Cusco

Unser Nachtbus erreicht Cusco gegen 6 Uhr morgens. Etwas verdattert tapsen wir aus dem Busterminal, wo gleich die übliche Taxi-Fahrer-Horde über uns herfällt. Auf einer Tafel im Busbahnhof stand, dass die Fahrt ins Zentrum 4 Soles kostet. Die Taxler interessiert dass aber wenig, alle verlangen 10 Soles. Schließlich einigen wir uns mit einem auf 8 Soles, was eigentlich immer noch zu viel ist. Aber zum Laufen sind wir eindeutig zu müde und von der gerade überstandenen Wanderung auch zu fertig. Kurz darauf kommen wir an der Plaza de Armas (einen Platz mit diesem Namen gibt’s hier in wirklich jeder Stadt und er ist auch immer der zentrale Platz) an und gehen die wenigen Meter zu unserem vorgebuchten Hostel „Feel at Home“. Unser Zimmer können wir zwar noch nicht beziehen, aber im Aufenthaltsbereich können wir uns einrichten. Es folgt auch gleich die erste (und nicht die letzte) positive Überraschung in diesem Hostel: wir bekommen einfach so Frühstück. Und ein sehr gutes noch dazu. Carina ist überglücklich ;-)

Tja, den restlichen Tag vertrödeln wir mehr oder weniger. Die Pause tut nach drei Tagen hiken auch gut. Lediglich zum Wäsche waschen und Mittagessen verlassen wir unsere Unterkunft. Auf einen Stadtrundgang haben wir beide nicht richtig Lust. Wäre auch gar nicht möglich, da sich Carina eine große Blase gelaufen hat, die ihr immer mehr weh tut. So verbringen wir den Tag mit Internet, Reiseplanung und Research. Dabei stellt sich heraus, dass Carlos, der Chef des Hostels, ein ehemaliger Guide von Salkantay Trekking ist. Diese Gesellschaft wurde uns auch von den Kanadiern im Colca Canyon empfohlen. So kann uns Carlos sehr viel über den Trek zu Machu Picchu erzählen, immerhin ist er ihn selber x mal gelaufen. Und da er mit dem Chef der Company immer noch befreundet ist, schlägt er uns vor, dass er diesen ja anrufen könnte, damit er vorbeikommt und uns noch genauer informiert. Das klappt dann zwar nicht, aber wir vereinbaren einen Termin für den nächsten Tag im ca. 50 Meter entfernten Office.

So sitzen wir am nächsten Vormittag also bei Salkantay Trekking und werden vom Chef höchstpersönlich über die 5-tägige Veranstaltung genauestens informiert. Hört sich alles ganz gut an und dank unserer Connection zu Carlos kriegen wir auch einen guten Preis, bzw. einige Extras gratis. Somit buchen wir unseren Trip zu Machu Picchu für übermorgen. Nachdem das geregelt ist schlendern wir ein wenig durch die Straßen und sehen uns um. Carina kann inzwischen auch wieder laufen, ihre Blase ist dank einer Salbe aus der nächsten Apotheke kein Problem mehr.

Mittags suchen wir dann ein Lokal auf, dass uns Carlos empfohlen hat und in dem wir eine peruanische Spezialität probieren wollen: Meerschweinchen. Ja, richtig gelesen, die knuddeligen fiepenen Fellbündel landen hier auf dem Teller. So bekommen wir also beide ein gebratenes Meerschweinchen serviert. Es kommt im Ganzen samt Kopf und Pfoten. Na wenigsten ist das Fell entfernt worden. Es schmeckt nicht gerade schlecht, aber auch nicht unbedingt super. Ein bisschen wie Hühnchen (jaja, alles schmeckt immer wie Huhn). Außerdem ist an so einem Meerschweinchen nicht besonders viel dran und es grenzt fast an Arbeit das Tierchen zu verspeisen. Kann man mal essen, muss man aber nicht.

Carina präsentiert ihr Cuj
Carina präsentiert ihr Cuj

Nach diesem kulinarischen Abenteuer erforschen wir die vielen kleinen Gässchen Cuscos ein wenig. Vielen der Häuser sind auf den alten Inka-Fundamenten gebaut und man sieht quasi überall die passgenauen Konstruktionen dieser alten Zivilisation. Die Mauern der Inka wurden ohne Mörtel gebaut, alle Steine wurden denen darunter angepasst und aufeinandergesetzt. So gibt es in einer der Mauern einen großen Stein, der insgesamt 12 Ecken aufweist, also sehr genau bearbeitet wurde. Ist schon sehr beeindruckend, das Ganze musste ja schließlich ohne maschinelle Hilfe erledigt werden. Steinmetzkunst höchsten Grades. Auf unserem Spaziergang kommen wir an vielen großen Kirchen vorbei, arbeiten uns durch die Markhalle und kehren letztendlich in unsere Unterkunft zurück. Wir verlassen sie nur noch mal, um auch noch die peruanische Cocktail-Spezialität Pisco Sour zu probieren. Diese schmeckt dann ausnahmsweise nicht nach Huhn, sondern eher nach Caipirinha ;-)

Am nächsten Tag wollen wir nach zwei eher faulen Tagen dann mal wieder etwas unternehmen und die Inka-Ruinen in der näheren Umgebung erforschen. So machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle, um zu den etwa 8 km entfernten Ruinen von Tambomachay zu kommen. Während der etwa 20 minütigen Fahrt referiert ein Bonbon-Verkäufer über die wundersame Wirkung seiner Ware (was ich verstehe verlängern die Guttis das Leben, verringern den Stress und sind gut fürs Herz), um diese an den Mann zu bringen. Der Typ könnte direkt aus dem Tele-Shopping entstiegen sein. Wir steigen dann jedenfalls ohne Wunder-Guttis aus dem Bus aus.

Bei den Ruinen von Tambomachay handelt es sich um ein Wasserheiligtum der Inka und eine natürliche Quelle wurde über Kanäle durch die Steinterrassen geleitet. Die Quelle plätschert auch heute noch vor sich hin und ist schön anzusehen. Neben diesem Brunnen gibt es noch so etwas wie einen alten Wachturm auf dem wir eine kleine Pause machen. Danach verlassen wir diese Anlage auch schon wieder und gehen das Stück zu der nur wenige hundert Meter entfernten Anlage Puca Pucara. Hier kann man durch die Überreste einer kleinen Festung gehen und die übrigen Mauern besichtigen. Auch das ist schön anzusehen und man hat auch einen guten Ausblick in ein unter der Festung liegendes Tal.

Ruinen von Tambomachay
Ruinen von Tambomachay

Die nächste Ruine Qenco ist dann wieder etwas weiter entfernt, also entschließen wir uns kurzerhand in einen Minivan zu springen, der Leute am Straßenrand aufsammelt. Wir dürfen neben dem Fahrer Platz nehmen und als wir uns umdrehen und einen Blick nach hinten werfen wird uns auch klar warum: der Passagierraum ist bis zum Bersten mit Leuten gefüllt, die Fahrgäste drängen sich eng an eng. Aber macht nichts, da passen schon noch Leute rein und der Fahrer nimmt jeden mit der ihm winkt. Echt verrückt, aber hier ganz normal. In Qenco angekommen können wir einen großen Felsen bestaunen in den eine Spalte hineinführt. Hier wurden wohl irgendwelche Rituale durchgeführt und Tote zu Mumien verarbeitet. Nachdem wir auch hier unsere Runde gedreht haben brechen wir Richtung Saqsayhuaman (gesprochen wie „sexy woman“) auf.

Bevor wir diese größere Anlage aber betreten machen wir noch Mittagspause. Wir kehren in einem kleinen Lokal ein. Wobei von außen nicht ersichtlich ist, dass es sich um ein Lokal handelt, lediglich die vielen Tische und Stühle drinnen deuten darauf hin. Also fragen wir die Chefin ob wir hier essen können. Sie sagt ja, also setzen wir uns an einen der Tische. Kurz darauf steht auch schon eine dampfende Suppe vor uns, ohne dass wir ein Menü bekommen hätten. Naja, wird schon passen denken wir uns und schlagen zu. Nachdem wir mit der Suppe fertig sind fragt uns die Wirtin eher im Vorbeigehen ob wir Forelle oder Fleisch wollen und ist auch schon wieder verschwunden, um die zwei gewünschten Forellen zu holen. Die kommen mit einer großen Portion Reis und Kartoffeln (wie so gut wie jedes Gericht hier), dazu gibt’s noch einen kalten Mate-Tee. Schmeckt auch ganz gut und wir sind zufrieden. Aber was das Ganze gekostet hat wissen wir nicht. So sind wir gespannt was da kommen mag, als wir die Rechnung bestellen und können es fast nicht glauben, als die Wirtin 12 Soles verlangt. Das sind umgerechnet etwa 3 Euro. So günstig haben wir seit Asien nicht mehr gegessen.

Nächstes Ziel ist also Sexy Woman. Kurz nach dem Betreten der Anlage stehen wir auch schon vor den riesigen Mauern der alten Inkafestung und sind beeindruckt. Auch hier sind die riesigen Felsblöcke präzise aufeinandergesetzt. Wie diese millimetergenaue Arbeit mit den tonnenschweren Felsen bewerkstelligt wurde kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber irgendwie hat es scheinbar funktioniert. Wir durchqueren die Anlage und gelangen zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen guten Überblick über Cusco hat. Nachdem wir einige Minuten hier verbracht haben gehen wir zurück und erforschen die Anlage. Nachdem wir die Mauern alle begutachtet haben wenden wir uns noch den Felsen gegenüber zu. Diese sehen total unnatürlich aus, fast wie ein riesiger umgefallener Tonkrug, sind aber wohl natürlichen Ursprungs und wurden von einem Gletscher geformt. Wir erklimmen die Spitze des Hügels und legen eine kleine Pause mit tollem Ausblick über die Ruinen ein. Danach rutsche ich über die abgerundeten Felsen nach unten, Carina geht lieber zu Fuß.

Hank auf der Gletscherrutsche
Hank auf der Gletscherrutsche

Wir kehren den Ruinen den Rücken zu und machen uns auf den Rückweg in die Stadt. Wir decken uns noch mit Kleinigkeiten für den anstehenden Ausflug ein und kehren dann ins Hostel zurück. Dort packen wir unsere Rucksäcke und die vom Tourveranstalter zur Verfügung gestellten Taschen (in die dürfen wir 5 kg packen und sie werden dann vom Packesel getragen). Dann gehen wir auch zeitig ins Bett, wir werden um 4 Uhr abgeholt.

Die Beritchte von Salkantay Trek und Machu Picchu findet ihr hier.

Nachdem wir nach unserer Rückkehr nach Cusco gut geschlafen haben und ebenso gut gefrühstückt haben greifen wir das heutige Tagesziel an: nichts tun! Das bekommen wir ziemlich gut hin und außer zum Essen verlassen wir das Hostel nicht. Auf dem Weg zum Restaurant schauen wir dann noch begeistert zwei Straßenkünstlern zu, die mit Spraydosen und allerlei verrückten Techniken ziemlich starke Bilder produzieren. Könnten wir die transportieren würden wir sicher eines kaufen, aber leider ist kein Platz im Rucksack. Das war dann aber auch schon das Highlight des Tages.

Am nächsten Tag sind wir auch noch etwas träge und da wir gestern so faul waren, wissen wir natürlich auch nicht was wir heute machen könnten. Wir haben zwar eine Tour im Sinn, wissen aber nicht wann die startet. Wir hoffen, man kann mittags rum aufbrechen. Also fragen wir schnell Carlos ob er weiß was Sache ist. Es ist 8:50 als er uns sagt, dass diese Tour um 9 startet. Da wir noch unser Zimmer wechseln und zum Wäscheservice müssen sind wir der Meinung das nicht zu schaffen. Aber Carlos meint das klappt schon. Unser Gepäck kann er gleich ins neue Zimmer bringen und der Wäscheservice kommt eh vorbei um seine Sachen abzuholen. Na gut, also buchen wir die Tour 5 Minuten vor deren Beginn und sitzen besagte 5 Minuten später im Minivan.

Nach einer halben Stunde Fahrt eröffnet uns unser Guide, dass wir am ersten Stopp angekommen sind, eine Handwerksvorführung der hiesigen Frauen. Carina und ich schaun uns etwas ratlos an. Sind wir schon auf der richtigen Tour? Keine Ahnung, aber jetzt können wir eh nix mehr dran ändern. Also sehen wir einer älteren Dame zu wie aus einem Lamafell Garn hergestellt wird, wie das dann mit welchen natürlichen Zutaten gefärbt wird und wie das Ergebnis zu Tischläufern etc. verarbeitet wird. Schon ganz interessant, nur kann ich nicht ganz glauben, dass das wirklich noch so praktiziert wird, wenn ich mir die riesigen Berge an gleich aussehenden Artikeln an den Souvenirständen so ansehe. Aber mei, so funktioniert halt der Tourismus, informativ wars auf jeden Fall.

Bald darauf kommen wir an einem der Ziele an, die wir sehen wollten. Ist also doch die richtige Tour. Wir besuchen die Salinas von Maras. Hier haben schon die Inkas Salz gewonnen. Aus dem Berg kommt eine kleine Quelle mit salzhaltigem Wasser. Das wird dann in einen von den hunderten kleinen Pools geleitet und wenn er voll ist in den nächsten. Die Sonne verdampft dann das Wasser und zurück bleibt das Salz. Die Anlage ist – typisch Inka – Terrassen-förmig angelegt und sieht ziemlich cool aus. Wir wandern ein Stück hinein und können uns die Pools aus der Nähe ansehen. Auf halbem Weg meint unser Guide aber wir müssten umkehren und weiter. Hmpf, was soll das denn, das ist ja fast schon japanischer-Bus-Tourist-Style: raus aus dem Bus, Foto machen und weiter. Das gefällt mir nicht! So sitzen wir wenig später wieder etwas enttäuscht im Van und fahren in Richtung der nächsten Attraktion.

Salinas de Maras
Salinas de Maras

Dabei handelt es sich wieder um ein Überbleibsel der Inka Zivilisation. Wir besuchen die Anlage von Moray. Das sind wieder Terrassen, die in Kreisform angelegt sind und nach unten immer kleiner werden. Hier wurden wohl zu Versuchszwecke verschiedene Arten von Mais und Kartoffeln angepflanzt und gezüchtet. Interessanter Anblick. Diesmal gehen wir sogar hinab in die Kreise, gehen aber nach wenigen Fotos auch schon wieder nach oben und verlassen bald darauf die Anlage. Hmgrpf!

Hanckarina in Moray
Hanckarina in Moray

So sind wir gegen 14:15 wieder zurück in Cusco. Die Ziele der Tour waren auf jeden Fall sehenswert, aber die Durchführung der Tour hat uns gar nicht gefallen. Carlos meint dann auch, dass die Tour normal bis 15 Uhr dauert und er das Unternehmen mal anrufen wird. Ob er es wirklich getan hat wissen wir nicht, hoffen es aber schon. Naja, aber zumindest haben waren wir heute wieder fleißige Touristen und nicht so faule Stubenhocker wie gestern *g* Wobei wir nachmittags auch nicht mehr viel machen, außer ein Busticket nach Ica für morgen zu buchen.

Bevor wir am nächsten Tag aufbrechen suchen wir um ca. 8 Uhr noch die Kathedrale an der Plaza de Armas auf. Normalerweise kostet der Eintritt 25 Soles, aber um diese Zeit ist der Eintritt noch kostenlos, da auch ein Gottesdienst ist. Das Bauwerk ist echt riesig und mit jeder Menge großer Bilder verziert. Wir bewegen uns leise durch die Gänge, lauschen der Orgelmusik und betrachten die Kunstwerke. Fotografieren ist aber leider verboten. Nach dieser kleinen Portion Kultur kehren wir wieder ins Hostel zurück und packen unsere sieben Sachen. Gegen Mittag verabschieden wir uns dann von Carlos und nehmen ein Taxi zur Busstation. Der Bus der Firma Cruz del Sur in dem wir 16 Stunden verbringen werden erweist sich als der Beste den wir je hatten: jeder Sitz hat einen kleinen Fernseher mit Entertainment Programm wie im Flieger. Damit kriegen wir die Zeit sicher rum.