Nong Khiao

Inzwischen geht es uns beiden doch schon um einiges besser, so dass wir die Weiterreise in den Norden antreten können. Wir wollen über Nong Khiao, ein kleines Dorf, das angeblich ganz toll sein soll, bis zur Grenze in Houay Xay nach Thailand fahren, ohne wieder umkehren zu müssen.

Von Luang Prabang fährt man rund 4 Stunden über die Serpentinenstraßen bis Nong Khiao. Allerdings ist das wieder ein ziemliches Chaos. Wir haben ein Ticket für den Minivan gebucht und uns dabei genau informiert, ob auch wirklich nicht mehr Tickets verkauft werden, als Sitze im Minivan vorhanden sind. Nein, auf keinen Fall – lautet die Antwort. Und was passiert? Natürlich ist der Minivan schon voll als wir am Busbahnhof ankommen und wir sollen noch mitfahren. Die bereits im Minivan befindlichen Insassen beschweren sich lauthals, dass hier keiner mehr rein kann. Nachdem wir bereits ein bisschen abgehärtet sind, was das angeht, ist es uns relativ egal, ob wir uns wieder zu viert in eine Reihe quetschen müssen oder nicht. Ende vom Lied: wir müssen wieder aussteigen und in einen anderen Minivan umsteigen, der noch leer ist. Natürlich fährt der nicht los, ehe er nicht auch voll ist. Das bedeutet für uns, dass wir wieder eine Stunde warten, bis wir endlich weiterfahren. Die Fahrt ist relativ unspektakulär und wir kommen gegen Mittag in Nong Khiao an.

Blick von der Brücke
Blick von der Brücke

Von dort aus marschieren wir erstmal in die City und suchen uns eine Unterkunft. Es dauert zum Glück nicht lange, bis wir einen netten kleinen Bungalow gefunden haben, in den wir uns einnisten. Jetzt heißt es erstmal Essen fassen und die Aktivitäten hier abchecken.

Die Ausflugspreise sind ganz schön gesalzen, so dass uns irgendwie die Freude vergeht. Glücklicherweise treffen wir auf 3 Engländer, die ein Volontariat in Nong Khiao bei einem Tourenveranstalter machen und uns ein bisschen von der Gegend erzählen können. Wir entschließen uns am Ende dazu, Nong Khiao auf eigene Faust mit einem Fahrrad zu erkunden und anschließend mit einem Reifen den Fluss entlang zu tuben – soweit der Plan!

Den restlichen Tag verbringen wir mit Billard, Spielen und lesen.

Am nächsten Morgen geht’s nach dem Frühstück planmäßig zum Fahrradverleih. 10 Kilometer sind es bis zu netten Wasserfällen, die Straße ist asphaltiert und es ist noch nicht ganz so heiß. Wir entscheiden uns daher, auf Mountainbikes zu verzichten und die billige Variante zu nehmen. Dies stellt sich allerdings schnell als relativ dumme Entscheidung heraus. Wie soll man auch darauf kommen, dass es in dieser von Karstbergen umgebenen Gegend vielleicht hügelige Straßen geben könnte? Klingt komisch – ist aber so. Die Straßen sind ein einziges Auf und Ab. Wir müssen uns richtig quälen um voran zu kommen. Mein Fahrrad ist auch noch kaputt, sobald es bergauf geht kann ich 3x treten und dann geht’s einmal leer durch. Furchtbar – ich ertappe mich dabei, wild zu fluchen, aber es hilft wohl in dem Moment alles nichts. Wir sind ja nur froh, dass die angeblichen 10 Kilometer nur eine ziemlich schlechte Schätzung waren. Mehr als 4 Kilometer waren es wahrscheinlich nicht, bis wir vor „Wasserfällen“ stehen.

Die Bezeichnung Wasserfall ist allerdings eine rechte Übertreibung, aber für eine Erfrischung gefällt es uns hier trotzdem sehr gut. Es dauert auch nicht lange, bis wir von einer Horde einheimischer Kids umzingelt sind, die mit uns schwimmen und planschen wollen. Echt witzig. Sie tollen wild umher, hüpfen ins Wasser und versuchen, sich mit uns mithilfe von Händen und Füßen zu verständigen. Wir kommen uns vor, als wenn wir hier eine Art Attraktion wären. Es werden immer mehr Kids und die Stimmung wird immer ausgelassener. Sie singen für uns, tanzen und lassen uns an ihrem Alltag teilhaben. Wir empfinden die Stimmung hier wirklich sehr schön, ganz einfach deshalb, weil sie authentisch ist. Die Kinder singen und tanzen nicht, weil ihnen das aufgetragen wurde und sie Almosen erhaschen sollen, sondern weil es ihnen einfach Spaß macht. So soll es sein!

Carina beim Planschen mit den Local Kids
Carina beim Planschen mit den Local Kids

Irgendwann können wir uns aber dann doch losreißen und wir quälen uns die hügelige Strecke zurück in die Stadt. Das geht zum Glück ein wenig schneller. Wir steuern ein nettes kleines Lokal am Fluss an und gönnen uns erstmal eine Mittagspause.

Auf einmal weht ein verdächtiges Windlein, als wenn jetzt dann bald Regen einsetzen würde. Die Sonnenschirme werden auch schon eingeklappt. Es wird doch jetzt keinen Schauer geben, immerhin wollen wir jetzt tuben? Und tatsächlich – wir kommen gerade bei unserem Bungalow an, da gibt es urplötzlich einen heftigen Platzregen. Der dauert zwar nur ca. 10 Minuten, aber der hat´s in sich. Die ersten Regentropfen, die wir auf unserer Reise abbekommen! Aber der Regen fühlt sich richtig gut an, die Luft ist gleich viel besser als noch davor, aber unsere Tubingpläne können wir vorerst canceln.

Nachdem der Regen abgeklungen ist, bleibt uns eigentlich nicht viel übrig, als uns einen gemütlichen Ort zum relaxen zu suchen. Dabei entdecken wir zufällig, dass es eine direkte Busverbindung bis Houay Xay gibt. Optimal, wir buchen gleich für den nächsten Tag ein Ticket für den Nightbus, nachdem wir bereits bei unserer Ankunft hier nicht gewusst haben, wie genau wir eigentlich weiterkommen. Problem gelöst!

Der nächste Tag verläuft auch nicht so ganz nach unserem Plan. Unser geplantes Tubing-Vormittagsprogramm müssen wir auch wieder streichen, weil es zunächst noch ziemlich kalt ist und wir bereits um 11 Uhr aus unserer Unterkunft auschecken müssen. Das bedeutet, dass wir unsere Wertsachen in der Zwischenzeit nirgends lagern können und das wiederum ist uns dann das Tubing auch nicht wert.

Ende vom Lied: wir verbringen den ganzen Tag in dem Lokal am Fluß, da es neben Hängematten, einem Billardtisch und einigen Spielen auch gutes und billiges Essen gibt. Unsere Kip-Kalkulation geht leider ziemlich genau hin, so dass wir froh sind, für umgerechnet etwa 1,50 EUR ein leckeres Pad Thai zu bekommen, sonst könnten wir uns heute nicht einmal etwas zu essen leisten.

Gegen 18 Uhr machen wir uns dann auf, da wir bald mit dem Minivan abgeholt und zur Bushaltestelle ins ca. 1 Stunde entfernt liegende Pak Mong gebracht werden. Hier halten die aus Luang Prabang kommenden Busse und wir können zusteigen. In Pak Mong müssen wir allerdings erstmal rund eine Stunde warten, bis der Bus endlich kommt.

Wie sich schließlich herausstellt haben wir einen VIP-Bus gebucht, der ausschließlich von Locals genutzt wird. Wir haben ja bislang schon einige Busabenteuer in Asien erlebt, aber wenn ich vorher gewusst hätte, auf was wir uns hier eingelassen haben, dann wäre ich wahrscheinlich nicht eingestiegen.

die Bestuhlung unseres Busses
die Bestuhlung unseres Busses

Insgesamt haben wir eine 12-stündige Fahrt in einem bis auf den letzten Platz vollen, überaus eng bestuhlten und vor allem alten Bus vor uns. Beim Einsteigen werden wir gleich von einer Duftwolke eingehüllt, die mir meinen gesamten Mageninhalt bitter aufsteigen lässt. Nicht, dass ich mich vor fremden Menschen ekeln würde, aber das ständige Gerotze, die Spuckerei und Husterei aus allen Ecken zusammen mit den unangenehmen Gerüche fordern mir allergrößte Selbstbeherrschung ab. Ich bin nur froh, dass ich mein Fenster ein wenig aufmachen kann, so dass ich zwischendurch immer wieder eine Brise Frischluft einfangen kann. Als wenn das nicht genug wäre, kommt erschwerend hinzu, dass es hier im Bus so eng ist, dass sogar ICH mit meiner Kampfgröße von Sage und Schreibe 1,58 m Platzprobleme habe und mit meinen Knien am Vordersitz angehe… Soviel zur Situation im Bus. Die Straßenbedingungen auf diesem Streckenabschnitt sind dann nochmal ein Kapitel für sich: Asphaltiert ist gar nichts, es ist kurvig, eng und unerwartet viel Verkehr. Als wir urplötzlich stehenbleiben und nichts mehr weitergeht befürchte ich schon das Schlimmste: wir sind hier mitten im Nirgendwo im Sand steckengeblieben und kommen nicht mehr weiter. Wie sich herausstellt, bekommt der Fahrer keinen Gang mehr rein, so dass er nicht losfahren kann. Es braucht einige Anläufe, ehe er wieder anfahren kann und wir unseren Höllenritt fortsetzen können. Von Schlaf kann auf dieser Nachtbusfahrt gar keine Rede sein. Die Minuten vergehen wie Stunden und ich hab das Gefühl wir kommen nie an. In Luang Namtha steigt dann wenigstens ein Großteil der Fahrgäste aus, so dass wir auf die letzten 4 Stunden etwas mehr Platz finden. Gegen 7:30 Uhr am Morgen kommen wir dann endlich völlig fertig, aber auch erleichtert in Houay Xay an.

Glücklicherweise finden wir einen netten Tuktuk-Fahrer, der uns für unsere letzten 13.000 Kip (ca. 1,30 EUR) bis zur thailändischen Grenze fährt. Geschafft!!!