Chiang Mai – Touristenhochburg des Nordens

Nach längerem Hin- und Herüberlegen wohin die weitere Reise gehen soll fällt unsere Entscheidung auf Chiang Mai. Hauptsächlich eigentlich deshalb, weil ich meine Bedenken hinsichtlich Hank’s Vorschlag nach Umphang zu fahren, habe. Das wäre ein Abstecher ins absolut Ungewisse gewesen, weil das abseits jeglicher Touristenrouten liegt. Grundsätzlich wäre die Idee ja wirklich super gewesen, aber so gar nicht zu wissen, wie und wo, das ist dann auch mir zu crazy. Also landen wir nach rund 5 Stunden Busfahrt in Chiang Mai. Leider kommen wir dort aber relativ spät erst an. Bis wir in der Innenstadt sind, ist es bereits 16:30 Uhr und es ist Samstag. Wir haben auch noch keine Unterkunft. Die Suche gestaltet sich unerwartet schwierig, da viele Guesthouses bereits ausgebucht sind. Völlig ausgehungert machen wir erstmal einen Essensstop und landen zufällig in einem äußerst gemütlichen kleinen Lokal, namens Salad plus, dass wir in den kommenden Tagen permanent aufsuchen werden. Hank marschiert danach schließlich alleine los, um uns eine Übernachtungsmöglichkeit zu beschaffen. Am Ende landen wir im Sumit Hotel, das für 350 Baht (umgerechnet rund 7,75 EUR) auch wirklich günstig ist. Allerdings hat unser Zimmer ungefähr so viel Flair und Gemütlichkeit wie ein Krankenhauszimmer, aber das ist uns egal, die Matratze ist weich, es gibt eine heiße Dusche und kostenloses WiFi. Für unser mittlerweile angeeignetes Anspruchsdenken mehr als genug…

Nach dem Einchecken marschieren wir mal los, um die Gegend zu erkunden. Man merkt deutlich, dass Chiang Mai eine Touristenhochburg ist. Die Preise sind höher, die Auswahl an Lokalen ist vielfältiger und auch die Modebranche ist hier eindeutig mehr vertreten als in anderen Ecken Thailands. Laut unserem Reiseführer bietet Chiang Mai für jegliche Aktivitäten ausreichend Möglichkeiten, das klingt vielversprechend. Einzig das Überangebot macht es einem nicht gerade leicht, sich zu entscheiden. Für den ersten Tag reicht uns aber ein Spaziergang durch die Gässchen und ein Kneipenbesuch.

Am zweiten Tag wollen wir den ganzen teuren Ausflugsangeboten trotzen und entscheiden uns, die umliegende Landschaft mitsamt eines Rollers zu erkunden. Aus Kostengründen beschränken wir uns darauf, nur einen auszuleihen. Leider haben wir beide keinerlei Erfahrungen dabei, einen Roller mit zwei Personen beladen zu steuern. Da Hank allerdings der vernünftigere Verkehrsteilnehmer von uns beiden ist, fällt die Wahl als Fahrer schnell auf ihn. Die Spuren meines Rollercrashs in Khao Lak vor gut 3 Jahren sind schließlich immer noch sichtbar…

Die Verkehrsregeln für Rollerfahrer in Thailand sind einfach. Es gibt nur eine Regel und die lautet: wo der Roller durchkommt, da kannst Du fahren. Hank hat das Prinzip schnell verstanden und wir schlängeln uns durch den Verkehr, mal links vorbei, mal rechts vorbei, mal genau in der Mitte durch – so fetzen wir an den ganzen Autos vorbei und verlassen die City, hinaus in die Berge.

Erster Stopp ist an einem Wasserfall, bei dem man ein wenig kraxeln kann. Ist zwar nix besonderes, aber trotzdem eine willkommene Abwechslung zu den mittlerweile Überhand gewinnenden Tempelbesichtigungen. Weiter geht’s bergauf. Es stellt sich schnell heraus, dass wir für eine Rollertour in die Berge zu frisch gekleidet sind, da der Fahrtwind zunehmend kälter wird. Ich krall mich hinten an meinen Fahrer fest, wie ein kleines Klammeräffchen, weil mich richtig friert. Schließlich kommen wir an unseren nächsten Stopp. Es ist ein… surprise, surprise… Tempel! Hier wurlt es nur so an Touristen, das ist ja unfassbar und auch wirklich nicht schön. Die einheimischen Kinder werden hier zur Schau gestellt und betteln um jeden einzelnen Baht. Eigentlich ein ziemlich trauriges Bild.

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Im Tempel gibt es eine Nachbildung des Jade-Buddhas in Bangkok, dem meist verehrten und wichtigsten Buddha Thailands. Wir besuchen im Anschluss noch eine Jade-Fabrik, in der der kostbare Rohstoff bearbeitet und geschliffen wird. Der Buddha in der Größe, wie er im Tempel steht, hat, wie wir erfahren, einen unglaublichen Wert. Er sieht in seiner grünen Farbe auch wirklich besonders aus.

Nach einer kurzen Mittagspause setzen wir unsere Fahrt fort und enden in einem Bergdorf der Karen, wahrscheinlich war’s kein authentisches, weil viel zu viele Leute hingekommen sind, aber es wurde zumindest als solches angepriesen. Wir haben uns das auch irgendwie ganz anders vorgestellt. Laut dem Lonely Planet sind die Karen das größte thailändische Bergdorf. Sie leben im Tiefland und bauen Feldfrüchte an. Von allen Bergvölkern haben sie sich am meisten in die thailändische Gesellschaft integriert. Sie sind wirtschaftlich am unabhängigsten und tragen normalerweise grob gewebte, bunte Tuniken. Beim Besuch eines Karendorfes gibt es laut Lonely Planet einige Verhaltensregeln, die man einhalten sollte, da man sonst die sozialen Tabus überschreitet. Man darf beispielsweise nicht flirten. Das wäre nur erlaubt, wenn man vorhat, sein Gegenüber zu heiraten… Wir verhalten uns mal unauffällig, wir wollen ja nicht negativ auffallen.

Nach dem Abstecher in das Bergdorf fahren wir zurück in die Stadt. Allerdings ist das ein langer und kalter Weg. Ich bin unendlich froh, als wir endlich wieder in unserer Unterkunft für einen kurzen Zwischenstopp ankommen. Wir machen uns dann gleich wieder auf den Weg und erkunden den Nightmarket, da dieser hier so besonders sein soll. Von den Angeboten her ist er auf jeden Fall besonders. Ein Essenstand reiht sich an den nächsten und ein Verkaufsstand neben dem anderen. Allerdings könnte es Samstag Mittag am Stachus auch nicht mehr zugehen und das nervt ein bisschen. Wir drehen eine Runde, verfallen den Leckereien und kehren dann erschöpft in unser Krankenhauszimmer zurück…

Mitten in der Nacht werden wir plötzlich von unglaublichen Lärm geweckt. Im Nachbarzimmer sind wohl eine Gruppe Betrunkener in ihr Quartier zurückgekehrt, wovon einer ein eingeschlagenes Gesicht hat. Das ist zwar tragisch, aber dennoch sind wir mehr an unserem Schlaf interessiert als an der Lösung deren Problems, so dass Hank schlaftrunken eingreift und die Meute zum Schweigen bringt. Um 7:30 Uhr heißt es aber dann tatsächlich aufstehen, denn wir werden abgeholt für unseren Ausflug zum Thai Cooking Course. Unsere Gruppe besteht aus 5 Personen. Wir beide, ein Pärchen aus Deutschland und ein Australier, der mit den beiden unterwegs ist. Wie wir später erfahren, sind wir hier die Oldies, denn die anderen 3 sind allesamt frisch von der Schule. Naja, irgendwann musste es ja so kommen… ;-)

Unser Kurs beginnt schließlich mit einem Besuch in einem lokalen Markt. Dort erklärt uns Neung, unsere Lehrerin, die örtlichen Gewürze und verschiedenen Zutaten. Das ist wirklich sehr interessant. Wir sehen, wie die Thais ihre Kokosmilch zubereiten, die wesentlicher Bestandteil vieler Gerichte ist und welche gravierenden Unterschiede es bei den Reissorten gibt. Außerdem lernen wir viele neue Gemüsesorten kennen und erfahren, dass die Thais viel mit Hühnerblut zubereiten. Das ist zwar eine Information, die ich lieber nicht gehabt hätte, aber gehört wohl dazu. In der Fleischerei gibt es sogar ganze Schweinsköpfe und in der Fischecke sind die Fische sogar noch lebendig und winden sich im Halbtrockenen.

Nach dem Abstecher im Markt geht es weiter zu unseren Kochstellen. Jeder von uns darf sich 5 verschiedene Gerichte aussuchen, die wir dann unter der Anleitung von Neung zubereiten. Zunächst eine Suppe, dann machen wir mit dem Mörser unsere eigene Currypaste und das dazugehörige Curry, sowie fried Chicken with Cashew Nuts (eines unserer liebsten Gerichte). Es schmeckt alles zusammen wirklich unglaublich gut und wir sind eigentlich nach den 3 Gerichten schon voll. Neung gönnt uns dann eine einstündige Pause in der Hängematte, bevor wir noch Pad Thai, bzw. Fried Rice with Pineapple und eine leckere Nachspeise zaubern und genüsslich verzehren. Ja, die thailändische Küche ist zurecht eine der Besten überhaupt. Die Vielzahl der Gewürze und Geschmacksrichtungen sind wirklich faszinierend und die Zubereitung ist wesentlich einfacher als man meint. Vor allem die Nachspeise Sticky Rice with Mango schmeckt uns unglaublich gut.

Nachdem wir mit dem Kochen fertig sind, fährt Neung mit uns noch zu einem Fruit Market und erklärt uns dort noch die Unterschiede der Früchte und deren Reifegrad. Es ist sehr interessant und wir hören ihr gespannt zu. Na hoffentlich nehmen wir das Erlernte nicht nur theoretisch in dem von Neung verteilten Rezeptheft mit nach Hause, sondern können die Gerichte auch tatsächlich daheim umsetzen.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass wir die Best Trip Cooking School jedem wirklich wärmstens empfehlen können. Das familiäre Ambiente und die individuelle Kursgestaltung machen den Ausflug unvergesslich. Wir haben uns nicht wie in einer strikt durchgeplanten Massenabfertigung gefühlt, was ja oftmals bei organisierten Touren der Fall ist.

Nachdem wir wieder am Hostel abgeliefert wurden, ziehen wir noch zum Plus Salad auf das ein oder andere Bierchen…