Tongariro National Park

Den Vormittag des nächsten Tages verbringen wir wieder mal im Auto und fahren von Foxton Beach, wo wir übernachtet haben, über Whanganui, wo wir kurz anhalten zum Einkaufen und Tanken, bis nach Whakapapa Village. Das liegt im Tongariro Nationalpark und von dort aus wollen wir morgen eine Tageswanderung starten. Nein, nicht eine, sondern DIE beste Tageswanderung Neuseelands, so steht es zumindest im Reiseführer und dem Informaterial aus der Touristeninfo. Es handelt sich um die Tongariro Alpine Crossing. Sie geht durch spektakuläres vulkanisches Gebiet, wo es einen aktiven Vulkan gibt (der zuletzt 1926 ausgebrochen ist), sowie einige ältere Krater, einige Seen und Öffnungen aus den heißer Dampf aufsteigt. Nicht zu vergessen führt sie am Mount Ngauruhoe vorbei, der in den Herr der Ringe Filmen den Schicksalsberg verkörperte. Aber da die Wanderung nur bei gutem Wetter Sinn macht müssen wir uns erst mal im DOC-Büro (=Department of Conservation) nach dem Wetterbericht für morgen erkundigen und das Beste hoffen. Der sehr nette Herr hinter der Theke meint, dass es nach aktueller Lage für morgen ganz gut aussieht: vormittags ein wenig wolkig, danach klar. Allerdings um die null Grad auf dem Gipfel. Auch ansonsten versorgt er uns noch mit einige Infos. Na dann hoffen wir mal, dass der Wetterbericht hält was er verspricht, was in Neuseeland noch unwahrscheinlicher ist als daheim ;-)

Aber zuerst will der heutige Tag noch sinnvoll gestaltet werden. Auf der Fahrt hierher war es die ganze Zeit sonnig, auf den letzten 30 Kilometern wurde es dann wolkig und es regnet immer mal wieder ein wenig. Nachdem dann einige Zeit kein Wasser vom Himmel kommt entscheiden wir uns zur Einstimmung auf morgen noch eine kleine 2-Stunden-Runde zu gehen. Das Ziel sind die Taranaki Falls, die man über einen Rundweg erreichen kann. Die Wanderung ist nicht sonderlich anspruchsvoll und der Weg gut ausgebaut. Von der Strecke aus haben wir eine gute Aussicht auf den Mount Ngauruhoe und den Mount Tongariro, unserem morgigem Ziel – so das Wetter will. Ist schon ein beeindruckender Anblick. Wenn wir in die andere Richtung sehen erblicken wir den 2797 Meter hohen mit Schnee bedeckten Mount Ruapehu. Auch nicht schlecht, aber für uns sicher das falsche Ziel. Nach ca. einer dreiviertel Stunde kommen wir an den 20 m hohen Falls an und erfreuen uns an dem Anblick. Auf dem Rückweg kommen wir dann immer wieder an Stromschnellen das zugehörigen Wairere Stream vorbei. Da es inzwischen aber wieder ein wenig regnet beeilen wir uns zurück ins Camp zu kommen.

Mount Ngauruhoe
Mount Ngauruhoe

Hier verbringen wir den Abend mit Spielen und Lesen im Gemeinschaftsraum. Es ist schon ganz schön frisch draußen. Wir nehmen es als Vorgeschmack für morgen. Um genug Zeit für die Wanderung zu haben buchen wir noch den Shuttle-Bus, der uns zum Start bringt und am Ziel aufsammelt, für 7 Uhr in der Früh. Die nur wenige Kilometer lange Busfahrt kostet 35 Dollar pro Person. Das ist ganz schön happig, aber wir haben nicht wirklich eine Alternative. Also gehen wir dann recht früh ins Bett, damit wir auch ausgeruht genug sind. Das mit der Nachtruhe klappt aber nicht ganz so wie wir uns das vorstellen, wir können beide nicht richtig schlafen. Da im Reiseführer und auch in den Broschüren des DOC immer wieder darauf hingewiesen wird, dass das eine schwere Wanderung ist und das Wetter in Minuten umschlagen kann mache ich mir schon ein wenig Sorgen ob wir richtig ausgerüstet sind. Statt den angesagten 0 Grad könnten es ja auch -5 sein. Mir gehen Horrorvorstellungen von plötzlich aufziehenden Schneestürmen durch den Kopf und ich überlege wie lange man in solchen Temperaturen aushält, wie schnell kann man eigentlich erfrieren?

Irgendwann scheinen wir wohl doch eingeschlafen zu sein, denn der Wecker reißt uns um halb 6 aus den Träumen. OK, dann wollen wir mal. Wir packen uns dick ein und machen uns nach dem ausgiebigen Frühstück auf zur Bushaltestelle. Der Bus ist schon da und tatsächlich schon bis auf zwei Plätze voll besetzt. Wir steigen ein und es geht auch schon los. Auf der Fahrt müssen wir uns alle in eine Liste eintragen, damit kontrolliert werden kann, ob jeder Wanderer auch wieder vom Berg gekommen ist. Na das ist ja ermutigend. Aber der Wetterbericht sieht immer noch ganz gut aus und am Himmel sehen wir auch keine Wolke. Nach ca. 20 Minuten Fahrt sind wir am Ende der Mangatepopo Road, dem Startpunkt der Wanderung angekommen. Auf der Fahrt hierher sind uns schon einige andere Busse entgegengekommen. Auch hier stehen noch welche rum. Dementsprechend geht es hier auch zu. Vor den kleinen Klohäuschen ist eine lange Warteschlage, es wimmelt nur so von Menschen. Und als ich sehe wie einige von denen rumlaufen frage ich mich schon, ob die dieselbe Wanderung machen wollen wie wir. Einige haben kurze Hosen an, andere nur T-Shirts, wieder andere tragen Chucks und Stiefeletten anstatt von Wanderschuhen. Hm, und ich mache mir Gedanken darüber ob wir da oben erfrieren können…

OK, vielleicht wollen die ja nicht die ganze Wanderung machen, sondern nur bis zum Schicksalsberg gehen, ein Foto machen und wieder zurück. Aber wieso sind sie dann so früh da? Naja, die werden schon wissen was sie machen. Schon sind wir auf dem Wanderweg. Aber so richtig nach Wandern fühlt es sich nicht an, viel eher gehen wir in einer langen Schlange. Das nervt. Ständig wird man von langsam gehenden Gruppen aufgehalten. Wenn man dann mal vorbei ist mag man selber gar nicht mehr anhalten, um die Landschaft zu betrachten oder ein Foto zu machen, weil man dann wieder hinter denselben festhängt. Hoffentlich löst sich das noch ein wenig auf. Nach etwa einer Stunde leichtem Marschieren kommen wir an den Soda Springs an. Das sind ein paar kleine Wasserfälle, die uns aber nicht sonderlich beeindrucken und so gehen wir direkt weiter.

Hier beginnt dann das erste harte Stück der Wanderung, der Aufstieg zum Mangatepopo Sattel. Wir müssen etwa 340 Höhenmeter überwinden, es geht stetig und steil bergauf. Nach wenigen Minuten kommen wir vom Schatten in die Sonne. Die Temperatur steigt sofort merklich an und auf einmal bin ich zu dick eingepackt. Also entledige ich mich gleich mal einiger Kleidungsstücke. Auf die gleiche Idee kommen auch viele andere Wanderer und so stehen wir hier in einer großen Freiluft-Berg-Umkleide. Weiter geht es den Berg hoch. Der Ausblick ist wirklich toll, vor uns die Vulkane, hinter uns das eben durchwanderte Tal. Weit entfernt am Horizont sehen wir sogar den Mount Taranaki ein anderes sehr beliebtes Ziel für Wanderungen. Naja, vielleicht ein anderes Mal…

Nach etwa 1 ½ Stunden mit einigen kleinen Pausen kommen wir oben an. Wir suchen uns einen Platz, wo wir in Ruhe die Aussicht genießen können. Was gar nicht so einfach ist, weil sich hier wieder dutzende Leute ansammeln, die alle erst mal durchschnaufen müssen oder wollen nach dem Aufstieg. Außerdem hat man hier die Möglichkeit den Hauptweg zu verlassen und den Gipfel des Mount Ngauruhoe in Angriff zu nehmen. Für diesen Aufstieg werden ca. 3 Stunden veranschlagt. Ich muss sagen, dass mich das schon jucken würde da raufzukraxeln (von den nächtlichen Sorgen bin ich inzwischen meilenweit entfernt *g*). Leider zieht Carina nicht so recht, da sie meint die 19,4 Kilometer des Hauptwegs sind genug und wenn wir einen 3-stündigen Umweg machen wird’s zeitlich auch eng. Na gut, ich füge mich meinem Schicksal und kehre dem Schicksalsberg den Rücken.

Auf zum Mount Ngauruhoe ;-)
Auf zum Mount Ngauruhoe ;-)

Weiter geht es über den South Crater hoch auf den Red Crater. Das ist der zweite und damit auch letzte steile Aufstieg der Tour. War der erste noch harmlos und gut ausgebaut wird es hier schon ein wenig anspruchsvoller: die Felsen sind teilweise vereist und es ist ziemlich rutschig. An einer Stelle sind dann auch Stahlseile an den Felsen befestigt, an denen man sich entlanghangeln kann. Aber wir bewältigen das kritische Stück problemlos und kommen schließlich gut oben an. Hier ist ein kleines Plateau mit vielen Felsbrocken und wir suchen und zwei Sitzbrocken, um Mittagspause zu machen. Es gibt Toast, belegt mit Salami, dazu noch einen Schokoriegel. Mhm, sehr gut. Einzig störend ist der Lärmpegel hier oben. Habe ich schon erwähnt, dass viele Leute die Wanderung machen? Ist so. Also es geht wirklich gut zu. Sowas habe ich noch nicht erlebt. Das erinnert eher an eine Shopping-Mall als an einen Wanderweg im Gebirge. Aber damit müssen wir wohl leben. Außerdem ists bei dem super Wetter ja auch nicht verwunderlich, dass viele Leute die Wanderung machen. Wir vermuten, dass einige extra auf das gute Wetter gewartet haben, da die letzten Tage nicht so toll waren. Wir haben echt Glück, es ist super schön, keine Wolke trübt den Himmel und die Sonne lacht. Von den null Grad sind wir zum Glück ein Stück entfernt.

wir vorm Mount Ngauruhoe
wir vorm Mount Ngauruhoe

Nach der Essenspause haben wir noch ein kleines Stück zum höchsten Punkt der Wanderung. Erst gehen wir aber zum Red Crater am Rand des Plateaus. Der Anblick ist echt der Wahnsinn. Der Krater ist wie der Name schon sagt rot. Außen rum ist dann noch das schwarze Lavagestein. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen thront im Hintergrund der Schicksalsberg. Also das muss man echt gesehen haben! Die Auslöser der Kameras laufen heiß. Nachdem wir uns losreißen können geht es weiter bergauf. Oben angekommen stehen wir auf einmal im Nebel, überall steigt hier Dampf auf. Wow! Nachdem wir wieder klare Sicht haben bleibt uns echt die Spucke weg. War das vorhin schon grandios gehen mir jetzt schön langsam die Worte aus. Vor uns im Tal liegen die farbenprächtigen Emerald Lakes, im Hintergrund schimmert der Blue Lake, dazwischen und daneben ist eine von den Vulkanen geformte Mondlandschaft. Naja, schaut euch einfach die Bilder an.

Jetzt kommt der letzte schwierigere Teil der Wanderung, der Abstieg vom Red Crater. Der Weg besteht aus grobem schwarzem Sand mit dicken Steinbrocken dazwischen. Erschwerend hinzukommt, dass hier gerade ein übler Verkehr ist (habe ich schon erwähnt, dass viele Leute unterwegs sind?) und man gleich jemanden im Heck hängen hat, wenn man mal stehen bleibt. So ist es nicht verwunderlich, dass immer wieder Leute ausrutschen und auf dem Hintern landen. Auch Carina bleibt von dem Missgeschick nicht verschont, ich kann mich gerade noch in letzter Sekunde auf festen Steinuntergrund retten. Die Situation nervt uns dann doch ein wenig, wir würden gerne öfter stehen bleiben zum Knipsen und Genießen, wollen aber aufgrund der Menschenmassen einfach nur weg hier. So sind wir bald im Central Crater angekommen und wandern weiter.

Nachdem wir den Krater durchwandert haben kommt noch mal ein kleiner Anstieg zum Blue Lake, einem herrlich blauen großen See. Fast noch besser als der See ist der Blick zurück: links vorne die Emerald Lakes, rechts vorne schwarzes Lavagestein, in der Mitte der Red Crater und dahinter der Mount Ngauruhoe. Fantastisch! Da sich aber auch hier wieder die Menschenmassen sammeln gehen wir recht flott weiter. Nachdem wir den See umrundet haben geht es wieder an den Abstieg ins Tal. Haben wir die Wanderung bei etwa 1100 Metern begonnen und sind auf 1886 Meter aufgestiegen, so müssen wir jetzt auf etwa 750 Meter hinunter. Dabei kommen wir am Anfang des Abstiegs durch eine vulkanisch aktive Zone, neben dem Weg dampft der Te Maari vor sich hin.

Danach zieht sich der Weg sehr, die letzten 8 Kilometer ändert sich landschaftlich nicht mehr viel. Der Weg schlängelt sich ins Tal und man hat das Gefühl nicht recht vorwärts zu kommen. Wir wandern etwa zwei Stunden stetig bergab und wollen eigentlich nur noch ankommen. Die Füße werden immer schwerer und es tut sich nicht mehr viel, die Highlights liegen alle hinter uns. Dann kommt noch eine kleine Abwechslung, der Weg führt durch einen Wald. Auch hier sind wir noch mal eine dreiviertel Stunde unterwegs und fragen uns schon ob wir jemals ankommen werden. Dann endlich hören wir die Geräusche von Autos, irgendwo nicht weit vor uns muss der Parkplatz liegen. Als wir um die nächste Kurve biegen sind wir dann auch endlich da und heilfroh. Das letzte Stück war echt eher nervig als schön, aber das muss man wohl in Kauf nehmen bei dieser Wanderung.

Der Parkplatz ist auch schon gut gefüllt mit erschöpften Wanderern, alle warten auf ihre Busse. Insgesamt haben wir für die Wanderung 7 Stunden und 4 Minuten gebraucht. Zieht man die Pausen ab waren wir etwa 6 bis 6 ½ Stunden unterwegs. Damit sind wir ganz zufrieden, war ja auch kein Rennen. Nachdem wir dann vom Bus wieder zum Campingplatz gebracht worden sind, machen wir es uns wieder im Gemeinschaftsraum gemütlich und genehmigen uns das verdiente Bierchen. Heute Nacht schlafen wir ziemlich gut. ;-)