einem der letzten Trucks gegen 18 Uhr ins Tal fahren, haben wir hier oben noch jede Menge Zeit. So beobachten wir das rege Treiben und drehen die eine oder andere Runde um den Golden Rock. Ich kann sogar direkt zu ihm hingehen und ihn berühren. Diese Ehre bleibt aber Männern vorenthalten, Carina muss also draußen bleiben. Am Felsen sprechen die Gläubigen jede Menge Gebete und bekleben ihn mit Blattgold. Irgendwo muss die Farbe ja herkommen ;-)

Es wird hier oben immer voller, heute Abend ist hier wohl eine große Zeremonie. Schade, dass wir an der nicht teilhaben können. Naja, wir sind auch so sehr beeindruckt von der ganzen Szenerie. Kurz nach fünf versammeln wir uns dann mit einigen anderen Touris an einem guten Platz, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Der verläuft dann leider relativ unspektakulär und wir machen uns etwas enttäuscht auf den Weg zu den LKWs Richtung Tal. Die Talfahrt ist dann doch etwas rasanter und man darf gar nicht drüber nachdenken, wie oft bei diesen Gefährten wohl die Bremsen gecheckt werden… Naja, aber das ist ja in Asien immer so. Gut durchgeschüttelt kommen wir im Tal an und unser Fahrer erwartet uns auch schon. Er will wohl gerne nach Hause und so verläuft die Heimfahrt dann auch noch recht abenteuerlich.