Railay

Weiter geht’s und zwar sportlich – so ist jedenfalls der Plan. Mit dem Longtail-Boat geht es nach Railay. Da waren wir 2010 schon mal, wir wissen beide nicht mehr so recht, warum wir damals nicht länger dort geblieben sind, weil die Halbinsel eigentlich der Wahnsinn ist. Interessant ist sie für uns auch deshalb, weil man hier wohl gut klettern kann. Als wir ankommen, sehen wir schon die ersten Kletterer in den Felsen hängen. Sieht schon stark aus vor dieser Szenerie. Zudem stellen wir fest, dass sich die Front doch ein wenig verändert hat – es ist eindeutig mehr los und es gibt jetzt auch einen mobilen Steg. Seinerzeit sind wir noch vom Boot ins Wasser gestiegen und dann an Land marschiert. Das muss man jetzt nicht mehr.

Nachdem wir uns hier schon vor einiger Zeit eine Unterkunft gebucht haben, da diese Halbinsel sehr beliebt und günstige Unterkünfte schon lange im Voraus ausgebucht sind, wissen wir wenigstens gleich wo wir hinmüssen. Das Railay Garden View Resort. Es liegt ein bisschen abseits und bietet wie der Name schon sagt eher einen Blick ins Grüne als zum Meer, aber es ist trotzdem ein sehr schöner Bungalow mit einem gemütlichen Balkon.

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Wir checken uns schnell ein, dann machen wir uns auf den Weg. Wir brauchen ein Seil! Unser Ziel ist King Climbers. Von diesem Anbieter haben wir auch unser Guidebook und anscheinend kümmert sich der King führend um die Instandhaltung der Kletterrouten. Vielleicht kann er uns auch ein paar nützliche Infos geben. Leider müssen wir dort feststellen, dass der King nur Kurse gibt und kein Material verleiht. Ja verdammt! Wir versuchen dennoch ein wenig Informatives mitzunehmen und sind sehr erstaunt, dass die Kurse mit den Anfängern 5er und 6er-Routen machen. Das sind zwar keine Profi-Routen aber schon schwierigere Sachen und für einen Anfänger eigentlich nicht geeignet. Wir kommen zu dem Schluss, dass die Bewertung hier ein wenig härter sein muss, als die Routen tatsächlich sind, denn anders geht das ja gar nicht. Wir sind dementsprechend sehr zuversichtlich, dass wir hier einiges klettern können.

Trotzdem haben wir noch immer kein Seil. Glücklicherweise gibt es hier unzählige Klettershops und es dauert nicht lange, bis wir erfolgreich sind. Für insgesamt 3 Tage und umgerechnet rund 26 EUR haben wir jetzt ein Kletterseil. Es kann also losgehen. Nein, noch nicht ganz. Erst müssen wir noch was essen, denn ungestärkt geht ja gar nichts. Gegen 13 Uhr sind wir dann endlich am Fels. Und natürlich einige andere auch. Die ganzen Kurse wuseln hier rum. Hier hängt ein Seil, da hängt ein Seil. Echt krass, wie es hier zugeht. Zum Einstieg beginnen wir mit einer 5er-Route. Schnell stellt sich heraus, dass die Bewertung der Routen doch nicht so utopisch ist und wir hier schon gefordert werden. Hank macht regelmäßig den Vorstieg, während ich im Toprope nachsteige. Ich muss gestehen, zum einen hab ich einen Heidenrespekt vor dem Vorstieg in der Natur und zum anderen bin ich nicht so der Fan vom Umfädeln am Ende der Route. Hank hat da glücklicherweise schon eine gewisse Routine entwickelt und auch sein Ehrgeiz in schwierigen Situationen dennoch weiter zu steigen, um ja keinen Materialverlust in Kauf nehmen zu müssen und das damit verbundene Sturzrisiko ist schon bemerkenswert. Nebenbei beobachten wir auch ständig die Kurse und schauen, wie sich die Anfänger in den Routen anstellen. Wir sind doch ein wenig erleichtert, dass die Guides den Teilnehmern doch sehr unterstützend zur Hand gehen und das Seil ständig straff ziehen, wenn ein Kletterer einen Fortschritt gemacht hat. Außerdem rufen die Guides von unten jeden einzelnen Schritt, den die Kletterer machen müssen, zu. Also: put your right foot up, put your left hand to the side…  Das ist dann schon Klettern light. Ich wäre schon ziemlich frustriert gewesen, wenn ich hier im gleichen Level geklettert wäre, wie die totalen Anfänger. Nichtsdestotrotz ist es aber immer wieder ein riesiger Unterschied zwischen Felsklettern und in der Halle klettern. Aber die Aussicht ist einfach sensationell und es macht wirklich Spaß auch wenn der Großteil der Routen für uns unerreichbar ist. In einer 5er-Route macht Hank den Vorstieg, ich steige im Toprope nach und danach versucht Hank die im gleichen Umlenker liegende 6b-Route im Toprope. Recht weit kommt er nicht und muss sich dann enttäuscht eingestehen: No way, da komm ich nicht rauf! Tja, Level 5 ist unser Niveau, also müssen wir die Routen in der Schwierigkeit machen. Leider gibt es da nicht allzu viele und einige sind von den Kursen belegt, aber ein paar können wir dann heute doch machen.

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Anschließend relaxen wir in einer Strandbar mit den gemütlichen Dreieckskissen und lassen unsere doch etwas enttäuschende Kletter-Performance Revue passieren. Hoffentlich klappt das morgen dann besser.

Am Abend verfällt Hank dem überall ausgestellten frisch gefangenen Seafood und wir landen in einem BBQ-Restaurant, aber der frisch gegrillte Red Snapper schmeckt auch wirklich lecker.

Am nächsten Tag wollen wir unsere Thailand-Kletterkarriere fortsetzen. So geht es nach dem Frühstück wieder zum gleichen Kletterspot wie gestern. Leider sind die Kurse auch schon wieder da, das heißt, dass einige Routen schon wieder besetzt sind. Wir starten mit einer gut kletterbaren 5er-Route und gehen dann weiter in eine – wie ich finde – Genussroute, die echt richtig schön zum Klettern ist und eine weitere Route, die ich gestern nicht ganz geschafft habe, aber heute erreiche ich den Umlenker. Nebenbei beobachten wir, wie ein Anfänger unsere Tagesstart-Route im Vorstieg macht und dann auch noch oben umfädeln muss. Also, da muss ich schon sagen, das finde ich mega krass und eigentlich auch ziemlich verantwortungslos. Man sieht, dass der Kletterer nicht so ganz weiß was er tun muss, der Guide ruft von unten: no, you have to do it like… – Krass, echt! Der arme Kerl muss sich oben aus dem Seil ausbinden, d. h. wenn er irgendwas falsch macht, dann hauts ihn hald einfach mal den Fels runter. Ich finde auch, dass man in seinem Leben schon ein paar mehr Achter-Knoten gemacht haben sollte, bevor man sich an das Umfädeln rantraut, da es oben keinen Partnercheck mehr gibt, sprich wenn was nicht passt, dann ist man für sich selbst verantwortlich. Das war bei unserem Outdoor-Kletterkurs hald super, da haben wir das Umfädeln erstmal unten geübt und beim ersten „Ernstfall“ konnte der Guide von oben an den Umlenker rangehen und uns zuschauen, wie wir uns umgebunden haben. Das gibt die Sicherheit, die diesem Anfänger hier am Fels einfach fehlt. Es dauert auch echt lange, bis er fertig und wieder unten ist. Krass finde ich auch, dass die Anfänger, wenn sie sich gegenseitig sichern, nicht mit einem Halbautomaten sichern, sondern mit einem Tube. Wenn der Sicherer da einen Fehler macht, dann rauscht der Kletterer durch. Bei einem Halbautomaten blockiert das Sicherungsgerät von selbst, so dass das Durchrauschen gar nicht passieren kann. Also, ich persönlich würde davon abraten, einen richtigen Vorstiegskletterkurs in Thailand zu machen. Klettern im Toprope ist in Ordnung, die Guides haben das soweit schon im Griff, aber ansonsten ist es vielleicht nicht gerade die sicherste Art, um das Klettern zu lernen.

Anschließend will Hank in eine Route einsteigen, die als 6er beschrieben wird. Er hat sie sich im unteren Bereich angeschaut und ist davon überzeugt, dass die machbar ist und wenn er nicht weiter kommt, dann fädelt er eben an einem unteren Bohrhaken um. Zudem bietet die Route den idealen Platz für ein Foto. Ich bin ein wenig skeptisch, halte ihn aber nicht von seinem Vorhaben ab. Der Einstieg ist tatsächlich unproblematisch und es dauert nicht lange, bis Hank an der Fotostelle ist. Er will aber erstmal weiterklettern. An einem Stalagtiten klettert er hoch über einen kleinen Überhang und bis ich mich versehe, hat er die nächste Expresse eingeklippt. Weiter geht’s. Er kommt echt gut voran und scheint die 6er gut zu meistern, bis er schließlich an die Schlüsselstelle kommt. Unglücklicherweise liegt die an einer Stelle, die ich von unten nicht so gut sehe. Ich merke nur, wie es mich aushebt, Hank ist wohl gestürzt. Und gleich nochmal rauf. Hank versucht es wieder und wieder. Als er dann eine längere Pause macht, bin ich mir eigentlich schon sicher, dass er aufgegeben hat und umfädelt. Ich bin bereit ihn abzulassen, als er von oben ruft: „ich geh weiter“. Mit ein bisschen Cheaten kommt er dann tatsächlich zum nächsten Bohrhaken und der letzte ist dann keine große Schwierigkeit mehr. Er ist tatsächlich oben am Umlenker angekommen. Respekt! Nein, diese Route mach ich nicht, so viel steht fest! Ich lasse Hank dann bis zu seiner Fotostelle wieder ab und dann beginnt er sein Posing. Wie ein kleines Äffchen turnt er an dem Stalagtiten rum und versucht, das perfekte Bild zu erhaschen. Ich bin ziemlich froh, als ich ihn endlich wieder auf festen Boden habe. Er ist auch ziemlich kaputt nach dieser Anstrengung und wir entscheiden, erstmal eine Mittagspause zu machen.

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Das tut auch wirklich gut gerade. Nach dem Essen gehen wir noch auf die andere Inselseite, um ein bisschen den Strand zu genießen und zu relaxen. Allzu lange sitzen wir nicht am Strand rum, wir beobachten schon die hiesigen Felsen und studieren unseren Kletterführer, was es hier für Routen gibt. Es gibt wohl tatsächlich zwei 5er-Routen. Na dann wollen wir das doch gleich mal versuchen. Hank steigt wieder vor. Unten ist die Route noch im Schatten, aber oben raus, wird es doch sehr sonnig. Der Einstieg sieht nicht ganz so einfach aus, weil wenige Griffe und Tritte vorhanden sind, aber beim Durchsteigen stellt sich das als geringeres Problem heraus als angenommen. Die Route führt weiter durch eine Engstelle, die Hank eigentlich gar nicht gerne mag. Dennoch klettert er sauber durch, muss aber dann feststellen, dass er nicht weiß, wie die Route weiter verläuft. Er befürchtet, sich „verklettert“ zu haben. Er sieht einen Umlenker, der allerdings noch relativ weit weg ist und keine Zwischensicherung mehr vorgesehen ist. Er ist sich nicht sicher, ob das das richtige Ziel ist, peilt den Umlenker aber dennoch an. Die Überwindung weiterzuklettern wohlwissend, dass die letzte Sicherung relativ weit unten ist, bremst ihn ein wenig, aber er macht es dennoch sehr gut und kommt sturzfrei oben an. Auch ich komme soweit gut durch die Route durch, aber dadurch, dass der Umlenker möglicherweise nicht zu der Route gehört, die wir hier klettern, hat sich das Seil bei mir verhängt, das heißt, ich bin eigentlich relativ schlecht gesichert, weil ziemlich viel Schlappseil rumhängt, das Hank nicht einholen kann. Ich bin selbst erstaunt, wie ruhig ich in Anbetracht dieser Tatsache eigentlich bleibe, dennoch sagt mein Hirn ständig: jetzt bloß nicht stürzen, jetzt bloß nicht stürzen! Ich bin echt erleichtert, dass ich es dann doch irgendwann schaffe, die Verkeilung des Seils zu lösen und Hank dadurch das überschüssige Seil wieder einholen kann. So komm auch ich sturzfrei oben an und kann eine sensationelle Aussicht genießen.

Nachdem das Klettern oben in der Sonne doch sehr anstrengend und schweißtreibend war, lieg ich mich erstmal auf unsere Strandmatte und genieße die Aussicht. Nein, ich schaue nicht auf das Meer und den Strand, sondern ich genieße die Aussicht auf die Felsen und die Routen, die man hier klettern kann. Krass, wie sich die Wahrnehmung ändert. Ich bin total beeindruckt von der Beschaffenheit des Felsens und kann mich gar nicht satt sehen. Auch der Verlauf der Routen ist sowas von spektakulär. Ich versuche mir vorzustellen, wie hier die Profis hochklettern und vergesse dabei völlig die Zeit. Hank ruft mir irgendwann zu: so, ich will jetzt den Felsen hochklettern, sicherst Du mich? Okay okay, ich komm ja schon.

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Hank hat sich wieder eine Route ausgesucht, die in den 6er-Bereich fällt, die sich aber an einer Stelle teilt und entweder als 6a oder als 5 weitergeht. Hank startet souverän und an der entscheidenden Stelle entscheidet er sich, obwohl seine Kräfte schon schwinden, für den 6er-Teil. Ich halte es nicht für eine kluge Idee, aber der kleine Dickschädel lässt sich nicht abbringen. Geschickt steigt er weiter und kommt an die für ihn schwierigste Stelle. Er ist schon ordentlich über der letzten Sicherung und kurz vor dem nächsten Bohrhaken. Eigentlich hat er ihn schon fast, als er nur kurz ruft: ich falle. Schnell versuche ich noch ein wenig Schlappseil einzuholen, da hebt es mich auch schon gewaltig aus und zieht mich an den Felsen. Hank hat einen doch recht weiten Sturz hingelegt, aber glücklicherweise ist er weich in den Gurt gefallen und es ist nichts passiert. Er flucht kurz und steigt dann wieder hoch. Er schaut sich die Stelle nochmal genauer an, überlegt und überlegt, bis er sich dann doch dazu entschließt, die Route auf dem 5er-Teil zu Ende zu bringen. Dies war auch wirklich eine vernünftige Entscheidung, denn seine Kraft hat jetzt doch schon erheblich nachgelassen. Mit letzter Mühe erreicht er dann den Umlenker und kann unser Material auf dem Weg nach unten wieder einholen. Das wars dann für heute mit klettern.

Wir gehen zurück zu unserer Unterkunft und dabei merke ich, dass es mir gar nicht gut geht. Mein Bauch macht ziemliche Flachsen. Na toll, das hat mir jetzt gerade noch gefehlt. Ich leg mich gleich hin, aber es wird für mich eine ziemlich unruhige Nacht, auch am nächsten Morgen fühle ich mich noch nicht so richtig wohl. Das Frühstück schmeckt zwar, aber gut geht es mir dennoch nicht. Bevor wir zum Klettern starten können, brauche ich definitiv noch eine Auszeit. Hank meint schon, dass wir es auch lassen können, wenn es nicht geht, aber ich bin fest entschlossen, dass wir klettern gehen. Immerhin haben wir unser Seil ausgeliehen. Wir verbringen den Vormittag auf unserer Terrasse und marschieren dann gegen Mittag mal an den gegenüberliegenden Strand, vielleicht können wir ja in der Muschelhöhle, die Hank vor 6 Jahren entdeckt hat ein paar Muscheln sammeln. Leider ist noch Flut, so dass man da noch nicht hinkommt. Wir legen dann mal einen Lunch-Stopp ein, allerdings bekommt mir das Essen auch noch nicht so gut. Ich schaffe noch nicht mal die Hälfte von meinem Pad Thai, aber ich bin weiterhin zuversichtlich, dass wir jetzt dann klettern gehen. Und das machen wir dann auch. Wir eilen nur schnell zurück in unsere Unterkunft, schnappen uns unser Equipment und los geht es an den Felsen. Diesmal wieder ein anderes Gebiet. Leider sind hier auch einige Kurse, so dass wir erstmal warten müssen, bis wir endlich anfangen können. In einer Route hängt ein Seil und es ist weit und breit niemand, der klettert. Hank sucht schnell den Guide, der ihm die Route freigibt und ihn bittet, die Exen, die oben eingehängt sind, mitzunehmen. Okay, machbar. Also los. Hank steigt unten ein und es sieht noch ziemlich simpel aus. Dann kommt er plötzlich an eine Stelle, an der er zu Zweifeln beginnt und wo man das erste Mal eine gewisse Angst bei ihm bemerkt. Er findet die Lösung nicht und die Entfernung zur nächsten Sicherung ist ziemlich weit. Problem ist auch, dass er auf einem kleinen Plateau steht, d. h. wenn er stürzen würde, dann wäre das im Grunde wie ein Bodensturz. Er überlegt eine Weile und geht die Optionen durch. Die Route, die er sieht, führt extrem weit rechts vom Bohrhaken nach oben, d. h. er braucht sehr viel lose hängendes Seil, bis er dann links wieder einhängen kann, sonst sieht er leider keine Alternative. Nach längerem Hin und Her entscheidet Hank, die Route hier abzubrechen und an dem Bohrhaken, an dem er gerade hängt umzufädeln. Nachdem er wieder auf festen Boden steht, würde ich die Route eigentlich auch gerne bis zu der Stelle, zu der Hank gekommen ist, versuchen. Hank hält das für keine gute Idee, da das Seil nicht im sicheren Umlenker, sondern lediglich in einem Bohrhaken hängt und man nie sicher sein kann, dass der Haken auch wirklich hält. Okay gut, dann eben nicht. Die nächste Route, die er vorsteigt, die darf ich dann auch steigen. Die ist aber auch recht einfach und hat echt gute Tritte und Griffe. Auf einmal gibt es einen kurzen Schockmoment und alle hier halten den Atem an. Neben uns hat ein Kletterer einen Sturz an der ersten Exe und ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich am Boden aufgeknallt ist oder ob ihn der Sicherer kurz vorher noch fangen kann, aber er hat sich auf jeden Fall weh getan. Zum Glück aber nichts Schlimmes. Dennoch sind alle ziemlich erschrocken.

Nachdem wir diesen Schockmoment überwunden haben, fangen wir eine weitere 5er-Route an. Hank ist gerade am zweiten Bohrhaken als ein Wolkenbruch über uns einzieht und es monsunartig zu regnen anfängt. Glücklicherweise ist Hank noch soweit unten, dass er die Route noch abbrechen kann. Er holt die beiden Expressen wieder ein und klettert vorsichtig wieder runter. Schnell alles zusammengepackt, suchen wir Schutz in einer kleinen Holzhütte. Lange dauert der Wolkenbruch nicht, aber dafür ist er heftig. Das wars dann wohl mit Klettern. Die Routen sind jetzt nass, das kann man dann wohl vergessen.

Etwas frustriert ziehen wir schließlich von dannen und ich leg mich wieder auf ein Dreieckskissen in der Strandbar und genieße meinen Nachmittagskaffee. Hank versucht derweil unser Kletterseil zurückzugeben. Leider ist der Shopbesitzer gerade nicht anwesend, so kommt Hank unverrichteter Dinge zurück. Nachdem wir das Seil aber erst morgen um 9 Uhr zurückgeben müssen, überlegen wir jetzt, ob wir vielleicht morgen nach dem Sonnenaufgang und vor dem Frühstück noch eine Klettersession einlegen sollen. Das klingt in jedem Fall gar nicht so schlecht, wir können uns das ja noch überlegen.

Jetzt wollen wir erstmal noch einen Versuch starten und die Muschelhöhle erkunden. Als wir am Strand ankommen ist auch gerade Ebbe und man kann gut hinmarschieren. Leider ist Hank ein wenig enttäuscht, dass die Höhle nicht mehr so cool ist, wie er sie in Erinnerung hat. Seine Beute ist auch nicht gerade bemerkenswert. Aber wenn wir schon hier sind, dann schauen wir wenigstens gleich den Sonnenuntergang an. Der ist heute sogar wirklich schön. Hat sich also doch noch gelohnt, dass wir hier an den Strand gekommen sind.

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Zurück marschieren wir dann an einigen Seafood-BBQs vorbei und nachdem sich mein Bauch inzwischen wieder besser anfühlt und sich auch ein wenig Hunger breit macht, genehmigen wir uns noch einen leckeren Tintenfisch und eine fette Tigerprawn. Mmmmh, sehr lecker. Das lohnt sich schon. Frischer kann man seinen Fisch eigentlich nicht bekommen, als hier direkt am Meer.

Am nächsten Tag klingelt um 6:30 Uhr der Wecker. Kurzer Blick aus dem Fenster: Sonne scheint – nutzen wir die Gelegenheit und gehen wir klettern! Eine Entscheidung, die wir definitiv nicht bereuen. Am Kletterspot angekommen, ist hald einfach noch niemand da. Wir haben freie Auswahl, was wir klettern wollen. Wenig später kommen zwei weitere Kletterpärchen, aber das wars dann auch. Wir gehen in aller Ruhe zwei schöne Routen, bevor wir unser Seil zurück gegeben müssen. Das hat sich in jedem Fall mehr als gelohnt. Also, wenn jemand Interesse hat, auf Railay zu klettern und nicht gerade die Profirouten machen kann, dann sollte man in jedem Fall einen Early Bird machen und gleich nach dem Aufstehen an den Fels gehen! Nicht nur, dass es noch ruhig ist und man den Fels für sich hat, es ist auch noch angenehm von der Temperatur her und macht einfach Spaß.

Nach diesem erfreulichen Erlebnis geben wir dann unser Seil zurück und machen uns auf den Weg zu unserem Frühstück. Ein perfekter Start in den Tag. Mal schauen, was als nächstes kommt…

Mandalay

Von Bagan aus geht es weiter nach Mandalay. In unserer Unterkunft haben wir einen Shuttle-Service zur Bushaltestelle geordert, der auch einwandfrei klappt. Pünktlich um 11:30 Uhr werden wir zusammen mit noch ein paar anderen Touristen aufgesammelt. Hier erleben wir frustrierendes: mit uns sind zwei spanische Pärchen unterwegs, die sich eifrig unterhalten und wir stellen zu unserem Entsetzen fest, dass wir überhaupt gar nichts mehr verstehen. Zunächst sind wir uns ja noch nicht einmal sicher, ob es wirklich Spanisch ist oder vielleicht doch Portugiesisch, aber leider ist es tatsächlich die Sprache, mit der wir uns zwei Jahre früher durch Südamerika geschlagen haben und eigentlich auch sehr viel verstanden haben. Krass, wie schnell man alles wieder verlernt, wenn man nicht dran bleibt. Enttäuscht von unserem eigenen Versagen klinken wir uns schließlich aus und lassen uns von einem etwas schäbigeren Bus über die unzähligen Schlaglöcher und Unebenheiten in der Straße karren.

Pünktlich um 16:30 Uhr erreichen wir schließlich Mandalay und bekommen überraschenderweise tatsächlich gleich einen Transfer vom Busbahnhof zu unserer Unterkunft. In einem Sammeltaxi geht es in die Stadt. Wir sind zunächst ein wenig irritiert, weil wir irgendwie ganz woanders hinfahren, als unsere Unterkunft liegt und wir eigentlich schon in der Nähe waren, aber wie sich herausstellt liefert der Fahrer erst noch zwei Einheimische ab, die uns gar nicht aufgefallen sind. Es stellt sich auf jeden Fall heraus, dass die Entfernungen in der Stadt doch ganz ordentlich sind, d. h. zu Fuß können wir unsere Ziele nicht ablaufen. Mal schauen, wie wir dieses Problem lösen werden.

Gegen 18 Uhr sind wir dann endlich in unserem Hotel, wir checken nur schnell ins Zimmer ein und dann gibt es im Hotelrestaurant noch einen Fried Rice, zu mehr können wir uns heute nicht mehr aufraffen.

Am nächsten Tag starten wir dann unsere Erkundungstour durch Mandalay. Die Frage nach der Fortbewegung in der Stadt hat sich auch von selbst gelöst, nachdem unser Hotel kostenfreie Fahrräder zur Verfügung stellt. Das ist natürlich eine praktische Sache und wir nehmen dieses Angebot dankend an. Unser erstes Tagesziel ist Palast, der von einem Wassergraben umgeben ist und sich auf eine Fläche von 4 Quadratkilometer erstreckt. Das bedeutet, den Palast zu umrunden, das dauert schon ein bisschen. Man kann auch nicht von allen Seiten rein, so müssen wir erstmal halb rum radeln. Der Verkehr hier in der Stadt ist auch interessant. Als Radlfahrer muss man schon ganz ordentlich aufpassen, dass einen nicht ein Rollerfahrer oder ein Auto vom Radl holt. So ganz wohl fühle ich mich nicht, aber mir ist es trotzdem lieber, als zu Fuß laufen zu müssen.

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Am Straßenrand stehen überall etwas heruntergekommene Fitnessgeräte, die von den Einheimischen doch recht fleißig genützt werden. Das müssen wir auch gleich ausprobieren. Lustig, sowas brauchen wir daheim auch! J

Schnell ein paar Klimmzüge gemacht und schon geht es weiter. Der erste Eingang ist schon mal nicht für Ausländer, also weiter. Am zweiten Eingang dürfen wir passieren. Laut unserem Reiseführer kassieren die Wächter von den Touristen keine Reisepässe mehr ein, während sie den Palast erkunden, aber das stimmt leider nicht. Man muss noch immer seinen Pass hinterlegen, um eintreten zu dürfen. Man darf auch nur den direkten Weg zum Palast nehmen und nirgends abbiegen oder anderweitig rumschwirren. Naja okay, dann halten wir uns eben an die Regeln.

Leider ist der Palast selbst ein wenig enttäuschend. Angeblich soll er aus insgesamt ca. 130 Gebäuden bestehen, aber so wirklich vorstellen kann ich mir nicht, dass der tatsächlich so viele einzelne Häuser hat. Das Areal ist nicht so groß, wie man aufgrund der Gesamtgröße vermuten würde. Auch die einzelnen Gebäude sehen alle ziemlich ähnlich aus, nur sind manche größer und andere eben kleiner. Einzig das erste Gebäude unterscheidet sich massiv von allen anderen, da es golden ist. Der Rest ist aus einem roten Holz und darf mit Schuhen betreten werden, im ersten Haus muss man jedoch seine Schuhe ausziehen. Hier sind auch einige Mönche, die ihr Mittagessen bekommen. Offensichtlich kann da aber jeder hingehen, denn an den Tischen sitzen auch einige Touristen. Mich lacht das Büffet mal wieder nicht so an. Ich weiß, ich bin da ein wenig „hoaglig“ aber ich kanns auch nicht ändern. Bevor wir uns ebenfalls auf den Weg zum Lunch machen, erklimmen wir noch den 50 m hohen Aussichtsturm, um einen besseren Überblick über das Gelände zu bekommen. Von oben sieht es dann doch ein wenig spektakulärer aus, als von unten. Es ist aber dennoch kein Vergleich zu anderen asiatischen Palästen, die wir bislang besucht haben.

Wir radeln schließlich weiter zu einem Thai-Lokal, das uns unser Reiseführer empfiehlt. Dort gibt es ein Massamann-Curry, das ein wenig zu spicy für unseren Geschmack ausfällt, aber dennoch lecker schmeckt.

Nachdem wir den weiteren Tagesablauf verplant haben, schwingen wir uns wieder auf unsere Bikes und erkunden noch ein paar Tempel. Es ist ein bisschen nervig, dass man hier wirklich für alles seine Schuhe ausziehen muss. Zum Radln haben wir extra festes Schuhwerk angezogen, so dass es wirklich jedes Mal ein Act ist, bis man wieder tempelfertig ist. Um aber nicht negativ aufzufallen, halten wir uns auch diesmal an die Regeln und ziehen brav an jedem einzelnen Punkt unsere Schuhe aus. Zuerst inspezieren wir das Atumashi Kloster, das aus einer großen und recht beindruckenden Haupthalle besteht, das Untergeschoss hingegen ist eher unspektakulär, so erkunden wir lediglich den oberen Teil des Gebäudes. Auf der Terrasse sitzt eine Gruppe von Schülern, die zu Hiphop-Musik ihre Hausaufgaben erledigen. Lustig, ich kenn es noch so, dass Hausaufgaben zu Hause gemacht werden müssen und dass dazu keine Musik laufen darf…

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Anschließend geht es zum Shwenandaw Kloster, welches sich ganz massiv von allen anderen unterscheidet, da es ausschließlich aus Holz ist. Es besteht aus feinsten Schnitzereien und alleine die Verzierungen an den Säulen ist wahrscheinlich eine Lebensaufgabe für eine Einzelperson. Im Inneren gibt es wieder einen Bereich, der lediglich für Männer bestimmt ist. Brav halte ich mich an die Vorgaben, enthalte mich an dieser Stelle aber eines Kommentars. Hank schaut sich währenddessen die Buddha-Statuen genauer an, während ich außerhalb der „verbotenen Zone“ verweile. Am Kloster gibt es noch einige Verkaufsstände und wir versuchen weiterhin einen Holzlöwen zu einem uns angemessen erscheinenden Preis zu ergattern, aber auch hier lassen die Birmanen nicht wirklich mit sich handeln. Es läuft immer gleich ab: die Händler nennen einen utopischen Preis, fragen dich wieviel zu bereit bist zu zahlen, dann nennst du deine Vorstellungen, die Händler lachen und fragen nochmals nach einem ernsthaften Angebot. Ich weiß jedenfalls nicht, wie hier jemals ein Geschäft zustande kommen soll. Wir zahlen auf jeden Fall nicht die wild aus der Luft gegriffenen Preise, die sich die Birmanen so vorstellen und die scheinen auch nicht auf die Geschäfte angewiesen zu sein, denn auch hier ist es völlig in Ordnung, dass wir ohne tatsächlich etwas zu kaufen weitermarschieren.

So geht es nun zu unserem nächsten Ziel: die Kuthodaw Pagode. Diese besteht aus zig kleinen Pagoden, in denen jeweils eine Marmor-Tafel mit einer Inschrift zu finden sind. Insgesamt, wenn man alle einzelnen Tafeln zusammensetzt, ergeben die Texte dann ein ganzes Buch. Ich finde, dass diese Pagode ein wenig wie die Friedhöfe in Argentinien ausschaut. Ich muss aber gestehen, dass meine Lust an Tempel- und Pagodenbesichtigungen inzwischen mehr als gestillt ist und ich sehr froh bin, als wir endlich an der letzten für heute ankommen: die Kyautaktawgyi Pagode. Was soll ich sagen? Wieder eine Pagode mehr, wahrscheinlich unterscheidet auch sie sich von den anderen, aber ich als alter Kunstbanause, erkenne dies für heute nicht mehr.

Stattdessen freue ich mich darauf, dass wir jetzt zum Mandalay Hill marschieren, von wo aus man einen tollen Ausblick auf den Sonnenuntergang haben soll. Uns wird gesagt, dass der Aufstieg zum Gipfel etwa eine Stunde dauern soll. Natürlich muss auch dieser barfuß gemacht werden. Also schön langsam nervt es mich echt ziemlich, dass man überall seine Schuhe ausziehen muss, vor allem weil der Weg auf den Hill alles andere als sauber und eben ist. Aber gut, machen wir das hald auch diesmal so. Von wegen eine Stunde dauert es bis zum Gipfel. In weniger als 35 Minuten sind wir oben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier tatsächlich jemand eine ganze Stunde hoch braucht.  Oben am Gipfel gibt es – welch eine Überraschung – wieder einen Tempel. Nachdem ich mittlerweile wirklich durch bin mit der Tempelhopperei lauf ich nur einmal kurz durch, mach 3-4 Fotos und nehme meinen Platz für den Sonnenuntergang ein. Es füllt sich hier doch ganz ordentlich. Der Sonnenuntergang selbst ist allerdings nicht sonderlich beeindruckend, gerade wenn man davor das Spektakel in Bagan gesehen hat, ist das hier einfach nur ein weiterer Sonnenuntergang wie jeder andere auch. Wir bereuen es dennoch nicht, hier hoch gekommen zu sein, denn man hat einen schönen Überblick über die Stadt selbst und ein bisschen Treppensteigen hat ja auch noch niemanden geschadet.

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Anschließend geht es den Berg wieder runter und wir müssen mit unseren Bikes durch die Dunkelheit und vor allem den mega chaotischen Verkehr von Mandalay düsen. Also hier ist es schon ziemlich verrückt, glücklicherweise haben unsere Räder Lichter und wir können auf uns aufmerksam machen. Ich bin schon ziemlich froh, nachdem wir wieder in unserer Unterkunft angekommen sind.

Der nächste Morgen startet wieder gemütlich mit einem ausgiebigen Frühstück, bevor es zu einem weiteren – und wie ich hoffe auch letzten – Tempel: Mahamuni-Pagode. Hier steht der bedeutendste Buddha von ganz Myanmar. Den dürfen wir natürlich nicht auslassen, also radeln wir wieder mal los. Wir kämpfen uns wieder durch das Verkehrschaos, teilweise bin ich mir echt nicht sicher, wie wir auf die andere Straßenseite gelangen sollen, aber Hank ist hier sehr anpassungsfähig und macht es den Birmanen gleich. Er fährt auch einfach los und tatsächlich, irgendwie geht es dann doch immer. Trotzdem, für mich ist das nix. Ich fühle mich da wie ein kleines Kind, das nach Mama`s Hand greifen möchte.

Am Tempel müssen wir natürlich mal wieder unsere Schuhe ausziehen und eine Gebühr für die Benutzung einer Kamera bezahlen und dann darf ich noch nicht mal mit zum Buddha. Der ist mal wieder nur für die Männer bestimmt. Ich weiß das nicht gleich und hab mich wohl zu nah an den Buddha herangetraut und werde sofort von 3 Männern geschimpft, dass ich da nicht hindarf. Ja ja, ist ja schon gut, ich tu dem Buddha schon nix! Ehrlich gesagt bin ich ziemlich schockiert über dieses Pascha-Gehabe und bei dem Gedanken daran, dass bei uns bis vor nicht so langer Zeit auch noch keine Gleichberechtigung geherrscht hat, wird mir richtig schlecht. Dennoch reihe ich mich brav in den Außenbereich ein, der für die Frauen bestimmt ist. Man darf den Buddha ja immerhin von der Ferne anschauen. Hank steht währenddessen direkt dran und verpasst dem Buddha ein weiteres Goldplättchen.

Beim Besichtigen der restlichen Tempelanlage kommen wir mit einem Mönch ins Gespräch. Dieser studiert in dem hiesigen Kloster Englisch und anscheinend ist es nicht ungewöhnlich, dass die Sprachstudenten Touristen ansprechen, um die Englischkenntnisse zu vertiefen. Der Mönch ist jedenfalls sehr nett und er erzählt uns einiges über das Mönch-Dasein, die birmanische Sprache und das Kloster. So kommen wir unverhofft zu einer privaten Führung. Es ist wirklich sehr interessant, die Anlage von ihm gezeigt zu bekommen und auch ein wenig über die Hintergründe zu erfahren. Zur Mittagszeit müssen wir unseren privaten Guide allerdings wieder abgeben.

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Mittag, unser Stichwort. Wir steuern quer durch die Innenstadt, um einen Tipp unseres Reiseführers aufzusuchen. Dieser erweist sich auch tatsächlich als gute Adresse und wir genießen gutes Thaifood. Inzwischen sind wir beide ein wenig unmotiviert und es klingt sehr verlockend, einfach mal eine Pause im Hotel einzulegen. Das machen wir dann auch. Erst gegen 16:30 Uhr brechen wir nochmal auf. Wir wollen noch einmal durch den Markt schlendern und den Sonnenuntergang wollen wir auch erleben. Leider ist aktuell das absolute mega Chaos auf der Straße und es gibt teilweise kaum ein Durchkommen. Am Ende schieben wir sogar unsere Räder, weil es viel zu chaotisch zugeht. Eine Frau fällt mitsamt ihrem Roller einfach um, aber das scheint nicht so wirklich ungewöhnlich zu sein. Als wir beim Markt ankommen, wissen wir auch, warum das Chaos aktuell ganz so schlimm ist. Der Markt ist aus und da drängen alle raus. Hmm, hier hat unser Plan wohl ein Loch. Naja egal, dann fahren wir eben direkt weiter zum Viewpoint für den Sonnenuntergang. Wie sich herausstellt, war es doch gut, dass wir nicht auf den Markt gegangen sind, denn der Sonnenuntergang ist schon sehr weit fortgeschritten. Wir genießen die letzten Augenblicke, bevor die Sonne für heute gute Nacht sagt und kehren dann wieder zurück zu unserer Unterkunft.

Inle See

 Für die Weiterfahrt an den Inle-See werden wir um viertel nach 9 an unserer Unterkunft aufgesammelt und zur Bushaltestelle gebracht. Warum wir eine halbe Stunde vor Abfahrt anwesend sein müssen, erschließt sich uns zwar nicht, aber im Gegensatz zu einem französischen Rentnerpärchen, das mit uns fährt, mussten wir wenigstens nicht schon eine ganze Stunde bevor es losgeht startklar sein. Laut Mr. Myo fahren wir mit dem Bus ca. 8,5 Stunden und sollen gegen 18:30 Uhr in Nyaungshew ankommen. Einen Lunch-Stop gibt es auch, also alles ganz gechillt. So zumindest die Theorie…

Wir fahren pünktlich um 10 Uhr los und es geht auch erstmal ganz entspannt voran. Dass wir unseren Mittagsstopp allerdings schon um 10:45 Uhr machen, war so von uns nicht eingeplant. Wir haben beide noch absolut gar keinen Hunger und aus Angst, irgendetwas schlecht Verdauliches oder überdurchschnittlich gut Verdauliches zu erwischen, verzichten wir auf die Nahrungsaufnahme um diese frühe Uhrzeit. Wir kaufen uns lediglich 4 kleine Bananen und eine Orange und dann steigen wir wieder in den Bus. Dort erleben wir dann die nächste Überraschung: der Bus fährt nicht bis Nyaungshew, sondern ca. 13 km vorher endet unsere Fahrt. Aha, das ist ja auch wunderbar. Naja, noch ist die Stimmung einigermaßen gut, wenn wir in der Zeit liegen sollten wir ja dennoch nicht ganz so spät ankommen. Mit den beiden Franzosen haben wir schon ausgemacht, dass wir uns ein Taxi teilen, also ist hier vielleicht auch schon wieder eine Ersparnis möglich. Der Bus macht gut Strecke und über schmale Serpentinen geht es irgendwann stetig bergauf. Um 18:30 Uhr sagt uns der Assistentsfahrer, dass es noch rund 1,5 Stunden zu fahren sind. Äh, wie bitte? Dann wären wir insgesamt bei 10 Stunden und nicht wie angekündigt bei 8,5 Stunden Fahrtzeit. Unsere Obstvorräte sind auch längst verbraucht, Kekse haben wir auch keine mehr, das wird jetzt hart.

1,5 Stunden später ist noch immer kein Ende unserer Fahrt in Sicht. Wir erfahren nun, dass es nochmal rund 1 Stunde dauert, bis wir ankommen. Bitte??? Langsam verliere ich ein bisschen meine gute Laune und ich mag nicht mehr. Zur Erinnerung, wir haben noch nichts gegessen, es ist bereits 20 Uhr und eine Ankunft ist noch nicht in Sicht.

Gegen 21:15 Uhr werden wir schließlich irgendwo in Myanmar am Straßenrand abgesetzt. Es ist stockdunkel, außerdem ist es kalt, wir sind am Verhungern und haben keinen Plan wo wir sind und wir müssen noch irgendwie 13 Kilometer zurücklegen um zu unserer vorreservierten Unterkunft zu kommen. Das ist jetzt der Moment in dem ich mir denke: Warum? Warum sind wir nicht einfach Pauschalurlauber, die 3 Wochen ein Resort irgendwo am Strand gebucht haben, die sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen und von Bediensteten mit Mojitos versorgt werden. Im Augenblick habe ich hierauf keine Antwort. Stattdessen umzingelt uns eine Gruppe Einheimischer, von denen nur einer Englisch spricht und der uns ein Taxi anpreist. Allerdings ein Motorrad-Taxi. Na toll, das kann ich jetzt gar nicht brauchen, vor allem will ich nicht auf einem Roller hinten drauf sitzen mit all meinen Sachen und Hank ist irgendwo anders, nein nein, das gefällt mir gar nicht.  Wir sind beide sichtlich erleichtert, als er mit einem großen Tuktuk ankommt und uns zusammen mit den beiden Franzosen für insgesamt 20000 Kyat mitnehmen will. Ich glaub allerdings mir hauts den Vogel raus, als Hank mit dem Preis nicht einverstanden ist. Das sind pro Person umgerechnet nicht mal 5 Euro, wir stehen hier mitten in der Nacht im Nirgendwo, sind den Einheimischen völlig ausgeliefert, wir haben hier eine Gruppe, die uns dort hinbringt, wo wir hinwollen und Hank will verhandeln?? Ich bin selbst ja kein Verhandlungsgenie, aber ich denke zu erkennen, dass wir aktuell in einer verdammt schlechten Verhandlungsposition sind. Die wenn gehen, dann sind wir aufgeschmissen. Ich glaub Hank sieht es meinem Gesichtsausdruck an, dass ich von seiner Strategie gerade alles andere als begeistert bin und willigt ein wenig widerwillig ein, den vorgegebenen Preis zu bezahlen. Na Gott sei Dank, ich will einfach nur in die Unterkunft.

Die Fahrt mit dem Tuktuk ist nochmal ein wenig nervenaufreibend, erstens friere ich wie verrückt, dann hört sich das Tuktuk an, als wenn es jeden Moment auseinander fällt und es zieht sich noch ewig. Ich war in meinem Leben selten so erleichtert, das Ziel erreicht zu haben, wir an diesem Abend. Wir gehen dann auch ohne was zu essen direkt ins Bett, so fertig sind wir bei der Ankunft.

Wenigstens können wir die Nacht sehr gut schlafen und werden am nächsten Morgen für die Strapazen des Vortages mit leckeren Pancakes mit Honig und Bananen mehr als entlohnt. Ich fass es gar nicht, wie gut die schmecken und könnte der Guesthouse-Betreiberin einfach um den Hals fallen, so glücklich macht sie mich mit ihren Pfannkuchen. Nach diesem sensationellen Frühstück leihen wir uns Bikes aus und machen uns auf den Weg die Gegend zu erforschen. Für Mountain-Bikes sind wir mal wieder zu geizig, so nehmen wir für ca. 1 EUR pro Tag für ein Fahrrad die klapprige Variante. Wenigstens bekommen wir sie voll aufgepumpt und richtig eingestellt, so ist die Fahrt auf der Gerade nicht ganz so eine Plackerei wie wir sie schon erlebt haben. Wir haben uns eine Tour ausgesucht, die zunächst etwa 2 Stunden auf der einen Seeseite entlang gehen und dann mit einem Boot den See überqueren und anschließend nochmal 2 Stunden auf der anderen Seeseite zurück gehen soll. Wir strampeln also gemütlich dahin, es ist zunächst noch ziemlich frisch, aber nachdem dann die Sonne endlich rauskommt wird es doch ziemlich schnell ziemlich warm. Also alle Schichten wieder ausziehen, die wir zusätzlich dabei haben und es geht schön dahin. Fast schon ein wenig verdutzt schauen wir aus der Wäsche, als wir nach ca. 1 Stunde schon den Ort erreichen, an dem man den See queren kann. Wer braucht denn bitte für diese Strecke 2 Stunden? Wir waren ja jetzt wirklich nicht sonderlich schnell unterwegs. Naja egal, fahren wir halt zum Viewpoint.

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Tja, das ist leichter gesagt, als getan. Ein Viewpoint setzt ja bekanntlich voraus, dass er höher liegt, damit man auch eine Aussicht haben kann. Und hier merkt man ganz deutlich, dass wir nicht mit den Mountain-Bikes sondern nur mit den veralteten klapprigen Rädern unterwegs sind. Immerhin haben wir 3 Gänge zur Auswahl. Dennoch ist die Auffahrt mehr als anstrengend und die mittlerweile doch schon sehr drückende Hitze macht dieses Unterfangen nicht gerade einfacher. Heruntermarschierende Touristen schauen uns schon an, als wenn wir völlig einen an der Waffel hätten, aber wir lassen uns davon nicht beirren und kämpfen uns weiter Meter um Meter nach oben. Wir stehen schließlich an einer Abzweigung, an der man sich entscheiden muss, ob man zuerst zum Kloster möchte oder gleich zum Viewpoint. Nachdem der Weg zum Viewpoint nochmal steiler wird, entscheiden wir uns, mit dem Radl zum Kloster zu fahren und das letzte Stück zum Aussichtspunkt zu Fuß zurück zu legen. Man muss es ja nicht übertreiben. Das Kloster selbst ist relativ unspektakulär, es liegt halt in den Bergen und ist von Bäumen umgeben, aber ein Place-2-B ist es jetzt auch nicht unbedingt. Glücklicherweise gibt es eine direkte Verbindung von hier zum Aussichtspunkt, so können wir einfach schnell weitergehen und stehen auch schon an der Stupa, die den Viewpoint markiert. Leider ist es hier ziemlich verwachsen, so dass man nicht so den tollen Ausblick hat, aber egal. Hank entdeckt dann am Wegesrand 2 große Spinnennetze mit 2 mächtigen Exemplaren meiner „Lieblingstierchen“. Bäh, schnell weg!!!

Jetzt werden wir wenigstens für unsere Qualen den Berg hinauf belohnt, wir dürfen es abwärts laufen lassen. Das macht gleich erheblich mehr Spaß als das nach oben plagen und geht auch wesentlich schneller. Kurze Zeit später stehen wir am Seeufer und gehen den Steg entlang um uns mal ein bisschen umzusehen. Hier sind lauter kleine Holzhäuschen auf Holzstützen, überall wuselt es an beschäftigten Menschen und zwischendurch kann man doch überraschend viele Touristen finden. Natürlich sind die Verkaufsfreudigen auch nicht weit entfernt. Eine Bootsfahrt zum anderen Ufer kostet 10.000 Kyat, also etwa 7 EUR, aber da lassen sie nicht mit sich handeln, offensichtlich sind sich hier alle einig, dass das ein Festpreis ist. Es ist allerdings auch schwierig mit jemand über einen Preis zu verhandeln, wenn der Verhandlungspartner kein Englisch spricht, also müssen wir uns wohl oder übel mit diesem für asiatische Verhältnisse doch recht teuren Preis zufrieden geben. Wenige Augenblicke später sitzen wir zusammen mit unseren Fahrrädern in einem Boot und schippern gemütlich durch den Inle-Lake. Die Aussicht ist herrlich. Der See ist umringt von Bergen, die Sonne strahlt und der See glänzt. Herrlich. Die Fahrt dauert ca. 45 Minuten und mit Rad geht es dann nochmal rund eine Stunde bis zurück in die Stadt. Leider geht der „Radweg“ nicht direkt am Ufer entlang, sondern ein wenig weiter im Landesinneren, wobei es hier schwer ist ein Ufer zu finden, weil der See mehr ein Sumpf mit lauter kleinen Dörfern ist als ein richtiger See. Dennoch ist es hier wirklich sehr schön.

Gegen 14 Uhr sind wir wieder zurück in Nyaungshew und der Hunger macht sich mittlerweile breit. Wir folgen einer Empfehlung unseres Guidebooks und gehen zum Green Chili Restaurant. Abgesehen davon, dass hier ganze Busse an Touristen angekarrt werden, ist das Essen aber sensationell. Auch der Cappuccino ist für mich ein wahres Gedicht. Preislich ist es wenig überraschend natürlich eher teurer angesiedelt, aber nachdem wir gestern mal gar nichts zu essen bekommen haben, bin ich heute absolut glücklich mit der Auswahl.

Den Rest des Tages verbringen wir damit, noch ein bisschen durch das Örtchen zu radeln, ein paar Pagoden anzuschauen und einen Boattrip für den nächsten Tag zu organisieren. Es gibt einen tollen Sonnenuntergang, aber leider finden wir heute hierfür keinen geeigneten Platz um das Farbschauspiel verfolgen zu können. Wir enden stattdessen in einer gemütlichen Rooftop-Bar und lassen diesen schönen Tag gemütlich ausklingen.

Der nächste Morgen beginnt mit der Erkenntnis, dass wir beide einen Sonnenbrand vom Radeln davon getragen haben. Na toll. Das zunächst eher bescheidene Wetter am Morgen hat uns etwas leichtsinnig werden lassen und so haben wir das Eincremen etwas vernachlässigt. Naja, das gehört wohl zu einer Reise dazu. Wenigstens gibt es zum Frühstück wieder Pancakes, das lässt das Leid des Sonnenbrandes schnell vergessen.

Um 8 Uhr starten wir Richtung Hafen, wo uns unser gestern auserkorener Boatdriver schon erwartet. Ehe wir uns versehen, sitzen wir auch schon in seinem Boot auf dem er uns Stühle aufgestellt hat, Decken und auch für jeden einen Regenschirm bereithält. Nachdem es noch sehr frisch ist, bin ich um die Decke doch sehr froh. Es geht zunächst ca. 30 Minuten mit dem Boot den Kanal entlang bis in den richtigen See hinein. Dort sehen wir dann gleich die hier typischen Einbeinruderer. Das ist echt witzig zu beobachten, wie die Bootlenker mit einem Bein das Ruder ihres Bootes bedienen. Wer kommt auf so eine Idee ein Boot mit einem Fuß zu steuern? Es ist in jedem Fall interessant. Weiter geht unsere Fahrt dann zu unserem ersten Stopp: eine Silberschmiede. In einem der vielen Floating Villages schmiedet eine Gruppe Birmanen Schmuck aus Silbersteinen. Das Ganze ist schon sehr touristisch aufbereitet, aber dennoch auch irgendwie faszinierend, mit welchen Gerätschaften die sich hier zu behelfen wissen. Natürlich wird man von der Schmiede auch gleich unmittelbar in den zugehörigen Shop gelotst, wo man natürlich den hier produzierten Schmuck auch gleich kaufen soll. Wir lassen uns nicht zu irgendwelchen Spotankäufen hinreißen und gehen gleich weiter zu unserer nächsten Station auf unserer Tour: ein Markt. Hier kommen wir nicht ohne einem Souvenir wieder raus. Wir stellen aber fest, dass die Birmanen eindeutig nicht so verhandlungsfreudig sind, wie alle anderen Asiaten, mit denen wir bisher in Verkaufsverhandlungen gegangen sind.  So habe ich beispielsweise Interesse an einer Hose und bin bereit 4.000 Kyat zu bezahlen, die Händlerin möchte allerdings 4.500 Kyat, das entspricht umgerechnet ungefähr 30 Cent. Ich fasse es nicht, dass die Verkäuferin tatsächlich auf das Geschäft verzichtet, als auf 30 Cent. Sie rennt uns noch nicht mal hinterher. Na wenn sie nicht ernsthaft am Verkauf interessiert ist, dann bin ich auch nicht mehr an einem Kauf interessiert. Es ist ja nicht so, als wenn sie die Einzige wäre, die Hosen verkaufen würde. Also, dann halt irgendwo anders.

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Unsere Tour führt uns sodann weiter durch enge Seestraßen und es ist sehr relaxend in unseren gemütlichen Stühlen auf dem Boot. Wir legen dann in Indein an, das ist ein kleines Village mit zig kleinen Stupas und Tempeln. Also wieder einiges zu erkunden. Leider stelle ich nun fest, dass ich vom Vortag wohl einen leichten Sonnenstich abbekommen habe, denn mir fällt jeder einzelne Schritt verdammt schwer und ich bin ziemlich kaputt. Ich bin ziemlich froh, dass der Weg hinauf zu den Haupttempeln im Schatten verläuft. Der Weg ist gesäumt von unzähligen kleinen Verkaufsständen und wir entdecken dort unser Wunschsouvenir: einen Holzlöwen, der mit bunten Steinchen verziert ist. Wir finden ihn in einigen verschiedenen Ständen und die Startpreise für den Löwen variieren von 35 Dollar bis 85 Dollar. Auch hier stellen wir wieder fest, dass die Birmanen ungern verhandeln. Wir schaffen es nicht ein einziges Mal den Preis auf die Hälfte zu bekommen, was eindeutig gegen unser Verhandlungsgeschick spricht, denn in Asien sollte man eigentlich schon einen Preis von etwa einem Drittel des Startpreises erzielen. Nachdem aber auch niemand nachläuft, wenn man weitergeht, ist klar, dass hier wenig zu machen ist. Naja, dann gibt es den Löwen eben nicht. Zumindest die Tempelanlage hier ist interessant anzusehen.

Unser Bootsführer erwartet uns schon, nachdem wir wieder unten angekommen sind. Weiter geht die Reise durch den See zu einer Weberei. Hier wird aus Lotus-Stängeln Faden gewonnen und daraus werden Tücher und Schals produziert. Das ist auch wieder so ein klassischer Touristenstopp. Nachdem wir aber das Mittagessen ausfallen lassen, sind wir vor den meisten anderen Touris da und es ist gerade nichts los. Ich finde die Produktion schon beeindruckend und würde auch gerne ein Tuch kaufen, aber ehrlich gesagt, finde ich sie fast ein bisschen teuer und wir gehen ohne uns hinreißen zu lassen.

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Unser nächster Halt ist die Phaung Daw U-Pagode, die dafür bekannt ist, dass sie fünf kugelförmige Buddhastatuen beheimatet, die zum Phaung Daw U-Fest ca. 4 Wochen lang täglich mit einer goldenen Barke von einem Ort zu einem anderen gefahren, wo sie dann für eine Nacht zur Verehrung verbleiben. Dabei muss die kleinste der fünf Buddhastatuen jeweils zuhause bleiben, da diese innerhalb weniger Tage gleich zweimal beim Kentern des Bootes im Wasser versank. Die anderen vier Statuen konnten jeweils geborgen werden, aber die fünfte blieb verschollen. Es ist nicht bekannt, wie sie dann auf einmal doch wieder an ihrem ursprünglichen Platz zurückgekommen ist. Offensichtlich hat man dieses Missgeschick als Zeichen dafür aufgefasst, diese Statue nicht mehr zu verschiffen. Ich kann leider nicht viel über die Statuen berichten, weil der unmittelbare Zugang den Frauen mal wieder vorenthalten ist.

Im Anschluss daran folgen noch zwei relativ unspektakuläre Stopps. Einmal bei den langhalsigen Frauen und einmal ein Kloster, nachdem wir aber inzwischen schon ca. 7 Stunden unterwegs sind, ist die weitere Entdeckungslust ziemlich geschwunden. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich froh, nachdem es dann wieder zurück ans Festland geht. Wir brauchen dabei sogar noch unsere Regenschirme, weil es ein wenig zu regnen anfängt. Sobald die Sonne weg ist, wird es dann doch auch gleich ziemlich frisch. Gegen 16 Uhr erreichen wir dann auch endlich wieder festen Boden unter den Füßen und steuern direkt zu unserem gestern auserwählten Green Chili Restaurant für ein leckeres spätes Mittagessen bzw. frühes Abendessen bevor wir uns fertig machen für den Nightbus nach Bagan.

Der Inle-See ist aber auf jeden Fall einen Besuch wert!! Uns hat es hier sehr gut gefallen und wir hätten auch kein Problem damit gehabt, hier länger zu bleiben.

Yangon

Auf geht’s in ein neues Abenteuer. Nach reiflicher Überlegung und verhältnismäßig wenig bis gar keine  Vorbereitung reisen wir nach Myanmar oder auch bekannt unter dem Namen Burma. Flugzeit ist ähnlich wie Thailand, ist ja schließlich der Nachbarstaat. Dennoch ist der Flug sehr anstrengend. Und das obwohl wir uns für die Emirates entschieden haben. Der Nachmittagsflug von München nach Dubai ist harmlos, bloß haben wir nicht bedacht, dass wir mitten in der Nacht in der arabischen Metropole ankommen, dort einen 4-stündigen Aufenthalt haben und uns dadurch um das bisschen Schlaf berauben, das wir in Anbetracht der Zeitverschiebung ohnehin nur hätten. Nach maximal 3 Stunden Schlaf kommen wir gegen 11 Uhr Ortszeit etwas gerädert in Yangon an.

Die Einreise verläuft einfach, da wir bereits unsere Visa im Pass haben. Es gibt nämlich kein Visum on Arrival, sondern man muss bereits vor Ankunft eine gültige Einreiseerlaubnis beantragt haben. Das kann man entweder online oder oldschool und den Pass nach Berlin zum Konsulat schicken. Nachdem wir beide unsere Reisepässe voll bekommen möchten und die altmodische Art auch noch billiger ist, haben wir in der Hoffnung auf rechtzeitige Rücksendung unsere Pässe eingeschickt. Glücklicherweise hat alles geklappt und wir dürfen ohne Probleme einreisen.

Typisch asiatisch werden wir außerhalb des Flughafens gleich von den Taxifahrern mehr oder weniger überfallen und  ehe wir uns versehen sitzen wir auch schon auf der Rückbank eines Taxis und es geht Richtung Downtown. Wir merken schnell, dass uns in diesem Land die englische Sprache nicht unbedingt überall nützlich ist, da viele Einheimische kein Englisch sprechen. In Anbetracht der Tatsache, dass das Land noch nicht lange für den Tourismus zugänglich ist, ist es wahrscheinlich auch nicht verwunderlich, dass die Sprachkenntnisse der Birmanen eher bescheiden sind. Das merken wir in der Unterkunft auch schnell, weil die Verständigung nicht ganz so reibungslos läuft. Unser zugewiesenes Zimmer lässt uns erstmal schmunzeln. Das Zimmer hat ungelogen 4 Quadratmeter, besteht nur aus einem Bett, hat keinen Platz für unser Gepäck und ein Fenster sucht man auch vergebens. Die Zugangstür erweckt den Eindruck, es handle sich um einen Wandschrank und der Zimmernachbar ist so nah dran, dass man ihn sprichwörtlich atmen hören kann. Kaum zu glauben, dass man uns nach so vielen verschiedenen Unterkünften jeglicher Preisklasse doch noch überraschen kann.

Schließlich geht’s dann auch schon los. Auf der Straße kommt der regelmäßige asiatische Kulturschock recht schnell. Die ganzen unterschiedlichen und teilweise nicht sonderlich angenehmen Gerüche sind allgegenwärtig. Zwischen all den Abgasen, Handwerkern, Garküchen und Verkaufsständen lungern schlafende Menschen, essende Menschen, schreiende Babys, streunende Hunde und eher selten auch mal ein Tourist. Bis auf die fehlenden Tourimassen könnte man das Treiben als typisch asiatisch bezeichnen.  Die Tatsache, dass die Menschen hier auch ihr Geschäft teilweise einfach auf offener Straße verrichten, ist etwas gewöhnungsbedürftig und teilweise riecht es auch ziemlich ekelhaft, aber als Asientourist muss man mit solchen Gepflogenheiten einfach leben.

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Zunächst suchen wir uns ein gemütliches Restaurant und essen unser erstes Curry-Gericht, das gleich mit einer etwas schärferen Umsetzung besticht. Das kann ja was werden. Auch hier war die Verständigung wieder nicht so einfach, wir sind ja schon froh, dass es eine englisch-übersetzte Karte gibt, sonst hätten wir echt ein Problem.

Durch das bunte Treiben auf den Straßen marschieren wir weiter zur Sule-Pagode. Hier darf man wieder nur barfuß eintreten und muss angemessen gekleidet sein. Offensichtlich haben wir den Anforderungen genüge getan, denn wir dürften so wie wir sind eintreten. Die Pagode selbst ist ziemlich eindrucksvoll obwohl sie verhältnismäßig klein ist. Dennoch ist sie umringt von zahlreichen weiteren niedrigeren Stupas und das ergibt ein sehr schönes Gesamtbild. Unmittelbar neben der Pagode befinden sich die City Hall und der Mahabandoola Garden, der zum Chillen einlädt. Nachdem wir doch etwas erschöpft sind, klingt das sehr verlockend. Diejenigen Birmanen, die ein wenig Englisch können, versuchen dann auch gleich mit den wenigen Touris, die sich finden, Konversation zu machen. So richtig nach Smalltalk ist uns gerade nicht, so dass wir nicht groß auf die Gesprächsversuche eingehen und uns weiter auf das Beobachten konzentrieren.

Irgendwann brechen wir dann wieder auf und schlendern Richtung Yangoon-River. Es geht dabei an einigen alten Bauten vorbei, die vom Stil her genauso gut in Havanna stehen könnten. Im Vergleich zur kubanischen Hauptstadt sind die Gebäude nur hier vielleicht noch ein wenig mehr heruntergekommen, aber es hat dennoch etwas Faszinierendes. Wir begutachten gerade eines dieser altertümlichen Häuser als sich der Himmel schlagartig rot einfärbt. Was dann folgt ist einer der beeindruckendsten Sonnenuntergänge, die wir bislang erlebt haben und vor allem so völlig unerwartet. Wir hüpfen schnell auf eine Brücke, um einen besseren Blick zu bekommen, schade nur, dass ein paar große Plakate das Gesamtbild ein wenig stören, aber vermutlich kann man nicht alles haben.

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Nach dem überraschenden Spektakel machen wir uns auf den Rückweg zur Unterkunft, mittlerweile macht sich die Müdigkeit doch schon ziemlich breit.

Obwohl wir dennoch etwas unruhig schlafen, brauchen wir einen Wecker um nicht gleich am ersten Tag zu verschlafen. Zum Frühstück gibt es kalte Frühlingsrollen und Bananen. Klingt komisch, schmeckt aber eigentlich ganz gut. Die Sonne scheint heute auch, also machen wir uns gleich nach dem Essen auf den Weg. Wir haben einiges vor heute.  Zunächst steht ein längerer Fußmarsch zur Shwedagon-Pargode an. Gefühlte 500 Taxis hupen uns an, aber wir lassen uns nicht von unserem Plan abbringen und erreichen auch so irgendwann den Eingang zum Kan Taw Mingalar Garden, der im Hintereingang zur Pagode führt. In diesem Garten herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre und auch wir nutzen die Zeit um ein bisschen zu faulenzen und zu beobachten, ehe wir uns an die Erkundung des Tempels machen. Wir dürfen allerdings nicht ohne entsprechender Kleidung eintreten. So packen uns die Birmanen kurzerhand in bunte Sarongs und ziehen uns ein wenig fragwürdig an. Ob uns dieses Volk wirklich sympathisch ist müssen wir uns noch überlegen, denn in unseren „Clownskostümen“ belächeln sie uns schon ganz ordentlich. Schon fies eigentlich…

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Der Tempel an sich ist ziemlich beeindruckend. In der Mitte steht eine riesige goldene Pagode und außen rum sind unzählig viele kleine. Überall stehen unterschiedliche Buddhas. Wir kommen mit dem Schauen gar nicht nach. An jeder Ecke gibt es was Neues zum Staunen. Für die Einheimischen sind wir glücklicherweise nicht nur zur allgemeinen Erheiterung gut, sondern wir werden auch gleich von einer Gruppe Studenten mit einer Umfrage beauftragt. Diese Studie soll zur Aufwertung des Tourismus in Myanmar dienen. Gar nicht so einfach für uns, weil wir ja noch nicht so viel vom Land gesehen haben. Geduldig füllen wir dennoch alles aus und möchten somit einen kleinen Beitrag zur Verbesserung des Tourismus beitragen.

Die Zeit verfliegt nur so und wir kommen nicht umhin uns mit der Essensfrage zu beschäftigen. Wir wollen als nächstes in den Royal Garden, so marschieren wir dort ein wenig ausgezehrt hin und sind erfreut, als wir endlich das anvisierte Lokal erblicken. Kurz denken wir schon, dass wir hier wieder weggeschickt werden, weil gerade eine Hochzeitszeremonie stattfindet, aber wir haben Glück und dürfen uns dazugesellen. Puh, gerade nochmal dem Hungertod entronnen…

Gestärkt erkunden wir den Royal Garden, allen voran den Ausblick auf dem Utopia Mountain, ein künstlich angelegter Berg, der ein gute Aussicht bieten soll. Leider stellt sich oben heraus, dass genau zwei sehr große Bäume vor der großen Pagode den Blick versperren, ansonsten ist die Aussicht wirklich gut. Der Park selbst ist auch sehr schön, wir schlendern gemütlich unsere Runde, ehe wir uns auf den Rückweg machen. Hier schnappen wir uns diesmal ein Taxi, so viel wie wir heute schon marschiert sind. Wir versuchen noch am Hauptbahnhof unsere Weiterfahrt für den nächsten Tag zu organisieren, was sich allerdings als eher schwierig gestaltet aufgrund der mangelnden Englischkenntnisse der Einheimischen. Ein Student erbarmt sich schließlich unser und vermittelt. Leider können wir die Tickets heute noch nicht kaufen, sondern müssen morgen früh um 7, spätestens 7:30 wieder da sein, dann können wir diese käuflich erwerben.

Na gut, gehen wir hald wieder. Die Sonne neigt sich auch schon Richtung Horizont, so dass wir uns wieder an den Fluss begeben, um dort wieder ein Farbspektakel bestaunen zu können. Leider ist das heute allerdings nicht so eindrucksvoll wie gestern, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass wir heute Erwartungen hatten und gestern nicht. Trotzdem ist es ziemlich entspannt und wir genießen den Blick.

Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft erleben wir zunächst noch einen üblen Schock. Ein Birmane kreuzt die Straße ohne rechts oder links zu schauen und ein Pick-up-Laster kann nur in aller allerletzter Sekunde bremsen und kommt nicht mal einen halben Meter vor dem Mann zu stehen. Der Typ wäre wirklich um ein Haar voll erfasst worden und der geht weiter, als wenn nichts gewesen wäre. Der Pick-Up-Fahrer hat den größeren Schock davon gezogen, wie der Wahnsinnige auf der Straße. Krass, da hätten wir jetzt keine Lust gehabt, Zeuge zu sein.

Weiter führt unser Weg noch über den Night-Market, der viele leckere Sachen zu bieten hat. Hank kann sich hier tatsächlich dazu überwinden eine frittierte Grille zu essen. Bäh, das muss ich nicht haben. Er behauptet zwar, dass es nicht eklig und gar nicht schlimm ist, aber mein Bedürfnis nach Insektenessen ist eher nicht so stark ausgeprägt, weshalb ich dankend ablehne. Naja, immerhin kann er diese Erfahrung jetzt auch abhaken und ich muss mir nicht mehr anhören, dass ich ihm diese Versuchung in Thailand ausgeredet habe.

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Jakarta und das Ende

Nachdem wir es ja immer wieder gerne mit den einheimischen Fortbewegungsmitteln versuchen, haben wir uns entschieden, den Weg von Yogjakarta in die indonesische Hauptstadt Jakarta mit dem Zug anzutreten. Für die rund 520 km lange Strecke sind 8,5 Stunden Zugfahrt angesetzt, so beschließen wir, uns ein Ticket der Executive Class zu buchen. Wie sich herausstellt, auch wirklich sinnvoll, denn die Plätze sind geräumig und man hat viel Beinfreiheit. Die Verständigung hier lässt ein wenig zu wünschen übrig, da hier viele Einheimische der englischen Sprache nicht so mächtig sind. Glücklicherweise sitzen wir aber dennoch zur richtigen Zeit am richtigen Platz im Zug und wir fahren pünktlich (!) ab. Landschaftlich soll die Strecke sehr schön sein, so haben wir jedenfalls gelesen, richtig aus den Socken haut es mich aber nicht, muss ich zu meiner Schande gestehen.

Zugfahrt
Zugfahrt

Innerhalb der vorgegebenen Zeit erreichen wir dann Jakarta und dort erwartet uns dann auch gleich die asiatische Großstadtluft. Jakarta ist mit 9,58 Mio. Einwohnern die größte Stadt in Südostasien und ihr Ballungsraum ist sogar der zweitgrößte der Welt. Auch wenn wir einiges Negatives über die Stadt gelesen haben, denken wir dennoch, dass eine Stadt in einem solchen Ausmaß für uns etwas zu bieten haben muss. Ich will ja eigentlich nichts vorweg nehmen, aber ich muss dennoch jetzt schon sagen, dass wir uns geirrt haben…

Zunächst müssen wir mit unserem Gepäck bepackt zu unserer vorgebuchten Unterkunft marschieren. Auf der Karte sieht das nicht weit aus, wenn man allerdings bei diesen Temperaturen und dann auch noch bepackt wie ein Esel in Flipflops dahin marschiert, dann können sich 2 km schnell mal wie 10 km anfühlen. Wenigstens unser Zimmer ist zufriedenstellend. Hunger haben wir auch wie Sau, also wollen wir uns gleich mal auf die Suche nach einem netten Lokal machen. Hier erleben wir die erste Enttäuschung: Obwohl die Tripadvisor-App einige Lokalitäten im näheren Umkreis anzeigt, werden wir nicht fündig. Nach einer gefühlten Ewigkeit können wir dann eine Art Shoppingcenter (nur ohne Geschäfte) ausfindig machen, das neben McDonalds und Burger King auch noch ein japanisches Restaurant zu bieten hat. Puh, vor dem Hungertod sind wir wieder mal entflohen!

Der nächste Tag sieht einen Besuch in der Plaza Semangi vor. Ganz in der Nähe soll das Hardrock Cafe zu finden sein. Also, los geht’s. Leider irren wir zunächst ein wenig planlos umher und können unser Ziel nicht finden. Da die Einheimischen der englischen Sprache, wie bereits erwähnt, nicht ganz so mächtig sind, ist es auch nicht ganz so einfach nach dem Weg zu fragen. Glücklicherweise kann uns eine Indonesierin dann doch weiter helfen und wir sind wenig später in der Parcific Place Shopping Mall. Nach dem anstrengenden Geschäfte-Hopping gibt’s ein Mittagessen und das obligatorische T-Shirt im Hardrock Cafe. Ich bin glücklich.

Den Nachmittag verbringen wir auch noch ein wenig mit Shoppen, ehe wir uns auf den Rückweg – mit dem Public Bus – zu unserem Hotel machen und den Pool nutzen, auf den wir diesmal so viel Wert gelegt haben.

Da ich das Programm für den Shoppingtag ausgesucht habe, darf Hank das Programm für den nächsten Tag aussuchen. Er will sich die Stadt anschauen, so marschieren wir in nördliche Richtung zum Monumen Nasional. Das Monumen Nasional ist ein 137 m hoher Turm im zentralen Jakarta und symbolisiert den Kampf um die Unabhängigkeit Indonesiens. Wie wir feststellen müssen, ist in dieser Stadt alles in weitläufigen Parks eingezäunt und Umwege gehen gehört hier genauso dazu wie Gefahr zu laufen von einem Roller oder einem zu schnell um die Ecke sausenden Bus angefahren zu werden…

Nachdem wir schon eine gefühlte Ewigkeit marschiert sind, erreichen wir endlich das Monument, nur um uns dann von einer schlecht englisch-sprechenden Dame sagen lassen zu müssen, dass wir nicht reinkommen, weil „we have guests from Denmark“ – äh ja, na und – wir sind „guests from Germany“. Der Präsident ist da und er will auf das Monument – vor 12 brauchen wir hier nicht wieder kommen. Na gut, dann schauen wir hald erstmal weiter. Mal weiter schauen ist gut, erstmal müssen wir aus diesem Park wieder rausfinden, was gar nicht so einfach ist. Man sieht quasi die Freiheit, kann aber nicht hinaus, weil es keine Tore gibt. Alcatraz ist da ja ein Dreck dagegen…

Endlich wieder in Freiheit suchen wir als nächstes die Istiqulal-Moschee auf, da sie als die größte Moschee in ganz Südostasien deklariert ist. Wir hätten sie uns auch wirklich gerne angeschaut, aber irgendwie fühlen wir uns in unseren Shorts und Shirts ein wenig fehlplatziert. Die Blicke der Menge haften jedenfalls auf uns. Ich fühle mich gänzlich unwohl und auch Hank hat erhebliche Zweifel, ob wir das jetzt bringen und da einfach reinmarschieren können. Eine Gruppe Schüler ist in jedem Fall sehr interessiert an uns und möchte unbedingt Fotos mit uns machen. Da wir das Procedere ja jetzt schon einige Male mitgemacht haben, stellen wir uns auch diesmal bereitwillig den Schaulustigen. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, zu welchem Zweck sie die Bilder eigentlich machen…

Nach diesem weiteren Misserfolg beschließen wir, dass man dieser Stadt doch lieber seine Zeit mit Shopping verbringen sollte, also starten wir einen erneuten Besuch in einem der vielen Shoppingcenter, bevor wir unserem Reiseführer folgend die Gegend nördlich des Hauptbahnhofes in Angriff nehmen. Dies soll die für Touristen spannendste Gegend der Stadt sein. Tja, was soll ich sagen? Entweder ich verstehe nichts von touristischen Sehenswürdigkeiten oder hier gibt es wirklich nichts zu sehen. Ich glaube aber, dass es Zweiteres ist. Enttäuscht ziehen wir wieder von Dannen und müssen gestehen, dass Jakarta tatsächlich das Moloch ist, als das es immer beschrieben wird. Also, aufgemerkt: JAKARTA IS NO PLACE TO BE!

Der letzte Tag unserer Reise bricht an und bis zu unserem Abflug müssen wir noch den kompletten Tag rumbringen. Der Flieger geht erst um halb 2 in der Nacht und wie bereits geschildert, gibt es nicht besonders viel, was man in dieser Stadt machen kann. Zunächst versuchen wir nochmals unser Glück beim Monumen Nasional. Diesmal können wir auch tatsächlich nach oben fahren, aber die Aussicht ist bescheiden. Außerdem schwirrt hier eine ganze Horde von Soldaten rum, die allesamt unbedingt Fotos mit uns machen wollen. Ehe wir uns versehen, finden wir uns inmitten von ca. 20 Soldaten wieder und grinsen doof in die Kamera. Naja, wenn sie meinen…

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Die Aussicht oben ist okay, aber nicht näher erwähnenswert. Der Smog hat sich heute extrem ausgebreitet und deshalb ist nicht viel mit Fernsicht. Den Rest des Tages verbringen wir mit Essen, Trinken, Shoppen und einfach nur rumsanteln, bevor wir dann gegen 18 Uhr (Auscheckzeit aus dem Zimmer) mit dem Taxi zum Flughafen fahren. Dort müssen wir feststellen, dass selbst der Internationale Flughafen GAR nichts zu bieten hat. Wir sind froh, als wir dann endlich in die Maschine nach Abu Dhabi einsteigen dürfen.

In Abu Dhabi erleben wir dann noch einen krönenden Abschluss unserer Reise: Wir wollen gerade in die Maschine nach München einsteigen, als mir mein Ticket weggenommen wird und der Flughafenangestellte das „Economy Class“ auf meinem Ticket durchstreicht und stattdessen „Business Class“ draufschreibt. Jackpot, denk ich mir und erkundige mich zunächst vorsichtig bei Hank, ob er auch upgraden darf. Und tatsächlich, wenige Augenblicke später finden wir uns in bequemen ruhigen Plätzen in der Business Class wieder und werden mit einem Glas Champagner empfangen. Nachdem ich mir ein Upgrade schon immer gewünscht habe, entschließe ich mich, diesen Service vollends auszukosten. Also Champagner, Rotwein, whatever – alles zu mir! Als dann die Flugbegleiterin uns die Speisekarte in die Hand gibt und darum bittet, dass wir uns eine Vorspeise und eine Hauptspeise aussuchen, bin ich schwer begeistert.

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Rinderfilet im Flieger, dekadent!! So vergehen die 6 Stunden bis wir in München sind, natürlich viel zu schnell. Dass ich mehr als nur ein bisschen beschwipst bin, tangiert mich in diesem Fall nur peripher! Es war einfach klasse und Etihad bekommt von mir, obwohl ich zunächst gar nicht so begeistert war, dennoch ganz klar einen Gefällt-Mir-Daumen!