Santa Clara

Am Busbahnhof von Santa Clara werden wir wieder einmal von einem Taxifahrer mit einem Schild mit unseren Namen erwartet. So kommen wird bald darauf in unserer neuen Unterkunft an. Von dort sind es nur wenige Blocks zum zentralen Platz, dem Parque Vidal und wir machen uns noch auf den Weg dorthin. Hier bietet sich ein ungewohnter Anblick: waren die Plätze bisher immer von alten Gebäuden umgeben, steht hier ein 10 Stockwerke hohes hässliches grünes Hotel. Naja, zumindest kann man an dessen Fassade noch immer Einschusslöcher aus Revolutionszeiten sehen. Ein weiteres Highlight hier am Platz: man kann Ziegenkutsche fahren. Naja, das ist eher für kleine Kinder gedacht, aber ich bin schon kurz versucht Carina in eines der Gefährte zu bugsieren ;-)

Ziegenkutsche am Parque Vidal

Ziegenkutsche am Parque Vidal

Wir setzen uns dann auf eine der zahlreichen Parkbänke und genießen den herrlichen Abend. Auf dem Platz treibt sich allerlei buntes Volkherum und so wird uns nicht langweilig. Auf dem Rückweg kaufe ich mir dann bei einem Obsthändler ein kleines Eimerchen kleiner grüner Früchte die ich schon seit einiger Zeit mal probieren wollte. Soll irgendeine Lychee-Art sein. Daheim angekommen will ich mich über das Obst hermachen und muss zu meinem Entsetzen feststellen, dass ich einen Fehlkauf gemacht habe: das sind ja gar nicht diese Lychee-Dinger sondern kleine Limetten! Mist! Da wir auch gerade keine Flasche Rum zur Hand haben, um die Limetten zu verarbeiten, schenke ich die Dinger unserem Vermieter, der kann sie sicher verwerten.

Am nächsten Morgen geht’s mir mal wieder nicht so toll, mein Verdauungstrakt spielt verrückt. Da bin ich in letzter Zeit ganz schön anfällig geworden… Aber dank Immodium Akut können wir im Laufe des Vormittags aufbrechen, um das Wahrzeichen Santa Claras zu besuchen: eine riesige Che Guevara Statue und das Mausoleum des Revolutionärs. Da es aber schon wieder unerträglich heiß ist und ich ja auch nicht so fit bin gönnen wir uns ein Motorradtaxi dorthin. Nachdem wir die Statue und die daneben liegenden Felsblöcke mit Reliefs sowie die umliegende Plaza de la Revolution einige Zeit bestaunt haben besuchen wir auch gleich noch das Museum der Anlage. Es sind allerlei Gegenstände aus Che’s Leben ausgestellt, von Kinderbildern über einen Arztkittel bis hin zu Uniform und Sturmgewehr ist alles dabei. Die Wände sind mit zahlreichen Fotografien bestückt. Das Museum ist nicht besonders groß, macht aber Eindruck.

Che Guevara - Hasta la victoria siempre!

Che Guevara – Hasta la victoria siempre!

Neben dem Museum liegt dann auch noch das Mausoleum, in dem die Gebeine von Che und 38 seiner Mitstreiter liegen. 1997 wurden die Gebeine aus dem anonymen Massengrab im bolivianischen Dschungel, in dem Che verscharrt wurde, hierher gebracht. Fidel Castro höchstpersönlich hat die Gedenkstätte eingeweiht und eine ewige Flamme entzündet. Hinter dem Museum und Mausoleum ist noch eine zweite Anlage die als Mausoleum bezeichnet wird, allerdings unter freiem Himmel. Wir können aber nicht feststellen ob dieses Mausoleum auch Che gewidmet ist oder jemand anderem.

So verlassen wir die Anlage wieder und springen in ein Bici Taxi ins Zentrum. Aber zum Sightseeing ist es einfach viel zu heiß. Da gehen wir doch lieber Essen. Wobei ich zwar schon Hunger habe, mir aber beim besten Willen nicht vorstellen kann, eines der Gerichte auf der Karte zu essen. Da wird mir schon beim bloßen Gedanken daran schlecht. Naja, wenigstens schmeckts Carina. Das perfekte Essen für mich und meinen angeschlagenen Magen wären jetzt Pommes. Also ziehen wir von Restaurant zu Restaurant und fragen überall nach, ob sie denn welche hätten. Leider Fehlanzeige. Auch Kartoffeln gibt es nirgends. Schon unfassbar, vor zwei Wochen waren wir mit Peru noch in einem Land, in dem es über 4.000 verschiedene Sorten Kartoffeln gibt und hier in Kuba gibt’s scheinbar keine einzige! Naja, wenigstens finde ich auf dem Heimweg dann noch einen anderen Obstverkäufer und kann dieses Mal wirklich Lychees erstehen. Und sie schmecken mir auch sehr gut.

In der Unterkunft relaxen wir erst einmal ein wenig, bevor wir noch einmal aufbrechen. Am frühen Abend ist es draußen deutlich angenehmer und wir gehen zum Monumento al Tren Blindado. Hier hat Che Guevara mit ganzen 18 Kämpfern am 29.12.1958 einen entscheidenden Sieg für die Revolution errungen: unter Verwendung eines Bulldozers und selbst gebauter Molotow-Cocktails haben sie einen gepanzerten Zug der Armee erst zum Entgleisen und die über 350 Soldaten darin dann zum Aufgeben gebracht. Heute stehen am originalen Schauplatz 6 originale Waggons herum, sowie der eingesetzte Bulldozer. In den Waggons soll es auch noch ein paar Ausstellungsstücke geben, aber die kann man sonntags nicht besichtigen (wieder einmal das Problem mit diesen Wochentagen). Danach gehen wir noch weiter zu einer kleineren und weniger bekannten Statue von Che. Sie ist nur ein wenig größer als wir und der Revolutionär trägt ein kleines Kind auf den Schultern, wohl als Zeichen der Zukunft Kubas. Außerdem sind einige Szenen aus seinem Leben in die Statue eingearbeitet, die sich aber nur sehr schwer erkennen lassen. Nach dieser kleinen Runde kehren wir wieder zum Parque Vidal zurück und beobachten wieder die Ziegen-Kutschen und sonstiges Treiben auf dem Platz, bevor wir dann für heute endgültig in unsere Casa zurückkehren.

Estatua Che y Nino

Estatua Che y Nino

Da wir beschlossen haben nicht noch eine Stadt anzuschauen, sondern lieber wieder ans Meer wollen steht heute die achtstündige Fahrt nach Holguin auf dem Programm. Dort bleiben wir eine Nacht und fahren am nächsten Tag weiter. Also nehmen wir am späten Vormittag ein Taxi zum Busbahnhof und warten vorm Ticketschalter. Da wir uns schon vor zwei Tagen auf die Warteliste setzen lassen haben sollte es kein Problem sein eine Fahrkarte zu bekommen. Wird aber dann doch zum Problem, da sie etwas teurer ist als wir dachten und wir nicht mehr genug Bargeld dabei haben. Ich wollte zwar in der Früh noch Geld abheben, aber der Automat war kaputt. Tja, aber so kommen wir jetzt nicht weiter. Also setzt sich Carina mit unserem Gepäck in den Wartebereich und ich schnappe mir schnell ein Motorradtaxi und lasse mich zum nächsten Geldautomaten bringen. Der funktioniert glücklicherweise und so bin ich wenig später wieder zurück am Busbahnhof und kann unser Ticket zahlen.

Die Busfahrt verläuft ohne Zwischenfälle und so kommen wir 8 Stunden später in Holguin an, wo wir natürlich auch schon wieder erwartet werden. Nach einer etwas verwirrenden Zick-Zack-Taxifahrt kommen wir in der Villa Willy an und beziehen unser Nachtlager. Diesmal haben wir sogar ein eigenes Häuschen mit Terrasse und nicht nur ein Zimmer. Und es kostet auch nicht mehr als die anderen Unterkünfte, da kann man echt nicht meckern.


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