Yangon

Auf geht’s in ein neues Abenteuer. Nach reiflicher Überlegung und verhältnismäßig wenig bis gar keine  Vorbereitung reisen wir nach Myanmar oder auch bekannt unter dem Namen Burma. Flugzeit ist ähnlich wie Thailand, ist ja schließlich der Nachbarstaat. Dennoch ist der Flug sehr anstrengend. Und das obwohl wir uns für die Emirates entschieden haben. Der Nachmittagsflug von München nach Dubai ist harmlos, bloß haben wir nicht bedacht, dass wir mitten in der Nacht in der arabischen Metropole ankommen, dort einen 4-stündigen Aufenthalt haben und uns dadurch um das bisschen Schlaf berauben, das wir in Anbetracht der Zeitverschiebung ohnehin nur hätten. Nach maximal 3 Stunden Schlaf kommen wir gegen 11 Uhr Ortszeit etwas gerädert in Yangon an.

Die Einreise verläuft einfach, da wir bereits unsere Visa im Pass haben. Es gibt nämlich kein Visum on Arrival, sondern man muss bereits vor Ankunft eine gültige Einreiseerlaubnis beantragt haben. Das kann man entweder online oder oldschool und den Pass nach Berlin zum Konsulat schicken. Nachdem wir beide unsere Reisepässe voll bekommen möchten und die altmodische Art auch noch billiger ist, haben wir in der Hoffnung auf rechtzeitige Rücksendung unsere Pässe eingeschickt. Glücklicherweise hat alles geklappt und wir dürfen ohne Probleme einreisen.

Typisch asiatisch werden wir außerhalb des Flughafens gleich von den Taxifahrern mehr oder weniger überfallen und  ehe wir uns versehen sitzen wir auch schon auf der Rückbank eines Taxis und es geht Richtung Downtown. Wir merken schnell, dass uns in diesem Land die englische Sprache nicht unbedingt überall nützlich ist, da viele Einheimische kein Englisch sprechen. In Anbetracht der Tatsache, dass das Land noch nicht lange für den Tourismus zugänglich ist, ist es wahrscheinlich auch nicht verwunderlich, dass die Sprachkenntnisse der Birmanen eher bescheiden sind. Das merken wir in der Unterkunft auch schnell, weil die Verständigung nicht ganz so reibungslos läuft. Unser zugewiesenes Zimmer lässt uns erstmal schmunzeln. Das Zimmer hat ungelogen 4 Quadratmeter, besteht nur aus einem Bett, hat keinen Platz für unser Gepäck und ein Fenster sucht man auch vergebens. Die Zugangstür erweckt den Eindruck, es handle sich um einen Wandschrank und der Zimmernachbar ist so nah dran, dass man ihn sprichwörtlich atmen hören kann. Kaum zu glauben, dass man uns nach so vielen verschiedenen Unterkünften jeglicher Preisklasse doch noch überraschen kann.

Schließlich geht’s dann auch schon los. Auf der Straße kommt der regelmäßige asiatische Kulturschock recht schnell. Die ganzen unterschiedlichen und teilweise nicht sonderlich angenehmen Gerüche sind allgegenwärtig. Zwischen all den Abgasen, Handwerkern, Garküchen und Verkaufsständen lungern schlafende Menschen, essende Menschen, schreiende Babys, streunende Hunde und eher selten auch mal ein Tourist. Bis auf die fehlenden Tourimassen könnte man das Treiben als typisch asiatisch bezeichnen.  Die Tatsache, dass die Menschen hier auch ihr Geschäft teilweise einfach auf offener Straße verrichten, ist etwas gewöhnungsbedürftig und teilweise riecht es auch ziemlich ekelhaft, aber als Asientourist muss man mit solchen Gepflogenheiten einfach leben.

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Zunächst suchen wir uns ein gemütliches Restaurant und essen unser erstes Curry-Gericht, das gleich mit einer etwas schärferen Umsetzung besticht. Das kann ja was werden. Auch hier war die Verständigung wieder nicht so einfach, wir sind ja schon froh, dass es eine englisch-übersetzte Karte gibt, sonst hätten wir echt ein Problem.

Durch das bunte Treiben auf den Straßen marschieren wir weiter zur Sule-Pagode. Hier darf man wieder nur barfuß eintreten und muss angemessen gekleidet sein. Offensichtlich haben wir den Anforderungen genüge getan, denn wir dürften so wie wir sind eintreten. Die Pagode selbst ist ziemlich eindrucksvoll obwohl sie verhältnismäßig klein ist. Dennoch ist sie umringt von zahlreichen weiteren niedrigeren Stupas und das ergibt ein sehr schönes Gesamtbild. Unmittelbar neben der Pagode befinden sich die City Hall und der Mahabandoola Garden, der zum Chillen einlädt. Nachdem wir doch etwas erschöpft sind, klingt das sehr verlockend. Diejenigen Birmanen, die ein wenig Englisch können, versuchen dann auch gleich mit den wenigen Touris, die sich finden, Konversation zu machen. So richtig nach Smalltalk ist uns gerade nicht, so dass wir nicht groß auf die Gesprächsversuche eingehen und uns weiter auf das Beobachten konzentrieren.

Irgendwann brechen wir dann wieder auf und schlendern Richtung Yangoon-River. Es geht dabei an einigen alten Bauten vorbei, die vom Stil her genauso gut in Havanna stehen könnten. Im Vergleich zur kubanischen Hauptstadt sind die Gebäude nur hier vielleicht noch ein wenig mehr heruntergekommen, aber es hat dennoch etwas Faszinierendes. Wir begutachten gerade eines dieser altertümlichen Häuser als sich der Himmel schlagartig rot einfärbt. Was dann folgt ist einer der beeindruckendsten Sonnenuntergänge, die wir bislang erlebt haben und vor allem so völlig unerwartet. Wir hüpfen schnell auf eine Brücke, um einen besseren Blick zu bekommen, schade nur, dass ein paar große Plakate das Gesamtbild ein wenig stören, aber vermutlich kann man nicht alles haben.

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Nach dem überraschenden Spektakel machen wir uns auf den Rückweg zur Unterkunft, mittlerweile macht sich die Müdigkeit doch schon ziemlich breit.

Obwohl wir dennoch etwas unruhig schlafen, brauchen wir einen Wecker um nicht gleich am ersten Tag zu verschlafen. Zum Frühstück gibt es kalte Frühlingsrollen und Bananen. Klingt komisch, schmeckt aber eigentlich ganz gut. Die Sonne scheint heute auch, also machen wir uns gleich nach dem Essen auf den Weg. Wir haben einiges vor heute.  Zunächst steht ein längerer Fußmarsch zur Shwedagon-Pargode an. Gefühlte 500 Taxis hupen uns an, aber wir lassen uns nicht von unserem Plan abbringen und erreichen auch so irgendwann den Eingang zum Kan Taw Mingalar Garden, der im Hintereingang zur Pagode führt. In diesem Garten herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre und auch wir nutzen die Zeit um ein bisschen zu faulenzen und zu beobachten, ehe wir uns an die Erkundung des Tempels machen. Wir dürfen allerdings nicht ohne entsprechender Kleidung eintreten. So packen uns die Birmanen kurzerhand in bunte Sarongs und ziehen uns ein wenig fragwürdig an. Ob uns dieses Volk wirklich sympathisch ist müssen wir uns noch überlegen, denn in unseren „Clownskostümen“ belächeln sie uns schon ganz ordentlich. Schon fies eigentlich…

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Der Tempel an sich ist ziemlich beeindruckend. In der Mitte steht eine riesige goldene Pagode und außen rum sind unzählig viele kleine. Überall stehen unterschiedliche Buddhas. Wir kommen mit dem Schauen gar nicht nach. An jeder Ecke gibt es was Neues zum Staunen. Für die Einheimischen sind wir glücklicherweise nicht nur zur allgemeinen Erheiterung gut, sondern wir werden auch gleich von einer Gruppe Studenten mit einer Umfrage beauftragt. Diese Studie soll zur Aufwertung des Tourismus in Myanmar dienen. Gar nicht so einfach für uns, weil wir ja noch nicht so viel vom Land gesehen haben. Geduldig füllen wir dennoch alles aus und möchten somit einen kleinen Beitrag zur Verbesserung des Tourismus beitragen.

Die Zeit verfliegt nur so und wir kommen nicht umhin uns mit der Essensfrage zu beschäftigen. Wir wollen als nächstes in den Royal Garden, so marschieren wir dort ein wenig ausgezehrt hin und sind erfreut, als wir endlich das anvisierte Lokal erblicken. Kurz denken wir schon, dass wir hier wieder weggeschickt werden, weil gerade eine Hochzeitszeremonie stattfindet, aber wir haben Glück und dürfen uns dazugesellen. Puh, gerade nochmal dem Hungertod entronnen…

Gestärkt erkunden wir den Royal Garden, allen voran den Ausblick auf dem Utopia Mountain, ein künstlich angelegter Berg, der ein gute Aussicht bieten soll. Leider stellt sich oben heraus, dass genau zwei sehr große Bäume vor der großen Pagode den Blick versperren, ansonsten ist die Aussicht wirklich gut. Der Park selbst ist auch sehr schön, wir schlendern gemütlich unsere Runde, ehe wir uns auf den Rückweg machen. Hier schnappen wir uns diesmal ein Taxi, so viel wie wir heute schon marschiert sind. Wir versuchen noch am Hauptbahnhof unsere Weiterfahrt für den nächsten Tag zu organisieren, was sich allerdings als eher schwierig gestaltet aufgrund der mangelnden Englischkenntnisse der Einheimischen. Ein Student erbarmt sich schließlich unser und vermittelt. Leider können wir die Tickets heute noch nicht kaufen, sondern müssen morgen früh um 7, spätestens 7:30 wieder da sein, dann können wir diese käuflich erwerben.

Na gut, gehen wir hald wieder. Die Sonne neigt sich auch schon Richtung Horizont, so dass wir uns wieder an den Fluss begeben, um dort wieder ein Farbspektakel bestaunen zu können. Leider ist das heute allerdings nicht so eindrucksvoll wie gestern, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass wir heute Erwartungen hatten und gestern nicht. Trotzdem ist es ziemlich entspannt und wir genießen den Blick.

Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft erleben wir zunächst noch einen üblen Schock. Ein Birmane kreuzt die Straße ohne rechts oder links zu schauen und ein Pick-up-Laster kann nur in aller allerletzter Sekunde bremsen und kommt nicht mal einen halben Meter vor dem Mann zu stehen. Der Typ wäre wirklich um ein Haar voll erfasst worden und der geht weiter, als wenn nichts gewesen wäre. Der Pick-Up-Fahrer hat den größeren Schock davon gezogen, wie der Wahnsinnige auf der Straße. Krass, da hätten wir jetzt keine Lust gehabt, Zeuge zu sein.

Weiter führt unser Weg noch über den Night-Market, der viele leckere Sachen zu bieten hat. Hank kann sich hier tatsächlich dazu überwinden eine frittierte Grille zu essen. Bäh, das muss ich nicht haben. Er behauptet zwar, dass es nicht eklig und gar nicht schlimm ist, aber mein Bedürfnis nach Insektenessen ist eher nicht so stark ausgeprägt, weshalb ich dankend ablehne. Naja, immerhin kann er diese Erfahrung jetzt auch abhaken und ich muss mir nicht mehr anhören, dass ich ihm diese Versuchung in Thailand ausgeredet habe.

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