Lake Tekapo & Mount Cook

Da wir gegen Mitternacht in Christchurch landen und in der Früh gleich unser Auto bekommen haben wir uns dazu entschlossen kein teures Hotelzimmer zu nehmen, sondern am Flughafen zu schlafen. Aber zuerst müssen wir noch einreisen nach Neuseeland. Brav geben wir unsere Lebensmittel an, die wir noch im Rucksack haben: Corn Flakes, Nudeln und Müsliriegel. Alles kein Problem. Aber da wir auch angegeben haben, dass wir in Australien in Nationalparks unterwegs waren, werden unsere Schuhe genau inspiziert. Carinas Paar fällt durch, da noch ein wenig Erde im Profil steckt. Also werden sie vom Grenzer einkassiert. Aber keine Angst, sie steht jetzt nicht ohne Schuhe da. Der Beamte ist damit nur ins Nebenzimmer verschwunden, um sie zu putzen ;-)

Danach versuchen wir ein Plätzchen zu finden an dem wir ein paar Stunden schlafen können. Also gehen wir Richtung Air Lodge, die genau dafür gedacht ist. Kostet allerdings 5 Dollar Eintritt pro Person. Naja, das soll uns ein wenig Ruhe schon wert sein. Leider sind alle Liegekissen schon belegt und einfach auf dem Fußboden darf man aus Sicherheitsgründen nicht liegen. Es gibt zwar noch Sitzbänke, aber die stehen draußen auch rum. Also gehen wir wieder raus und richten uns auf einer Bank ein. Die Bänke sind allerdings sehr schlafunfreundlich gebaut, zwischen jedem Sitzplatz ist eine fest installiert Armlehne. Das macht das liegen schon mal unmöglich. Also versuchen wir irgendwie eine bequeme Position zu finden, was aber so gut wie unmöglich ist. Da schläft man ja im Flieger in der Economy Class besser! Zudem wird die Halle auch noch durchgehend mit Musik beschallt und es kommen immer mal wieder Leute vorbei. So schlafen wir beide so gut wie gar nicht. Naja, zumindest gibt es hier kostenloses WiFi…

Über das suche ich uns dann auch gleich eine Busverbindung zu unserem Verleiher raus. Laut Homepage kostet das Ticket 3,50 Dollar pro Person. Ich laufe dann in der Früh auch mal testweise zur Bushaltestelle damit wir nicht mit dem Gepäck rumirren müssen. Dort steht zufällig auch grad der Bus und ich frage den Busfahrer auch noch mal nach dem Preis und ob das die richtige Linie ist. 3,50 Dollar und ja. Passt also. 2 Stunden später gehen wir dann voll gepackt zum Bus und steigen ein. Dieser Busfahrer will aber auf einmal 8 Dollar von uns. Ich schaue etwas verwirrt und frage ihn ob der Fahrpreis nicht eigentlich 3,50 Dollar wäre. Nein sagt er und „I know my job“. Naja, wir kommen uns schon etwas verschaukelt vor und zögern etwas. Da meint der Fahrer dann nur „you can walk“, schließt die Tür und fährt davon. Also die Busfahrer in Australien waren irgendwie netter…

So machen wir uns also zu Fuß auf zur Autovermietung. Sind zum Glück aber nur 2 Kilometer, also nichts was uns vor größere Probleme stellen würde. Am Ziel angekommen werden die üblichen Formalitäten erledigt und schon haben wir wieder einen fahrbaren Untersatz. Es ist dasselbe Fahrzeug wie in Australien nur mit anderer Innenausstattung und von der Firma Spaceships. Naja, das Gefährt hat schon bessere Tage gesehen und fast 450.000 Kilometer am Tacho, aber solang es problemlos fährt soll uns das egal sein. Erstes Ziel: Supermarkt & MC Donalds. Dort treffen wir uns mit Vreni, einer sehr guten Freundin von Carina, und ihrem Freund Piotr. Die beiden sind gestern hier angekommen und wir werden so lange wie möglich mit ihnen zusammen reisen. Da sie aber leider „nur“ 3 Wochen hier sind müssen wir noch sehen wie lang wir zusammen unterwegs sind. Aber erst einmal ist das Hallo groß und die Mädels liegen sich in den Armen.

Als wir dann loskommen ist es auch schon wieder nach 12. Unser Ziel heute ist der Lake Tekapo. Die Fahrt dorthin dauert inklusive einigen Fotostopps etwa 4 Stunden. Als wir ankommen sind Carina und ich doch etwas fertig. So lassen wir die Wanderung zu einem nahen Gipfel ausfallen und die beiden anderen ziehen alleine los. Wir kochen uns wieder einmal und sicher nicht zum letzten Mal Nudeln und relaxen dann in unseren Campingstühlen und genießen die Sonne.

Am nächsten Morgen wollen wir früh los, um auf dem Gipfel den die anderen beiden gestern erwandert haben mit gutem Ausblick zu frühstücken. Den Sonnenaufgang bekommen wir aber noch am Campingplatz mit. Dabei nimmt der Himmel kurz ein tolles Orange an, das sich im See spiegelt. Sieht echt atemberaubend aus. Das Ganze dauert nur 2-3 Minuten. Nach einer kurzen Fahrt kommen wir oben am Gipfel an. Leider fällt das Panorama-Frühstück aus, da es leicht nieselt und ziemlich windig und frisch ist. So verziehen wir uns in das Café hier und können uns da etwas aufwärmen.

Lake Tekapo Sonnenaufgang

Lake Tekapo Sonnenaufgang

Danach geht es weiter Richtung Mount Cook oder Aoraki, dem mit 3755 Metern höchsten Berg Neuseelands. Naja, nicht unbedingt direkt zum Berg, sondern in eine Gegend von wo aus wir ihn sehen können. Auf dem Weg dorthin müssen wir am Lake Pukaki vorbei. Wir fahren direkt auf die Berge zu und sehen leider nicht viel, da alles im Nebel hängt. Nach dem See kommt dann Mount Cook Village. Hier sieht es wettertechnisch leider auch nicht besser aus. Aber es hilft ja nix, also fahren wir weiter Richtung Tasman Lake und Glacier zum Ausgangspunkt für eine kleine Wanderung. Zuerst gehen wir eine kleine Runde zu den Blue Lakes, die inzwischen allerdings grün sind, blau waren sie bei der Entdeckung vom Gletscherwasser, inzwischen bestehen sie nur noch aus Regenwasser. Da es leicht regnet und wolkenverhangen ist hält sich unsere Begeisterung in Grenzen.

Danach erklimmen wir einen kleinen Hügel, um einen Ausblick auf den Tasman Glacier und Lake zu haben. Im See sollen laut Reiseführer viele Eisberge treiben zwischen denen man auch mit einem Boot herumfahren kann. Tja, leider sind die Eisberge wohl seit dem Erscheinen des Buchs etwas geschmolzen, da treiben eher Eiszwerge herum. Den Gletscher sehen wir leider auch nicht richtig, da er doch etwas weit weg ist und die Sicht nicht die Beste. Schade. Schön langsam frustriert uns das Wetter dann doch ein wenig. Nichtsdestotrotz nehmen wir auch noch den kurzen Weg zum Tasman River in Angriff, dort sind dann wenigsten drei der Eiszwerge in Ufernähe. Etwas durchnässt und durchgefroren machen wir uns dann auf Richtung Campingplatz.

Die White Horse Hill Camping Area ist ein sehr einfacher Campingplatz, es gibt zwar fließendes Wasser, aber kein warmes und auch keinen Strom. Auch Duschen gibt es nicht. Dafür ist der Preis mit 10 Dollar pro Person aber in Ordnung. Um nicht komplett auszukühlen machen wir dann nochmal eine einstündige Wanderung zum Kea-Point. Von dort aus kann man den Mount Cook sehen. Leider ist es dafür heute zu wolkig. Naja, aber der Ausblick ist so auch nicht schlecht. Unter uns liegt der Mueller Glacier bzw. ein kleiner See, der an seinem Ende ist. Richtung des Gletschers ist das Wasser schön azurblau, weiter vorne ist die Farbe vom Regenwasser und kleinen Bächen dann aber eher grau. Nachdem genug Fotos im Kasten sind geht es wieder ins Camp und wir kochen uns unser Abendessen. Da es kein Licht in der Küche gibt ziehen wir uns recht bald in unser Spaceship zurück und lesen noch ein wenig. Mit der Hoffnung auf gutes Wetter für morgen schlafen wir ein.

Mueller Glacier vom Kea Point

Mueller Glacier vom Kea Point

Am nächsten Morgen sieht es leider auch nicht recht viel besser aus als gestern. Wir wollten eigentlich eine größere anspruchsvolle Wanderung von 6-7 Stunden zur Mueller Hut machen. Aber der Nebel hängt so tief, dass Carina und ich nicht wirklich glauben, dass man von oben etwas sieht und die Wanderung Spaß macht. Vreni und Piotr wollen ihr Glück trotzdem versuchen. Also machen wir einen Treffpunkt für den Abend aus und die beiden machen sich auf den Weg. Nur wenige Minuten nachdem die beiden weg sind klart es dann etwas auf. Carina und ich fluchen und überlegen ob wir doch auch noch los starten sollen. Wir sind echt unentschlossen was wir jetzt machen sollen. Letztendlich entscheiden wir uns aber dazu bei unserem Plan zu bleiben und weiterzufahren.

Also verstauen wir alles im Auto, springen rein, start the engine und – nichts. Auch beim zweiten, dritten und vierten Versuch den Motor anzulassen sieht das Ergebnis gleich aus. Mist, die Batterie ist leer! OK, wir haben gestern Abend noch ca. eine Stunde mit einem Innenlicht gelesen und heute die Lüftung in der Früh kurz angeschaltet, aber dass davon gleich die Batterie leer ist, ist schon krass. Das Auto in Australien hatte damit keine Probleme. Naja, jetzt stehen wir auf jeden Fall dumm da! Zum Glück läuft gerade der Parkranger über den Campingplatz und kontrolliert dass auch jeder gezahlt hat (es gibt hier auch keine Rezeption, sondern man wirft den fälligen Betrag in einem Umschlag in einen Briefkasten). Er erklärt sich auch gleich bereit uns zu helfen, muss nur sein Auto holen und kann in 45 Minuten wieder da sein. Kurz auf die Uhr geschaut, 9:35, also machen wir mit ihm aus, dass wir uns hier wieder um 10:30 treffen, damit wir noch mal zum Kea Point laufen können. Er ist einverstanden und wir machen uns auf den Weg.

Da wir nicht ganz eine Stunde Zeit haben wandern wir recht zügig zum Lookout. Dort werden wir aber für unsere Mühe belohnt, man sieht wesentlich mehr als gestern. Nach kurzem Zögern entschließt sich sogar der Mount Cook dazu kurz aus den Wolken hervorzulugen. Super! Da wir jetzt aber schon ziemlich spät dran sind mache ich mich auf den Rückweg. Joggenderweise. So komme ich etwas außer Atem aber rechtzeitig beim Auto wieder an. Wäre ja auch zu blöd unsere Hilfe unverrichteter Dinge wieder abziehen zu lassen. Also warte ich auf ihn. Und warte. Und warte. 20 Minuten später kommt Carina zurückgeschlendert. Sie hat von einem anderen Touristen unterwegs eher zufällig erfahren, dass hier heute Nacht Zeitumstellung war und die Uhr eine Stunde zurück gestellt wurde. Na super, selbst hier macht einem diese blöde Zeitumstellung Ärger!

Da wir jetzt wieder eine dreiviertel Stunde zu überbrücken haben gehen wir noch mal zu einem anderen Lookout. Kurz nachdem wir zurück sind kommt auch der Ranger wieder und startet unser Auto! Wir sind echt froh um die Hilfe, weil wir hier ja mitten im Nirgendwo sind. So treten wir dann mit etwas Verspätung unsere Weiterfahrt an. Wir müssen wieder am Lake Pukaki vorbei. Auf dem Weg halten wir auch noch ein paarmal für Fotos an. Wir haben auch noch mal Glück und der Mount Cook kommt ganz aus den Wolken. Um ihn rum ist aber immer noch alles in grau, sieht echt gut aus!

Mount Cook

Mount Cook

Nach einigen Stunden Fahrt durch Berge und Nebel kommen wir schließlich in Queenstown an und erledigen Dinge wie Wäsche, Einkaufen und Internet. Abends treffen wir uns dann mit den beiden anderen wieder am Campingplatz. Sie sind ziemlich KO und die Wanderung war wohl nicht so der Hit. Aber sie haben die Mount Cook auch gesehen. Wir sind auf jeden Fall froh um unsere Entscheidung weiterzufahren.