Kaikoura

Nach Einbruch der Dunkelheit erreichen wir schließlich fix und fertig endlich Kaikoura. Wir nisten uns in einer eher billigen Motel-Absteige mit anliegendem Campingplatz ein und lassen uns auf den ziemlich durchgesessenen Couchen nieder.

Kaikoura – ein kleines Küstenstädtchen etwa 180 Kilometer nördlich von Christchurch, das dafür bekannt ist, dass man ganzjährlich Wale beobachten kann. Natürlich lassen es uns auch wir nicht nehmen, mit einem Boot die gigantischen Meeresbewohner zu beobachten.

Unglücklicherweise war auf der morgentlichen Fahrt nur noch ein einziger Platz frei, so dass wir wohl oder übel die Mittagsfahrt machen müssen. Da das Wetter überraschend gut ist, verbringen wir den Vormittag auf der Kaikoura Peninsula. Das ist eine wunderschöne Klippenlandschaft, auf die das Meer mit all seiner Kraft dagegen schlägt. Die Gesteinsformationen sind echt spektakulär und es gibt Seerobben wohin man schaut. Ein kurzer Weg führt hinauf zum Aussichtspunkt, von wo aus man einen herrlichen Blick auf den Ozean genießen kann. Wir haben nicht ausreichend Zeit um den Rundweg zu machen, aber wir balancieren dennoch eine Weile auf den rutschigen Felsen herum. Die Seerobben sind herzlich unbeeindruckt von unserem Besuch.

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Gegen 12 Uhr machen wir uns dann auf den Weg zum Whale Watching Office. Bevor wir aufs offene Meer gelassen werden, gibt es noch eine kurze Einweisung. Außerdem werden wir auf die mögliche Seekrankheit hingewiesen. Da wir bislang noch nie Probleme mit Seegang hatten, lässt uns das eher kalt.

Neben den üblichen Sicherheitsinformationen bekommen wir auch einiges an Hintergrundwissen zu den hiesigen Meeresgiganten. Derzeit gibt es einen Pottwal, der sich hier unweit der Küste aufhält. Pottwale sind die viertgrößten aller großen Wale. Die Männchen können eine Länge von ca. 15 bis 20 Meter erreichen und bis 40 bis 60 Tonnen schwer werden. Die Weibchen sind etwa 30 – 40 Prozent kleiner. Ihre Lebenserwartung beträgt bis zu 70 Jahre und sie sind das am tiefsten tauchende Säugetier der Welt, da er über 2 Stunden lang und mehr als 3000 Meter tief tauchen kann.

Mit diesem Wissen ausgestattet, geht es endlich auf den Katamaran. Schnell zeigt sich, dass mit der Seekrankheit tatsächlich nicht zu scherzen ist. Der Seegang ist wirklich sehr stark und die Wellen haben eine Höhe von rund 2 Metern. Da fühlen selbst wir uns nicht mehr pudelwohl. Reihum greifen die Leute nach ihren Tüten. Na wunderbar – hoffentlich vermiest uns der Magen nicht die Tour.

Nachdem wir etwa 4 Kilometer von der Küste entfernt sind, machen wir einen Stopp. Der Kapitän Rick packt sein Walortungsgerät aus und versucht den Aufenthaltsort des Pottwales zu bestimmen. Nein, hier noch nicht. Wir fahren ein Stück weiter und das gleiche nochmal. Ja, jetzt scheint er zufrieden zu sein. Alle Mann an die Reling, Wal auf der linken Seite des Schiffes geortet. Und tatsächlich, nach wenigen Augenblicken lässt sich dieser Koloss blicken. Wirklich faszinierend. Er schnappt ca. 30 Sekunden nach Luft, ehe er wieder in die Tiefen des Meeres verschwindet. Unglücklicherweise kann der Pottwal, wie bereits erwähnt, bis zu 2 Stunden unter Wasser bleiben. Wir hoffen, dass wir ihn noch ein weiteres Mal zu Gesicht bekommen.

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Allerdings ist es dennoch recht unterhaltsam, denn es wimmelt geradezu an Albatrossen und wir machen zudem einen Seerobbenstopp. Es gibt also auch so reichlich zu beobachten. Einzig der Magen zickt ein bisschen. Unser Glück ist, dass wir davor nichts gegessen haben, so können wir der Übelkeit trotzen.

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Zum Abschluss versuchen wir nochmal unser Glück bei dem Pottwal. Neben uns sind noch einige andere Schiffe, die ebenfalls versuchen, den Wal zu orten. Rick, der Kapitän packt wieder mehrmals sein Ortungsgerät aus und horcht, ob er ihn lokalisieren kann.

Kurze Anmerkung am Rande: der Pottwal gilt als eines der weltweit lautesten Tiere. Er wurde mit 230 Dezibel aufgenommen. Zum Vergleich – ein Flugzeug beim Start hat 140 Dezibel.

Wir vermuten schon, dass wir ohne die zweite Walsichtung zurückfahren müssen, aber Rick lässt sich nicht beirren. Er will ihn nochmal ausfindig machen. Und so steuern wir noch einige Minuten umher und warten auf sein Kommando. Tatsächlich – er lässt sich wirklich nochmal blicken. Und diesmal verharrt er auch wirklich sehr lange an der Luft. Laut Auswertung der Kamera waren es 13 Minuten, die er sich an der Wasseroberfläche hat treiben lassen, ehe er wieder mit einem eleganten Eintauchmanöver verschwunden ist. Gigantisch!

Anschließend geht es wieder an Land. Und wir sind auch tatsächlich recht froh, dass wir wieder festen Boden unter den Füßen haben. Einige der anderen Whalewatcher haben immer noch eher eine grüne Gesichtsfarbe, aber auch bei ihnen kehrt langsam wieder Leben ein.

Nach diesem gelungenen Ausflug müssen wir uns wieder mal neu entscheiden, was wir als nächstes machen. Weiterfahren oder Hierbleiben? Guter Rat ist mal wieder teuer, aber am Ende quartieren wir uns nochmal eine Nacht in Kaikoura ein.

Als am nächsten Morgen der Wecker klingelt, staunen wir nicht schlecht, da der Himmel strahlend blau ist. Juppiee! Da fällt das aus dem Bett kriechen doch gleich viel leichter. Nach dem Frühstück machen wir erstmal einen Abstecher an den angrenzenden Strand. Es ist ein Black Sand Beach. Es ist zwar kein Badestrand, aber der schwarze Sand gibt schon ein eindrucksvolles Bild ab. Hier gibt es auch eine kleine Spielecke mit einem Flying Fox, den wir begeistert einnehmen.

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Nach diesem kleinen Adrenalinschub am Morgen entschließen wir uns, erstmal das schöne Wetter auszunutzen und in Kaikoura noch eine Runde auf der Peninsula zu wandern. Wir marschieren erst einmal wieder zu dem Aussichtspunkt und von dort aus beginnt der Rundweg. Es wäre eigentlich herrlich warm, wenn nicht so ein unangenehmer Wind wehen würde. Naja, man kann wohl nicht alles haben. Immerhin ist die Aussicht herrlich. Nach etwa 45 Minuten führt uns der Weg hinunter zu den Felsen. Hier ruhen wieder an allen Ecken Seerobben, diverse Vögel und eine verirrte Miezekatze, die leider zu scheu ist, um sich von Hank, dem Katzenflüsterer, retten zu lassen.

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Inzwischen verzieht sich das schöne Wetter auf das Meer hinaus und es kommen immer dickere Wolken landauswärts,  die uns einholen. So machen wir uns schließlich auf den Weg zurück zu unserem Auto und setzen unsere Fahrt in nördliche Richtung fort.