Mandalay

Von Bagan aus geht es weiter nach Mandalay. In unserer Unterkunft haben wir einen Shuttle-Service zur Bushaltestelle geordert, der auch einwandfrei klappt. Pünktlich um 11:30 Uhr werden wir zusammen mit noch ein paar anderen Touristen aufgesammelt. Hier erleben wir frustrierendes: mit uns sind zwei spanische Pärchen unterwegs, die sich eifrig unterhalten und wir stellen zu unserem Entsetzen fest, dass wir überhaupt gar nichts mehr verstehen. Zunächst sind wir uns ja noch nicht einmal sicher, ob es wirklich Spanisch ist oder vielleicht doch Portugiesisch, aber leider ist es tatsächlich die Sprache, mit der wir uns zwei Jahre früher durch Südamerika geschlagen haben und eigentlich auch sehr viel verstanden haben. Krass, wie schnell man alles wieder verlernt, wenn man nicht dran bleibt. Enttäuscht von unserem eigenen Versagen klinken wir uns schließlich aus und lassen uns von einem etwas schäbigeren Bus über die unzähligen Schlaglöcher und Unebenheiten in der Straße karren.

Pünktlich um 16:30 Uhr erreichen wir schließlich Mandalay und bekommen überraschenderweise tatsächlich gleich einen Transfer vom Busbahnhof zu unserer Unterkunft. In einem Sammeltaxi geht es in die Stadt. Wir sind zunächst ein wenig irritiert, weil wir irgendwie ganz woanders hinfahren, als unsere Unterkunft liegt und wir eigentlich schon in der Nähe waren, aber wie sich herausstellt liefert der Fahrer erst noch zwei Einheimische ab, die uns gar nicht aufgefallen sind. Es stellt sich auf jeden Fall heraus, dass die Entfernungen in der Stadt doch ganz ordentlich sind, d. h. zu Fuß können wir unsere Ziele nicht ablaufen. Mal schauen, wie wir dieses Problem lösen werden.

Gegen 18 Uhr sind wir dann endlich in unserem Hotel, wir checken nur schnell ins Zimmer ein und dann gibt es im Hotelrestaurant noch einen Fried Rice, zu mehr können wir uns heute nicht mehr aufraffen.

Am nächsten Tag starten wir dann unsere Erkundungstour durch Mandalay. Die Frage nach der Fortbewegung in der Stadt hat sich auch von selbst gelöst, nachdem unser Hotel kostenfreie Fahrräder zur Verfügung stellt. Das ist natürlich eine praktische Sache und wir nehmen dieses Angebot dankend an. Unser erstes Tagesziel ist Palast, der von einem Wassergraben umgeben ist und sich auf eine Fläche von 4 Quadratkilometer erstreckt. Das bedeutet, den Palast zu umrunden, das dauert schon ein bisschen. Man kann auch nicht von allen Seiten rein, so müssen wir erstmal halb rum radeln. Der Verkehr hier in der Stadt ist auch interessant. Als Radlfahrer muss man schon ganz ordentlich aufpassen, dass einen nicht ein Rollerfahrer oder ein Auto vom Radl holt. So ganz wohl fühle ich mich nicht, aber mir ist es trotzdem lieber, als zu Fuß laufen zu müssen.

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Am Straßenrand stehen überall etwas heruntergekommene Fitnessgeräte, die von den Einheimischen doch recht fleißig genützt werden. Das müssen wir auch gleich ausprobieren. Lustig, sowas brauchen wir daheim auch! J

Schnell ein paar Klimmzüge gemacht und schon geht es weiter. Der erste Eingang ist schon mal nicht für Ausländer, also weiter. Am zweiten Eingang dürfen wir passieren. Laut unserem Reiseführer kassieren die Wächter von den Touristen keine Reisepässe mehr ein, während sie den Palast erkunden, aber das stimmt leider nicht. Man muss noch immer seinen Pass hinterlegen, um eintreten zu dürfen. Man darf auch nur den direkten Weg zum Palast nehmen und nirgends abbiegen oder anderweitig rumschwirren. Naja okay, dann halten wir uns eben an die Regeln.

Leider ist der Palast selbst ein wenig enttäuschend. Angeblich soll er aus insgesamt ca. 130 Gebäuden bestehen, aber so wirklich vorstellen kann ich mir nicht, dass der tatsächlich so viele einzelne Häuser hat. Das Areal ist nicht so groß, wie man aufgrund der Gesamtgröße vermuten würde. Auch die einzelnen Gebäude sehen alle ziemlich ähnlich aus, nur sind manche größer und andere eben kleiner. Einzig das erste Gebäude unterscheidet sich massiv von allen anderen, da es golden ist. Der Rest ist aus einem roten Holz und darf mit Schuhen betreten werden, im ersten Haus muss man jedoch seine Schuhe ausziehen. Hier sind auch einige Mönche, die ihr Mittagessen bekommen. Offensichtlich kann da aber jeder hingehen, denn an den Tischen sitzen auch einige Touristen. Mich lacht das Büffet mal wieder nicht so an. Ich weiß, ich bin da ein wenig „hoaglig“ aber ich kanns auch nicht ändern. Bevor wir uns ebenfalls auf den Weg zum Lunch machen, erklimmen wir noch den 50 m hohen Aussichtsturm, um einen besseren Überblick über das Gelände zu bekommen. Von oben sieht es dann doch ein wenig spektakulärer aus, als von unten. Es ist aber dennoch kein Vergleich zu anderen asiatischen Palästen, die wir bislang besucht haben.

Wir radeln schließlich weiter zu einem Thai-Lokal, das uns unser Reiseführer empfiehlt. Dort gibt es ein Massamann-Curry, das ein wenig zu spicy für unseren Geschmack ausfällt, aber dennoch lecker schmeckt.

Nachdem wir den weiteren Tagesablauf verplant haben, schwingen wir uns wieder auf unsere Bikes und erkunden noch ein paar Tempel. Es ist ein bisschen nervig, dass man hier wirklich für alles seine Schuhe ausziehen muss. Zum Radln haben wir extra festes Schuhwerk angezogen, so dass es wirklich jedes Mal ein Act ist, bis man wieder tempelfertig ist. Um aber nicht negativ aufzufallen, halten wir uns auch diesmal an die Regeln und ziehen brav an jedem einzelnen Punkt unsere Schuhe aus. Zuerst inspezieren wir das Atumashi Kloster, das aus einer großen und recht beindruckenden Haupthalle besteht, das Untergeschoss hingegen ist eher unspektakulär, so erkunden wir lediglich den oberen Teil des Gebäudes. Auf der Terrasse sitzt eine Gruppe von Schülern, die zu Hiphop-Musik ihre Hausaufgaben erledigen. Lustig, ich kenn es noch so, dass Hausaufgaben zu Hause gemacht werden müssen und dass dazu keine Musik laufen darf…

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Anschließend geht es zum Shwenandaw Kloster, welches sich ganz massiv von allen anderen unterscheidet, da es ausschließlich aus Holz ist. Es besteht aus feinsten Schnitzereien und alleine die Verzierungen an den Säulen ist wahrscheinlich eine Lebensaufgabe für eine Einzelperson. Im Inneren gibt es wieder einen Bereich, der lediglich für Männer bestimmt ist. Brav halte ich mich an die Vorgaben, enthalte mich an dieser Stelle aber eines Kommentars. Hank schaut sich währenddessen die Buddha-Statuen genauer an, während ich außerhalb der „verbotenen Zone“ verweile. Am Kloster gibt es noch einige Verkaufsstände und wir versuchen weiterhin einen Holzlöwen zu einem uns angemessen erscheinenden Preis zu ergattern, aber auch hier lassen die Birmanen nicht wirklich mit sich handeln. Es läuft immer gleich ab: die Händler nennen einen utopischen Preis, fragen dich wieviel zu bereit bist zu zahlen, dann nennst du deine Vorstellungen, die Händler lachen und fragen nochmals nach einem ernsthaften Angebot. Ich weiß jedenfalls nicht, wie hier jemals ein Geschäft zustande kommen soll. Wir zahlen auf jeden Fall nicht die wild aus der Luft gegriffenen Preise, die sich die Birmanen so vorstellen und die scheinen auch nicht auf die Geschäfte angewiesen zu sein, denn auch hier ist es völlig in Ordnung, dass wir ohne tatsächlich etwas zu kaufen weitermarschieren.

So geht es nun zu unserem nächsten Ziel: die Kuthodaw Pagode. Diese besteht aus zig kleinen Pagoden, in denen jeweils eine Marmor-Tafel mit einer Inschrift zu finden sind. Insgesamt, wenn man alle einzelnen Tafeln zusammensetzt, ergeben die Texte dann ein ganzes Buch. Ich finde, dass diese Pagode ein wenig wie die Friedhöfe in Argentinien ausschaut. Ich muss aber gestehen, dass meine Lust an Tempel- und Pagodenbesichtigungen inzwischen mehr als gestillt ist und ich sehr froh bin, als wir endlich an der letzten für heute ankommen: die Kyautaktawgyi Pagode. Was soll ich sagen? Wieder eine Pagode mehr, wahrscheinlich unterscheidet auch sie sich von den anderen, aber ich als alter Kunstbanause, erkenne dies für heute nicht mehr.

Stattdessen freue ich mich darauf, dass wir jetzt zum Mandalay Hill marschieren, von wo aus man einen tollen Ausblick auf den Sonnenuntergang haben soll. Uns wird gesagt, dass der Aufstieg zum Gipfel etwa eine Stunde dauern soll. Natürlich muss auch dieser barfuß gemacht werden. Also schön langsam nervt es mich echt ziemlich, dass man überall seine Schuhe ausziehen muss, vor allem weil der Weg auf den Hill alles andere als sauber und eben ist. Aber gut, machen wir das hald auch diesmal so. Von wegen eine Stunde dauert es bis zum Gipfel. In weniger als 35 Minuten sind wir oben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier tatsächlich jemand eine ganze Stunde hoch braucht.  Oben am Gipfel gibt es – welch eine Überraschung – wieder einen Tempel. Nachdem ich mittlerweile wirklich durch bin mit der Tempelhopperei lauf ich nur einmal kurz durch, mach 3-4 Fotos und nehme meinen Platz für den Sonnenuntergang ein. Es füllt sich hier doch ganz ordentlich. Der Sonnenuntergang selbst ist allerdings nicht sonderlich beeindruckend, gerade wenn man davor das Spektakel in Bagan gesehen hat, ist das hier einfach nur ein weiterer Sonnenuntergang wie jeder andere auch. Wir bereuen es dennoch nicht, hier hoch gekommen zu sein, denn man hat einen schönen Überblick über die Stadt selbst und ein bisschen Treppensteigen hat ja auch noch niemanden geschadet.

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Anschließend geht es den Berg wieder runter und wir müssen mit unseren Bikes durch die Dunkelheit und vor allem den mega chaotischen Verkehr von Mandalay düsen. Also hier ist es schon ziemlich verrückt, glücklicherweise haben unsere Räder Lichter und wir können auf uns aufmerksam machen. Ich bin schon ziemlich froh, nachdem wir wieder in unserer Unterkunft angekommen sind.

Der nächste Morgen startet wieder gemütlich mit einem ausgiebigen Frühstück, bevor es zu einem weiteren – und wie ich hoffe auch letzten – Tempel: Mahamuni-Pagode. Hier steht der bedeutendste Buddha von ganz Myanmar. Den dürfen wir natürlich nicht auslassen, also radeln wir wieder mal los. Wir kämpfen uns wieder durch das Verkehrschaos, teilweise bin ich mir echt nicht sicher, wie wir auf die andere Straßenseite gelangen sollen, aber Hank ist hier sehr anpassungsfähig und macht es den Birmanen gleich. Er fährt auch einfach los und tatsächlich, irgendwie geht es dann doch immer. Trotzdem, für mich ist das nix. Ich fühle mich da wie ein kleines Kind, das nach Mama`s Hand greifen möchte.

Am Tempel müssen wir natürlich mal wieder unsere Schuhe ausziehen und eine Gebühr für die Benutzung einer Kamera bezahlen und dann darf ich noch nicht mal mit zum Buddha. Der ist mal wieder nur für die Männer bestimmt. Ich weiß das nicht gleich und hab mich wohl zu nah an den Buddha herangetraut und werde sofort von 3 Männern geschimpft, dass ich da nicht hindarf. Ja ja, ist ja schon gut, ich tu dem Buddha schon nix! Ehrlich gesagt bin ich ziemlich schockiert über dieses Pascha-Gehabe und bei dem Gedanken daran, dass bei uns bis vor nicht so langer Zeit auch noch keine Gleichberechtigung geherrscht hat, wird mir richtig schlecht. Dennoch reihe ich mich brav in den Außenbereich ein, der für die Frauen bestimmt ist. Man darf den Buddha ja immerhin von der Ferne anschauen. Hank steht währenddessen direkt dran und verpasst dem Buddha ein weiteres Goldplättchen.

Beim Besichtigen der restlichen Tempelanlage kommen wir mit einem Mönch ins Gespräch. Dieser studiert in dem hiesigen Kloster Englisch und anscheinend ist es nicht ungewöhnlich, dass die Sprachstudenten Touristen ansprechen, um die Englischkenntnisse zu vertiefen. Der Mönch ist jedenfalls sehr nett und er erzählt uns einiges über das Mönch-Dasein, die birmanische Sprache und das Kloster. So kommen wir unverhofft zu einer privaten Führung. Es ist wirklich sehr interessant, die Anlage von ihm gezeigt zu bekommen und auch ein wenig über die Hintergründe zu erfahren. Zur Mittagszeit müssen wir unseren privaten Guide allerdings wieder abgeben.

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Mittag, unser Stichwort. Wir steuern quer durch die Innenstadt, um einen Tipp unseres Reiseführers aufzusuchen. Dieser erweist sich auch tatsächlich als gute Adresse und wir genießen gutes Thaifood. Inzwischen sind wir beide ein wenig unmotiviert und es klingt sehr verlockend, einfach mal eine Pause im Hotel einzulegen. Das machen wir dann auch. Erst gegen 16:30 Uhr brechen wir nochmal auf. Wir wollen noch einmal durch den Markt schlendern und den Sonnenuntergang wollen wir auch erleben. Leider ist aktuell das absolute mega Chaos auf der Straße und es gibt teilweise kaum ein Durchkommen. Am Ende schieben wir sogar unsere Räder, weil es viel zu chaotisch zugeht. Eine Frau fällt mitsamt ihrem Roller einfach um, aber das scheint nicht so wirklich ungewöhnlich zu sein. Als wir beim Markt ankommen, wissen wir auch, warum das Chaos aktuell ganz so schlimm ist. Der Markt ist aus und da drängen alle raus. Hmm, hier hat unser Plan wohl ein Loch. Naja egal, dann fahren wir eben direkt weiter zum Viewpoint für den Sonnenuntergang. Wie sich herausstellt, war es doch gut, dass wir nicht auf den Markt gegangen sind, denn der Sonnenuntergang ist schon sehr weit fortgeschritten. Wir genießen die letzten Augenblicke, bevor die Sonne für heute gute Nacht sagt und kehren dann wieder zurück zu unserer Unterkunft.

Bagan

Die Fahrt mit dem Nightbus verläuft ziemlich wackelig durch die Serpentinen hier. So ist an Schlaf erst einmal nicht zu denken. Irgendwann bin ich aber wohl doch eingeschlafen, denn ich werde ziemlich unsanft aus selbigen gerissen, als der Busfahrer laut schreiend durch den Bus läuft und „Bagan Bagan“ brüllt. Nach einem kurzen schlaftrunkenen Blick auf die Uhr bin ich doch etwas überrascht: es ist gerade 4 Uhr. Eigentlich sollten wir um 6 ankommen. Das mit dem Busfahren hier klappt noch nicht so ganz, erst 3 Stunden zu spät, jetzt 2 zu früh. Etwas verdattert stolpern wir mit den anderen Mitreisenden aus dem Bus und suchen uns mit zwei anderen ein Taxi in die Stadt. Dort kommen wir dann um halb 5 an und wecken die Jungs in der Anmeldung unserer Unterkunft auf. Es hat sich auch noch ein anderer Deutscher zu uns gesellt, der hier reserviert hat. Kurzerhand will man uns in ein 3er-Zimmer verfrachten bevor wir erklären können, dass wir zwei verschiedene Buchungen haben. Die Doppelzimmer sind leider noch nicht verfügbar. Erst in etwa 2 Stunden. Es ist mir zwar ein Rätsel wieso wir nicht gleich in die Zimmer können (auschecken wird um die Zeit keiner und die Putzkolonne ist in aller Herrgottsfrüh sicher auch nicht unterwegs) aber egal. So dösen wir dann erstmal am Empfang in den Sesseln. Nach 2 Stunden bekommen wir dann aber wirklich unsere Zimmer, was ja eigentlich schon super ist, dafür, dass wir erst für die kommende Nacht gebucht haben.

Es lohnt sich aber jetzt auch nicht mehr nochmal zu schlafen und so genehmigen wir uns gleich ein Frühstück. Danach leihen wir uns bei der Schwester des Hotel-Betreibers ein E-Bike aus. Das sieht eigentlich so aus wie ein Roller, läuft aber mit einer Auto-Batterie. Wir schwingen uns auf das Gefährt und steuern gleich mal den nächstgelegenen Tempel an. Das Fahren mit dem Bike ist echt angenehm. Es geht zwar nicht schneller als 45, aber das ist bei den Straßenverhältnissen vielleicht auch ganz gut so. Zumindest ist die Fahrt damit so ziemlich geräuschlos, man kann sich also unterwegs problemlos unterhalten.

Der erste Tempel ist der Shwezigon. Leider müssen wir vor Ort feststellen, dass die goldene Kuppel von einem Gerüst eingekleidet ist und wir sie somit nicht zu Gesicht bekommen. Schade, aber es gibt auch so noch genug zu entdecken in der Anlage. Neben zahlreichen Buddha-Figuren auch die von einigen Nats (=Geisterwesen) und auch ein kleines Becken mit Wasserschildkröten. Die tun mir allerdings etwas leid, da sie keinerlei Chance haben aus dem Beton-Becken zu kommen und sich so nicht einfach mal in die Sonne legen können. Tierhaltung in Asien ist dann doch etwas anderes als bei uns.

Shwezigon Pagode
Shwezigon Pagode

Weiter geht es zu den nächsten Tempeln, dem Gubyauknge und dem Gubyaukgyi (ja, die Tempel haben hier alle solche Namen, die Schreibweise kann immer etwas abweichen, dementsprechend schwierig ist es oft sich zu orientieren). Waren beim letzten Tempel noch Dutzende Besucher vor Ort, haben wir diese Stätten fast für uns allein. Na gut, sie sind auch wesentlich kleiner aber es ist trotzdem ganz angenehm. So umrunden wir die kleinen Anlagen und gehen mit den Buddhas im Inneren auf Tuchfühlung. Als nächstes Ziel auf unserer Fahrt habe ich einen Platz anvisiert, den mir unser Hostelbetreiber empfohlen hat: dort soll der Sonnenaufgang ganz gut zu beobachten sein. Die Sonne steht zwar schon hoch am Himmel, aber für morgen kann man ja schon mal schauen.

Die Tempelgruppe wo der Spot ist liegt etwas abseits und so verlassen wir die asphaltierte Hauptstraße. Es geht weiter über teils sehr schmale Sandwege querfeldein. Meistens ist die Fahrspur recht fest und problemlos zu befahren, manche Stellen sind aber sehr sandig und man muss höllisch aufpassen, dass das Bike nicht ausbricht. Wenig hilfreich ist auch das immer wieder in den Weg hängende Grünzeug. Aber nach etwas Eingewöhnung komme ich ganz gut klar und die Fahrerei macht sogar ziemlich Spaß!

So kommen wir gut und relativ problemlos voran. Nur unser Ziel finden wir irgendwie nicht. Laut Karte müsste es irgendwann rechts weggehen, aber da kommt einfach keine Abzweigung. Naja, wir halten unterwegs ein zwei Mal bei kleineren Tempelchen und Pagoden und haben auch so unseren Spaß. Als wir dann unverhofft vor einer der größeren Anlagen, dem Sulamani, stehen weiß ich dann zumindest, dass wir zu weit sind und die Map nicht ganz zuverlässig ist. Naja, wenn wir schon mal da sind besichtigen wir halt diese Anlage. Leider kann man hier nur durch das Haupttor bis zu Eingang des Tempels gehen, dort ist dann ein Gitter und Schluss. Es ist auch nicht möglich um den Tempel rum zu gehen, da ist ein Absperrband und der Hinweis, dass es gefährlich ist weiterzugehen. Schon wieder eine Baustelle! Uns kommt der Verdacht, dass hier vor der Hauptsaison noch alles ein wenig in Schuss gebracht wird, damit das Gros der Touris alles in schönen Glanz sieht.

So machen wir uns auf den Weg zurück zur Hauptstraße und visieren mit dem Ananda den nächsten größeren Tempel an. Als wir ankommen sind wir ein wenig enttäuscht, dass auch hier die goldene Spitze von einem Gerüst verhüllt ist. Also schön langsam nervts! Trotzdem gefällt uns das Bauwerk recht gut und wir drehen unsere Runde durch das Innere. Die Tempel sind sich alle recht ähnlich: ein viereckiger Grundriss (teilweise dann mit Anbauten) in dessen Mitte je eine mehr oder weniger große Buddha-Figur in die vier Himmelsrichtungen schaut. An der Außenwand führt ein Gang von Statue zu Statue und in den Gängen sind Nischen in den Wänden mit – Überraschung – Buddhas.

Ananda
Ananda

Nach den zahlreichen Tempeln haben wir uns erst einmal ein Mittagessen verdient und wir finden ein gemütliches kleines Restaurant in dem wir uns ein leckeres Fischgericht schmecken lassen. Gut gestärkt steuere ich am frühen Nachmittag den nächsten Tempel auf unserem Programm an. Dort angekommen grantelt Carina aber etwas rum, sie will jetzt mal zu einem Tempel von dem aus man einen guten Überblick hat. Ja ok, eigentlich hat sie Recht, also steuern wir einen Tempel an, der etwas größer aussieht und den man laut Reiseführer auch besteigen kann. Querfeldein sollten wir da auch schnell da sein. Unterwegs kommen wir noch an einer Tempelgruppe vorbei von der man zum Sonnenuntergang einen guten Ausblick haben soll. Das merken wir uns dann mal für später.

Kurz darauf stellen wir unser E-Bike bei der Shwesandaw-Pagode ab und machen uns daran die steilen Stufen zu erklimmen. Das ist gar nicht so einfach, denn das Geländer ist so heiß, dass man es fast nicht anfassen kann. Aber wir sind ja geübte Kraxler und stehen wenig später auf der obersten Ebene der Pagode. Und was soll ich sagen, der Anblick der sich uns von hier oben bietet ist einfach überwältigend! Von unten sind die meisten Pagoden und Tempelchen nicht sonderlich eindrucksvoll, aber der Überblick über das Gesamte von hier oben ist schon was ganz eindrucksvoll. Die schiere Menge der Spitzen die überall in die Luft ragen ist einfach unfassbar. Hier gefällt es uns so gut, dass wir viel Zeit damit verbringen einfach den Anblick in uns aufzusaugen.

Irgendwann beschließen wir, hier auch den Sonnenuntergang zu verfolgen. Bis dahin sind es noch ca. 2 Stunden, aber es hat sich schon ein kleines Grüppchen Leute versammelt, um sich die besten Plätze für später zu sichern. Wir verlassen die Pagode aber nochmal eine kleine Weile, um in dem Restaurant von heute Mittag einen Cappuccino für Carina zu organisieren und unsere Wasservorräte aufzufüllen. Als wir zurückkehren sind schon wieder ein paar Leute mehr vor Ort und wir sichern und schnell zwei Plätze in der ersten Reihe. So verfolgen wir von dort, wie Busladung um Busladung Touristen angekarrt wird und sich eine lange Schlange die Stufen hinauf bildet. Es wird hier echt richtig voll, am Ende sind es sicher an die 1.000 Zuschauer. Der Sonnenuntergang an sich ist dann zwar ganz schön, aber kein großes Spektakel. Das sehen einige der anderen wohl anders, denn es wird applaudiert, als die Sonne hinterm Horizont verschwunden ist. Das haben wir auch noch nie erlebt. Kaum ist der Applaus verklungen sind die Treppen auch schon wieder verstopft und alle wollen so schnell wie möglich wieder nach unten. Wir bleiben jedoch noch ganz entspannt sitzen und habens nicht eilig. Nachdem die Massen weg sind können wir dann noch ein paar lustige Fotos vor dem letzten roten Streifen am Horizont schießen. Dann düsen aber auch wir zurück Richtung Unterkunft. Die letzte Nacht hat dann doch ihre Spuren hinterlassen und wir sind etwas fertig.

Sonnenuntergang von der Shwesandaw-Pagode aus
Sonnenuntergang von der Shwesandaw-Pagode aus

So schlafen wir recht bald ein, werden aber um 4:45 schon wieder aus den Träumen gerissen. Klar, den Sonnenaufgang lassen wir uns auch nicht entgehen. Punkt 5 sitzen wir auf unserem Roller und peilen wieder die Shwesandaw-Pagode an. Von dort hat man einfach einen super Überblick. Was ich aber nicht so ganz bedacht habe ist die Temperatur um die Zeit. Da noch keine Sonne da ist, ist es natürlich auch noch etwas frisch. Und wenn man dann in kurzer Hose auf dem Roller sitzt ziehts ein wenig, da hilft auch der Pulli nichts. Es ist echt bitter bitter kalt und die knapp 9 km lange Fahrt wird zur Tortur für mich. Carina geht’s in meinem Windschatten zum Glück nicht ganz so schlimm. So kommen wir etwas durchgefroren an unserem Ziel an.

Diesmal sind wir nicht ganz so frei in unserer Platzwahl, es ist schon ein Bus mit einem japanischen Fotoclub da, auf der obersten Etage sind haufenweise Stative aufgebaut. Ich habe ehrlich gesagt nicht erwartet, dass es so viele Verrückte gibt, die in ihrem Urlaub schon um die Zeit aufstehen. Naja, egal, es gibt noch eine Lücke zwischen den Stativen, dort sitzen zwei Damen am Boden. Über die sehen wir ja problemlos drüber. Irgendwann stehen die beiden aber dann auf und zumindest Carina und eine andere Touristin sehen nicht mehr so gut. Also fragen wir sie ganz freundlich, ob sie denn stehen bleiben und sich die beiden anderen vorne auf die Mauer setzen können. Aber das wird brüskiert abgelehnt, sie wissen noch nicht, ob sie sitzen oder stehen wollen und sie wollen auf keinen Fall jemand vor sich haben. OK, ich seh ja ein, wer zuerst kommt, mahlt zuerst und sucht sich einen Platz aus, aber er hat noch lange nicht das Recht mehrere Plätze für sich zu beanspruchen. Vor allem nicht an einem Ort wo es nun mal zum Sonnenaufgang nun mal so zugeht wie hier. Da ist es für uns und auch alle anderen eine Selbstverständlichkeit dass man zusammenrückt, damit jeder was von dem Anblick hat. Aber die beiden geben sich uneinsichtig, sie wollen die Szenerie genießen und man solle sie jetzt in Ruhe lassen. Naja, alle Umstehenden sind sich schnell einig, dass die beiden einen Vogel haben. Es macht uns dann auch richtig Spaß sie die nächsten Minuten noch etwas zu nerven und ihnen auf die Pelle zu rücken ;-)

Naja, das Problem mit der schlechten Sicht für Carina und ihre Leidensgenossin erledigt sich dann, ein freundlicher Japaner meint sie können sie noch neben sein Stativ quetschen. So warten wir gespannt darauf die Sonne wieder am Horizont zu erblicken. Und noch auf ein anderes Highlight: zum Sonnenaufgang starten hier auch immer ca. 20 Ballons und fliegen mit über das Gelände. Wir haben zwar kurz damit geliebäugelt auch so eine Fahrt zu machen, aber der Preis hat uns dann doch die Sprache verschlagen: schlappe 320 US Dollar pro Person kostet der Spaß. Das ist es uns dann doch nicht wert. Im Nachhinein erfahren wir dann auch noch, dass die Flüge eh für die nächsten 5 Tage ausgebucht sind. Während wir auf den Start der Ballons und den Sonnenaufgang warten, erfahren wir auch den wahren Grund warum viele der Tempel in Gerüste gehüllt sind: erst im August hat es hier ein Erdbeben gegeben, wodurch viele Anlagen beschädigt wurden.

Was dann folgt ist auch wieder ein unglaublich toller Anblick und schwer in Worte zu fassen. Insgesamt 21 Ballons schweben gemächlich während dem Sonnenaufgang über Bagan, der Start ist so getimt, dass alle Ballons rechtzeitig in der Luft sind. Die Kombination Pagoden + Ballons + Sonnenaufgang ist schon sehr geil und war das frühe Aufstehen auf jeden Fall wert! Nach etwa einer Stunde ist das Spektakel dann vorbei und wir steigen die steilen Treppen der Pagode hinab, um zurück in unsere Unterkunft zu fahren, um zu Frühstücken und zu Rasten. Beim Abstieg geschieht dann fast noch ein Unglück: irgendein Idiot hat sich eine Kokosnuss gekauft, sie ausgetrunken und dann auf der obersten Ebene liegen gelassen. Schlauerweise direkt an den Stufen. Eine unachtsame Chinesin ist dann dagegengetreten und das Ding saust die Treppen runter. Carina ruft mir noch eine Warnung zu, vielleicht bin ich dadurch ein wenig zur Seite gegangen und die Nuss schlägt nur auf meinem Oberschenkel ein. Autsch. 30 cm weiter rechts und ich hätte die Nuss voll auf den Schädel bekommen und wäre wohl mit ihr die restlichen Stufen runtergeflogen. Bekannterweise sterben die meisten Touristen im Urlaub durch Kokosnüsse. Naja, ist ja nochmal gutgegangen und wir fahren nach dem kurzen Schreck zurück. Praktischerweise wird unser E-Bike während wir pausieren wieder aufgeladen, so können wir am frühen Vormittag wieder losstarten, ohne befürchten zu müssen, dass uns später der Saft ausgeht.

Sonnenaufgang von der Shwesandaw-Pagode aus
Sonnenaufgang von der Shwesandaw-Pagode aus

Das machen wir dann auch und sind bald wieder on the Road. Heute möchte ich den südlichen Teil des Areals erkunden, dorthin aber nicht über die stark befahrene Hauptstraße gelangen, sondern über einen der kleinen Feldwege. Muss nur noch der richtige gefunden werden, aber das wird schon klappen. So biege ich an einer Stelle, die dem auf der Karte ausgesuchten Weg entsprechen könnte, Richtung Süden ab. War aber wohl der falsche Weg, wie wir nach einiger Zeit feststellen. Naja, falsch ist ja relativ, er führt zumindest in die richtige Richtung, also fahren wir unverdrossen weiter. Nach einem kurzen Stopp bei zwei verlassenen kleinen Tempeln stehen wir vor der Winido-Gruppe und sehen uns den größten Tempel eben jener an.

Kurz darauf geht es auch schon weiter zu nahen Izagawna. Dort tappen wir mal wieder in die Souvenir-Falle und kaufen (wie wir später erfahren) ein Bild zu einem völlig überhöhten Preis. Naja, für hiesige Verhältnisse halt. Von der Plattform um den Tempel sehen wir dann auch wieder die Winido-Tempel und sehen, dass auf einem ein Touri rumklettert. Da kann man rauf? Na das ist uns vorher gar nicht aufgefallen. Also schnell zurück. Wir kommen dann zu einem Tempel, dessen Eingang vergittert und zugesperrt ist, aber die Schlüsselwächterin ist nicht weit, sperrt uns auch gleich auf und leuchtet uns mit einer Taschenlampe den Aufstieg aus. Es gibt eine sehr enge und steile Treppe gut versteckt in der Ecke. Nachdem wir auch noch eine kleine Bambus-Leiter überwunden haben stehen wir oben auf dem Tempel und können den Ausblick über das ganze Areal genießen. Die Haupt-Tempel sind zwar etwas weit entfernt, aber es ist trotzdem ein super View.

Danach geht unsere Rundfahrt weiter Richtung der Siedlung New-Bagan. Bevor wir durch das Dorf Minnanthu kommen halten wir noch an zwei kleineren Anlagen an, deren Name sich nur schwer bestimmen lässt, da sie nur in der Landessprache angeschrieben sind. Da es auch schon wieder auf Mittag zugeht beschließen wir nur noch einen Stopp beim Dhamma-ya-za-ka Zedi zu machen und dann Essenspause zu machen. Selbiger ist leider auch wieder in ein Gerüst gehüllt, aber daran sind wir ja mittlerweile gewöhnt. Die goldene Kuppel ist trotzdem ein guter Anblick und wir erfreuen uns auch an den kleineren Details des Baus. Um die Ecke erklimmen wir dann nochmal ein Gebäude von dem aus wir einen guten Ausblick haben, dann geht es aber wirklich zum Essen.

Wir wählen extra ein Restaurant aus in dem es laut Reiseführer gutes Thai-Essen gibt. Vor Ort sind wir dann aber ziemlich enttäuscht vom Green Elephant, das Curry ist einfach nur scharf, das Personal komplett überfordert und Carinas bestellter Cappuccino ein Espresso. Und das auch noch zu einem für Myanmar geradezu unverschämt hohen Preis. Wer je nach New-Bagan kommt: geht nicht ins Green Elephant!

Nach dieser herben Enttäuschung geht es weiter mit Tempel-Hopping. Zuerst steuern wir den Lawakananda an, der am Flussufer liegt, aber eigentlich nur aus einer kleinen goldenen Stupa besteht, Diese hat auch wieder einen Erdbeben-Schaden und ist komplett von einem Bambus-Gerüst eingehüllt. Es gibt also nicht so viel zu sehen, somit geht es recht schnell weiter. Wir fahren wieder nach Norden und halten an einer ziemlich kaputten Tempelgruppe, auf die man aber auch raufsteigen kann. Da wir auf der Suche nach einem geeigneten Platz für den Sonnenuntergang sind, ist das natürlich ein interessanter Platz. Nachdem wir ihn inspiziert haben sind wir aber davon überzeugt, dass hier kein so guter Platz ist. Also weiter, wir visieren die Tempel an, an denen wir gestern schon mal vorbei gekommen sind und sie vorgemerkt haben. Aber auch hier sind wir nach einiger Kraxelei davon überzeugt, dass es kein so guter Platz ist.

Wir wollen gerade wieder weiter fahren, da huscht eine Schlage vor uns über den Weg. Naja, von der Größe her ist es eher ein Regenwurm, aber ich bin trotzdem entzückt. Schnell rufe ich Carina zu sie soll den Roller halten, damit ich dem Tierchen nachstellen kann. Sie versteht aber leider, dass sie absteigen soll und tut dies auch. Tja, somit begibt sich das E-Bike also in die Horizontale und wir sind beide etwas überrascht. Mist. Und die Schlange ist mir nun auch entkommen. Unserem Gefährt ist zum Glück nichts weiter passiert und damit wäre der Punkt Roller-Sturz für diese Reise nun auch erledigt. Es hat ja schon eine lange Tradition, dass wir unsere Zweiräder umwerfen oder manchmal auch in Schluchten fallen lassen ;-)

Nachdem wir also keinen alternativen Platz für den Sonnenuntergang gefunden haben, steuern wir wieder die Shwesandaw-Pagode von gestern Abend und heute Früh an. Carina hat auch ein neues Projekt, sie will ein Zeitraffervideo mit Ihrem IPhone machen. Da wir heute etwas später dran sind begeben wir uns direkt eine Etage weiter nach unten als gestern, hier haben wir noch freie Platzwahl und können uns somit wie gewünscht ganz am Eck in Stellung bringen. Für Carinas Video bauen wir dann noch ein Stativ aus einem Ziegelstein, unserem Reiseführer und einer vollen Wasserflasche und warten dann das Geschehen ab. Es wird genauso voll wie gestern und auch der Sonnenuntergang verläuft eigentlich genauso. Und es wird wieder geklatscht. Strange. Nach einem erneuten harten Tag mit ziemlich vollem Programm kehren wir müde in unser Zimmer zurück und ruhen uns aus.

Die Ruhe dauert allerdings wieder nur bis 4:45, wir sind verrückt genug den Sonnenaufgang nochmal mitzumachen. Und da wir dort schon Stammgäste sind geht es natürlich auch wieder zur Shwesandaw-Pagode. Hauptgrund dass wir schon wieder hierherkommen ist, dass Carina auch vom Sonnenaufgang ein Video machen will. Trotz der Tatsache, dass wir den Ablauf schon kennen, ist es doch wieder schön die Ballons auf ihrer Fahrt zu verfolgen. Wie gestern geht es danach wieder zurück in die Unterkunft, diesmal ohne Kokosnuss-Zwischenfall.

Da wir noch ein paar der größeren Tempel noch gar nicht aus der Nähe gesehen haben, geht es nach einer angemessenen Pause auch wieder los. Wir besichtigen noch 4 oder 5 Anlagen, da eine einzelne herauszuheben ist schwierig. Es wird uns beiden schön langsam zu viel, es beginnt alles gleich auszusehen. Laut Reiseführer gibt es zwar in diesem Tempel besonders schöne Wandmalereien und in jenem die schönsten Reliefs, aber da sind wir wohl zu sehr Kunstbanausen um große Unterschiede festzustellen. Es ist jetzt nicht so, dass uns das Herumfahren gar keinen Spaß mehr macht, aber schön langsam leiden wir unter Tempel-Overload. Vielleicht hätten wir wie damals in Angkor Wat einen Tag komplett Pause machen sollen, um wieder aufnahmefähiger zu werden. Naja, so entschließen wir uns am frühen Nachmittag unsere Besichtigungen einzustellen und einfach noch etwas zu relaxen.

Auf dem E-Bike vor einem Tempel
Auf dem E-Bike vor einem Tempel

Wir brechen aber dann doch noch mal auf, zumindest den Sonnenuntergang wollen wir wieder mitnehmen. Aber diesmal an einer anderen Location. Ich habe schon etwas im Sinn, was im Reiseführer empfohlen wird, will aber unterwegs noch kurz an einem anderen Tempel anhalten. Der ist wie sich herausstellt gar nicht so einfach zu erreichen wie es auf der Karte scheint und wir brauchen länger als erwartet um dorthin zu kommen. Als wir ankommen füllt sich hier auch schon wieder alles mit Leuten, die den Sonnenuntergang genießen wollen. Da wir es jetzt wahrscheinlich nicht mehr bei meinem eigentlich ausgesuchten Tempel ankommen, gesellen wir uns zur Menge und sitzen kurz darauf auf einer Mauer oben auf der Pyathada Pagode. Wir genießen den Sonnenuntergang zwar schon, man muss aber ehrlich zugeben, dass die Pagode der letzten zwei Tage einen deutlich besseren Blick zu bieten hat. Nicht umsonst werden da ja die meisten Leute hingekarrt.

Trotzdem war es ein schöner Abschluß für unseren Bagan-Aufenthalt und wir wollen ihn nicht missen. In unserem Zimmer denken wir kurz darüber nach morgen Früh nochmal den Sonnenaufgang mitzunehmen, bevor wir dann mittags weiter fahren, entscheiden uns dann aber doch dagegen. Immerhin muss es im Urlaub ja auch mal möglich sein auszuschlafen ;-)

Inle See

 Für die Weiterfahrt an den Inle-See werden wir um viertel nach 9 an unserer Unterkunft aufgesammelt und zur Bushaltestelle gebracht. Warum wir eine halbe Stunde vor Abfahrt anwesend sein müssen, erschließt sich uns zwar nicht, aber im Gegensatz zu einem französischen Rentnerpärchen, das mit uns fährt, mussten wir wenigstens nicht schon eine ganze Stunde bevor es losgeht startklar sein. Laut Mr. Myo fahren wir mit dem Bus ca. 8,5 Stunden und sollen gegen 18:30 Uhr in Nyaungshew ankommen. Einen Lunch-Stop gibt es auch, also alles ganz gechillt. So zumindest die Theorie…

Wir fahren pünktlich um 10 Uhr los und es geht auch erstmal ganz entspannt voran. Dass wir unseren Mittagsstopp allerdings schon um 10:45 Uhr machen, war so von uns nicht eingeplant. Wir haben beide noch absolut gar keinen Hunger und aus Angst, irgendetwas schlecht Verdauliches oder überdurchschnittlich gut Verdauliches zu erwischen, verzichten wir auf die Nahrungsaufnahme um diese frühe Uhrzeit. Wir kaufen uns lediglich 4 kleine Bananen und eine Orange und dann steigen wir wieder in den Bus. Dort erleben wir dann die nächste Überraschung: der Bus fährt nicht bis Nyaungshew, sondern ca. 13 km vorher endet unsere Fahrt. Aha, das ist ja auch wunderbar. Naja, noch ist die Stimmung einigermaßen gut, wenn wir in der Zeit liegen sollten wir ja dennoch nicht ganz so spät ankommen. Mit den beiden Franzosen haben wir schon ausgemacht, dass wir uns ein Taxi teilen, also ist hier vielleicht auch schon wieder eine Ersparnis möglich. Der Bus macht gut Strecke und über schmale Serpentinen geht es irgendwann stetig bergauf. Um 18:30 Uhr sagt uns der Assistentsfahrer, dass es noch rund 1,5 Stunden zu fahren sind. Äh, wie bitte? Dann wären wir insgesamt bei 10 Stunden und nicht wie angekündigt bei 8,5 Stunden Fahrtzeit. Unsere Obstvorräte sind auch längst verbraucht, Kekse haben wir auch keine mehr, das wird jetzt hart.

1,5 Stunden später ist noch immer kein Ende unserer Fahrt in Sicht. Wir erfahren nun, dass es nochmal rund 1 Stunde dauert, bis wir ankommen. Bitte??? Langsam verliere ich ein bisschen meine gute Laune und ich mag nicht mehr. Zur Erinnerung, wir haben noch nichts gegessen, es ist bereits 20 Uhr und eine Ankunft ist noch nicht in Sicht.

Gegen 21:15 Uhr werden wir schließlich irgendwo in Myanmar am Straßenrand abgesetzt. Es ist stockdunkel, außerdem ist es kalt, wir sind am Verhungern und haben keinen Plan wo wir sind und wir müssen noch irgendwie 13 Kilometer zurücklegen um zu unserer vorreservierten Unterkunft zu kommen. Das ist jetzt der Moment in dem ich mir denke: Warum? Warum sind wir nicht einfach Pauschalurlauber, die 3 Wochen ein Resort irgendwo am Strand gebucht haben, die sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen und von Bediensteten mit Mojitos versorgt werden. Im Augenblick habe ich hierauf keine Antwort. Stattdessen umzingelt uns eine Gruppe Einheimischer, von denen nur einer Englisch spricht und der uns ein Taxi anpreist. Allerdings ein Motorrad-Taxi. Na toll, das kann ich jetzt gar nicht brauchen, vor allem will ich nicht auf einem Roller hinten drauf sitzen mit all meinen Sachen und Hank ist irgendwo anders, nein nein, das gefällt mir gar nicht.  Wir sind beide sichtlich erleichtert, als er mit einem großen Tuktuk ankommt und uns zusammen mit den beiden Franzosen für insgesamt 20000 Kyat mitnehmen will. Ich glaub allerdings mir hauts den Vogel raus, als Hank mit dem Preis nicht einverstanden ist. Das sind pro Person umgerechnet nicht mal 5 Euro, wir stehen hier mitten in der Nacht im Nirgendwo, sind den Einheimischen völlig ausgeliefert, wir haben hier eine Gruppe, die uns dort hinbringt, wo wir hinwollen und Hank will verhandeln?? Ich bin selbst ja kein Verhandlungsgenie, aber ich denke zu erkennen, dass wir aktuell in einer verdammt schlechten Verhandlungsposition sind. Die wenn gehen, dann sind wir aufgeschmissen. Ich glaub Hank sieht es meinem Gesichtsausdruck an, dass ich von seiner Strategie gerade alles andere als begeistert bin und willigt ein wenig widerwillig ein, den vorgegebenen Preis zu bezahlen. Na Gott sei Dank, ich will einfach nur in die Unterkunft.

Die Fahrt mit dem Tuktuk ist nochmal ein wenig nervenaufreibend, erstens friere ich wie verrückt, dann hört sich das Tuktuk an, als wenn es jeden Moment auseinander fällt und es zieht sich noch ewig. Ich war in meinem Leben selten so erleichtert, das Ziel erreicht zu haben, wir an diesem Abend. Wir gehen dann auch ohne was zu essen direkt ins Bett, so fertig sind wir bei der Ankunft.

Wenigstens können wir die Nacht sehr gut schlafen und werden am nächsten Morgen für die Strapazen des Vortages mit leckeren Pancakes mit Honig und Bananen mehr als entlohnt. Ich fass es gar nicht, wie gut die schmecken und könnte der Guesthouse-Betreiberin einfach um den Hals fallen, so glücklich macht sie mich mit ihren Pfannkuchen. Nach diesem sensationellen Frühstück leihen wir uns Bikes aus und machen uns auf den Weg die Gegend zu erforschen. Für Mountain-Bikes sind wir mal wieder zu geizig, so nehmen wir für ca. 1 EUR pro Tag für ein Fahrrad die klapprige Variante. Wenigstens bekommen wir sie voll aufgepumpt und richtig eingestellt, so ist die Fahrt auf der Gerade nicht ganz so eine Plackerei wie wir sie schon erlebt haben. Wir haben uns eine Tour ausgesucht, die zunächst etwa 2 Stunden auf der einen Seeseite entlang gehen und dann mit einem Boot den See überqueren und anschließend nochmal 2 Stunden auf der anderen Seeseite zurück gehen soll. Wir strampeln also gemütlich dahin, es ist zunächst noch ziemlich frisch, aber nachdem dann die Sonne endlich rauskommt wird es doch ziemlich schnell ziemlich warm. Also alle Schichten wieder ausziehen, die wir zusätzlich dabei haben und es geht schön dahin. Fast schon ein wenig verdutzt schauen wir aus der Wäsche, als wir nach ca. 1 Stunde schon den Ort erreichen, an dem man den See queren kann. Wer braucht denn bitte für diese Strecke 2 Stunden? Wir waren ja jetzt wirklich nicht sonderlich schnell unterwegs. Naja egal, fahren wir halt zum Viewpoint.

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Tja, das ist leichter gesagt, als getan. Ein Viewpoint setzt ja bekanntlich voraus, dass er höher liegt, damit man auch eine Aussicht haben kann. Und hier merkt man ganz deutlich, dass wir nicht mit den Mountain-Bikes sondern nur mit den veralteten klapprigen Rädern unterwegs sind. Immerhin haben wir 3 Gänge zur Auswahl. Dennoch ist die Auffahrt mehr als anstrengend und die mittlerweile doch schon sehr drückende Hitze macht dieses Unterfangen nicht gerade einfacher. Heruntermarschierende Touristen schauen uns schon an, als wenn wir völlig einen an der Waffel hätten, aber wir lassen uns davon nicht beirren und kämpfen uns weiter Meter um Meter nach oben. Wir stehen schließlich an einer Abzweigung, an der man sich entscheiden muss, ob man zuerst zum Kloster möchte oder gleich zum Viewpoint. Nachdem der Weg zum Viewpoint nochmal steiler wird, entscheiden wir uns, mit dem Radl zum Kloster zu fahren und das letzte Stück zum Aussichtspunkt zu Fuß zurück zu legen. Man muss es ja nicht übertreiben. Das Kloster selbst ist relativ unspektakulär, es liegt halt in den Bergen und ist von Bäumen umgeben, aber ein Place-2-B ist es jetzt auch nicht unbedingt. Glücklicherweise gibt es eine direkte Verbindung von hier zum Aussichtspunkt, so können wir einfach schnell weitergehen und stehen auch schon an der Stupa, die den Viewpoint markiert. Leider ist es hier ziemlich verwachsen, so dass man nicht so den tollen Ausblick hat, aber egal. Hank entdeckt dann am Wegesrand 2 große Spinnennetze mit 2 mächtigen Exemplaren meiner „Lieblingstierchen“. Bäh, schnell weg!!!

Jetzt werden wir wenigstens für unsere Qualen den Berg hinauf belohnt, wir dürfen es abwärts laufen lassen. Das macht gleich erheblich mehr Spaß als das nach oben plagen und geht auch wesentlich schneller. Kurze Zeit später stehen wir am Seeufer und gehen den Steg entlang um uns mal ein bisschen umzusehen. Hier sind lauter kleine Holzhäuschen auf Holzstützen, überall wuselt es an beschäftigten Menschen und zwischendurch kann man doch überraschend viele Touristen finden. Natürlich sind die Verkaufsfreudigen auch nicht weit entfernt. Eine Bootsfahrt zum anderen Ufer kostet 10.000 Kyat, also etwa 7 EUR, aber da lassen sie nicht mit sich handeln, offensichtlich sind sich hier alle einig, dass das ein Festpreis ist. Es ist allerdings auch schwierig mit jemand über einen Preis zu verhandeln, wenn der Verhandlungspartner kein Englisch spricht, also müssen wir uns wohl oder übel mit diesem für asiatische Verhältnisse doch recht teuren Preis zufrieden geben. Wenige Augenblicke später sitzen wir zusammen mit unseren Fahrrädern in einem Boot und schippern gemütlich durch den Inle-Lake. Die Aussicht ist herrlich. Der See ist umringt von Bergen, die Sonne strahlt und der See glänzt. Herrlich. Die Fahrt dauert ca. 45 Minuten und mit Rad geht es dann nochmal rund eine Stunde bis zurück in die Stadt. Leider geht der „Radweg“ nicht direkt am Ufer entlang, sondern ein wenig weiter im Landesinneren, wobei es hier schwer ist ein Ufer zu finden, weil der See mehr ein Sumpf mit lauter kleinen Dörfern ist als ein richtiger See. Dennoch ist es hier wirklich sehr schön.

Gegen 14 Uhr sind wir wieder zurück in Nyaungshew und der Hunger macht sich mittlerweile breit. Wir folgen einer Empfehlung unseres Guidebooks und gehen zum Green Chili Restaurant. Abgesehen davon, dass hier ganze Busse an Touristen angekarrt werden, ist das Essen aber sensationell. Auch der Cappuccino ist für mich ein wahres Gedicht. Preislich ist es wenig überraschend natürlich eher teurer angesiedelt, aber nachdem wir gestern mal gar nichts zu essen bekommen haben, bin ich heute absolut glücklich mit der Auswahl.

Den Rest des Tages verbringen wir damit, noch ein bisschen durch das Örtchen zu radeln, ein paar Pagoden anzuschauen und einen Boattrip für den nächsten Tag zu organisieren. Es gibt einen tollen Sonnenuntergang, aber leider finden wir heute hierfür keinen geeigneten Platz um das Farbschauspiel verfolgen zu können. Wir enden stattdessen in einer gemütlichen Rooftop-Bar und lassen diesen schönen Tag gemütlich ausklingen.

Der nächste Morgen beginnt mit der Erkenntnis, dass wir beide einen Sonnenbrand vom Radeln davon getragen haben. Na toll. Das zunächst eher bescheidene Wetter am Morgen hat uns etwas leichtsinnig werden lassen und so haben wir das Eincremen etwas vernachlässigt. Naja, das gehört wohl zu einer Reise dazu. Wenigstens gibt es zum Frühstück wieder Pancakes, das lässt das Leid des Sonnenbrandes schnell vergessen.

Um 8 Uhr starten wir Richtung Hafen, wo uns unser gestern auserkorener Boatdriver schon erwartet. Ehe wir uns versehen, sitzen wir auch schon in seinem Boot auf dem er uns Stühle aufgestellt hat, Decken und auch für jeden einen Regenschirm bereithält. Nachdem es noch sehr frisch ist, bin ich um die Decke doch sehr froh. Es geht zunächst ca. 30 Minuten mit dem Boot den Kanal entlang bis in den richtigen See hinein. Dort sehen wir dann gleich die hier typischen Einbeinruderer. Das ist echt witzig zu beobachten, wie die Bootlenker mit einem Bein das Ruder ihres Bootes bedienen. Wer kommt auf so eine Idee ein Boot mit einem Fuß zu steuern? Es ist in jedem Fall interessant. Weiter geht unsere Fahrt dann zu unserem ersten Stopp: eine Silberschmiede. In einem der vielen Floating Villages schmiedet eine Gruppe Birmanen Schmuck aus Silbersteinen. Das Ganze ist schon sehr touristisch aufbereitet, aber dennoch auch irgendwie faszinierend, mit welchen Gerätschaften die sich hier zu behelfen wissen. Natürlich wird man von der Schmiede auch gleich unmittelbar in den zugehörigen Shop gelotst, wo man natürlich den hier produzierten Schmuck auch gleich kaufen soll. Wir lassen uns nicht zu irgendwelchen Spotankäufen hinreißen und gehen gleich weiter zu unserer nächsten Station auf unserer Tour: ein Markt. Hier kommen wir nicht ohne einem Souvenir wieder raus. Wir stellen aber fest, dass die Birmanen eindeutig nicht so verhandlungsfreudig sind, wie alle anderen Asiaten, mit denen wir bisher in Verkaufsverhandlungen gegangen sind.  So habe ich beispielsweise Interesse an einer Hose und bin bereit 4.000 Kyat zu bezahlen, die Händlerin möchte allerdings 4.500 Kyat, das entspricht umgerechnet ungefähr 30 Cent. Ich fasse es nicht, dass die Verkäuferin tatsächlich auf das Geschäft verzichtet, als auf 30 Cent. Sie rennt uns noch nicht mal hinterher. Na wenn sie nicht ernsthaft am Verkauf interessiert ist, dann bin ich auch nicht mehr an einem Kauf interessiert. Es ist ja nicht so, als wenn sie die Einzige wäre, die Hosen verkaufen würde. Also, dann halt irgendwo anders.

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Unsere Tour führt uns sodann weiter durch enge Seestraßen und es ist sehr relaxend in unseren gemütlichen Stühlen auf dem Boot. Wir legen dann in Indein an, das ist ein kleines Village mit zig kleinen Stupas und Tempeln. Also wieder einiges zu erkunden. Leider stelle ich nun fest, dass ich vom Vortag wohl einen leichten Sonnenstich abbekommen habe, denn mir fällt jeder einzelne Schritt verdammt schwer und ich bin ziemlich kaputt. Ich bin ziemlich froh, dass der Weg hinauf zu den Haupttempeln im Schatten verläuft. Der Weg ist gesäumt von unzähligen kleinen Verkaufsständen und wir entdecken dort unser Wunschsouvenir: einen Holzlöwen, der mit bunten Steinchen verziert ist. Wir finden ihn in einigen verschiedenen Ständen und die Startpreise für den Löwen variieren von 35 Dollar bis 85 Dollar. Auch hier stellen wir wieder fest, dass die Birmanen ungern verhandeln. Wir schaffen es nicht ein einziges Mal den Preis auf die Hälfte zu bekommen, was eindeutig gegen unser Verhandlungsgeschick spricht, denn in Asien sollte man eigentlich schon einen Preis von etwa einem Drittel des Startpreises erzielen. Nachdem aber auch niemand nachläuft, wenn man weitergeht, ist klar, dass hier wenig zu machen ist. Naja, dann gibt es den Löwen eben nicht. Zumindest die Tempelanlage hier ist interessant anzusehen.

Unser Bootsführer erwartet uns schon, nachdem wir wieder unten angekommen sind. Weiter geht die Reise durch den See zu einer Weberei. Hier wird aus Lotus-Stängeln Faden gewonnen und daraus werden Tücher und Schals produziert. Das ist auch wieder so ein klassischer Touristenstopp. Nachdem wir aber das Mittagessen ausfallen lassen, sind wir vor den meisten anderen Touris da und es ist gerade nichts los. Ich finde die Produktion schon beeindruckend und würde auch gerne ein Tuch kaufen, aber ehrlich gesagt, finde ich sie fast ein bisschen teuer und wir gehen ohne uns hinreißen zu lassen.

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Unser nächster Halt ist die Phaung Daw U-Pagode, die dafür bekannt ist, dass sie fünf kugelförmige Buddhastatuen beheimatet, die zum Phaung Daw U-Fest ca. 4 Wochen lang täglich mit einer goldenen Barke von einem Ort zu einem anderen gefahren, wo sie dann für eine Nacht zur Verehrung verbleiben. Dabei muss die kleinste der fünf Buddhastatuen jeweils zuhause bleiben, da diese innerhalb weniger Tage gleich zweimal beim Kentern des Bootes im Wasser versank. Die anderen vier Statuen konnten jeweils geborgen werden, aber die fünfte blieb verschollen. Es ist nicht bekannt, wie sie dann auf einmal doch wieder an ihrem ursprünglichen Platz zurückgekommen ist. Offensichtlich hat man dieses Missgeschick als Zeichen dafür aufgefasst, diese Statue nicht mehr zu verschiffen. Ich kann leider nicht viel über die Statuen berichten, weil der unmittelbare Zugang den Frauen mal wieder vorenthalten ist.

Im Anschluss daran folgen noch zwei relativ unspektakuläre Stopps. Einmal bei den langhalsigen Frauen und einmal ein Kloster, nachdem wir aber inzwischen schon ca. 7 Stunden unterwegs sind, ist die weitere Entdeckungslust ziemlich geschwunden. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich froh, nachdem es dann wieder zurück ans Festland geht. Wir brauchen dabei sogar noch unsere Regenschirme, weil es ein wenig zu regnen anfängt. Sobald die Sonne weg ist, wird es dann doch auch gleich ziemlich frisch. Gegen 16 Uhr erreichen wir dann auch endlich wieder festen Boden unter den Füßen und steuern direkt zu unserem gestern auserwählten Green Chili Restaurant für ein leckeres spätes Mittagessen bzw. frühes Abendessen bevor wir uns fertig machen für den Nightbus nach Bagan.

Der Inle-See ist aber auf jeden Fall einen Besuch wert!! Uns hat es hier sehr gut gefallen und wir hätten auch kein Problem damit gehabt, hier länger zu bleiben.

Bago

Nach einem kurzen Frühstück machen wir uns auf den Weg Richtung Bahnhof. Da es dorthin doch etwas weiter ist wollen wir ein Taxi nehmen. Also winke ich an der Hauptstraße dem ersten Taxi zu, erlebe aber eine Überraschung: der Taxifahrer winkt zurück und fährt weiter. Beim nächsten Taxi passiert das Selbe. Hm, hat es sich in Yangon schon rumgesprochen, dass wir nicht Taxi fahren und sie ignorieren und jetzt absichtlich? Wir werden leicht nervös, da kein weiteres Taxi in Sicht ist. Auch keine Fahrradrikscha oder sonstiges Gefährt. Ständig wollen sie uns mitnehmen, nur wenn wir dann mal wollen nicht! Pft! Aber bevor Panik ausbrechen kann erbarmt sich dann doch ein Taxifahrer und nimmt uns mit.

So sind wir kurze Zeit später am Bahnhof und haben noch genug Zeit ein Ticket zu organisieren. Wo wir hinmüssen wissen wir ja schon. Am Schalter beschäftigen sich dann gleich drei Leute damit unsere Upper-Class-Tickets auszustellen. Als sie fertig sind winkt man uns auch gleich hektisch zum Zug und der Schaffner zeigt uns unsere Plätze. Wir riskieren noch einen kurzen Blick in die normale Klasse und sind dann doch recht froh um unsere etwas heruntergekommenen, aber gepolsterten Sitze: dort sind nur sehr unbequem aussehende Holzpritschen. In unseren Sitzen liegt man zwar mehr als dass man sitzt aber das stört uns nicht sonderlich. Beim Warten auf die Abfahrt (wieso hatten es vorhin alle so eilig uns in den Zug zu bekommen?) lernen wir dann noch einen ganz besonderen Fahrgast kennen: eine kleine Maus flitzt zwischen den Sesseln umher und hofft wohl auf ein paar Krümel unseres Proviants. Pünktlich um 8 tuckert unser Zug dann eher gemächlich los. So richtig Geschwindigkeit nimmt er die ganze Fahrt nicht auf. Naja, bei knappen 2 Stunden für ca. 80 km kann man sich den Durchschnitt ja ausrechnen. Während der Fahrt sehen wir viel grüne Landschaft und auch die ein oder andere golden glänzende Stupa.

In Bago angekommen versucht man natürlich wieder uns die unterschiedlichsten Hostels aufzuschwatzen. Wir folgen schließlich Mr. Myo, der auch wohlwollend in unserem Reiseführer erwähnt wird und recht gutes Englisch spricht. Er bringt uns ins Emperor Hotel, das zwar seine besten Tage schon hinter sich hat (wenn es die je gab), aber für uns ausreichend ist. Wir machen mit Mr. Myo auch gleich eine Sightseeing-Tour für Bago aus.

So sitzen wir wenig später mit ihm und seinem Onkel (der Fahrer) im Auto und starten zur ersten Attraktion, dem Kha Khat Wain Kyaung. Das ist ein Kloster in dem über tausend Mönche leben und ausgebildet werden. Wir kommen kurz vor 11 dort an und haben so Gelegenheit die Prozession der Mönche in ihren Speisesaal zu verfolgen. Eine schier endlose Schlange von Mönchen kommt durch die Gänge und Gläubige und Touristen stecken ihnen Spenden zu. Vorm Eintreten in den Speisesaal bekommt jeder Mönch seine Portion Reis aus einem riesigen Bottich geschöpft. Das erledigen zum Teil andere Mönche, zum Teil aber auch Touristen. Ich empfinde das irgendwie als unwürdig und halte mich da lieber fern. Man sieht einigen Mönchen auch ihren Wiederwillen an, als sie von weiblichen Touristen ihren Reis in die Schüssel bekommen. Manche Mönche ignorieren die auf sie zukommenden Touris auch komplett und steuern direkt auf andere Mönche zu. Richtig so, diese „Mönchs-Fütterung“ als Touri-Attraktion muss ja nun wirklich nicht sein!

Nachdem wir noch einen Lunch-Stopp in einem Straßen-Restaurant gemacht haben geht es weiter zur Shwemawdaw-Pagode. Die ist mit 114 Metern die höchste Myanmars, laut unserem Guide sogar die höchste von Thailand, Laos und Kambodscha. Der Weg zur Pagode ist komplett verstopft mit Einheimischen und Mr. Myo erklärt uns, dass morgen Vollmond ist und das wohl ein wichtiger buddhistischer Feiertag ist. Von überall her kommen Gläubige hierher um das Fest zu begehen. Das erklärt natürlich das rege Treiben um uns herum. Auch in der Tempelanlage geht es gut zu, morgen soll es aber noch sehr viel mehr sein. Wir umrunden das goldene Bauwerk – der obere Teil ist mit echten Goldplatten verkleidet – staunend und sehen uns auch die kleineren Schreine an. Einige davon sind sehr witzig und erinnern eher an eine Jahrmarkt-Attraktion: kleine Schlüsselchen bewegen sich mechanisch auf und ab oder auf einem Rad und die Gläubigen versuchen gefaltete Geldscheine hineinzuwerfen. Wenn man trifft bringt das wohl besonders viel Glück. Wenn nicht auch gut, dann war es zumindest eine Spende an den Tempel. Man kann also nicht verlieren.

Wir vor der Shwemawdaw-Pagode
Wir vor der Shwemawdaw-Pagode

Neben der Shwemawdaw-Pagode ist gleich noch die Dama Lin Khar Ra Pagode, an deren Eingang man von zwei riesigen Elefanten-Statuen begrüßt wird. Der Innenraum ist sehr schön mit beschnitzem Holz verkleidet und gefällt uns sehr gut. Da die Spendengelder aber ausgegangen sind, wird das Kloster im Moment nicht weiter renoviert und der Rest sieht dann auch aus wie eine Baustelle. Weiter geht es nach Gyi Taw, dem Schlangen Kloster. Hier wird eine etwa 40 Jahre alte und 6 Meter lange Python als Wiedergeburt Buddhas verehrt. Sie hat ein eigenes kleines Haus in dem sie sich frei bewegen kann, sogar mit Pool ;-) Als wir da sind liegt sie faul an der Wand und verdaut wohl gerade ein Huhn. Zumindest hat sie kurz hinter dem Kopf eine Beule die darauf hindeutet. Das riesige Tier ist echt beeindruckend und sehr schön gemustert. Sie bewegt sich dann auch ein wenig auf die Zuschauer zu und es ist faszinierend das Muskelspiel an der unteren Kante zu beobachten.

Danach kommen noch einige weitere Stationen, insgesamt besuchen wir 11 Sehenswürdigkeiten auf dem Ausflug. Unter anderem noch den etwa 90 Meter langen liegenden Buddha von Mya Tharlyaung, der uns sehr gut gefällt. Dort laufen wir auch mal wieder in eine Gruppe Einheimischer, die Fotos mit uns machen wollen. Nachdem jeder einzeln ein Bild will, dauert das etwas, aber es ist lustig und macht Spaß. Als letzten Stopp möchte ich noch die Mahazedi-Pagode erwähnen, die ich persönlich super fand. Dort dürfen Männer die Pagode erklimmen und können von oben eine herrliche Aussicht genießen. Man sieht auch all die anderen Pagoden des Ortes aus den Bäumen ragen und auch der oben erwähnte liegende Buddha ist zu sehen. Der Aufstieg ist zwar bei den hier herrschenden Temperaturnen sehr schweißtreibend und die Treppen sind sehr steil, aber es lohnt sich auf alle Fälle. Während ich oben eine Runde drehe wartet Carina unten und macht inzwischen wieder einige Fotos mit Einheimischen.

Liegender Buddha von Mya Tharlyaung
Liegender Buddha von Mya Tharlyaung

Nach insgesamt fast 6 Stunden und 11 Attraktionen ist unser Ausflug dann zu Ende. Er hat sich aber auf jeden Fall gelohnt und wir haben viele tolle Eindrücke mitgenommen. Vielleicht sind es sogar ein paar zu viele Stopps, bei den letzten ist man nicht mehr wirklich aufnahmefähig und immer recht schnell durch. Nichtsdestotrotz ist er auf jeden Fall empfehlenswert! Da wir gut mit Mr. Myo ausgekommen sind und er sehr bemüht war um uns, machen wir mit ihm auch gleich einen Ausflug für den nächsten Tag aus, wir wollen mit dem Auto zum etwa 80 km entfernten Golden Rock und wieder zurück.

So werden wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück von ihm aufgesammelt. Im Auto teilt er uns dann aber mit, dass er nicht mit uns kommt, da er einen anderen Job erledigen muss. Aber er meint unser Fahrer versteht uns auch. Wir sind zwar nicht besonders begeistert, aber können jetzt auch nicht mehr aus. Na gut, wird schon klappen. Also fahren wir los. Während der Fahrt stellt sich dann aber heraus, dass unser Fahrer genau gar kein Wort Englisch versteht. Na toll, so haben wir uns das nicht vorgestellt. Aber zumindest Auto fahren kann unser Fahrer und so kommen wir etwa 2 Stunden in Kinpun an, dem Basislager zur Weiterfahrt zum Golden Rock. Selbiger befindet sich in über 1100 Metern Höhe auf einem Berg. Es führt zwar ein etwa 10km langer Pilgerpfad dort hinauf, aber da sind wir jetzt ausnahmeweise mal zu bequem dazu. ;-)

Also schließen wir uns den Massen von Einheimischen an und gehen zur LKW-Verladestation. Dort werden jeweils 42 Leute auf die Ladefläche eines kleinen Lasters gepfercht und der bringt die Ladung dann über steile Serpentinen den Berg hinauf. Die Fahrt erinnert uns stark an eine Runde mit der Wilden Maus auf der Dult, wir werden gut durchgeschüttelt und rutschen auf den Bänken hin und her. Naja, soweit das geht bei den engen Platzverhältnissen. Man sollte meinen auf so einer eher anspruchsvollen Strecke wird vernünftig gefahren, aber da haben wir die Rechnung ohne die Birmanen gemacht: wir überholen an zwei zwar etwas breiteren aber immer noch steilen Stellen jeweils einen anderen LKW und werden auch selbst einmal überholt. Naja, die Jungs werden schon wissen was sie tun. Hoffentlich. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde und wir sind dann doch recht froh, als wir oben ankommen.

Irgendwie habe ich mir das hier aber ganz anders vorgestellt, etwas natürlicher oder einsamer. Tatsache ist, dass es hier quasi ein kleines Dorf gibt. Von der Abladestelle der LKWs zieht sich ein Pfad Richtung des Heiligtums, der gesäumt wird von unzähligen Souvenir-Shops, Restaurants und sonstigen Einrichtungen wie Massage-Studios. Und es geht sprichwörtlich zu wie am Stachus. Gut, das hängt wohl mit dem heutigen Feiertag zusammen. An einem normalen Tag kommen ca. 10.000 Pilger hier herauf, heute sind es zig-tausend. Und wir mitten drin. Wir folgen also den anderen Leuten Richtung Golden Rock. Da es aber im Moment recht wolkig ist und sich auch schon wieder der Hunger regt, kehren wir erst einmal in ein Restaurant ein und hoffen, dass sich das Wetter bessert.

Wir haben wieder einmal Glück, am frühen Nachmittag reißt die Wolkendecke auf und die Sonne kommt heraus. So lässt sich der Felsen natürlich viel besser bewundern. Der Golden Rock ist ein riesiger Felsen, der an der Kante eines Berges liegt. Der Legende nach nur von einem Haar Buddhas an Ort und Stelle gehalten. Und irgendwie scheint das schon plausibel, mir will einfach nicht einleuchten wie der Fels dort zum Liegen gekommen ist. Man hat alle möglichen Perspektiven auf den verehrten Stein und von einer Stelle kann man ganz gut zwischen einem Teil seiner Unterseite und dem Berg hindurchsehen, er steht also direkt an der Kante. Man hat das Gefühl als müsste der Golden Rock jeden Moment über diese kippen und ins Tal hinunter donnern. Tut er aber nicht. Seit Ewigkeiten trotzt er an Ort und Stelle den Elementen. Das ist schon echt unglaublich!

Golden Rock
Golden Rock

Da wir mit Mr. Myo ausgemacht haben, dass wir bis zum Sonnenuntergang bleiben und dann mit einem der letzten Trucks gegen 18 Uhr ins Tal fahren, haben wir hier oben noch jede Menge Zeit. So beobachten wir das rege Treiben und drehen die eine oder andere Runde um den Golden Rock. Ich kann sogar direkt zu ihm hingehen und ihn berühren. Diese Ehre bleibt aber Männern vorenthalten, Carina muss also draußen bleiben. Am Felsen sprechen die Gläubigen jede Menge Gebete und bekleben ihn mit Blattgold. Irgendwo muss die Farbe ja herkommen ;-)

Es wird hier oben immer voller, heute Abend ist hier wohl eine große Zeremonie. Schade, dass wir an der nicht teilhaben können. Naja, wir sind auch so sehr beeindruckt von der ganzen Szenerie. Kurz nach fünf versammeln wir uns dann mit einigen anderen Touris an einem guten Platz, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Der verläuft dann leider relativ unspektakulär und wir machen uns etwas enttäuscht auf den Weg zu den LKWs Richtung Tal. Die Talfahrt ist dann doch etwas rasanter und man darf gar nicht drüber nachdenken, wie oft bei diesen Gefährten wohl die Bremsen gecheckt werden… Naja, aber das ist ja in Asien immer so. Gut durchgeschüttelt kommen wir im Tal an und unser Fahrer erwartet uns auch schon. Er will wohl gerne nach Hause und so verläuft die Heimfahrt dann auch noch recht abenteuerlich.

Yangon

Auf geht’s in ein neues Abenteuer. Nach reiflicher Überlegung und verhältnismäßig wenig bis gar keine  Vorbereitung reisen wir nach Myanmar oder auch bekannt unter dem Namen Burma. Flugzeit ist ähnlich wie Thailand, ist ja schließlich der Nachbarstaat. Dennoch ist der Flug sehr anstrengend. Und das obwohl wir uns für die Emirates entschieden haben. Der Nachmittagsflug von München nach Dubai ist harmlos, bloß haben wir nicht bedacht, dass wir mitten in der Nacht in der arabischen Metropole ankommen, dort einen 4-stündigen Aufenthalt haben und uns dadurch um das bisschen Schlaf berauben, das wir in Anbetracht der Zeitverschiebung ohnehin nur hätten. Nach maximal 3 Stunden Schlaf kommen wir gegen 11 Uhr Ortszeit etwas gerädert in Yangon an.

Die Einreise verläuft einfach, da wir bereits unsere Visa im Pass haben. Es gibt nämlich kein Visum on Arrival, sondern man muss bereits vor Ankunft eine gültige Einreiseerlaubnis beantragt haben. Das kann man entweder online oder oldschool und den Pass nach Berlin zum Konsulat schicken. Nachdem wir beide unsere Reisepässe voll bekommen möchten und die altmodische Art auch noch billiger ist, haben wir in der Hoffnung auf rechtzeitige Rücksendung unsere Pässe eingeschickt. Glücklicherweise hat alles geklappt und wir dürfen ohne Probleme einreisen.

Typisch asiatisch werden wir außerhalb des Flughafens gleich von den Taxifahrern mehr oder weniger überfallen und  ehe wir uns versehen sitzen wir auch schon auf der Rückbank eines Taxis und es geht Richtung Downtown. Wir merken schnell, dass uns in diesem Land die englische Sprache nicht unbedingt überall nützlich ist, da viele Einheimische kein Englisch sprechen. In Anbetracht der Tatsache, dass das Land noch nicht lange für den Tourismus zugänglich ist, ist es wahrscheinlich auch nicht verwunderlich, dass die Sprachkenntnisse der Birmanen eher bescheiden sind. Das merken wir in der Unterkunft auch schnell, weil die Verständigung nicht ganz so reibungslos läuft. Unser zugewiesenes Zimmer lässt uns erstmal schmunzeln. Das Zimmer hat ungelogen 4 Quadratmeter, besteht nur aus einem Bett, hat keinen Platz für unser Gepäck und ein Fenster sucht man auch vergebens. Die Zugangstür erweckt den Eindruck, es handle sich um einen Wandschrank und der Zimmernachbar ist so nah dran, dass man ihn sprichwörtlich atmen hören kann. Kaum zu glauben, dass man uns nach so vielen verschiedenen Unterkünften jeglicher Preisklasse doch noch überraschen kann.

Schließlich geht’s dann auch schon los. Auf der Straße kommt der regelmäßige asiatische Kulturschock recht schnell. Die ganzen unterschiedlichen und teilweise nicht sonderlich angenehmen Gerüche sind allgegenwärtig. Zwischen all den Abgasen, Handwerkern, Garküchen und Verkaufsständen lungern schlafende Menschen, essende Menschen, schreiende Babys, streunende Hunde und eher selten auch mal ein Tourist. Bis auf die fehlenden Tourimassen könnte man das Treiben als typisch asiatisch bezeichnen.  Die Tatsache, dass die Menschen hier auch ihr Geschäft teilweise einfach auf offener Straße verrichten, ist etwas gewöhnungsbedürftig und teilweise riecht es auch ziemlich ekelhaft, aber als Asientourist muss man mit solchen Gepflogenheiten einfach leben.

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Zunächst suchen wir uns ein gemütliches Restaurant und essen unser erstes Curry-Gericht, das gleich mit einer etwas schärferen Umsetzung besticht. Das kann ja was werden. Auch hier war die Verständigung wieder nicht so einfach, wir sind ja schon froh, dass es eine englisch-übersetzte Karte gibt, sonst hätten wir echt ein Problem.

Durch das bunte Treiben auf den Straßen marschieren wir weiter zur Sule-Pagode. Hier darf man wieder nur barfuß eintreten und muss angemessen gekleidet sein. Offensichtlich haben wir den Anforderungen genüge getan, denn wir dürften so wie wir sind eintreten. Die Pagode selbst ist ziemlich eindrucksvoll obwohl sie verhältnismäßig klein ist. Dennoch ist sie umringt von zahlreichen weiteren niedrigeren Stupas und das ergibt ein sehr schönes Gesamtbild. Unmittelbar neben der Pagode befinden sich die City Hall und der Mahabandoola Garden, der zum Chillen einlädt. Nachdem wir doch etwas erschöpft sind, klingt das sehr verlockend. Diejenigen Birmanen, die ein wenig Englisch können, versuchen dann auch gleich mit den wenigen Touris, die sich finden, Konversation zu machen. So richtig nach Smalltalk ist uns gerade nicht, so dass wir nicht groß auf die Gesprächsversuche eingehen und uns weiter auf das Beobachten konzentrieren.

Irgendwann brechen wir dann wieder auf und schlendern Richtung Yangoon-River. Es geht dabei an einigen alten Bauten vorbei, die vom Stil her genauso gut in Havanna stehen könnten. Im Vergleich zur kubanischen Hauptstadt sind die Gebäude nur hier vielleicht noch ein wenig mehr heruntergekommen, aber es hat dennoch etwas Faszinierendes. Wir begutachten gerade eines dieser altertümlichen Häuser als sich der Himmel schlagartig rot einfärbt. Was dann folgt ist einer der beeindruckendsten Sonnenuntergänge, die wir bislang erlebt haben und vor allem so völlig unerwartet. Wir hüpfen schnell auf eine Brücke, um einen besseren Blick zu bekommen, schade nur, dass ein paar große Plakate das Gesamtbild ein wenig stören, aber vermutlich kann man nicht alles haben.

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Nach dem überraschenden Spektakel machen wir uns auf den Rückweg zur Unterkunft, mittlerweile macht sich die Müdigkeit doch schon ziemlich breit.

Obwohl wir dennoch etwas unruhig schlafen, brauchen wir einen Wecker um nicht gleich am ersten Tag zu verschlafen. Zum Frühstück gibt es kalte Frühlingsrollen und Bananen. Klingt komisch, schmeckt aber eigentlich ganz gut. Die Sonne scheint heute auch, also machen wir uns gleich nach dem Essen auf den Weg. Wir haben einiges vor heute.  Zunächst steht ein längerer Fußmarsch zur Shwedagon-Pargode an. Gefühlte 500 Taxis hupen uns an, aber wir lassen uns nicht von unserem Plan abbringen und erreichen auch so irgendwann den Eingang zum Kan Taw Mingalar Garden, der im Hintereingang zur Pagode führt. In diesem Garten herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre und auch wir nutzen die Zeit um ein bisschen zu faulenzen und zu beobachten, ehe wir uns an die Erkundung des Tempels machen. Wir dürfen allerdings nicht ohne entsprechender Kleidung eintreten. So packen uns die Birmanen kurzerhand in bunte Sarongs und ziehen uns ein wenig fragwürdig an. Ob uns dieses Volk wirklich sympathisch ist müssen wir uns noch überlegen, denn in unseren „Clownskostümen“ belächeln sie uns schon ganz ordentlich. Schon fies eigentlich…

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Der Tempel an sich ist ziemlich beeindruckend. In der Mitte steht eine riesige goldene Pagode und außen rum sind unzählig viele kleine. Überall stehen unterschiedliche Buddhas. Wir kommen mit dem Schauen gar nicht nach. An jeder Ecke gibt es was Neues zum Staunen. Für die Einheimischen sind wir glücklicherweise nicht nur zur allgemeinen Erheiterung gut, sondern wir werden auch gleich von einer Gruppe Studenten mit einer Umfrage beauftragt. Diese Studie soll zur Aufwertung des Tourismus in Myanmar dienen. Gar nicht so einfach für uns, weil wir ja noch nicht so viel vom Land gesehen haben. Geduldig füllen wir dennoch alles aus und möchten somit einen kleinen Beitrag zur Verbesserung des Tourismus beitragen.

Die Zeit verfliegt nur so und wir kommen nicht umhin uns mit der Essensfrage zu beschäftigen. Wir wollen als nächstes in den Royal Garden, so marschieren wir dort ein wenig ausgezehrt hin und sind erfreut, als wir endlich das anvisierte Lokal erblicken. Kurz denken wir schon, dass wir hier wieder weggeschickt werden, weil gerade eine Hochzeitszeremonie stattfindet, aber wir haben Glück und dürfen uns dazugesellen. Puh, gerade nochmal dem Hungertod entronnen…

Gestärkt erkunden wir den Royal Garden, allen voran den Ausblick auf dem Utopia Mountain, ein künstlich angelegter Berg, der ein gute Aussicht bieten soll. Leider stellt sich oben heraus, dass genau zwei sehr große Bäume vor der großen Pagode den Blick versperren, ansonsten ist die Aussicht wirklich gut. Der Park selbst ist auch sehr schön, wir schlendern gemütlich unsere Runde, ehe wir uns auf den Rückweg machen. Hier schnappen wir uns diesmal ein Taxi, so viel wie wir heute schon marschiert sind. Wir versuchen noch am Hauptbahnhof unsere Weiterfahrt für den nächsten Tag zu organisieren, was sich allerdings als eher schwierig gestaltet aufgrund der mangelnden Englischkenntnisse der Einheimischen. Ein Student erbarmt sich schließlich unser und vermittelt. Leider können wir die Tickets heute noch nicht kaufen, sondern müssen morgen früh um 7, spätestens 7:30 wieder da sein, dann können wir diese käuflich erwerben.

Na gut, gehen wir hald wieder. Die Sonne neigt sich auch schon Richtung Horizont, so dass wir uns wieder an den Fluss begeben, um dort wieder ein Farbspektakel bestaunen zu können. Leider ist das heute allerdings nicht so eindrucksvoll wie gestern, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass wir heute Erwartungen hatten und gestern nicht. Trotzdem ist es ziemlich entspannt und wir genießen den Blick.

Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft erleben wir zunächst noch einen üblen Schock. Ein Birmane kreuzt die Straße ohne rechts oder links zu schauen und ein Pick-up-Laster kann nur in aller allerletzter Sekunde bremsen und kommt nicht mal einen halben Meter vor dem Mann zu stehen. Der Typ wäre wirklich um ein Haar voll erfasst worden und der geht weiter, als wenn nichts gewesen wäre. Der Pick-Up-Fahrer hat den größeren Schock davon gezogen, wie der Wahnsinnige auf der Straße. Krass, da hätten wir jetzt keine Lust gehabt, Zeuge zu sein.

Weiter führt unser Weg noch über den Night-Market, der viele leckere Sachen zu bieten hat. Hank kann sich hier tatsächlich dazu überwinden eine frittierte Grille zu essen. Bäh, das muss ich nicht haben. Er behauptet zwar, dass es nicht eklig und gar nicht schlimm ist, aber mein Bedürfnis nach Insektenessen ist eher nicht so stark ausgeprägt, weshalb ich dankend ablehne. Naja, immerhin kann er diese Erfahrung jetzt auch abhaken und ich muss mir nicht mehr anhören, dass ich ihm diese Versuchung in Thailand ausgeredet habe.

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