Lima

In Pisco nehmen wir zur Abwechslung mal wieder einen Localbus, um die peruanische Hauptstadt zu erreichen. Die Fahrzeit beträgt nur ca. 4 Stunden, so dass wir in Anbetracht des Preises von lediglich 15 Soles schnell überzeugt sind. Unterwegs beachten wir jegliche Warnungen und werfen regelmäßig einen Blick auf die Gepäckklappe. Es soll schon häufiger in derartigen Bussen vorgekommen sein, dass Touristen ihres Gepäcks beraubt worden sind. Glücklicherweise kommen wir mitsamt unseren Habseligkeiten in unserm letzten südamerikanischen Ziel an.

Lima ist mit etwa 10 Millionen Einwohnern nicht nur die Landeshauptstadt, insgesamt lebt etwa ein Drittel der Bevölkerung in der dick im Smog liegenden Küstenstadt. Laut unserem Lonely Planet gibt es hier einige gefährliche Gegenden, wozu zu unserem Bedauern leider auch das historische Stadtzentrum und die Gegend um die Busbahnhöfe gehören. Wir sind kaum aus unserem Bus ausgestiegen, werden wir schon wieder von allen Seiten angesprochen und man versucht, uns in ein Taxi zu verfrachten. Zwei junge Mädels sprechen uns auf Englisch an und weisen uns ebenfalls auf die Gefahren dieser Gegend hin und wir sollen doch schnellstmöglich ein sicheres Taxi nach Miraflores, dem Touristenzentrum in dem auch das von uns vorgebuchte Hotel liegt, nehmen. Wir schauen ein wenig verdattert und ehe wir uns versehen winken uns die beiden Mädels ein Taxi, verhandeln den Preis für uns und wir sitzen wenig später auch schon drin und werden sicher zu unserer Unterkunft gebracht. Hinterher kommt uns dann der Gedanken, dass diese Art von Touristenfürsorge auch genauso gut eine Finte hätte sein können, da es wohl in Peru ein gängiges Problem ist, dass Touristen von dubiosen Taxis in entlegene Gegenden gebracht werden, wo sie dann ausgeraubt werden. Hmm, Glück gehabt – aber wie zum Teufel soll man die wirkliche Hilfsbereitschaft von Hinterlistigkeit unterscheiden ohne die ehrlichen und freundlichen Bürger zu beleidigen? Das ist wohl wirklich ein schmaler Grat und wir haben leider keine Antwort darauf gefunden. Falls jemand eine hat, kann er sie uns gerne mitteilen.

Nachdem wir unsere Unterkunft in Miraflores bezogen haben, machen wir uns auf den Weg zum zentralen Plaza und stellen schnell fest, dass wir hier in der Touristenhochburg dieser Metropole gelandet sind. Westliche Lokale an allen Ecken mit einem entsprechenden Preisniveau. Da ich mich allerdings inzwischen ein bisschen satt gegessen habe von den typischen Gerichten bestehend aus einem Stück Fleisch oder Fisch und Reis mit Kartoffeln ohne jegliche Soße bei, schreckt mich anders als Hank der Preis nicht wirklich ab. Am Ende finden wir dann doch eine westliche Option, die uns beiden gefällt.

Den Abend lassen wir dann gemütlich ausklingen, da wir aufgrund der frühen Morgenstunde, zu der wir aus den Federn mussten, doch ein wenig angeschlagen sind.

Den nächsten Tag beginnen wir in üblicher Manier mit einem üppigen Frühstück, ehe ich mich mit meiner Tagesgestaltung durchsetzen kann: Shopping! Juppie, hier in Lima gibt es auch reichlich gute Shoppingcenter, die alles anbieten, was das Frauenherz begehrt. Unglücklicherweise nur, dass unser beider Rucksäcke bereits bis auf den letzten Zentimeter vollgestopft sind. Ich muss mittlerweile sogar schon mein Schlafsack außen anbauen, damit ich alles unterbringe. Das hält mich allerdings nicht davon ab, mir mein obligatorisches Hardrock-Café T-Shirt zu kaufen. Leider liegt das hiesige Café nicht unbedingt in unserer Gegend, so dass wir ein Taxi zum Jockey Plaza nehmen und mit den Taxi-Gangstern in Preisverhandlungen treten müssen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat man uns abgezogen und wir haben zu viel bezahlt, aber es ist dennoch der sicherere Weg als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, deren Durchsichtigkeit Gringos wie uns wahrscheinlich nicht gerade mit einer Einladung anspringt. Mit wieder einem Teil mehr, das in meinem Rucksack Platz finden muss, erkunden wir auch noch die unzähligen Geschäfte, die es hier zu erkunden gibt. Nach einer gefühlten Ewigkeit und unzähligen Shops, werden wir der frustrierenden Tätigkeit, wenn man nichts kaufen kann, doch ein wenig müde und kehren wieder nach Miraflores zurück. Komisch, diesmal zahlen wir mit dem Taxi gleich fast ein Drittel weniger. Alles Verbrecher!!

Wenigstens können wir in unserer Unterkunft mal wieder richtig gut schlafen und sind am nächsten Tag wieder voller Tatendrang. Da wir keinen konkreten Plan haben, außer das Stadtzentrum noch ein wenig zu erkunden, kommt es, dass wir einfach blind drauf loslaufen und wieder in Richtung zentralem Platz in Miraflores steuern. Dort erblicken wir einen von den Touristenbussen, der Stadtrundfahrten anbietet, die zwar nicht ganz billig sind, aber in Anbetracht der Größe dieser Stadt und der Gefahrenzonen vielleicht eine gute Alternative darstellt. Wir haben sogar Glück, in 5 Minuten startet die nächste 4-stündige Tour, die auch einen Museumsbesuch beinhaltet. Spontan kaufen wir zwei Tickets und finden uns nur einen Wimpernschlag später in dem oben offenen Tourbus wieder. Und schon geht es los.

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Wir durchqueren sämtliche Stadtviertel und sind erstaunt über die Luxusbunker, die teilweise am Straßenrand aus dem Boden gestampft wurden. Manche Gegenden könnten genauso gut in deutschen Millionenstädten gefunden werden, während andere das Gefühl einer Dritte-Welt-Stadt auslösen. Überall gibt es Straßenverkäufer, die sämtlichen Ramsch unter die Leute zu bringen versuchen. Unsere Aufmerksamkeit findet vor allem ein älterer Herr, der den Autofahrern an den Ampeln Steinschleudern verkaufen will. Aha, interessant. Wie kommt der Mann darauf, dass dieses Geschäft lukrativ sein könnte? Die Eisverkäuferin neben ihm lasse ich mir ja noch eingehen, aber eine Steinschleuder? Unweit von diesem Herrn entfernt, erblicken wir einen ebenfalls älteren Herrn, der den Autofahrern Plastikschweine verkaufen möchte. Wir sind amüsiert und fasziniert zugleich und versuchen, uns eine derartige Szenerie irgendwo auf dem Mittleren Ring vorzustellen. Wahrscheinlich wären die Männer in den weißen Kitteln nicht weit…

Nach rund einer halben Stunde im Bus kommen wir auch schon bei dem Gold- und Waffenmuseum an. Die Guidin ist voll süß und erkundigt sich gefühlte hundert Mal bei uns, ob wir ihrem Spanisch folgen können, aber da sie wirklich gut artikuliert und langsam spricht, können wir bis auf ein paar Fachbegriffe ihre Erklärungen verstehen. Beim Betreten des Museums stechen uns gleich die überall befindlichen Ritterrüstungen ins Auge und wir sind einigermaßen irritiert. Peruanisches Mittelalter? Offensichtlich Überreste aus der spanischen Kolonialzeit und auch das Waffenarsenal ist sehr vielfältig. Von Revolver über Pistolen, Schrotflinten und Kanonen ist alles vorhanden. Unser Rundgang führt uns aber schwerpunktmäßig durch das Goldmuseum. Hier kann man sämtliche Goldfunde aus den verschiedensten Epochen bestaunen und die Guidin trägt wesentlich dazu bei, dass selbst ich als bekennender Nicht-Museum-Fan mich nicht langweile.

Nach rund 1 ½ Stunden geht es mit dem Tourbus weiter in Richtung des historischen Stadtzentrums. Leider ist es hier in der Stadt wirklich ziemlich smoggy, so dass das Sichtfeld ein wenig eingeschränkt ist. Außerdem ist es ziemlich frisch so „oben ohne“, so dass uns die Fahrt bis ins Zentrum ziemlich lang erscheint. Dort werden wir allerdings nicht enttäuscht, der historische Mittelpunkt kann wirklich mit vielen schönen Kolonialgebäuden auftrumpfen und an jeder Ecke gibt es irgendwas zu sehen. Tatsächlich sehen wir hier nur wenige Touristen. Anscheinend ist das Zentrum wirklich nicht die sicherste Gegend der Stadt, aber trotzdem mit Abstand die authentischste. Hier sieht die Stadt erstmals aus, wie eine südamerikanische Stadt auszusehen hat. Besonders schön ist der Plaza San Martin, der umgeben ist von prachtvollen Gebäuden und der Plaza de Armas, der mit seinen unzähligen Palmen einfach nur zum Relaxen einlädt. Schade, dass es sich bei dem Tourbus nicht um einen Hop-on, Hop-off Bus handelt. Gerne wären wir noch eine Weile hier geblieben, aber nachdem das nicht geht, kehren wir zusammen mit den anderen Tourteilnehmern zurück nach Miraflores. Der Bus fährt noch an der Küste entlang und wir können eine ganze Versammlung an Paraglider beobachten, die sich hier austoben.

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Mit etwas Verspätung kehren wir dann wieder zum Ausgangspunkt zurück. Insgesamt müssen wir sagen, dass uns diese Stadtrundfahrt eigentlich ganz gut gefallen hat. Sie bietet in Städten dieser Größe einfach eine gute und einfache Möglichkeit möglichst viel zu sehen und erspart einem die genaue Planung der Route. Wir würden sie auf jeden Fall weiterempfehlen, auch wenn wir grundsätzlich keine Fans von touristischen Touren sind.

Ach ja, am zentralen Platz in Miraflores ist uns noch etwas aufgefallen. Überall wimmelt es von Katzen in allen Farben, Rassen und Altersklassen. Hank ist natürlich in seinem Element. Wir entdecken schließlich ein Plakat, wonach man die Katzen adoptieren kann. Einen kurzen Moment überlegen wir, ob wir eine adoptieren sollen und sie im Tausch gegen unseren Jack den Hütern anbieten sollten. Projekt scheitert allerdings an der Transportmöglichkeit – sorry Linda und Toni!

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