Lima

In Pisco nehmen wir zur Abwechslung mal wieder einen Localbus, um die peruanische Hauptstadt zu erreichen. Die Fahrzeit beträgt nur ca. 4 Stunden, so dass wir in Anbetracht des Preises von lediglich 15 Soles schnell überzeugt sind. Unterwegs beachten wir jegliche Warnungen und werfen regelmäßig einen Blick auf die Gepäckklappe. Es soll schon häufiger in derartigen Bussen vorgekommen sein, dass Touristen ihres Gepäcks beraubt worden sind. Glücklicherweise kommen wir mitsamt unseren Habseligkeiten in unserm letzten südamerikanischen Ziel an.

Lima ist mit etwa 10 Millionen Einwohnern nicht nur die Landeshauptstadt, insgesamt lebt etwa ein Drittel der Bevölkerung in der dick im Smog liegenden Küstenstadt. Laut unserem Lonely Planet gibt es hier einige gefährliche Gegenden, wozu zu unserem Bedauern leider auch das historische Stadtzentrum und die Gegend um die Busbahnhöfe gehören. Wir sind kaum aus unserem Bus ausgestiegen, werden wir schon wieder von allen Seiten angesprochen und man versucht, uns in ein Taxi zu verfrachten. Zwei junge Mädels sprechen uns auf Englisch an und weisen uns ebenfalls auf die Gefahren dieser Gegend hin und wir sollen doch schnellstmöglich ein sicheres Taxi nach Miraflores, dem Touristenzentrum in dem auch das von uns vorgebuchte Hotel liegt, nehmen. Wir schauen ein wenig verdattert und ehe wir uns versehen winken uns die beiden Mädels ein Taxi, verhandeln den Preis für uns und wir sitzen wenig später auch schon drin und werden sicher zu unserer Unterkunft gebracht. Hinterher kommt uns dann der Gedanken, dass diese Art von Touristenfürsorge auch genauso gut eine Finte hätte sein können, da es wohl in Peru ein gängiges Problem ist, dass Touristen von dubiosen Taxis in entlegene Gegenden gebracht werden, wo sie dann ausgeraubt werden. Hmm, Glück gehabt – aber wie zum Teufel soll man die wirkliche Hilfsbereitschaft von Hinterlistigkeit unterscheiden ohne die ehrlichen und freundlichen Bürger zu beleidigen? Das ist wohl wirklich ein schmaler Grat und wir haben leider keine Antwort darauf gefunden. Falls jemand eine hat, kann er sie uns gerne mitteilen.

Nachdem wir unsere Unterkunft in Miraflores bezogen haben, machen wir uns auf den Weg zum zentralen Plaza und stellen schnell fest, dass wir hier in der Touristenhochburg dieser Metropole gelandet sind. Westliche Lokale an allen Ecken mit einem entsprechenden Preisniveau. Da ich mich allerdings inzwischen ein bisschen satt gegessen habe von den typischen Gerichten bestehend aus einem Stück Fleisch oder Fisch und Reis mit Kartoffeln ohne jegliche Soße bei, schreckt mich anders als Hank der Preis nicht wirklich ab. Am Ende finden wir dann doch eine westliche Option, die uns beiden gefällt.

Den Abend lassen wir dann gemütlich ausklingen, da wir aufgrund der frühen Morgenstunde, zu der wir aus den Federn mussten, doch ein wenig angeschlagen sind.

Den nächsten Tag beginnen wir in üblicher Manier mit einem üppigen Frühstück, ehe ich mich mit meiner Tagesgestaltung durchsetzen kann: Shopping! Juppie, hier in Lima gibt es auch reichlich gute Shoppingcenter, die alles anbieten, was das Frauenherz begehrt. Unglücklicherweise nur, dass unser beider Rucksäcke bereits bis auf den letzten Zentimeter vollgestopft sind. Ich muss mittlerweile sogar schon mein Schlafsack außen anbauen, damit ich alles unterbringe. Das hält mich allerdings nicht davon ab, mir mein obligatorisches Hardrock-Café T-Shirt zu kaufen. Leider liegt das hiesige Café nicht unbedingt in unserer Gegend, so dass wir ein Taxi zum Jockey Plaza nehmen und mit den Taxi-Gangstern in Preisverhandlungen treten müssen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat man uns abgezogen und wir haben zu viel bezahlt, aber es ist dennoch der sicherere Weg als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, deren Durchsichtigkeit Gringos wie uns wahrscheinlich nicht gerade mit einer Einladung anspringt. Mit wieder einem Teil mehr, das in meinem Rucksack Platz finden muss, erkunden wir auch noch die unzähligen Geschäfte, die es hier zu erkunden gibt. Nach einer gefühlten Ewigkeit und unzähligen Shops, werden wir der frustrierenden Tätigkeit, wenn man nichts kaufen kann, doch ein wenig müde und kehren wieder nach Miraflores zurück. Komisch, diesmal zahlen wir mit dem Taxi gleich fast ein Drittel weniger. Alles Verbrecher!!

Wenigstens können wir in unserer Unterkunft mal wieder richtig gut schlafen und sind am nächsten Tag wieder voller Tatendrang. Da wir keinen konkreten Plan haben, außer das Stadtzentrum noch ein wenig zu erkunden, kommt es, dass wir einfach blind drauf loslaufen und wieder in Richtung zentralem Platz in Miraflores steuern. Dort erblicken wir einen von den Touristenbussen, der Stadtrundfahrten anbietet, die zwar nicht ganz billig sind, aber in Anbetracht der Größe dieser Stadt und der Gefahrenzonen vielleicht eine gute Alternative darstellt. Wir haben sogar Glück, in 5 Minuten startet die nächste 4-stündige Tour, die auch einen Museumsbesuch beinhaltet. Spontan kaufen wir zwei Tickets und finden uns nur einen Wimpernschlag später in dem oben offenen Tourbus wieder. Und schon geht es los.

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Wir durchqueren sämtliche Stadtviertel und sind erstaunt über die Luxusbunker, die teilweise am Straßenrand aus dem Boden gestampft wurden. Manche Gegenden könnten genauso gut in deutschen Millionenstädten gefunden werden, während andere das Gefühl einer Dritte-Welt-Stadt auslösen. Überall gibt es Straßenverkäufer, die sämtlichen Ramsch unter die Leute zu bringen versuchen. Unsere Aufmerksamkeit findet vor allem ein älterer Herr, der den Autofahrern an den Ampeln Steinschleudern verkaufen will. Aha, interessant. Wie kommt der Mann darauf, dass dieses Geschäft lukrativ sein könnte? Die Eisverkäuferin neben ihm lasse ich mir ja noch eingehen, aber eine Steinschleuder? Unweit von diesem Herrn entfernt, erblicken wir einen ebenfalls älteren Herrn, der den Autofahrern Plastikschweine verkaufen möchte. Wir sind amüsiert und fasziniert zugleich und versuchen, uns eine derartige Szenerie irgendwo auf dem Mittleren Ring vorzustellen. Wahrscheinlich wären die Männer in den weißen Kitteln nicht weit…

Nach rund einer halben Stunde im Bus kommen wir auch schon bei dem Gold- und Waffenmuseum an. Die Guidin ist voll süß und erkundigt sich gefühlte hundert Mal bei uns, ob wir ihrem Spanisch folgen können, aber da sie wirklich gut artikuliert und langsam spricht, können wir bis auf ein paar Fachbegriffe ihre Erklärungen verstehen. Beim Betreten des Museums stechen uns gleich die überall befindlichen Ritterrüstungen ins Auge und wir sind einigermaßen irritiert. Peruanisches Mittelalter? Offensichtlich Überreste aus der spanischen Kolonialzeit und auch das Waffenarsenal ist sehr vielfältig. Von Revolver über Pistolen, Schrotflinten und Kanonen ist alles vorhanden. Unser Rundgang führt uns aber schwerpunktmäßig durch das Goldmuseum. Hier kann man sämtliche Goldfunde aus den verschiedensten Epochen bestaunen und die Guidin trägt wesentlich dazu bei, dass selbst ich als bekennender Nicht-Museum-Fan mich nicht langweile.

Nach rund 1 ½ Stunden geht es mit dem Tourbus weiter in Richtung des historischen Stadtzentrums. Leider ist es hier in der Stadt wirklich ziemlich smoggy, so dass das Sichtfeld ein wenig eingeschränkt ist. Außerdem ist es ziemlich frisch so „oben ohne“, so dass uns die Fahrt bis ins Zentrum ziemlich lang erscheint. Dort werden wir allerdings nicht enttäuscht, der historische Mittelpunkt kann wirklich mit vielen schönen Kolonialgebäuden auftrumpfen und an jeder Ecke gibt es irgendwas zu sehen. Tatsächlich sehen wir hier nur wenige Touristen. Anscheinend ist das Zentrum wirklich nicht die sicherste Gegend der Stadt, aber trotzdem mit Abstand die authentischste. Hier sieht die Stadt erstmals aus, wie eine südamerikanische Stadt auszusehen hat. Besonders schön ist der Plaza San Martin, der umgeben ist von prachtvollen Gebäuden und der Plaza de Armas, der mit seinen unzähligen Palmen einfach nur zum Relaxen einlädt. Schade, dass es sich bei dem Tourbus nicht um einen Hop-on, Hop-off Bus handelt. Gerne wären wir noch eine Weile hier geblieben, aber nachdem das nicht geht, kehren wir zusammen mit den anderen Tourteilnehmern zurück nach Miraflores. Der Bus fährt noch an der Küste entlang und wir können eine ganze Versammlung an Paraglider beobachten, die sich hier austoben.

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Mit etwas Verspätung kehren wir dann wieder zum Ausgangspunkt zurück. Insgesamt müssen wir sagen, dass uns diese Stadtrundfahrt eigentlich ganz gut gefallen hat. Sie bietet in Städten dieser Größe einfach eine gute und einfache Möglichkeit möglichst viel zu sehen und erspart einem die genaue Planung der Route. Wir würden sie auf jeden Fall weiterempfehlen, auch wenn wir grundsätzlich keine Fans von touristischen Touren sind.

Ach ja, am zentralen Platz in Miraflores ist uns noch etwas aufgefallen. Überall wimmelt es von Katzen in allen Farben, Rassen und Altersklassen. Hank ist natürlich in seinem Element. Wir entdecken schließlich ein Plakat, wonach man die Katzen adoptieren kann. Einen kurzen Moment überlegen wir, ob wir eine adoptieren sollen und sie im Tausch gegen unseren Jack den Hütern anbieten sollten. Projekt scheitert allerdings an der Transportmöglichkeit – sorry Linda und Toni!

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Ica & Umgebung

Trotz des angekündigten Entertainmentangebots im Luxusbus von Cruz del Sur erscheint die Fahrt nach Ica schier endlos. Dies liegt hauptsächlich daran, dass wir kaum schlafen können. Es mangelt zwar nicht an Bequemlichkeit, aber die Straßen sind relativ uneben und vor allem sehr kurvenreich. Das haben Gebirgsketten wohl so an sich. Zudem ist die Straße wegen Bauarbeiten zwischendurch gesperrt und wir müssen zwei Stunden warten, ehe wir weiter fahren können. Insgesamt dauert unsere Fahrt sodann anstatt 16 ganze 18 Stunden. Gegen 8 Uhr morgens erreichen wir endlich Ica, eine kleine Stadt mit „nur“ rund 200.000 Einwohnern, die sich auf einer Höhe von 400 Metern befindet. Nach etwa 5,5 Wochen auf etwa 3.000 Höhenmetern nähern wir uns endlich wieder dem Meeresspiegel.

Am Busbahnhof werden wir gleich wieder von den üblichen Taxigangstern überrumpelt. Wir entscheiden uns deshalb für einen älteren Herren, der uns vertrauenswürdig erscheint und der mit 5 Soles für die Fahrt einen vernünftigen Preis anbietet. Super, denken wir uns und steigen ein. Nach etwa 2 Minuten stellt sich schließlich heraus, dass er den Preis pro Person haben möchte. So haben wir aber nicht gewettet, guter Mann! Trotz unseres vehementen Widerspruchs bleibt der Alte stur und beharrt auf sein Geld. Er liefert uns an unserer Unterkunft ab, aber lässt sich nicht abschütteln. Letztendlich zahlen wir ihm 6 Soles für uns beide zusammen, aber trotzdem sind wir ein bisschen genervt von dieser Verhandlungsstrategie. Da fühlt man sich schon ein bisschen wieder Gelackmeierte!

Wir beziehen anschließend unser Zimmer und müssen erstmal ein bisschen rasten. Diese Nachtbusse sind zwar grundsätzlich eine super Sache, aber der nächste Tag ist meistens ein bisschen für die Tonne, weil man ziemlich müde und fertig ist. Aus diesem Grund ist die Produktivität des heutigen Tages auch ziemlich eingeschränkt, aber morgen, da starten wir durch…

Gesagt, getan! Pünktlich um 7 sind wir hellwach und bereit die Gegend zu erkunden, naja fast. Erstmal ein leckeres Frühstück, die heißen Duschen nutzen und dann kann es losgehen. Halt, irgendwie ist es doch auch schon wieder kurz nach 11 bis wir endlich loskommen. How comes? Keine Ahnung!

Leider ist das Wetter nicht gerade besonders, es ist ziemlich diesig und die Sicht ist ein wenig bescheiden, aber wir machen uns dennoch zu Fuß auf den Weg zum Plaza de Armas. (auch in Ica der Name des zentralen Platzes) Da wir aber ein bisschen ab vom Schuss sind, müssen wir rund 30 Minuten marschieren, ehe wir das Stadtzentrum erreichen. Und das ist – naja sagen wir es vorsichtig – nicht gerade der „Place to be“! In der Mitte gibt es einen Brunnen, außen herum einige unspektakuläre Gebäude und die üblichen Almosensammler, die man überall findet.

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Wir beobachten das Treiben eine Weile von einer Parkbank aus, ehe wir uns entschließen, hier auch gleich ein Mittagessen zu uns zu nehmen, wenn wir schon mal da sind.

Wenig später sitzen wir in einem kleinen Restaurant und stellen fest, dass in Peru andere Regeln für einen guten Service gelten, als bei uns. Angenommen in Deutschland würde man einen Burger mit Pommes bestellen und die Pommes erst eine halbe Stunde nach dem Burger serviert bekommen, oh oh, da wär der Teufel los. Hier hingegen sieht man das nicht so eng. Ich bin zwar nicht unbedingt begeistert, aber akzeptiere dennoch ohne Murren meine Pommes als Dessert. Tja, andere Länder – andere Sitten!

Anschließend nehmen wir ein Tuktuk – ja die heißen hier tatsächlich genauso wie in Asien – zurück zu unserem Hostel. Wir wollen in die Oase Huacachina fahren, aber nachdem inzwischen richtig die Sonne rausgekommen ist, müssen wir zunächst in luftigere Kleidung wechseln. Ich bin froh, dass endlich mal wieder meine Flipflops zum Einsatz kommen.

Huacachina liegt etwa 4 km außerhalb von Ica und ist eine Lagune mitten in der Wüste. Ja richtig – in Peru gibt es eine Wüste mit richtigen Sanddünen und da wollen wir jetzt hin. Wir springen schnell wieder in ein Tuktuk und nach wenigen Minuten sind wir auch schon dort. Der Anblick überrascht uns doch ziemlich. So wirklich passt das hier nicht her, aber wir sind dennoch begeistert. Umgeben von hohen Dünen befindet sich ein See, auf dem Tretboote schippern und es tummeln sich überall Menschen rum, die die Sonne genießen. Wir gesellen uns gleich mal dazu. Herrlich!

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Schließlich schnappen wir uns für 10 Soles zwei Sandboards und erklimmen die Sanddünen. Wir haben beide noch nie Sandboarding ausprobiert und sind gespannt, wie wir uns anstellen werden. Wir ahnen allerdings schnell, dass das nicht so einfach sein wird, denn anders als bei einem Snowboard, haben diese Boards ziemlich provisorische „Bindungen“, die lediglich aus Klettverschlüssen bestehen. Wir lassen uns davon aber nicht beirren und erklimmen einen Hügel, wo wir uns gleich mal an den Boards ausprobieren. Schnell bewahrheitet sich die bereits angenommene Theorie. Mit diesen Brettern hat man so gut wie gar keinen Halt, man kann nur versuchen, sich irgendwie darauf zu halten, aber von einer Kurve fahren, kann gar keine Rede sein. Es macht uns aber dennoch sehr viel Spaß und so toben wir zwei Stunden wie kleine Kinder herum und machen einige lustige Fotos. Selbstverständlich landen wir auch desöfteren im Sand und sind schließlich von oben bis unten voll davon. Insgesamt muss ich aber sagen, dass Snowboarden viel besser ist und vor allem auch viel einfachen. Selbst wenn man auf den Sandboards eine richtige Bindung hätte, ist es mit Sicherheit schwieriger das Board zu drehen, weil es sich regelmäßig im Sand eingräbt. Trotzdem ein sehr lustiges Unterfangen!

Zum Sonnenuntergang platzieren wir uns dann in einem der vielen Seerlokale und genehmigen uns die peruanische Spezialität Pisco Sour, bevor wir mit einem Tuktuk wieder zurück in die Stadt fahren.

Den nächsten Morgen heißt es wieder zeitig aufstehen. Wir werden um 6:45 Uhr für eine Tour abgeholt und wollen gleich all unsere Habseligkeiten mitnehmen. Mit einer kleinen Verspätung kommt unser Shuttle dann um 7:00 Uhr, aber dafür ist der Bus schon vollzählig. Es geht eine Stunde zu der nahe gelegenen Halbinsel Paracas, von wo aus wir mit dem Boot zu den Islas Ballestas fahren wollen.

Wie wir relativ schnell feststellen müssen, scheint diese Tour das touristischste zu sein, was wir auf unserer ganzen Reise unternommen haben. Am Hafen tummeln sich bereits hunderte Menschen und wollen wohl ebenfalls mit dem Boot zu der Inselgruppe fahren, die den Beinamen „Galapagos des kleinen Mannes“ trägt. Auch wenn uns der Menschenauflauf gar nicht gefällt, wollen wir uns davon nicht den Ausflug vermiesen lassen. Nach rund einer halben Stunde des Gedrängels am Hafen, sitzen wir endlich in einem der zig Boote und schippern zu den Inseln.

Zuerst besichtigen wir eine große Felszeichnung, der Candelabro de Paracas (Der Kerzenleuchter von Paracas), der den Nazca-Linien ähnelt, aber bedeutend jünger ist. Er diente wahrscheinlich Seefahrern als Orientierungszeichen zur Navigation. Auf jeden Fall sieht es ein wenig surreal aus. Leider ist der Halt nur relativ kurz, weil alle anderen Boote auch den obligatorischen Blick erhaschen wollen.

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Weiter geht es zu den Islas Ballestas. Dieses Reservat soll die reichen Vorkommen an Mähnenrobben, Blaufußtölpeln, Pelikanen, Humboldt-Pinguinen und anderen Meeressäugern und Seevögeln schützen. Berühmtes Wahrzeichen war bis August 2007 die Felsformation der Kathedrale von Paracas, die beim Erdbeben in Peru 2007 zerstört wurde. Die Landschaft ist aber dennoch ziemlich beeindruckend und könnte ebensogut irgendwo in Neuseeland sein. Auch die artenreiche Fauna können wir bestaunen. Lediglich die unzähligen Boote stören das Bild. Wir sind zudem ziemlich enttäuscht, dass wir nach etwa einer halben Stunde an der Inselgruppe bereits wieder zurück in Richtung Paracas fahren.

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Nachdem wir nach rund 1 ½ Stunden wieder an Land sind, müssen wir uns ein Collectivo suchen und damit in das 20 Minuten entfernte Pisco fahren. Von dort aus können wir weiterreisen bis nach Lima.

Unser Fazit zu diesem Ausflug: Die Landschaft ist wunderschön und die Tierwelt beeindruckend, aber die Massenabfertigung geht gar nicht! Ob es auch andere Möglichkeiten gibt, diesen Ort zu besichtigen, haben wir nicht weiter ermittelt. Wir würden dies aber jedem empfehlen, der hier einen Stopp einplant.

Machu Picchu

Unser Angriff auf Machu Picchu startet gegen 4 Uhr. Im Hostel kriegen wir freundlicherweise auch schon um die Zeit ein Frühstück. Danach müssen wir zum Eingang des Berges marschieren und uns in die Warteschlage einreihen. Punkt 5 kommt dann Bewegung in die Schlange, die Pforten werden geöffnet. Nach 15 Minuten sind wir dann endlich drin und können mit unserem Aufstieg beginnen. Wir wollten zwar mit dem Bus hochfahren, aber das klappt nicht weil im Moment Hochsaison ist und die Busse schon voll gebucht sind. Also müssen wir etwa 400 Höhenmeter über steile Stufen bewältigen. Pauly legt ein gutes Tempo vor, er will bei den ersten sein die um 6 Uhr das Gelände betreten können. Carina kann das Tempo leider nicht mithalten und so fallen wir weiter zurück. Sie schleppt sich nach oben und flucht vor sich hin. Ich bin ja bloß froh, dass sie schon einen Kaffee bekommen hat, sonst wäre jetzt Weltuntergang angesagt. Nach einiger Zeit treffen wir Pauly an der auf uns wartet, der Rest der Truppe ist schon weitergegangen. Carina möchte zwar, dass er uns zurücklässt und oben schon mit der Tour startet, aber Pauly bleibt bei uns und feuert Carina an. Irgendwann erreichen wir dann doch unser Ziel und kommen am Eingang zu den Ruinen an. Der Rest hat sich schon in die Warteschlange eingereiht und ist schon recht weit vorne. So hat es sich also gar nicht negativ ausgewirkt, dass wir langsamer waren als der Rest.

Dann ist es endlich soweit, wir dürfen Machu Picchu betreten. Paulys Hoffnung, dass wir noch Fotos ohne die Menschenmassen machen können zerschlagen sich zwar schnell, aber es ist trotzdem unglaublich toll hier zu sein. Wir versammeln uns auf einer der vielen von den Inka angelegten Terrassen und Pauly erklärt uns was wir um uns herum alles sehen. Bzw. sehen könnten, wenn nicht alles im Nebel hängen würde. Momentan sieht man nicht besonders weit und die Ruinen hängen in den Nebelschwaden. Aber das macht den Anblick auch irgendwie aus, sehr mystisch. Und als dann nach etwa einer halben Stunde der Nebel aufzureißen beginnt ist das Glücksgefühl umso größer, ein magischer Moment. Einfach unglaublich nach den Strapazen der letzten Tage jetzt hier zu stehen!

Machu Picchu schält sich aus dem Nebel
Machu Picchu schält sich aus dem Nebel

Danach drehen wir mit Pauly eine etwa zweistündige Runde durch die Anlage und er erklärt uns immer wieder was es mit den einzelnen Gebäuden oder Felsen auf sich hat. Alle gelieferten Informationen können wir uns zwar nicht merken, aber das ein oder andere bleibt dann doch hängen. Nachdem Pauly fertig ist mit seiner Führung heißt es dann Abschied von ihm nehmen. Er muss den Rückweg nach Cusco schon jetzt antreten, da in der Hochsaison kein Platz für die Guides im Zug ist. Also muss er zurück nach Hidroelectrica gehen und von dort aus mit dem Bus fahren. Noch schnell ein Gruppenfoto gemacht und E-Mail-Adresse getauscht und auf einmal stehen wir ohne unseren tollen Guide da. Na gut, dann heißt es jetzt also auf eigene Faust die Ruinen erforschen.

Da wir zusätzlich zum normalen Ticket auch noch den Eintritt zum Machu Picchu Mountain gebucht haben beschließen wir diesen gleich in Angriff zu nehmen. Aus unserer Gruppe hat nur Team Frankreich ebenfalls ein Ticket für dieses Extra. So machen wir uns nach einer kurzen Pause auf den Weg Richtung Gipfel. Sehr zu Carinas Leidwesen müssen wir feststellen, dass der Weg auf den Machu Picchu Mountain wieder fast ausschließlich aus Stufen besteht. Aber hilft ja nix, das Ticket ist bezahlt, also gehen wir auch hoch ;-) Schon unterwegs legen wir immer wieder Pausen ein. Einerseits weil es echt anstrengend ist, andererseits weil der Ausblick echt super ist. So verbringen wir die nächsten eineinhalb Stunden mit dem langsamen Aufstieg auf 3080 Meter. Gestartet sind wir heute Morgen bei 2000 Metern, wir hätten also auch auf das höchste Gebäude der Welt steigen können.

Wir sind überglücklich als wir am Gipfel ankommen, aber auch sehr erschöpft. Zur Belohnung gibt’s erst mal ein Snickers und ja, es hat lange gedauert sich das zu verdienen! Der Ausblick von hier oben ist echt super. Nicht nur auf die Ruinen von Machu Picchu, auch auf die umliegenden Berge und noch andere Ruinen. Nachdem wir die Umgebung etwa eine halbe Stunde genossen haben greifen wir wieder an und machen uns an den Abstieg. Der ist auch gar nicht so leicht, weil die Stufen teilweise sehr klein sind und manchmal sogar wackeln. Und da es hier auch ziemlich steil abwärts geht ist höchste Konzentration angesagt. Die lässt dann im weniger steilen Stück auch etwas nach und prompt rutscht Carina aus und setzt sich auf den Hintern. Aber keine Angst, nichts passiert.

geschafft: auf dem Gipfel des Machu Picchu Mountain
geschafft: auf dem Gipfel des Machu Picchu Mountain

Wieder unten angekommen fassen wir gleich das nächste Ziel ins Auge, das Sungate. Dort endet der berühmte Inka Trail und die Wanderer betreten Machu Picchu durch das Sonnentor. Die Wanderung dorthin dauert etwa 45 Minuten und geht wieder stetig aufwärts. Zum Glück nicht so steil wie die letzten Wege und auch nur selten über Stufen. Aber auch dieser Weg lohnt sich wegen dem anderen Blickwinkel auf die Anlage. Am Sungate angekommen setzen wir uns in die Sonne, halten ein Schwätzchen mit einem Salzburger und genießen den Anblick. Um kurz vor drei sind wir dann wieder zurück bei den Hauptruinen und treffen unverhofft auf Francois und Juliette. Wir hatten uns eh in einer halben Stunde mit den beiden treffen wollen, um gemeinsam den Bus ins Tal zu nehmen. Da sie aber inzwischen schon etwas „Machu Picchu“-müde sind und Carina ebenso keine Lust mehr hat auf Sightseeing machen wir uns gleich auf den Weg zum Ausgang.

Machu Picchu vom Sungate aus
Machu Picchu vom Sungate aus

Ich gehe aber nicht gleich mit raus, sondern drehe noch eine kleine Runde allein durch ein paar Ruinen. Ich bin zwar auch schon etwas erschöpft, aber da ich wahrscheinlich nicht mehr so schnell hierher komme will ich die Zeit ausreizen. Und es gibt hier viel zu entdecken. Wenn man den Hauptweg der Touristen einmal verlässt findet man durchaus viele Winkel die man für sich allein hat. Ich könnte hier noch Stunden herumstromern, aber die Zeit rinnt mir durch die Finger. Und als es dann nach einer halben Stunde auch noch zu regnen anfängt breche ich meine Tour ab und eile auch Richtung Ausgang. Dort noch schnell den Machu Picchu Stempel in den Pass gehaun und schon liegen die Ruinen auch hinter mir.

Ich finde die anderen drei in der sehr langen Warteschlange für den Bus wieder. Insgesamt stehen sie fast eine Stunde an, ich mit ihnen dann nur noch eine halbe, hehe ;-) Die Fahrt bis nach Aguas Calientes dauert dann auch nochmal etwa eine halbe Stunde und nachdem wir angekommen sind suchen wir zielstrebig ein Lokal auf, um uns nach den heutigen Strapazen wieder etwas zu stärken. Nach dem Essen holen wir im Hostel noch schnell unsere untergestellten Taschen und machen uns auf den Weg zum Bahnhof. Dort treffen wir dann auch wieder auf den Rest der Village People und wollen schon zum Zug gehen, als wir ein Problem feststellen: das Zugticket von Erica ist nicht auf heute ausgestellt, sondern erst auf übermorgen. Ja was soll das denn bitte? Am Ticketschalter meint der Angestellte nur etwas wie „nicht mein Problem“ und wimmelt uns ab. Da uns nichts Besseres einfällt nehmen wir Erica in die Mitte und schleusen sie an der ersten Ticketkontrolle vorbei. An der zweiten wird allerdings genauer kontrolliert und sie wird wieder aus dem Zug herausgezogen. Wild reden wir auf die Schaffner ein, aber sie wollen sie nicht mitfahren lassen. Im letzten Moment stellt sich heraus, dass in einem anderen Waggon noch ein Platz frei ist und Erica den haben kann. Puh, das ist nochmal gut gegangen. Aber wir haben noch jemanden anderen mit demselben Problem gesehen, keine Ahnung ob der noch mitfahren konnte. Wenn ihr also jemals so eine Tour zum Machu Picchu macht kontrolliert alle Tickets genauestens wenn ihr sie bekommt!

Nach einer knappen Stunde im Zug (die 65 USD gekostet hat) kommen wir in dem Ort Ollantaytambo an. Dort wartet schon ein Minivan auf uns, um uns zurück nach Cusco zu bringen. Team Hawaii allerdings bleibt hier, da es hier auch noch große Ruinen zu besichtigen gibt. Also verabschieden wir uns alle herzlich von den beiden Mädels und steigen in unseren Van. Zwei Stunden später erreichen wir Cusco und verabschieden uns ebenso herzlich vom Rest der Truppe. War ein gutes Team und wir hatten jede Menge Spaß zusammen. Wir steuern zielstrebig unser Hostel an, wo wir auch schon erwartet werden. Dort angekommen fallen wir nur noch ins Bett und wollen schlafen. Heute wäre zwar Nationalfeiertag in Peru, aber den können wir leider nicht mitfeiern.

Salkantay Trek

Der Wecker klingelt am nächsten Tag mal wieder viel zu Früh und wir quälen uns aus dem Bett. Also wir dann aber in den Tourbus einsteigen ist das Hallo groß: Francois und Juliette aus Frankreich, mit denen wir auch schon im Colca Canyon waren sitzen schon drin. Trotz der frühen Stunde werden sogleich die letzten Reise-Neuigkeiten ausgetauscht. Als der Bus dann voll ist und wir die Stadt verlassen übermannt uns dann aber doch noch mal der Schlaf. Nachdem wir unterwegs dann noch ein Frühstück bekommen, erreichen wir gegen 9 Uhr den Startpunkt unserer Wanderung. Insgesamt besteht unsere Gruppe aus 11 Leuten: Jakob & Kelly, Sandy & Kelly, Erica & Serena – allesamt aus den USA – den beiden Franzosen, uns beiden und nicht zuletzt Hipolito oder Pauly, unserem Guide.

So starten wir unsere Wanderung und machen uns auf den Weg. Der führt uns erst mal stetig bergauf und wir kommen gut ins Schwitzen. Aber nachdem diese erste Hürde überwunden ist geht es eigentlich recht gemütlich dahin und wir haben genug Luft übrig, um uns neben dem gehen auch noch zu unterhalten. So wandern wir die nächsten drei Stunden durch eine tolle Berglandschaft, ehe wir schon in unserem Camp ankommen. Die Zelte wurden schon aufgebaut und wir bekommen in einen etwas größeren Zelt unser Mittagessen serviert. Das ist wirklich reichlich und wir können gar nicht alles aufessen. Nachdem wir alle gut satt sind ist erst einmal Siesta angesagt. Wir ziehen uns alle in unsere Zelte zurück und legen und hin. Da wir schon recht früh aufgestanden sind dösen wir auch bald ein.

Nach etwa einer Stunde reißt uns Pauly aber wieder aus unseren Träumen, wir haben noch ein Nachmittagsprogramm zu absolvieren. Vom Camp aus geht es etwa eineinhalb Stunden bergauf zum Humantay Lake, einen kleinen Bergsee, gespeist vom Gletscherwasser. Da wir inzwischen auf etwa 3700 Metern sind, ist der Aufstieg nicht ganz einfach, die Luft ist etwas dünner und man ist schnell außer Atem. Trotzdem lassen wir uns davon nicht abhalten und Carina und ich sind bei den ersten „Bergsteigern“ dabei. Außer unserer Gruppe sind noch zwei andere, jedoch kleinere Gruppen auf dem Weg nach oben. Pauly bleibt mit den Langsameren etwas zurück und so stehe ich bald allein da und muss mir den Weg suchen. Ist nicht ganz einfach und ich glaube schon irgendwo falsch abgebogen zu sein, als ich zusammen mit einem Holländer aus einer anderen Gruppe den See erreiche. Der Anblick ist echt toll und der anstrengende Aufstieg hat sich gelohnt. Hinter dem See erheben sich schneebedeckte Berge und spiegeln sich im Wasser. Bald ist dann die komplette Gruppe da und wir machen fleißig Fotos oder bauen kleine Steintürme. Team Frankreich ist von meinem begeistert und meint er sieht aus wie der Eifelturm. Hmpf, das ist doch kein Eifelturm! Naja, vielleicht ein wenig, aber doch anders. Same same, but different!

Gruppenfoto am Humantay Lake
Gruppenfoto am Humantay Lake

Nach etwas über einer halben Stunde machen wir uns wieder an den Abstieg, der wesentlich leichter ist als der Aufstieg. Im Basecamp angekommen wartet auch schon ein kleiner Imbiss auf uns. Und fast direkt nach dem Imbiss folgt auch schon das Abendessen. Wir werden echt gut gefüttert und alle sind richtig satt. Da es hier sehr windig, kalt und ungemütlich ist und wir außerdem noch müde vom frühen Aufstehen sind, geht es dann auch bald ins Zelt. Auf dem Weg dorthin fängt uns Pauly aber noch mal ab und zeigt uns einige der Sternbilder die zu sehen sind. Neben dem Kreuz des Südens bekommen wir Lama und Baby-Lama zu sehen, sowie die Schlange die zum Skorpion wird (glaube so hieß es). Da es hier sehr dunkel ist sehen wir die Sterne wirklich sehr gut und Carina versucht sich auch sogleich darin Fotos vom Sternenhimmel zu machen. Da es inzwischen aber wirklich kalt ist (nachts dann sogar etwa -5 Grad), gibt sie bald wieder auf und wir mummeln uns jeder in unsere zwei Schlafsäcke ein.

Leider wird es wieder nichts mit Ausschlafen, am zweiten Tag der Wanderung steht der härteste und längste Teil an und so werden wir um 5 Uhr geweckt. Zum Aufwachen bekommen wir ins Zelt eine heiße Tasse Coca-Tee serviert. Das macht es dann nicht mehr ganz so schlimm, was nicht bedeutet, dass wir gern aufstehen. Dick eingepackt begeben wir uns zum Frühstück, das natürlich wieder reichlich ist. Nachdem wir dann unsere Taschen und Rucksäcke gepackt haben geht die Wanderung auch schon los. Heute haben wir den Salkantay Pass in etwa 4.630 Metern Höhe zu bewältigen sowie insgesamt 22 Kilometer zu gehen.

Der erste Teil der Strecke führt zwar auch schon stetig bergauf, es ist aber noch nicht so anstrengend. So kommen wir dann nach etwa einer Stunde an der Salkantay Pampa an, Pauly nennt sie einfach Plattform 1. Das ist ein flaches Teilstück der Strecke. Danach geht es aber steil bergauf, von hier sind noch etwa 500 Höhenmeter zu überwinden. Um das Ganze noch ein wenig interessanter zu gestalten setzt erst leichter Nieselregen ein, der etwas höher in Schnee übergeht. Pauly legt immer wieder Pausen ein, um die Gruppe zusammenzuhalten und Zeit zum Durchatmen zu geben. Schließlich kommen wir am steilsten Teil der Strecke an, wo es über zwölf Serpentinen-Kurven nach oben geht. Der Weg ist recht eng und wir müssen immer wieder anhalten und Gruppen von Lastentieren vorbei lassen. Schließlich lassen wir diesen Zick Zack Kurs aber hinter uns und sind froh als wir oben ankommen. Das ist zwar noch nicht der höchsten Punkt, aber der schlimmste Teil ist überstanden.

Aufstieg zum Salkantay Pass
Aufstieg zum Salkantay Pass

Bis zum höchsten Punkt steigt der Weg noch weitere eineinhalb Stunden an. Zwischendurch legen wir noch die eine oder andere Rast ein. Inzwischen ist der Boden von einer dünnen Schneeschicht bedeckt. So kann ich in einer der Pausen einen kleinen Schneemann bauen, hab ja sonst nichts zu tun ;-) Noch bevor wir oben ankommen bekommt Sandy ziemliche Probleme, sie kann nicht mehr richtig atmen und kommt nur noch sehr langsam voran. Zum Glück hat Pauly Sauerstoffflaschen dabei und kann ihr damit helfen. So schleppt sie sich tapfer weiter nach oben. Da sie eine Kämpfernatur ist will sie mir auch nicht zur Erleichterung ihren Rucksack überlassen. Na hoffentlich geht das gut. Aber sie schafft es dann auch ohne meine Hilfe bis ganz nach oben und ist umso glücklicher es geschafft zu haben. Da hier ein recht unangenehmer Wind weht machen wir nur schnell ein Gruppenfoto und sehen dann zu wieder in gemütlichere Gefilde zu kommen.

geschafft: oben am Salkantay Pass
geschafft: oben am Salkantay Pass

Also geht es nach der Plackerei des Aufstiegs wieder bergab. Pauly meint wir könnten ab hier unser eigenes Tempo gehen und sollen nach etwa zwei Stunden bei einem blauen Zelt warten. Ohne es zu wollen setzen wir uns zusammen mit Team Frankreich bald vom Rest der Gruppe ab und erreichen nach etwa eineinhalb Stunden ein schönes Plateau. Naja, wahrscheinlich unterscheidet es sich nicht von der anderen Landschaft die hinter uns liegt, aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: es schneit nicht mehr und die Wolkendecken reißt sogar auf und lässt die Sonne durch. Diese Gelegenheit ergreifen wir beim Schopf, legen uns in die Wiese und tanken ein wenig Wärme. Außerdem müssen wir ja eh auf den Rest der Gruppe warten. Als diese nach etwa 15 bis 20 Minuten aber immer noch nicht da ist und die Wolken wieder zumachen gehen wir dann aber doch wieder weiter. Nach weiteren 30 Minuten erreichen wir ein blaues Zelt und suchen uns einen Platz zum Warten. Ich vertreibe mir die Zeit mit dem Bau eines weiteren Steinturmes. Nachdem die Gruppe dann wieder komplett versammelt ist legen wir die letzten Meter zum Mittagsstopp zurück. Wie immer gibt es reichlich gutes Essen.

Während wir in unserem Essenszelt sitzen öffnen draußen die Wolken ihre Schleusen und es fängt heftig zu regnen an. Na toll, das sind ja schöne Aussichten, wir sind noch lange nicht am Tagesziel angekommen. Zum Glück lässt der Regen dann wieder nach bis wir aufbrechen. Angenehm ist es zwar immer noch nicht, aber mit unseren Regenjacken sind wir zumindest etwas vor dem Wasser geschützt. So geht es weiter abwärts und mit der Zeit ändert sich unsere Umgebung deutlich: von der schroffen felsigen schneebedeckten Bergwelt geht es über in Dschungel. Das ist schon merkwürdig, vormittags läufst Du noch an einem Gletscher vorbei durchs Schneegestöber und ein paar Stunden später ist alles um Dich herum grün und voll Pflanzen. Der Regen hat mittlerweile auch ganz aufgehört und so ist die Wanderung nun richtig angenehm.

Es gibt hier immer wieder bunte Blumen zu sehen, auch einige Orchideen-Arten. Außerdem schwirren zwischen den Blüten in den Büschen und Bäumen immer wieder Kolibris herum. Laut Pauly gibt es 17 hier verschiedene Arten dieses Vogels, unter anderem auch den größten Kolibri. Ich versuche ein Foto von einem Kolibri zu schießen, aber die kleinen Vögel sind sehr hyperaktiv und halten sich kaum mal still. Nach X Versuchen gelingt es mir aber dann doch ein sitzendes Exemplar zu knipsen. Wunderbar. Um kurz vor 6 kommen wir dann endlich im heutigen Nachtlager an. Wir werden wieder bestens mit Essen versorgt und spielen vorm Abendessen auch noch eine Runde Karten mit Juliette, Francois und Pauly. Nach dem Essen fordert der harte Tag dann aber schnell seinen Tribut und wir verkriechen uns wieder in unsere Zelte.

Kolibri
Kolibri

Am nächsten Morgen werden wir wieder recht früh geweckt, wobei wir heute wenigstens bis 6 schlafen dürfen. Wieder wird Tee direkt ins Zelt geliefert. Etwa eineinhalb Stunden später schultern wir unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg. Unsere heutige Strecke ist nicht so lang und wir müssen nur 6 Stunden wandern. Der Weg führt wieder durch grünen Dschungel und geht fast ständig leicht abwärts. Wir sehen wieder allerlei bunte Blumen und kommen auch einmal an einem tollen dreistufigen Wasserfall vorbei. Unterwegs haben wir auch die Gelegenheit frische Früchte bei den Einheimischen zu kaufen. Diese tolle Erfrischung lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Als wir nur noch ein bis zwei Stunden vom Ziel entfernt sind gibt Pauly grünes Licht, dass bis zum nächsten Dorf jeder sein eigenes Tempo gehen kann. Schnell setzen sich Team Frankreich und Team Deutschland wieder vom US-Verfolgerfeld ab ;-)

Im besagten Dorf angekommen warten wir dann wieder auf den Rest der Gruppe und setzen uns in die Sonne. Nach und nach trudeln auch alle ein, nur Sandy und Kelly tauchen nicht auf. Pauly will gerade zurückgehen, um nach den beiden zu sehen, da kommen sie um die nächste Kurve. Sandy scheint es wohl wieder schlecht zu gehen, aber sie kämpft sich tapfer weiter. Dann sitzen wir auch schon wieder beim sehr guten Mittagessen. Nachdem das abgeschlossen ist müssen wir heute nicht weitergehen, sondern fahren mit dem Minivan in das Dorf mit unserem Nachtlager.

Am Nachmittag steht dann relaxen auf dem Programm, in der Nähe unseres Camps gibt es heiße Quellen. Da lassen wir uns natürlich nicht zweimal bitten und tummeln uns bald im angenehm warmen Wasser. Das tut richtig gut und unsere geschundenen Muskeln können sich ein wenig erholen. Wir verbringen fast zwei Stunden mit Baden, ehe es wieder ins Camp zurückgeht. Dort steht natürlich auch schon wieder ein kleiner Snack bereit.

Danach überrascht uns Sandy nicht schlecht, als sie mit einer Flasche Pisco (das ist der hiesige Schnaps) auftaucht. Ja genau, die Sandy, die heute und gestern fast nicht am Ziel angekommen wäre will heute Party machen. So hole ich meine Würfel aus dem Rucksack und wir starten eine lustige Runde Meiern, die erst vom Abendessen beendet wird. Danach wird am Campingplatz ein Lagerfeuer angezündet und die Musik laut gedreht. Wir sind schon vorher gewarnt worden, dass das hier ein Party-Camp ist, aber das kommt uns jetzt natürlich gelegen. So starten Team Frankreich, Team Deutschland und Team Hawaii (Sandy & Kelly) die Party und es wird eine feuchtfröhliche Nacht. Später gesellt sich auch noch Pauly zu uns und wir leeren zusammen das ein oder andere Bier, 2 Flaschen chilenischen Wein (Francois is not amused, als Pauly die Behauptung aufstellt der beste Wein der Welt kommt aus Chile *g*) und die Flasche Pisco. So ist es nicht verwunderlich, dass wir irgendwann alle zusammen auf einem größeren Felsblock tanzen und uns bei YMCA unseren Gruppennamen verdienen: die Village People *lol* Nachdem Peru und Frankreich die Party verlassen haben, einigen wir uns mit Team Hawaii auf ein Party-Unentschieden und gehen schlafen.

Village People on fire!
Village People on fire!

Der nächste Morgen startet gar nicht gut. Nicht dass es uns nicht gut gehen würde wegen der Party gestern, es schüttet wie aus Eimern und wir wollen gar nicht erst aus unserem Zelt heraus. Pauly meint dann auch wir warten erst einmal eine halbe Stunde ab und hoffen auf Besserung. Es hört dann auch tatsächlich bis auf ein paar Tropfen auf zu regnen und wir kommen trocken aus den Zelten. Wir haben dann die Wahl gleich weiterzuwandern oder den Vormittag mit Zip-Linen zu verbringen und das nicht gewanderte Teilstück zu fahren. Da der Weg hier eh nicht so toll sein soll entscheiden wir uns fürs Zip-Linen.

So stehen wir kurz darauf beim Zip-Line-Office in der Schlange, tragen uns in die Liste ein und bekommen unsere Ausrüstung. Nachdem alle ausgestattet sind müssen wir nur noch zum Startpunkt gehen, dann kann es losgehen. Natürlich müssen wir steil bergauf, um zu den Kabeln zu kommen. Hawaii is not amused ;-) Und als wir nach der Kletterpartie oben ankommen stehen vor uns etwa 40 – 50 Leute an. Na super, und unten im Office haben sie uns gehetzt als hätten wir es eilig. So sitzen wir als eine halbe Stunde herum und warten bis wir endlich dran sind. Als es so weit ist wird es dem ein oder anderen der Gruppe etwas mulmig, aber wir versichern allen, dass es ein Riesenspaß ist und gar nicht schlimm. Während dann die ersten starten bin ich mir nicht mehr so sicher ob es eine gute Idee war das Zip-Lining hier zu buchen: die Sicherheitsvorkehrungen sind doch eher mangelhaft. Eine richtige Einweisung bekommen wir nicht. Und der verantwortliche Guide hier oben ist höchstens 14 Jahre alt und spricht natürlich kein Wort Englisch. So stellts mir die Haare auf, als er einen von uns einhakt und vergisst den Karabiner richtig zu schließen! Zum Glück haben wir alle mit aufgepasst und können ihn darauf hinweisen. Uiuiui…

Die ersten beiden Lines sind eher langsam und zum eingewöhnen, die dritte ist dann die längste und schon deutlich schneller. Vom Ziel der dritten müssen wir dann einige Steigeisen nach oben klettern. Am Startpunkt zu Nummer 4 staut sich dann wieder alles, es sind wohl nicht genügend Betreuer anwesend, um den Ansturm zu bewältigen. Also sitzen wir wieder eine halbe Stunde herum ehe wir an der Reihe sind. Als wir eingehakt werden fragt uns der Guide dann, ob wir kopfüber fahren wollen oder normal. Einzig mögliche Antwort: kopfüber! Als ich mich also gerade nach unten drehe werde ich auch schon losgeschickt. Das kam überraschend, alle anderen hatten noch die Gelegenheit die Aufwärtsdrehung einmal zu üben. So gleite ich etwas desorientiert über den 200 Meter tiefen Canyon. Sehr lustig, aber man halt auch echt gar keine Ahnung wo man gerade ist. Das Zurückdrehen unterwegs klappt dann problemlos und schon bin ich wieder auf der anderen Seite.

An der nächsten Line wartet dann wieder der 14-jährige, also checken wir alle zweimal ob wir auch wirklich eingeklinkt sind. Ich komme gut an der anderen Seite an, Der Guide dort fragt mich, ob ich bereit bin gleich mit der nächsten Line weiterzumachen und ich sage etwas überrascht ja, stehen doch noch drei andere auf der Plattform und warten. Die nächste Frage lautet: „Superman?“, was ich wieder bejahe. Also werde ich diesmal hinten eingeklinkt und im nächsten Moment auch schon von der Plattform geworfen. Wow, als das ist ein richtiger Schock, mir rutscht das Herz in die Hose. So direkt in den Abgrund zu blicken ist doch noch mal etwas anderes als sich am Seil oben einhalten zu können. Aber der Schreck ist schnell überwunden und so fliege ich in Superman-Pose (naja, fast) über den Canyon. Das ist echt ein riesen Spaß! Und leider viel zu schnell vorbei. Die ganze Gruppe ist hellauf begeistert von dem Superman-Flug. Sogar Sandy, die erst sehr zögerlich war ist aus dem Häuschen. Bis auf den Sicherheitsaspekt war das Zip-Linen also wieder ein voller Erfolg.

Danach fahren wir mit dem Van weiter in den Mini-Ort Hidroelectrica, der eigentlich nur aus einem Wasserkraftwerk und einigen Touristenrestaurants besteht. Hier ist die Straße Richtung Machu Picchu zu Ende und man kommt nur zu Fuß weiter. Oder mit dem Zug, aber das ist erstens sehr teuer und zweitens sind wir ja zum Wandern hier. So gehen wir die nächsten Stunden an den Bahngleisen entlang durch den Dschungel. Unterwegs können wir dann auch den ersten Blick auf die Ruinen von Machu Picchu erhaschen, auf dem Berg oben sieht man die Umrisse einiger Gebäude. Das steigert die Vorfreude auf den Besuch morgen noch ein wenig.

Unterwegs an der Strecke entdecke ich in den Bäumen dann auch – nach Paulys Beschreibung – einen Andenklippenvogel, den Nationalvogel Perus. Der ist knallrot und auch nur deswegen zu sehen, weil er doch etwas versteckt im Baum sitzt. So richtig sehen wir ihn dann also doch nicht. Schade. Aber es gibt auch sonst viel Schönes zu sehen. Irgendwann legt Pauly dann mal wieder einen Stopp ein und meint wir sollen Schuhe und Socke ausziehen und unsere Füße in den Bach hier halten. Gesagt getan. Das Wasser ist eiskalt und tut nach einigen Sekunden richtig weh. Aber danach fühlen die Füße sich wieder richtig gut an und das Gehen fällt uns wieder leichter. Leider hält diese Erfrischung nicht allzu lange an und wir kommen schließlich ziemlich erschöpft in dem Örtchen Aguas Calientes an, wo wir die Nacht verbringen werden.

Bevor wir unsere Unterkunft beziehen, gibt es noch einen kleinen geschafft-Pisco-Sour für die Gruppe. Das sitzen tut gut aber danach fällt es uns um so schwerer Richtung Unterkunft zu gehen. Wir befürchten schon ein Zimmer in einer ziemlichen Absteige zu bekommen, werden aber positiv überrascht da wir in einem sehr guten Hostel untergebracht werden. So ein gutes Zimmer hatten wir schon lange nicht mehr und wir nutzen die heiße Dusche ausgiebig. Danach gibts noch das Abschiedsdinner, wieder mit einem Pisco Sour, und das Briefing für den morgigen Tag auf Machu Picchu.

Cusco

Unser Nachtbus erreicht Cusco gegen 6 Uhr morgens. Etwas verdattert tapsen wir aus dem Busterminal, wo gleich die übliche Taxi-Fahrer-Horde über uns herfällt. Auf einer Tafel im Busbahnhof stand, dass die Fahrt ins Zentrum 4 Soles kostet. Die Taxler interessiert dass aber wenig, alle verlangen 10 Soles. Schließlich einigen wir uns mit einem auf 8 Soles, was eigentlich immer noch zu viel ist. Aber zum Laufen sind wir eindeutig zu müde und von der gerade überstandenen Wanderung auch zu fertig. Kurz darauf kommen wir an der Plaza de Armas (einen Platz mit diesem Namen gibt’s hier in wirklich jeder Stadt und er ist auch immer der zentrale Platz) an und gehen die wenigen Meter zu unserem vorgebuchten Hostel „Feel at Home“. Unser Zimmer können wir zwar noch nicht beziehen, aber im Aufenthaltsbereich können wir uns einrichten. Es folgt auch gleich die erste (und nicht die letzte) positive Überraschung in diesem Hostel: wir bekommen einfach so Frühstück. Und ein sehr gutes noch dazu. Carina ist überglücklich ;-)

Tja, den restlichen Tag vertrödeln wir mehr oder weniger. Die Pause tut nach drei Tagen hiken auch gut. Lediglich zum Wäsche waschen und Mittagessen verlassen wir unsere Unterkunft. Auf einen Stadtrundgang haben wir beide nicht richtig Lust. Wäre auch gar nicht möglich, da sich Carina eine große Blase gelaufen hat, die ihr immer mehr weh tut. So verbringen wir den Tag mit Internet, Reiseplanung und Research. Dabei stellt sich heraus, dass Carlos, der Chef des Hostels, ein ehemaliger Guide von Salkantay Trekking ist. Diese Gesellschaft wurde uns auch von den Kanadiern im Colca Canyon empfohlen. So kann uns Carlos sehr viel über den Trek zu Machu Picchu erzählen, immerhin ist er ihn selber x mal gelaufen. Und da er mit dem Chef der Company immer noch befreundet ist, schlägt er uns vor, dass er diesen ja anrufen könnte, damit er vorbeikommt und uns noch genauer informiert. Das klappt dann zwar nicht, aber wir vereinbaren einen Termin für den nächsten Tag im ca. 50 Meter entfernten Office.

So sitzen wir am nächsten Vormittag also bei Salkantay Trekking und werden vom Chef höchstpersönlich über die 5-tägige Veranstaltung genauestens informiert. Hört sich alles ganz gut an und dank unserer Connection zu Carlos kriegen wir auch einen guten Preis, bzw. einige Extras gratis. Somit buchen wir unseren Trip zu Machu Picchu für übermorgen. Nachdem das geregelt ist schlendern wir ein wenig durch die Straßen und sehen uns um. Carina kann inzwischen auch wieder laufen, ihre Blase ist dank einer Salbe aus der nächsten Apotheke kein Problem mehr.

Mittags suchen wir dann ein Lokal auf, dass uns Carlos empfohlen hat und in dem wir eine peruanische Spezialität probieren wollen: Meerschweinchen. Ja, richtig gelesen, die knuddeligen fiepenen Fellbündel landen hier auf dem Teller. So bekommen wir also beide ein gebratenes Meerschweinchen serviert. Es kommt im Ganzen samt Kopf und Pfoten. Na wenigsten ist das Fell entfernt worden. Es schmeckt nicht gerade schlecht, aber auch nicht unbedingt super. Ein bisschen wie Hühnchen (jaja, alles schmeckt immer wie Huhn). Außerdem ist an so einem Meerschweinchen nicht besonders viel dran und es grenzt fast an Arbeit das Tierchen zu verspeisen. Kann man mal essen, muss man aber nicht.

Carina präsentiert ihr Cuj
Carina präsentiert ihr Cuj

Nach diesem kulinarischen Abenteuer erforschen wir die vielen kleinen Gässchen Cuscos ein wenig. Vielen der Häuser sind auf den alten Inka-Fundamenten gebaut und man sieht quasi überall die passgenauen Konstruktionen dieser alten Zivilisation. Die Mauern der Inka wurden ohne Mörtel gebaut, alle Steine wurden denen darunter angepasst und aufeinandergesetzt. So gibt es in einer der Mauern einen großen Stein, der insgesamt 12 Ecken aufweist, also sehr genau bearbeitet wurde. Ist schon sehr beeindruckend, das Ganze musste ja schließlich ohne maschinelle Hilfe erledigt werden. Steinmetzkunst höchsten Grades. Auf unserem Spaziergang kommen wir an vielen großen Kirchen vorbei, arbeiten uns durch die Markhalle und kehren letztendlich in unsere Unterkunft zurück. Wir verlassen sie nur noch mal, um auch noch die peruanische Cocktail-Spezialität Pisco Sour zu probieren. Diese schmeckt dann ausnahmsweise nicht nach Huhn, sondern eher nach Caipirinha ;-)

Am nächsten Tag wollen wir nach zwei eher faulen Tagen dann mal wieder etwas unternehmen und die Inka-Ruinen in der näheren Umgebung erforschen. So machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle, um zu den etwa 8 km entfernten Ruinen von Tambomachay zu kommen. Während der etwa 20 minütigen Fahrt referiert ein Bonbon-Verkäufer über die wundersame Wirkung seiner Ware (was ich verstehe verlängern die Guttis das Leben, verringern den Stress und sind gut fürs Herz), um diese an den Mann zu bringen. Der Typ könnte direkt aus dem Tele-Shopping entstiegen sein. Wir steigen dann jedenfalls ohne Wunder-Guttis aus dem Bus aus.

Bei den Ruinen von Tambomachay handelt es sich um ein Wasserheiligtum der Inka und eine natürliche Quelle wurde über Kanäle durch die Steinterrassen geleitet. Die Quelle plätschert auch heute noch vor sich hin und ist schön anzusehen. Neben diesem Brunnen gibt es noch so etwas wie einen alten Wachturm auf dem wir eine kleine Pause machen. Danach verlassen wir diese Anlage auch schon wieder und gehen das Stück zu der nur wenige hundert Meter entfernten Anlage Puca Pucara. Hier kann man durch die Überreste einer kleinen Festung gehen und die übrigen Mauern besichtigen. Auch das ist schön anzusehen und man hat auch einen guten Ausblick in ein unter der Festung liegendes Tal.

Ruinen von Tambomachay
Ruinen von Tambomachay

Die nächste Ruine Qenco ist dann wieder etwas weiter entfernt, also entschließen wir uns kurzerhand in einen Minivan zu springen, der Leute am Straßenrand aufsammelt. Wir dürfen neben dem Fahrer Platz nehmen und als wir uns umdrehen und einen Blick nach hinten werfen wird uns auch klar warum: der Passagierraum ist bis zum Bersten mit Leuten gefüllt, die Fahrgäste drängen sich eng an eng. Aber macht nichts, da passen schon noch Leute rein und der Fahrer nimmt jeden mit der ihm winkt. Echt verrückt, aber hier ganz normal. In Qenco angekommen können wir einen großen Felsen bestaunen in den eine Spalte hineinführt. Hier wurden wohl irgendwelche Rituale durchgeführt und Tote zu Mumien verarbeitet. Nachdem wir auch hier unsere Runde gedreht haben brechen wir Richtung Saqsayhuaman (gesprochen wie „sexy woman“) auf.

Bevor wir diese größere Anlage aber betreten machen wir noch Mittagspause. Wir kehren in einem kleinen Lokal ein. Wobei von außen nicht ersichtlich ist, dass es sich um ein Lokal handelt, lediglich die vielen Tische und Stühle drinnen deuten darauf hin. Also fragen wir die Chefin ob wir hier essen können. Sie sagt ja, also setzen wir uns an einen der Tische. Kurz darauf steht auch schon eine dampfende Suppe vor uns, ohne dass wir ein Menü bekommen hätten. Naja, wird schon passen denken wir uns und schlagen zu. Nachdem wir mit der Suppe fertig sind fragt uns die Wirtin eher im Vorbeigehen ob wir Forelle oder Fleisch wollen und ist auch schon wieder verschwunden, um die zwei gewünschten Forellen zu holen. Die kommen mit einer großen Portion Reis und Kartoffeln (wie so gut wie jedes Gericht hier), dazu gibt’s noch einen kalten Mate-Tee. Schmeckt auch ganz gut und wir sind zufrieden. Aber was das Ganze gekostet hat wissen wir nicht. So sind wir gespannt was da kommen mag, als wir die Rechnung bestellen und können es fast nicht glauben, als die Wirtin 12 Soles verlangt. Das sind umgerechnet etwa 3 Euro. So günstig haben wir seit Asien nicht mehr gegessen.

Nächstes Ziel ist also Sexy Woman. Kurz nach dem Betreten der Anlage stehen wir auch schon vor den riesigen Mauern der alten Inkafestung und sind beeindruckt. Auch hier sind die riesigen Felsblöcke präzise aufeinandergesetzt. Wie diese millimetergenaue Arbeit mit den tonnenschweren Felsen bewerkstelligt wurde kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber irgendwie hat es scheinbar funktioniert. Wir durchqueren die Anlage und gelangen zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen guten Überblick über Cusco hat. Nachdem wir einige Minuten hier verbracht haben gehen wir zurück und erforschen die Anlage. Nachdem wir die Mauern alle begutachtet haben wenden wir uns noch den Felsen gegenüber zu. Diese sehen total unnatürlich aus, fast wie ein riesiger umgefallener Tonkrug, sind aber wohl natürlichen Ursprungs und wurden von einem Gletscher geformt. Wir erklimmen die Spitze des Hügels und legen eine kleine Pause mit tollem Ausblick über die Ruinen ein. Danach rutsche ich über die abgerundeten Felsen nach unten, Carina geht lieber zu Fuß.

Hank auf der Gletscherrutsche
Hank auf der Gletscherrutsche

Wir kehren den Ruinen den Rücken zu und machen uns auf den Rückweg in die Stadt. Wir decken uns noch mit Kleinigkeiten für den anstehenden Ausflug ein und kehren dann ins Hostel zurück. Dort packen wir unsere Rucksäcke und die vom Tourveranstalter zur Verfügung gestellten Taschen (in die dürfen wir 5 kg packen und sie werden dann vom Packesel getragen). Dann gehen wir auch zeitig ins Bett, wir werden um 4 Uhr abgeholt.

Die Beritchte von Salkantay Trek und Machu Picchu findet ihr hier.

Nachdem wir nach unserer Rückkehr nach Cusco gut geschlafen haben und ebenso gut gefrühstückt haben greifen wir das heutige Tagesziel an: nichts tun! Das bekommen wir ziemlich gut hin und außer zum Essen verlassen wir das Hostel nicht. Auf dem Weg zum Restaurant schauen wir dann noch begeistert zwei Straßenkünstlern zu, die mit Spraydosen und allerlei verrückten Techniken ziemlich starke Bilder produzieren. Könnten wir die transportieren würden wir sicher eines kaufen, aber leider ist kein Platz im Rucksack. Das war dann aber auch schon das Highlight des Tages.

Am nächsten Tag sind wir auch noch etwas träge und da wir gestern so faul waren, wissen wir natürlich auch nicht was wir heute machen könnten. Wir haben zwar eine Tour im Sinn, wissen aber nicht wann die startet. Wir hoffen, man kann mittags rum aufbrechen. Also fragen wir schnell Carlos ob er weiß was Sache ist. Es ist 8:50 als er uns sagt, dass diese Tour um 9 startet. Da wir noch unser Zimmer wechseln und zum Wäscheservice müssen sind wir der Meinung das nicht zu schaffen. Aber Carlos meint das klappt schon. Unser Gepäck kann er gleich ins neue Zimmer bringen und der Wäscheservice kommt eh vorbei um seine Sachen abzuholen. Na gut, also buchen wir die Tour 5 Minuten vor deren Beginn und sitzen besagte 5 Minuten später im Minivan.

Nach einer halben Stunde Fahrt eröffnet uns unser Guide, dass wir am ersten Stopp angekommen sind, eine Handwerksvorführung der hiesigen Frauen. Carina und ich schaun uns etwas ratlos an. Sind wir schon auf der richtigen Tour? Keine Ahnung, aber jetzt können wir eh nix mehr dran ändern. Also sehen wir einer älteren Dame zu wie aus einem Lamafell Garn hergestellt wird, wie das dann mit welchen natürlichen Zutaten gefärbt wird und wie das Ergebnis zu Tischläufern etc. verarbeitet wird. Schon ganz interessant, nur kann ich nicht ganz glauben, dass das wirklich noch so praktiziert wird, wenn ich mir die riesigen Berge an gleich aussehenden Artikeln an den Souvenirständen so ansehe. Aber mei, so funktioniert halt der Tourismus, informativ wars auf jeden Fall.

Bald darauf kommen wir an einem der Ziele an, die wir sehen wollten. Ist also doch die richtige Tour. Wir besuchen die Salinas von Maras. Hier haben schon die Inkas Salz gewonnen. Aus dem Berg kommt eine kleine Quelle mit salzhaltigem Wasser. Das wird dann in einen von den hunderten kleinen Pools geleitet und wenn er voll ist in den nächsten. Die Sonne verdampft dann das Wasser und zurück bleibt das Salz. Die Anlage ist – typisch Inka – Terrassen-förmig angelegt und sieht ziemlich cool aus. Wir wandern ein Stück hinein und können uns die Pools aus der Nähe ansehen. Auf halbem Weg meint unser Guide aber wir müssten umkehren und weiter. Hmpf, was soll das denn, das ist ja fast schon japanischer-Bus-Tourist-Style: raus aus dem Bus, Foto machen und weiter. Das gefällt mir nicht! So sitzen wir wenig später wieder etwas enttäuscht im Van und fahren in Richtung der nächsten Attraktion.

Salinas de Maras
Salinas de Maras

Dabei handelt es sich wieder um ein Überbleibsel der Inka Zivilisation. Wir besuchen die Anlage von Moray. Das sind wieder Terrassen, die in Kreisform angelegt sind und nach unten immer kleiner werden. Hier wurden wohl zu Versuchszwecke verschiedene Arten von Mais und Kartoffeln angepflanzt und gezüchtet. Interessanter Anblick. Diesmal gehen wir sogar hinab in die Kreise, gehen aber nach wenigen Fotos auch schon wieder nach oben und verlassen bald darauf die Anlage. Hmgrpf!

Hanckarina in Moray
Hanckarina in Moray

So sind wir gegen 14:15 wieder zurück in Cusco. Die Ziele der Tour waren auf jeden Fall sehenswert, aber die Durchführung der Tour hat uns gar nicht gefallen. Carlos meint dann auch, dass die Tour normal bis 15 Uhr dauert und er das Unternehmen mal anrufen wird. Ob er es wirklich getan hat wissen wir nicht, hoffen es aber schon. Naja, aber zumindest haben waren wir heute wieder fleißige Touristen und nicht so faule Stubenhocker wie gestern *g* Wobei wir nachmittags auch nicht mehr viel machen, außer ein Busticket nach Ica für morgen zu buchen.

Bevor wir am nächsten Tag aufbrechen suchen wir um ca. 8 Uhr noch die Kathedrale an der Plaza de Armas auf. Normalerweise kostet der Eintritt 25 Soles, aber um diese Zeit ist der Eintritt noch kostenlos, da auch ein Gottesdienst ist. Das Bauwerk ist echt riesig und mit jeder Menge großer Bilder verziert. Wir bewegen uns leise durch die Gänge, lauschen der Orgelmusik und betrachten die Kunstwerke. Fotografieren ist aber leider verboten. Nach dieser kleinen Portion Kultur kehren wir wieder ins Hostel zurück und packen unsere sieben Sachen. Gegen Mittag verabschieden wir uns dann von Carlos und nehmen ein Taxi zur Busstation. Der Bus der Firma Cruz del Sur in dem wir 16 Stunden verbringen werden erweist sich als der Beste den wir je hatten: jeder Sitz hat einen kleinen Fernseher mit Entertainment Programm wie im Flieger. Damit kriegen wir die Zeit sicher rum.