Koh Phi Phi

Wir sind uns bis kurz vor knapp nicht sicher, wo es als nächstes hingehen soll: die Optionen sind Ko Lanta und Ko Phi Phi. Für Lanta spricht, dass wir dort noch nicht waren und dass es sicher nicht so eine Partyinsel wie Phi Phi ist. Für letzteres spricht, dass es dort auch Kletterrouten gibt. Aus diesem Grund entscheiden wir uns schließlich für Phi Phi. OK, ich gebe zu, dass auch die Abfahrtszeit der Fähre nach Lanta etwas zur Entscheidung beigetragen hat. Hätten wir sie erwischen wollen, dann hätten wir nur ne dreiviertel Stunde fürs Frühstücken und Packen gehabt, was uns dann doch auch zu stressig war ;-)

Da das direkte Boot nach Phi Phi aber auch schon weg ist, müssen wir einen Umweg über Krabi machen. Kein Problem, ist halt eine Longtail-Boot-Fahrt zusätzlich. So sitzen wir schon bald in so einem Boot und legen von Railay ab, nicht ohne noch einen schmerzlichen Blick hinüber zu den Klettergebieten zu werfen. War die Fahrt nach Railay noch sehr ruhig und entspannt, so verläuft die Rückfahrt etwas anders: heute ist ziemlicher Wellengang und unser Boot wird ordentlich hin und her und auf und ab geschüttelt. Manchmal krachen wir schon ganz schön heftig in ein Wellental und dem ein oder anderen Mitreisenden entfährt ein kleiner Schrei. Wir sitzen praktischerweise mal wieder in der vordersten Reihe. Normalerweise ist das nicht schlecht wegen der guten Sicht, heute heißt das, dass wir jede Menge Spritzwasser von der Gischt abbekommen. Jede Menge bedeutet, dass wir klitschnass an Land ankommen.

Tropfend und mit Salzwasser-Geschmack im Mund werden wir gleich in Empfang genommen und zu einem Minivan geleitet, der uns zur Fähre bringen soll. Wie üblich ist der Fahrer nicht gerade zimperlich und gibt ordentlich Gas. Aber einem Asienaufenthalt ohne so eine Fahrt würde auch was fehlen. So kommen wir kurze Zeit später am Fährhafen an und können nach einer kurzen Wartezeit unser Schiff besteigen. Erst denken wir „He, die haben da aber ein tolles neues Schiff, das ist nicht so eine Rostlaube wie vor 6 Jahren“ aber schnell merken wir, dass wir ausgetrickst wurden: die alte Rostlaube ist hinter dem schönen großen Schiff vertäut und wir landen letztlich doch wieder auf ihr (oder einer ähnlichen zu der von vor 6 Jahren). Naja, wir sind ja nicht für eine Luxus-Kreuzfahrt hier. Die Überfahrt verläuft dann unspektakulär und nach knappen zwei Stunden steuert die Rostlaube das Pier von Phi Phi an.

Welcome to PP
Welcome to PP

Beim Verlassen des Schiffs merken wir schnell, dass sich hier einiges getan hat seit unserem letzten Besuch: waren damals noch kleinere Häuschen am Ufer gebaut, manche sogar noch von vor dem Tsunami, wurden die zwischenzeitlich alle entfernt und durch eine Uferpromenade ersetzt. Dass wir beim Betreten des Festlandes von den „Hotel-Schleppern“ überfallen werden ist zwar nicht neu, wohl aber wie sie arbeiten: wir werden in ein kleines Büro geleitet (da wir ausnahmsweise nichts reserviert haben gehen wir mal mit) und dort hängen an der Wand Bilder, Beschreibungen und Preise von zig Unterkünften. Wir werden gefragt was wir in etwa wollen, wo die Unterkunft sein soll und bekommen die möglichen Kandidaten vorgestellt. Die Auswahl ist groß und fällt uns entsprechend schwer. Unsere präferierten Objekte sind alle schon ausgebucht wie sich rausstellt, also müssen wir bei Lage, Preis, Frühstück oder Pool Abstriche machen. Schließlich bleibt der Pool auf der Strecke und wir haben eine Unterkunft am ruhigeren Ende der Insel (mit der Party-Meile hatten wir beim letzten Mal ja schon schlechte Erfahrungen gemacht).

Nachdem wir eigecheckt haben geht es gleich wieder Richtung Zentrum. Zuerst suchen wir uns mal ein kleines Thai-Restaurant und stillen unseren Hunger. Auf dem Weg hierher haben wir schnell gemerkt, dass die Insel, die schon vor 6 Jahren sehr touristisch war, inzwischen ein absolut überfüllter Touri-Hotspot ist. Durch die Gassen drängen sich fast ausschließlich Ausländer, Einheimische sieht man nur in ihren Läden sitzen oder als „Träger“ von Gepäck und jeglichen Waren. Naja, eigentlich sind es keine Träger, sondern eher Schieber, da alles in kleinen Wägelchen transportiert wird, die vom Prinzip her Schubkarren sind, nur viel größer als bei uns. Diese Karren versperren auch oft den Weg oder man wird angepfiffen weil man nicht schnell genug zur Seite hüpft wenn einem so einer entgegenkommt. Ziemlich nervig, aber man gewöhnt sich dran. Dafür gibt es hier ansonsten keinen Verkehr, die Insel ist eine Fußgängerzone.

Wie gesagt, es wimmelt geradezu von Touristen und dementsprechend sehen auch die Ladenzeilen aus: Souvenirshops, Touranbieter, Tauchunternehmen, Tattoo-Studios, Restaurants und Massagestudios wohin das Auge blickt. Und natürlich werben die Besitzer ständig um Kunden und man wird alle zwei Meter angequatscht. Wir lehnen aber alle Angebote ab, da wir ein bestimmtes Ziel vor Augen haben: den Adventure Club, mit denen haben wir vor 6 Jahren einen super Schnorchel-Ausflug gemacht und wollen das wiederholen. Wir finden in dem Gässchen-Labyrinth überraschend schnell unser Ziel und informieren uns über die Optionen. Da der Adventure Club auch Tauchgänge anbietet wird uns auch nahegelegt das mal auszuprobieren. Nein, wir wollen schnorcheln! Die Betreiber geben sich geschlagen und erläutern uns ihre Schnorchel-Tour. Sie klingt auf jeden Fall gut und wir haben vor sie morgen Nachmittag zu machen. Bevor wir das buchen wollen wir aber noch ein Kletterseil für übermorgen klarmachen.

Nach einigem Suchen finden wir dann auch einen etwas kleinen und abgelegenen Klettershop und erkundigen uns nach einem Seil. Wir fallen aus allen Wolken, als der Betreiber uns sagt, dass sie nichts verleihen, ja gar nicht dürfen, das wurde wohl von der Polizei untersagt. Äh wie bitte, wieso das denn? Naja, ist halt so, er kann da nichts machen und woanders werden wir auch nichts kriegen, da er der einzige Laden ist. Wir haben ja den leisen Verdacht, dass das nur eine Masche ist, um uns einen Kletterkurs zu verkaufen, darauf haben wir aber keine Lust. Ziemlich frustriert ziehen wir ab und suchen erstmal ein Café auf, um den Schock zu verdauen. Wir sind echt ziemlich geknickt, war doch der Hauptgrund nach Phi Phi zu kommen, unsere Kletterei.

Nachdem der erste Schock verdaut ist gehen wir unsere Optionen durch: von der Insel abreisen können wir nicht, da wir unsere Unterkunft schon für drei Tage bezahlt haben. Da es auch kein ganz billiges Zimmer ist fällt das also weg. Einen Kletterkurs machen wollen wir eigentlich nicht, diese Option ist also auch weg. Schnorcheln gehen wäre immer noch eine Option. Was noch? Hm, schön langsam freunden wir uns mit der Idee an, doch mal ein Schnupper-Tauchen zu probieren. Carina ist sich aber sehr unsicher, für sie ist das eine ihrer größten Ängste. Und ich bin mir auch nicht sicher ob mir das gefallen würde oder ob ich unter Wasser Panik bekomme. Naja, informieren wir uns lieber noch ein wenig.

Also ziehen wir wieder los und bleiben bei zwei drei Tauchzentren stehen. Aber so richtig überzeugen können uns die Burschen nicht. Bei einem kleinen Touranbieter meint eine Dame dann, dass es doch einen Anbieter geben könnte, der Kletter-Sachen verleiht. Praktischerweise soll der in der Gasse sein, in der auch der Adventure-Club liegt, da wollten wir eh nochmal hin wegen dem Schnorcheln und evtl. auch Tauchen. Also durchforsten wir wenig später die genannte Gasse, passieren dort den Adventure-Club und stehen auch bald am Ende der Gasse, den genannten Kletteranbieter haben wir aber natürlich nicht gefunden.

Dafür gibt es hier noch einen anderen Tauchladen, die Aquanauts. Auch hier riskiere ich einen Blick auf die ausliegenden Flyer. Es kommt auch gleich ein Tauchlehrer aus dem Shop. Angenehmerweise will er uns aber nicht gleich einen Tauchgang aufschwatzen, sondern fragt einfach, ob er uns helfen kann. Wir schildern unser Seil-Problem, er kann uns da aber leider auch nicht helfen. Also geht das Gespräch weiter zum Tauchen und er beantwortet uns ausführlich unsere Fragen dazu. Zufälligerweise handelt es sich bei Henning, so heißt er, auch um einen Deutschen und so wechseln wir gleich mal in unsere Muttersprache. Das ist bei einem neuen Thema wie dem Tauchen natürlich sehr angenehm für uns, v.a. wenn man bedenkt, dass diese Sportart wohl auch einige Risiken in sich birgt und man besser alles 100% richtig verstanden haben sollte, was einem der Lehrer erklärt. Naja, was soll ich sagen, es entwickelt sich ein sehr angenehmes und lockeres Gespräch an dessen Ende wir doch tatsächlich unseren ersten Tauchgang buchen!

So sind wir am nächsten Morgen mal wieder sehr früh auf den Beinen, um 7:15 müssen wir bei der Tauchschule sein. Dummerweise gibt es unser gebuchtes Frühstück erst ab 7:30. Ich habe zwar den Vermieter abends noch gefragt, ob wir auch eher was haben könnten – und sei es nur eine Scheibe Toast – und er hat auch eingewilligt, aber entweder hat er das nicht weitergegeben oder es hat ihn nicht wirklich interessiert. Auf jeden Fall ist keiner da, um uns nen Toast auszuhändigen. Wer Carina kennt weiß, dass Frühstück ein kritisches Thema ist und man da lieber keine Faxen macht. So ist sie auch sichtlich schlecht gelaunt, als wir Richtung Tauchschule aufbrechen. Zum Glück finden wir auf dem Weg noch eine Bäckerei – ja, wirklich mit richtigen Backwaren – und wir kriegen doch noch ein kleines Frühstück.

Kurz darauf sitzen wir mit Henning am Tisch und er erläutert uns nochmal im Detail was uns erwartet. Wir lernen verschiedene Taucher-Handzeichen und die Verhaltensregeln unter Wasser und müssen sogar zum Schluss noch eine kleine Prüfung schreiben. Naja, gut, die 15 ja/nein-Fragen sind nicht so schwierig zu beantworten, aber Prüfung ist Prüfung ;-) Mit dem nötigen Know-How ausgestattet starten wir zum Pier, wo auch schon das kleine Boot der Tauchschule wartet. Insgesamt sind sechs Gruppen an Bord, jeweils ein Tauchlehrer mit zwei Schülern. Nachdem das Ganze Equipment an Bord ist und alle ihre Plätze eingenommen haben legen wir auch schon ab und starten in Richtung Koh Phi Phi Leh, die kleinere der beiden Phi Phi Inseln. Dort waren wir vor 6 Jahren auch beim Schnorcheln. Wir steuern das Gebiet mit dem Namen Malong an, dort sollen einige Schildkröten leben.

Kurz bevor wir am Ziel ankommen werfen wir uns in Schale: Wetsuit, Taucherbrille und Flossen kennen wir ja schon, aber der Umhängegurt mit Sauerstoffflasche und den Instrumenten ist neu und ungewohnt. Die Aufregung steigt natürlich auch, ich frage mich schon ob es eine gute Entscheidung war das zu machen. Aber viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht mehr, wir sind da. Einer nach dem Anderen hüpft ins Wasser. Also watscheln auch wir zum Rand des Boots. Henning hat uns nochmal erklärt wie wir am besten ins Wasser kommen und wartet dort nun auch schon auf uns. Alles klar, auf geht’s, Taucherbrille mit der einen Hand festhalten, GoPro und Instrumente mit der anderen, ein Schritt nach vorne und „Platsch“ – angekommen. Hinter mir macht es nochmal Platsch, Carina ist also auch da. Gut, diese erste Hürde ist also genommen.

Wir schwimmen Richtung Insel, um noch ein paar Übungen zu machen, bevor wir dann wirklich abtauchen. Schon unterwegs signalisiert Henning, dass er eine Schildkröte gesichtet hat. Na toll, und wir können noch nicht nach unten. Also begnügen wir uns damit, das Tierchen ein wenig aus der Schnorchel-Perspektive zu beobachten. Da wir aber auch noch irgendwann nach unten wollen, beginnen wir mit unseren Übungen:

1) Das Mundstück unter Wasser herausnehmen, wieder in den Mund nehmen und das Wasser aus dem Schlauch pusten.

2) Wie 1., nur dass das Wasser durch einen Spülknopf am Mundstück rausgeblasen wird.

3) Das Mundstück wieder herausnehmen, loslassen, durch eine Ruderbewegung mit dem rechten Arm wieder in den Griff bekommen und in den Mund stecken.

4) Wasser in die Maske laufen lassen und durch zurücklehnen, Maske oben festhalten und durch die Nase ausatmen wieder rausdrücken.

OK, hört sich in der Theorie ganz einfach an. Henning demonstriert uns dann auch alles noch einmal und dann bin ich auch schon dran es ihm gleichzutun Also lasse ich etwas Luft aus meiner Tauchweste und sinke ein Stück nach unten. Auch wenn ich wahrscheinlich nicht mal einen halben Meter unter Wasser bin ist das schon sehr ungewohnt. Rein reflexartig halte ich anfangs immer wieder den Atem an, da muss ich mich erst daran gewöhnen unter Wasser atmen zu können. Die Übungen bekomme ich auch gut durch, und ich darf/muss wieder auftauchen. Carina ist dran. Ich seh ihr über Wasser schon an, dass ihr das gar nicht geheuer ist und erinnere mich nur ungern an das Drama vor 6 Jahren beim Schnorcheln, da hätte sie fast aufgegeben. Und so kommt es wie es kommen muss, sie ist hyper-nervös und kommt anfangs gar nicht klar unter Wasser. Ich kann ihr da jetzt leider gar nicht helfen, bin ich doch selbst noch nicht ganz sicher in der Materie. Aber Henning kann sie ein wenig beruhigen und nach ein paar Anläufen schafft sie die Übungen dann auch. Sehr gut, das ist mein Mädchen!

Carina bei ihren Übungen.
Carina bei ihren Übungen.

Also kann es losgehen, wir tauchen zusammen ab. Leichter gesagt als getan, mit der Höhenkoordination unter Wasser komme ich anfangs gar nicht klar. Der Druckausgleich durchs Nase zuhalten und Luft dagegen pressen klappt hingegen besser als erwartet. Auch wenn das Quietschen und Knirschen in meinem Kopf dabei schon etwas befremdlich ist. Auf unserer Tauchtiefe angekommen (dürften um die 5 Meter sein) können wir uns dann auch endlich der Schildkröte, die netterweise auf uns gewartet hat, widmen. Dann beginnen wir eine kleine Runde zu schwimmen. Carina kann sich für den Anfang bei Henning am Arm einhalten, das gibt ihr Sicherheit und von der anfänglichen Nervosität ist bald nichts mehr zu merken. Ich versuche ohne Hilfe auszukommen, muss aber doch immer wieder auf Hennings Arm oder seine helfende Hand zurückgreifen. Die Höhe zu halten und gleichmäßig dahinzuschwimmen ist echt nicht einfach.

Wir sehen auf unserer Runden natürlich jede Menge bunte Fischchen und auch 5 mal eine Schildkröte – auch wenn es nur 3 unterschiedliche waren. Es ist schon sehr toll die bunte Unterwasserwelt so aus der Nähe zu sehen. Wir sind zwar auch noch ab und an mit uns selbst beschäftigt, können den Tauchgang aber doch genießen und viele Meeresbewohner beobachten. Henning ist inzwischen dazu übergegangen ein klein wenig hinter und über uns zu schwimmen und uns an unseren Westen festzuhalten und zu lenken. Ab und zu würd ich ja schon gern losstarten und irgend einem Fisch hinterher tauchen, aber es ist wahrscheinlich besser wenn ich unter der Kontrolle unseres Guide bleibe.

Hanckarina unter Wasser
Hanckarina unter Wasser

Nach etwa einer halbe Stunde ist unser erster Tauchgang dann beendet und wir werden vom Boot wieder aufgesammelt. Wir sind beide begeistert und überglücklich das Wagnis eingegangen zu sein. Die anfänglichen Schwierigkeiten und die Skepsis sind vergessen und wir können es kaum erwarten zu unserem zweiten Tauchgang wieder ins Wasser zu kommen.

Davor ist aber noch eine kleine Pause eingeplant. Wir schippern in die Maya Bay. Dort ist der Strand, an dem 1999 „The Beach“ mit Leonardo DiCaprio gedreht wurde. Dieser Strand zieht seitdem unzählige Schaulustige an, die unbedingt den einen Strand aus dem Film sehen wollen. Dementsprechend ist er total überlaufen und kostet inzwischen sogar 400 Baht Eintritt (ca. 11 Euro). Verrückt. Unser Skipper meint dann es sei ihm zu voll und er findet keinen guten Platz zum Ankern, also fahren wir gleich weiter. Das stört aber niemanden an Bord. Wir verbringen unsere Pause dann vor der kleinen Insel Bida Nok, dort soll dann auch der zweite Tauchgang stattfinden. Aber erstmal stärken wir uns mit frischen Obst und reichlich Wasser. Dann noch ein wenig in der Sonne chillen, quatschen und ein zwei akrobatische Sprünge vom Oberdeck ins mehr. Dabei lerne ich von einem der anderen Tauchlehrer den „Dead Mexican“: man klettert über die Reling, steht mit dem Rücken zum Wasser, überkreuzt die Arme vor der Brust und lässt sich einfach nach hinten fallen. Beim Fallen dreht man sich automatisch in der Luft und landet dann quasi mit einem Köpfer im Wasser. Henning verflucht mich, dass ich den einfach so gemacht habe, er hadert da seit Wochen mit sich *g*

Dead Mexican
Dead Mexican

Dann ist es soweit, wir dürfen uns wieder in unsere Ausrüstung quetschen und ab ins Wasser. Bevor wir die Oberfläche verlassen ermahnt uns Henning noch nah zusammen zu bleiben, da es hier stärkere Strömungen gibt und er nicht abgetrieben werden will. OK, machen wir. Ich hab zwar wieder etwas Probleme beim Abtauchen, aber insgesamt läuft es schon etwas besser als beim ersten Tauchgang. Wir beginnen damit die kleine Insel zu umrunden. Carina bleibt lieber wieder in Hennings Nähe, ich darf mich schon ein wenig freier bewegen. Also mehr als ein zwei Meter entferne ich mich natürlich auch nicht von den beiden anderen, aber ich kann ein wenig damit experimentieren nach oben und unten zu kommen. Schön langsam klappt das auch besser.

Auf unserer Runde sehen wir natürlich wieder sehr viele Fische und auch zwei Riesenmuscheln. Besonders angetan haben es uns die großen Fischschwärme. Das sieht schon echt fantastisch aus wie die sich zusammen bewegen. Ach und habe ich schon die Haie erwähnt? Ja, solche begegnen uns auch, auch wenn sie einen großen Sicherheitsabstand bewahren. Aber ihre eleganten Bewegungen sind auch beeindruckend. Bei unserer Runde kommen wir bis auf 10,5 Meter hinunter und ich habe dann doch etwas mit dem Druck hier unten zu kämpfen. Ich habe das Gefühl, dass ich gar nicht so schnell einen Druckausgleich machen kann, wie der Druck steigt. So muss ich ein paar Mal ein wenig aufsteigen, damit der Druck wieder abnimmt. Aber im Großen und Ganzen klappt es dann doch ganz gut unter Wasser.

Viel zu schnell ist dann auch dieser Tauchgang zu Ende und wir kehren zurück an die Wasseroberfläche. Unser Boot ist aber nicht in Sichtweite. Laut Henning sind wir sehr weit gekommen und deswegen ist keiner in Sicht, kann natürlich auch sein, dass wir gar nicht weit gekommen sind und er uns nur ermuntern wollte ;-) Also müssen wir warten bis wir vom Boot entdeckt und aufgesammelt werden. Zum Glück können wir uns einfach im Wasser zurücklehnen und dahintreiben: die Taucherweste kann man mit Luft befüllen. So treiben wir gemütlich um die Insel herum, rekapitulieren das Erlebte und Quatschen einfach noch ein wenig. Es dauert sicher 15-20 Minuten bis uns das Tauchboot findet und aufsammelt. Da wir die letzten im Wasser waren geht es dann auch gleich zurück Nach Phi Phi Don.

Etwa eine Stunde später sitzen wir wieder in der Tauchschule zur Nachbesprechung. Auf einer Farbtafel zeigt uns Henning noch einmal viele der gesichteten Fische. Dann meint er auch noch, dass es ganz gut geklappt hat mit uns und dass er zufrieden ist mit unserer Performance. Sieht man mal von den Startschwierigkeiten bei Carina ab. Da war er wohl kurz davor das Ganze abzubrechen und unverrichteter Dinge zum Boot zurückzukehren Puh, da hat er zum Glück nicht gleich das Handtuch geworfen! Zu guter Letzt bekommen wir noch ein Zertifikat über die Tauchgänge. Damit könnten wir den heutigen Tag bei einem Tauchkurs innerhalb des nächsten Jahres anrechnen lassen. Naja, die Wahrscheinlichkeit, dass wir in Deutschland im Baggerweiher tauchen gehen schätze ich als relativ gering ein, aber was man hat, hat man.

Der restliche Tag ist dann relativ ereignislos. Erstmal sind wir ziemlich faul und auch etwas ausgelaugt. Das Tauchen war doch anstrengender als gedacht. Das hat uns Henning aber auch schon vorausgesagt, scheint wohl nicht ungewöhnlich zu sein. Am späten Nachmittag ziehen wir ein wenig durch die kleinen Gässchen und lassen keinen Stress aufkommen. Von einem Café aus können wir das Treiben gut beobachten. Einer der Party-Touristen fällt uns besonders auf: er kann sich kaum mehr auf den Beinen halten und wackelt sturzbetrunken herum. Krass, und dabei gehen die Partys dann jetzt erst richtig los. Naja, das haben wir zumindest gehört ;-)

Am nächsten Tag machen wir das, was man typischerweise auf einer traumhaften Insel mit jeder Menge Sandstrand macht: wir gehen wandern. Wir wollen die Insel in nördlicher Richtung erkunden und das Phi Phi Village sowie den dortigen Strand besuchen. Also tigern wir kurz nach dem Frühstück los und durchqueren erneut die Touristenmeile. Um die Uhrzeit regt sich noch nicht so viel, war wohl ne lange Nacht für die meisten anderen Besucher. Henning hat uns gestern noch den Weg beschrieben, der ist wohl nicht ganz so einfach zu finden. Und tatsächlich laufen wir fast an dem kleinen Gässchen vorbei dass er uns beschrieben hat.

Kurz darauf stehen wir an einem schmalen felsigen Strandabschnitt, der eigentlich ganz schön wäre, wäre er nicht so extrem vermüllt. Da hier wohl nur wenige Touris lang kommen kümmert sich auch keiner um den Strand, d.h. es liegt bergeweise Plasik-Treibgut herum: Plastiktüten, leere Flaschen, Flip Flops, Bojen und so weiter. Kein schöner Anblick. Dafür ist der zurück in die Bucht nicht zu verachten. Wir folgen dem Strand, klettern über ein paar kleinere Felsen, bis wir schließlich etwas ratlos vor einigen höheren Felskanten stehen. Hm, das kann doch nicht der Weg sein, oder? Aber Insel-einwärts sehen wir auch nichts was diesen Namen verdient hätte. Sind wir etwa zu weit? Zum Glück kommt auch gerade ein Einheimischer aus dem Dschungel, der uns erklärt wir müssten über die Felsen und weiter bis ganz ans Ende des Strandes. So kraxeln wir über die Hindernisse und haben dann auch wieder ein Ziel vor Augen. Der Weg macht schon Spaß, zum Glück haben wir ihn auch ganz für uns allein.

Wanderweg am Strand
Wanderweg am Strand

Am Ende des Strandabschnitts führt dann auch wirklich ein Weg in den Dschungel und es geht gut bergauf. Obwohl es heute ziemlich bewölkt ist und auch etwas kühler, kommen wir gut ins Schwitzen. Der Pfad ist wirklich sehr schmal, immer wieder hängt irgendwelches Grünzeug hinein. Und man muss ständig aufpassen, dass man auf keinen der überall herumkriechenden Tausendfüßler steigt. Nach etwas 30-40 Minuten Aufstieg geht es dann auch wieder bergab und es dauert etwa nochmal so lange, bis wir die Ausläufer des Dorfes erreichen. Hier gibt es dann sogar einen gepflasterten Weg, der uns weiter führt. Vorbei an einem Mangrovenwald führt er uns schließlich ins Phi Phi Village.

Wir sind total begeistert von diesem Örtchen, hier ist es so, wie es auf einer Insel wie dieser sein sollte: sehr relaxt und ruhig, kleine gemütliche Bars und Lokale säumen die Straße, einfach perfekt! Einfach der totale Kontrast zu dem Touristen-Pferch auf der anderen Inselseite. Ich dachte ja hier drüben ist nur ein Dorf von Einheimischen, sonst nichts. Hätten wir vorher gewusst, wie es hier ist, hätten wir uns ziemlich sicher hier eine Bleibe gesucht. Da es schon bald Mittag ist und leicht zu regnen anfängt suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen in einem der Lokale und bestellen auch gleich Thai-Food. Es schmeckt dann auch super und wir sind rundum zufrieden. Der Regen wird dann noch etwas stärker, aber wir haben kein Problem damit hier sitzen zu bleiben und einfach abzuwarten bis er wieder nachlässt.

Chillige Bar in Phi Phi Village
Chillige Bar in Phi Phi Village

Nach guten zwei Stunden Pause setzen wir unsere Wanderung dann aber wieder fort, wir wollen noch ganz in den Norden der Insel zum Laem Tong Cape. Also verlassen wir das Dorf wieder und folgen weiter dem Küsten-Sträßchen. Irgendwann macht dieses einen Knick nach links ins Innere der Insel, geradeaus geht es am Strand. Wir entscheiden uns am Wasser entlang zu gehen und werden mit einem wunderschönen Strand belohnt. Er ist zwar auch schon von Hotels gesäumt, aber hier ist eher die Nobelmeile und dementsprechend ist es eher ruhiger hier. Wir wandern weiter Richtung Norden und gelangen am Ende des Strandes in eine riesige Hotelanlage. Wie groß die Anlage ist merken wir auf der Suche nach dem Weg Richtung Norden. Merkwürdigerweise ist hier auch so gut wie niemand, außer ein paar Bauarbeitern. Wir vermuten, dass das alles noch neu und nicht eröffnet ist. Naja, egal, wir gehen kreuz und quer durch die Anlage, können aber keinen wirklichen Weg nach draußen finden. Schließlich nehmen wir einfach einen kleinen Weg der in etwas parallel zur Küste nach Norden verläuft. Der sollte uns ja dann in Richtung Kap führen.

Tja, falsch gedacht. Nachdem wir wieder in den Dschungel gekommen sind und uns schon kurz vor unserem Ziel wähnten, stehen wir plötzlich in einer Sackgasse. Man könnte auch sagen wir stehen auf einer Mülldeponie, hier liegt allerlei alter Schrott herum. Na das haben wir uns aber anders vorgestellt. Wir probieren noch zwei oder drei kleinere Abzweigungen, aber alle enden nach wenigen Metern wieder. So ein Mist. Da bleibt uns wohl nur umzukehren. Und da wir auch noch einen langen Heimweg quer durch den Dschungel vor uns haben und es hier auch schon recht früh dunkel wird, haben wir keine Zeit mehr einen anderen Weg an unser Ziel zu suchen. Schade eigentlich.

So gehen wir die ganze Strecke zum Phi Phi Village wieder zurück, nehmen dort dann aber eine andere Abzweigung: wir wollen noch zum Viewpoint den wir auch schon bei unserem letzten Besuch aufgesucht haben. So wandern wir wieder einen verschlungenen Pfad durch den Dschungel bergauf. Zwischendurch fährt mal ein Thai auf seinem Roller an uns vorbei, aber wundern tut uns das eigentlich nicht sonderlich. Wir sind ja schließlich in Asien, da werden andere Ansprüche an so ein Zweirad gestellt.

Irgendwann haben wir dann unser Ziel erreicht und stehen am „Viewpoint 3“. Äh, Moment mal, wieso 3? Hier war doch nur ein Viewpoint, oder? Naja, vor sechs Jahren war das schon so, aber wie schon mal erwähnt, es hat sich einiges getan auf der Insel. Also kehren wir dieser Aussichtsplattform nach kurzer Zeit wieder den Rücken und gehen weiter, wir wollen zu dem Punkt, an dem wir auch bei unserem letzten Besuch waren. Es stellt sich heraus, dass der damals einzige Viewpoint inzwischen „Viewpoint 2“ heißt, es wurde noch einer davor und einer danach gebaut. Auch neu ist, dass man jetzt Eintritt für den Viewpoint zahlen muss.

Koh Phi Phi vom Viewpoint 3
Koh Phi Phi vom Viewpoint 3

So stehen wir wenig später also endlich am Ziel. Der Ausblick ist heute aber eher mäßig, der Himmel ist komplett wolkenverhangen. Aber uns geht es in erster Linie darum, den Unterschied zu unserem letzten Besuch zu sehen. Und der ist schon deutlich bemerkbar. Die Inselmitte war zwar damals auch schon ziemlich eng bebaut, aber man erkennt trotzdem überall neue Bauten. Und es wird fleißig weiterbetoniert, an einem Hang gegenüber entsteht gerade ein riesiger Komplex mit sicher 250 Zimmern. Schon krass. Noch krasser ist aber der Unterschied zu 2001: meine Schwester war damals hier und hat uns ein Bild davon geschickt: es gab zwar auch schon ein paar Häuser und Hotels, aber hauptsächlich sieht man auf dem Bild Palmen und Strand. Jetzt einen grünen Fleck in dem Hotelmeer zu finden ist schon schwer. Ich würde sagen, da ist es den Menschen mal wieder sehr gut gelungen ein Paradies zu vernichten…

Der Abstieg dauert dann nicht mehr lange und wir steuern schnurstracks unsere Bleibe an. Wir waren jetzt doch deutlich länger unterwegs als gedacht und sind auch etwas erschöpft. Aber die Wanderung war es auf jeden Fall wert und hat uns Spaß gemacht. Am nächsten Morgen packen wir dann wieder unsere sieben Sachen in die Rucksäcke und marschieren zum Pier, um eine Fähre nach Phuket zu nehmen, wo Abends schon wieder der Heimflug ansteht.

Bye bye Thailand!

Ao Nang

Wir werden planmäßig von unserem vorgebuchten Taxi im Hotel abgeholt und fahren zum Flughafen. Für die 30 km brauchen wir fast eine Stunde, das sollte alles über den Verkehr hier sagen. Der Flughafen selbst ist schon etwas größer, aber es ist nicht besonders viel los. Wir reihen uns in die Warteschlange bei der Thai Smile Airways ein und wundern uns etwas, wie langsam es vorwärts geht. Wir waren jetzt ja schon auf einige Flughäfen der Welt, aber dieser toppt alles in Sachen Langsamkeit. Die Abfertigung der Reisenden beim Check-In dauert einfach ewig. Nach etwa einer halben Stunde sind wir an der Reihe und überraschend schnell auch wieder fertig. Dafür, dass der Flieger aber in einer Stunde abheben soll, stehen jetzt aber noch viel zu viele Leute hier. Wenn die in dem Tempo weitermachen haben wir entweder eine deftige Verspätung oder die Hälfte der Leute bleibt hier. Naja, die werden schon wissen was sie machen. Die Damen am Check-In Schalter scheinen dann auch wirklich an Tempo zugelegt zu haben, denn es kommen doch alle Leute zum Gate und können den Flug antreten. Selbiger startet dann auch nur mit einer halben Stunde Verspätung.

Etwa eineinhalb Stunden später landen wir (mal wieder) in Bangkok, wollen aber gleich weiter Richtung Süden. Also marschieren wir zum Thai-Airways Office und buchen gleich den nächsten Flug, in ner guten Stunde geht’s nach Krabi (mal wieder *g*). Aber diesmal ist unser Ziel nicht Krabi Town, sondern Ao Nang, das soll einen schönen Strand haben, und dafür wird’s jetzt mal Zeit. Zuerst einmal müssen wir aber in unsere Unterkunft gelangen und steigen in den Flughafen-Shuttle. Der bringt uns praktischerweise bis zur Haustür. Wir kommen gerade noch rechtzeitig um kurz vor 8 an, später wäre evtl. niemand mehr an der Rezeption gewesen.

Dafür hat das Restaurant aber schon geschlossen. Da das Baan Suan Hotel auch in the Middle of Nowhere liegt, können wir nicht einfach um die Ecke irgendwo einkehren. Der Besitzer der Anlage gibt sich aber einen Ruck und ich kann mir noch was zum Essen bestellen. Wie nett. Wir schauen etwas verdutzt, als Carina dann auch eine Portion serviert bekommt. Das haben wir eigentlich nicht bestellt, aber da sie extra für uns gekocht haben wollen wir uns jetzt auch nicht beschweren. Als sie den Fried Rice schon zur Hälfte verdrückt hat, kommt der Besitzer wieder und meint, der wäre für jemand anders gewesen. Er ist etwas angepisst deswegen. Ja saublöd, das ist ja echt dumm gelaufen, aber wir können da ja auch nichts dafür. Es ist ja auch sonst gar niemand da. Naja, wir werden nicht so recht schlau aus dem Kerl, erst war er ganz nett, jetzt ist er eher grantig. Er will uns auch einen Bootsausflug für morgen schmackhaft machen, knallt uns aber eigentlich nur einen Flyer auf den Tisch und erzählt nix dazu. Merkwürdiger Typ.

Am nächsten Morgen werden wir vom Hotel-Shuttle an den Strand gebracht. Wir gehen ein paar Meter und lassen uns dann im Sand nieder. Untypischerweise ist Carina als erste im Wasser, mich ziehts es grad gar nicht so rein. Der Strand ist zwar schon schön, aber auch etwas überbevölkert. Regelmäßig kommen Verkäufer vorbei und wollen uns allerlei Zeug aufschwatzen. Massage, Bier, Kokosnuss, Maiskolben, Sonnenbrille oder Uhr, es ist das typische Repertoire für Touris. Wir entschließen uns mal den Strand entlangzuwandern, am Ostende sind einige Felsen, vielleicht gibt es ja dort etwas zu entdecken. Der Marsch durch die pralle Sonne ist ganz schön schweißtreibend, aber für Sonne und 30° sind wir ja schließlich hier. Am Strandende angekommen nehmen wir kurz die Felsen in Augenschein, nehmen dann aber von einer Kletterpartie Abstand.

Endlich am Strand!
Endlich am Strand!

Dafür führt ein Pfad in den Dschungel, wieder ist es zu meiner Überraschung Carina, die als erste auf der Leiter dorthin steht. Es geht über Holztreppen und –leitern gut bergauf. Zum Glück ist der Weg aber im Schatten. Nachdem wir oben auf dem Hügel angekommen sind laufen wir direkt in ein Rudel Affen, ich bin entzückt. Carina nicht so, sie schaut, dass sie die kleinen Burschen so schnell wie möglich passiert. Ich lasse mir Zeit und gehe nicht sofort auf Abstand, so sitzt mir auch gleich ein Äffchen auf der Schulter. Es hat aber scheinbar kein Interesse daran mit uns mitzukommen und hüpft wieder davon als ich weiter gehe. Uns kommt dann noch ein anderes Wander-Pärchen entgegen. Amüsiert beobachte ich, wie gleich zwei Affen an den Klamotten des Mädels hochkraxeln. Sie findet das nicht so lustig und kreischt etwas. Ihr Freund macht aber erstmal ein paar Fotos, bevor er ihr hilft und die Affen verjagt.

Am Ende des Monkey-Trails angekommen bietet sich uns ein herrlicher Anblick: wir stehen vor einer kleinen Bucht mit einem superschönen Strand und einer Felswand im Hintergrund. Wow, hier lässt sichs aushalten. Das hat sich auch schon irgendein Unternehmer gedacht und hier ein tolles Resort reingebaut. Wir stehen ja normal nicht so auf diese großen Anlagen, aber diese hier sieht echt super aus. Da der Strand dann auch ein Privatstrand ist, müssen wir uns in eine Besucherliste eintragen und werden angewiesen nur am Strand zu bleiben. Wir schlendern also am Wasser durch die Bucht, bis zu einem kleinen Pier an dem der Shuttleservice für das Hotel anlegt, eine Zufahrtsstraße gibt es nämlich nicht. Hier setzen wir uns ausnahmsweise mal über die Anweisungen hinweg und gehen auf den Steg hinaus, um einen besseren Überblick zu bekommen.

Phai Plong Bay.
Phai Plong Bay.

Dabei fällt unser Augenmerk auch auf den Ao Nang Tower, einen hohen Felsen, der etwas vor der Küste aus dem Wasser ragt und der sehr interessant aussieht. Dort soll es auch Kletterrouten geben. Und angeblich kann man da auch Deep Water Soloing, d.h. direkt aus dem Boot oder Wasser anfangen zu klettern und dann irgendwann ins Wasser springen. Das klingt schon sehr verlockend. Also fragen wir hier gleich mal ob wir uns ein Kajak ausleihen können, um rüber zu paddeln. Geht leider nicht, die sind nur für Hotelgäste. Aber am Hauptstrand gibt es ja auch welche. Dorthin machen wir uns nach jeweils einem Bad im Wasser und der Sonne auch wieder auf den Weg. Die Affen hängen immer noch auf dem Weg herum und wieder wird ein entgegenkommendes Mädel von einem angesprungen. Sie kreischt laut auf, schüttelt das Tierchen ab und versteckt sich etwas panisch hinter mir. Ob sie in dem Moment mitbekommt, dass ich gar nicht zu ihrer Gruppe gehöre wage ich mal zu bezweifeln, aber es ist ihr wohl auch egal.

Zurück bei unseren Handtüchern legen wir aber erst einmal Mittagspause ein. Beim Essen entschließen wir uns dazu, dass ich nochmal schnell in unsere Unterkunft zurückkehre, während Carina die Stellung hält und ihren täglichen Kaffee genießen kann. Also mache ich mich auf den Weg, um einen Taxi-, Tuk Tuk-, Moped oder Was-auch-immer-Fahrer zu finden, der mich schnell hin und zurück bringt. Das sollt ja kein Problem sein. Denkste! Also ein Problem ist es im Grunde nicht, aber die Preisvorstellungen sind schon krass. Da haben wir für den Flughafentransfer weniger gezahlt. Ich frage haufenweise am Straßenrand stehende Fahrer, aber alle nennen denselben Preis. Und handeln will auch keiner so richtig. Also irgendwie war das früher anders in Thailand. Naja, irgendwann gebe ich dann auf und zahle zwar einen bisschen besseren Preis, aber immer noch zu viel.

Mit dem richtigen Equipment machen wir uns dann auf zum nächsten Kajak-Verleiher und paddeln kurz darauf los Richtung Ao Nang Tower. Laut dem Typen dauert es eine Stunde dahin zu kommen, aber das können wir nicht so recht glauben. Wir sind dann auch nach 15 min dort. Leider stellt sich dann heraus, dass im Moment nicht daran zu denken ist hier zu klettern mit dem Wasser als Sicherheit, da Ebbe ist und es einfach nicht tief genug ist. Wir sind schon etwas enttäuscht, lassen uns die gute Laune aber nicht verderben und paddeln eben so noch etwas zwischen den Felsen herum.

Mit dem Kajak vorm Ao Nang Tower
Mit dem Kajak vorm Ao Nang Tower

Schließlich findet sich doch noch eine Stelle, an der das Wasser an den Felsen tief genug ist, um eine Kletterpartie zu starten. Also springe ich ins Wasser und versuche die Wand hochzukommen. Aber mit nassen Händen und Füssen ist daran nicht zu denken, nach zwei Griffen liege ich auch schon wieder im Wasser. Mist. Naja, wir haben ja nicht umsonst unsere Schuhe mitgenommen, also klettere ich zurück ins Kajak, um sie anzuziehen. Gerade als ich in die engen Dinger geschlüpft bin und zurück Richtung Wand will donnert es laut und auch ein Blitz zuckt über den Himmel. Das haben wir hier jetzt gar nicht mitbekommen, wie der Himmel sich verdunkelt hat.

Oje. Ich überlege noch kurz, ob wir drauf pfeifen sollen und noch einen Kletterversuch starten, aber ausnahmsweise siegt der Verstand über die Abenteuerlust und wir paddeln schleunigst zurück Richtung Festland. Unterwegs gibt es noch einen heftigen Schauer, der aber zum Glück gleich wieder vorbei ist. In sicherlich rekordverdächtiger Zeit (beachtet man die veranschlagte Stunde) sind wir dann wieder zurück am Ufer und verkriechen uns in einer trockenen Bar. Rein klettertechnisch war der Ausflug zwar ein Reinfall, aber Spaß hat die Paddelei trotzdem gemacht. Nachdem der Regen dann wieder aufgehört hat, haben wir noch ein zwei Stunden Zeit, um uns in den zahlreichen kleinen Shops an der Uferpromenade umzusehen. Die Verhandlungen sind zwar auch hier meist wieder zäh, aber ein paar Kleinigkeiten erstehen wir dann doch und kehren in unsere Unterkunft zurück.

Bagan

Die Fahrt mit dem Nightbus verläuft ziemlich wackelig durch die Serpentinen hier. So ist an Schlaf erst einmal nicht zu denken. Irgendwann bin ich aber wohl doch eingeschlafen, denn ich werde ziemlich unsanft aus selbigen gerissen, als der Busfahrer laut schreiend durch den Bus läuft und „Bagan Bagan“ brüllt. Nach einem kurzen schlaftrunkenen Blick auf die Uhr bin ich doch etwas überrascht: es ist gerade 4 Uhr. Eigentlich sollten wir um 6 ankommen. Das mit dem Busfahren hier klappt noch nicht so ganz, erst 3 Stunden zu spät, jetzt 2 zu früh. Etwas verdattert stolpern wir mit den anderen Mitreisenden aus dem Bus und suchen uns mit zwei anderen ein Taxi in die Stadt. Dort kommen wir dann um halb 5 an und wecken die Jungs in der Anmeldung unserer Unterkunft auf. Es hat sich auch noch ein anderer Deutscher zu uns gesellt, der hier reserviert hat. Kurzerhand will man uns in ein 3er-Zimmer verfrachten bevor wir erklären können, dass wir zwei verschiedene Buchungen haben. Die Doppelzimmer sind leider noch nicht verfügbar. Erst in etwa 2 Stunden. Es ist mir zwar ein Rätsel wieso wir nicht gleich in die Zimmer können (auschecken wird um die Zeit keiner und die Putzkolonne ist in aller Herrgottsfrüh sicher auch nicht unterwegs) aber egal. So dösen wir dann erstmal am Empfang in den Sesseln. Nach 2 Stunden bekommen wir dann aber wirklich unsere Zimmer, was ja eigentlich schon super ist, dafür, dass wir erst für die kommende Nacht gebucht haben.

Es lohnt sich aber jetzt auch nicht mehr nochmal zu schlafen und so genehmigen wir uns gleich ein Frühstück. Danach leihen wir uns bei der Schwester des Hotel-Betreibers ein E-Bike aus. Das sieht eigentlich so aus wie ein Roller, läuft aber mit einer Auto-Batterie. Wir schwingen uns auf das Gefährt und steuern gleich mal den nächstgelegenen Tempel an. Das Fahren mit dem Bike ist echt angenehm. Es geht zwar nicht schneller als 45, aber das ist bei den Straßenverhältnissen vielleicht auch ganz gut so. Zumindest ist die Fahrt damit so ziemlich geräuschlos, man kann sich also unterwegs problemlos unterhalten.

Der erste Tempel ist der Shwezigon. Leider müssen wir vor Ort feststellen, dass die goldene Kuppel von einem Gerüst eingekleidet ist und wir sie somit nicht zu Gesicht bekommen. Schade, aber es gibt auch so noch genug zu entdecken in der Anlage. Neben zahlreichen Buddha-Figuren auch die von einigen Nats (=Geisterwesen) und auch ein kleines Becken mit Wasserschildkröten. Die tun mir allerdings etwas leid, da sie keinerlei Chance haben aus dem Beton-Becken zu kommen und sich so nicht einfach mal in die Sonne legen können. Tierhaltung in Asien ist dann doch etwas anderes als bei uns.

Shwezigon Pagode
Shwezigon Pagode

Weiter geht es zu den nächsten Tempeln, dem Gubyauknge und dem Gubyaukgyi (ja, die Tempel haben hier alle solche Namen, die Schreibweise kann immer etwas abweichen, dementsprechend schwierig ist es oft sich zu orientieren). Waren beim letzten Tempel noch Dutzende Besucher vor Ort, haben wir diese Stätten fast für uns allein. Na gut, sie sind auch wesentlich kleiner aber es ist trotzdem ganz angenehm. So umrunden wir die kleinen Anlagen und gehen mit den Buddhas im Inneren auf Tuchfühlung. Als nächstes Ziel auf unserer Fahrt habe ich einen Platz anvisiert, den mir unser Hostelbetreiber empfohlen hat: dort soll der Sonnenaufgang ganz gut zu beobachten sein. Die Sonne steht zwar schon hoch am Himmel, aber für morgen kann man ja schon mal schauen.

Die Tempelgruppe wo der Spot ist liegt etwas abseits und so verlassen wir die asphaltierte Hauptstraße. Es geht weiter über teils sehr schmale Sandwege querfeldein. Meistens ist die Fahrspur recht fest und problemlos zu befahren, manche Stellen sind aber sehr sandig und man muss höllisch aufpassen, dass das Bike nicht ausbricht. Wenig hilfreich ist auch das immer wieder in den Weg hängende Grünzeug. Aber nach etwas Eingewöhnung komme ich ganz gut klar und die Fahrerei macht sogar ziemlich Spaß!

So kommen wir gut und relativ problemlos voran. Nur unser Ziel finden wir irgendwie nicht. Laut Karte müsste es irgendwann rechts weggehen, aber da kommt einfach keine Abzweigung. Naja, wir halten unterwegs ein zwei Mal bei kleineren Tempelchen und Pagoden und haben auch so unseren Spaß. Als wir dann unverhofft vor einer der größeren Anlagen, dem Sulamani, stehen weiß ich dann zumindest, dass wir zu weit sind und die Map nicht ganz zuverlässig ist. Naja, wenn wir schon mal da sind besichtigen wir halt diese Anlage. Leider kann man hier nur durch das Haupttor bis zu Eingang des Tempels gehen, dort ist dann ein Gitter und Schluss. Es ist auch nicht möglich um den Tempel rum zu gehen, da ist ein Absperrband und der Hinweis, dass es gefährlich ist weiterzugehen. Schon wieder eine Baustelle! Uns kommt der Verdacht, dass hier vor der Hauptsaison noch alles ein wenig in Schuss gebracht wird, damit das Gros der Touris alles in schönen Glanz sieht.

So machen wir uns auf den Weg zurück zur Hauptstraße und visieren mit dem Ananda den nächsten größeren Tempel an. Als wir ankommen sind wir ein wenig enttäuscht, dass auch hier die goldene Spitze von einem Gerüst verhüllt ist. Also schön langsam nervts! Trotzdem gefällt uns das Bauwerk recht gut und wir drehen unsere Runde durch das Innere. Die Tempel sind sich alle recht ähnlich: ein viereckiger Grundriss (teilweise dann mit Anbauten) in dessen Mitte je eine mehr oder weniger große Buddha-Figur in die vier Himmelsrichtungen schaut. An der Außenwand führt ein Gang von Statue zu Statue und in den Gängen sind Nischen in den Wänden mit – Überraschung – Buddhas.

Ananda
Ananda

Nach den zahlreichen Tempeln haben wir uns erst einmal ein Mittagessen verdient und wir finden ein gemütliches kleines Restaurant in dem wir uns ein leckeres Fischgericht schmecken lassen. Gut gestärkt steuere ich am frühen Nachmittag den nächsten Tempel auf unserem Programm an. Dort angekommen grantelt Carina aber etwas rum, sie will jetzt mal zu einem Tempel von dem aus man einen guten Überblick hat. Ja ok, eigentlich hat sie Recht, also steuern wir einen Tempel an, der etwas größer aussieht und den man laut Reiseführer auch besteigen kann. Querfeldein sollten wir da auch schnell da sein. Unterwegs kommen wir noch an einer Tempelgruppe vorbei von der man zum Sonnenuntergang einen guten Ausblick haben soll. Das merken wir uns dann mal für später.

Kurz darauf stellen wir unser E-Bike bei der Shwesandaw-Pagode ab und machen uns daran die steilen Stufen zu erklimmen. Das ist gar nicht so einfach, denn das Geländer ist so heiß, dass man es fast nicht anfassen kann. Aber wir sind ja geübte Kraxler und stehen wenig später auf der obersten Ebene der Pagode. Und was soll ich sagen, der Anblick der sich uns von hier oben bietet ist einfach überwältigend! Von unten sind die meisten Pagoden und Tempelchen nicht sonderlich eindrucksvoll, aber der Überblick über das Gesamte von hier oben ist schon was ganz eindrucksvoll. Die schiere Menge der Spitzen die überall in die Luft ragen ist einfach unfassbar. Hier gefällt es uns so gut, dass wir viel Zeit damit verbringen einfach den Anblick in uns aufzusaugen.

Irgendwann beschließen wir, hier auch den Sonnenuntergang zu verfolgen. Bis dahin sind es noch ca. 2 Stunden, aber es hat sich schon ein kleines Grüppchen Leute versammelt, um sich die besten Plätze für später zu sichern. Wir verlassen die Pagode aber nochmal eine kleine Weile, um in dem Restaurant von heute Mittag einen Cappuccino für Carina zu organisieren und unsere Wasservorräte aufzufüllen. Als wir zurückkehren sind schon wieder ein paar Leute mehr vor Ort und wir sichern und schnell zwei Plätze in der ersten Reihe. So verfolgen wir von dort, wie Busladung um Busladung Touristen angekarrt wird und sich eine lange Schlange die Stufen hinauf bildet. Es wird hier echt richtig voll, am Ende sind es sicher an die 1.000 Zuschauer. Der Sonnenuntergang an sich ist dann zwar ganz schön, aber kein großes Spektakel. Das sehen einige der anderen wohl anders, denn es wird applaudiert, als die Sonne hinterm Horizont verschwunden ist. Das haben wir auch noch nie erlebt. Kaum ist der Applaus verklungen sind die Treppen auch schon wieder verstopft und alle wollen so schnell wie möglich wieder nach unten. Wir bleiben jedoch noch ganz entspannt sitzen und habens nicht eilig. Nachdem die Massen weg sind können wir dann noch ein paar lustige Fotos vor dem letzten roten Streifen am Horizont schießen. Dann düsen aber auch wir zurück Richtung Unterkunft. Die letzte Nacht hat dann doch ihre Spuren hinterlassen und wir sind etwas fertig.

Sonnenuntergang von der Shwesandaw-Pagode aus
Sonnenuntergang von der Shwesandaw-Pagode aus

So schlafen wir recht bald ein, werden aber um 4:45 schon wieder aus den Träumen gerissen. Klar, den Sonnenaufgang lassen wir uns auch nicht entgehen. Punkt 5 sitzen wir auf unserem Roller und peilen wieder die Shwesandaw-Pagode an. Von dort hat man einfach einen super Überblick. Was ich aber nicht so ganz bedacht habe ist die Temperatur um die Zeit. Da noch keine Sonne da ist, ist es natürlich auch noch etwas frisch. Und wenn man dann in kurzer Hose auf dem Roller sitzt ziehts ein wenig, da hilft auch der Pulli nichts. Es ist echt bitter bitter kalt und die knapp 9 km lange Fahrt wird zur Tortur für mich. Carina geht’s in meinem Windschatten zum Glück nicht ganz so schlimm. So kommen wir etwas durchgefroren an unserem Ziel an.

Diesmal sind wir nicht ganz so frei in unserer Platzwahl, es ist schon ein Bus mit einem japanischen Fotoclub da, auf der obersten Etage sind haufenweise Stative aufgebaut. Ich habe ehrlich gesagt nicht erwartet, dass es so viele Verrückte gibt, die in ihrem Urlaub schon um die Zeit aufstehen. Naja, egal, es gibt noch eine Lücke zwischen den Stativen, dort sitzen zwei Damen am Boden. Über die sehen wir ja problemlos drüber. Irgendwann stehen die beiden aber dann auf und zumindest Carina und eine andere Touristin sehen nicht mehr so gut. Also fragen wir sie ganz freundlich, ob sie denn stehen bleiben und sich die beiden anderen vorne auf die Mauer setzen können. Aber das wird brüskiert abgelehnt, sie wissen noch nicht, ob sie sitzen oder stehen wollen und sie wollen auf keinen Fall jemand vor sich haben. OK, ich seh ja ein, wer zuerst kommt, mahlt zuerst und sucht sich einen Platz aus, aber er hat noch lange nicht das Recht mehrere Plätze für sich zu beanspruchen. Vor allem nicht an einem Ort wo es nun mal zum Sonnenaufgang nun mal so zugeht wie hier. Da ist es für uns und auch alle anderen eine Selbstverständlichkeit dass man zusammenrückt, damit jeder was von dem Anblick hat. Aber die beiden geben sich uneinsichtig, sie wollen die Szenerie genießen und man solle sie jetzt in Ruhe lassen. Naja, alle Umstehenden sind sich schnell einig, dass die beiden einen Vogel haben. Es macht uns dann auch richtig Spaß sie die nächsten Minuten noch etwas zu nerven und ihnen auf die Pelle zu rücken ;-)

Naja, das Problem mit der schlechten Sicht für Carina und ihre Leidensgenossin erledigt sich dann, ein freundlicher Japaner meint sie können sie noch neben sein Stativ quetschen. So warten wir gespannt darauf die Sonne wieder am Horizont zu erblicken. Und noch auf ein anderes Highlight: zum Sonnenaufgang starten hier auch immer ca. 20 Ballons und fliegen mit über das Gelände. Wir haben zwar kurz damit geliebäugelt auch so eine Fahrt zu machen, aber der Preis hat uns dann doch die Sprache verschlagen: schlappe 320 US Dollar pro Person kostet der Spaß. Das ist es uns dann doch nicht wert. Im Nachhinein erfahren wir dann auch noch, dass die Flüge eh für die nächsten 5 Tage ausgebucht sind. Während wir auf den Start der Ballons und den Sonnenaufgang warten, erfahren wir auch den wahren Grund warum viele der Tempel in Gerüste gehüllt sind: erst im August hat es hier ein Erdbeben gegeben, wodurch viele Anlagen beschädigt wurden.

Was dann folgt ist auch wieder ein unglaublich toller Anblick und schwer in Worte zu fassen. Insgesamt 21 Ballons schweben gemächlich während dem Sonnenaufgang über Bagan, der Start ist so getimt, dass alle Ballons rechtzeitig in der Luft sind. Die Kombination Pagoden + Ballons + Sonnenaufgang ist schon sehr geil und war das frühe Aufstehen auf jeden Fall wert! Nach etwa einer Stunde ist das Spektakel dann vorbei und wir steigen die steilen Treppen der Pagode hinab, um zurück in unsere Unterkunft zu fahren, um zu Frühstücken und zu Rasten. Beim Abstieg geschieht dann fast noch ein Unglück: irgendein Idiot hat sich eine Kokosnuss gekauft, sie ausgetrunken und dann auf der obersten Ebene liegen gelassen. Schlauerweise direkt an den Stufen. Eine unachtsame Chinesin ist dann dagegengetreten und das Ding saust die Treppen runter. Carina ruft mir noch eine Warnung zu, vielleicht bin ich dadurch ein wenig zur Seite gegangen und die Nuss schlägt nur auf meinem Oberschenkel ein. Autsch. 30 cm weiter rechts und ich hätte die Nuss voll auf den Schädel bekommen und wäre wohl mit ihr die restlichen Stufen runtergeflogen. Bekannterweise sterben die meisten Touristen im Urlaub durch Kokosnüsse. Naja, ist ja nochmal gutgegangen und wir fahren nach dem kurzen Schreck zurück. Praktischerweise wird unser E-Bike während wir pausieren wieder aufgeladen, so können wir am frühen Vormittag wieder losstarten, ohne befürchten zu müssen, dass uns später der Saft ausgeht.

Sonnenaufgang von der Shwesandaw-Pagode aus
Sonnenaufgang von der Shwesandaw-Pagode aus

Das machen wir dann auch und sind bald wieder on the Road. Heute möchte ich den südlichen Teil des Areals erkunden, dorthin aber nicht über die stark befahrene Hauptstraße gelangen, sondern über einen der kleinen Feldwege. Muss nur noch der richtige gefunden werden, aber das wird schon klappen. So biege ich an einer Stelle, die dem auf der Karte ausgesuchten Weg entsprechen könnte, Richtung Süden ab. War aber wohl der falsche Weg, wie wir nach einiger Zeit feststellen. Naja, falsch ist ja relativ, er führt zumindest in die richtige Richtung, also fahren wir unverdrossen weiter. Nach einem kurzen Stopp bei zwei verlassenen kleinen Tempeln stehen wir vor der Winido-Gruppe und sehen uns den größten Tempel eben jener an.

Kurz darauf geht es auch schon weiter zu nahen Izagawna. Dort tappen wir mal wieder in die Souvenir-Falle und kaufen (wie wir später erfahren) ein Bild zu einem völlig überhöhten Preis. Naja, für hiesige Verhältnisse halt. Von der Plattform um den Tempel sehen wir dann auch wieder die Winido-Tempel und sehen, dass auf einem ein Touri rumklettert. Da kann man rauf? Na das ist uns vorher gar nicht aufgefallen. Also schnell zurück. Wir kommen dann zu einem Tempel, dessen Eingang vergittert und zugesperrt ist, aber die Schlüsselwächterin ist nicht weit, sperrt uns auch gleich auf und leuchtet uns mit einer Taschenlampe den Aufstieg aus. Es gibt eine sehr enge und steile Treppe gut versteckt in der Ecke. Nachdem wir auch noch eine kleine Bambus-Leiter überwunden haben stehen wir oben auf dem Tempel und können den Ausblick über das ganze Areal genießen. Die Haupt-Tempel sind zwar etwas weit entfernt, aber es ist trotzdem ein super View.

Danach geht unsere Rundfahrt weiter Richtung der Siedlung New-Bagan. Bevor wir durch das Dorf Minnanthu kommen halten wir noch an zwei kleineren Anlagen an, deren Name sich nur schwer bestimmen lässt, da sie nur in der Landessprache angeschrieben sind. Da es auch schon wieder auf Mittag zugeht beschließen wir nur noch einen Stopp beim Dhamma-ya-za-ka Zedi zu machen und dann Essenspause zu machen. Selbiger ist leider auch wieder in ein Gerüst gehüllt, aber daran sind wir ja mittlerweile gewöhnt. Die goldene Kuppel ist trotzdem ein guter Anblick und wir erfreuen uns auch an den kleineren Details des Baus. Um die Ecke erklimmen wir dann nochmal ein Gebäude von dem aus wir einen guten Ausblick haben, dann geht es aber wirklich zum Essen.

Wir wählen extra ein Restaurant aus in dem es laut Reiseführer gutes Thai-Essen gibt. Vor Ort sind wir dann aber ziemlich enttäuscht vom Green Elephant, das Curry ist einfach nur scharf, das Personal komplett überfordert und Carinas bestellter Cappuccino ein Espresso. Und das auch noch zu einem für Myanmar geradezu unverschämt hohen Preis. Wer je nach New-Bagan kommt: geht nicht ins Green Elephant!

Nach dieser herben Enttäuschung geht es weiter mit Tempel-Hopping. Zuerst steuern wir den Lawakananda an, der am Flussufer liegt, aber eigentlich nur aus einer kleinen goldenen Stupa besteht, Diese hat auch wieder einen Erdbeben-Schaden und ist komplett von einem Bambus-Gerüst eingehüllt. Es gibt also nicht so viel zu sehen, somit geht es recht schnell weiter. Wir fahren wieder nach Norden und halten an einer ziemlich kaputten Tempelgruppe, auf die man aber auch raufsteigen kann. Da wir auf der Suche nach einem geeigneten Platz für den Sonnenuntergang sind, ist das natürlich ein interessanter Platz. Nachdem wir ihn inspiziert haben sind wir aber davon überzeugt, dass hier kein so guter Platz ist. Also weiter, wir visieren die Tempel an, an denen wir gestern schon mal vorbei gekommen sind und sie vorgemerkt haben. Aber auch hier sind wir nach einiger Kraxelei davon überzeugt, dass es kein so guter Platz ist.

Wir wollen gerade wieder weiter fahren, da huscht eine Schlage vor uns über den Weg. Naja, von der Größe her ist es eher ein Regenwurm, aber ich bin trotzdem entzückt. Schnell rufe ich Carina zu sie soll den Roller halten, damit ich dem Tierchen nachstellen kann. Sie versteht aber leider, dass sie absteigen soll und tut dies auch. Tja, somit begibt sich das E-Bike also in die Horizontale und wir sind beide etwas überrascht. Mist. Und die Schlange ist mir nun auch entkommen. Unserem Gefährt ist zum Glück nichts weiter passiert und damit wäre der Punkt Roller-Sturz für diese Reise nun auch erledigt. Es hat ja schon eine lange Tradition, dass wir unsere Zweiräder umwerfen oder manchmal auch in Schluchten fallen lassen ;-)

Nachdem wir also keinen alternativen Platz für den Sonnenuntergang gefunden haben, steuern wir wieder die Shwesandaw-Pagode von gestern Abend und heute Früh an. Carina hat auch ein neues Projekt, sie will ein Zeitraffervideo mit Ihrem IPhone machen. Da wir heute etwas später dran sind begeben wir uns direkt eine Etage weiter nach unten als gestern, hier haben wir noch freie Platzwahl und können uns somit wie gewünscht ganz am Eck in Stellung bringen. Für Carinas Video bauen wir dann noch ein Stativ aus einem Ziegelstein, unserem Reiseführer und einer vollen Wasserflasche und warten dann das Geschehen ab. Es wird genauso voll wie gestern und auch der Sonnenuntergang verläuft eigentlich genauso. Und es wird wieder geklatscht. Strange. Nach einem erneuten harten Tag mit ziemlich vollem Programm kehren wir müde in unser Zimmer zurück und ruhen uns aus.

Die Ruhe dauert allerdings wieder nur bis 4:45, wir sind verrückt genug den Sonnenaufgang nochmal mitzumachen. Und da wir dort schon Stammgäste sind geht es natürlich auch wieder zur Shwesandaw-Pagode. Hauptgrund dass wir schon wieder hierherkommen ist, dass Carina auch vom Sonnenaufgang ein Video machen will. Trotz der Tatsache, dass wir den Ablauf schon kennen, ist es doch wieder schön die Ballons auf ihrer Fahrt zu verfolgen. Wie gestern geht es danach wieder zurück in die Unterkunft, diesmal ohne Kokosnuss-Zwischenfall.

Da wir noch ein paar der größeren Tempel noch gar nicht aus der Nähe gesehen haben, geht es nach einer angemessenen Pause auch wieder los. Wir besichtigen noch 4 oder 5 Anlagen, da eine einzelne herauszuheben ist schwierig. Es wird uns beiden schön langsam zu viel, es beginnt alles gleich auszusehen. Laut Reiseführer gibt es zwar in diesem Tempel besonders schöne Wandmalereien und in jenem die schönsten Reliefs, aber da sind wir wohl zu sehr Kunstbanausen um große Unterschiede festzustellen. Es ist jetzt nicht so, dass uns das Herumfahren gar keinen Spaß mehr macht, aber schön langsam leiden wir unter Tempel-Overload. Vielleicht hätten wir wie damals in Angkor Wat einen Tag komplett Pause machen sollen, um wieder aufnahmefähiger zu werden. Naja, so entschließen wir uns am frühen Nachmittag unsere Besichtigungen einzustellen und einfach noch etwas zu relaxen.

Auf dem E-Bike vor einem Tempel
Auf dem E-Bike vor einem Tempel

Wir brechen aber dann doch noch mal auf, zumindest den Sonnenuntergang wollen wir wieder mitnehmen. Aber diesmal an einer anderen Location. Ich habe schon etwas im Sinn, was im Reiseführer empfohlen wird, will aber unterwegs noch kurz an einem anderen Tempel anhalten. Der ist wie sich herausstellt gar nicht so einfach zu erreichen wie es auf der Karte scheint und wir brauchen länger als erwartet um dorthin zu kommen. Als wir ankommen füllt sich hier auch schon wieder alles mit Leuten, die den Sonnenuntergang genießen wollen. Da wir es jetzt wahrscheinlich nicht mehr bei meinem eigentlich ausgesuchten Tempel ankommen, gesellen wir uns zur Menge und sitzen kurz darauf auf einer Mauer oben auf der Pyathada Pagode. Wir genießen den Sonnenuntergang zwar schon, man muss aber ehrlich zugeben, dass die Pagode der letzten zwei Tage einen deutlich besseren Blick zu bieten hat. Nicht umsonst werden da ja die meisten Leute hingekarrt.

Trotzdem war es ein schöner Abschluß für unseren Bagan-Aufenthalt und wir wollen ihn nicht missen. In unserem Zimmer denken wir kurz darüber nach morgen Früh nochmal den Sonnenaufgang mitzunehmen, bevor wir dann mittags weiter fahren, entscheiden uns dann aber doch dagegen. Immerhin muss es im Urlaub ja auch mal möglich sein auszuschlafen ;-)

Bago

Nach einem kurzen Frühstück machen wir uns auf den Weg Richtung Bahnhof. Da es dorthin doch etwas weiter ist wollen wir ein Taxi nehmen. Also winke ich an der Hauptstraße dem ersten Taxi zu, erlebe aber eine Überraschung: der Taxifahrer winkt zurück und fährt weiter. Beim nächsten Taxi passiert das Selbe. Hm, hat es sich in Yangon schon rumgesprochen, dass wir nicht Taxi fahren und sie ignorieren und jetzt absichtlich? Wir werden leicht nervös, da kein weiteres Taxi in Sicht ist. Auch keine Fahrradrikscha oder sonstiges Gefährt. Ständig wollen sie uns mitnehmen, nur wenn wir dann mal wollen nicht! Pft! Aber bevor Panik ausbrechen kann erbarmt sich dann doch ein Taxifahrer und nimmt uns mit.

So sind wir kurze Zeit später am Bahnhof und haben noch genug Zeit ein Ticket zu organisieren. Wo wir hinmüssen wissen wir ja schon. Am Schalter beschäftigen sich dann gleich drei Leute damit unsere Upper-Class-Tickets auszustellen. Als sie fertig sind winkt man uns auch gleich hektisch zum Zug und der Schaffner zeigt uns unsere Plätze. Wir riskieren noch einen kurzen Blick in die normale Klasse und sind dann doch recht froh um unsere etwas heruntergekommenen, aber gepolsterten Sitze: dort sind nur sehr unbequem aussehende Holzpritschen. In unseren Sitzen liegt man zwar mehr als dass man sitzt aber das stört uns nicht sonderlich. Beim Warten auf die Abfahrt (wieso hatten es vorhin alle so eilig uns in den Zug zu bekommen?) lernen wir dann noch einen ganz besonderen Fahrgast kennen: eine kleine Maus flitzt zwischen den Sesseln umher und hofft wohl auf ein paar Krümel unseres Proviants. Pünktlich um 8 tuckert unser Zug dann eher gemächlich los. So richtig Geschwindigkeit nimmt er die ganze Fahrt nicht auf. Naja, bei knappen 2 Stunden für ca. 80 km kann man sich den Durchschnitt ja ausrechnen. Während der Fahrt sehen wir viel grüne Landschaft und auch die ein oder andere golden glänzende Stupa.

In Bago angekommen versucht man natürlich wieder uns die unterschiedlichsten Hostels aufzuschwatzen. Wir folgen schließlich Mr. Myo, der auch wohlwollend in unserem Reiseführer erwähnt wird und recht gutes Englisch spricht. Er bringt uns ins Emperor Hotel, das zwar seine besten Tage schon hinter sich hat (wenn es die je gab), aber für uns ausreichend ist. Wir machen mit Mr. Myo auch gleich eine Sightseeing-Tour für Bago aus.

So sitzen wir wenig später mit ihm und seinem Onkel (der Fahrer) im Auto und starten zur ersten Attraktion, dem Kha Khat Wain Kyaung. Das ist ein Kloster in dem über tausend Mönche leben und ausgebildet werden. Wir kommen kurz vor 11 dort an und haben so Gelegenheit die Prozession der Mönche in ihren Speisesaal zu verfolgen. Eine schier endlose Schlange von Mönchen kommt durch die Gänge und Gläubige und Touristen stecken ihnen Spenden zu. Vorm Eintreten in den Speisesaal bekommt jeder Mönch seine Portion Reis aus einem riesigen Bottich geschöpft. Das erledigen zum Teil andere Mönche, zum Teil aber auch Touristen. Ich empfinde das irgendwie als unwürdig und halte mich da lieber fern. Man sieht einigen Mönchen auch ihren Wiederwillen an, als sie von weiblichen Touristen ihren Reis in die Schüssel bekommen. Manche Mönche ignorieren die auf sie zukommenden Touris auch komplett und steuern direkt auf andere Mönche zu. Richtig so, diese „Mönchs-Fütterung“ als Touri-Attraktion muss ja nun wirklich nicht sein!

Nachdem wir noch einen Lunch-Stopp in einem Straßen-Restaurant gemacht haben geht es weiter zur Shwemawdaw-Pagode. Die ist mit 114 Metern die höchste Myanmars, laut unserem Guide sogar die höchste von Thailand, Laos und Kambodscha. Der Weg zur Pagode ist komplett verstopft mit Einheimischen und Mr. Myo erklärt uns, dass morgen Vollmond ist und das wohl ein wichtiger buddhistischer Feiertag ist. Von überall her kommen Gläubige hierher um das Fest zu begehen. Das erklärt natürlich das rege Treiben um uns herum. Auch in der Tempelanlage geht es gut zu, morgen soll es aber noch sehr viel mehr sein. Wir umrunden das goldene Bauwerk – der obere Teil ist mit echten Goldplatten verkleidet – staunend und sehen uns auch die kleineren Schreine an. Einige davon sind sehr witzig und erinnern eher an eine Jahrmarkt-Attraktion: kleine Schlüsselchen bewegen sich mechanisch auf und ab oder auf einem Rad und die Gläubigen versuchen gefaltete Geldscheine hineinzuwerfen. Wenn man trifft bringt das wohl besonders viel Glück. Wenn nicht auch gut, dann war es zumindest eine Spende an den Tempel. Man kann also nicht verlieren.

Wir vor der Shwemawdaw-Pagode
Wir vor der Shwemawdaw-Pagode

Neben der Shwemawdaw-Pagode ist gleich noch die Dama Lin Khar Ra Pagode, an deren Eingang man von zwei riesigen Elefanten-Statuen begrüßt wird. Der Innenraum ist sehr schön mit beschnitzem Holz verkleidet und gefällt uns sehr gut. Da die Spendengelder aber ausgegangen sind, wird das Kloster im Moment nicht weiter renoviert und der Rest sieht dann auch aus wie eine Baustelle. Weiter geht es nach Gyi Taw, dem Schlangen Kloster. Hier wird eine etwa 40 Jahre alte und 6 Meter lange Python als Wiedergeburt Buddhas verehrt. Sie hat ein eigenes kleines Haus in dem sie sich frei bewegen kann, sogar mit Pool ;-) Als wir da sind liegt sie faul an der Wand und verdaut wohl gerade ein Huhn. Zumindest hat sie kurz hinter dem Kopf eine Beule die darauf hindeutet. Das riesige Tier ist echt beeindruckend und sehr schön gemustert. Sie bewegt sich dann auch ein wenig auf die Zuschauer zu und es ist faszinierend das Muskelspiel an der unteren Kante zu beobachten.

Danach kommen noch einige weitere Stationen, insgesamt besuchen wir 11 Sehenswürdigkeiten auf dem Ausflug. Unter anderem noch den etwa 90 Meter langen liegenden Buddha von Mya Tharlyaung, der uns sehr gut gefällt. Dort laufen wir auch mal wieder in eine Gruppe Einheimischer, die Fotos mit uns machen wollen. Nachdem jeder einzeln ein Bild will, dauert das etwas, aber es ist lustig und macht Spaß. Als letzten Stopp möchte ich noch die Mahazedi-Pagode erwähnen, die ich persönlich super fand. Dort dürfen Männer die Pagode erklimmen und können von oben eine herrliche Aussicht genießen. Man sieht auch all die anderen Pagoden des Ortes aus den Bäumen ragen und auch der oben erwähnte liegende Buddha ist zu sehen. Der Aufstieg ist zwar bei den hier herrschenden Temperaturnen sehr schweißtreibend und die Treppen sind sehr steil, aber es lohnt sich auf alle Fälle. Während ich oben eine Runde drehe wartet Carina unten und macht inzwischen wieder einige Fotos mit Einheimischen.

Liegender Buddha von Mya Tharlyaung
Liegender Buddha von Mya Tharlyaung

Nach insgesamt fast 6 Stunden und 11 Attraktionen ist unser Ausflug dann zu Ende. Er hat sich aber auf jeden Fall gelohnt und wir haben viele tolle Eindrücke mitgenommen. Vielleicht sind es sogar ein paar zu viele Stopps, bei den letzten ist man nicht mehr wirklich aufnahmefähig und immer recht schnell durch. Nichtsdestotrotz ist er auf jeden Fall empfehlenswert! Da wir gut mit Mr. Myo ausgekommen sind und er sehr bemüht war um uns, machen wir mit ihm auch gleich einen Ausflug für den nächsten Tag aus, wir wollen mit dem Auto zum etwa 80 km entfernten Golden Rock und wieder zurück.

So werden wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück von ihm aufgesammelt. Im Auto teilt er uns dann aber mit, dass er nicht mit uns kommt, da er einen anderen Job erledigen muss. Aber er meint unser Fahrer versteht uns auch. Wir sind zwar nicht besonders begeistert, aber können jetzt auch nicht mehr aus. Na gut, wird schon klappen. Also fahren wir los. Während der Fahrt stellt sich dann aber heraus, dass unser Fahrer genau gar kein Wort Englisch versteht. Na toll, so haben wir uns das nicht vorgestellt. Aber zumindest Auto fahren kann unser Fahrer und so kommen wir etwa 2 Stunden in Kinpun an, dem Basislager zur Weiterfahrt zum Golden Rock. Selbiger befindet sich in über 1100 Metern Höhe auf einem Berg. Es führt zwar ein etwa 10km langer Pilgerpfad dort hinauf, aber da sind wir jetzt ausnahmeweise mal zu bequem dazu. ;-)

Also schließen wir uns den Massen von Einheimischen an und gehen zur LKW-Verladestation. Dort werden jeweils 42 Leute auf die Ladefläche eines kleinen Lasters gepfercht und der bringt die Ladung dann über steile Serpentinen den Berg hinauf. Die Fahrt erinnert uns stark an eine Runde mit der Wilden Maus auf der Dult, wir werden gut durchgeschüttelt und rutschen auf den Bänken hin und her. Naja, soweit das geht bei den engen Platzverhältnissen. Man sollte meinen auf so einer eher anspruchsvollen Strecke wird vernünftig gefahren, aber da haben wir die Rechnung ohne die Birmanen gemacht: wir überholen an zwei zwar etwas breiteren aber immer noch steilen Stellen jeweils einen anderen LKW und werden auch selbst einmal überholt. Naja, die Jungs werden schon wissen was sie tun. Hoffentlich. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde und wir sind dann doch recht froh, als wir oben ankommen.

Irgendwie habe ich mir das hier aber ganz anders vorgestellt, etwas natürlicher oder einsamer. Tatsache ist, dass es hier quasi ein kleines Dorf gibt. Von der Abladestelle der LKWs zieht sich ein Pfad Richtung des Heiligtums, der gesäumt wird von unzähligen Souvenir-Shops, Restaurants und sonstigen Einrichtungen wie Massage-Studios. Und es geht sprichwörtlich zu wie am Stachus. Gut, das hängt wohl mit dem heutigen Feiertag zusammen. An einem normalen Tag kommen ca. 10.000 Pilger hier herauf, heute sind es zig-tausend. Und wir mitten drin. Wir folgen also den anderen Leuten Richtung Golden Rock. Da es aber im Moment recht wolkig ist und sich auch schon wieder der Hunger regt, kehren wir erst einmal in ein Restaurant ein und hoffen, dass sich das Wetter bessert.

Wir haben wieder einmal Glück, am frühen Nachmittag reißt die Wolkendecke auf und die Sonne kommt heraus. So lässt sich der Felsen natürlich viel besser bewundern. Der Golden Rock ist ein riesiger Felsen, der an der Kante eines Berges liegt. Der Legende nach nur von einem Haar Buddhas an Ort und Stelle gehalten. Und irgendwie scheint das schon plausibel, mir will einfach nicht einleuchten wie der Fels dort zum Liegen gekommen ist. Man hat alle möglichen Perspektiven auf den verehrten Stein und von einer Stelle kann man ganz gut zwischen einem Teil seiner Unterseite und dem Berg hindurchsehen, er steht also direkt an der Kante. Man hat das Gefühl als müsste der Golden Rock jeden Moment über diese kippen und ins Tal hinunter donnern. Tut er aber nicht. Seit Ewigkeiten trotzt er an Ort und Stelle den Elementen. Das ist schon echt unglaublich!

Golden Rock
Golden Rock

Da wir mit Mr. Myo ausgemacht haben, dass wir bis zum Sonnenuntergang bleiben und dann mit einem der letzten Trucks gegen 18 Uhr ins Tal fahren, haben wir hier oben noch jede Menge Zeit. So beobachten wir das rege Treiben und drehen die eine oder andere Runde um den Golden Rock. Ich kann sogar direkt zu ihm hingehen und ihn berühren. Diese Ehre bleibt aber Männern vorenthalten, Carina muss also draußen bleiben. Am Felsen sprechen die Gläubigen jede Menge Gebete und bekleben ihn mit Blattgold. Irgendwo muss die Farbe ja herkommen ;-)

Es wird hier oben immer voller, heute Abend ist hier wohl eine große Zeremonie. Schade, dass wir an der nicht teilhaben können. Naja, wir sind auch so sehr beeindruckt von der ganzen Szenerie. Kurz nach fünf versammeln wir uns dann mit einigen anderen Touris an einem guten Platz, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Der verläuft dann leider relativ unspektakulär und wir machen uns etwas enttäuscht auf den Weg zu den LKWs Richtung Tal. Die Talfahrt ist dann doch etwas rasanter und man darf gar nicht drüber nachdenken, wie oft bei diesen Gefährten wohl die Bremsen gecheckt werden… Naja, aber das ist ja in Asien immer so. Gut durchgeschüttelt kommen wir im Tal an und unser Fahrer erwartet uns auch schon. Er will wohl gerne nach Hause und so verläuft die Heimfahrt dann auch noch recht abenteuerlich.

Yogyakarta – Borobudur & Prambanan

Spät abends setzen wir etwas holprig am Flughafen von Yokyakarta auf Java auf. Das war mal eine interessante Landung… Vom Flughafen geht es dann mit dem Bus in die Innenstadt in die Malioboro Street. In einer Nebenstraße finden wir dann auch schnell eine gemütliche Unterkunft und quartieren uns ein. Am nächsten Morgen brechen wir vormittags Richtung Kraton auf, das ist der alte Stadtkern Yogyakartas. Auf dem Weg dorthin werden wir von einigen Indonesiern angesprochen, die ein Foto mit uns machen wollen. Ist ja witzig. Europäische Touris sind hier wohl eine Attraktion für die Einheimischen. Nach ein paar Posen ziehen wir weiter und stehen auch schon am Eingang zu dem Palast im Zentrum. Denken wir zumindest. Als wir im Inneren sind stellt sich recht schnell heraus, dass wir aus Versehen in ein kleines Museum geraten sind. Die Ausstellungsstücke sind wohl aus dem Alltagsleben der Inselbevölkerung, es gibt einige Töpfe, Musikinstrumente und traditionelle Gewänder. Die Beschreibungen sind alle nur auf Indonesisch und so sind wir recht schnell wieder aus der Anlage draußen.

Wir gehen ein paar Meter weiter und kommen dann wirklich zum Eingang des Sultanspalastes. Merkwürdigerweise wird Carinas schulterfreies Shirt nicht bemängelt, meines allerdings schon. Normalerweise ist es immer anders herum. So muss ich mir zur Eintrittskarte noch ein Hemd ausleihen. Wir erkunden den Palast, sind aber auch hier etwas enttäuscht. Die Anlage ist eher klein und als Palast würde ich sie nicht unbedingt bezeichnen. In einigen kleinen Häuschen sind alte Gebrauchsgegenstände des Sultans ausgestellt. Fotokameras, Geschirr, Klamotten, etc. Naja, sehenswert ist das nicht unbedingt. Was den Palastbesuch dann doch noch etwas aufwertet ist die Tanzvorstellung auf einer Bühne im Innenhof. Wie schon in Ubud verfolgen wir die merkwürdigen Tänze mit ihren abgehackten Bewegungen. Danach verlassen wir den Palast aber wieder und lassen uns mit einer Radrikscha zurück zu unserer Unterkunft bringen. Dort machen wir eigentlich nicht mehr viel, außer einen Ausflug für den morgigen Tag zu planen. Als ich abends allerdings noch mal Richtung Hauptstraße aufbreche, um einen kleinen Happen zu Essen, laufe ich direkt in Greta und Teresa, die beiden Mädels mit denen wir am Rinjani waren. Sie sind gerade angekommen und haben sich direkt gegenüber unserer Unterkunft einquartiert. Witzig, wie sich die Wege immer wieder kreuzen. Nach einem kurzen Plausch verfolge ich dann aber weiter mein Ziel und suche mir einen kleinen Stand mit Sate-Spießchen. Mhm, sehr lecker, das asiatische Streetfood ist einfach traumhaft!

Am nächsten Morgen werden wir dann nach dem Frühstück von unserem Fahrer abgeholt und brechen auf Richtung Borobudur, einer der größten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens. Nach einer etwa einstündigen Fahrt kommen wir an der Anlage an und sehen uns gleich mal wieder mit einem der üblichen Abzock-Versuche konfrontiert und zwar von unserem Fahrer! Er meint, wenn er uns ein Gesamtticket für diesen Tempel und den nächsten besorgt ist das billiger, als wenn wir die Tickets einzeln kaufen. Wir sollten aber im Auto warten, während er die Tickets holt. Das macht uns gleich skeptisch, wir lehnen dankend ab und machen uns auf dem Weg zum Ticketschalter. Dort stellt sich heraus, dass es das Kombiticket wirklich gibt, es ist aber noch ein gutes Stück billiger, als wir es von unserem Fahrer angeboten bekommen haben. Wollt uns der Bazi doch glatt übers Ohr hauen!

Nachdem Carina ihren Begrüßungs-Kaffee genossen hat machen wir uns auf den Weg zu der großen Pyramide. Die sieht dann auch wirklich cool aus und das Beste ist, man darf auch raufgehen ;-) Sie besteht aus neun Plattformen, die auch alle eine Bedeutung haben, aber fragt mich nicht welche. Langsam arbeiten wir uns über die Einzelnen Plattformen nach oben und bewundern auf jeder die vielen Reliefs in den Wänden, sowie die obligatorischen Buddhas, die überall herumsitzen. Oben angekommen bietet sich uns ein ungewöhnlicher Anblick, auf der obersten Terrasse stehen viele kleine runde Stupas. Wir haben ja schon viele Tempel in Asien besucht, aber sowas haben wir noch nicht gesehen. Wir sind echt beeindruckt und schlendern staunend umher. Leider sind inzwischen auch viele andere Touris da, und es wimmelt ein wenig. Es ist schwierig, Fotos zu machen, auf denen niemand mit drauf ist. Es sind aber überwiegend indonesische Schulklassen da und so werden wir recht bald wieder als Fotomotiv auserkoren und lassen uns sicher 20 bis 30 mal mit den strahlenden Indonesiern ablichten. Echt witzig.

Borobudur, oberste Ebene
Borobudur, oberste Ebene

Nachdem wir genug gesehen haben, machen wir uns wieder auf den Rückweg zum Parkplatz. Wir werden von den Wächtern aber darauf hingewiesen, dass der Eingang nicht gleichzeitig der Ausgang ist, selbiger liegt auf der anderen Seite der Anlage. Na gut, denken wir uns, gehen wir halt einen kleinen Umweg. Nachdem wir den Ausgang durchquert haben werden wir durch einen überdachten Gang gelotst, in dem der übliche Nippes verkauft wird. Am Ende des Tunnels ist auch ein Schild Richtung Parkplatz. Dem folgen wir und stehen unverhofft im nächsten Gang. So geht das dann noch einige Male weiter und wir wandern gute 20 Minuten durch den Verkaufstunnel, bis wir wirklich mal am Parkplatz ankommen. Wow, das war aber echt nervig. Wir fragen uns, wer bei den letzten Ständen überhaupt noch stehen bleibt, um was zu kaufen. Wegen des unerwartet langen Rückwegs kommen wir etwas verspätet bei unserem Auto an, aber der Fahrer grinst nur wissend.

Das nächste Ziel unseres Ausflugs ist der Merapi Vulkan. Dort angekommen entscheiden wir uns spontan anstelle eines Spaziergangs lieber eine Tour mit einem Offroad-Jeep zu machen. So sitzen wir in dem Gefährt und werden gut durchgeschüttelt. Lustig. Unser erster Stopp ist dann ein kleines Dorf, das beim letzten Ausbruch des Vulkans komplett zerstört wurde. Es sind allerlei Fotos von der Katastrophe ausgestellt, sowie Gegenstände die zerstört wurden, allen voran das Skelett eines Rollers. Schon beeindruckend. Der nächste Halt ist das eher nicht, wir halten an einem Felsen in den man ein Gesicht hineininterpretieren kann. Ahja. Man sieht hier aber auch in eine Schlucht hinab, die vor dem Ausbruch etwa 100 Meter tief war und auf deren Grund ein Fluss geflossen ist. Nun ist sie noch 20 bis 30 Meter tief und voll mit Geröll und Lava. Wir fahren ein paar Meter weiter an den Rand der Schlucht und unser Guide startet ein richtiges Fotoshooting mit uns. Er hat sichtlich Spaß daran mit Carinas Kamera zu spielen und lässt uns immer wieder andere Posen einnehmen. Einziges Manko ist, dass der Vulkan mittlerweile von einer dichten Wolkendecke verdeckt wird. Schade. Als er sich dann ausgetobt hat fahren wir wieder ein Stückchen weiter und kommen zum letzten Stopp der Tour, einem kleinen Bunker. Dort drin haben sich bei dem Vulkanausbruch zwei unglückselige Menschen versteckt. Sie dachten der Bunker würde sie schützen, aber durch die Hitze draußen sind sie quasi bei lebendigem Leib gekocht worden. Das ist ein wenig beklemmend und wir sind froh, als wir wieder aus dem Bunker draußen sind. Wir springen wieder in den Jeep und werden zurück zum Ausgangspunkt der Rundfahrt gebracht.

Merapi, da sollte der Vulkan zu sehen sein!
Merapi, da sollte der Vulkan zu sehen sein!

Dort liegt unser Fahrer im Auto, macht ein Nickerchen und schaut etwas verwirrt aus, als wir ans Fenster klopfen. Nächstes Ziel unserer Tour ist dann der Prambanan Tempel. Die Anlage besteht aus eine Hauptschrein in der Mitte, daneben zwei etwas kleinere und außen herum ursprünglich zahlreiche kleinere, von denen aber nur einige wenige rekonstruiert wurden. Die ganze Anlage ist noch im Wiederaufbau und es gibt ein großes „Steinefeld“, wo das Baumaterial herumliegt. Wir besichtigen die größeren Schreine und können wieder zahlreiche Reliefs und Buddhas bestaunen. Natürlich werden wir währenddessen auch wieder bestaunt und fotografiert ;-)

Prambanan, fotografierende Kindermeute
Prambanan, fotografierende Kindermeute

Innerhalb der Anlage wäre zwar noch ein zweiter Tempel, aber da wir eh schon länger unterwegs sind als geplant, müssen wir diesen leider links liegen lassen. So kehren wir wieder zum Parkplatz zurück und sind heilfroh, dass der Markt, durch den wir wieder gehen müssen, diesmal nur sehr klein ist. So endet unsere Erkundung der Umgebung Yogyakartas mit der Rückfahrt zum Hostel. Insgesamt hat der Ausflug sich schon gelohnt und hat Spaß gemacht. Hat man aber nur die Möglichkeit eine der beiden Anlagen zu besichtigen, würde ich auf jeden Fall Borobudur empfehlen, da dieser ziemlich einzigartig ist und Prambanan sich nicht sonderlich von anderen Tempelanlagen unterscheidet.