Hunter Valley

Mir fällt der Abschied von meinen Eltern gar nicht so leicht – nur allzu gern wäre ich mit ihnen noch weiter mitgefahren in dem luxuriösen Wohnmobil, aber es hilft nicht. Wir fahren ca. 2 Stunden mit dem Zug zurück nach Sydney, wo wir dann erstmal in einer Booking Agency einen Stopp einlegen. Hier wird mit Campervan Specials von 35 AUSD pro Tag geworben. Nachdem wir uns ein bisschen mit der Dame (ein junges Mädel aus Deutschland) unterhalten haben, haben wir tatsächlich für 8 Tage einen einfachen Campervan gebucht. Leider ist es allerdings schon recht spät, so dass wir ihn erst morgen abholen können.

Das heißt wir müssen uns erstmal wieder eine billige Bleibe in Sydney suchen. Das ist, wie wir mittlerweile schon wissen, gar nicht so einfach. Am Ende landen wir bei Maze Backpackers, wo wir für 54 AUSD ein Zimmer mit einem Etagenbett bekommen. Mehr ist in dem Zimmer aber auch wirklich nicht drin, dafür müssen wir es aber mit niemanden teilen. Juppiee!!

Da es inzwischen wieder wie aus Eimern regnet läuft der restliche Tag auf Internet bei Mc Donalds, in der hosteleigenen Küche kochen, lesen und Musik hören hinaus.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 7:30 Uhr. Obwohl hier zunächst eine ziemliche Gaudi war, haben wir beide doch relativ gut geschlafen und werden tatsächlich erst vom Alarm geweckt. Selbst der laut aufs Dach prasselnde Regen ließ uns nicht aufwachen. Also, schnell frühstücken und dann geht es ab mit dem Bus in die Botany Road, wo wir unseren Campervan abholen können.

Im Bus erleben wir gleich mal eine unangenehme Überraschung: der Busfahrer will uns kein Ticket verkaufen, obwohl wir nicht in einem Prepaid Bus sind für den man sein Ticket vorher haben muss, sondern in einem ganz normalen. Wir müssen das Ticket an einem Kiosk erwerben sagt der Fahrer. Na toll, und jetzt? Nach kurzem Hin und Her lässt uns der Busfahrer jedoch mitfahren, meint aber, wir sollen hinterher ein Ticket lösen… Ja, klar! Eine freundliche Sydneysiderin erklärt uns, dass ihr das auch immer wieder passiert. Aha, eindeutig verbesserungsfähig…

Die Busfahrt gestaltet sich weiter als schwierig, denn wir wissen nicht wo wir aussteigen müssen. Es gibt weder Durchsagen, noch eine Anzeigentafel, die uns sagt, wo wir gerade sind. Die Botany Road ist, wie wir feststellen ziemlich lang. Wir müssen zur Hausnummer 1581 – also bleibt uns nichts anderes übrig, als die Hausnummern zu zählen, bis wir in die Gegend kommen, wo wir aussteigen müssen. Bei ca. Hausnummer 1300 steigt dann ein Mann mit einem Jucy-Shirt ein. Das ist der Verleiher unseres Fahrzeuges. Ja cool, an den halten wir uns. Und siehe da, er bringt uns unmittelbar zu unserem Fahrzeug.

Nach kurzer Einweisung sind wir schließlich für 8 Tage die Besitzer eines Campervans mitsamt Navigationsgerät.

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Also los, ab ins Hunter Valley. Unser Navi führt uns sauber in den Norden von Sydney über die Harbour Bridge und vermeidet brav sämtliche Mautstraßen, allerdings finden wir keine Einkaufsgelegenheit. Über den Pacific Highway geht es dann weiter in nördliche Richtung.

Kleine Anmerkung am Rande: Unser Navi (ein Navman) haben wir auf Deutsch umgestellt – es ist wirklich zum Schreien, wie das Gerät die englischen Eigennamen ausspricht…

Wir folgen den Anweisungen eine Weile, bis wir schließlich auf eigene Faust auf den alten Highway abbiegen, der uns etwas weiter westlich bringen soll. Nach rund 3 Stunden Fahrt erreichen wir dann Cessnock, das „Zentrum“ im Hunter. Hier gibt es auch einen Aldi, bei dem wir uns gleich mal ordentlich mit Nahrungsmitteln eindecken, bevor wir weiter in die Touristen Info fahren. Wir wollen uns ein bisschen über die Möglichkeiten hier informieren und wo man am besten campt.

Der äußerst hilfsbereite junge Australier dort erklärt uns einige gute Weingüter und auch wo man kostenlos campen kann. Falls wir allerdings eine Tour buchen wollen, müssen wir direkt reingehen zur Info. Dort sollen wir aber auf keinem Fall sagen, dass er uns erklärt hat, wo der free camp site ist, sonst bekommt er Ärger. Eine Tour finden wir an sich gut, denn wie sollen wir denn sonst zu den einzelnen Weingütern kommen ohne Wasser trinken zu müssen. Es stellt sich jedoch heraus, dass wir zuerst eine Unterkunft brauchen, bevor wir buchen können, denn dort werden wir aufgelesen und auch wieder abgeliefert. Na toll und wie machen wir das jetzt? Den free camp site können wir dann ja wahrscheinlich vergessen, denn den können wir wohl kaum als unsere Unterkunft angeben.

Ehe wir uns versehen sind wir im offiziellen Campingplatz eingeloggt und haben eine Tour mit dem Cheers Bus gebucht. Naja, wir sind wohl wirklich nicht risikofreudig genug. But, so what.

Also, erstmal wieder gemütlich kochen, dann geht’s wieder zu Mc Donalds, WiFi nutzen und schließlich wieder auf den Campingplatz. Inzwischen regnet es nicht mehr, es schüttet wie aus Eimern. So schlimm hat es bislang noch nicht geregnet. Wir sind quasi den restlichen Abend in unserem Van eingesperrt…

Nach einer verhältnismäßig ruhigen Nacht im Campervan stärken wir uns noch mit einem ausgiebigen Frühstück, bevor wir um 10 Uhr von John – unserem Guide, zum Winetasting abgeholt werden. Unsere Gruppe besteht aus 4 Personen – uns beiden und einem älteren Ehepaar aus Glasgow, das ebenfalls auf Weltumrundung ist. Eine recht gemütliche Truppe, so dass einem netten Tag nichts im Weg steht. Das Wetter ist auch nur zweitrangig, so dass wir gleich mit dem Tasting starten können.

Unseren ersten Stopp machen wir in Peterson’s House. Hier gibt es sämtliche spritzige Weine zum Einstieg. Zunächst starten wir mit den sparkling White Wines.  3 Stück an der Zahl, bevor wir 3 Rosé Weine und 2 Rotweine zum Probieren bekommen. Abschließend gibt es noch einen süßen Dessertwein. Hui, in dem Tempo sind wir ja bis zum Mittagessen sternhagelvoll. Schmecken tun sie uns alle, allerdings wäre ein bisschen Knabberzeugs dazwischen nicht ganz so verkehrt. Das gibt es jedoch nicht. Stattdessen machen wir jetzt erstmal einen Halt bei der Schokoladenfabrik und dürfen verschiedene Hunter Valley Schokoladen probieren. Hmmmm, herrlich. Ich will mehr!!!!

Gibt es aber nicht, mehr Wein kann ich haben. Nächster Halt: Pepper Tree Winery. Es gibt 5 Weiße, 5 Rote und 3 Dessertweine. Hier finde ich auch meinen absoluten Favoriten: Einen 2010 Reserve Wrattonbully „14 Shores“ Merlot, leider mit einem Flaschenpreis von 42 AUSD und das direkt am Weingut auch nicht gerade eine günstige Variante, aber „gefällt mir“!  Inzwischen ist es halb 12 und wir merken beide, wie uns der Wein schön langsam zu unseren Köpfen steigt.

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Vor der Mittagspause haben wir aber noch ein weiteres Weingut auf dem Programm: Ernest Hill Wines. Ein kleineres Gut, aber dafür ein besonders schönes. Wir fühlen uns hier pudelwohl. Außerdem schwirren Kängurus umher und die Dame dort ist besonders freundlich und erklärt uns begeistert von diesem familienbetriebenen Weingut. Zum Probieren bekommen wir 2 Weißweine, einen Roséwein, 2 Rotweine und 2 Dessertweine. Ja, die schmecken hier auch sehr lecker. Hier würden wir gerne noch länger bleiben, aber jetzt steht dann unser Mittagsstopp auf dem Programm. Das ist auch gut so, denn eine nahrhafte Grundlage wäre jetzt nicht schlecht.

Hank genehmigt sich ein Chicken Schnitzel mit Pommes und für mich gibt es einen sehr reichhaltigen Salat – lecker!  Gestärkt können wir dann in das nächste Weingut fahren. Tempus Two steht auf John`s Plan. Dieses Weingut gefällt uns allerdings nicht so gut. Es ist sehr touristisch und wir kommen uns wie bei einer Massenabfertigung vor. Da hilft es auch nicht, dass der Herr ein paar gute Weine in seinem Sortiment hat. Er vermittelt uns einfach den Eindruck, dass er uns schnellstmöglich wieder loswerden will, denn er schenkt in einem Tempo ein, so schnell können wir ja gar nicht trinken. Hier sind wir direkt froh, nachdem wir alle Weine durchprobiert haben. Das Feeling hat nicht gestimmt.

Jetzt geht es endlich in die Cheese Factory. Wir hätten so gerne schon während des Tastings immer wieder Käse gemampft, aber das war leider nicht inbegriffen. Dafür können wir jetzt ein paar ganz leckere Käsesorten probieren, bevor wir zum Abschluss des Tagesprogramms noch in die Destillery fahren, wo wir verschiedene Schnäpse probieren können. Ja, so einen Ausflug kann man schon mal machen.

Als wir allerdings wieder im Campingplatz abgeliefert werden, will ich mich nur mal auf ein kurzes Nickerchen hinlegen und falle dabei irgendwie in einen richtig erholsamen Tiefschlaf…

Erst am nächsten Tag bin ich wieder fit und vor allem hungrig. Ein ausgiebiges Frühstück und dann fahren wir noch direkt auf das Weingut von Tyrrell, da es hier täglich um 10:30 Uhr Führungen über das Gut gibt.

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Vorher dürfen wir noch ein paar Weine kosten, die uns allesamt sehr gut schmecken, bevor wir dann von einem sehr witzigen und sympathischen Guide die besagte Führung bekommen. Zunächst erklärt er uns einiges über das Gut an sich und die Familiengeschichte, bevor wir zu den Weinstöcken gehen und er uns näheres zur Weinlese erzählt. Außerdem zeigt er uns die Maschinen, die zur Weinherstellung erforderlich sind und wie sie betrieben werden. Wir dürfen schließlich einen frischen Wein, der noch nicht in den gigantischen Fässern gelagert wurde, probieren. Sehr lecker, noch sehr fruchtig, gar nicht wirklich wie Wein, eher wie Traubensaft. Abschließend gehen wir dann zu den Fässern. Hier wird der Weißwein für rund 8 Monate und der Rotwein für etwa 12 Monate gelagert, ehe er in Flaschen gefüllt wird. Ein sehr interessanter Abschluss unseres Besuches im Hunter! To be done!