Seminyak

Nach einer etwa zweistündigen Busfahrt werden wir im Zentrum von Kuta abgesetzt. Das Kuta auf Bali ist aber ein krasser Gegensatz zu dem auf Lombok: wir sind in dem Touristen-Hot-Spot der Insel gelandet, v.a. Australier sollen hier gerne herkommen. Unser Reiseführer nennt die Stadt das Mallorca Australiens. Ahja, alles klar, genau unser Ding. Aber wir haben eh nicht vor hier zu bleiben. Wir überlegen kurz hier noch Mittag zu essen, bevor wir nach Norden Richtung Seminyak aufbrechen, aber ein kurzer Blick auf die hiesigen Preise lässt uns dann doch gleich ein Taxi anhalten. Wobei der erste Taxifahrer gleich mal 10 Dollar als Fahrpreis aufruft und auch nicht groß mit sich handeln lassen will. Na dann darf er ohne uns weiterfahren. Der Zweite versuchts zwar auch mit den 10 Dollar, ist aber dann nach kurzem Handeln mit 60.000 Rupien (ca. 4 Euro) einverstanden. Als wir im Taxi auf die Hauptstraße einbiegen stellen wir fest, dass wir vielleicht doch lieber zu Fuß gegangen wären: die Straße ist total verstopft und wir kommen nur sehr langsam voran. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir dann aber doch in Seminyak an und holen erst mal unser vorher aufgeschobenes Mittagessen nach.

Wir nutzen das WLan im Restaurant, um uns online eine Bleibe zu suchen. Das ist gar nicht so einfach, auch hier liegen die Preise noch deutlich über dem gewohnten Niveau. Letztendlich buchen wir uns in einer Mittelklasse-Hotelkette ein, die zwar nicht direkt am Strand liegt, aber auch nicht zu weit weg. Nachdem wir unser Zimmer dann bezogen haben brechen wir gleich mal zum Strand auf. Der gefällt uns aber eigentlich gar nicht: Liege an Liege reiht sich über Kilometer am Strand entlang. Da wünschen wir uns doch gleich nach Gili Meno oder Kuta Lombok zurück. Aber hilft nix, jetzt sind wir hier. Wir überlegen kurz uns ein Surfboard auszuleihen, aber der Verleiher meint, die Wellen seien jetzt nicht mehr gut und wir sollten morgen wiederkommen. Also suchen wir das La Plancha auf, eine Strandbar, die uns von Carinas Ex-Kolleginnen empfohlen wurde. Und wir finden es dort dann auch ganz gut: man liegt auf Sitzsäcken am Strand und kann faulenzen. Dazu noch ein paar Bierchen und gut is ;-)

Feierabendbier im La Plancha
Feierabendbier im La Plancha

Am nächsten Morgen stehen wir dann wirklich wieder beim Surfboard-Verleih und leihen uns ein Longboard für eine Stunde aus. Noch kurz den Wetsuit übergezogen und ab ins Wasser. Carina ist als erste dran und greift die erste Welle an. Sie schaffts aber nicht ganz aufzustehen, sondern reitet die Welle auf allen Vieren und plumst dann ins Wasser. Prustend taucht sie wieder auf und erklärt sofort, dass das nichts für sie ist und ich übernehmen kann. Normal gibt sie ja nicht so schnell auf, aber Wasser ist einfach nicht ihr Element. Na dann heißts für mich ran ans Board und Carina kann meine glorreichen Surfversuche mit der GoPro festhalten. Die haben zwar noch nicht so viel mit wirklichem Surfen zu tun, aber es macht mir großen Spaß und ich erwische auch einige Wellen halbwegs passabel. So verbringe ich die nächste Stunde im Kampf mit Surfboard, Wellen und Salzwasser. Als großen Fortschritt werte ich, dass ich mir im Gegensatz zu den Surf-Versuchen in Kapstadt (Meniskus eingerissen) und Byron Bay, Australien (Zehennagel halb ausgerissen) nicht wehgetan habe.

Nach dieser sportlichen Betätigung suchen wir eines der kleinen „Reisebüros“ auf und buchen einen Sonnenuntergangs-Trip zu Tanah Lot, dem berühmten Tempel im Meer, angeblich dem meistfotografierten Motiv Balis. Bis zu dem Ausflug ist aber noch etwas Zeit und so beschließen wir davor noch einen Roller zu mieten. Praktischerweise gibt es den auch gleich hier und als gute Kunden erhalten wir auch einen Spezialpreis. Also brausen wir los Richtung Kuta, um uns die dortigen Shops aus der Nähe anzusehen. Wir entscheiden und gegen die stark befahrene Hauptstraße und nehmen stattdessen die Strandpromenade. Dort dürfen keine Autos fahren und wir kommen gut voran. Als wir dann irgendwann vor einer geschlossenen Schranke stehen, machen wir die kurzerhand auf und setzen unsere Fahrt fort. Nur um wenig später wieder vor einer Schranke zu stehen, die diesmal jedoch mit einem Schloss gesichert ist. Mist, da müssen wir wohl umkehren. Oder doch nicht? Ein Indonesier winkt uns zu einem Drehkreuz für Fußgänger. Und da sollen wir durch? Ja, sollen wir! Und die findigen Rollerfahrer hier haben sich dafür auch schon die richtige Technik ausgedacht: man muss das Drehkreuz zwischen Lenker und Sitz des Rollers einhaken, dann kann man das Hindernis überwinden. Sehr witzig!

Rollerfahren für Fortgeschrittene
Rollerfahren für Fortgeschrittene

Nach dem Kreuz müssen wir dann aber doch auf die Hauptstraße fahren, da am Strand nun eine Einbahnstraße in die andere Richtung ist, die auch von Autos befahren wird. Und da hier nicht mal die Indonesier wahnwitzig genug sind entgegen der Fahrtrichtung zu fahren (was andernorts gang und gebe ist) lassen wirs auch lieber. Nach einigen Kreuzungen stecken wir wieder mitten im Stau. Ich fädle mich mit dem Roller links und rechts an den stehenden Autos vorbei, je nachdem wo gerade Platz ist. Asiatische Fahrweise halt. Irgendwann geht aber nichts mehr weiter, die Straße ist zu eng zum Überholen. Moment, neben der Straße gibt’s ja noch den kaum genutzten Gehsteig, also ab auf diese freie Fahrbahn, all den anderen Rollern hinterher! Frecherweise werde ich auf dem Gehsteig dann auch noch von einem anderen Roller überholt… *g*

Beim Shoppen kommen wir dann auch noch mehr durch Zufall an der Gedenkstätte für den Bombenanschlag von 2002 vorbei, bei dem 202 Menschen in einer Disko gestorben sind. Scheiß Verrückte überall auf der Welt… Nachdem wir dann einige Shops abgeklappert haben, machen wir uns wieder auf den Rückweg Richtung Hotel. Das Drehkreuz nehmen wir natürlich wieder mit, jetzt kennen wir ja den Trick. Nachdem wir den Roller abgegeben haben, werden wir auch schon bald von unserem Fahrer abgeholt. Der meint, er nimmt eine Abkürzung, um dem Verkehr auf der Hauptstraße zu entgehen. Diese stellt sich als schmales Gässchen heraus, durch das man gerade so fahren kann. Naja, ein Roller hat aber immer noch zwischen Auto und Wand Platz und so haben wir auch hier reichlich Gegenverkehr. Außer den Rollern kommen aber auch immer wieder Autos auf uns zu, und wir oder die anderen weichen in kleine Nischen aus, um den jeweils anderen vorbeizulassen. Das ist meist Millimeterarbeit und die Leute müssen die Ausmaße ihrer Autos schon wirklich sehr genau kennen. Aber wie es so ist mit dem Verkehr in Asien: es funktioniert irgendwie.

So kommen wir gut an unserem Ziel an und machen uns vom Parkplatz aus auf den Weg zum Tempel. Dazu müssen wir uns durch einen riesigen Souvenir-Markt schlagen. Vorbei an den Verkäufern mit ihrem Nippes und den zahlreichen anderen Touristen erreichen wir dann unser Ziel, den Tempel im Meer. Er steht auf einem kleinen Felsen, der bei Flut komplett mit Wasser umschlossen und nicht zu erreichen ist. Da gerade Ebbe ist tummeln sich aber wahre Horden von Touris am Fuß des Felsen. Hinaufgehen darf man aber leider nicht. Da uns hier definitiv zu viel Trubel ist gehen wir etwas an der Küste entlang und suchen einen guten Platz für den Sonnenuntergang. Wir müssen aber schnell feststellen, dass hier unten kein so richtig guter Platz ist. Besser ist es oben auf der Klippe, also gehen wir dort hinauf. Natürlich haben auch die Indonesier herausgefunden, dass man den Sonnenuntergang von hier besser beobachten kann und es reiht sich ein kleines Lokal an das nächste. Also suchen wir einen guten Platz, bestellen uns Drinks und warten ab. Als die Sonne über dem Tempel steht ist das schon ein toller Anblick. Aber der Sonnenuntergang selbst ist dann nichts Besonderes, es ist mal wieder etwas zu bewölkt. Schade, aber war so auch schön und wir kehren zu unserem Fahrer zurück.

Sonnenuntergang bei Tanah Lot
Sonnenuntergang bei Tanah Lot

Der nächste Tag verläuft dann in etwa genauso wie der letzte: vormittags gehe ich surfen, nach dem Mittagessen fahren wir mit dem Roller (incl. Drehkreuz *g*) nach Kata und stöbern in den Shops umher. Nach unserer Rückkehr zum Hotel sammelt uns ein Fahrer auf, das heutige Ziel ist allerdings keine Sehenswürdigkeit sondern der Flughafen. Wir haben uns dazu entschlossen, auch ein Stück des Rückwegs nach Jakarta mit dem Flugzeug zurückzulegen, da es mit dem Bus einfach zu lange dauern würde.

Ubud & Umgebung

Nach ein bisschen Entspannung machen wir uns wieder auf den Weg, um das Land zu erkunden. Von Gili Meno aus setzen wir zunächst mit einem kleinen Boot nach Gili Trawangan über, bevor wir von dort aus auf das Speed Boat nach Bali können. Zu unserem Enttäuschen wurden wir beim Preis ziemlich übern Tisch gezogen. Der reguläre Preis liegt zwischen 200.000 und 250.000 Rupias, wir haben pro Person mal 450.000 bezahlt, aber was solls, nicht aufregen, nur wundern!

In Bali angekommen geht es mit einem Mini-Van weiter ins Landesinnere, genauer nach Ubud. Ein guter Ausgangspunkt für sämtliche Ausflüge. Wir erreichen unser Ziel gegen 16:00 Uhr, genehmigen uns eine kleine Stärkung, ehe wir uns vollbepackt auf die Suche nach einer Unterkunft machen. Alle drei Meter werden wir angesprochen, ob wir ein Taxi oder eine Unterkunft wollen. Da ich es grundsätzlich gar nicht mag, wenn man mir irgendwas aufdrängt wird, laufen wir planlos einfach mal die Monkey Forest Road in Richtung Zentrum. Irgendwann wird schon was kommen, was uns zusagt, denken wir uns. Wir werden auch wirklich fündig. Ein kleines verstecktes Homestay-Hostel von Grün umgeben spricht uns an. Nachdem wir das Schlafproblem gelöst haben, erkunden wir zunächst ein wenig die umliegenden Shops – ein Surfer-Laden neben dem nächsten animiert uns zum Geldausgeben.

Zu späterer Stunde wollen wir uns heute noch mit Julia und Iris (zwei ehemalige Arbeitskolleginnen von mir, die zufälligerweise auch gerade in Ubud sind) treffen. Die beiden sammeln uns mit ihrem Privat-Shuttle bei unserer Unterkunft auf und wir gehen erstmal gemütlich was essen, ehe wir uns eine nette kleine Bar suchen und den einen oder anderen Mojito genießen. Der Abend ist sehr lustig und wir freuen uns alle sehr, dass es mit dem Treffen geklappt hat.

Als wir wieder in unserer Unterkunft ankommen, erlebe ich einen persönlichen Schockmoment. Ich putze mir gerade nichtsahnend die Zähne, während Hank in einem Glas eine handflächengroße Spinne aufgesammelt hat, die einfach so durch unser Zimmer marschiert ist. Holy Shit, mir geht die Muffe. Da mach ich heute Nacht ja kein Auge zu, wenn hier im Zimmer solche Spinnen ihr Unwesen treiben… Gott sei Dank haben wir für solche Fälle immer ein Moskitonetz dabei, so dass ich Hank nicht lange überreden muss, dass er doch bitte das Netz aufhängen soll. Puh, mit dem Wissen, dass selbst wenn ungewünschte Gäste im Zimmer sind, diese mich nicht erreichen können, kann ich dann doch gut schlafen.

Am nächsten Tag starten wir zeitig zum Monkey Forest. Wie der Name schon vermuten lässt, ist das ein Wald in dem es nur so von Affen wimmelt. Es gibt einige Regeln, die man befolgen soll, damit man keine unangenehmen Begegnungen mit den Affen hat, so dass ich gleich mal sicherheitshalber meine Brille absetze und auch sonst nichts bei mir führe, das die Affen in irgendeiner Weise interessieren könnte. Das machen hier nicht alle so, denn immer wieder springt ein neugieriger Affe einem Touristen auf die Schultern oder klettert an ihm herum. Hank ist dabei natürlich völlig in seinem Element, ich hingegen fühle mich nicht ganz so wohl. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich extrem schreckhaft bin und der Gedanke an einen von hinten unangekündigt heranspringenden Affen mich nicht gerade begeistert. Insgesamt schlendern wir rund zwei Stunden durch den Wald und können einen ziemlich lustigen Affenzirkus bestaunen. Der Besuch des Monkey Forests ist auf jeden Fall ein Muss, wenn man in Ubud ist. Nicht nur die Affen haben hier einen großen Unterhaltungswert, auch der Wald an sich ist sehr schön, zwischendurch sind immer wieder Tempel und Skulpturen zu bestaunen.

wie die Hühner... äh Affen auf der Stange...
wie die Hühner… äh Affen auf der Stange…

Wir flanieren anschließend die Parallelstraße zur Monkey Forest Road hinauf, in der auch einige Shops angesiedelt sind, die aber bei weitem nicht so belebt ist, wie die Hauptstraße und peilen zunächst den Local Market an. Typisch asiatisch geht es auch hier zu. Enge Gässchen winden sich durch die dicht an dicht gereihten Stände, an denen jeder seinen Nippes an den Mann bringen möchte. Was uns die Indonesier mit ihren aus Holz geschnitzten Flaschenöffnerpenissen, die man ungelogen in sämtlichen Größen an jedem einzelnen Stand kaufen kann, sagen wollen, haben wir leider nicht herausgefunden. J

Nach dem Abstecher auf den Markt steuern wir nun den Ubud Palace an. Hierbei muss ich ehrlich gestehen, dass ich mir den irgendwie mächtiger vorgestellt habe. Der Palace ist eigentlich ziemlich unspektakulär und man darf nicht wirklich irgendwo eintreten. Wir sind ziemlich enttäuscht und lassen ihn nach kurzem Aufenthalt hinter uns. Ein paar Meter weiter befindet sich der Saraswati-Tempel, den wir uns noch anschauen. Auch hier darf man nicht eintreten. Was ist denn das? Ein etwas extrem geschwätziger Einheimischer spricht uns hier an und erzählt uns etwas von der Tanzaufführung, die hier heute Abend stattfindet. Nachdem es ja eh überall empfohlen wird, dass man sich in Ubud mal eine balinesische Tanzaufführung anschauen soll, entschließen wir uns, ihm zwei Tickets abzukaufen. Damit gibt er sich aber nicht zufrieden, er berichtet uns weiter von seinem Taxiunternehmen und was man hier alles machen kann, etc. Er redet zwar wie ein Wasserfall ohne Punkt und Komma, aber irgendwie ist er süß und hat es geschafft, unser Interesse auch für eine Tour mit ihm zu wecken. Wir vereinbaren mit ihm, dass wir uns das Ganze nochmal durch den Kopf gehen lassen und ihm dann eine E-Mail schreiben, wenn wir die Tour machen wollen. Damit ist er zufrieden und wir haben Bedenkzeit.

Schließlich machen wir in unserer Unterkunft noch eine Poolpause, eh wir uns fertig machen müssen, für die Tanzaufführung. Die Tour für morgen haben wir auch bestätigt, also alles geritzt.

Überpünktlich sitzen wir in den ersten Reihen für die balinesische Tanzshow, während sich das Publikum immer mehr füllt und die Anbieter mal wieder mehr Tickets verkauft haben, als eigentlich Platz vorhanden ist. Das ist ja mal wieder typisch.

Unser Fahrer für morgen hat uns auch gleich entdeckt und teilt uns mit, dass er offensichtlich einen Fehler in seiner Planung hatte, weil wir die E-Mail nicht zeitig genug geschrieben haben, hat er es mit einem französischen Pärchen ausgemacht und wir sollen mit seinem Vater fahren. Wir sind zwar nicht ganz so begeistert, weil wir den ja auch nicht kennen, stimmen aber dennoch zu, die Tour mit ihm zu machen.

Die Tanzaufführung beginnt schließlich und ich muss sagen, dass ich mir das irgendwie anders vorgestellt habe. Es ist schon ganz interessant, aber irgendwie auch ziemlich crazy. Die Bewegungen wirken permanent etwas abgehackt und nicht flüssig, aber in Kombination mit den geschockten Gesichtsausdrücken, die die Tänzerinnen dabei immer wieder inszenieren, hat es etwas Groteskes. Die Musik dazu ist auch etwas gewöhnungsbedürftig, so dass wir nicht ganz so überzeugt sind von dieser Darbietung. Dennoch sollte sich jeder selbst ein Bild davon machen, vielleicht sind wir ja einfach nur Kulturbanausen, die Kunst nicht erkennen, wenn sie einem ins Gesicht springt…

Balinesischer Ausdruckstanz
Balinesischer Ausdruckstanz

Naja, vielleicht ist die Tour am nächsten Tag eher was für uns.

Der Vater steht pünktlich um 9:00 Uhr am vereinbarten Ort und schnell wird klar, woher der Sohn seine Redseligkeit hat. Der Vater ist mindestens die gleiche Plaudertasche, wenn nicht sogar noch extremer, aber er ist sehr nett und gibt sich größte Mühe sich mit uns zu unterhalten. Wir fahren rund 45 Minuten zu unserem ersten Stop – den Gunung Kawi-Tempel. Unser Tourguide ist bestens vorbereitet und bindet uns beiden jeweils einen Sarong um, damit wir nicht die Götter mit unserer Freizügigkeit beleidigen. Modisch ist das zwar nicht, aber was solls.

Stilecht im Luang Kawi Tempel
Stilecht im Luang Kawi Tempel

Um zum Tempel zu gelangen, muss man einige Treppen hinabsteigen und wird zunächst von einem herrlichen Ausblick auf einige Reisterrassen empfangen. So als kleiner Vorgeschmack für den heutigen Tag ist das nicht schlecht. Am Tempel angelangt versorgt uns unser Guide noch mit reichlich Hintergrundwissen und wir können durch die Anlage schlendern. Besonders groß ist sie nicht, aber eigentlich recht schön. Bisschen verwinkelt und an einem Tor muss man die Schuhe ausziehen um hindurch gehen zu dürfen. Unser Guide fragt uns dann hinterher, was es da drin zu sehen gibt, denn er ist selbst noch nie durch gegangen. Also spektakulär ist es nicht, so viel können wir ihm sagen, aber irgendeine spirituelle Bedeutung wird das schon haben.

Weiter geht unsere Tour dann zum Spring Water. Ein Tempel mit heiligem Wasser, in dem sich die Einheimischen rein waschen. Heute ist hier wohl irgendwas besonderes, denn es geht zu wie zur Mittagszeit am Marienplatz in München und von allen Seiten drängen sich die Gläubigen in das heilige Wasser. Unser Guide bietet uns auch an, dass wir es den Locals gleichtun können, aber da wir keine Wechselklamotten dabei haben, ist das wahrscheinlich eher nichts. Man geht schließlich voll bekleidet baden und muss sogar seinen Sarong tragen. Für mich ist das ohnehin nichts, ich muss mich nicht unbedingt in einen Pool mit hundert anderen Menschen stürzen, das sollen andere machen…

So fahren wir unrein wie wir sind weiter zu unserem nächsten Ziel: einer Kaffeeplantage. Hier erwartet uns eine kurze Führung durch das Areal und anschließend eine Verkostung diverser Sorten. Besondere Spezialität in Bali ist der Luwak-Kaffee, dessen Herstellung etwas unkonventionell mithilfe des Verdauungstraktes einer Schleichkatze funktioniert. Ich spare mir hier Details, wer näheres dazu wissen möchte, kann ja einfach mal „Luwak-Kaffee“ in Google eingeben… Da man für diesen Kaffee extra zahlen muss, und das nicht mal wenig, sparen wir uns die Verkostung. Ich habe eine derartigen aus Vietnam schon mal probiert und weiß daher, dass er einen sehr starken und eher bitteren Geschmack hat. Am besten schmeckt uns der Coconut-Kaffee, der sehr stark an Baileys erinnert und wir deshalb gleich mal für daheim eine Ladung mitgenommen haben.

Frisch verköstigt setzen wir unseren Ausflug in nördliche Richtung fort und erreichen schließlich den Vulkan Batur und den davorliegenden See. Leider ist es inzwischen ziemlich diesig, so dass man nicht gerade den besten Blick auf den Vulkan hat. Wir legen in einem von unserem Guide ausgesuchten Lokal eine Mittagspause ein. Hier kann man beim Essen die Aussicht genießen und es gibt Buffet. Da Essen überzeugt zwar nicht gerade, aber dennoch ist der Preis für indonesische Verhältnisse ganz ordentlich. Nach einer kurzen Fotorunde geht es dann auch schon wieder weiter.

Blick auf den Vulkan Batur
Blick auf den Vulkan Batur

Letztes Ziel auf unserem Plan sind die Reisterrassen, auf die wir beide sehr gespannt sind. Wir werden auch tatsächlich nicht enttäuscht, denn die Terrassen sind wirklich sehr schön. Man kann ein wenig rumwandern und die Aussicht genießen. Das machen wir auch. Ein Besuch ist auf jeden Fall sehr lohnenswert, vor allem weil es hier auch wirklich wunderschön kräftig grün ist.

Bevor wir zurück nach Ubud fahren, haben wir unseren Fahrer noch überredet, dass wir noch kurz Halt machen bei den Kokokan Reihern, die hier anscheinend zum Sonnenuntergang zu hunderten rumlungern. Leider ist es allerdings noch ein wenig früh, wir versuchen aber dennoch unser Glück. Richtig groß raus kommen wir damit nicht, denn es sind momentan vielleicht 5 oder so da, die allesamt nicht ganz so in Entertainment-Laune sind. Schade, schade, aber hilft wohl nichts – dann kehren wir eben zurück nach Ubud.

Geschafft von einem langen Ausflugstag verbringen wir einen gemütlichen Abend im doch recht belebten Ubud, ehe wir am nächsten Tag unsere Weitereise in Angriff nehmen.

Gili Meno

Wie aus unserem letzten Bericht zu entnehmen ist, war die Wanderung zum Rinjani kein Zuckerschlecken und dementsprechend müde sind auch unsere Beine. Wir wollen uns die nächsten Tage zur Abwechslung mal ein bisschen ausruhen und die Füße hochlegen. Hierfür eignen sich die Gili Islands anscheinend am besten. Das ist eine Gruppe von drei Inseln kurz vor der Küste von Lombok. Die Inseln unterscheiden sich an ihrer Belebtheit. Die belebteste und gleichzeitig als Partyinsel verrufene Insel ist Gili Trawangan, oder auch Gili T genannt. Nach Party ist uns jetzt gerade nicht, so dass diese gleich ausscheidet. Die ruhigste der drei ist Gili Meno und dazwischen liegt irgendwo Gili Air. Unsere Wahl fällt auf Gili Meno. Party machen können wir ja dann daheim wieder…

Von Senaru aus werden wir direkt zur Bootsanlegestelle auf Lombok gebracht, werden aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass wir beim Kauf des Tickets vorsichtig sein müssen, da hier einige dubiose Gestalten ihr Unwesen treiben, die es darauf auslegen, die Touris abzuzocken. Im offiziellen Office bekommen wir dann für reguläres Geld unser Ticket und nach einer Stunde Wartezeit steigen wir in ein Holzboot, das uns in einer halbstündigen Überfahrt nach Gili Meno bringt.

Gegen halb 6 erreichen wir schließlich die Insel und müssen uns nun auf die Suche nach einer Bleibe machen. Weil unsere Beine nicht schon müde genug sind, laufen wir mit unseren großen Rucksäcken noch die halbe Insel ab, ehe wir eine Unterkunft finden, die unseren Ansprüchen, die ja ohnehin nicht die höchsten sind, genügt. Wir schlagen unser Lager in einem offenen Zimmer mit direktem Meerblick auf und lassen den Tag mit einem leckeren Abendessen ausklingen.

Der nächste Tag gehört dann ganz und gar dem Nichtstun. Ich schwöre, so faul wie an diesem Tag war ich schon lange nicht mehr. Ich bin genau dreimal aus unserem Chill-Haus aufgestanden und hab mich kurz im Meer erfrischt. Den Rest des Tages habe ich einfach nur mit Blödschauen  verbracht. Hank war auch wenig aktiver. Aber in Anbetracht der schmerzenden Beine war das mal mehr als notwendig.

Zumindest für den nächsten Tag haben wir eine Kleinigkeit geplant. Wir wollen einen 1 ½-stündigen Spaziergang um die Insel machen. Hank hat davor auch schon die umliegende Schnorchelgegend erkundet, während ich meine komplette Konzentration auf diesen kleinen Marsch gelegt habe. Die Runde ist wirklich ganz nett, aber aufgrund der Hitze doch auch ein bisschen anstrengend. Die Insel scheint aber wirklich genau das zu sein, als das sie beschrieben wird: eine extrem ruhige Insel auf der man außer Relaxen nicht so wirklich viel machen kann. Da sich das schwer beschreiben lässt, lassen wir Bilder sprechen…

Blick vor der Haustür
Blick vor der Haustür

Nach dieser körperlichen Höchstleistung geht es wieder in das Chill-Haus, das für den Rest des Tages unsere Bleibe sein soll.  Kaum zu glauben, wie erschöpfend Nichtstun eigentlich ist.

Aus diesem Grund geht’s am nächsten Tag auch wieder weiter. Wir sind hier doch nicht zum Urlaub machen ;-)

Über einen kurzen Abstecher nach Gili T soll es nach Bali weitergehen. Ein zweistündiger Aufenthalt auf der Partyinsel gewährt uns einen Eindruck auf das, was uns hier erwartet hätte. Unter anderen Umständen wäre es sicherlich ganz witzig gewesen, aber nach dem Rinjani-Hike ist Gili Meno doch eher zu empfehlen.

Gunung Rinjani

Wir sind dann doch etwas erstaunt, als unser Pick-Up-Service tatsächlich um Punkt 13 Uhr bei unserer Unterkunft auftaucht. Sobald wir im Auto sitzen gibt der Fahrer ordentlich Gas und wir sind unterwegs vom Süden der Insel in den Norden. Lombok ist zwar nicht so groß, aber die Straßenverhältnisse und der Verkehr sorgen dafür, dass wir etwa 4 Stunden unterwegs sind – trotz der teilweise halsbrecherischen Manöver unseres Fahrers. Außerdem gibt es auch keinen direkten Weg, sondern nur den an der Küste entlang. Der Grund dafür ist gleichzeitig auch unser Ziel: der mit 3726 Metern zweithöchste Berg Indonesiens, der Vulkan Rinjani. Dort wollen wir rauf! Ein Blick auf den Berg bleibt uns während der Anfahrt leider verwehrt, da er dick in Wolken gehüllt ist. Wir hoffen, dass das die nächsten Tage besser wird.

Ziel unserer Fahrt ist der Ort Senaru, wo die meisten der Touranbieter für die Besteigung des Bergs ansässig sind. Wir haben uns für die Company Green Rinjani entschieden, da sie die besten Bewertungen im Internet auf TripAdvisor hat. Außerdem verfolgen sie wohl den Gedanken des Ökotourismus und jeder Teilnehmer kann unterwegs einen Baum pflanzen. Beim Stützpunkt der Company angekommen werden wir dann Adi, unserem Guide für die nächsten drei Tage, vorgestellt. Außerdem lernen wir Greta und Teresa kennen, zwei Italienerinnen, die mit uns unterwegs sein werden. Nach einem üppigen Abendessen gibt es ein kurzes Briefing wie die Tour ablaufen wird und danach müssen wir unsere Rucksäcke umpacken für den Trip. Der Inhalt unserer großen Rucksäcke mit denen wir über 8 Monate um die Welt gereist sind besteht diesmal fast zur Hälfte aus Ausrüstung extra für diesen Ausflug: hohe Wanderschuhe, dicke Jacken, warme Unterwäsche, Mützen, Handschuhe. Als alles erledigt ist geht’s auch gleich ins Bett, da wir morgen um 6 schon wieder aufstehen müssen.

Und so klingelt uns der Wecker dann auch unbarmherzig aus dem Bett.  Nach dem Frühstück fahren wir etwa eine Stunde mit dem Auto in den nächsten Ort Sembalun, von wo die Wanderung startet. Vom Dorf aus können wir dann auch den ersten Blick auf den Gipfel werfen, morgens sind hier noch keine Wolken unterwegs. Sieht gar nicht so hoch aus, denken wir uns. Mal sehen. Der Beginn des Weges führt uns dann erstmal an den Berg heran durch grüne Felder und kleine Wälder. Da es sehr warm ist, sind wir um die kurzen Pausen im Schatten recht froh. Es stellt sich schnell heraus, dass Adi in seinem Rucksack allerlei Verpflegung für uns mitschleppt. Neben verschiedenen Früchten gibt es auch noch Unmengen an Schokoriegeln und Erfrischungsgetränke. Den Rest unserer Verpflegung für die nächsten Tage, sowie alles andere Equipment wie Zelte und Schlafsäcke, tragen 4 Porter für uns. Die Burschen sind echt krass unterwegs: schleppen ca. 40 kg auf den Schultern den Berg hinauf und tragen dazu Flip-Flops! Und dann sind die meisten von ihnen so noch schneller unterwegs als die Touristen!

Gunung Rinjani
Gunung Rinjani

Nach etwa 3 bis 4 Stunden leichter bergauf Wanderung halten wir für die Mittagspause an. Die Porter sind nebenbei auch noch Köche und was sie in der provisorischen Küche auf Gaskocher und Wok zaubern ist nicht zu verachten. Neben unserer Gruppe sind natürlich auch noch viele andere unterwegs und alle sammeln sich hier zum Essen. Grob geschätzt sind 100 – 120 Touristen unterwegs auf den Berg. Dazu kommen dann nochmal so viele Porter und etwa 30 Guides. Es hat also teilweise schon etwas Prozessions-ähnliches wie wir unterwegs sind.

Nach dem Essen wird der Weg etwas steiler und wir kommen in felsigeres Gebiet. Aber es ist alles problemlos machbar. Dann wird es allerdings dreckig, und das im wahrsten Sinne des Wortes: der „Weg“ geht steiler hoch und ist sehr sandig und staubig. Man muss aufpassen, dass man nicht ausrutscht während man immer wieder etwas abrutscht. So kämpfen wir uns etwa drei Stunden 1100 Höhenmeter zu unserer Campsite hinauf und sind dann schon recht froh als wir endlich ankommen. Froh und staubig… Der Ausblick ist leider nicht so gut von hier oben, bzw. nicht vorhanden, da um uns herum alles in grauen Wolken hängt.

Leider entpuppt sich der Campingplatz als wahre Müllhalde. Ich bin echt entsetzt wie es hier aussieht! Links und rechts von der Bergkuppe auf der die Zelte stehen, sehen die Flanken echt furchtbar aus. Überall Plastikmüll, leere Dosen, Gaskartuschen und Essensreste. Dass sich Ratten hier pudelwohl fühlen verwundert nicht und so huschen die Viecher auch überall herum. Um das Gebiet hier zu säubern müsste schon eine ganze Hundertschaft Helfer anrücken und Müllsäcke füllen. Wie gesagt, ich bin entsetzt und schon etwas beschämt, Teil dieses Problems zu sein. Da lässt sich bloß hoffen, dass Green Rinjani wirklich wie versprochen seinen bzw. unseren Müll wieder mit hinunter vom Berg nimmt.

Nach diesem Schock kehren wir dann in unser Restaurant ein: zwei am Boden ausgebreitete Plastikmatten und bekommen wieder ein ausgiebiges Essen serviert. Nach dem Essen zündet Adi ein kleines Lagerfeuer für uns an und erläutert uns wie es morgen weitergeht: wake-up um 2, kurzes Frühstück, Start Richtung Gipfel 2:30 Uhr. Das mag was werden. Deswegen und da es inzwischen stockdunkel ist und das Wärme spendende Feuer auch recht bald heruntergebrannt ist verkriechen wir uns recht bald in unseren Zelten und versuchen zu schlafen. Wir schlafen aber beide sehr schlecht und wenig und liegen die meiste Zeit wach. Die Aufregung und Anspannung sind wohl zu groß.

Adi verschläft dann leider etwas und wir müssen ihn aufwecken. So hat es auch wieder etwas Gutes, dass wir wach gelegen sind. Kurz vor 3 geht’s dann los Richtung Gipfel, bis dorthin müssen wir auf etwa 3 km Strecke 1100 Höhenmeter überwinden, dazu soll man etwa 3 Stunden brauchen. Die Strecke unterteilt sich in drei Abschnitte, wovon jeder etwa 1 Stunde beansprucht: von mittel über einfach zu hart. Da Greta nicht mitkommt sind wir nur zu viert unterwegs. OK, gehen wir es an. Stirnlampe ein und los!

Da wir etwas später los sind haben wir eine Menge anderer Gruppen vor uns. Aber bereits am ersten, mittelschweren Teil beginnt sich die Spreu vom Weizen zu trennen, viele Leute kommen nur sehr langsam voran. Der Untergrund ist tückisch, es ist wieder sehr sandig und man rutscht immer wieder ab. Der Weg schlängelt sich den Hang hinauf, teilweise durch kleine „Tunnel“, man ist links und rechts von Felsen umgeben. Teresa ist unsere Pace-Makerin. Sie ist nicht die schnellste, aber wir gehen konstant durch. Lediglich ab und zu gibt es kürzere Trink- und Verschnaufpausen. So kommen wir einigermaßen gut voran und überwinden in der veranschlagten Stunde den ersten Teil der Strecke.

Der zweite Teil ist dann wirklich einfach, es geht nur leicht bergan. Ich würde jetzt gerne etwas schneller gehen, aber Teresa behält ihr Tempo bei. OK, auch recht, dann können wir Kräfte sparen für den letzten Teil. Es ist immer noch stockdunkel und man sieht nicht wirklich viel. Man erkennt links einen Abhang der nicht allzu steil aussieht. Rechts allerdings ist nur Schwärze, da geht’s wohl steil nach unten. So halte ich mich am Pfad immer etwas links, um bei etwaigen Stolperern nicht Gefahr zu laufen abzustürzen. Der letzte Teil des leichten Teils wird dann auch wieder etwas steiler und sandiger. Außerdem kommt ein recht unangenehmer Wind dazu, der kräftig weht. Vor allem der aufgewirbelte Dreck ist sehr unangenehm. Inzwischen gehen wir zu viert relativ isoliert von allen anderen, die Schnelleren sind uns enteilt, die Langsameren haben wir abgehängt. Das hat dann auch wieder etwas für sich.

Der leichte Teil zieht sich dann doch etwas, aber schließlich kommen wir am schwierigen Teil an. Und der hat es wirklich in sich. Der Weg besteht aus lauter kleinen bis mittleren Steinen, so dass man mit jedem Schritt auch wieder zwangsläufig etwas abrutscht. Zwei Schritte vorwärts, einen rückwärts. Immer wenn man denkt, man hat eine gute Technik zum Vorwärtskommen entwickelt, versagt diese sofort wieder bei den nächsten Schritten. Inzwischen ist es auch nicht mehr stockdunkel, der Gipfel zeichnet sich vor dem Sternenhimmel ab. Leider kommt er einfach nicht näher, es ist zermürbend und wir kommen nur quälend langsam voran. Da ich aber gerne zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel wäre, beschließe ich ein bisschen mehr Gas zu geben, um es vielleicht noch zu schaffen. Als ich Adi frage, wie lange man vom jetzigen Punkt noch braucht, meint er 30-40 Minuten. Wie bitte? Wir sind gefühlt schon ne Stunde an diesem Hang und immer noch so weit vom Ziel entfernt? Verdammt! Das mit dem Sonnenaufgang wird verdammt knapp.

Ich probiere es trotzdem und verlasse die Gruppe. Leider muss ich recht bald einsehen, dass man diesen Hang einfach nicht rauf sprinten kann. Es ist einfach zu anstrengend, um ein schnelleres Tempo lange durchzuhalten. Vielleicht spielt auch die Höhenluft ihre Rolle, auf jeden Fall muss ich alle paar Meter erschöpft anhalten und durchschnaufen. Ich komme zwar nun etwas schneller voran als der Rest der Gruppe, aber lange nicht schnell genug. So erscheint die Sonne am Horizont während wir uns noch alle mit dem Aufstieg abquälen. Schade. Mal wieder ein fehlgeschlagener Sonnenaufgang-an-einem-besonderen-Ort Versuch (siehe Angkor Wat, Soussouvlei). Naja, sei’s drum. Zumindest komme ich dann doch irgendwann oben an und bin einfach überglücklich es geschafft zu haben. Erschöpft setze ich mich in ein windstilles Eck und warte auf den Rest der Truppe.

Als die anderen dann auch da sind drehen wir eine Runde um den Gipfel und genießen den tollen Ausblick. Der Aufstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt. Nun hat es auch etwas Gutes, dass wir nicht bei den schnellsten waren: die vor uns Angekommenen machen sich bereits auf den Rückweg und so ist es hier oben nicht mehr ganz so voll. Wir lassen uns Zeit den Anblick auszukosten und die obligatorischen Erinnerungsfotos zu schießen. Als genug davon im Kasten sind machen wir uns wieder an den Abstieg. Was vorhin eine nicht enden wollende Quälerei war, ist jetzt ein schnelles den-Hang-hinunter-rutschen. Während wir beflügelt das letzte Stück hinab gleiten, quälen sich immer noch viele an uns vorbei den Hang hinauf. In deren Haut möchten wir nun wirklich nicht stecken!

Am Gipfel des Rinjani
Am Gipfel des Rinjani

Während des gesamten Abstiegs bleiben wir immer wieder stehen und genießen den atemberaubenden Anblick in den Vulkankrater hinab. Dort unten befindet sich ein großer See, in dem wiederum ein kleiner Vulkan-Kegel steht, der auch munter vor sich hinqualmt. Die letzten Ausbrüche waren 2009 und 2010. Zum See werden wir dann nach dem richtigen Frühstück aufbrechen. Dieses bekommen wir, als wir nach dem etwa 2 Stunden dauernden Abstieg wieder im Camp ankommen. Erschöpft lassen wir uns auf unseren Sitzmatten nieder und wollen eigentlich gar nicht mehr aufstehen.

Leider wird uns nur eine etwa einstündige Pause gegönnt, bevor wir wieder weiter müssen. Bevor wir unser Lager ganz abbrechen, dürfen wir noch unsere kleinen Bäumchen pflanzen. Bleibt zu hoffen, dass diese dann auch überleben und heranwachsen können. Aber wenn ich ehrlich bin bezweifle ich das sehr stark. Entweder sie vertrocknen, werden unter Müll begraben oder demnächst als Feuerholz missbraucht. Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Als wir dann gerade losmarschieren wollen bildet sich in der Mitte des Camps eine kleine Windhose und wirbelt herum. Fasziniert starren alle auf das Spektakel. Plötzlich bewegt sich der Mini-Wirbelsturm auf eines der noch stehende Zelt zu und reißt es in die Luft. Es tanzt vor unser aller Augen etwa zwei Meter über dem Boden. Die meisten Porter und Guides brechen in schallendes Gelächter aus, außer denen, denen das Zelt gehört. Die rennen hin und versuchen es zu fangen, was ihnen auch recht schnell gelingt. Das ganze Spektakel dauert nur wenige Sekunden, ist dafür aber umso beeindruckender.

Nach dieser unerwarteten Showeinlage geht es dann los ins Tal hinunter. Wir müssen über einen schmalen felsigen Pfad etwa 600 Höhenmeter nach unten. Adi meinte gestern im Briefing, dass viele Touristen hier verzweifeln, weil sie sehr müde sind und schon 5 bis 6 Stunden gewandert sind. Carina und ich haben aber keinerlei Probleme mit diesem Abstieg und wundern uns was hier schwierig sein soll. Unsere beiden Begleiterinnen haben da schon mehr Schwierigkeiten und trauen sich oft nicht so recht weiter. Aber sie schaffen es trotzdem hinunter. Jetzt müssen wir nur noch eine Stunde bis zum See wandern. Auf diesem Stück haut es dann dafür Carina und mich zusammen. Wir fühlen uns beide nicht optimal, sind kraftlos und kommen kaum noch voran. Ein Schokoriegel und eine Powerbar helfen uns dann doch noch am See anzukommen.

Kratersee mit Vulkan
Kratersee mit Vulkan

Dort lassen wir uns völlig entkräftet auf unsere schon vorbereiteten Matten fallen und dösen vor uns hin, bis es Mittagessen gibt. Nach diesem steht dann ein Punkt auf dem Programm, den ich schon seit Stunden herbeisehne: ein Bad in den hiesigen heißen Quellen. Das warme Wasser tut den Muskeln dann auch sehr gut und es ist Entspannung pur in den kleinen Becken zu liegen. Auch Adi meint, er genießt diesen Teil der Tour immer am meisten. Ich würde am liebsten hierbleiben, aber leider sieht die Tour etwas anders vor. Unser nächster Schlafplatz ist wieder auf einem Gipfel, diesmal auf der anderen Seite des Kraters. So müssen wir die 600 Höhenmeter also wieder hinauf.

Für diesen Aufstieg sind wieder 3 Stunden veranschlagt. Puh, das kann ja heiter werden. Der Weg wäre unter normalen Umständen kein Problem, aber nach unserem heute bereits getätigten Pensum sieht das schon anders aus. Aber wir müssen da jetzt durch und beißen die Zähne zusammen. Auf halbem Weg treffen wir eine Gruppe, die hier spontan ihr Lager aufgeschlagen hat. Sie wollten und konnten nicht mehr weiter und hatten das Glück, das ihre Porter noch nicht den Berg rauf waren. Unsere sind leider schon weg, sonst hätte keiner was dagegen gehabt auch hier zu bleiben. So schleppen wir uns weiter den Berg hinauf. Der Weg will und will einfach kein Ende nehmen. Einzig der Ausblick zurück ins Tal mit See und Vulkan entschädigt ein wenig für die Plackerei.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hören wir dann vor uns laute Jubelschreie. Da sind wohl die ersten oben angekommen. Wir haben es zwar noch nicht geschafft, aber das Wissen, dass wir gleich da sind gibt uns noch mal ein wenig Kraft. So kommen wir dann auch irgendwann oben an, sind ziemlich platt und wollen nur noch zum Zeltplatz. Wenn man die diversen Zwischen-Aufs und Abs mitzählt sind wir heute wohl 1900 Höhenmeter rauf und wieder runter, bei teils echt schwierigem Terrain, da haben wir uns unser Abendessen redlich verdient. Wie gestern gibt es dann noch ein Lagerfeuer an dem wir uns ein wenig aufwärmen können, nachdem die Sonne weg ist. Leider kommt auch ein ziemlich starker Wind auf, so dass es nicht sehr gemütlich ist. Also verkriechen wir uns bald wieder in unseren Zelten.

Der Wind lässt die ganze Nacht nicht nach, so dass es im Zelt ziemlich zieht und die Plane hin und her flattert. Manche Böen sind so stark, dass das Zelt flachgedrückt wird und ich es direkt ins Gesicht bekomme. Aber ich kann trotzdem einigermaßen gut schlafen. Nach dem heutigen Programm auch kein Wunder. Am nächsten Morgen stürmt es immer noch genauso und das ganze Zelt ist voller Dreck, den es durch die Lüftungsfenster hereingeweht hat. Unsere Porter sind immer wieder damit beschäftigt irgendwelche Sachen einzusammeln, die es davonweht. Mal die Sitzdecken, mal einen Müllsack. Aber sie scheinen irgendwie Spaß daran zu haben, denn das Lachen ist immer wieder groß, wenn etwas davonkullert.

Nachdem das Lager abgebrochen ist, haben wir den Abstieg zum Fuß des Vulkans vor uns. Der erste Teil ist wieder sehr staubig und rutschig, macht uns aber keine Probleme. Danach kommen wir in den Dschungel und der Weg schlängelt sich beständig bergab. Es gibt unterwegs ein paar kleine Häuschen, die für Pausen vorgesehen sind. An einem davon hat sich neben den Touris auch eine kleine Horde Affen eingefunden, die wir etwas beobachten. Als ich mal wieder zu nah rankomme werde ich von einem der Affen erbost angefaucht und er täuscht auch einen Angriff vor. So ziehen wir uns beide etwas zurück. Danach geht es weiter durch den Dschungel. Da Greta und Teresa nicht so schnell vorankommen und wir immer wieder auf sie warten müssen, sagt Adi zu uns wir sollen zugehen. Verwundert fragen wir noch nach, wo wir warten sollen, bekommen aber nur ein „just go on“ als Antwort.

OK, dann geben wir halt ein wenig Gas und gehen unser Tempo. So überholen wir auch bald viele andere Gruppen und kommen dem Ende des Weges immer näher. Irgendwann kommt dann Adi völlig verschwitzt angerannt und meint wir seien zu schnell und sollten bei der nächsten Hütte warten. Hm, das war dann wohl ein Missverständnis vorhin. Also warten wir bei der nächsten Gelegenheit auf die anderen, sind aber nicht so richtig glücklich damit. Es wäre nur noch 1 Kilometer bis zum Ende gewesen und nun sitzen wir hier, kühlen aus und die Muskeln werden kalt. Nach etwa einer halben Stunde kommen die anderen dann endlich an und wir können weiter. Jetzt wieder losgehen fühlt sich echt nicht gut an, alles tut weh, die Muskeln schmerzen. Naja, das müssen wir wohl rauslaufen. Lange haben wir dazu nicht Zeit, es wird wieder Halt gemacht zum Mittagessen. Auch nach dieser Pause ist es hart wieder in die Gänge zu kommen.

So humpeln wir die letzten Meter zum Ende der Wanderung und sind froh als wir das Tor zum Nationalpark endlich erreichen. Noch ein Foto gemacht und dann zurück zu Green Rinjani, unsere Sachen abholen. Denkste, bis zum Parkplatz müssen wir auch noch mal einen guten Kilometer gehen. Mist, jetzt reichts dann aber. Schließlich kommen wir dort aber auch noch an und werden von einem Fahrer aufgesammelt und zurück gebracht. Im Office der Company können wir dann noch eine Dusche nehmen, bevor wir vom Fahrer zu unserem nächsten Ziel gebracht werden.

Geschafft!
Geschafft!

Abschließend ist zu sagen, dass es eine tolle und empfehlenswerte Wanderung war. Gerade der zweite Tag hat es zwar sehr in sich, aber man wird für die Strapazen auch belohnt. Wir waren heilfroh um unsere gute Ausrüstung für die Wanderung, gerade die hohen Wanderschuhe und die ausgeliehenen Wanderstöcke waren Gold wert. Es waren zwar auch viele mit normalen Laufschuhen unterwegs, aber das Risiko umzuknicken ist bei den Verhältnissen schon hoch. Auch um die warmen Klamotten waren wir sehr froh. Zum Gipfel hoch und abends wird es sehr frisch, teilweise hat es nachts nur 5 Grad. Wer diese Wanderung also auch mal machen möchte, sollte nicht unvorbereitet sein. Auch mit der Wahl von Green Rinjani waren wir zufrieden. Soweit wir gesehen haben, haben unsere Porter allen Müll wieder mitgenommen. Und wir waren auch rundum gut verpflegt. Adi war immer zur Stelle wenn wir eine Frage hatten und hat sich gut um uns gekümmert. Von billigeren Companys haben wir gehört, dass die Guides teilweise nicht zum Gipfel mitkommen oder auch schon auf den anderen Strecken zurückfallen. Auch unsere Porter waren immer rechtzeitig da. Wir hoffen, dass sie von dem höheren Preis für die Tour auch ihren entsprechenden Teil abbekommen…

httpvh://www.youtube.com/watch?v=NnP5d-jlNIg

So, und jetzt machen wir erstmal Urlaub ;-)

Kuta Lombok

In Lombok angekommen, sind wir zunächst mal sehr enttäuscht von der bescheidenen Sicht. Es ist ziemlich diesig und grau, aber wir hoffen dennoch, dass es besser wird. Immerhin haben wir – so viel sei an dieser Stelle schon mal verraten – einen einmaligen Trip geplant, für den eine weitreichende Fernsicht sehr wünschenswert wäre…

Zunächst aber geht’s an den Strand nach Kuta. Kuta ist ein kleines Fischerdörfchen, das vor allem aufgrund seiner Surfspots sehr beliebt ist. Es ist aber nicht zu verwechseln mit seinem Namensvetter auf Bali, sondern eher ein gemütlicher und ruhiger Ort, der vor allem mit zahlreichen kleinen Kneipen besticht.

Aus diversen Berichten haben wir entnommen, dass vor allem die Umgebung um Kuta mit wunderschönen Stränden überzeugen kann, so dass wir uns gleich am nächsten Tag aufmachen und uns – wie in Asien trotz diverser Zwischenfälle schön öfters – auf, um uns Roller auszuleihen. Für 60.000 Rupien (umgerechnet ca. 4 EUR) kann man sich für den ganzen Tag einen Roller mieten. Mit Versicherung und Personalien nehmen es die Indonesier nicht so genau, so dass wir weder unseren Pass noch unseren Führerschein vorzeigen müssen. Hier zählt wohl nur Cash, alles andere ist nebensächlich.

Unsere Mühle hat wohl schon ein paar strenge Winter hinter sich, denn der fitteste Roller ist das nicht mehr, aber zum Rumcruisen wird es schon gehen. Wir machen uns zunächst auf in westliche Richtung, Landkarte gibt es keine und auch so haben wir keinen Plan, wo genau wir eigentlich hinfahren müssen, so folgen wir einfach dem Straßenverlauf. Mit gemächlichen 20 km/h tuckeln wir einen Berg hinauf und stellen mal wieder aufs Neue fest, dass Rollerfahren in Asien ohne Hupe quasi nicht möglich ist. Von allen Seiten hören wir Hupgeräusche und es taucht von irgendwo wieder ein Einheimischer auf, der voll bepackt wie ein Irrer um die Kurven fetzt. Ach, Asien ist einfach einmalig!

Rollerfahren auf Lombok.
Rollerfahren auf Lombok.

Nach rund 20 Minuten erreichen wir den Mawun Beach. Eine Bucht mit einem wunderbaren Strand. Wir sind zwar nicht alleine da, aber die Besucherzahl ist sehr überschaubar. Wir fühlen uns hier in jedem Fall pudelwohl. Die Wellen sind klasse, so toben wir eine ganze Weile wie kleine Kinder in den Fluten rum. Ehe wir uns versehen sind 3 Stunden vergangen und Hank hat seinen obligatorischen Sonnenbrand kassiert. Dies und unser Hunger treibt uns schließlich wieder zurück in die „Stadt“, wo wir uns mit der indonesischen Küche vertraut machen. Auch hier bekommt man Currys, d. h. ich bin glücklich. Weitere klassische Gerichte sind Nasi Goreng (gebratener Reis) und Mie Goreng (gebratene Nudeln). Wahrscheinlich werden wir es hier aushalten…

Gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg, um auch die östliche Seite von Kuta zu erkunden. Hier geht es gerade dahin, die Straßen – sofern man sie als solche bezeichnen darf – sind mehr Schlaglöcher als Asphalt, aber das scheint hier niemanden zu stören. Die Einheimischen fetzen einfach in vollem Karacho drüber. Ganz geheuer ist uns das nicht, aber es bleibt wohl nix anderes übrig. Unterwegs entdecken wir wieder einen abgelegenen Strand, an dem sich atemberaubende Wellen brechen. Leider sind hier keine Surfer zu finden, weil die Brandung wohl zu nah an der Küste ist…

Wir fahren noch an einen weiteren Strand, der uns wirklich sehr gut gefällt. Der Sand ist fein wie Puderzucker und die Sicht ist herrlich. Es gibt einen Aussichtsfelsen, den wir erklimmen und dort hat man dann tatsächlich die perfekte Location, um einfach nur zu chillen. Der Ausblick ist atemberaubend und einige Surfer geben auch ihr Können zum Besten. Schade nur, dass es schon so spät ist und wir um 18:00 Uhr unseren Roller zurückgeben müssen. Hier ist es aber tatsächlich um 18:30 Uhr stockdunkel. Naja, so kehren wir ein wenig traurig zurück – hier hätte es uns schon verdammt gut gefallen…

Den Abend lassen wir gemütlich in einem netten Lokal ausklingen, bevor wir morgen um 13 Uhr (mal sehen, wie genau die Indonesier es mit der Pünktlichkeit nehmen) für unser großes Abenteuer abgeholt werden.