Titicacasee – Isla del Sol

So, nach einem Erholungstag kann der nächste Tag wieder aktiver gestaltet werden. Wir nehmen um 10 Uhr Vormittag ein Boot (für das wir mal wieder viel zu viel bezahlt haben) und fahren zur Isla del Sol. Dabei handelt es sich um den legendären Ort, an dem die Inka erschaffen worden sein sollen und der Mythologie zufolge außerdem den Geburtsort der Sonne.

Als Tourist hat man verschiedene Möglichkeiten die Insel zu erkunden, etwa mit Tagesausflügen oder eben so wie wir es machen, gleich mit Übernachtung und dann direkt die Insel erkunden. So fahren wir vollbepackt mit unseren Backpacks ca. 1 ½ Stunden über den Titicacasee, bis wir schließlich am Südende der Insel ankommen. Der erste Eindruck: das ist aber eine hügelige Insel! Eine steile Treppe führt eine gefühlte Ewigkeit bergauf, bis man endlich zu den ersten Unterkünften kommt. Soviel ist klar, diese Treppe ist mit den 20 Kilo-Rucksäcken und bei der Höhenluft wirklich eine Tortur! Langsam, Schritt für Schritt kämpfen wir uns nach oben und entscheiden uns, eine der ersten Unterkunftsmöglichkeiten zu nehmen.

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Das stellt sich auch als gute Entscheidung heraus, denn der Ausblick von unserer Terrasse und auch von unserem Zimmer aus, ist einfach gigantisch.

Schnell einchecken, Rucksäcke abliefern, Essen fassen und dann kann die Inselerkundung losgehen. Wir wandern heute erstmal zu den Inkaruinen im Süden der Insel und heben uns den Norden für den nächsten Tag auf. Gut, große Ruinen sind das im Süden nicht gerade, aber die Landschaft ist einfach wunderschön! Wir haben eher das Gefühl, dass wir uns irgendwo auf Kreta befinden, anstatt mitten in den Anden in Bolivien. Herrlich!

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Da die Insel wie bereits erwähnt, sehr hügelig ist, schlängeln sich an uns immer wieder vollbepackte Esel vorbei, die allerhand Lebensnotwendiges für die Inselbewohner hinauftragen. Ich bin ein wenig geschockt, als ich ein kleines Kind (das war maximal 6 Jahre alt) vollbeladen bergauf marschieren sehe. In Deutschland würde eher das Kind bergauf getragen werden, aber hier müssen die Kleinen schon ran, um als Transportmittel zu funktionieren. Aber irgendwie wundert es mich auch nicht, immerhin habe ich die Tage einen Bericht gelesen, dass die bolivianische Regierung Kinderarbeit ab 10 Jahren erlaubt hat. Echt traurig! Die Kinder gehören in die Schule und nirgends anders hin…

Aber das sind wohl so Probleme, denen man sich bewusst sein muss, wenn man in ärmere Länder reist und es wird wohl leider auch so schnell nicht zu ändern sein. Dennoch hat Bolivien landschaftlich und auch kulinarisch wirklich viel zu bieten, vielleicht kehrt hier ja doch irgendwann mal ein bisschen mehr Tourismus ein…

Bevor die Sonne untergeht kehren wir wieder zu unserer Unterkunft zurück und können vom Bett aus ein Farbenspiel betrachten, auch wenn wir uns auf der Ostseite der Insel befinden.

Nach einer etwas unruhigen Nacht werden wir von den ersten Sonnenstrahlen des Tages geweckt, die unmittelbar durch unser Fenster fallen. Herrlich! So steht es sich doch gleich viel leichter auf! Wir stärken uns an einem reichhaltigen Frühstück, wobei leider ein kleiner Junge wieder als Lieferservice den Berg auf und ab laufen muss, da der Eier-Vorrat aus ist. Ich hab fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen, beim Verzehren meiner Rühreier, aber beim Bestellen wussten wir nicht, dass Eier erst geliefert werden müssen.

Nach dem Frühstück wird es auch ziemlich schnell erstmals seit Langem wieder wärmer. T-Shirt-Wetter ist heute angesagt. Juppiie! Gegen 10 Uhr nehmen wir ein Boot in den Norden der Insel. Selbstverständlich zahlen wir auch hier wieder erheblich mehr als alle anderen, aber was soll man machen? Die Bootsfahrt dauert etwa 35 Minuten und dann befinden wir uns auch schon am Startpunkt unserer heutigen Tageswanderung.

Beim Verlassen des Bootes will man uns noch eine Tour aufschwatzen, aber wir wollen die Insel lieber auf eigene Faust erkunden. So kaufen wir uns zwei Eintrittskarten wir den nördlichen Inselteil und schon geht’s los. Kurzer Marsch durch ein minikleines und unspektakuläres Museum und dann geht’s mal wieder bergauf. Die Landschaft hier ist der Wahnsinn und wir bedauern fast ein bisschen, dass wir unsere Unterkunft nicht hier gebucht haben. Wunderschöner Sandstrand vor riesigen Felswänden und dazu tiefblaues Wasser. Herrlich!

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Der Weg führt uns zunächst an der Küste entlang, stetig ein bisschen bergauf, bis wir nach rund 45 Minuten die ersten Spuren der Inkas entdecken. Unglücklicherweise haben wir die ersten beiden existierenden Orte verpasst, weil wir so auf unseren Marsch konzentriert waren. Gut, verglichen mit dem was wir uns von Macchu Picchu erwarten ist das natürlich Kindergarten, aber wir wollen uns ja langsam steigern, so besichtigen wir auch diese Ruinen neugierig und mit großem Interesse. Leider trifft kurz nach uns eine größere Reisegruppe ein, so dass wir nachdem wir uns ausgetobt haben, relativ schnell das Weite suchen.

Der Weg führt noch weiter auf einen Berg, der dort in einer Sackgasse endet. Wir entscheiden uns dennoch, diesen Anstieg auch noch zu bewältigen und werden mit einer traumhaften Aussicht belohnt. Vor allem auf die Ruinen hat man einen wundervollen Blick. Der Abstieg gestaltet sich als ein wenig „tricky“, weil man durch das staubige Geröll oftmals ins Rutschen kommt und wir uns beide mehrmals gerade noch auf unseren Beinen halten können. Zum Glück kommen wir unten aber unversehrt an und können unsere eigentliche Wanderung beginnen. Nämlich die Inselüberquerung. Wir wollen vom Norden aus bis zu unserer Unterkunft im Süden zurückwandern. Die Strecke beträgt laut unseren Informationen ca. 12 Kilometer und soll sehr schön sein.

Na, dann wollen wir mal! Selbstverständlich geht es zunächst erstmal wieder nur bergauf. Habe ich schon mal gesagt, dass das Bergaufwandern bei diesen Höhenmetern wirklich kein Zuckerschlecken ist? Ich glaube schon, aber ich möchte es an dieser Stelle nochmals ausdrücklich betonen! Ich bin ziemlich froh, dass der Weg sich immer wieder mit geraden Abschnitten, Bergabstücken und dann wieder aufwärts wandern abwechselt. Dennoch ist es ziemlich anstrengend – die wunderschöne Landschaft entschädigt aber für die Mühen, das muss ich an dieser Stelle auch nochmal besonders hervorheben. Ich will ja nicht, dass jemand denkt, ich würde hier jetzt nur meckern. Nein, die Wanderung ist wirklich sehr schön und ich bin froh, dass wir uns dafür entschieden haben!

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Bedauerlicherweise sucht mich nur schön langsam ein ziemliches Hungergefühl auf und es gibt weit und breit nichts, wo man einkehren könnte. Aus unseren letzten Traubenzuckervorräten schöpfe ich schließlich die notwendige Kraft, um auch die letzten Anstiege erfolgreich zu meistern.  Gegen halb 4 erreichen wir endlich unser Dörfchen und somit auch eine Vielzahl von Restaurants. Hui, jetzt bin ich glücklich. Hank hingegen ist mit andern Problemen beschäftigt: trotz dicker Schicht Sonnencreme und einem großen Sonnenschutz hat er offensichtlich einen Sonnenstich abbekommen. Na hoffentlich ist es nicht schlimmer! Sein Appetit ist jedenfalls nicht davon betroffen, er stürzt sich genauso enthusiastisch auf seinen Burger wie ich auf meinen übergroßen Teller Spaghetti Bolognese.

Nach unserer Stärkung gibt es nur noch eins, worauf wir uns mehr freuen: nämlich endlich mal wieder eine warme Dusche, nachdem die letzten jeweils kalt waren! Wir müssen uns hierfür allerdings beeilen, da es nur tagsüber warmes Wasser gibt und die Sonne schon ziemlich tief steht.

Danach fühlen wir uns pudelwohl. Zwar ein wenig erschöpft, aber dennoch pudelwohl. Die Wanderung war sehr schön, die Insel selbst ist herrlich und der Ausflug hierher hat sich wirklich sehr gelohnt! Definitiv zu empfehlen!

Titicacasee – Copacabana

Nachdem etwas unglücklichen Flugchaos und der Ratlosigkeit ist klar, dass eine alternative Busfahrt nach Rurrenabaque für uns nicht infrage kommt. Wir sind zwar vielleicht ein bisschen durchgeknallt, aber ganz sicher nicht lebensmüde. So schreiben wir den Dschungel endgültig ab und entscheiden uns kurzerhand direkt weiter zum Lago Titicaca zu fahren, der ohnehin noch auf unserem Bolivien-Plan gestanden ist. Wir erkundigen uns, wo der Bus abfährt und springen dann in das nächste Taxi, da wir nicht wirklich scharf drauf sind zwölf Blocks vollbepackt bergauf zu laufen. Wahrscheinlich hätten wir zwar zu Fuß auch nicht länger gebraucht, weil der Verkehr wirklich ziemlich crazy ist und unser Taxi den Anschein erweckt, jeden Augenblick auseinander zu fallen, aber wir sind dennoch froh, dass wir gefahren werden. Wir sind nach unserer Ausrauberfahrung jetzt auch ein bisschen vorsichtiger mit unseren Habseligkeiten geworden. Am Busbahnhof wird uns dann gleich mitgeteilt, dass der Bus nach Copacabana (nein, nicht Rio de Janeiro – das kleine Copacabana am Lago Titicaca) in 5 Minuten abfährt. Na wunderbar – schnell ein Ticket gekauft, Empanadas mitgenommen und dann sitzen wir schon in einem einigermaßen komfortablen Bus.

Nach rund zwei Stunden müssen wir dann aus dem Bus aussteigen. Wir sind ein wenig irritiert, da die Busfahrt mit rund 3 ½ Stunden angesetzt war, aber nachdem alle rausspringen, folgen wir der Menschenmenge. Was dann kommt, haben wir so auch noch nicht erlebt. Es gilt, einen Teil des Sees zu überqueren, da es keinen Landweg gibt. Die Passagiere werden dazu alle in ein kleines Boot verfrachtet (für das man natürlich zahlen muss) und der Bus mitsamt unseren großen Rucksäcken fährt extra. Aber das Gefährt, auf dem der Bus fährt, das ist das eigentlich Interessante. Ich würde es als großes Holzfloß beschreiben, dass den Bus und noch einen Minivan tragen kann. Von weitem schaut es so aus, als wenn der Bus über den See schwimmen würde. Echt witzig.

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Die Überfahrt dauert für den Bus ca. 20 Minuten und dann dürfen wir alle wieder einsteigen und die letzte Stunde bis Copacabana in gewohnter Manier zurücklegen.

Gegen 16 Uhr kommen wir schließlich in dem ruhigen Nest am See an und suchen uns eine Unterkunft. Glücklicherweise ist das hier nicht so schwer, da es ein relativ touristischer Ort ist und es reichlich Optionen gibt.

So machen wir uns dann noch auf den Weg, um den Ort auszukundschaften und erstmal was zu Essen zu finden. Spezialität am Titicacasee ist Troucha (Forelle) in allen Formen und wie wir schnell feststellen, definitiv zurecht!

Wir schauen dann noch an den See und genießen die herrliche Landschaft. Da wir heute Morgen allerdings zu menschenunwürdiger Uhrzeit aufgestanden sind, bin ich doch relativ geschlaucht und froh, mich anschließend im Zimmer verkriechen zu können. Hank hingegen zieht es nach Einbruch der Dunkelheit nochmal hinaus und er wird Zeuge eines typischen Rituals. Sämtliche neuen Fahrzeuge müssen, bevor sie auf die Straße gelassen werden, geweiht werden und so berichtet er von einer großen Prozession, die sich am Marktplatz abspielt. Ich kann mich leider nicht mehr aufraffen.

Den nächsten Tag wollen wir ein bisschen ruhiger angehen lassen und nur das Örtchen erkunden und am Nachmittag Fußball schauen. Viel gibt es hier nicht zu sehen, es ist in erster Linie ein Ort zum Chillen und relaxen.

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Unglücklicherweise befindet sich der Ort direkt neben einem Aussichtshügel und Hank ist natürlich höchstmotiviert da hoch zu laufen. Ich hingegen hab so gar keine Lust schon wieder einen Berg hinauf zu rennen, da mich die Höhenluft ganz schön schlaucht. Kaum geht man drei Meter bergauf hat man einen Puls von 180, das ist echt krass. Der Titicacasee ist der höchstgelegene schiffbare See der Welt und liegt auf ca. 3.800 m über dem Meeresspiegel. Trotz meiner fehlenden Motivation kämpfe ich mich dennoch auf den Hügel hinauf. Die Aussicht oben ist schon wirklich wunderschön, aber wie schon gesagt, um da erstmal hinzukommen, muss man sich wirklich quälen. Es geht eigentlich nur ca. 1 Kilometer bergauf, aber es fühlt sich an, wie eine Alpenüberquerung. ;-)

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Wir bleiben dann auch eine ganze Weile auf dem höchsten Punkt, unterhalten uns mit einem netten Bolivianer auf Spanisch, Englisch und Deutsch und genießen die Sonnenstrahlen. Im Nachhinein bin ich doch froh, dass wir rauf gewandert sind, aber ich brauche glaube ich jetzt echt mal einen Tag Auszeit, ich bin wirklich erschöpft und fühle mich etwas ausgelaugt.

Wieder unten angekommen legen wir eine Mittagspause ein und genehmigen uns wieder die leckere Titicacasee-Forelle. Einfach köstlich!

Pünktlich zum Anstoß fürs Halbfinale gegen Brasilien finden wir uns vor einer Großleinwand ein und sind verwundert, dass wir erstmals Fußball schauen können und die Mehrheit der Zuschauer für Deutschland ist. Dementsprechend ausgelassen ist die Stimmung natürlich bei dem Schützenfest. :-)

Schließlich ist es den darauffolgenden Tag dann tatsächlich soweit und wir machen wirklich mal gar nichts. Den Vormittag versanteln wir im Schlafanzug und den Nachmittag opfern wir für die Holländer gegen die Argentinier. Und, ich muss gestehen, ich bin unendlich froh, um diesen Nichtsmachtag! Der war sowas von notwendig!

Death Road

Unser Tag startet recht früh, wir müssen um 10 vor 7 beim xTreme Downhill Office sein. So bleibt leider keine Zeit fürs Frühstück aber zumindest ist unser Hostel nur 5 Minuten entfernt. So sitzen wir also um 7 mit einigen anderen Touris in einem Minivan und harren der Dinge die da kommen werden. Nachdem wir in der Stadt noch an verschiedenen Hostels Halt gemacht haben, um weitere Mountainbiker einzusammeln, fahren wir etwa eine Stunde lang aus der Stadt hinaus, zum Startpunkt fürs Radeln. Dort angekommen schmeißen wir uns in unsere Ausrüstung und bekommen noch eine kurze Einweisung. Nach einer Eingewöhnungsrunde auf dem Rad am Parkplatz und einem Gruppenfoto geht es dann auch schon los.

Bereit für die Death Road
Bereit für die Death Road

Der erste Abschnitt besteht aus 22 km bergab auf einer asphaltierten Straße. Kein Problem sollte man meinen. Als wir jedoch gerade losstarten kommt auch von oben eine kleine Gruppe Radler herangedüst. Naja, der nächste von denen ist noch weit genug entfernt, also folge ich unserer Gruppe. Kurz nachdem ich auf der Straße bin höre ich es hinter mir auch schon scheppern. Oh nein, Carina ist hinter mir! Ich drehe mich also um und schaue was passiert ist, aber Carina sitzt zum Glück noch im Sattel. Dafür purzelt einer der anderen Gruppe im Graben herum. Also Graben ist gut gesagt, nennen wir es lieber Abhang. Wobei es hier nicht gleich neben der Straße steil nach unten geht, sondern erst nach 2 3 Metern. Warum es den anderen hingehaun hat können wir beide nicht so recht sagen, wir haben darauf geachtet ihn nicht zu schneiden und es war noch ein genügend großer Abstand. Hm, vielleicht hat ihn das Starten unserer Gruppe so erschreckt, dass er sich verbremst hat oder so. Wir werden es wohl nie erfahren.

Gut, dann sind wir also fast ohne Zwischenfälle auf der Piste und schießen bergab. Nachdem der Guide ganz vorne anfangs noch langsam fährt zieht er das Tempo bald an. Da ich immer mal wieder einen Fotostopp einlege ist die Führungsgruppe bald außer Sicht. Aber hinter mir müssen auch noch irgendwo die langsameren Fahrer sein. Die Straße führt in ein Tal, das auch Nebeltal genannt wird. Und an einer der Kurven mit guter Aussicht wird auch schnell klar warum: unten im Tal hängt eine dichte Suppe. Sieht aber echt super aus wie der Nebel die Berge hoch kriecht. Tolle Landschaft. Die Fahrt an sich ist eigentlich gar kein Problem bis auf die Kälte. Vor allem in die Finger friert es uns schon bald sehr, trotz der Schutzhandschuhe die wir tragen. Aber da müssen wir jetzt durch.

Nebeltal
Nebeltal

Die Abfahrt dauert mit 2 oder 3 Gruppen-Sammel-Stopps etwa 40 Minuten und endet auf einem kleinen Parkplatz, wo auch schon das Frühstück aufgebaut ist. Es handelt sich zwar nur um ein Tischchen mit einer Tüte Semmeln, Marmelade aus dem Beutel, Butter und Tee und Kaffee, aber wir sind sehr froh um die Stärkung und vor allem die warmen Becher an denen wir die Hände aufwärmen können. Nachdem alle Semmeln vertilgt sind steigen wir wieder in den Minivan (unsere Räder kommen aufs Dach) und fahren das nächste Stück. Hier geht es wieder bergauf und das würde wohl zu lang dauern bis sich da alle raufgequält haben. Und außerdem sind wir ja zum Spaß hier und nicht zur körperlichen Ertüchtigung ;-)

Nächster Halt ist dann der Beginn der berühmt berüchtigten Death Road. Bevor es losgeht gibt es wieder einige Erklärungen zur Sicherheit. Wichtigster Punkt: wer bergab unterwegs ist hat sich auf der linken Seite zu halten. Das ist unglücklicherweise die direkt am Abgrund. Aber dafür ist die Fahrspur auf der linken Seite auch besser in Schuss, extra für die Radler. Immer wieder schärft uns unser Guide ein, dass die Sache hier nicht ungefährlich ist und wir unsere volle Konzentration auf die Straße und nicht etwa die Landschaft richten sollen. Bei dieser Abfahrt kommen jährlich durchschnittlich 4 Leute ums Leben. Dieses Jahr hat es schon 2 erwischt. Na dann passen wir mal auf, dass wir heute den Jahresschnitt nicht erfüllen…

Wir vor der Death Road!
Wir vor der Death Road!

Nachdem alle aufgesessen sind greifen wir dann auch endlich die 33 Kilometer lange Strecke an. Der erste Teil hat es echt in sich, neben der Straße geht es meistens einfach direkt nach unten. Als ob das nicht schon genug Nervenkitzel wäre macht mein Bike auf einmal auch noch komische Geräusche. Hört sich fast so an, als wäre eine Speiche gebrochen und fällt jetzt hin und her. Das verunsichert mich dann doch sehr und ich bin eher langsam unterwegs. Dieses verfluchte Klicken macht mich echt irre. Ich halte immer wieder an und untersuche die Reifen, kann aber nichts feststellen. Was das Gefühl aber nicht besser macht. Oh Mann, das kann ja heiter werden. Bei einem weiteren Kontroll-Stopp stelle ich dann fest, dass das Geräusch von meiner Kette kommt, die vorne immer mal wieder gegen einen Schutz am Pedal schlägt. OK, das ist zwar auch nicht unbedingt optimal, aber immer noch besser, als wenn sich mein Reifen in seine Einzelteile auflösen würde. Dann kann ich ja jetzt Gas geben ;-)

Leider sind Carina und ich inzwischen etwas von der vorderen Gruppe abgeschlagen. Unter anderem auch, weil wir einmal in einer kleinen Bucht anhalten müssen, um einen entgegenkommenden LKW vorbei zu lassen. So verpassen wir das Gruppenfoto in einer Kurve, wo es einfach senkrecht nach unten geht. Schade. Kurz danach legen wir eine kleine Pause ein. Die holprige Fahrt geht doch etwas auf die Arme und es tut gut die etwas ausschütteln und entspannen zu können. Bei der Gelegenheit gibt es dann auch noch einen kleinen Snack. Inzwischen ist es auch richtig warm geworden und wir schwitzen ganz schön in unseren Klamotten. Aber das ist uns dann doch lieber als ohne die Sachen zu fahren und bei einem eventuellen Sturz Arme und Beine total aufzuschürfen. Weiter geht es. Inzwischen haben wir den gefährlichsten Teil der Strecke auch hinter uns gelassen. Die Straße ist jetzt etwas breiter und es ist nicht ständig ein Abgrund neben uns.

Alles in allem brauchen wir für die 33 Kilometer etwa 2 ¼ Stunden, inklusive 2 etwas längeren Pausen und diversen Foto-Stopps. Unterwegs müssen wir einmal durch eine Art Wasserfall fahren (Sprüh- bis Nieselregen) und fetzen zweimal durch kleine Bäche die die Straße kreuzen. Ansonsten geht es fast ständig bergab und es macht richtig Spaß über kleine Hügel zu springen oder um eine Kurve zu düsen. Nur zwei oder drei Mal müssen wir ein ebenes Stück Strecke überwinden und selbst in die Pedale treten. Dabei kommen wir aber gut ins Schwitzen und sehnen schnell wieder eine abschüssige Strecke herbei.

Carina (rechts) in Action
Carina (rechts) in Action

Nachdem alle heil am Ziel angekommen sind haben wir etwa eine Stunde Zeit uns im strahlenden Sonnenschein zu entspannen. Danach geht es weiter zu einem kleinen Hotel im Dschungel, wo wir ein reichliches und gutes Mittagessen bekommen. Außerdem können wir hier duschen und uns den Staub der Straße abwaschen. Hier gibt es auch einen Pool, den wir nutzen können, nur leider ist der so versteckt, dass wir ihn zu spät finden. Naja, lassen wir halt die Beine in das kühle Nass baumeln und genießen weiterhin die Sonne oder beobachten die vielen bunten Schmetterlinge hier. Nach etwa 1 ½ Stunden heißt es dann wieder ab in den Minivan, wir fahren zurück nach La Paz. Zum Glück müssen wir mit dem Van nicht die mit dem Rad zurückgelegt Strecke fahren, sondern können eine neue asphaltierte Straße fahren. Aber auch so dauert die Fahrt 3 Stunden.

Insgesamt hat uns der Ausflug echt Spaß gemacht und wir würden es sicher wieder machen. Ob die Tour aber für jemanden zu empfehlen ist, der noch nie länger mit dem Bike unterwegs war würde ich jetzt mal bezweifeln. Aber probiert es doch einfach selber aus! ;-)

La Paz

Wir erreichen La Paz am frühen Vormittag und staunen schon bei der Einfahrt in diese Großstadt über sie. Die Straße führt uns an der oberen Kante eines Talkessels entlang und an den steilen Hängen unter uns drängen sich die vielen vielen Häuser. Das sieht echt verrückt aus, so eine Stadt haben wir noch nie gesehen. Wenig später erreichen wir dann den Busbahnhof und nehmen uns das nächste Taxi zu unserer Unterkunft. Für einen normalen Bus sind wir noch etwas zu verunsichert nach dem gestrigen Schock. Zum Glück können wir unsere neue Bleibe gleich beziehen und uns ein wenig ausruhen.

La Paz
La Paz

Gegen Mittag ziehen wir bewaffnet mit einem Stadtplan los, um die nähere Umgebung in Augenschein zu nehmen. Vom Hostel aus gehen wir gleich mal ein Stück bergauf und kämpfen uns durch die verschiedensten Straßenstände. Der Gehsteig wir hier fast überall in eine Einkaufsstraße umfunktioniert und man muss sich zwischen den Ständen hindurchschlängeln und immer mal wieder auf die Straße ausweichen, auf der der Verkehr nicht minder chaotisch ist. Bald kommen wir in die Sagarnaga Straße, in der sich eine Travel-Agency neben der nächsten befindet und wir holen erste Infos ein über die Tourangebote rund um La Paz. Wir haben 3 Ziele vor Augen: wir wollen die Ruinen von Tiwanaku besichtigen, die legendäre Death Road mit dem Mountainbike bezwingen und Rurrenabaque reisen, um dort eine Amazonas-Tour zu machen.

Nachdem wir einige Infos eingeholt haben, führt uns unser Weg weiter zur San Francisco Church, dem Mercada Lanza über den Plaza Murillo zu einem riesigen Park und wieder zurück zum Hostel. Es gefällt uns das bunte Treiben in den Straßen zu beobachten, aber auch die Gebäude sind gut anzusehen. Der erste Eindruck der Stadt ist auf jeden Fall positiv. Im Hostel beschäftigen wir uns dann mit der Planung der nächsten Tage, was gar nicht so leicht ist. Neben unseren touristischen Aktivitäten will ja auch noch die WM mit eingeplant werden ;-)

Plaza Murillo
Plaza Murillo

Am nächsten Morgen brechen wir wieder auf und verlassen das Hostel in eine andere Richtung. Unser Ziel sind die Telefericos, das ist eine Gondelbahn vom Talkessel hinauf aufs Alto (spanisch für hoch), so heißt die Gegend der Stadt. So schlagen wir uns wieder durch das bunte Treiben am Gehsteig bzw. Markt und kommen so auch fast ohne Umweg am gewünschten Ziel an. Die Gondelbahn ist erst wenige Monate alt und wirkt irgendwie doch fehl am Platz. Aber sie ist natürlich für die Einwohner super, um schnell von oben nach unten oder umgekehrt zu kommen. So kaufen wir uns Hin- und Rückfahrt Tickets für insgesamt 12 Bolivian und sitzen wenig später in der Gondel.

Zuerst geht die Fahrt relativ flach dahin, bis wir über den Friedhof der Stadt schweben. Hier ist eine Zwischenstation an der man auch aus- und einsteigen kann. Aber wir wollen natürlich ganz hinauf. Also setzen wir die Fahrt fort und überqueren auch den letzten Teil des riesigen Friedhofs. Dieser ist in kleine Straßen unterteilt und die Begräbnisstätten für die Urnen (vermuten wir zumindest, da Särge dort drin kaum Platz haben) sehen aus wie kleine Wohnblocks. Ein sehr bizarrer Anblick. Nachdem der Friedhof hinter uns liegt, geht es dann steil bergauf. Die Aussicht ist recht gut und im Hintergrund der Stadt sieht man den über 6000 Meter aufragenden schneebedeckten Berg Illimani. Unter uns wird der Hang immer steiler, was die La Pazianer aber nicht daran hindert hier immer noch Häuser zu bauen. Auch das letzte Fleckchen vor einem Steilhang wird genutzt und so geht der Hang nicht selten direkt in eine Hauswand über. Die obersten Häuser sind dann auch nur noch über Treppen zu Fuß erreichbar, Straßen für Autos gibt’s keine mehr.

La Paz
La Paz

Oben angekommen sind wir dann aber etwas enttäuscht, weil es bei der Gondelbahn keinen Aussichtspunkt gibt, von dem man die Stadt überblicken könnte. Vermutlich wird man in der Zukunft mal aufs Dach der Station können, aber die Bauarbeiten sind noch nicht abgeschlossen und so treten wir nach einigen Minuten schon wieder die Rückfahrt ins Tal an. Wieder unten angekommen machen wir uns nach dem Mittagessen auf dem Weg zu Xtreme Downhill, einem Anbieter für die Death Road, der uns von Leen und Stefaan empfohlen wurde. Dort angekommen buchen wir den Ausflug für den nächsten Tag und probieren auch gleich die Ausstattung an. Wir bekommen Hose, Jacke und Handschuhe aus Sicherheitsmaterial, sowie Knie- und Ellbogenschoner und natürlich einen Helm. Als alles passt werden die Sachen mit unseren Namen beschriftet und für morgen beiseitegelegt. Danach machen wir bei der sehr netten aber auch etwas verplanten Dame von Godbless Tours auch gleich noch den Ausflug nach Tiwanaku für übermorgen klar.

Bleibt nur noch den Trip nach Rurrenabaque klar zu machen, aber vorher schauen wir uns natürlich noch das WM-Viertelfinale gegen Frankreich an. Wir freuen uns zwar über das Ergebnis, haben jetzt aber auch das Problem das Halbfinale mit einzuplanen. Na gut, das sollte schon klappen. Nach langem Überlegen und Recherchen im Internet haben wir uns dazu entschlossen nach Rurrenabaque zu fliegen und nicht mit dem Bus zu fahren. Das ist zwar deutlich teurer, aber dafür auch sicherer (hoffen wir zumindest). Im Internet haben wir viele Horror-Storys über die Busfahrt gelesen, die laut Plan 18 Stunden dauert, aber nicht selten 30 Stunden in Anspruch nimmt. Grund dafür sind die sehr schlechten Straßenverhältnisse und Pannen mit dem Bus. Tja, und dann kommt es scheinbar auch noch vor, dass ein Bus gar nicht ankommt, sondern im Abgrund endet und so wollen wir unsere Reise sicher nicht abschließen!

Nächstes Problem ist die Auswahl des Touranbieters für einen Ausflug in den Dschungel. Hier gibt es auch zig verschiedene und die Qualität soll sehr schwanken. Nach langem Hin und Her entscheiden wir uns auch hier für eine teurere Variante. Anstatt einer der Standard 3-Tages-Touren, die man an jeder Ecken für um die 500 bis 700 Bolivian angeboten bekommt wollen wir mit Madidi Travel ins Serere Reservat. Das ist ein Projekt, bei dem alle Gewinne dem Natur- und Artenschutz sowie der indigenen Bevölkerung die dort auch arbeitet zugutekommen. Über dieses Projekt hat auch schon der National Geographic groß berichtet und so schenken wir den Aussagen Glauben. Der Preis ist mit 550 Bolivian pro Tag pro Person nicht ohne, aber wenn das Geld wirklich gut verwendet wird, können wir damit leben. Und es ist eben auch ein etwas spezielleres Erlebnis. Vermutlich. Hoffen wir zumindest ;-)

Also buchen wir unseren Hinflug für Montag um 7 Uhr morgens mit einer kleinen Militär-Airline und machen eine Reservierung für einen 3-tägigen Aufenthalt in Serere. Dann heißt es auch schon wieder ins Bett gehen, morgen müssen wir früh raus und top fit sein, die Death Road ist angesagt.

Den Bericht zur Death Road gibt es hier.

Den nächsten Tag lassen wir es dann wieder etwas ruhiger angehen und verbringen ihn mit Sightseeing. Wir haben eine Tour nach Tiwanaku gebucht, der bedeutendsten archäologischen Stätte Boliviens. Über das Volk Tiwanakus ist zwar relativ wenig bekannt, aber es muss wohl von ca. 900 v.Chr. bis 1200 n.Chr. die Gegend hier beherrscht und besiedelt haben. Also sitzen wir am frühen Morgen wieder Mal in einem Minivan und tingeln durch die Stadt, um alle Sitzplätze voll zu bekommen. An einem Hostel treffen wir dann wieder auf eine alte Bekannte: Marie, mit der wir auch schon in der Salar de Uyuni waren. Sehr witzig, so kreuzen sich die Wege von Reisenden doch oft immer wieder und wir verbringen den Großteil der Fahrt damit uns gegenseitig zu erzählen was wir in der Zwischenzeit getrieben haben.

Nach etwa 1 ½ Stunden kommen wir an der Ausgrabungsstätte an und beginnen unsere Runde durch die Anlage. Unsere Guidin erklärt uns immer wieder einige Fundstücke. Die Anlage ist zwar nicht besonders groß, aber mir gefällt sie eigentlich schon ganz gut. Was mir allerdings nicht gefällt ist das Tempo, welches unsere Führerin anschlägt: kaum hat sie an einem Punkt ihre Erklärungen abgeschlossen und uns 2 Minuten Zeit für Fotos gegeben, wieselt sie auch schon weiter. So richtig umschauen kann man sich da nicht. Aber da mir das am meisten Spaß macht bleibe ich eben etwas zurück und schaue mich lieber selber um. Mit dabei bei den Nachzüglern ist auch noch Marie und ein Amerikaner namens Jeff. Der erklärt uns dann auch, dass das was die Guidin erzählt teilweise falsch ist. Er hat Archäologie studiert (Schwerpunkt Südamerika und Maya) und ist jetzt Professor in dem Fach. Na dann ists ja auch nicht so schlimm, wenn ich ihre Ausführungen nicht höre ;-)

Die Ausgrabungen und Restaurierungen an der Anlage sind noch lange nicht abgeschlossen, und so liegt der Großteil der Hauptpyramide noch unter dem Erdreich begraben. Aber es gibt auch sonst noch genug zu bestaunen, es gibt ein steinernes Portal, Sonnentor genannt, mit allerlei Verzierungen, sowie zwei große stehende Steinfiguren. Und noch einen etwas tiefer gelegenen Tempel mit allerlei Steinköpfen in den Mauern. Einer davon stellt angeblich einen Asiaten dar, einer anderer sieht aus wie ein typisches Hollywood Alien, weshalb Erich von Däniken auch behauptete die hiesige Kultur hatte Kontakt mit Außerirdischen oder stammte sogar von ihnen ab. Was seiner Meinung auch die erstaunlich präzise Bearbeitung von den Steinen hier erklärt. Ahja, alles klar.

Sonnentor Tiwanaku
Sonnentor Tiwanaku

Nach ziemlich genau einer Stunde und 20 Minuten verlassen wir dann das Gelände wieder und begeben uns ins nahegelegene Museum, wo wir allerlei Skulpturen, Krüge und Werkzeuge bestaunen können. Nachdem wir in einem anderen Gebäude noch einen 8 Meter hohen Monolithen besichtigen fahren wir noch zu einer weiteren Ausgrabungsstätte. Dort bleiben wir aber nicht mal 20 Minuten, dann müssen wir auch schon weiter zum Mittagessen. Dort haben wir wunderlicher Weise genug Zeit, um nach dem Essen auch noch einen Tee zu trinken, den wir natürlich extra zahlen müssen. Ich muss sagen ich hätte gern aufs Essen verzichtet und dafür mehr Zeit in den Anlagen gehabt, aber so funktionieren diese Touren leider nicht. Naja, zumindest macht es Spaß sich während dem Essen mit den anderen Tour-Teilnehmern auszutauschen.

Wieder zurück in La Paz machen wir nicht mehr viel. Da wir ja morgen in der Früh unseren Flug nach Rurrenabaque haben und zwischen halb 6 und 6 abgeholt werden, packen wir schon mal all unsere Habseligkeiten in die Rucksäcke. Während Carina dann noch am Computer arbeitet entschließe ich mich mal wieder einen Friseur aufzusuchen. Ein wenig unsicher bin ich zwar schon, ob ich erklären kann was ich möchte, aber das muss ich halt probieren. Nachdem der erste Laden um die Ecke schon zu hat sehe ich in einiger Entfernung ein leuchtendes Peloqueria (=Friseur) Schild. Ich eile hin, nur um festzustellen, dass alle Stühle besetzt sind. Da hier aber immer gleich ganze Straßenzüge mit den gleichen Typen von Geschäften voll sind, sind es nur wenige Meter zum nächsten Friseur. Da hier scheinbar jeder am Sonntagabend zum Friseur geht braucht es ein paar Läden bis ich einen Platz finde. Der Friseur versteht meine Wünsche dann auch und macht sich ans Werk. Ich muss sagen, so gründlich wurden mir noch nie die Haare geschnitten. Nachdem der Haaransatz mit der Maschine geschnitten wurde, zückt der Meister auch noch ein Rasiermesser und geht die Kanten alle ganz genau nach. Ich hoffe er versteht sein Handwerk und folge dem Messer im Spiegel mit bangen Blicken. Aber alles geht gut und so habe ich bald darauf einen neuen Kurzhaarschnitt für den Dschungel ;-)

Am nächsten Morgen werden wir pünktlich um halb 6 abgeholt und fahren im Minivan mit einigen anderen zum Militär-Flughafen. Dort angekommen müssen wir aber im Van warten. Und warten. Und warten. Irgendwann wird uns mitgeteilt, dass unsere Maschine gecancelt wurde. Sie scheint wohl kaputt zu sein. Aber kein Problem, fahren wir halt weiter zum normalen Flughafen, dort kann uns eine andere Fluggesellschaft mitnehmen. Nach kurzer Fahrt kommen wir an, dürfen aber wieder nicht aussteigen. Also warten wir wieder. Und warten. Und warten. Schließlich erfahren wir, dass auch diese Maschine gecancelt wurde. Wieso wird uns nicht gesagt. Heute können wir auf jeden Fall nicht mehr fliegen und wir fahren zurück zum Hostel. So eine verdammte Sch…! Wir haben keinen blassen Schimmer wie es jetzt weitergeht, die Informationspolitik hier im Van ist nicht gerade gut. Also fragen wir nach was jetzt passiert, ob wir vielleicht doch später oder morgen fliegen können. Die Antwort darauf gefällt uns gar nicht: nein, können wir nicht. Wir kriegen unser Geld zurück und fertig. Na super. Zum Glück haben wir unsere Tour noch nicht fest gebucht und bezahlt!

Als wir am Hostel ankommen meint die Dame, die mit dabei war, wir bekommen unser Geld dann von der Travel-Agency wo wir das Ticket gebucht haben. Hmja, so leicht wollen wir uns aber nicht abspeisen lassen und sagen wir hätten das Geld lieber gleich. Sie hat grad nicht so viel dabei, kommt aber in einer halben Stunde wieder sagt sie. Na gut, was sollen wir denn auch machen, festhalten können wir sie ja schlecht. Also kehren wir erst mal zurück ins Hostel und können so zumindest noch unser Frühstück nachholen. Nach einer halben Stunde kommt natürlich niemand mit unserem Geld. Auch nicht nach einer dreiviertelten und einer ganzen. Und die Agency wo wir gebucht haben hat noch zu. Super! Unsere Rezeptionistin ruft dann mal bei der Telefonnummer auf unserem Ticket an und erklärt die Lage. Sie bekommt die Auskunft, dass in 20 Minuten jemand mit dem Geld kommt. Also warten wir mal wieder. 20 Minuten. 40 Minuten. 60 Minuten. Nichts.

Wir sind schön langsam echt genervt und befürchten unser Geld nicht mehr zu bekommen. Beim nächsten Anruf heißt es dann wir sollen in die Travel-Agency gehen. Ich will gerade los, da kommt die Dame von selbiger auch gerade zur Tür herein. Aber nicht weil sie geschickt wurde, sie wollte nur nachfragen ob alles gut gegangen ist. Ist es ganz offensichtlich nicht. Dann bricht das Chaos aus. Die Travel-Dame sagt sie war gestern hier und hätte uns eine Nachricht hinterlassen, dass der Flug später geht. Ausgerichtet wurde uns das nicht. Die Chefin vom Hostel ist inzwischen auch da und meint sie wären nicht verantwortlich dafür, dass Nachrichten übermittelt werden. Wir stehen zwischen den Fronten und sind uns nicht sicher ob wir jetzt den richtigen Flug verpasst haben und die Gelackmeierten sind. Und da die Laune eh schon lange am Boden ist streiten wir eifrig auf Spanisch und Englisch mit.

Irgendwann kommt dann auch der Chef des Hostels dazu und beruhigt die Gemüter (die Travel-Dame und die Chefin waren kurz davor sich an die Gurgel zu gehen). Er ruft erst mal bei der Airline an und erfährt, dass alle Flüge aller Airlines für heute gestrichen sind. Also haben wir den Flug nicht verpasst und bekommen unser Geld zurück. Wenigstens etwas. Das klappt dann auch. Jetzt haben wir jedoch das Problem, dass wir nicht wissen was wir als nächstes machen sollen. Und die Enttäuschung nicht in den Dschungel zu kommen, sitzt tief. Also müssen wir uns erst einmal neu sammeln und entscheiden was wir als nächstes machen.

Sucre

Von Potosi aus machen wir uns auf den Weg nach Sucre. Laut Verfassung ist Sucre die Hauptstadt von Bolivien, der Regierungssitz hingegen befindet sich in La Paz. Zusammen mit Leen und Stefaan aus Belgien fahren wir mit einem Stadtbus zum Busbahnhof. Wir sind ein wenig irritiert, weil die Fahrt eine gefühlte Ewigkeit dauert, aber kurz bevor der Bus abfährt kommen wir dann doch noch an. Schnell die Tickets gekauft, sitzen wir wenig später in einem – naja, es ist ein Bus, oder so was ähnliches. Die Fahrt dauert insgesamt rund 4 Stunden und führt durch Berg und Tal. Wenigstens haben wir eine schöne Aussicht, so dass die Fahrt ziemlich zügig vergeht. Gegen halb 2 kommen wir schließlich in Sucre an und können im Busbahnhof noch die zweite Halbzeit von Holland gegen Chile anschauen. Da wir fest mit einer Verlängerung rechnen, springen wir kurz vor Abpfiff in den nächsten Stadtbus und suchen eine holländische Kneipe auf. Dort erfahren wir dann, dass Holland die Entscheidung doch noch in der regulären Spielzeit erzielen konnte und ärgern uns ein bisschen, dass wir nicht noch fünf Minuten gewartet haben.

In der holländischen Bar „Joyride“ (es sollte noch unsere Stammkneipe in Sucre werden) gönnen wir uns zu viert eine gigantische Portion Fajitas und es schmeckt hervorragend! Vor allem die Guacamole ist Weltklasse! Also merken, wer nach Sucre kommt, unbedingt das Joyride aufsuchen!

Anschließend suchen wir uns eine Bleibe für die nächsten Tage und marschieren noch ein wenig durch die Gässchen von Sucre.

In dieser Nacht habe ich wieder sehr schlecht geschlafen, weil es ziemlich kalt war. Schön langsam nervt mich die Kälte und die fehlenden Heizungen ein bisschen. Hiermit erkläre ich offiziell, dass ich mich nicht mehr über die Winter in Deutschland beschweren werde, immerhin kann man daheim immer einfach die Heizung aufdrehen und man muss nicht mehr frieren. Nicht aber hier in Bolivien. Auch beim Frühstück im Innenhof ist es zapfig kalt und ich bin unendlich froh, als Hank die Dachterrasse erblickt und wir unser etwas mau ausfallendes Frühstück wenigstens in der Sonne zu uns nehmen können.

Danach erklimmen wir erstmal einen Aussichtspunkt der Stadt. Durch das stetige bergaufmarschieren wird uns ziemlich schnell gut warm. Glücklicherweise ist der Weg lohnenswert und der Mirador bietet einen herrlichen Blick auf die doch ziemlich überschaubare Hauptstadt. Einzig ein einzelner verirrter Skyscraper passt nicht so ganz ins Bild.

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Wir genießen ein wenig die Idylle, bis schließlich unsere beiden belgischen Freunde zufälligerweise auch noch dazu kommen. Scheint wohl ein typischer Touristenplatz zu sein. An einem angrenzenden Markt kaufen wir uns noch bolivianische Armbänder – die einzigen Souvenirs, die wir bislang auf unserer Reise gekauft haben: Armbänder aus sämtlichen Ländern. Viele Länder dürfen es nicht mehr werden, sonst kommen wir als Wolfgang Petry-Doubles zurück nach Deutschland!

Die hiesigen Museen lassen wir ausfallen, da ich mich selten so richtig zu einem Museumsbesuch aufraffen kann. Stattdessen schlendern wir weiter durch die Gässchen der Stadt und kommen dabei wieder an sämtlichen Kirchen und kolonialen Gebäuden vorbei. Wir schlendern durch den Markt, kaufen leckeren frisch gepressten Orangensaft, den es hier an allen Ecken für fast geschenkt gibt, als wir auf einmal wieder auf Marie treffen. Lustig, wie klein die Welt doch ist.  Nach einem netten Ratsch verabschieden wir uns und legen zentralen Marktplatz dann eine längere Pause ein und gönnen uns ein Mittagessen auf einer Sonnenterrasse. Ich wähle ein typisch bolivianisches Gericht, das aus Rindfleisch, Hühnchenfleisch, Wurst, Pommes frites, Zwiebeln, Paprika und einer Schaschliksoße besteht. Es schmeckt wirklich sehr lecker, nur wer diese Portion vertilgen soll, ist mir ein Rätsel. Ich bin komplett vollgemampft und mein Teller sieht aus, als wenn ich noch nicht mal angefangen hätte…

Anschließend treffen wir uns mit Leen und Stefaan wieder im Joyride, wo wir gemeinsam die Partie Deutschland gegen Algerien anschauen wollen. Passend zum Deutschlandspiel bestelle ich mir ein heimisches Erdinger Weißbier oder zwei oder drei…

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Nach dem Spiel wechseln wir die Kneipe und ich bin fast ein wenig enttäuscht, dass wir Mädels uns nicht durchsetzen können und der Abend nicht in einer Karaokebar endet…

Überraschenderweise ist mein Magen und auch mein Kopf am nächsten Morgen in einem einigermaßen guten Zustand, nur meine Unternehmungslust hält sich ein wenig in Grenzen. Nach langem Hin und Her können wir uns aufraffen und wir marschieren zum Friedhof. Auch dieser Weg geht wieder bergauf und es wird uns dabei gut warm. Unglücklicherweise stehen wir mal wieder vor verschlossenen Toren. Ab 14 Uhr können wir wieder kommen.

Fast schon gezwungenermaßen gehen wir dann zum Joyride und schauen Fußball und essen zu Mittag. Es dauert nicht lange, bis auch Leen und Stefaan uns Gesellschaft leisten. Es ist wirklich schade, dass wir uns nun von den beiden verabschieden müssen, denn wir hatten viel Spaß zusammen. Für die beiden geht es heute weiter nach Santa Cruz, was nicht wirklich auf unserem Weg liegt.

Am späteren Nachmittag starten wir dann nochmal einen Versuch und kehren zurück zum Friedhof. Erfreulicherweise haben wir diesmal mehr Glück und die Tore sind geöffnet. Schon irgendwie beeindruckend aber auch beängstigend, wie die Friedhöfe hier aufgebaut sind. Hier gibt es wirklich massenweise Gräber und teilweise klettern die Angehörigen mit Leitern zu den Ruhestätten ihrer Verstorbenen. Uns scheint es, als ob der Friedhof nach einem bestimmten System unterteilt wäre. Es gibt eine „Abteilung“ in der nur Kindergräber sind. Das schockiert uns schon ziemlich und gibt uns zu denken. Die Kindersterblichkeit bis zum 5. Lebensjahr ist in Bolivien aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung sehr hoch. Vor allem Lungenentzündung oder Durchfallerkrankungen führen häufig zum Tode.

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Nachdem wir diese Information verdaut haben, machen wir uns wieder auf den Weg zurück ins Stadtzentrum. Wir wollen für den nächsten Tag noch einen Ausflug buchen. Leider sind die Optionen, die sich uns bieten allesamt relativ teuer und ein Pärchen, das den gleichen Ausflug machen wollte und uns somit die Möglichkeit eingeräumt hätte, günstiger wegzukommen, springt kurzfristig ab. Na toll und jetzt? Am Ende entscheiden wir uns, morgen auf eigene Faust die Stadt mit einem Bus zu verlassen.

Dieser Plan stellt sich am nächsten Tag aber als gar nicht so leicht realisierbar heraus. Wir irren eine gefühlte Ewigkeit umher, bis wir endlich den richtigen Bus finden. Und bis wir endlich aus der Stadt rauskommen, vergeht eine weitere Ewigkeit. Etwa 2 Stunden nachdem wir unser Hostel verlassen haben, erreichen wir den ca. 7 Kilometer entfernten Dinosaurier-Park. Hier wurden echte Spuren von Dinosaurier gefunden und der Park hat sich daher recht interessant angehört. Unglücklicherweise schaut die Realität aber etwas anders aus. Der Park ist eigentlich nur was für kleine Kinder, denn es gibt ein paar Nachbildungen von Dinos und das wars dann auch schon. Zu den Fußspuren kommt man nur mit einem Guide und die Tour ist erst in einer Stunde. Wir sind ziemlich enttäuscht und kehren dann schließlich wieder zurück in die Stadt. Im Nachhinein sind wir allerdings sehr froh, dass wir keine teure Fahrradtour hierher gebucht haben, denn das hätte sich nicht wirklich gelohnt.

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Zurück in der Stadt landen wir dann wieder beim Joyride. Meine heutige Wahl fällt auf Rinderfiletmedallions und ich muss sagen, die waren phänomenal! Very recommendable!! Bei diesem guten Essensangebot finde ich es fast schade, dass wir heute weiter reisen.

Wir verbringen die restliche Zeit bis zu unserem Aufbruch im Hostel und machen uns dann kurz vor Einbruch der Dunkelheit mit dem Stadtbus auf den Weg zum Busbahnhof. In diesem Bus passiert das, was kein Tourist erleben möchte. Wir steigen in einen relativ leeren Bus ein und platzieren uns mit den großen Rucksäcken so, dass wir möglichst einfach wieder aussteigen können. Nach und nach füllt sich der Bus und irgendwann sind alle Sitzplätze belegt, aber es steigen noch weitere Personen ein. Vor Hank stellt sich ein ziemlich seltsamer Typ, der ihm ständig vorm Gesicht rumwuselt. Wir denken uns dabei nichts weiter, da das Verhalten der Bolivianer sich grundsätzlich vom Verhalten der Deutschen unterscheidet. Selbst als ein Platz frei wird und der Bolivianer keine Anstalten macht, sich dort hinzusetzen werden wir nicht stutzig. Gleichzeitig werde ich von einer Bolivianerin angerempelt, die sich gleich fünfmal bei mir entschuldigt. Ein weiterer hantiert mit einem Stadtplan vor meinem Gesicht herum, aber auch das verwundert uns nicht weiter. Ich denke nur, hoffentlich montiert niemand meinen außen am Rucksack angebauten Schlafsack ab und bin erleichtert, dass dieser noch dran ist, als ich einen Check mache. Irgendwann leert sich der Bus dann wieder und die seltsamen Bolivianer steigen aus. Das ist der Moment, in dem uns der Grund für dieses merkwürdige Verhalten klar wird. Ich stelle entsetzt fest, dass mein kleiner Rucksack, der eigentlich sicher auf meinem Schoß platziert war, geöffnet wurde. Als ich dann einen kontrollierenden Blick hinein werfe, ob noch alles da ist, muss ich erschrocken feststellen, dass einer dieser Bolivianer tatsächlich mein spezielles Weitwinkelobjektiv geklaut hat. Wir sind beide fassungslos über diese Dreistigkeit und können immer noch nicht glauben, mit welchen Tricks hier die Touristen überlistet werden. Wir hatten überhaupt keine Chance, dieses Unglück zu verhindern und selbst wenn wir es gemerkt hätten, wissen wir nicht, was dann passiert wäre. Vielleicht hätten die ja zugeschlagen, man weiß es nicht. Zu diesem Zeitpunkt bin ich auf jeden Fall unendlich frustriert und Hank hat große Mühe daran, mich davon zu überzeugen, dass wir uns davon nicht unsere restliche Reise vermiesen lassen.

Am Busbahnhof bin ich dann besonders skeptisch, was unser Gepäck anbelangt und ich will mich versichern, dass unsere beiden Rucksäcke tatsächlich auch in den Bus kommen. Glücklicherweise tun sie das auch und so reisen wir mit dem verhältnismäßig guten Nachtbus von Sucre nach La Paz.