Havanna

Nach einem knapp 6 stündigem Flug landen wir im letzten Land unserer Reise: Kuba. Die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt von Havanna ist nur mit dem Taxi möglich, ein Bus verkehrt hier nicht. Da die Taxi-Fahrer nicht vom Preis von 30 CUC (das sind Convertible Pesos mit denen die Touristen hier zahlen müssen, sie entsprechen im Wert dem US Dollar) abweichen wollen tun wir uns mit 2 Französinnen zusammen, die in etwa das gleiche Ziel haben wie wir. Das kostet dann zwar 40 CUC statt 30, weil es 2 Ziele sind, aber so sparen wir uns zumindest ein wenig. Auf der Straße sehen wir dann auch gleich überall eine von Kubas Attraktionen, die alten US-Schlitten. Dass die hier noch rumfahren wussten wir ja, aber dass es wirklich so viele sind, überrascht uns dann schon. So bestaunen wir also unter der Fahrt die ganzen Oldtimer.

Oldtimer in Kuba
Oldtimer in Kuba

Bald darauf beziehen wir unser Zimmer im von Deutschland aus schon vorgebuchten Park View Hotel, das ziemlich im Zentrum gelegen ist. Über die Hotelbuchung war es laut unserem Reisebüro leichter an eine für die Einreise nötige Touristen-Karte (=Visum) heranzukommen. Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben geht’s auch gleich los in die Straßen der Stadt. Weiterhin sind wir verblüfft von den ganzen Oldtimern die um uns herumschwirren. Dazu kommen noch die prachtvollen alten Häuser. Naja, zugegeben, die meisten sind nicht mehr wirklich prachtvoll, sondern am verfallen, aber wenn man sich vorstellt wie die Bauten vor 50 oder mehr Jahren ausgesehen haben müssen, da bleibt einem die Luft weg. Irgendwann in grauer Vorzeit muss Havanna eine wirklich stinkreiche Stadt gewesen sein! Aber der einstige Glanz ist leider längst verblasst und so gut wie alle Häuser könnten eine Rundumerneuerung vertragen.

Wir schlendern ans Meer zum sogenannten Malecon, das ist eine 8 Kilometer lange Hafenstraße. Hier treffen sich abends viele Einheimische auf ein Bier oder einen Cocktail mit – natürlich – Rum an der Hafenmauer. Und auch viele Touristen sind da und genießen den Sonnenuntergang. Da sind wir natürlich gern dabei und unsere Kameras sowieso ;-) Nachdem die Sonne weg ist marschieren wir wieder Richtung unserer Unterkunft. Unterwegs fällt uns ein, dass unsere Wasserflasche inzwischen leer ist, also wollen wir noch schnell welches kaufen. Stellt sich uns bloß die Frage: wo? Irgendwie sehen wir nirgendwo die aus Südamerika gewohnten kleinen Verkaufsstände oder Tante-Emma-Läden. Nach einigem Suchen stehen wir dann aber doch in einem Mercado und sehen uns nach Wasser um. Wir finden: Rum, Rum, Rum und noch mehr Rum. Wasser: Fehlanzeige! Also suchen wir weiter, im nächsten kleinen Laden gibt es aber auch nichts. Wenigstens deuten uns die Einheimischen den Weg zu einem Laden in dem es auch Wasser gibt. Den finden wir, er hat allerdings schon zu. Wir suchen weiter, fragen herum (und bekommen natürlich von jedem eine andere Antwort wo wir hin müssen) und landen schließlich in einer kleinen Kneipe wo wir zwei kleine Wasserflaschen erstehen können. Immerhin etwas. Die erste ist zwar schon wieder leer als wir im Hotel ankommen, weil es echt sehr warm ist, aber mit der anderen müssen wir jetzt eben über die Nacht kommen.

abends am Malecon
abends am Malecon

Am nächsten Morgen müssen wir uns erst einmal eine neue Unterkunft suchen, da wir das Hotel nur für eine Nacht gebucht haben. Es gibt hier allerdings keine Hostels wie überall anders auf der Welt, sondern sogenannte Casas Particulares. Das sind private Wohnungen, in denen man ein Zimmer bekommt. Klingt im ersten Moment so, als ob man da in irgendwelche dunklen Zimmerchen abgeschoben wird, ist aber nicht so. Die Regierung scheint es ziemlich strikt zu überwachen, dass die Zimmer gut in Schuss und sicher sind (und wer wann wo unterkommt). Allerdings kassiert sie auch kräftig mit bei den Einnahmen. Wir steuern eine im Lonely Planet als sehr gut beschriebene Unterkunft an. Dort haben sie zwar keinen Platz für uns, aber natürlich haben sie eine Freundin um die Ecke, die ebenfalls Zimmer vermietet und uns aufnehmen kann. So landen wir bei einer älteren Dame und bekommen sogar ein ganzes Appartement. Wir haben Bad, Küche, Wohnzimmer, zwei Schlafzimmer und sogar einen kleinen Balkon für uns. Im Vergleich zu unserem Hotelzimmer haben wir uns auf jeden Fall verbessert.

Nachdem wir uns eingerichtet haben ziehen wir wieder los und sehen uns in unserem Stadtteil, Centro Habana, um. Es gibt jede Menge tolle alte Gebäude zu betrachten. Heraus sticht das Edificio Bacardi, das ehemalige Hauptquartier der Rum-Familie. Aber auch das Treiben in den Straßen ist gut anzusehen. Die Kubaner sitzen eigentlich immer in ihren Hauseingängen herum, spielen Schach oder Domino, halten ein Schwätzchen mit den Nachbarn und so weiter. Bei vielen darf natürlich dabei eine Zigarre nicht fehlen. Das Flair dieser Stadt gefällt uns sehr gut.

Für unsere Mittagspause steuern wir mal wieder ein im Reiseführer angepriesenes Restaurant an, das „Los Nandos“. Am Eingang werden wir etwas stutzig, ob das wirklich das richtige für uns ist, es gibt einen Türsteher und ich muss mir ein Sakko über mein ärmelloses Shirt ziehen das er hinter der Tür hervorzaubert. Im Restaurant müssen wir dann erstmal im Wartebereich Platz nehmen. Von hier aus sehen wir schon, dass dieses Restaurant wirklich sehr nobel ist und befürchten, dass uns das zu teuer sein wird. Nach einigen Minuten wird uns dann ein Platz zugewiesen und wir bekommen die Speisekarte. Nach einem Blick in selbige sind wir echt sehr überrascht, die Preise sind normal, um nicht zu sagen fast schon günstig. Nicht schlecht für dieses Ambiente: wir sitzen an einem edlen Holztisch, der wie in einem 5-Sterne-Restaurant gedeckt ist. Auch die sonstige Einrichtung ist vom Feinsten. Und das Essen ist dann auch noch sehr gut, was will man mehr.

Nach dem guten Essen springen wir am Parque Central spontan wieder in einen oben offenen Doppeldeckerbus für eine Stadtrundfahrt. Das ist in so großen Städten einfach praktischer als alles zu laufen. In der etwa eineinhalb Stunden dauernden Rundfahrt kommen wir an allerlei Statuen und Denkmälern vorbei, sowie mehreren Plätzen, großen Gebäuden, einem riesigen Friedhof und dem Strand. Man hätte auch die Möglichkeit unterwegs auszusteigen und später im nächsten Bus weiterzufahren, aber für Erkundungen auf eigene Faust ist es uns im Moment viel zu warm. Nachdem wir wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen sind, kehren wir auch in unser Appartement zurück und legen die Füße ein wenig hoch. Zum Sonnenuntergang wollen wir dann wieder zum Malecon aufbrechen.

Volksheld: Ernesto Che Guevara
Volksheld: Ernesto Che Guevara

Zuvor holt uns aber wieder das Trinkwasser-Problem ein. Also machen wir uns auf Richtung Hauptstraße. Wie gestern ist uns aber kein Erfolg vergönnt und wir steuern planlos umher. Da fragt uns ein junges Pärchen mit Kinderwagen ob sie uns helfen können. „Ja“ sagen wir, „wir suchen einen Laden der uns Wasser verkauft“. Kein Problem, die beiden erklären uns den Weg. Wir fragen nochmal nach ob wir alles richtig verstanden haben, da sagen die beiden kurzerhand sie bringen uns hin. Das ist ja nett. Wäre zwar nicht nötig, aber jetzt sind sie schon auf dem Weg. Also folgen wir ihnen und quatschen dabei ein wenig. Unterwegs meint Francesco, so heißt er, er zeigt uns noch eben eine Bar, in die Fidel Castro jedes Jahr an seinem Geburtstag kommt. Sie sieht zwar sehr unscheinbar aus, aber hier hängen auch einige Fotos und Zeitungsausschnitte an der Wand mit Fidel in der Bar.

Francesco erzählt und erzählt und ehe wir es uns versehen sitzen wir an einem Tisch und bestellen Refrescos (=Erfrischungsgetränke). Statt einem Limo bekommen wir zwar einen Mojito, aber so einen wollten wir ja heute eh trinken gehen. Es ist echt nett und so gibt es noch eine zweite Runde. Irgendwann kommen wir dann irgendwie auf das Thema Zigarren. Francesco verschwindet kurz, kommt wenig später mit einer Zigarre zurück und drückt sie mir in die Hand. Da komme ich dann wohl nicht mehr aus. So richtig abgewinnen kann ich dem Rauchen dieses Dings zwar nichts, aber irgendwie ist es doch witzig und gehört auch zu Kuba.

Kuba pur: Mojito & Zigarre :-)
Kuba pur: Mojito & Zigarre :-)

Wir meinen dann, dass wir eventuell welche als Souvenir mitnehmen und wieder verschwindet Francesco, um kurz darauf mit einer 25er Schachtel Cohibars zurückzukommen. Spezialpreis für uns 100 CUC. Ähm, das wollten wir jetzt aber nicht, irgendwie wandelt sich die tolle Atmosphäre ins Unangenehme und wir sind plötzlich auf einer Verkaufsveranstaltung. Wir bleiben aber hart und kaufen auch nicht das 5er Päckchen. Danach wird ganz schnell die Rechnung bestellt. Wir staunen nicht schlecht, als darauf 48 CUC für die 8 Getränke stehen. 6 CUC für ein Refresco in einer angeblich billigen Bar für Kubaner. Das ist heftig. Ich lege unsere Hälfte in das Schälchen, aber Francesco und seine Frau machen keine Anstalten selbiges zu tun. Es wird wohl erwartet dass wir zahlen. Interessiert uns nicht. Der Wirt fragt zwar dann nach wo das restliche Geld ist, aber als ich erkläre, dass wir nur unseren Teil zahlen ist das auch in Ordnung. Auch die Hälfte ist noch viel zu viel! Aber wir haben halt den Fehler gemacht nicht nach dem Preis zu fragen, ganz kommen wir aus der Nummer also nicht mehr raus. Naja, hilft ja nix.

So kehren wir also etwas frustriert in unser Appartement zurück. Sonnenuntergang am Malecon haben wir verpasst, Wasser auch keines gefunden. Das Schlimme sind gar nicht die überteuerten Drinks, sondern die Enttäuschung, dass man echt niemandem trauen darf hier. Und dabei sind wir noch von unserer Herbergsmutter gewarnt worden: „Die Leute hier auf der Straße sind alle super nett zu Dir, aber im Endeffekt wollen sie alle nur Dein Geld“. Stimmt wohl so. Einerseits zwar irgendwie schon auch zu verstehen, andererseits halt auch unendlich schade, weil dann auch die Leute die wirklich helfen wollen oder an einem Gespräch interessiert sind (vielleicht gibt’s die ja doch auch irgendwo in dieser Stadt) ein „No, gracias!“ hingeknallt bekommen wenn sie einen ansprechen.

Am nächsten Tag machen wir uns wieder zu Fuß auf den Weg. Heute auf dem Programm: der benachbarte Stadtteil „Habana Vieja“. Auf dem Weg dorthin passieren wir wieder die ein oder andere Statue und x tolle alte Gemäuer. Highlight ist für mich eine Polizeistation, die in einer kleinen gut erhaltenen Burg untergebracht ist. Das passt irgendwie mit den alten vergitterten Fenstern *g* Als nächstes kommen wir an der Kathedrale vorbei und stehen dann mal wieder auf einer Plaza de Armas. Als wir gerade überlegen wo wir als nächstes hingehen fängt es an zu tröpfeln. Wir suchen Schutz unter den Bögen eines alten Palacios und hoffen, dass es nur ein kurzer Schauer ist.

Polizeifestung
Polizeifestung

Diese Hoffnung ist nach einigen Minuten dahin, es schüttet wie aus Eimern und gewittert. Da es eh schon wieder Mittag ist beschließen wir aus der Not eine Tugend zu machen und essen zu gehen. Das Problem ist nur, dass das angepeilte Restaurant einen Block entfernt ist. Trocken werden wir da wohl nicht hinkommen. Was an und für sich kein Problem wäre (warm ist es ja immer noch), hätte Carina nicht ihre Kamera dabei. Die Lösung besteht aus einer Plastiktüte vom nächsten Souvenirstand. Unter den ungläubigen Blicken der anderen Regen-Flüchtlingen hier sprinten wir los und kommen kurze Zeit später völlig durchnässt am Restaurant an. Wir befürchten schon nicht reingelassen zu werden so nass wie wir sind. Aber die Tür wird geöffnet und man reicht uns gleich mal Servietten zum Abtrocknen. Carina bekommt außerdem eine Tischdecke, um sich darin einzuwickeln. Na das nenne ich doch mal Service! ;-)

Während wir essen hört es dann auch wieder auf zu regnen und so können wir unsere Runde fortsetzen. Da es aber am Horizont immer noch dicke dunkle Wolken hängen beeilen wir uns etwas und machen uns bald schon auf den Heimweg. Nicht zu spät wie sich herausstellt, unterwegs fängt es wieder das Tröpfeln an und kurz bevor wir ankommen setzt stärkerer Regen ein. Dank der vielen Balkone an den Gebäuden kommen wir dieses Mal aber relativ trocken an unserem Ziel an.

Abends brechen wir dann nochmal an den Malecon auf. In Havanna ist heute Karneval, das wollen wir uns doch mal ansehen. Von dem Treiben sind wir dann aber doch etwas enttäuscht. Die große Veranstaltung hat auch noch gar nicht angefangen (sollte eigentlich schon laufen nach unseren Infos) und es kann uns auch keiner so recht sagen wann es losgeht. Da sich nach eineinhalb Stunden immer noch nichts getan hat und wir beide im Grunde eh keine großen Faschings-Fans sind, machen wir uns wieder auf den Rückweg in die Unterkunft.

Der nächste Tag ist dann recht schnell erzählt: eigentlich wollten wir heute schon weiterfahren, haben aber keine Bustickets bekommen. Also verbringen wir den Tag mit Faulenzen und Lesen. Es ist ja immerhin Wochenende, da wird das mal erlaubt sein ;-)

Am nächsten Morgen werden wir dann von einem alten Ami-Schlitten-Taxi zum Busbahnhof gebracht. Die Fahrt in dem alten Ford macht schon Spaß, auch wenn man sein eigenes Wort nicht versteht und ich gar nicht wissen will wieviel Benzin die Karre schluckt. Aber an Benzin scheint es auf Kuba nicht zu mangeln, es fahren ja genug der alten Kutschen durch die Straßen. Nach einer 15 minütigen Fahrt kommen wir am Busbahnhof der Firma Viazul an, geben unser Gepäck auf und warten auf unsere erste kubanische Busfahrt.

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