Pakse – Tree Top Explorer

Am nächsten Morgen finden wir uns mit den 3 Mädels von gestern Abend nach einer kurzen Bootsfahrt am Busbahnhof wieder. Wir wollen weiter nach Pakse. Nach der üblichen Wartezeit werden wir dann mit vielen anderen Touris zu einem Bus gelotst. Das Gepäck wird im Tetris-Stil verstaut. Jede noch so kleine Lücke wird genutzt. Als wir dann endlich im Bus sind ist der aber schon voll. Oh nein, ich sehe uns schon auf Plastik-Stühlen am Gang sitzen. Das will man uns dann aber doch nicht zumuten und schickt uns wieder aus dem Bus. Hierbei verlieren wir die anderen leider aus den Augen. So, „schnell“ das Gepäck wieder ausgepackt und ab zum Minibus der nebenan bereit steht. Das Gepäck wird hier aufs Dach geschnallt. Dann stehen wir aber wieder vor einem vollen Gefährt. Es ist nur noch ein Platz frei und wir wollen dann doch zusammen weiter fahren. Also kommt das Gepäck wieder vom Dach und wir werden zum nächsten Minivan gelotst. Die Fahrer unterhalten sich wild gestikulierend. Uns will wohl keiner mitnehmen. Nach einer gefühlten Ewigkeit voll aufgepackt in der prallen Sonne scheinen sie zu einer Einigung gekommen zu sein. Eine Laotin muss aus Minivan 1 aussteigen und wir können rein. Also hieven wir das Gepäck wieder aufs Dach und steigen endlich ein. Unser Sitzplatz: direkt in Reihe eins neben dem Fahrer. Schön, da bekommen wir wenigsten all die halsbrecherischen Überholmanöver hautnah mit…

Es geht genauso rasant los wie wir befürchtet haben. Bis zu einer Menschenansammlung am Straßenrand. Hier ist jemandem das Glück ausgegangen und ein Auto liegt mit bzw. ohne einem abgerissenen Vorderreifen auf dem Dach. Carina meint das war ein Minivan, ich denke es war ein PickUp. Keine Ahnung, auf jeden Fall war es nicht schön. Scheinbar wurde auch gerade versucht einen der unglücklichen Insassen wiederzubeleben. Schlimme Sache. Sowas will man natürlich nicht gerade sehen, wenn einem 4 Stunden in so einem Gefährt bevorstehen. Zu unserem Glück geht unserem Fahrer der Anblick auch an die Nieren und die Fahrt wird dann doch sehr ruhig. So kommen wir einige Stunden später wohl behalten in Pakse an. Auf der Suche nach einer Unterkunft treffen wir dann auch zwei der drei Mädels wieder. Die Orte sind halt doch alle sehr klein und man läuft sich immer wieder über den Weg.

Nachdem wir in ein Hostel eigecheckt und noch schnell etwas gegessen haben heißt unser Ziel dann „Green Discovery“. Das ist ein Touranbieter, der einen 3-tägigen Dschungelausflug mit Übernachtung in Baumhäusern und Zip-Lining im Angebot hat, den Tree Top Explorer. Wir lassen uns die Tour ausführlich erklären und sind dann etwas unschlüssig ob wir mitmachen sollen. Zwei Dinge stören uns etwas: erstens soll die morgige Gruppe aus 15 Leuten bestehen und zweitens können wir nur eine der Nächte im Baumhaus übernachten. Wir überlegen hin und her, als Alternative haben wir ja auch noch in etwa dasselbe Programm im Norden des Landes, die Gibbon Experience. Während wir gerade noch am Überlegen sind klingelt das Telefon und nach einem kurzen Telefonat meint unser Erklärbär, dass wir jetzt doch nur zu acht wären und beide Nächte im Baumhaus schlafen können. OK, dann sind unsere Kontras ja behoben und wir checken ein. Noch schnell am nächsten Geldautomaten 4 Millionen rausgelassen und schon sind wir an Bord ;-) Zur Erklärung: der Trip kostet p.P. 272 USD und 1 Dollar sind etwa  8000 laotische Kip.

Am nächsten Tag werden wir gegen 8 Uhr an unserem Hostel aufgesammelt und fahren zur Booking Agency. Dort treffen wir auf Licinia und Klim, ein deutsches Pärchen aus Heidelberg, das wir gestern bei der Buchung schon gesehen haben. Schnell ist der erste Kontakt hergestellt und wir gehen zusammen zum nahen Markt, um noch etwas zu frühstücken. Zeit haben wir, da sich die Abfahrt noch etwas verzögert. Unsere Wahl fällt auf Baguette und Bananen – die Magen-freundliche Variante, um „Unfälle“ im Dschungel zu vermeiden ;-)

Als wir zurück beim Office sind, sind auch schon Ralf und Fabian – 2 Berliner – und Joke und Bert – ein belgisches Pärchen – da und es kann losgehen. Die Freude währt allerdings nur kurz, nach etwa 5 Minuten halten wir an einer Werkstatt an, ein Reifen muss geflickt werden. Naja, sowas soll vorkommen, siehe unsere Namibia-Reise *g* Das bleibt aber dann die einzige Verzögerung auf unserem Weg in den Dschungel. Nach eine auf der zweiten Hälfte sehr holprigen Fahrt kommen wir in einem kleinen Dorf an, wo wir unsere Ausrüstung für die nächsten Tage bekommen: Klettergurte mit Karabinern und Zip-Line-Rollen, einen schicken orangen Helm und ganz wichtig: unsere Bremse (die im Grunde nichts weiter als eine Astgabel ist).

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So wandern wir also los Richtung unseres Dschungel-Abenteuers. Beim leichten Aufgalopp können wir noch gut nebeneinander gehen und sind schnell in eine Unterhaltung vertieft. Relativ unverhofft stehen wir dann vor unserer ersten Dschungelprüfung: wir müssen uns an einem Drahtseil über ein kleine Flussbett hangeln. Ich gehe die Sache etwas übermotiviert an und rutsche zweimal vom Seil ab. Naja, hab ich wenigstens gleich mal die Sicherung überprüft. Auf der anderen Seite ist dann Mittagspause angesagt. Einer der Guides breitet Bananenblätter am Boden aus, das ist unser Tisch. Darauf kommt eine gute Portion Reis, Trockenfleisch, Eier, Gemüse, ein gefährlich aussehender Dip und reichlich knallrote Chilis. Klim und ich greifen hungrig zu, da weist uns unser Guide Porn (ja, der heißt wirklich so!) gleich mal zurecht: erst bekommen noch die Götter ihren Anteil, dann dürfen wir essen. OK, machen wir so, wir wollen ja kein Unglück heraufbeschwören. Also wird eine kleine Portion Reis mit Fleisch auf den nächsten Ast gestellt, dann dürfen wir reinhauen. Bald sind wir alle gut satt und die Wanderung kann weitergehen.

Es wird jetzt auch etwas anspruchsvoller und felsiger, also müssen wir gleich mal unsere Helme aufsetzen. „Safety first“ sagt Porn. Nach einiger Kletterei ist es dann endlich so weit: wir stehen an der ersten Zip-Line! Wem das nichts sagt: das ist ein dickes Drahtseil, das von einer Seite einer Schlucht o.Ä. zur anderen gespannt ist (in unserem Fall meist von Baum zu Baum) und an dem man dann mit der entsprechenden Ausrüstung rüberfahren kann. Wie rutschen, nur anders. Oder wie man hier sagt: same same, but different! Porn erklärt uns sorgfältig wie wir uns an der Zip-Line einhaken müssen, welcher Karabiner wo und in welcher Reihenfolge befestigt wird, was wir bei der Fahrt beachten müssen und wie wir unsere Bremse einsetzen. Als wir uns alle gewappnet fühlen geht es dann auch gleich los, die erste Fahrt beginnt. Das war aber nur die kurze Einstiegsrunde zum warm werden. Allerdings stehen wir dann auch gleich auf einer Plattform in einem hohen Baum an einer Schlucht, die es mit der nächsten Line zu überqueren gilt. Bisschen mulmig ist mir dabei ja schon zumute. Aber auch die Fahrt ist kein Problem. So haben wir den Bogen schnell raus und können die rasanten Fahrten genießen.

Zwischen den Zip-Lines müssen wir immer wieder etwas wandern oder klettern, ein paarmal werden wir auch abgeseilt (Porn hat noch zwei Helfer dabei, die allerdings kein englisch sprechen). Was soll man sagen, das Zip-Linen macht echt riesig Spaß und wir sind alle 8 begeistert! Nach einigen Lines steht dann auch schon eines der Highlights des Ausflugs auf dem Programm: eine Zip-Line, die direkt an einem Wasserfall vorbeiführt. Porn erklärt sich bereit etwas vorauszugehen und mit einer unserer Kameras Fotos von uns vor dem Wasserfall zu machen. Super! Schade ist zwar, dass gerade nicht so viel Wasser da ist, aber spektakulär ist es trotzdem (die Fotos werden wir hoffentlich bald nachreichen können, die wurden mit der Kamera von Fabian gemacht). Nach zwei weiteren Fahrten kommen wir dann schließlich an unserem Basislager an. Im Haupthaus gibt es eine Feuerstelle (nachts wird es ziemlich frisch hier), eine Küche und mehrere Tische und Sitzgelegenheiten. Von der Terrasse aus hat man einen super Ausblick auf den Wasserfall.

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Und da wir noch etwas Zeit bis zum Abendessen haben machen wir uns gleich mal auf den Weg zu selbigen. So stehen wir wenig später am Fuß des Wasserfalls. Hier ist es sehr felsig und man kann super rumkraxeln. Mache der Felsen haben Kleintransporter-Größe. Als wir es bis zum Wasser geschafft haben, baden wir ein wenig im eiskalten Wasser. Wenn man mal drin ist, ist es sogar ganz angenehm und sehr erfrischend ;-)

Den restlichen Abend verbringen wir nach dem Essen mit einer anderen Gruppe (5 Leute auf 2-Tagesausflug) am Lagerfeuer, bevor wir gegen 9 in unsere Baumhäuser zippen. Jetzt gehen hier im wahrsten Sinne des Wortes die Lichter aus, da der Stromgenerator abgestellt wird.

Am nächsten Morgen werden wir von den Guides in unseren Baumhäusern zum Frühstück abgeholt. Es gibt ein Omelett, Baguette und Bananen. Fast wie gestern ;-) Nachdem sich alle gestärkt haben geht es auch schon wieder los in den Dschungel. Die nächsten zwei Stunden verbringen wir mit wandern und – na klar – ziplinen! Heute stehen auch mit 450 und 440 Metern die zwei längsten Lines auf dem Programm. Die beiden sind echt gigantisch. Man fährt fast eine Minute über den Canyon und hat eine super Aussicht. Wir alle würden die Lines am liebsten mehrfach machen. Porn lässt sich aber nicht erweichen. Naja, da müsste er wohl mit jeder Gruppe alles mehrfach machen…

Nach einem felsigen Abstieg kommen wir im Flussbett des Wasserfalls an. Da gerade Trockenzeit ist kann man hier super baden und in den vielen Kaskaden herumtollen. Wir haben hier auch um die 2 Stunden Zeit uns auszutoben, zu baden und zu relaxen. Bevor es weiter geht wird noch das Mittagessen serviert, wie gestern auf einem Bananenblatt-Tisch um den wir uns gruppieren. Wieder steht Reis ganz oben auf dem Speiseplan. Wir schlagen alle hungrig zu und verputzen unsere Mahlzeit. Leider haben wir dabei nicht bedacht, dass wir das zusätzliche Gewicht dann auch die Schlucht hinauf schleppen müssen… So quälen wir uns nach dem Essen also mit schwerem Magen bergauf. Aber wenigstens lohnt sich die Quälerei: schon bald sausen wir wieder an den Kabeln über Abgründe. Dann kommt ein trauriger Augenblick, Porn erklärt uns, dass jetzt die letzte Zipline nicht nur für heute, sondern auch für den Ausflug ansteht. Das gefällt uns gar nicht. Sehr schade, die Fahrten haben echt riesig Spaß gemacht. Etwas enttäuscht kommen wir dann auch wieder im Basecamp an. Naja, zumindest in unsere Baumhäuser können wir ja noch fahren.

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Davor machen wir uns aber wieder zum Wasserfall auf. Wie gestern klettern wir über die Felsen, erfrischen uns im Wasser und warten den Sonnenuntergang ab ehe wir ins Lager zurückkehren. Dort treffen wir dann auch die neue 3-Tages-Gruppe. Aber die sind uns gegenüber von Anfang an ablehnend und sehr komisch. Sie setzen sich auch gleich mal ins ganz andere Eck von uns und zeigen ziemlich deutlich, dass sie unter sich bleiben wollen. Sehr komisch. Naja, kann uns ja egal sein. Als sie später dann aber spitz kriegen, dass unsere 8er-Gruppe auf 4 2er Baumhäuser verteilt ist und ihre 8er Gruppe auf 2 4er sind sie richtig beleidigt, quengeln herum und beschweren sich bei den Guides. Naja, wären sie netter gewesen wären wir da sicher auch Kompromiss-bereit gewesen, aber so, ne! *g* Das Lagerfeuer haben wir dann auch ganz für uns allein, da der eingeschnappte Kindergarten ziemlich schnell in Richtung der Baumhäuser verschwindet. Wir schnappen noch auf, dass wir von ihnen direkt mit „Feind“ bezeichnet werden. Soso, interessant. Kurz überlegen wir, ob wir nachts in ihre Baumhäuser zippen sollen, um sie zu überfallen, verwerfen das dann aber doch, um eine Eskalation zu vermeiden (schade im Nachhinein, das wär sicher witzig geworden).

Das Klima am Frühstückstisch bleibt dann auch frostig, beide Gruppen sitzen streng voneinander getrennt. Gestern waren wir mit der anderen Gruppe noch wild durcheinandergewürfelt. So bleibt uns zumindest die Gewissheit, dass wir hier nicht die Unsympathen sind. Nach den Bananen mit Baguette (schon wieder…) geht es den Berg hinauf zum Vormittagsprogramm: nach einem gut halb-stündigen Aufstieg werden wir von einer mittleren Stufe das Wasserfalls an einem schrägen Stahlseil zum Basecamp abgeseilt. Das dauert natürlich ein wenig und während Bert abgeseilt wird überlegen wir anderen, ob wir nicht über das Flussbett klettern könnten, da auf der anderen Seite eine Zip-Line hier herüber ist. Aber vermutlich wäre Porn da nicht so begeistert, also lassen wir es dann doch lieber und genießen einfach die Aussicht beim Warten.

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Als ich dann schließlich als letzter an der Reihe bin, wird mir schon etwas mulmig. Der Moment in dem man rückwärts über die Kante klettern und loslassen muss hat es doch in sich wenn man so was noch nie gemacht hat. Aber die Überwindung lohnt sich dann doch und wenig später schwebe ich über dem Abgrund und fahre langsam nach unten. Die ganze Aktion hat incl. Wanderung etwa zwei Stunden gedauert und danach ist das Vormittagsprogramm auch schon wieder abgeschlossen. Zu unserer Überraschung gibt es dann auch gleich Mittagessen. Eigentlich sind wir ja noch vom Frühstück voll. Aber zumindest gibt es Nudeln statt Reis. Eine willkommene Abwechslung. Nach dem Essen entdecken wir eine Pringles-Packung bei den Sachen der Anderen und sind schwer in Versuchung sie leerzuessen und einen Zettel „Der Feind war da“ hineinzustecken. Aber auch das lassen wir dann bleiben. Wir sind ja schließlich die Guten ;-)

Nun heißt es den Rückweg Richtung Zivilisation anzutreten. Dazu müssen wir erneut den Berg hinauf. Nur diesmal mit Gepäck und auch noch etwas weiter hoch. Irgendwann stehen wir dann vor einer steilen Felswand. Hier steht die letzte Herausforderung auf dem Programm: wir müssen einen Klettersteig ca. 30 Meter hoch kraxeln. Das ist ganz schön anstrengend und hat es in sich. An einigen Stellen muss man schon gut schauen wie man weiterkommt. Auch die schwitzigen Hände machen das Unternehmen nicht einfacher. Nicht zu vergessen der Rucksack hinten drauf. OK, aber letztendlich ist es dann doch gut zu meistern und wir kommen ohne größere Probleme oben an. Krass ist, dass hinter uns ein kleiner Junge, der auch im Basecamp war, komplett ungesichert hochklettert. Ein falscher Tritt und der Bursche ist weg! Von wegen „safety first“…

Oben wandern wir dann noch mal ein kleines Stück bergauf und kommen schließlich auf einem Felsplateau an, von dem man noch einmal eine super Aussicht hat. Ein letztes Mal lassen wir die Szenerie auf uns wirken, ehe es endgültig zurück zum Dorf geht. Der letzte Teil der Strecke ist ein leicht zu bewältigender Wanderweg und so können wir uns wieder auf unsere Gespräche anstatt den Untergrund konzentrieren. Einige Stunden später kommen wir dann wieder am Ausgangspunkt unseres Abenteuers an, dem Green Discovery Büro in Pakse. Wir machen noch ein gemeinsames Abendessen aus und suchen uns dann eine neue Bleibe. Die ist auch schnell gefunden und wir sind sehr froh um die verfügbare warme Dusche! Zum Essen treffen wir uns dann im indischen Lokal Nazim. Da wir aber alle doch etwas geschlaucht sind von den letzten Tagen löst sich die Runde nach dem guten Essen relativ bald mit herzlichen Verabschiedungen auf. Natürlich nicht ohne vorher noch die Mail-Adressen ausgetauscht zu haben.

Der nächste Tag verläuft relativ ereignislos. Wir überlegen zwar, ob wir uns einen Roller ausleihen sollen, um das nahe Bolaven-Plateau genauer zu erkunden, kommen aber zu der Entscheidung, dass wir lieber gleich weiter Richtung Vientiane fahren. Zwar gäbe es unterwegs auch noch die Möglichkeit eine riesige Höhle anzusehen, aber im Moment sind wir einfach ein wenig ausgepowert und motivationslos. So buchen wir einen Sleeper-Bus in den Norden und verbringen den Tag mit lesen, schreiben oder einfach nichts tun.