Wellington

Warum Wellington den Spitznamen „Windy Welly“ trägt wird uns ziemlich schnell klar. Statistisch hat die Stadt rund 175 Tage im Jahr  einer Windgeschwindigkeit von etwa 75 km/h ausgesetzt. Grund für diese enorme Windstärke ist zum Einen die geografische Lage an einer Landspitze, die ihr mehr Angriffsfläche für den Wind bietet und zum Anderen ist Wellington die einzige Hauptstadt der Erde, die innerhalb des Einflussbereichs starker Westwinddriften, sogenannte  Roaring Forties, liegt.

Wir wollen uns zunächst mal ein Bild von der Stadt machen und fahren daher auf den Mount Victoria Lookout. Uns wird schnell klar, unseren Gaskocher anzuwerfen können wir hier vergessen. Bei dem Wind kann selbst Dreiwetter-Taft nichts ausrichten. Naja, so läuft es drauf hinaus, dass wir ein paar Fotos schießen und uns dann wieder in ein bisschen windgeschütztere Teile der Stadt begeben.

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Ein nettes vietnamesisches Lokal klingt dafür sehr gut. Offensichtlich haben wir nach 2 ½ Monaten in Asien noch immer nicht genug von dessen Küche.

Während wir unser geliebtes Curry verzehren, machen wir uns Gedanken, was wir hier in Wellington eigentlich machen wollen. Sehr beliebt soll Zealandia sein, ein Naturschutzgebiet, in dem viele einheimische Vogelarten beheimatet sind. Die Besonderheit ist der 8,6 Kilometer lange Zaun außen rum, der extra dafür entwickelt wurde, die eingeschleppten Tierarten, wie beispielsweise Possum, Hase oder Maus fernzuhalten. Nachdem wir ohnehin noch eine Rechnung mit dem Kiwi offen haben (er hat sich uns noch nicht gezeigt), klingt das nach einem guten Plan. Wir folgen kurzerhand unserer Straßenkarte zu dem wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Sanctuary. Als wir dann die Eintrittspreise für den Park lesen, stehen wir wieder ein bisschen ratlos da. Sollen wir reingehen – oder lieber nicht? Hmmm, naja aber was machen wir sonst? So what – Ticket gekauft und reinspaziert. Es ist sogar für zwei Tage gültig, wir dürfen also morgen wieder kommen.

Der Park ist wirklich sehr schön. Es ist ein eingezäuntes Areal von rund 225 Hektar, das schöne Rundwege hat und an allen Ecken stoßen wir auf sehr motivierte Rentner, die als Volunteers begeistert die lokalen Vogelarten an die Touristen näher bringen. So kommt es, dass wir im Laufe unserer Reise noch zu „Birdwatchern“ werden. Unglücklicherweise sind diese kleinen Tierchen unglaublich schwierig mit der Kamera einzufangen. Eins steht schon jetzt fest, auf meiner Anschaffungsliste, wenn ich wieder daheim bin, steht ein vernünftiges Tele-Objektiv ganz weit oben…

Vorerst muss aber das vorhandene Equipment ausreichen. Wir bekommen immerhin den – in Anführungsstriche –  unglaublich bewegungsflinken Takahé, einige Kaka`s, Bellbirds, Kakarikis, Hihis (ja, die heißen wirklich so) und Tuataras vor die Linse.

Takahé

Takahé

Nur der Kiwi lässt sich natürlich nicht blicken. Der Ticketverkäufer hat zu uns gemeint: „if you saw a kiwi, it would be ill“, da dieser lokale Vogel ausschließlich in der Nacht aktiv ist.

Da uns der Aufenthalt wirklich überraschend gut gefallen hat, beschließen wir die Gültigkeit des Tickets für morgen auch noch auszunutzen und wieder zurück zu kommen, nachdem wir nach rund 2 Stunden wegen Schließung den Park verlassen müssen.

Schließlich bleibt uns nichts anderes übrig, als uns einen schönen Campingplatz zu suchen und es uns in den Aufenthaltsräumen gemütlich zu machen.

Freude kommt am nächsten Tag auf! Die Sonne strahlt bereits zum Frühstück. Herrlich! Es ist noch nicht mal 8 Uhr und wir können schon im T-Shirt in der Sonne sitzen. Das ist ja eine Neuseeland-Premiere.

Voller Tatendrang stehen wir pünktlich zur Eröffnung vor den Toren von Zealandia. Wir machen uns gleich mal auf den Weg eine kleine Loop zu laufen. Unterwegs treffen wir auf eine sehr nette Rentnerin, die uns einiges über den Park erklärt und so freuen wir uns schon, die Runde über den Valley View Track zu beginnen. Wir wandern, naja gut wandern ist vielleicht ein bisschen übertrieben, wir marschieren durch den Wald, horchen an allen Ecken, ob wir irgendwelche Vögel zwitschern hören und halten die Kameras schussbereit. Ganz schön flink, diese kleinen Mistviecher… :-)

An einer kleinen Lichtung machen wir Halt und genießen einfach das herrliche Wetter. Hach, so lässt es sich in Neuseeland doch ganz gut aushalten. Schließlich müssen wir uns aber doch von dieser schönen Stelle entfernen, wir wollen ja keinen Sonnenbrand bekommen und außerdem auch noch mehr vom Park sehen.

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Die Kaka`s präsentieren sich wieder stolz und auch die Tuataras (eine sehr alte Echsenart die nur in Neuseeland vorkommt, auch bezeichnet als „lebende Fossilien“) wollen vor die Linse. Die Zeit fliegt vorbei, ehe wir uns versehen, verbringen wir nochmal 3 Stunden in Zealandia.

Heute ist es in „Windy Welly“ sogar einigermaßen windstill, so dass wir diesmal unseren Gaskocher anwerfen können und uns zum abertausendsten Mal Nudeln kochen können. Naja, same same – but different!

Gestärkt fahren wir in die Stadt. Wir können ja nicht in Wellington gewesen sein, ohne was von der Stadt gesehen zu haben. Am Hafen ist es wirklich wunderschön. Die Leute genießen den Sonnenschein, sind auf Skates unterwegs oder spazieren einfach so umher. Drei Wahnsinnige springen sogar ins wahrscheinlich eisig kalte Wasser zum Baden. Brrrr, da friert mich ja schon vom Zuschauen. Es ist heute zwar einigermaßen warm, aber von sommerlichen Temperaturen sind wir trotzdem noch weit entfernt, von den Wassertemperaturen mal abgesehen. Naja – jedem das seine. Ich setz mich lieber mit einem guten Cappuccino an einen windstillen Platz in der Sonne und beobachte die Leute.

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Gegen 16 Uhr brechen wir dann auf gen Norden. Wir haben große Pläne…