Ica & Umgebung

Trotz des angekündigten Entertainmentangebots im Luxusbus von Cruz del Sur erscheint die Fahrt nach Ica schier endlos. Dies liegt hauptsächlich daran, dass wir kaum schlafen können. Es mangelt zwar nicht an Bequemlichkeit, aber die Straßen sind relativ uneben und vor allem sehr kurvenreich. Das haben Gebirgsketten wohl so an sich. Zudem ist die Straße wegen Bauarbeiten zwischendurch gesperrt und wir müssen zwei Stunden warten, ehe wir weiter fahren können. Insgesamt dauert unsere Fahrt sodann anstatt 16 ganze 18 Stunden. Gegen 8 Uhr morgens erreichen wir endlich Ica, eine kleine Stadt mit „nur“ rund 200.000 Einwohnern, die sich auf einer Höhe von 400 Metern befindet. Nach etwa 5,5 Wochen auf etwa 3.000 Höhenmetern nähern wir uns endlich wieder dem Meeresspiegel.

Am Busbahnhof werden wir gleich wieder von den üblichen Taxigangstern überrumpelt. Wir entscheiden uns deshalb für einen älteren Herren, der uns vertrauenswürdig erscheint und der mit 5 Soles für die Fahrt einen vernünftigen Preis anbietet. Super, denken wir uns und steigen ein. Nach etwa 2 Minuten stellt sich schließlich heraus, dass er den Preis pro Person haben möchte. So haben wir aber nicht gewettet, guter Mann! Trotz unseres vehementen Widerspruchs bleibt der Alte stur und beharrt auf sein Geld. Er liefert uns an unserer Unterkunft ab, aber lässt sich nicht abschütteln. Letztendlich zahlen wir ihm 6 Soles für uns beide zusammen, aber trotzdem sind wir ein bisschen genervt von dieser Verhandlungsstrategie. Da fühlt man sich schon ein bisschen wieder Gelackmeierte!

Wir beziehen anschließend unser Zimmer und müssen erstmal ein bisschen rasten. Diese Nachtbusse sind zwar grundsätzlich eine super Sache, aber der nächste Tag ist meistens ein bisschen für die Tonne, weil man ziemlich müde und fertig ist. Aus diesem Grund ist die Produktivität des heutigen Tages auch ziemlich eingeschränkt, aber morgen, da starten wir durch…

Gesagt, getan! Pünktlich um 7 sind wir hellwach und bereit die Gegend zu erkunden, naja fast. Erstmal ein leckeres Frühstück, die heißen Duschen nutzen und dann kann es losgehen. Halt, irgendwie ist es doch auch schon wieder kurz nach 11 bis wir endlich loskommen. How comes? Keine Ahnung!

Leider ist das Wetter nicht gerade besonders, es ist ziemlich diesig und die Sicht ist ein wenig bescheiden, aber wir machen uns dennoch zu Fuß auf den Weg zum Plaza de Armas. (auch in Ica der Name des zentralen Platzes) Da wir aber ein bisschen ab vom Schuss sind, müssen wir rund 30 Minuten marschieren, ehe wir das Stadtzentrum erreichen. Und das ist – naja sagen wir es vorsichtig – nicht gerade der „Place to be“! In der Mitte gibt es einen Brunnen, außen herum einige unspektakuläre Gebäude und die üblichen Almosensammler, die man überall findet.

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Wir beobachten das Treiben eine Weile von einer Parkbank aus, ehe wir uns entschließen, hier auch gleich ein Mittagessen zu uns zu nehmen, wenn wir schon mal da sind.

Wenig später sitzen wir in einem kleinen Restaurant und stellen fest, dass in Peru andere Regeln für einen guten Service gelten, als bei uns. Angenommen in Deutschland würde man einen Burger mit Pommes bestellen und die Pommes erst eine halbe Stunde nach dem Burger serviert bekommen, oh oh, da wär der Teufel los. Hier hingegen sieht man das nicht so eng. Ich bin zwar nicht unbedingt begeistert, aber akzeptiere dennoch ohne Murren meine Pommes als Dessert. Tja, andere Länder – andere Sitten!

Anschließend nehmen wir ein Tuktuk – ja die heißen hier tatsächlich genauso wie in Asien – zurück zu unserem Hostel. Wir wollen in die Oase Huacachina fahren, aber nachdem inzwischen richtig die Sonne rausgekommen ist, müssen wir zunächst in luftigere Kleidung wechseln. Ich bin froh, dass endlich mal wieder meine Flipflops zum Einsatz kommen.

Huacachina liegt etwa 4 km außerhalb von Ica und ist eine Lagune mitten in der Wüste. Ja richtig – in Peru gibt es eine Wüste mit richtigen Sanddünen und da wollen wir jetzt hin. Wir springen schnell wieder in ein Tuktuk und nach wenigen Minuten sind wir auch schon dort. Der Anblick überrascht uns doch ziemlich. So wirklich passt das hier nicht her, aber wir sind dennoch begeistert. Umgeben von hohen Dünen befindet sich ein See, auf dem Tretboote schippern und es tummeln sich überall Menschen rum, die die Sonne genießen. Wir gesellen uns gleich mal dazu. Herrlich!

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Schließlich schnappen wir uns für 10 Soles zwei Sandboards und erklimmen die Sanddünen. Wir haben beide noch nie Sandboarding ausprobiert und sind gespannt, wie wir uns anstellen werden. Wir ahnen allerdings schnell, dass das nicht so einfach sein wird, denn anders als bei einem Snowboard, haben diese Boards ziemlich provisorische „Bindungen“, die lediglich aus Klettverschlüssen bestehen. Wir lassen uns davon aber nicht beirren und erklimmen einen Hügel, wo wir uns gleich mal an den Boards ausprobieren. Schnell bewahrheitet sich die bereits angenommene Theorie. Mit diesen Brettern hat man so gut wie gar keinen Halt, man kann nur versuchen, sich irgendwie darauf zu halten, aber von einer Kurve fahren, kann gar keine Rede sein. Es macht uns aber dennoch sehr viel Spaß und so toben wir zwei Stunden wie kleine Kinder herum und machen einige lustige Fotos. Selbstverständlich landen wir auch desöfteren im Sand und sind schließlich von oben bis unten voll davon. Insgesamt muss ich aber sagen, dass Snowboarden viel besser ist und vor allem auch viel einfachen. Selbst wenn man auf den Sandboards eine richtige Bindung hätte, ist es mit Sicherheit schwieriger das Board zu drehen, weil es sich regelmäßig im Sand eingräbt. Trotzdem ein sehr lustiges Unterfangen!

Zum Sonnenuntergang platzieren wir uns dann in einem der vielen Seerlokale und genehmigen uns die peruanische Spezialität Pisco Sour, bevor wir mit einem Tuktuk wieder zurück in die Stadt fahren.

Den nächsten Morgen heißt es wieder zeitig aufstehen. Wir werden um 6:45 Uhr für eine Tour abgeholt und wollen gleich all unsere Habseligkeiten mitnehmen. Mit einer kleinen Verspätung kommt unser Shuttle dann um 7:00 Uhr, aber dafür ist der Bus schon vollzählig. Es geht eine Stunde zu der nahe gelegenen Halbinsel Paracas, von wo aus wir mit dem Boot zu den Islas Ballestas fahren wollen.

Wie wir relativ schnell feststellen müssen, scheint diese Tour das touristischste zu sein, was wir auf unserer ganzen Reise unternommen haben. Am Hafen tummeln sich bereits hunderte Menschen und wollen wohl ebenfalls mit dem Boot zu der Inselgruppe fahren, die den Beinamen „Galapagos des kleinen Mannes“ trägt. Auch wenn uns der Menschenauflauf gar nicht gefällt, wollen wir uns davon nicht den Ausflug vermiesen lassen. Nach rund einer halben Stunde des Gedrängels am Hafen, sitzen wir endlich in einem der zig Boote und schippern zu den Inseln.

Zuerst besichtigen wir eine große Felszeichnung, der Candelabro de Paracas (Der Kerzenleuchter von Paracas), der den Nazca-Linien ähnelt, aber bedeutend jünger ist. Er diente wahrscheinlich Seefahrern als Orientierungszeichen zur Navigation. Auf jeden Fall sieht es ein wenig surreal aus. Leider ist der Halt nur relativ kurz, weil alle anderen Boote auch den obligatorischen Blick erhaschen wollen.

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Weiter geht es zu den Islas Ballestas. Dieses Reservat soll die reichen Vorkommen an Mähnenrobben, Blaufußtölpeln, Pelikanen, Humboldt-Pinguinen und anderen Meeressäugern und Seevögeln schützen. Berühmtes Wahrzeichen war bis August 2007 die Felsformation der Kathedrale von Paracas, die beim Erdbeben in Peru 2007 zerstört wurde. Die Landschaft ist aber dennoch ziemlich beeindruckend und könnte ebensogut irgendwo in Neuseeland sein. Auch die artenreiche Fauna können wir bestaunen. Lediglich die unzähligen Boote stören das Bild. Wir sind zudem ziemlich enttäuscht, dass wir nach etwa einer halben Stunde an der Inselgruppe bereits wieder zurück in Richtung Paracas fahren.

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Nachdem wir nach rund 1 ½ Stunden wieder an Land sind, müssen wir uns ein Collectivo suchen und damit in das 20 Minuten entfernte Pisco fahren. Von dort aus können wir weiterreisen bis nach Lima.

Unser Fazit zu diesem Ausflug: Die Landschaft ist wunderschön und die Tierwelt beeindruckend, aber die Massenabfertigung geht gar nicht! Ob es auch andere Möglichkeiten gibt, diesen Ort zu besichtigen, haben wir nicht weiter ermittelt. Wir würden dies aber jedem empfehlen, der hier einen Stopp einplant.

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