Luang Prabang

Den nächsten Tag verbringen wir mal wieder zum Großteil im Minivan. Zwar ist die zurückzulegende Strecke nur 260 km, diese winden sich jedoch in vielen Serpentinen durch das Karstgebirge hier. So brauchen wir gute 6 Stunden. Zum Glück sitzen wir diesmal nicht zu viert eingequetscht in einer 3er-Reihe, sondern jeder auf einem eigenen Platz. Was für ein Luxus! Nach der Ankunft in Luang Prabang schlagen wir uns mal wieder mit den an der Bus-Station wartenden Tuk Tuk Fahrern und ihren Wucherpreisen herum. Natürlich zahlen wir die nicht und gehen Richtung Straße, um eine andere Fahrgelegenheit zu suchen. Und siehe da, der Preis der Tuk Tuk Fahrer fällt auf einmal auf einen annehmbaren Preis. Dann steigen wir eben doch hier ein. Bei der Suche nach einem Guesthouse stellen wir schnell fest, dass das hier ein etwas teureres Pflaster ist. Aber nach einigen Versuchen finden wir auch hier eines mit einem vernünftigen Preis. OK, wir reden hier von einem Zimmerpreis von ca. 10 Euro, was eigentlich ziemlich billig ist. Aber wir sind es halt auch schon gewohnt, dass 6 Euro normal sind und 8 Euro schon eher teuer… ;-)

Dann kommt Carinas großer Tag, ihre Zeiten als Twen sind vorbei. Sie hat sich auch schon genau überlegt was wir heute alles machen. Natürlich muss erstmal ein ausgiebiges Frühstück her. Da es hier genug französische Bäckereien gibt ist das kein Problem und wir genießen unsere Croissants im ersten Sonnenschein. Danach schlendern wir Richtung Wat Xieng Thong, dem angeblich schönsten Tempel der Stadt. Ob es wirklich der schönste Tempel ist können wir natürlich nicht beurteilen, aber er gefällt uns auf jeden Fall schon sehr gut. Das Hauptgebäude sieht auch etwas anderes aus als der Standardtempel. Seine Wände sind reich verziert mit allerlei bunten Figuren aus Glas. Im Inneren sitzen wie immer jede Menge Buddha-Figuren. Carina ist aber etwas enttäuscht, da kein Mönch da ist, der einem – wie in vielen anderen Tempeln – ein dünnes Armbändchen umbindet und dabei einen Segen oder sowas in der Art spricht. So ein Armbändchen wollte sie heute auf jeden Fall. Na mal sehen, es gibt ja noch mehr Tempel in der Stadt. Erst inspizieren wir aber noch die restlichen Gebäude dieser Anlage, vielleicht hat sich der Armbändchen-Mönch ja in einem von denen niedergelassen. Aber leider Fehlanzeige. Naja, zumindest vom Tempel haben wir so viel gesehen.

Wat Xieng Thong

Wat Xieng Thong

Bevor wir zurück Richtung Zentrum gehen machen wir eine kleine Pause in einem schönen Park am Flussufer. Wir wollen uns ja nicht überanstrengen *g* Dann geht es weiter und wir suchen in jedem Tempel auf dem Weg nach einem Armband. Leider ohne Erfolg. Dann steuern wir den Wat Sikhounmuang an, unsere letzte Hoffnung, da der ein wenig größer ist als die bisher besuchten. Leider auch hier nichts zu finden. Wir stehen etwas unschlüssig vor einem kleinen Haus rum, als uns ein Mönch anspricht wo wir denn herkommen etc. Wir fragen ihn nach den Armbändchen aber er meint dass es die hier nicht gibt. Carina ist echt enttäuscht und schaut dementsprechend. Da fragt der Mönch „do you want?“ und verschwindet nach unserem Nicken irgendwo in einem Nebenraum. Wenig später kommt er mit zwei Bändchen zurück. So können wir uns vor ihm niederlassen, um mit der kleinen Umbinde-Zeremonie zu beginnen. Er bedeutet uns dann aber schnell, dass Carina weiter zurück rutschen muss, da der Mönch Abstand zu Frauen halten muss. Kein Problem. Ich bekomme als erster mein Bändchen, Carina streckt daraufhin ihren Arm für das Zweite aus. Aber der Mönch kann ihr auch das Bändchen nicht umbinden (Körperkontakt mit Frauen ist natürlich noch stärker untersagt), so muss ich es verknoten während er seine Litaneien aufsagt. Wir fragen uns dann aber schon, warum es die Mönche in den anderen Tempeln nicht gestört hat Carina das Armband umzubinden. Entweder das waren Mönche die das mit dem Frauen anfassen nicht so ernst nehmen oder für Touristen als Mönchen verkleidete Schauspieler. Hm, wir werdens nie erfahren…

Carina mit Mönch

Carina mit Mönch

Nach diesem anstrengenden Vormittag – he, wir waren immerhin in 5 Tempeln! – geht es gleich mal weiter zur einstündigen Massage. Carina sucht sich eine Massage aus, bei der wir mit irgendeinem Öl massiert werden. Ihr gefällt das sehr gut, ich persönlich fand die Lao-Massage vom letzten Mal besser. Vielleicht lag es aber auch daran, dass die beiden Masseusen eigentlich durchgehend miteinander gequatscht und gekichert haben. So richtig abschalten konnte ich da nicht. In Vientiane hatten wir Entspannungsmusik laufen und es wurde nicht geratscht, eindeutig das bessere Massage-Ambiente.

Nachdem wird dann etwas durch die Stadt geschlendert sind und Carina ihren obligatorischen Kaffee hatte suchen wir uns ein gutes Restaurant aus, um das Geburtstagsessen zu uns zu nehmen. Natürlich gibt es da heute etwas Besonderes: Seelachsfilet mit hausgemachten Tagliatelle für Carina und hausgemachte Ravioli mit Garnelenfüllung für mich. Beides schmeckt uns sehr gut und wir sind beide sehr zufrieden.

Zum Abschluss des Tages besuchen wir noch den Night-Market und begutachten die feilgebotenen Waren. Es gäbe schon viele schöne Souvenirs, aber für so was haben wir ja leider keinen Platz in unserem Gepäck. Bei einem schönen Tuch wird Carina dann aber doch schwach und nach eifrigen Verhandlungen werden wir uns mit der Verkäuferin über den Preis einig. Bevor wir in unsere Unterkunft zurückkehren gönnt sich Carina an einem der vielen Stände noch einen Crepe mit Nutella und Bananen. Ich bin noch zu satt von den Ravioli und verzichte lieber auf die Nachspeise.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 5 Uhr. Wir wollen die berühmte Prozession der Mönche beobachten, bei der sie durch die Stadt gehen und Essen sammeln. Angeblich soll das gegen 5:30 sein. Wir machen uns also im Dunkeln auf Richtung des Tempels wo wir gestern die Bändchen bekommen haben. Der ist direkt an der Straße und gibt somit einen guten Foto-Hintergrund ab. Außer uns sind aber noch nicht viele Leute unterwegs, wir sind also eindeutig zu früh dran. Naja, warten wir halt ein wenig. Carina meint dann nach einigen Minuten, dass ihr sauschlecht ist. Nichtsdestotrotz warten wir weiter auf die Mönche. Währenddessen kommen immer mehr Touristen, die die Mönche sehen wollen. Und auch solche, die ihnen essen spenden wollen. Direkt vor dem Tempel wird dann auch eine große Ladung asiatischer Touristen abgeladen. Auf einmal geht’s hier zu wie am Stachus und es wird wild durcheinandergeschnattert. Selbst als die ersten Mönche in Sichtweite kommen kehrt nur wenig Ruhe ein. Als sie dann bei uns sind werfen die Leute ihre Spenden in die Essensbehälter der Mönche. Aber irgendwie sieht die Szene eher so aus als würden sie im Zoo Tiere füttern. Der Gipfel sind dann noch die umstehenden Schaulustigen, die den Mönchen direkt ihre Kameras ins Gesicht halten und drauflosknipsen. Irgendwie widert mich das Ganze an. Immerhin dürfen wir hier eine religiöse Zeremonie beobachten, da sollte es doch auch möglich sein sich entsprechend zu verhalten. Ein bisschen Demut und Abstand wären da schon angebracht. Ich will ja gar nicht wissen was in den Köpfen der Mönche vorgeht…

Wir ergreifen dann bald die Flucht von diesem Hotspot. Carina geht es leider eher schlechter als besser und sie schleicht langsam hinter mir her. Als wir dann in der Nähe unserer Unterkunft sind verschwindet sie auch gleich wieder im Zimmer. Ich gehe noch in eine weitere Straße in der die Mönche unterwegs sind und beobachte hier in Ruhe die Prozession. Schön zu sehen, dass es auch Touristen gibt, die sich zu benehmen wissen, hier halten alle gebührenden Abstand und verfolgen das Treiben von der anderen Straßenseite aus. Die Schlange der Mönche scheint minutenlang kein Ende zu nehmen, da sind bestimmt 200 – 300 unterwegs. Und jeder bekommt von den Gläubigen die am Straßenrand sitzen oder knien ein kleine Reisbällchen in den Topf geworfen. Echt beeindruckend.

Mönchsprozession

Mönchsprozession

Als ich ins Zimmer zurückkehre liegt Carina wieder im Bett. Da Frühstück wohl ausfällt haue ich mich auch noch mal aufs Ohr und hole den versäumten Schlaf nach. Als wir dann wieder wach werden ist Carinas Leiden aber noch nicht besser, sie hat sich wohl eine Magen-Darm-Infektion eingefangen. Unser Hauptverdächtiger ist der Crepe vom Vorabend. Aber von was es kommt ist ja eigentlich auch egal, ihr geht es auf jeden Fall nicht so gut. So versorge ich sie mit Tee, Crackern, Cola, Wasser und Globoli und mache mich dann allein auf den Weg.

Ich erforsche erst einmal die Tempel der näheren Umgebung. Es gibt hier echt viele Tempel. Die ein oder andere schöne Buddha Figur oder Tempelverzierung lässt sich finden, aber unterm Strich sehen die Tempel dann doch alle irgendwann gleich aus. Macht nix. Nach dem Tempel-Marathon mache ich mich auf den Rückweg zum Hostel, aber über den kleinen Berg hier in der Stadt. Auf dem Berg ist natürlich auch ein Tempel. Hier gibt es einen Fußabdruck Buddhas im Gestein zu bestaunen. Als ich vom Berg runter komme stehe ich natürlich wieder in einer Tempelanlage. Hier hängen drei laotische Kids herum. Einer von ihnen hat einen Ball in der Hand und fragt mich „Football“? Ja, warum eigentlich nicht, ich habe ja eh nichts anderes vor. Die Kids sind begeistert und los geht das Spiel. Erst muss ich alleine gegen die drei spielen, dann wechselt einer von ihnen spontan auf meine Seite. Das macht die Sache dann etwas einfacher. Es macht echt Spaß hier im Tempelhof mit den Kids zu kicken. Sie feiern jedes Tor wie die Weltmeisterschaft ;-) Die vorbeikommenden anderen Touris schauen mich alle etwas verwundert an und denken sich wohl „so ein Spinner“. Aber egal. Irgendwann kommen dann nochmal 4 Jungs dazu und dann wird es etwas unübersichtlich. Da ich eh schon ziemlich durchgeschwitzt bin – ja, es ist wie immer sehr warm hier – steige ich dann aber auch bald aus. Eine Stunde kicken bei diesen Temperaturen reicht auch.

Ich widme mich dann wieder der Patientenbetreuung. Carina geht es aber immer noch nicht recht viel besser. Abends schlendere ich dann nochmal los Richtung Nightmarket. Dort gibt es natürlich auch einen Bereich zum Essen. Das ist hier eine kleine Gasse die am Ende der Hauptstraße abzweigt. Das Highlight dort soll das vegetarische Buffet sein. Man kann sich einen Teller für 10.000 Kip (nicht mal 1 Euro) so voll laden wie man will. Das probiere ich doch glatt mal aus. Es gibt x verschiedene Nudelsorten, Reis, diverses Gemüse und auch Obst. Der ganze zusammengestellt Essensberg wird dann vom Kassierer in den Wok geschmissen und warm gemacht. Kurze Zeit später hat man dann eine vegetarische Eigenkreation  im Teller. Schmeckt nicht schlecht, aber umwerfend ist es jetzt auch nicht. Hier geht es eher um Quantität als um Qualität. Aber satt wird man ganz gut davon. So kehre ich mit vollem Bauch in die Unterkunft zurück, wo Carina immer noch vor sich hin leidet. Ohje, hoffentlich wird das morgen besser…

Das Hoffen hat Wirkung gezeigt, Carina geht’s am nächsten Morgen schon wieder besser. Zwar noch lange nicht optimal, aber wenigstens kann sie wieder was essen und ihr ist nicht mehr schlecht. Da wir in unserem Guesthouse nicht ganz zufrieden waren (Zimmer OK, aber Personal sehr unfreundlich), suchen wir nach dem Frühstück ein neues. Das ist auch kein großes Problem und wir ziehen ein paar Häuser weiter ins Sokdee Guesthouse. Hier buchen wir dann auch gleich einen Ausflug zum Kouang Si Wasserfall. Nach der halbstündigen Fahrt dorthin sind wir aber doch etwas verdutzt: der Parkplatz ist brechend voll mit Rollern, Autos und Minivans. Nach kurzem Nachdenken fällt uns ein, dass heute Samstag ist. Also sind wohl auch viele Laoten zum Wochenend-Ausflug hier. Tja, hilft nix, jetzt sind wir schon da.

Auf dem Weg zu den Wasserfällen kommt man noch an einigen Bärengehegen vorbei. Hier werden Kragenbären aufgepeppelt, die aus der Gefangenschaft befreit wurden. Natürlich beobachten wir die zotteligen Burschen etwas bei ihrem Treiben bevor wir weitergehen. Kurz darauf stehen wir am ersten Becken der Kaskaden. Selbige sehen sehr toll aus. Man kommt aber fast nicht ans Ufer, da überall Picknickdecken ausgebreitet sind auf denen sich immer ganze Großfamilien drängen. Es wurlt hier ganz schön. Als gehen wir weiter stromaufwärts in der Hoffnung, dass sich die Menge dort etwas zerstreut. So passieren wir viele kleine Wasserfälle, ehe wir vor einem großen stehen. Weniger Leute sind es leider nicht geworden hierher, eher sogar noch mehr. Außerdem geht es Carina wieder schlechter, so ganz über den Berg war sie wohl doch noch nicht. Während sie auf einer Bank rastet klettere ich ein wenig am Wasserfall herum. Nachdem wir den Anblick genug genossen haben machen wir uns auf den Rückweg, ich will noch ein wenig in einem der Becken baden. Hier ist es aber auch noch sehr voll und das Anstehen am Sprungturm, einem schiefen Baum, nervt. Also machen wir uns ganz auf den Rückweg. Da wir dann noch etwas Zeit übrig haben setzen wir uns noch zu den Bären und sehen was sie so treiben. U.a. auf dem Programm: Bär vs. Baum. Endstand 1-0. OK, es war nur ein kleinerer Baum, aber der Bär hat ihn gut platt gemacht ;-)

Kouang Si Wasserfälle

Kouang Si Wasserfälle

Fazit zu den Kouang Si Fällen: sie sind schon schön, aber man sollte vielleicht nicht unbedingt am Wochenende herkommen. Und wer wie wir vorher schon bei den Erawan Fällen (bei Kanchanaburi, Thailand) war, muss den Ausflug auch nicht unbedingt machen.

Abends haut mich dann Carinas Infekt oder ein eigener Fang aus den Latschen und ich liege kaputt im Bett. Carina geht’s dafür schon wieder etwas besser, aber wirklich aktiv ist sie auch nicht. Wir sind schon ein tolles Team…

Den nächsten Vormittag verbringe ich auch noch im Bett, Carina sitzt auf unserem Balkon und arbeitet: Bilder sortieren, Blogartikel schreiben und über weitere Ziele recherchieren. Ja, auch das ist Arbeit *g*

Am frühen Nachmittag bin ich wieder fit genug, um noch etwas von der Stadt zu erkunden. So machen wir uns auf Richtung königlicher Residenz. Zuerst dürfen wir einen Blick auf den Pha Bang Buddha werfen, das ist die wichtigste und am meisten verehrte Buddha Statue in Laos. Danach geht es ins Nationalmuseum, der ehemaligen königlichen Residenz. Wie immer ist hier fotografieren verboten. Im Museum sehen wir die ehemaligen königlichen Räume sowie allerlei Gegenstände aus seinem Besitz. Die Sammlung an Samurai-Schwertern gefällt mir am besten. Wobei auch die restlichen Sachen interessant anzusehen sind. Um die Ecke vom Museum ist die königliche Garage mit mehreren alten Schlitten aus seinem Besitz. Daneben ist dann noch die königliche Shell-Tankstelle ;-)

Halle für den Pha Bang-Buddha in der Königlichen Residenz

Halle für den Pha Bang-Buddha in der Königlichen Residenz

Das war dann aber auch schon wieder genug Programm für uns beide und wir ziehen uns lieber wieder auf unseren Balkon zurück.