Gibara

Nach einer Nacht in Holguin, der Ort, in dem unsere Reise endgültig zu Ende gehen wird, möchten wir noch einmal einen Abstecher ans Meer nehmen und nehmen daher gleich am Morgen ein Taxi in das ca. 40 Kilometer entfernte Örtchen Gibara. Von dort aus soll man Zugang zu schönen Stränden haben und auch Gibara selbst soll sehr nett sein. Die Fahrt dorthin ist ein wenig holprig und kurvenreich. Glücklicherweise haben wir diesmal aber einen sehr zuverlässigen Fahrer, so dass wir nach etwa 45 Minuten heil am Ziel ankommen.

Wir suchen uns eine nette Unterkunft und machen uns dann gleich mal auf den Weg die Umgebung zu erkunden. Schnell erkennen wir, dass es hier nicht sonderlich viel zu sehen gibt. Wir sind nur eine Straße von der Küste entfernt und freuen uns, wieder Meerwasser zu sehen. Schade ist nur, dass hier ein ziemlich starker Wind weht die Küste sehr felsig ist.

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Der hiesige „Strand“ lädt eher nicht zum Baden ein, aber wir verweilen dennoch eine Weile an Ort und Stelle, bis wir schließlich auf einen Einheimischen namens Ray stoßen, der wirklich sehr freundlich ist und gerne den nächsten Tag mit uns verbringen möchte, damit er uns die umliegenden Strände zeigen kann. Wir stecken in einem Dilemma: Ray ist wirklich sehr nett und wir würden wirklich gerne mit ihm mitfahren, aber auf der anderen Seite haben wir unsere schlechten Erfahrungen in Havanna natürlich noch im Kopf. Wir entscheiden sodann, nochmal drüber nachzudenken und ihm dann später Bescheid zu geben.

Fürs Erste beobachten wir noch eine Weile das Treiben am Meer. Neben uns sitzt eine 5-köpfige Truppe in allen Altersklassen und genehmigt sich eine Flasche Havanna Club Rum. Ohne Mischgetränk versteht sich hier. Nur zum Verständnis, es ist etwa 12 Uhr Mittag und die Sonne tut mit ihren rund 35 Grad ihr Übriges. Tja, so sind sie, die Kubaner. Trinkwasser ist offensichtlich deshalb nie zu bekommen, weil die Nachfrage danach nicht vorhanden ist.

Anschließend folgen wir einer Empfehlung unseres Taxifahrers und versuchen ein angeblich erstklassiges Seafood Restaurant, in dem die Preise nicht in der Touristenwährung sondern im kubanischen Peso angegeben sind. Als wir einen Blick in die Speisekarte werfen sind wir tatsächlich angenehm überrascht. Für umgerechnet etwa 5 Euro bekommen wir eine richtig fette Languste und Unmengen an Beilagen. Und das Allerbeste ist, dass die Languste einfach Wahnsinn schmeckt.

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Wir sind sehr zufrieden und gönnen uns wohlgenährt erstmal eine Auszeit. Bei diesen Temperaturen ist alles andere auch eher eine Tortur.

Wir relaxen in den Schaukelstühlen unserer Unterkunft, bis irgendwann Ray auftaucht und sich erkundigt, ob wir morgen mit ihm zum Caletones Strand fahren wollen. Nachdem wir zig Mal hin und her überlegt haben, sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir ohne Ray fahren werden. Es tut uns zwar sehr leid, weil wir schon glauben, dass er uns nicht abzocken will, aber das dachten wir bei dem Pärchen in Havanna auch. Ray ist auf jeden Fall ziemlich traurig, dass wir ihm absagen und dann tut es uns gleich noch mehr leid, aber es hilft in dem Fall nicht.

Den restlichen Tag lassen wir wieder mit relaxen und Nichtstun ausklingen.

Den Tag darauf wollen wir nach wir vor zum Caletones Strand fahren. Dieser liegt etwa 17 Kilometer von Gibara entfernt und ist entweder per Anhalter oder per Taxi zu erreichen. Ein Taxi kostet 25 CUC und steht den ganzen Tag zur Verfügung. Hank bevorzugt die Anhaltervariante, ich hingegen bin unschlüssig. Im Grunde bin ich inzwischen ein wenig von meiner Abenteuerlust zurückgewichen. Die Reise nähert sich mit großen Schritten ihrem Ende und bislang ist fast alles glatt gegangen und ich will auf die letzten Tage nicht noch böse Erfahrungen machen. Vor allem die Tatsache, dass die Kubaner vorzugsweise Rum pur und das zu allen Tages- und Nachtzeiten konsumieren, schreckt mich ein wenig davor ab, in ein nicht offizielles Auto zu steigen. Hank ist ein wenig enttäuscht, aber glücklicherweise fügt er sich meinem Wunsch und wir lassen uns ein Taxi rufen.

Gegen 10 Uhr brechen wir endlich auf und freuen uns schon sehr, auf unsere letzten Stunden am Strand. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten und am Zielort verschlägt es uns erstmal die Sprache. Aber nicht, weil der Strand so schön ist, wie man jetzt vielleicht meinen könnte. Nein, es verschlägt uns die Sprache, weil der Strand offensichtlich im Lonely Planet völlig überbewertet ist. Er ist ziemlich klein, die Umgebung ist nichts Besonderes und er hat auch nicht wirklich Flair. Nichtsdestotrotz vereinbaren wir mit dem Taxifahrer, dass wir gegen 16 Uhr wieder zurückfahren wollen. Er erklärt uns, dass er in der Gegend bleiben wird, sollten wir doch früher fahren wollen, wäre er auf jeden Fall vor Ort.

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Wir suchen uns erstmal ein schattiges Plätzchen und springen nacheinander in die Fluten. Das Meer ist ein bisschen kühler als auf der Südseite der Insel, aber dafür sehr erfrischend. Das einzig schöne an diesem Strand ist der Sand. Der ist wirklich richtig weiß, aber ansonsten nicht vergleichen mit dem in Trinidad. Dort war es zwar wesentlich touristischer, aber es war noch im Rahmen. Und man hat Liegen haben können und die vermisse ich gerade eben sehr. Man kann hier am Strand auch nicht lesen, weil ein unglaublicher Wind weht. Der Wind ist auch dafür verantwortlich, dass wir uns hier sehr unwohl fühlen. Insgesamt halten wir es etwa 2 Stunden aus bis es uns dann doch zu viel wird. Wir sind unendlich froh, dass der Taxifahrer nicht weit weg ist und er uns unverzüglich zurück in den Ort bringt. Insgesamt war dieser Ausflug eher nicht lohnenswert, aber wir machen das Beste draus und kehren erneut bei dem Seafood-Restaurant ein. Gibara ist anscheinend auch bekannt für seine Garnelen, die hier ganz frisch aus dem Meer gezogen werden und dann gleich auf den Grill kommen. Wenigstens essenstechnisch lohnt es sich hierher zu kommen. Die Preisleistung ist für das Land unschlagbar!

Für den nächsten Tag haben wir uns eigentlich überlegt nach Guardalavaca zu fahren. Das ist zwar eine Touristenhochburg, aber vielleicht gibt es hier nochmal einen schöneren Strand. Nach unserem heutigen Ausflug zum Strand lassen wir diesen Plan aber wieder fallen, weil davon auszugehen ist, dass dort der Wind ebenso stark weht.

Unabhängig davon, was wir morgen machen, brauchen wir aber unbedingt Bargeld. Dummerweise gibt es in dieser Stadt keinen Geldautomaten, aber ganz in der Nähe befindet sich eine Bank, in der man angeblich auch als Tourist Geld abheben kann. Wir betreten daher erstmals eine kubanische Bank und sind erstmal verwirrt, wie das hier läuft. Es sitzen schon einige Kubaner wartend auf ihren Stühlen und wir sitzen uns einfach mal dazu. Eine Nummer muss man offensichtlich nicht ziehen, also wird es schon passen. Die Leute tuscheln und auch wir tuscheln vor uns hin und kichern über die hiesigen Verhältnisse. Hier geht wirklich gar nichts voran. Es dauert etwa 20 Minuten bis ein Kunde abgearbeitet ist. Wir können nicht anders und machen uns doch ein wenig lustig. Ich befürchte, die Bankangestellten können unsere Gedanken lesen, denn sie schauen schon immer ein wenig angespannt. Doch dann plötzlich passiert es: draußen fährt ein Feuerwehrauto vorbei und auf diesem steht die Telefonnummer 112 geschrieben. Verwirrt frage ich Hank, ob sich der Feuerwehrmann verfahren hat, das ist doch die deutsche Notrufnummer. Hank sagt dann in einer überaus trockenen Art „das ist der Cambio Bombero“ (zu deutsch: der Austauschfeuerwehrmann) und ich kann mich nicht mehr beherrschen. Ich habe einen richtigen Lachanfall und wer mich kennt weiß, dass der 500 Meter weiter immer noch zu hören ist. Jedenfalls fühlen sich die Bankmitarbeiter ziemlich veräppelt und der erste mahnt uns noch, der zweite hingegen bittet uns freundlich, die Bank zu verlassen und es bei der anderen zu versuchen. Na Bravo, sind wir doch tatsächlich aus der kubanischen Bank rausgeschmissen worden! Zur Beruhigung trägt das nicht sonderlich bei, im Gegenteil, ich muss noch viel mehr lachen. In der anderen Bank können wir uns glücklicherweise soweit beherrschen, dass man uns Bargeld auszahlt. Hier geht es auch erheblich schneller, so dass wir nach wenigen Minuten wieder draußen und liquide sind.

Wir nutzen noch ein wenig die Zeit um das Örtchen zu erkunden und schlendern durch die Gässchen und Plätze, sind aber insgesamt nicht ganz so angetan von Gibara. Am Ende läuft es dann doch darauf hinaus, dass wir den Tag wieder eher entspannt verbringen, aber zum Abschluss der Reise bin ich darüber nicht unglücklich.


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