Chiang Rai

Da wir von der Reise im Nachtbus doch ziemlich geschafft sind buchen wir an der Grenze gleich mal ein VIP-Bus-Ticket nach Chiang Rai für 300 Baht. Das ist zwar sicher 150 Baht zu teuer, aber wir haben gerade keinen Nerv für die Tuk Tuk Fahrt zum Busbahnhof und dann Preise vergleichen. Dafür ist der Bus echt komfortabel. So einer für die letzte Fahrt wäre sicher nicht verkehrt gewesen. In Chiang Rai geht es dann im Song Thaew vom Busbahnhof in die City. Mit an Bord sind noch drei ältere Kanadier, von denen einer mal für 3 Jahre auf einer kanadischen Militärbasis in Deutschland war. Kanadische Militärbasis? In Deutschland? Ahja, interessant.

Nachdem wir uns im Jansom Guesthouse eingemietet und uns etwas ausgeruht haben, brechen wir noch auf, Chiang Rai etwas zu erkunden. Dabei kommen wir erst an einem goldenen Uhrenturm mitten auf einer Kreuzung vorbei und stehen dann auch schon im Markt. Nachdem wir die einzelnen Gänge abgeklappert haben und wieder ins Freie gefunden haben, gehen wir nach einem kurzen Zwischenstopp-Tempel weiter zum Wat Phra Kaew. Hier wurde vor ein paar hundert Jahren der Smaragd-Buddha gefunden, der nun in Bangkok steht und die meist verehrte Buddha Figur überhaupt ist. Bis zu seinem Fund war er in der Stupa des Tempels verborgen und nur ein Blitzeinschlag hat ihn ans Tageslicht gebracht. Die Tempelanlage ist sehr schön hergerichtet, überall bunte Pflanzen und Zierrat. Besonders gut gefällt mir das Museum, in dem viele schöne Buddha Figuren ausgestellt sind. In einem extra Gebäude ist eine Replik des Smaragd-Buddhas ausgestellt. Vor dem Gebäude ist ein Teich in dem dutzende Wasserschildkröten herumschwimmen. Die werden hier als Zeichen für langes Leben gesehen und haben wohl auch einen besonderen Status (obwohl ich sie hier auch schon auf der Speisekarte gesehen habe…).

Wat Phra Kaew

Wat Phra Kaew

Nach dem Tempel wollen wir weiter ans Flussufer. Der Fluss entpuppt sich aber an dieser Stelle als fast ausgetrockneter Nebenarm und der Anblick ist nicht wirklich toll. Also drehen wir wieder um und schlendern zurück Richtung Unterkunft. Unterwegs kommen wir an einem kleinen Friseursalon vorbei und da ich einen Haarschnitt vertragen kann, wagen wir uns da nach kurzem Zögern rein. Mr. Pon, seit 1989 im Geschäft, macht seine Sache aber sehr gut und so habe ich 15 Minuten später wieder einen Kurzhaarschnitt. Carina und ich sind zufrieden, Mr. Pon nicht. Also muss ich noch mal kurz auf den Stuhl, damit er sein Werk vollenden kann. Danach entlässt er mich aber ;-)

Auf dem weiteren Rückweg informieren wir uns über das Angebot an Tagestouren. Nachdem wir ein paar Angebote auf Preise und Leistungen verglichen haben sitzen wir schließlich bei einem Herrn namens Kitt Tiger im „Büro“ und buchen den morgigen Ausflug: White Temple, Black House, Long Neck Village, Monkey Cave, Mittagessen, Grenzmarkt bei Myanmar, Goldenes Dreieck, Opiummuseum und Wat Chedi Luang. Volles Programm von 8:30 – ca. 17:00.

Bevor wir in unser Zimmer zurückkehren besuchen wir noch den auf dem Weg liegenden Night Market. Der ist auf jeden Fall sehenswert und wir verbringen einige Zeit beim Durchstöbern der verschiedenen Stände. Es gibt hier auch zwei Show-Bühnen und wir können eine thailändische Tanzgruppe beobachten. Schließlich gibt es auch noch eine riesige Food-Corner mit allerlei lecker aussehenden Angeboten an den Ständen. Ich ärgere mich fast ein wenig, dass wir schon gegessen haben *g*

Am nächsten Morgen werden wir um kurz nach halb 8 aufgesammelt. Wir öffnen die Schiebetür zum Minivan und wer sitzt drin? Die Kanadier von gestern! Wir lachen alle und begrüßen uns fröhlich. Dann geht die Fahrt auch schon los, wir sind die einzigen Teilnehmer an der Tour.

Kurze Zeit später stehen wir auch schon am weißen Tempel. Der wurde 1997 von einem millionenschweren Künstler gebaut. Für die komplette Fertigstellung har er 70 Jahre veranschlagt. Er verfolgt mit dem Bau aber keine kommerziellen Ziele, sondern wollte einfach nur einen Tempel zu Ehren des Königs bauen. So hat es auch ein paar Jahre gedauert, bis sich die Kunde von dem Tempel unter den Touristen verbreitet hat. Aber jetzt ist es in Chiang Rai das Must-have-seen überhaupt. Der Anblick eines komplett weißen Tempels haut uns einfach um. Das ist einfach mal was komplett anderes. Die zweite Besonderheit neben der Farbe sind die Skulpturen der Anlage. Dazu erst eine weitere Erklärung: die Anlage ist so aufgebaut, dass man zuerst die Hölle durchquert und dann über eine Brücke in den Himmel (=der Tempel) kommt. Deswegen müssen alle denselben Weg nehmen, man darf nicht zurück vom Himmel in die Hölle. Und die Hölle ist bevölkert von Dämonenstatuen und allerlei höllischem Zeug. U.a. findet sich hier auch eine Predator-Figur auf dem gleichnamigen Schwarzenegger-Streifen. So eine hätte ich hier nicht erwartet. So durchqueren wir staunend die Hölle und betreten den Himmel. Der lässt uns gleich noch mehr staunen. Das Innere des Tempels ist mit reichlich Wandmalereien verziert. In einer davon wimmelt es dann nur so von Hollywood Figuren: Spiderman, Batman, Superman, Darth Vader, Jabba the Hutt, Freddy Krüger, Captain Jack Sparrow und sogar Harry Potter sind neben anderen vertreten. Das Gemälde sieht echt super aus. Leider darf man keine Fotos davon machen. So durchqueren wir auch den Himmel und kehren wieder in irdische Gefilde (=unser Minivan) zurück.

White Temple

White Temple

Wir setzen unsere Sightseeing-Tour zum Black House fort. Wieder bekommen wir von unserem Guide Pon vor der Besichtigung eine gute Erklärung was vor uns liegt. Es handelt sich nicht um ein Haus, sondern vielmehr um eine Anlage mit 43 Häusern bzw. Gebäuden. Sie ist Privateigentum eines Künstlers (ein anderer als der vom White Temple) und er bewohnt einen Teil der Häuser noch selbst, weswegen dieser Teil auch für Besucher gesperrt ist. Erst vor wenigen Jahren wurden überhaupt welche zugelassen. Da der Künstler in seinen Bildern sehr viel mit Tieren arbeitet hat er eine große Anzahl von Tierkadavern bzw. diversen Tierteilen angesammelt, angeblich um sie für die Bilder studieren zu können. Insgesamt sollen hier über 50.000 einzelne Stücke in den Häusern sein. Wow, das ist schon ne ganze Menge! Als wir durch die Häuser gehen sind die Tier-Exponate auch nur schwer zu übersehen: ein gewaltiger Tisch ist mit Schlangenhaut geschmückt, auf einem anderen liegen ein ganzes Krokodil und Katzenfelle, die Wände sind geschmückt mit Pfauenfedern, die Sitzmöbel bestehen aus Büffelhörnern und so weiter und so weiter. Irgendwie faszinierend, irgendwie aber auch ganz schön krank. Aber auf jeden Fall sehenswert, wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

BlackHouse

BlackHouse

Als wir wieder im Van sitzen sind wir uns alle fünf einig, dass sowohl der weiße Tempel, als auch die schwarze Haus absolute Highlights sind, deren Wirkung man aber nur schwer beschreiben kann. Man muss einfach davor stehen und das selber sehen. Nächster Stopp soll das Long-Nack-Village sein. Dort leben Frauen, die um ihren Hals jede Menge Ringe tragen und der dadurch auf Dauer sehr gedehnt wurde. Da der Eintritt in das Dorf aber 300 Baht pro Person extra kostet sind wir uns schnell einig, dass wir da nicht halten müssen und gleich zur nächsten Station, der Monkey Cave fahren können. Gesagt, getan, und so stehen wir bald darauf vor einer in einer Tempelanlage herumlungernden Affenbande. Sie halten sich hier auf, da innerhalb von Tempelanlagen keine Tiere – und auch keine Pflanzen – getötet werden dürfen. Sie sind hier also sicher und werden auch noch gefüttert. Man kann hier auch noch 205 Stufen zu einer Höhle hochsteigen in der einige Buddha-Figuren stehen.

Jetzt ist es erst mal Zeit für das in der Tour inbegriffene Mittagessen. Wir rechnen mit einem Teller Nudelsuppe oder etwas Reis mit Beilagen, aber weit gefehlt: wir stehen unverhofft vor einem großen Buffet. Da schlagen wir dann auch gut zu. Auch Pon sitzt mit uns am Tisch und erzählt uns Geschichten. Dann muss er plötzlich abbrechen und fängt fast an zu weinen. Stellt sich raus, dass die Suppe für die Thais außerordentlich scharf ist heute. Hihi, schon lustig, fünf Touris und ein Thai am Tisch und der Thai verträgt die Schärfe nicht. Na gut, ich gebe zu, dass mich seine Suppe wahrscheinlich auf der Stelle umbringen würde, aber ein bisschen Schadenfreude wird ja noch erlaubt sein ;-)

Nächster Stopp ist dann Mae Sot, dem nördlichste Ort Thailands, inklusive entsprechendem Touristen-Foto-Schild. Außerdem sind hier ein Grenzübergang nach Myanmar und ein großer Markt. Naja, außer ein wenig durch die Shops schlendern kann man hier nicht viel machen. Also geht es bald weiter zum Goldenen Dreieck. Hier stehen wir dann auch wieder vor einem Schild wie vorhin. Von einem Viewpoint aus sieht man nach Myanmar und Laos, man steht also an einem Drei-Länder-Eck. Ja, auch das ist ganz nett, haut uns aber nicht aus den Socken. Über eine alte Tempelanlage geht es dann zurück zum Minivan und wir fahren weiter zum Opium Museum. Da das aber auch wieder extra Eintritt kostet und wir nicht unbedingt Lust haben zig englische Erklärungstafeln durchzulesen lassen wir das kurzerhand auch ausfallen. Stattdessen werden noch mal die Shops hier durchstöbert, leider ohne was Schönes zu finden.

Also peilen wir bald den letzten Stopp der Tour an, den Wat Chedi Luang in Chiang Saen. Hm, hier ist leider auch nicht viel zusehen, außer einem ziemlich verfallenen Chedi. Der Rest des Tempels wird gerade wiederaufgebaut, nachdem man das Fundament verstärkt hat. Aber diesmal kommt Pon mit uns in den Tempel und erklärt einiges. Er zeigt uns auch wie man aus den großen Gongs einen Ton rausholen kann indem man mit den Handflächen schnell über die Mitte streicht. Klappt bei uns Anfängern aber nicht annähernd so gut wie bei ihm. In einem Zelt sind alle Buddha Figuren aus dem Tempel für die Zeit des Wiederaufbaus untergebracht. Hier kommt Pon dann ins plaudern und erzählt uns viel über den Buddhismus. Wir sitzen dann zu sechst im Kreis und kommen uns ein wenig vor wie seine Schüler. Er beantwortet alle unsere Fragen und erzählt noch vieles mehr. Wir freuen uns sehr über seine Lektionen und bedanken uns bei ihm für seine guten Beschreibungen, da meint er „ich muss das ja können, immerhin war ich mal Mönch“. Uns klappt allen die Kinnlade herunter und wir sind sehr verdutzt, da schiebt er vergnügt nach „aber nur 17 Tage“ und lacht. Äh ja, alles klar. Es stellt sich heraus, dass wohl ein sehr großer Anteil der Thailänder mal kurzzeitig Mönch wird, um die Eltern segnen zu können oder sowas in der Art (habe ich nicht genau verstanden).

Buddhismus Unterricht

Buddhismus Unterricht

Schließlich kehren wir wieder zum Van zurück und nach einem Blick auf die Uhr, es ist inzwischen 18:30, meint Pon: „deswegen gehe ich normalerweise nicht mit zu den Sehenswürdigkeiten, da verquatsche ich mich immer“. Aber er scheint nicht unglücklich zu sein, sondern hat immer noch ein Lächeln im Gesicht. So werden wir also gegen 19:30 wieder bei unserer Unterkunft abgesetzt. Wir haben nicht erwartet, dass dieser Ausflug so ein tolles Erlebnis wird. Das lag zwar in erster Linie an der Gesellschaft der drei Kanadier sowie unserem Guide Pon, aber auch der White Temple und das Black House sind absolut empfehlenswert. Die restlichen Ziele der Tour muss man nicht unbedingt ansteuern.