Trinidad

Am darauffolgenden Tag wollen wir um 1 den Bus nach Trinidad nehmen und laut unserem Herbergsvater müssen wir nur zur Viazul-Bushaltestelle gehen und können dort ein Ticket kaufen. Er hat bereits für uns eine neue Bleibe organisiert und wir werden dann am Busbahnhof mit einem Schild mit unseren Namen erwartet. Na gut, das klingt ja einfach. Wir machen uns sodann vollbepackt mit unseren Rucksäcken, die inzwischen beide die 20-Kilo-Marke gut überschritten haben auf den Weg die geschätzten 500 Meter bei 35 Grad zu bewerkstelligen.

Völlig verschwitzt erreichen wir endlich die Bushaltestelle und erfragen, wo wir die Tickets für den Bus kaufen können. So richtig verbindlich kann uns niemand Auskunft erteilen, aber wir finden dennoch eine Tür auf der steht, dass hier das Viazul-Büro ist. Auf einem Schild steht „abierto“ (also geöffnet), aber leider ist niemand da. Man bedeutet uns, hier zu warten, so dass wir uns unmittelbar vor der Tür platzieren und sich nach uns schön langsam eine lange Schlange bildet. Wir warten und warten und warten, aber nichts passiert. Irgendwann kommt ein Angestellter und gibt uns zu verstehen, dass die Tickets nach Trinidad demnächst verkauft werden. Gut, da wir an erster Stelle stehen, sollten wir hoffentlich problemlos Tickets bekommen.

Eine weitere halbe Stunde vergeht und plötzlich kommt Bewegung in die Menschenmenge rein. Allerdings nicht auf unserer Seite, wie wir erwartet haben, sondern im anderen Eck (also weitest möglich von uns weg). Wir kennen uns gar nicht mehr aus. Wenigstens hat keiner Tickets, also wird schon alles passen und es sind zwei Busse, das wird schon hinhauen. Wir teilen uns schließlich auf. Hank verharrt an Ort und Stelle und ich versuche es unter der drückenden Menge. Ich bin ein wenig verdutzt, als der Ticketverkäufer nach und nach die Namen der Passagiere aufruft. Wie jetzt? Wo hat er die denn her? Wir stehen da aber nicht drauf? Schön langsam sind wir ein wenig beunruhigt. Ein anderer Tourist erklärt uns, dass er gestern gekommen ist und sich in die Liste eingetragen hat, damit er heute fahren kann. Aha – gut zu wissen!

Wir hoffen, dass nachdem alle offiziellen Fahrgäste aufgerufen wurden noch Platz im Bus ist und wir somit einfach noch Tickets kaufen können. Als wir dann endlich an der Reihe sind heißt es „no hay mas espacio“ (es gibt keinen Platz mehr) – na wie jetzt? Das ist doch jetzt ein schlechter Scherz oder? Ich bin stocksauer und fluche vor mich hin. Als der Ticketverkäufer dann noch sagt, dass wir auch online hätten buchen können, flippe ich komplett aus. So ein Witzbold, welches Internet bitte? Hank hält mir schon fast den Mund zu, weil ich mich richtig in Rage rede. Zu allem Überfluss quatscht mich dann auch noch so ein Taxi-Gangster von der Seite an und will uns mit dem Taxi fahren. Der hat mir gerade noch gefehlt. Hank hingegen ist zwar auch not amused, kann sein Temperament allerdings in Zaum halten und verhandelt mit dem Taxler, so dass wir wenig später mit noch einem weiteren Touristen, der das gleiche Problem hat in einem Taxi sitzen und damit die 1 ½-stündige Fahrt antreten.

Als ich allerdings das Taxi sehe bleibt mir der Atem weg. So eine Schrottkarre habe ich echt noch nicht erlebt. Die würde bei uns ja noch nicht mal mehr als Stock-Car durchgehen. Die Innenverkleidung ist quasi nicht vorhanden, Möglichkeiten zum Festhalten gibt es auch nicht und von einem Gurt will ich ja noch nicht mal träumen. Ich schwitze ja eh schon, weil es so heiß ist, aber der Fahrstil des Taxifahrers tut sein Übriges, um mir richtig dicke Schweißperlen auf die Stirn zu bringen. Nicht nur, dass er viel zu schnell fährt – nein, er fährt regelmäßig auf der falschen Straßenseite auf eine uneinsichtige Kuppe zu. Gerade, dass mein Leben nicht an mir vorbeizieht, aber ich habe wirklich richtig Angst und nachdem was wir alles erlebt haben, heißt das wirklich was! Als der Taxifahrer dann auch noch an einer Tankstelle anhält und einem Typen ein paar Pesos zusteckt, befürchte ich schon das Schlimmste – nämlich dass er eine Falsche Rum kaufen will, aber diese Vermutung bestätigt sich dann Gott sei Dank doch nicht! Ich bin auf jeden Fall heilfroh, als wir endlich wohlbehalten in Trinidad ankommen!

In Trinidad lassen wir uns vom Taxifahrer gleich zu der Unterkunft bringen, in der wir bereits erwartet werden. So dachten wir uns das zumindest. Der Hausherr schaut auf jeden Fall sehr überrascht, wie er uns da so mit all unserm Gepäck vor der Haustür findet. Seine Frau ist nämlich zum Busbahnhof aufgebrochen, um uns abzuholen. Wie sich sodann herausstellt, hat die Hausherrin am Busbahnhof, nachdem sie vergebens mit ihrem Schild auf uns gewartet hat, kurzerhand zwei andere Touristen aufgegabelt, die jetzt unser Zimmer bekommen sollen. Aha, und was ist jetzt mit uns? Erst dieses heillose Durcheinander in Cienfuegos am Busbahnhof, die Kamikaze-Taxifahrt und jetzt haben wir keine Bleibe?

Doch soweit soll es dann doch nicht kommen, denn irgendwie stecken die doch alle unter einer Decke und wir werden weitervermittelt an eine andere Casa Particulares. Wenig später erscheint Lisy, unsere neue Host, die sich als sehr nett herausstellt. Sie zeigt uns das neue Zimmer und bereitet für uns erstmal Willkommens-Sandwiches und Getränke vor. Sehr nett, wir fühlen uns bei ihr auf Anhieb wohl. Wenigstens ein Lichtblick am heutigen Tag.

Im Anschluss wollen wir aber gleich noch richtig essen und suchen ein nettes Lokal auf. Unglücklicherweise ist die Küche hier wenig abwechslungsreich und erinnert stark an die Optionen in Südamerika. Fleisch oder Fisch dazu trockener Reis. Ganz ehrlich, mir hängt das mittlerweile zu den Ohren raus und ich sehne mich schon nach Mamas leckerer Kochkunst.

Naja, wenigstens erfüllt das Essen seinen Zweck – wir haben keinen Hunger mehr und können uns ein wenig in dem Städtchen umsehen. Wie überall, gibt es auch hier einen zentralen Platz, außerdem viele kolonialen Gebäude und einen Kirchturm, auf den man hochmarschieren kann, was wir auch gleich machen.

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Von oben hat man einen herrlichen Blick auf die kleine Stadt und das umliegende Meer. Einzig die drückende Hitze macht Sightseeing zu einer Tortur.

Das größte Problem in dieser Stadt ist die Beschaffung von Trinkwasser. Die Supermärkte bieten allerlei Schnaps, jedoch keine einzige Flasche Wasser. Frustrierend! Bei 35 Grad, wer braucht denn da schon Wasser? Völlig überbewertet! Offensichtlich sehen die Einheimischen wirklich so, denn man sieht nur verzweifelte Touristen, die das gleiche Problem haben wie wir.

Am nächsten Morgen versuchen wir erneut unser Glück und klappern sämtliche Läden ab, aber leider gibt es auch heute keine Wasserflasche.

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Man schickt uns in sämtliche Läden, aber nirgends scheint es auch nur einen halben Liter zu geben. Zufälligerweise entdecken wir irgendwann eine Bäckerei, die wohl die einzigen Wasserflaschen in der ganzen Stadt hat und sie natürlich zum Wucherpreis an die Touristen verkauft. Aber es hilft alles nichts, aus Mangel an Optionen legen wir hald den überteuerten Preis auf den Tisch.

Damit sind wir ausgestattet für einen Strandtag. Zu unserer Freude gibt es einen öffentlichen Bus, der für 2 CUC pro Person (2 US-Dollar) die 14 km lange Strecke hin und zurück fährt. So stehen wir um 11 Uhr in dem bereits überfüllten Bus und fahren die halbe Stunde, bis wir endlich das Meer genießen können. Es ist hier zwar schon sehr touristisch, aber glücklicherweise noch auszuhalten. Es gibt nur ein wirklich sehr großes Hotel und nicht fünfzig. Wir suchen uns zwei Liegen, die natürlich nicht umsonst sind, aber es ist uns egal. Wir wollen einfach ein bisschen zur Ruhe kommen, nach unserer anstrengenden Reise. Das Wasser ist einfach traumhaft. Wunderschön warm, aber dennoch erfrischend und türkisblau. Wir verweilen hier bis der letzte Bus um 18 Uhr zurück in die Stadt fährt.

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Da wir bereits vermuten, dass noch mehr Leute auf die gleiche Idee kommen, warten wir bereits als erstes auf den Bus. Nach und nach kommen immer mehr Menschen und wir fragen uns schon, wie die alle in den Bus passen sollen. Als der Bus dann schließlich kommt, interessiert natürlich niemanden, wer zuerst an der Bushaltestelle gestanden hat und wir müssen uns ein wenig drängeln, um einen Sitzplatz zu ergattern. Hank kann für uns eine Bank klar machen und das war wirklich wichtig. Der Bus gleicht einem Viehtransport. Wahrscheinlich ist der Bus für 25 Leute zugelassen, aber bestimmt 60 sind drin. Wir sind wirklich froh, dass wir entspannt zurückfahren können. Um die Klimaanlage sind wohl alle froh…

Aus unserem Fehler haben wir gelernt, denn wir planen für den nächsten Tag, gleich in der Früh mit dem ersten Bus um 9 Uhr zum Strand zu fahren und dafür den Nachmittagsbus um 15:30 Uhr wieder zurück zu nehmen. Das erweist sich als eindeutig die bessere Alternative, denn sowohl am Morgen, als auch am Nachmittag ist der Bus viel leerer als am Vortag. Am Strand ist auch noch nicht viel los und wir können uns Liegen in erster Reihe ergattern. Hank würde gerne einen Schnorchelausflug machen, aber anscheinend wird das heute nix. Ich hingegen, will einfach nur ein bisschen in der Sonne bruzeln und gelegentlich ins Wasser gehen. Herrlich!

Die Zeit vergeht wie im Flug und ehe wir uns versehen, heißt es schon die Rückreise antreten. Wir sind auch ganz froh, dass wir dadurch die permanent angepriesene Pizza als Essensoption umgehen können. Am Vortag haben wir Strandessen zu uns genommen – es war – naja was zu Essen, das wars dann auch. In einem laut Lonely Planet guten Restaurant genehmigen wir uns dann ein Fischgericht. Es schmeckt ausnahmsweise mal ein wenig anders, aber das Personal ist ungefähr genauso sympathisch wie ein Zahnarzt, wenn er auf dem Nerv rumbohrt…

Unseren letzten Tag in Trinidad wollen wir nochmal am Strand verbringen, deshalb machen wir es genauso wie am Tag zuvor und nehmen den ersten Bus zum Strand und den Nachmittagsbus wieder zurück.

Hanky ist glücklich, weil er nochmal schnorcheln gehen kann und so sitzt er wenig später in einem Boot und fährt aufs Meer hinaus, während ich auch heute mit einem Buch bewaffnet in der Liege fläze und die Sonnenstrahlen genieße. Nach rund 1 ½ Stunden kommt Hank dann wieder zurück und ist ein wenig enttäuscht vom Riff. Er hat offensichtlich Aitutaki erwartet und da konnte das hiesige Riff leider nicht mithalten. Wenigstens war das Schnorcheln nicht teuer, so kann er es als „okay“ verbuchen.

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Auch heute vergehen die Stunden wie im Flug und ehe wir uns versehen müssen wir schon wieder aufbrechen und den Bus zurück in die Stadt nehmen. Da wir morgen weiter fahren wollen, möchten wir natürlich diesmal nicht den gleichen Fehler begehen und marschieren zum Busbahnhof, um uns am Viazul-Schalter in die besagte Liste einzutragen. Wir stehen an den Nummern 25 und 26 – es sollte diesmal klappen, auch wirklich einen Platz zu bekommen.

Wir folgen anschließend wieder einer Essensempfehlung aus dem Lonely Planet und ich bin erstmals angenehm überrascht, dass es auch mal etwas abwechslungsreich schmecken kann. Das Tropical-Chicken hat sogar eine Soße bei! Na also, geht doch!

Pünktlichst brechen wir am nächsten Tag mit unseren Rucksäcken auf, um zum Busbahnhof zu marschieren. Der Weg dorthin ist glücklicherweise nicht weit, aber dennoch werden wir 2 Blocks entfernt angequatscht, ob wir ein Bici-Taxi (Radtaxi) brauchen. Äh, nein! Die 50 Meter können wir jetzt auch noch gehen – auch wenn wir mittlerweile das Gefühl haben, dass die Rucksäcke mehr wiegen, als wir selbst.

Erfreulicherweise können wir auch gleich Tickets kaufen und sitzen wenig später im gut klimatisierten Bus nach Santa Clara.

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