Salta & Umgebung

Die Busfahrt von Puerto Iguazu bis zu unserem nächsten Ziel Salta war – naja – sie war lang! Ganze 28 Stunden haben wir gebraucht, um die rund 1.600 km zurück zu legen. Glücklicherweise sind die argentinischen Fernbusse ziemlich luxuriös, so dass wir schlafen konnten und es uns bequem machen konnten. Einzig das Essensangebot ist nicht ganz so überzeugend. Wir stellen fest, dass die Argentinier wirklich sehr verrückt nach Schinken und Käse sind. Zu allem wird Jamon y queso serviert und es hängt uns bald zu den Ohren raus, aber trotzdem besser als Hunger leiden zu müssen.

Gegen Mitternacht erreichen wir dann ziemlich gerädert das kleine Städtchen (hat nur rund 500.000 Einwohner, daher Städtchen) im Nordwesten von Argentinien. Schnell ins nächste Taxi gesprungen, geht’s in die vorgebuchte Unterkunft, wo wir sofort in einen tiefen Schlaf fallen.

Am nächsten Morgen wollen wir gleich mal mit einer Stadterkundung beginnen. Zu unserem Enttäuschen ist das Wetter relativ bescheiden und auch die geplante Wanderung auf den nahe gelegenen Berg, um die Aussicht zu genießen, macht heute wenig Sinn. So irren wir ein wenig umher und möchten am Hauptplatz die Kathedrale besichtigen, da aber gerade eine Messe stattfindet, findet unsere Fotogier auch nicht gerade Begeisterung bei den Gläubigen. Also, wieder raus und weiter umher schlendern. Viel zu sehen gibt es eigentlich nicht, die Kirchen sind – soweit keine Messe stattfindet – geschlossen und zur großen Shoppingtour haben wir auch nicht so wirklich Lust. So kommt es am Ende, dass wir in einem Restaurant landen und mal wieder die WM verfolgen. Echt praktisch – so ist uns wenigstens nie langweilig!

Aber wir haben trotz der ganzen WM-Euphorie natürlich auch noch was Sinnvolles gemacht: wir haben uns hinsichtlich Ausflugsmöglichkeiten informiert und festgestellt, dass man hier in Salta eine ganze Menge interessante Sachen machen kann.

So kommt es, dass wir gleich am nächsten Tag um 7:15 Uhr von einem Guide namens Noah für einen Tagesausflug in den Süden, genauer gesagt nach Cafayate abgeholt werden. Insgesamt haben wir mit diesem Ausflug knappe 400 km vor uns und deswegen legt Noah zunächst mal eine große Strecke zurück, bevor er uns zu unserem ersten Stopp bringt. Leider scheint es Petrus mal wieder nicht besonders gut mit uns zu meinen, denn der Himmel ist trostlos und grau. Laut unserem Guide sollen wir uns davon nicht aus der Ruhe bringen lassen, denn wir fahren in ein anderes microclimate und Cafayate hat angeblich über 300 Sonnentage im Jahr. Ganz glauben kann ich das zwar noch nicht, aber ich bin dadurch zumindest schon ein wenig optimistischer gestimmt.

Bei unserem ersten Halt, eine rote Felshöhle, merkt man noch nicht, dass das Wetter besser werden soll, aber die Felsformation ist dennoch ziemlich beeindruckend. Hank kann man mal wieder nicht bremsen, weil man hier kraxeln kann. Ich bleibe hingegen zurück, da irgendwie bis auf ein Mädel aus Uruguay niemand loskraxelt und ich mich lieber in Richtung Bus begebe, nicht dass der noch ohne uns weiterfährt. Tatsächlich kommen Hank und die andere Kraxlerin als letztes zum Bus und wir müssen warten. Typisch! :-)

20140619102939IMG_7595

Weiter geht die Fahrt durch bergige Landschaft und das Wetter wird langsam ein wenig besser. Es fängt tatsächlich an aufzuklaren. Juppiee! Wir halten noch ein weiteres Mal und kraxeln alle zusammen auf einen Aussichtshügel. Wirklich sehr schöne Landschaft, die sich uns hier präsentiert. Gegen Mittag erreichen wir dann endlich Cafayate. Nicht zu verwechseln mit Calafate, eine Stadt ganz im Süden von Argentinien. Diese Verwechslung ist wohl bei dem Bau der Bank der Stadt unterlaufen, denn es wurden anscheinend die Baupläne vertauscht und so steht nun in Cafayate das schneesichere Haus (Schnee gibt’s hier nicht), das eigentlich in Calafate stehen sollte. Tja, die Gauchos hald – müssen auch für alles gleich klingende Namen verwenden, da kennt sich doch niemand aus! :-)

In Cafayate geht’s gleich mal zu einem ganz wichtigen Ziel. Das hiesige Weingut! Leider ist unser kurzfristig erworbenes Spanisch nicht ausreichend, um den Prozess des Weinanbaus und der Herstellung des Weines im Einzelnen zu verstehen, aber beim Probieren sind wir natürlich ganz vorne mit dabei! Ja, kann man schon trinken, aber um eine verbindliche und allgemein gültige Aussage zu treffen, hätten wir vermutlich eine Flasche trinken müssen, welche leider nicht im Tourpreis inbegriffen war. Schweinerei!

Nach der Weinverköstigung haben wir rund 2 Stunden zur freien Verfügung in dem kleinen Nest. Da sich der Hunger inzwischen bemerkbar macht, erkunden wir mal Möglichkeiten. Leider ist die argentinische Küche nicht sonderlich vielfältig. Fleisch oder Pizza, hin und wieder auch Nudeln. Das sind die Optionen. Fleisch ist zwar günstiger als bei uns, aber dennoch nicht wirklich billig und die Pizzas bestehen zu 95 % aus Käse. Hab ich schon erwähnt, dass die Argentinier auf Schinken und Käse stehen? :-) Ganz ehrlich, im Vergleich zur argentinischen Küche ist ein Schweinsi mit Knödel die reinste Diät!

Inzwischen scheint auch tatsächlich die Sonne und es ist einigermaßen warm. Wer hätte es gedacht? So ist der Stadtspaziergang wirklich herrlich und wir genießen den Ausflug in vollen Zügen. Um 15 Uhr sammelt uns Noah wieder am Hauptplatz ein und wir fahren weiter durch wunderschöne Berglandschaften und machen zahlreiche Stopps. Gut, wenn wir selbst mit dem Auto unterwegs wären, dann würden wir wahrscheinlich noch wesentlich öfter anhalten, aber so ist das auch in Ordnung.

20140619154904IMG_7738

Highlight ist ein Halt bei 4 Lamas. Eins ist so zottelig, dass man sich sofort in das übergroße Fellknäul verlieben könnte. Es lässt sogar zu, dass man mit ihm kuschelt. Echt putzig!

Es kommen noch ein paar weitere Pausen, ehe wir unsere Fahrt zurück nach Salta fortsetzen. Insgesamt war es ein wirklich gelungener Ausflug und wir sind froh, dass wir ihn gemacht haben. Kurzerhand entscheiden wir uns deshalb, dass wir für den nächsten Tag mit der gleichen Company noch den größeren Ausflug zu den Salinas Grandes buchen. Uns wird als Fahrer wieder Noah versprochen, mit dem wir wirklich sehr zufrieden waren und der auch wirklich sehr gut Englisch gesprochen hat.

Wieder pünktlich um 7:15 Uhr erscheint Noah in unserem Hostel und holt uns ab. Diesmal haben wir keinen Bus sondern einen Jeep und unsere Tour besteht mitsamt Guide aus 5 Personen. Leider sind die anderen beiden Teilnehmer eher eine Belastung als unterhaltsame Genossen. Es handelt sich dabei um 2 ältere Herren aus Buenos Aires, die ein Kauderwelsch von sich geben, das selbst jemand, der jahrelang Spanisch gelernt hat, kaum versteht. Wenn sie nicht gerade unverständliches Geschwafel von sich geben, dann schlafen sie. Eigentlich schlafen sie fast die ganze Zeit. Zu meinem Leidwesen braucht der Alte, der neben mi sitzt dabei auch unglaublich viel Platz, so dass ich auf der Strecke von insgesamt ca. 540 km ziemlich eingepfercht ausharren muss. Naja, so what!

Das Wetter ist zunächst auch wieder sehr bescheiden, aber auch heute ist Noah zuversichtlich, dass wir einen Sonnentag erleben werden. Und auch diesmal soll er damit Recht behalten! Wir fahren etwa eine Stunde und dann klart es auf – und zwar richtig! Anscheinend liegt Salta in einem ziemlichen Nebelloch und sobald mal aus der unmittelbaren Umgebung rauskommt, wird das Wetter gut. Noah hält heute wo auch immer wir Fotostopps machen wollen und so halten wir regelmäßig. Damit wir allerdings nicht zu sehr vom Zeitplan abweichen, gibt er ordentlich Gas. Er fährt aber dennoch um Welten besser als die Minibusfahrer in Asien! Wir fühlen uns bei ihm sicher aufgehoben. Die beiden Alten schlafen vor sich hin und lassen abwechselnd den ein oder anderen Schnarcher los. Und ist es recht, wenn die beiden Ruhe geben, so kann Noah in erster Linie uns mit Informationen versorgen.

An einem kleinen Dorf mit 24 Einwohnern machen wir eine erste Pause. Das ist der klassische Touristenstopp mit Verkaufsständen etc. Da inzwischen die Sonne herrlich scheint genießen wir diese Pause um selbige ein bisschen zu tanken, ehe wir wieder in den Jeep klettern und weiter Richtung Norden brausen. Die Strecke besteht zu großen Teilen aus Gravel-Road, aber mit dem Jeep lässt uns das ziemlich kalt. Gegen halb 12 ist der Mittagsstopp angesetzt, da es offensichtlich später auf der Strecke keine Möglichkeit mehr gibt. Auch hier werden alle Tourbusse zur selben Zeit zum selben Lokal gekarrt und so herrscht hier ein wenig Rushhour.

Spezialität des Hauses ist Lama-Steak. Naja, dann probieren wir hald mal ein Lama. Ist zwar ein wenig fies, gestern haben wir noch das Lama gestreichelt und uns in das putzige Fellknäul verliebt und heute liegt es Medium Style in unseren Tellern, aber das Gesetz des Dschungels „Fressen oder gefressen werden“ zwingt uns ja quasi dazu, das arme Tierchen zu verzehren. Wir wollen ja nicht verhungern. Zunächst finden wir beide, dass es ein wenig zäh ist, aber hat man sich mal an den Geschmack gewöhnt, dann ist es eigentlich ganz lecker. Und: es gibt keinen Schinken und keinen Käse dazu!

Gestärkt schlendern wir noch ein wenig durch den Ort und werden von allen Seiten von Kindern angequatscht, die irgendwelche Handarbeiten verkaufen wollen. Mir tun die armen Kinder echt verdammt leid, aber es steht ja auch überall, dass man diese Mafia nicht unterstützen soll, so sagen wir freundlich aber bestimmt zu allen „no gracias“ und setzen schließlich unsere Fahrt fort. Unterwegs erblicken wir wieder einige Lamas und sogar Straußen-ähnlichen Laufvögel. Noah macht brav Halt und wir können die Kameras zücken. Inzwischen sind wir erstmals wirklich in den Anden angekommen und wir kommen in immer höhere Regionen. Als wir schließlich die zweithöchste Stelle des Tages mit 4.080 m über dem Meeresspiegel erreichen, springen wir aus dem Bus und schnuppern erstmals die Höhenluft, an die wir uns die nächsten Wochen wohl gewöhnen müssen. Und wir merken schnell, dass die hier um einiges dünner ist, als wir es gewöhnt sind. Auch herrscht hier ein eisig kalter Wind und wir bewegen uns entsprechend langsam.

Puh, das ist definitiv eine interessante Erfahrung! Nachdem wir diesen Punkt überquert haben, pendelt sich unsere Höhe auf rund 3.500 m über dem Meeresspiegel ein. Wir kommen gut voran und erreichen schließlich endlich die Salinas Grandes. Eine große Salzwüste mitten in den Anden und die ist wirklich spektakulär. Die weiße Landschaft mitten im Hochgebirge fasziniert uns sofort. Wir hüpfen und tollen rum wie kleine Kinder und erfreuen uns an dem weißen Pulver.

20140620144901IMG_6230

Unsere beiden Schlaftabletten-Begleiter kommen nicht wirklich weit vom Jeep weg. Ich frag mich echt, warum die beiden diese Tour überhaupt machen. Obwohl, sie nehmen beide jeweils eine 1-Liter-Flasche Salz mit. Wenn sie meinen!

Die Fahrt geht schließlich irgendwann weiter und wir überqueren nun einen weiteren Pass und kommen mit 4.170 m über dem Meeresspiegel an den für heute höchsten Punkt. Wir springen wieder aus dem Jeep, wobei springen etwas übertrieben ist, denn bei dieser dünnen Luft muss jede Bewegung genau überlegt sein. Hank kraxelt auf das Schild mit den Höhenmetern und klagt hinterher über ein Schwindelgefühl. Naja, ich bin ja gespannt, wie es uns auf der weitern Reise ergehen wird. Bolivien liegt ja großteils im Hochgebirge.

Die Straße schlängelt sich nach dem höchsten Punkt wieder langsam bergab und die Aussicht ist einfach spektakulär. Auch das Licht ist herrlich, wir sind wirklich beeindruckt. Noah hält weiter brav an allen Ecken an und wir schießen Unmengen an Fotos. Schließlich kommen wir noch an einen 7-farbigen Felsen, den wir aber eigentlich anhand der Fotos ein wenig faszinierender erwartet hätten, aber er ist dennoch sehr schön.

20140620162535IMG_7928

Wir wollen ja nicht überheblich werden. In dem angrenzenden Örtchen machen wir noch einen klassischen Touristenstopp und wir marschieren durch einen größeren Markt, der uns gleich an die Märkte an Asien erinnert. Nur die Kleidungsstücke sind hier ein wenig wärmer als in den asiatischen Ländern. Aber auch hier gibt es Essensstände und so kaufen wir gefüllte Tortillas, die aussehen wie Empanadas (der absolute Klassiker hier), aber noch viel besser schmecken.

Das war dann unser letzter Stopp für heute und nun geht es auf direktem Weg wieder zurück nach Salta. Da ziemlich dichter Verkehr herrscht brauchen wir länger als geplant. Gegen 8 sind wir schließlich wieder in unserer Unterkunft und können direkt weiter WM schauen.

Eigentlich hatten wir für den nächsten Tag noch geplant, den Berg rauf zu wandern, aber auch diesmal ist das Wetter eher bescheiden, so dass wir uns am Vormittag unmittelbar auf den Weg zur Bushaltestelle machen und ein Busticket nach Tupiza buchen wollen. Das ist ein Ort in Bolivien, von wo aus wir eine Tour buchen wollen. Unglücklicherweise gibt es nur Busse bis zur Grenze und von dort aus müssen wir auf eigene Faust schauen, wie wir weiter kommen. Na gut, hilft dann wohl nicht. Wir buchen kurzerhand ein Ticket für den nächsten Tag um 7:15 am Morgen und verfolgen anschließend eine Mission. Wir müssen uns warme Jacken kaufen! Ja, richtig gelesen! Es geht nicht anders! Die Tour, die wir machen wollen dauert 4 Tage und es kann in der Nacht etwa 0 Grad haben. Dazu kommt besonders erschwerend, dass die Unterkünfte keine Zentralheizung haben! Na wunderbar, auch sonst soll Bolivien sehr kalt werden, aber wir sind anscheinend dennoch in der optimalen Reisezeit, da es sehr trocken ist. Schön langsam denke ich echt, ob es nicht klüger gewesen wäre, von Foz do Iguazu aus weiter durch Brasilien zu reisen, aber gut, jetzt ist es zu spät!

Ich finde mir zum Glück relativ schnell eine dicke Jacke, die mir gut gefällt und die auch zu Hause im Winter anziehen möchte, nur für Hank wird es ein wenig schwieriger. Er ist einfach mit keiner zufrieden! Naja, versuchen wir es später nochmal. Jetzt ist erstmal Fußball angesagt. Zunächst ist Argentinien an der Reihe und wir stehen pünktlich zum Anstoß am Hauptplatz zum Public Viewing. Tja, das funktioniert hier nur nicht ganz so geschmiert, wie bei uns daheim, denn der Bildschirm ist tot! Die Menge ist ziemlich ungeduldig und vor allem unzufrieden. Wir kehren schließlich zurück zu unserem Hostel und gesellen uns dort zum Rest der Bewohner und verfolgen gespannt, was passiert. Dass dann kurz vor Ende der Volksheld persönlich noch den Sieg einbringt, lässt die Menge explodieren und „la gente“ ist zufrieden! Das anschließende Spiel der deutschen Nationalmannschaft interessiert hier hingegen außer uns niemanden und wir sind froh, dass wir doch noch einen Sender finden, der nicht die Pressekonferenz von Lionel Messi, sondern unser Spiel überträgt.

Etwas unzufrieden machen wir uns im Anschluss wieder auf den Weg um für Hank doch noch eine lebensnotwendige Winterjacke zu kaufen. Ich fass es immer noch nicht, dass wir tatsächlich zu solch drastischen Maßnahmen greifen müssen, aber in der Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen. Am Ende sind wir dann doch noch erfolgreich und auch Hank kann seinen Kleidungsbestand erweitern.

Gegen halb 10 kehren wir dann zurück zu unserem Hostel und packen mal wieder unsere Habseligkeiten für den morgigen frühen Aufbruch zusammen.

Puerto Iguazu

Nach unserem kurzen Besuch in Brasilien fahren wir wieder mit dem Bus zurück Richtung Argentinien. Leider sind wir diesmal die einzigen im Bus, die ausreisen müssen und werden somit allein an der brasilianischen Grenze zurückgelassen. Nach keinen 5 Minuten haben wir unsere Stempel im Pass. Toll die hätte der Bus doch wirklich warten können! Jetzt müssen wir eine halbe Stunde auf den nächsten Bus warten, fahren dann weiter zur argentinischen Grenze, müssen uns dort wieder einen Stempel in unseren Pass machen lassen und dann wieder auf den Bus warten. Das gefällt uns nicht. Wir sind noch unschlüssig ob wir es per Anhalter versuchen sollen, da hält auch schon ein Autofahrer an und fragt uns ob er uns mitnehmen soll. Stellt sich raus, dass es ein Taxler in seiner Freizeit ist. Der nimmt uns zwar dann nicht umsonst mit, aber mit den 3,30 Euro können wir gut leben. Eigentlich dachten wir er nimmt uns nur bis zur Grenze mit, aber er meint wir können gern im Auto sitzen bleiben und so schneller abgefertigt werden. Er fährt uns dann auch gleich zu unserem Hostel. Das Angebot nehmen wir doch gerne an.

So stehen wir früher als erwartet in unserer neuen Unterkunft und können auch gleich unser Zimmer beziehen. Das ist zwar nichts besonders, aber wenigstens kein solches muffiges Loch wie das letzte hier im Ort. Somit sind wir schon zufrieden. Den Nachmittag verbringen wir dann in einer Pizzeria und genießen wie Holland Spanien bei der WM zerlegt. Die meisten Argentinier halten eher zu Spanien, sind also nicht ganz so begeistert wie wir von dem Spiel. Danach streifen wir ein wenig durch den Ort und landen letztendlich in dem Café, in dem wir schon vor einigen Tagen waren. Dort werden wir sogleich von den beiden Chefs wiedererkannt und freudig begrüßt. Außerdem lernen wir eine Schweizerin kennen die auch auf Weltreise ist. So verbringen wir den Abend zu fünft mit Fußball, Bier und Reiseweisheiten. Auch wenn wir hier weg wollten, wir können gar nicht: es regnet inzwischen so heftig, dass man keine 10 Meter kommen würde ohne total durchnässt zu sein. Der Gehsteig verwandelt sich zwischendurch in einen reißenden Bach und wir fragen uns echt wie wir halbwegs trocken zu unserem Hostel kommen sollen. Irgendwann hört es aber dann doch auf zu schütten und wir kommen unerwartet doch ohne Probleme trocken Heim.

Das Wetter am nächsten Morgen ist nicht unbedingt berauschend und so beschließen wir nicht zu den Wasserfällen zu fahren, sondern uns Sibyll, der Schweizerin von gestern Abend, anzuschließen, die einen kurzen Ausflug nach Paraguay macht. Nehmen wir das Land halt auch noch mit ;-) So sitzen wir bald darauf zu dritt in einem Remise-Taxi und fahren los. Um nach Paraguay zu kommen müssen wir durch Brasilien durch. Das gibt dann heute wohl insgesamt acht Stempel im Pass: Argentinien Ausreise, Brasilien Einreise, Brasilien Ausreise, Paraguay Einreise, Paraguay Ausreise, Brasilien Einreise, Brasilien Ausreise, Argentinien Einreise. Denken wir zumindest. Die ersten beiden Stempel bekommen wir noch, die nächsten vier allerdings nicht: der Grenzübergang nach Paraguay ist für solche Tagesausflüge ohne Bürokratie möglich. Das wäre auch sehr schwer machbar, da gerade am Wochenende sehr sehr viele Brasilianer über die Grenze gehen, um in Paraguay günstig einzukaufen. Wenn die alle nen Stempel bräuchten würde der Verkehr hier total zusammenbrechen. Es ist auch so schon Stau auf der Grenzbrücke.

Aber nach ca. einer Stunde sind wir dann am Ziel angekommen und sind schon etwas verblüfft. Unmittelbar nach der Grenze ist auf Paraguayischer Seite ein riesiger Markt. Wir fühlen uns nach Asien zurückversetzt. Sieht genauso aus, ist genauso chaotisch, man wird genauso ständig angequatscht und die Artikel sind genauso original. Von Bohrmaschinen über Elektroschocker und Socken über Fußball-Trikots (klar, WM-Boom) gibts hier praktisch alles zu kaufen. Wir schlendern ein wenig umher und beobachten das rege Treiben. Außerdem informieren wir uns, was wir hier noch machen könnten. Ganz in der Nähe ist der Itaipu-Staudamm, der zweitgrößte Damm der Welt. Ich würde den ja schon gerne anschauen, aber Carina zieht nicht so recht. Und Sibyll hat keine Zeit dafür, da sie am Nachmittag nach Buenos Aires weiterfliegt. Also fahren wir gegen halb eins wieder Richtung Argentinien los. Weit kommen wir aus dem Parkhaus allerdings nicht, da der Verkehr inzwischen wohl doch kollabiert ist. So stehen wir eine halbe Ewigkeit im Stau vor der Brücke nach Brasilien. Sibyll gefällt das nicht so recht, da sie ja zum Flieger muss. Aber bevor sie verzweifelt geht es dann doch endlich vorwärts.

Da der Taxifahrer mitbekommen hat, dass Sibyll inzwischen etwas Zeitdruck hat fetzt er nur so durch Brasilien und 30 Minuten später stehen wir schon an der argentinischen Grenze und denken „gleich sind wir wieder zurück“. Falsch gedacht. In einem Auto vor uns gibt es ein Problem mit dem Pass eines Paraguayers. Und anstatt den Kerl rauszuziehen und das Problem abseits zu klären wird das vor Ort geregelt. D.h. die Warteschlange steht. Und steht. Und steht. Für Carina und mich ist das ja kein allzu großes Problem, wir haben eh nichts vor, aber die berühmte Schweizer Gelassenheit verfliegt schön langsam. Und auch der Taxler wird nervös und tigert vor dem Schalter auf und ab. Aber wir kommen dann doch noch weiter und fahren so schnell wie geht zur Unterkunft von Sibyll. Sie holt ihr Gepäck und lässt sich gleich weiter zum Flughafen fahren, wir bleiben zurück und kehren in unsere Unterkunft zurück. Da bleiben wir allerdings nicht allzu lang, sondern begeben uns lieber wieder in unser „Stamm-Café“ zum Essen, Trinken und – klar – WM schaun.

Als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster schauen sind wir wenig begeistert, dichter Nebel hängt über der Stadt. So vertrödeln wir den Vormittag, bevor wir uns dann doch dazu entschließen heute die argentinische Seite der Iguazu Falls anzugreifen. Der Nebel hat sich inzwischen auch verzogen und so sind wir zuversichtlich doch etwas von den Wasserfällen zu sehen. Am Busbahnhof können wir gleich in den schon bereitstehenden Bus einsteigen und nach etwa einer halben Stunde Fahrt kommt dieser am Eingang zum Nationalpark an. Tickets gekauft und rein ins Vergnügen. Zu den Wasserfällen müssen wir allerdings erst ein kleines Stückchen durch den Dschungel wandern. Auch hier sieht man deutlich die Spuren, die das Hochwasser hinterlassen hat. Vor einigen Tagen stand hier noch alles unter Wasser. Kaum vorzustellen was für Wassermassen das waren.

Iguazu Falls
Iguazu Falls

Auf dem Weg zu den Falls kommen wir an einem kleinen Restaurant vorbei, wo eine ganze Horde der kleinen putzigen Waschbären auf Gaben der Touristen wartet. Und wenn nicht freiwillig was abgegeben wird muss der Waschbär von Welt halt die Initiative ergreifen und einen Tisch stürmen. Wir beobachten das lustige Treiben ein wenig und gehen dann weiter Richtung der Falls. Es gibt hier zwei Rundwege (eigentlich drei, aber der dritte ist noch gesperrt) und wir nehmen erst den unteren in Angriff. Dort angekommen sind wir dann schon begeistert wie die Anlage hier aufgebaut ist. Die Wege führen in Form von Stahlbrücken über die einzelnen Teilstücke der Wasserfälle. So kommt man sehr nahe an das Geschehen heran. Zugleich sind wir aber auch ein wenig enttäuscht, da sich der Nebel von heute Morgen wohl nach Brasilien verzogen hat und wir wenig von der anderen Seite sehen. Naja, aber bringt ja jetzt auch nichts schlechte Laune zu haben, also genießen wir das Naturschauspiel hier.

Die Fälle führen immer noch deutlich mehr Wasser als normal, somit kommen wir in den Genuss eines seltenen Anblicks. Immer wieder stehen wir staunend an einer Wegbiegung oder einem Aussichtspunkt und können uns gar nicht statt sehen. Die Schattenseiten dieser extremen Lage sehen wir dann auch: auf der brasilianischen Seite liegt ein großes Stahlgerüst am Flussufer, ein anderer Teil hängt schief am Hang. Da war wohl vorher eine Art Aussichtsplattform oder etwas in der Art, jetzt ist sie auf jeden Fall zerstört. Und auch auf der argentinischen Seite wurde großer Schaden angerichtet, ein Boothäuschen wurde komplett ausradiert und nur die Trümmer liegen noch herum.

Am Ende dieser Runde gibt es dann noch ein Highlight: eine Plattform, die einen wirklich sehr sehr nahe an einen Wasserfall heranführt. Im Moment kann man sie nur zur Hälfte begehen, weil es ganz vorne wie unter der Dusche ist. Aber auch in dem geöffneten Teil wird man gut nass und kann nur kurz vor. Als wir ankommen sind nur wenige Leute da und wir reihen uns in die Warteschlange ein, dass jeder mal ein Bild ganz vorne machen kann. Kurz bevor ich dran bin kommt dann eine größere Reisegruppe an und es ist vorbei mit der Gemütlichkeit. Den Leuten ist es völlig egal ob alle dran kommen, Hauptsache sie kommen vor. So drängeln sich gleich mal einige an mir vorbei und stellen sich bei den anderen einfach mitten ins Bild. Ich bin noch zu fassungslos um zu reagieren, stelle mich der nächsten, die sich vorbeidrängeln will in den Weg und mache deutlich, dass ich sie nicht vorbeilasse. Das versteht sie nicht ganz und redet wild drauf los. Mir egal. Ich bin bloß froh, dass mir in dem Moment die spanischen Schimpfwörter die wir von unseren Lehrern gelernt haben nicht einfallen, sonst wäre das vielleicht ausgeartet. Carina kann dann doch auch noch ein Foto von mir vorm Wasserfall machen, bevor wir weiter gehen.

Wir machen uns auf den Weg zum zweiten Rundweg. Dieser führt oben an den Fällen entlang. Während wir die ersten Meter gehen reißt dann auch die dichte Wolkendecke etwas auf. Das hat zur Folge, dass sich über dem Becken der Wasserfälle ein Regenbogen bildet. Einfach herrlich. Die Aussicht auf dem Weg hier oben ist einfach der Wahnsinn, man kann quasi direkt über die Kante des Wasserfalls in den Abgrund schauen. Leider wurde aber der obere Rundweg auch von den Fluten beschädigt: eine längere Brücke wurde einfach weggespült, so dass die zwei oder drei letzten Aussichtsplattformen leider nicht zu erreichen sind. Ein wenig mulmig wird uns beim Anblick der Brückenreste dann auch noch. Im Grunde stehen wir auf einer identischen Konstruktion, wer weiß schon ob die die letzten Tage auch in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wir hoffen der argentinische TÜV hat sich die Konstruktion gut angeschaut bevor sie wieder für Besucher freigegeben wurde ;-)

Iguazu Falls
Iguazu Falls

Da es inzwischen richtig schön ist und erst früher Nachmittag drehen wir noch eine Runde auf dem unteren Rundweg und weils so schön war auch gleich noch eine auf dem oberen Rundweg. Zwischendurch essen wir ein paar Cookies beim oben erwähnten Restaurant und werden sogleich von hungrigen oder auch nur gierigen Waschbären umringt. Schon putzig wie sie vor mir Männchen machen, weil sie was abhaben wollen. Carina fällt dann von ihrem Keks ein Teil runter und sie kann gar nicht so schnell schauen wie die kleinen Pelztierchen um sie rumwuseln und sich um die Beute streiten. Sie wird dann auch gleich noch von einem Ranger ermahnt die Tiere nicht zu füttern *g*

Coati - argentinischer Waschbär bei den Iguazu Falls
Coati – argentinischer Waschbär bei den Iguazu Falls

Nach einige Stunden verlassen wir dann den Nationalpark wieder und kehren zurück in unser Hostel. Fazit der Iguazu-Falls: HAMMER! Also wir haben ja schon einige Wasserfälle auf der Welt gesehen, aber Iguazu schlägt sie alle. Ob die brasilianische oder die argentinische Seite besser ist läßt sich schwer sagen. Von Brasilien aus hat man nen tollen Überblick und in Argentinien ist man sehr nah dran am Geschehen. Wir würden auf jeden Fall wieder beide Seiten besuchen. Abends gehen wir dann wieder WM schauen und sehen Messi zu, wie er das Land durch sein Tor erlöst ;-) Der Messiismus hier ist schon irre.

Den nächsten Tag machen wir dann nicht viel. Für den Abend haben wir unsere Weiterfahrt nach Salta gebucht. Gegen Mittag suchen wir wieder ein Lokal auf, um das Deutschland-Spi

el gegen Portugal zu verfolgen. Wir sind jedoch die einzigen die die 4 Tore bejubeln und lachen wenn Ronaldo mal wieder greint, aber das macht ja nichts. Nachmittags regnet es dann wieder in Strömen und uns bleibt nichts anderes übrig als im Hostel unsere Zeit rumzubringen.

Buenos Aires

Tada, hier sind wir wieder! In Buenos Aires haben wir zur Abwechslung mal mehr Zeit als gewöhnlich verbracht, da wir unser Hauptaugenmerk auf einen Crash-Kurs in Spanisch gelegt haben. Da der Sprachkurs, den wir in Deutschland gemacht haben, schon ein halbes Jahr zurückliegt und wir auf unserer bisherigen Reise das Spanische etwas verdrängt haben, sind unsere Kenntnisse eigentlich fast vollständig verflogen. Aber der Reihe nach:

Nachdem wir am Abend des schier endlosen 19. Mai in Buenos Aires angekommen sind, quartieren wir uns in ein vorgebuchtes Hostel im Microcentro ein und müssen gleich mal entsetzt feststellen, dass hier wieder ein etwas – naja sagen wir mal „anderer“ Standard herrscht. Unser Zimmer ist die reinste Bruchbude und wir schlafen gefühlt „in der Bar“, weil sich diese gleich vor unserer Zimmertür befindet und der Tumult die ganze Nacht über nicht nachlässt.

Am ersten Tag machen wir uns gleich mal auf den Weg, um uns für einen Spanischkurs anzumelden. Wir haben hier wirklich Glück, denn obwohl es mitten unter der Woche ist und die Kurse normalerweise montags beginnen, können wir gleich am nächsten Tag um 9 Uhr einsteigen. Perfekt! Auch mit der Unterkunft sind wir nach kurzer Suche erfolgreich: unmittelbar gegenüber von der Amauta Elebaires Escuela befindet sich das Hostel Estoril, das angeblich nachts recht ruhig und tatsächlich auch ganz gemütlich ist.

unser Schulgebäude
unser Schulgebäude

Tja, am Mittwoch ist es dann soweit: wir zwei drücken wieder die Schulbank! Ja genau, wer hätte das gedacht? Ganz so formell ist es glücklicherweise nicht, denn wir haben Einzelunterricht und unser Lehrer Pablo ist auch alles andere als der klassische Stereotyp eines Lehrers, wie wir ihn normalerweise kennen. Wir haben echt sehr viel Spaß mit ihm und der Unterricht ist ziemlich locker. Er bringt uns auch viele umgangssprachliche Ausdrücke bei, so dass wir bestens auf Südamerika vorbereitet werden. Einzig, das Lernen der Vokabeln obliegt unserer eigenen Verantwortung… Verdammt!!

In der Schule werden auch täglich Nachmittagsaktivitäten angeboten: zweimal die Woche wird ein Ausflug gemacht und zweimal die Woche gibt es Conversation Clubs. Kaum vorstellbar, dass wir die Einzigen sind, die tatsächlich jeder Aktivität beiwohnen und penibel genau die Hausaufgaben erledigen. Pablo bezeichnet uns sogar als vorbildliche Schüler. Ja, ich weiß: Klingt komisch, ist aber so! Obwohl, ich muss gestehen: einmal sind wir tatsächlich OHNE Hausaufgaben zum Unterricht erschienen, aber unsere Ausrede dafür war mehr als akzeptabel: wir waren im River Plate Stadion und haben ein Spiel der argentinischen Nationalmannschaft gegen Trinidad Tobago angeschaut und hatten deshalb keine Zeit den Pflichten nachzukommen. Also wenn man‘s genau nimmt, war Lionel Messi Schuld daran, dass wir die Hausaufgaben nicht gemacht haben… Gottseidank war Pablo gnädig mit uns und hat uns von Peitschenhieben verschont.

Zu unseren täglichen Ritualen gehört auch das Mittagessen vom Chinesen, oder wie wir ihn nennen der „Chino-Hombre“. Die perfekte Lösung, wenn es schnell gehen muss, denn hier gibt es ein reichhaltiges Mittagsbüffet und das System ist ganz einfach: man nimmt sich eine Plastikbox, lädt auf, was man will und wieviel man will. Am Ende wird der Teller gewogen und man zahlt nach Gewicht. Tatsächlich haben wir zu zweit nie mehr als 6 Euro für ein wirklich abwechslungsreiches und vor allem großzügiges Mittagessen bezahlt. Diese „Chino-Hombres“ gibt’s hier wie Sand am Meer und der Andrang ist groß.

Insgesamt haben wir diesen Tagesablauf  2 ½ Wochen gepflegt und im Unterricht wirklich viel gelernt. Die Umsetzung im Alltag ist zwar noch verdammt schwierig, weil man bekanntermaßen eine Sprache nicht 14 Tagen lernen kann, aber der Grundstein ist gelegt. Jetzt liegt es wohl an uns, was wir daraus machen…

mit unserem Abschlusszertifikat
mit unserem Abschlusszertifikat

Neben dem täglichen Besuch der Schule haben wir uns selbstverständlich auch die Stadt selbst angeschaut und was soll ich sagen? Wir finden sie klasse! Buenos Aires ist wirklich sehr schön, vor allem weil es eine Stadt mit Geschichte ist und sie mit wunderschönen Kolonialbauten an allen Ecken auftrumpfen kann. Natürlich gibt es auch weniger schöne Gebäude, aber die gibt es ja überall. Entgegen des allgemein herrschenden Vorurteils, dass die Leute in Buenos Aires arrogant und eingebildet sind, hatten wir hier mit wirklich sehr netten und hilfsbereiten Menschen zu tun.

So haben wir beispielsweise folgende Situation erlebt:

Wir zwei Greenhorns fahren am Abend unseres zweiten Tages im Sprachkurs mit der U-Bahn in eine Bar in Palermo. Unwissend und ohne uns näher damit zu befassen, stellen wir auf dem Heimweg an der Subte-Haltestelle (U-Bahnsystem der Stadt) fest, dass die letzte Fahrt bereits um 22 Uhr war. Zu später Stunde stehen wir also ohne jeglichen Plan, wie wir nach Hause kommen in der 13-Millionen-Metropole da und sprechen die Landessprache nicht. Kurzerhand versuchen wir wild gestikulierend einem Busfahrer unsere Misere zu schildern und dabei zu erfahren, mit welcher Buslinie wir in Richtung des Congreso kommen. Zumindest versteht der Busfahrer  unser Problem, aber kann uns in keiner uns verständlichen Weise erklären, wie wir zur Bushaltestelle des Busses 111 kommen. Schließlich kapituliert er und deutet uns kurzerhand, dass wir einsteigen sollen und er gibt uns zu verstehen, dass er uns zur Bushaltestelle fahren wird. Kaum sind wir eingestiegen, unterhält er sich mit einem anderen Busfahrer, der uns eine andere Rückfahrmöglichkeit mit dem Bus 168 anbietet. Dieser fährt sogar an Ort und Stelle ab. Wunderbar, wir freuen uns sehr über die Hilfsbereitschaft dieser Argentinier und kommen schließlich auch noch in den Genuss einer kostenlosen Busfahrt, da wir weder im Besitz von Kleingeld noch der notwendigen Buskarte sind. Einzig deshalb, weil wir am Ende dann an der falschen Haltestelle ausgestiegen sind und noch einen längeren Fußmarsch zurücklegen mussten, ist dann nur fast alles reibungslos gelaufen.

Aber natürlich hat auch die Stadt an sich bei uns viele unvergessliche und schöne Eindrücke hinterlassen. Vor allem hat uns das Stadtviertel La Boca mit seinen bunten Häuserfassaden und dem lebhaften Treiben auf den Straßen gefallen.

Da es aber ein eher ärmerer Stadtteil und daher auch etwas gefährlicher ist, sollte man sich unbedingt an die Warnungen halten und das Viertel nur am helllichten Tag besuchen, sowie nicht von den Touristenpunkten abweichen, sonst kann es einem so gehen, wie Vincent – einem Volunteer in unserer Schule, der in La Boca mit einem Messer bedroht wurde.

Eine besonders wichtige Rolle in Buenos Aires spielt selbstverständlich die Volksheldin „Evita“, deren glanzvolle Taten man in der ganzen Stadt bewundern kann. Sei es in einem der ihr gewidmeten Mueseen, im Präsidentenpalast „La Casa Rosada“ oder an ihrem Mausoleum im Friedhof von Recoleta. Diese Frau ist hier einfach allgegenwärtig und wird selbst nach über 60 Jahren nach ihrem Tod als die Nationalheldin schlechthin verehrt. Zugegeben,  was diese aus „normalen“ Verhältnissen stammende Frau in einer Zeit, in der Frauen politisch quasi keine Rechte hatten, geschaffen hat, ist wirklich beeindruckend.

Neben den weiteren klassischen Sehenswürdigkeiten wie z. B. dem Obelisco, dem Congreso und dem Plaza de Mayo haben wir noch das Museum des Bicientario, die Avendia Florida und den Hafen Puerto Madeira besucht. Damit sei nur das wichtigste genannt.

Congreso
Congreso

Es war – abgesehen vom Klingeln des Weckers zur frühen Morgenstunde (gut, es war 7:30 Uhr, aber es war für uns trotzdem früh) geweckt zu werden – wirklich sehr schön, zwischendurch mal wieder irgendwo länger zu bleiben und einen geregelten Tagesablauf zu haben, aber jetzt freuen wir uns auch darauf, mit ein paar Spanischgrundkenntnissen ausgestattet wieder unseren Rucksack zu packen und auf große Entdeckungstour durch Südamerika zu gehen.