Trinidad

Am darauffolgenden Tag wollen wir um 1 den Bus nach Trinidad nehmen und laut unserem Herbergsvater müssen wir nur zur Viazul-Bushaltestelle gehen und können dort ein Ticket kaufen. Er hat bereits für uns eine neue Bleibe organisiert und wir werden dann am Busbahnhof mit einem Schild mit unseren Namen erwartet. Na gut, das klingt ja einfach. Wir machen uns sodann vollbepackt mit unseren Rucksäcken, die inzwischen beide die 20-Kilo-Marke gut überschritten haben auf den Weg die geschätzten 500 Meter bei 35 Grad zu bewerkstelligen.

Völlig verschwitzt erreichen wir endlich die Bushaltestelle und erfragen, wo wir die Tickets für den Bus kaufen können. So richtig verbindlich kann uns niemand Auskunft erteilen, aber wir finden dennoch eine Tür auf der steht, dass hier das Viazul-Büro ist. Auf einem Schild steht „abierto“ (also geöffnet), aber leider ist niemand da. Man bedeutet uns, hier zu warten, so dass wir uns unmittelbar vor der Tür platzieren und sich nach uns schön langsam eine lange Schlange bildet. Wir warten und warten und warten, aber nichts passiert. Irgendwann kommt ein Angestellter und gibt uns zu verstehen, dass die Tickets nach Trinidad demnächst verkauft werden. Gut, da wir an erster Stelle stehen, sollten wir hoffentlich problemlos Tickets bekommen.

Eine weitere halbe Stunde vergeht und plötzlich kommt Bewegung in die Menschenmenge rein. Allerdings nicht auf unserer Seite, wie wir erwartet haben, sondern im anderen Eck (also weitest möglich von uns weg). Wir kennen uns gar nicht mehr aus. Wenigstens hat keiner Tickets, also wird schon alles passen und es sind zwei Busse, das wird schon hinhauen. Wir teilen uns schließlich auf. Hank verharrt an Ort und Stelle und ich versuche es unter der drückenden Menge. Ich bin ein wenig verdutzt, als der Ticketverkäufer nach und nach die Namen der Passagiere aufruft. Wie jetzt? Wo hat er die denn her? Wir stehen da aber nicht drauf? Schön langsam sind wir ein wenig beunruhigt. Ein anderer Tourist erklärt uns, dass er gestern gekommen ist und sich in die Liste eingetragen hat, damit er heute fahren kann. Aha – gut zu wissen!

Wir hoffen, dass nachdem alle offiziellen Fahrgäste aufgerufen wurden noch Platz im Bus ist und wir somit einfach noch Tickets kaufen können. Als wir dann endlich an der Reihe sind heißt es „no hay mas espacio“ (es gibt keinen Platz mehr) – na wie jetzt? Das ist doch jetzt ein schlechter Scherz oder? Ich bin stocksauer und fluche vor mich hin. Als der Ticketverkäufer dann noch sagt, dass wir auch online hätten buchen können, flippe ich komplett aus. So ein Witzbold, welches Internet bitte? Hank hält mir schon fast den Mund zu, weil ich mich richtig in Rage rede. Zu allem Überfluss quatscht mich dann auch noch so ein Taxi-Gangster von der Seite an und will uns mit dem Taxi fahren. Der hat mir gerade noch gefehlt. Hank hingegen ist zwar auch not amused, kann sein Temperament allerdings in Zaum halten und verhandelt mit dem Taxler, so dass wir wenig später mit noch einem weiteren Touristen, der das gleiche Problem hat in einem Taxi sitzen und damit die 1 ½-stündige Fahrt antreten.

Als ich allerdings das Taxi sehe bleibt mir der Atem weg. So eine Schrottkarre habe ich echt noch nicht erlebt. Die würde bei uns ja noch nicht mal mehr als Stock-Car durchgehen. Die Innenverkleidung ist quasi nicht vorhanden, Möglichkeiten zum Festhalten gibt es auch nicht und von einem Gurt will ich ja noch nicht mal träumen. Ich schwitze ja eh schon, weil es so heiß ist, aber der Fahrstil des Taxifahrers tut sein Übriges, um mir richtig dicke Schweißperlen auf die Stirn zu bringen. Nicht nur, dass er viel zu schnell fährt – nein, er fährt regelmäßig auf der falschen Straßenseite auf eine uneinsichtige Kuppe zu. Gerade, dass mein Leben nicht an mir vorbeizieht, aber ich habe wirklich richtig Angst und nachdem was wir alles erlebt haben, heißt das wirklich was! Als der Taxifahrer dann auch noch an einer Tankstelle anhält und einem Typen ein paar Pesos zusteckt, befürchte ich schon das Schlimmste – nämlich dass er eine Falsche Rum kaufen will, aber diese Vermutung bestätigt sich dann Gott sei Dank doch nicht! Ich bin auf jeden Fall heilfroh, als wir endlich wohlbehalten in Trinidad ankommen!

In Trinidad lassen wir uns vom Taxifahrer gleich zu der Unterkunft bringen, in der wir bereits erwartet werden. So dachten wir uns das zumindest. Der Hausherr schaut auf jeden Fall sehr überrascht, wie er uns da so mit all unserm Gepäck vor der Haustür findet. Seine Frau ist nämlich zum Busbahnhof aufgebrochen, um uns abzuholen. Wie sich sodann herausstellt, hat die Hausherrin am Busbahnhof, nachdem sie vergebens mit ihrem Schild auf uns gewartet hat, kurzerhand zwei andere Touristen aufgegabelt, die jetzt unser Zimmer bekommen sollen. Aha, und was ist jetzt mit uns? Erst dieses heillose Durcheinander in Cienfuegos am Busbahnhof, die Kamikaze-Taxifahrt und jetzt haben wir keine Bleibe?

Doch soweit soll es dann doch nicht kommen, denn irgendwie stecken die doch alle unter einer Decke und wir werden weitervermittelt an eine andere Casa Particulares. Wenig später erscheint Lisy, unsere neue Host, die sich als sehr nett herausstellt. Sie zeigt uns das neue Zimmer und bereitet für uns erstmal Willkommens-Sandwiches und Getränke vor. Sehr nett, wir fühlen uns bei ihr auf Anhieb wohl. Wenigstens ein Lichtblick am heutigen Tag.

Im Anschluss wollen wir aber gleich noch richtig essen und suchen ein nettes Lokal auf. Unglücklicherweise ist die Küche hier wenig abwechslungsreich und erinnert stark an die Optionen in Südamerika. Fleisch oder Fisch dazu trockener Reis. Ganz ehrlich, mir hängt das mittlerweile zu den Ohren raus und ich sehne mich schon nach Mamas leckerer Kochkunst.

Naja, wenigstens erfüllt das Essen seinen Zweck – wir haben keinen Hunger mehr und können uns ein wenig in dem Städtchen umsehen. Wie überall, gibt es auch hier einen zentralen Platz, außerdem viele kolonialen Gebäude und einen Kirchturm, auf den man hochmarschieren kann, was wir auch gleich machen.

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Von oben hat man einen herrlichen Blick auf die kleine Stadt und das umliegende Meer. Einzig die drückende Hitze macht Sightseeing zu einer Tortur.

Das größte Problem in dieser Stadt ist die Beschaffung von Trinkwasser. Die Supermärkte bieten allerlei Schnaps, jedoch keine einzige Flasche Wasser. Frustrierend! Bei 35 Grad, wer braucht denn da schon Wasser? Völlig überbewertet! Offensichtlich sehen die Einheimischen wirklich so, denn man sieht nur verzweifelte Touristen, die das gleiche Problem haben wie wir.

Am nächsten Morgen versuchen wir erneut unser Glück und klappern sämtliche Läden ab, aber leider gibt es auch heute keine Wasserflasche.

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Man schickt uns in sämtliche Läden, aber nirgends scheint es auch nur einen halben Liter zu geben. Zufälligerweise entdecken wir irgendwann eine Bäckerei, die wohl die einzigen Wasserflaschen in der ganzen Stadt hat und sie natürlich zum Wucherpreis an die Touristen verkauft. Aber es hilft alles nichts, aus Mangel an Optionen legen wir hald den überteuerten Preis auf den Tisch.

Damit sind wir ausgestattet für einen Strandtag. Zu unserer Freude gibt es einen öffentlichen Bus, der für 2 CUC pro Person (2 US-Dollar) die 14 km lange Strecke hin und zurück fährt. So stehen wir um 11 Uhr in dem bereits überfüllten Bus und fahren die halbe Stunde, bis wir endlich das Meer genießen können. Es ist hier zwar schon sehr touristisch, aber glücklicherweise noch auszuhalten. Es gibt nur ein wirklich sehr großes Hotel und nicht fünfzig. Wir suchen uns zwei Liegen, die natürlich nicht umsonst sind, aber es ist uns egal. Wir wollen einfach ein bisschen zur Ruhe kommen, nach unserer anstrengenden Reise. Das Wasser ist einfach traumhaft. Wunderschön warm, aber dennoch erfrischend und türkisblau. Wir verweilen hier bis der letzte Bus um 18 Uhr zurück in die Stadt fährt.

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Da wir bereits vermuten, dass noch mehr Leute auf die gleiche Idee kommen, warten wir bereits als erstes auf den Bus. Nach und nach kommen immer mehr Menschen und wir fragen uns schon, wie die alle in den Bus passen sollen. Als der Bus dann schließlich kommt, interessiert natürlich niemanden, wer zuerst an der Bushaltestelle gestanden hat und wir müssen uns ein wenig drängeln, um einen Sitzplatz zu ergattern. Hank kann für uns eine Bank klar machen und das war wirklich wichtig. Der Bus gleicht einem Viehtransport. Wahrscheinlich ist der Bus für 25 Leute zugelassen, aber bestimmt 60 sind drin. Wir sind wirklich froh, dass wir entspannt zurückfahren können. Um die Klimaanlage sind wohl alle froh…

Aus unserem Fehler haben wir gelernt, denn wir planen für den nächsten Tag, gleich in der Früh mit dem ersten Bus um 9 Uhr zum Strand zu fahren und dafür den Nachmittagsbus um 15:30 Uhr wieder zurück zu nehmen. Das erweist sich als eindeutig die bessere Alternative, denn sowohl am Morgen, als auch am Nachmittag ist der Bus viel leerer als am Vortag. Am Strand ist auch noch nicht viel los und wir können uns Liegen in erster Reihe ergattern. Hank würde gerne einen Schnorchelausflug machen, aber anscheinend wird das heute nix. Ich hingegen, will einfach nur ein bisschen in der Sonne bruzeln und gelegentlich ins Wasser gehen. Herrlich!

Die Zeit vergeht wie im Flug und ehe wir uns versehen, heißt es schon die Rückreise antreten. Wir sind auch ganz froh, dass wir dadurch die permanent angepriesene Pizza als Essensoption umgehen können. Am Vortag haben wir Strandessen zu uns genommen – es war – naja was zu Essen, das wars dann auch. In einem laut Lonely Planet guten Restaurant genehmigen wir uns dann ein Fischgericht. Es schmeckt ausnahmsweise mal ein wenig anders, aber das Personal ist ungefähr genauso sympathisch wie ein Zahnarzt, wenn er auf dem Nerv rumbohrt…

Unseren letzten Tag in Trinidad wollen wir nochmal am Strand verbringen, deshalb machen wir es genauso wie am Tag zuvor und nehmen den ersten Bus zum Strand und den Nachmittagsbus wieder zurück.

Hanky ist glücklich, weil er nochmal schnorcheln gehen kann und so sitzt er wenig später in einem Boot und fährt aufs Meer hinaus, während ich auch heute mit einem Buch bewaffnet in der Liege fläze und die Sonnenstrahlen genieße. Nach rund 1 ½ Stunden kommt Hank dann wieder zurück und ist ein wenig enttäuscht vom Riff. Er hat offensichtlich Aitutaki erwartet und da konnte das hiesige Riff leider nicht mithalten. Wenigstens war das Schnorcheln nicht teuer, so kann er es als „okay“ verbuchen.

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Auch heute vergehen die Stunden wie im Flug und ehe wir uns versehen müssen wir schon wieder aufbrechen und den Bus zurück in die Stadt nehmen. Da wir morgen weiter fahren wollen, möchten wir natürlich diesmal nicht den gleichen Fehler begehen und marschieren zum Busbahnhof, um uns am Viazul-Schalter in die besagte Liste einzutragen. Wir stehen an den Nummern 25 und 26 – es sollte diesmal klappen, auch wirklich einen Platz zu bekommen.

Wir folgen anschließend wieder einer Essensempfehlung aus dem Lonely Planet und ich bin erstmals angenehm überrascht, dass es auch mal etwas abwechslungsreich schmecken kann. Das Tropical-Chicken hat sogar eine Soße bei! Na also, geht doch!

Pünktlichst brechen wir am nächsten Tag mit unseren Rucksäcken auf, um zum Busbahnhof zu marschieren. Der Weg dorthin ist glücklicherweise nicht weit, aber dennoch werden wir 2 Blocks entfernt angequatscht, ob wir ein Bici-Taxi (Radtaxi) brauchen. Äh, nein! Die 50 Meter können wir jetzt auch noch gehen – auch wenn wir mittlerweile das Gefühl haben, dass die Rucksäcke mehr wiegen, als wir selbst.

Erfreulicherweise können wir auch gleich Tickets kaufen und sitzen wenig später im gut klimatisierten Bus nach Santa Clara.

Cienfuegos

Die Fahrt von Havanna nach Cienfuegos dauert etwa 4 Stunden und beinhaltet eine längere Pause, die es im Grunde nicht wirklich brauchen würde, weil die Busse gut klimatisiert sind und es sich gut darin aushalten lässt. Gegen 15 Uhr erreichen wir schließlich unser Ziel und werden unmittelbar von einem Radtaxi-Fahrer mit einem Schild mit unseren Namen in Empfang genommen. Er strampelt uns mitsamt unseren Rucksäcken zu unserer nächsten Unterkunft. Offensichtlich ist das mit den Casas Particulares ein riesiges Netzwerk, das die Touristen jeweils weitervermittelt und somit eigentlich das ganze Backpacking in ein Kinderspiel verwandelt. Die Unterkünfte sind aber wirklich gut und die „Vermieter“ kümmern sich gut um die Gäste. Vom Standard her können hier es können es alle Unterkünfte problemlos mit den Hostels aufnehmen, in denen wir bislang genächtigt haben.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, machen wir uns dann erstmal auf den Weg um Nahrung zu finden und das Örtchen auszukundschaften. Unglücklicherweise wirkt Cienfuegos heute und um diese Uhrzeit ein wenig ausgestorben und wir entdecken genau ein einziges Restaurant, das ziemlich gesalzene Preise hat und uns vom Essen her alles andere als umhaut, aber zumindest dem Hungertod sind wir entkommen. Dem Wettergott hingegen können wir nicht entkommen. Es fängt nämlich zu regnen an. Wir schauen daher, dass wir schnellstmöglich zu unserer Casa zurückkommen und hoffen auf bessere Zeiten.

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Die winken schließlich dann doch noch. Gegen Abend rum schaut es freundlich aus und es kündigt sich auch ein schöner Sonnenuntergang an. Zudem ist hier heute Karneval, dem wir uns mal wieder untermischen wollen. Von einem deutschen Familienvater aus unserer Unterkunft werden wir im Vorbeigehen gefragt „Gehtsch aufsch Fescht?“ – äh ja, „sischa geh ma aufsch Fescht!“ und so machen wir uns auf den Weg. Zunächst steuern wir noch zum Parque José Marti und dem Arco de Triunfo, ehe wir uns Richtung Meer begeben und das Farbspiel betrachten, dass sich über die Stadt legt.

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Am Malecon (Meerpromenade) wimmelt es dann von Menschen. Hier ist offensichtlich das „Fescht“. So richtig Stimmung herrscht hier aber dennoch nicht. Schließlich entscheiden wir uns doch für eine Terrassenbar und den ein oder anderen Mojito. Die werden einem hier in Kuba ja quasi aufgedrängt.

Am nächsten Morgen sitzen wir beim Frühstück mit der „Fescht“-Familie und bekommen von der Gastfamilie reichlich Obst, Rühreier und Weggle (wie sie der Feschtmann nennt). Also ich muss gestehen, der Service in den Casas Particulares ist um einiges besser als in den meisten Hostels, die wir auf unserer Reise bewohnt haben. Und für kubanische Preise ist es auch wirklich in Ordnung, auf jeden Fall empfehlenswert. Einzig, wir müssen heute umziehen, weil unser Zimmer schon vorreserviert ist. Das Gute ist allerdings, dass man sich da nicht selbst drum kümmern muss, weil man unmittelbar an den nächsten Herbergsvater vermittelt wird. So werden wir wenig später abgeholt und in unsere neue Bleibe gebracht.

Anschließend wollen wir unseren ersten Ausflug an den kubanischen Strand machen. Leider liegt der Strand von Cienfuegos leider ca. 18 km außerhalb und ist nur mit einem Taxi erreichbar. Für 25 CUC (ca. 25 US-Dollar) werden wir hingebracht und zur gewünschten Zeit wieder abgeholt. Wir sitzen schließlich in einem alten Taxi ohne Anschnallmöglichkeit und der Taxifahrer gibt Gas, richtig Gas. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich ein wenig unbehaglich fühle und unendlich froh bin, als wir unbeschadet am Strand ankommen.

Der Strand selbst ist jetzt kein besonders herausragender Strand, aber durchaus geeignet, um einen Tag zu verweilen. In erster Linie treiben sich hier Einheimische rum, die wild in den Fluten toben und am helllichten Tag Rum aus der Flasche konsumieren. Krass, bei 35 Grad würde es uns wohl nach 3 Schluck aus den Latschen haun, aber nicht so die Kubaner. Wie es scheint, ist das hier völlig normal. Auch ein Baby auf dem Arm hindert die durchschnittliche Kubanerin nicht daran, das Nationalgetränk unmittelbar aus der Pulle zu trinken. Schade ist nur, dass der Müll unmittelbar an Ort und Stelle entsorgt wird. Umweltbewusstsein ist hier offensichtlich nicht vorhanden.

Nichtsdestotrotz genießen wir unseren Aufenthalt und vor allem das angenehm temperierte karibische Meer. Herrlich! Leider ziehen irgendwann ziemlich dicke Wolken auf, so dass wir es uns im anliegenden Restaurant bei einer gigantischen Portion Fisch gemütlich machen.

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Bevor wir abgeholt werden bekommen wir aber nochmal die Gelegenheit an den Strand zu gehen und ein bisschen zu relaxen. Die Rückfahrt mit dem Taxi ist nur unwesentlich besser als die Hinfahrt, aber glücklicherweise kommen wir auch diesmal wieder heil und sicher an unserem Ziel an.

Havanna

Nach einem knapp 6 stündigem Flug landen wir im letzten Land unserer Reise: Kuba. Die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt von Havanna ist nur mit dem Taxi möglich, ein Bus verkehrt hier nicht. Da die Taxi-Fahrer nicht vom Preis von 30 CUC (das sind Convertible Pesos mit denen die Touristen hier zahlen müssen, sie entsprechen im Wert dem US Dollar) abweichen wollen tun wir uns mit 2 Französinnen zusammen, die in etwa das gleiche Ziel haben wie wir. Das kostet dann zwar 40 CUC statt 30, weil es 2 Ziele sind, aber so sparen wir uns zumindest ein wenig. Auf der Straße sehen wir dann auch gleich überall eine von Kubas Attraktionen, die alten US-Schlitten. Dass die hier noch rumfahren wussten wir ja, aber dass es wirklich so viele sind, überrascht uns dann schon. So bestaunen wir also unter der Fahrt die ganzen Oldtimer.

Oldtimer in Kuba
Oldtimer in Kuba

Bald darauf beziehen wir unser Zimmer im von Deutschland aus schon vorgebuchten Park View Hotel, das ziemlich im Zentrum gelegen ist. Über die Hotelbuchung war es laut unserem Reisebüro leichter an eine für die Einreise nötige Touristen-Karte (=Visum) heranzukommen. Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben geht’s auch gleich los in die Straßen der Stadt. Weiterhin sind wir verblüfft von den ganzen Oldtimern die um uns herumschwirren. Dazu kommen noch die prachtvollen alten Häuser. Naja, zugegeben, die meisten sind nicht mehr wirklich prachtvoll, sondern am verfallen, aber wenn man sich vorstellt wie die Bauten vor 50 oder mehr Jahren ausgesehen haben müssen, da bleibt einem die Luft weg. Irgendwann in grauer Vorzeit muss Havanna eine wirklich stinkreiche Stadt gewesen sein! Aber der einstige Glanz ist leider längst verblasst und so gut wie alle Häuser könnten eine Rundumerneuerung vertragen.

Wir schlendern ans Meer zum sogenannten Malecon, das ist eine 8 Kilometer lange Hafenstraße. Hier treffen sich abends viele Einheimische auf ein Bier oder einen Cocktail mit – natürlich – Rum an der Hafenmauer. Und auch viele Touristen sind da und genießen den Sonnenuntergang. Da sind wir natürlich gern dabei und unsere Kameras sowieso ;-) Nachdem die Sonne weg ist marschieren wir wieder Richtung unserer Unterkunft. Unterwegs fällt uns ein, dass unsere Wasserflasche inzwischen leer ist, also wollen wir noch schnell welches kaufen. Stellt sich uns bloß die Frage: wo? Irgendwie sehen wir nirgendwo die aus Südamerika gewohnten kleinen Verkaufsstände oder Tante-Emma-Läden. Nach einigem Suchen stehen wir dann aber doch in einem Mercado und sehen uns nach Wasser um. Wir finden: Rum, Rum, Rum und noch mehr Rum. Wasser: Fehlanzeige! Also suchen wir weiter, im nächsten kleinen Laden gibt es aber auch nichts. Wenigstens deuten uns die Einheimischen den Weg zu einem Laden in dem es auch Wasser gibt. Den finden wir, er hat allerdings schon zu. Wir suchen weiter, fragen herum (und bekommen natürlich von jedem eine andere Antwort wo wir hin müssen) und landen schließlich in einer kleinen Kneipe wo wir zwei kleine Wasserflaschen erstehen können. Immerhin etwas. Die erste ist zwar schon wieder leer als wir im Hotel ankommen, weil es echt sehr warm ist, aber mit der anderen müssen wir jetzt eben über die Nacht kommen.

abends am Malecon
abends am Malecon

Am nächsten Morgen müssen wir uns erst einmal eine neue Unterkunft suchen, da wir das Hotel nur für eine Nacht gebucht haben. Es gibt hier allerdings keine Hostels wie überall anders auf der Welt, sondern sogenannte Casas Particulares. Das sind private Wohnungen, in denen man ein Zimmer bekommt. Klingt im ersten Moment so, als ob man da in irgendwelche dunklen Zimmerchen abgeschoben wird, ist aber nicht so. Die Regierung scheint es ziemlich strikt zu überwachen, dass die Zimmer gut in Schuss und sicher sind (und wer wann wo unterkommt). Allerdings kassiert sie auch kräftig mit bei den Einnahmen. Wir steuern eine im Lonely Planet als sehr gut beschriebene Unterkunft an. Dort haben sie zwar keinen Platz für uns, aber natürlich haben sie eine Freundin um die Ecke, die ebenfalls Zimmer vermietet und uns aufnehmen kann. So landen wir bei einer älteren Dame und bekommen sogar ein ganzes Appartement. Wir haben Bad, Küche, Wohnzimmer, zwei Schlafzimmer und sogar einen kleinen Balkon für uns. Im Vergleich zu unserem Hotelzimmer haben wir uns auf jeden Fall verbessert.

Nachdem wir uns eingerichtet haben ziehen wir wieder los und sehen uns in unserem Stadtteil, Centro Habana, um. Es gibt jede Menge tolle alte Gebäude zu betrachten. Heraus sticht das Edificio Bacardi, das ehemalige Hauptquartier der Rum-Familie. Aber auch das Treiben in den Straßen ist gut anzusehen. Die Kubaner sitzen eigentlich immer in ihren Hauseingängen herum, spielen Schach oder Domino, halten ein Schwätzchen mit den Nachbarn und so weiter. Bei vielen darf natürlich dabei eine Zigarre nicht fehlen. Das Flair dieser Stadt gefällt uns sehr gut.

Für unsere Mittagspause steuern wir mal wieder ein im Reiseführer angepriesenes Restaurant an, das „Los Nandos“. Am Eingang werden wir etwas stutzig, ob das wirklich das richtige für uns ist, es gibt einen Türsteher und ich muss mir ein Sakko über mein ärmelloses Shirt ziehen das er hinter der Tür hervorzaubert. Im Restaurant müssen wir dann erstmal im Wartebereich Platz nehmen. Von hier aus sehen wir schon, dass dieses Restaurant wirklich sehr nobel ist und befürchten, dass uns das zu teuer sein wird. Nach einigen Minuten wird uns dann ein Platz zugewiesen und wir bekommen die Speisekarte. Nach einem Blick in selbige sind wir echt sehr überrascht, die Preise sind normal, um nicht zu sagen fast schon günstig. Nicht schlecht für dieses Ambiente: wir sitzen an einem edlen Holztisch, der wie in einem 5-Sterne-Restaurant gedeckt ist. Auch die sonstige Einrichtung ist vom Feinsten. Und das Essen ist dann auch noch sehr gut, was will man mehr.

Nach dem guten Essen springen wir am Parque Central spontan wieder in einen oben offenen Doppeldeckerbus für eine Stadtrundfahrt. Das ist in so großen Städten einfach praktischer als alles zu laufen. In der etwa eineinhalb Stunden dauernden Rundfahrt kommen wir an allerlei Statuen und Denkmälern vorbei, sowie mehreren Plätzen, großen Gebäuden, einem riesigen Friedhof und dem Strand. Man hätte auch die Möglichkeit unterwegs auszusteigen und später im nächsten Bus weiterzufahren, aber für Erkundungen auf eigene Faust ist es uns im Moment viel zu warm. Nachdem wir wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen sind, kehren wir auch in unser Appartement zurück und legen die Füße ein wenig hoch. Zum Sonnenuntergang wollen wir dann wieder zum Malecon aufbrechen.

Volksheld: Ernesto Che Guevara
Volksheld: Ernesto Che Guevara

Zuvor holt uns aber wieder das Trinkwasser-Problem ein. Also machen wir uns auf Richtung Hauptstraße. Wie gestern ist uns aber kein Erfolg vergönnt und wir steuern planlos umher. Da fragt uns ein junges Pärchen mit Kinderwagen ob sie uns helfen können. „Ja“ sagen wir, „wir suchen einen Laden der uns Wasser verkauft“. Kein Problem, die beiden erklären uns den Weg. Wir fragen nochmal nach ob wir alles richtig verstanden haben, da sagen die beiden kurzerhand sie bringen uns hin. Das ist ja nett. Wäre zwar nicht nötig, aber jetzt sind sie schon auf dem Weg. Also folgen wir ihnen und quatschen dabei ein wenig. Unterwegs meint Francesco, so heißt er, er zeigt uns noch eben eine Bar, in die Fidel Castro jedes Jahr an seinem Geburtstag kommt. Sie sieht zwar sehr unscheinbar aus, aber hier hängen auch einige Fotos und Zeitungsausschnitte an der Wand mit Fidel in der Bar.

Francesco erzählt und erzählt und ehe wir es uns versehen sitzen wir an einem Tisch und bestellen Refrescos (=Erfrischungsgetränke). Statt einem Limo bekommen wir zwar einen Mojito, aber so einen wollten wir ja heute eh trinken gehen. Es ist echt nett und so gibt es noch eine zweite Runde. Irgendwann kommen wir dann irgendwie auf das Thema Zigarren. Francesco verschwindet kurz, kommt wenig später mit einer Zigarre zurück und drückt sie mir in die Hand. Da komme ich dann wohl nicht mehr aus. So richtig abgewinnen kann ich dem Rauchen dieses Dings zwar nichts, aber irgendwie ist es doch witzig und gehört auch zu Kuba.

Kuba pur: Mojito & Zigarre :-)
Kuba pur: Mojito & Zigarre :-)

Wir meinen dann, dass wir eventuell welche als Souvenir mitnehmen und wieder verschwindet Francesco, um kurz darauf mit einer 25er Schachtel Cohibars zurückzukommen. Spezialpreis für uns 100 CUC. Ähm, das wollten wir jetzt aber nicht, irgendwie wandelt sich die tolle Atmosphäre ins Unangenehme und wir sind plötzlich auf einer Verkaufsveranstaltung. Wir bleiben aber hart und kaufen auch nicht das 5er Päckchen. Danach wird ganz schnell die Rechnung bestellt. Wir staunen nicht schlecht, als darauf 48 CUC für die 8 Getränke stehen. 6 CUC für ein Refresco in einer angeblich billigen Bar für Kubaner. Das ist heftig. Ich lege unsere Hälfte in das Schälchen, aber Francesco und seine Frau machen keine Anstalten selbiges zu tun. Es wird wohl erwartet dass wir zahlen. Interessiert uns nicht. Der Wirt fragt zwar dann nach wo das restliche Geld ist, aber als ich erkläre, dass wir nur unseren Teil zahlen ist das auch in Ordnung. Auch die Hälfte ist noch viel zu viel! Aber wir haben halt den Fehler gemacht nicht nach dem Preis zu fragen, ganz kommen wir aus der Nummer also nicht mehr raus. Naja, hilft ja nix.

So kehren wir also etwas frustriert in unser Appartement zurück. Sonnenuntergang am Malecon haben wir verpasst, Wasser auch keines gefunden. Das Schlimme sind gar nicht die überteuerten Drinks, sondern die Enttäuschung, dass man echt niemandem trauen darf hier. Und dabei sind wir noch von unserer Herbergsmutter gewarnt worden: „Die Leute hier auf der Straße sind alle super nett zu Dir, aber im Endeffekt wollen sie alle nur Dein Geld“. Stimmt wohl so. Einerseits zwar irgendwie schon auch zu verstehen, andererseits halt auch unendlich schade, weil dann auch die Leute die wirklich helfen wollen oder an einem Gespräch interessiert sind (vielleicht gibt’s die ja doch auch irgendwo in dieser Stadt) ein „No, gracias!“ hingeknallt bekommen wenn sie einen ansprechen.

Am nächsten Tag machen wir uns wieder zu Fuß auf den Weg. Heute auf dem Programm: der benachbarte Stadtteil „Habana Vieja“. Auf dem Weg dorthin passieren wir wieder die ein oder andere Statue und x tolle alte Gemäuer. Highlight ist für mich eine Polizeistation, die in einer kleinen gut erhaltenen Burg untergebracht ist. Das passt irgendwie mit den alten vergitterten Fenstern *g* Als nächstes kommen wir an der Kathedrale vorbei und stehen dann mal wieder auf einer Plaza de Armas. Als wir gerade überlegen wo wir als nächstes hingehen fängt es an zu tröpfeln. Wir suchen Schutz unter den Bögen eines alten Palacios und hoffen, dass es nur ein kurzer Schauer ist.

Polizeifestung
Polizeifestung

Diese Hoffnung ist nach einigen Minuten dahin, es schüttet wie aus Eimern und gewittert. Da es eh schon wieder Mittag ist beschließen wir aus der Not eine Tugend zu machen und essen zu gehen. Das Problem ist nur, dass das angepeilte Restaurant einen Block entfernt ist. Trocken werden wir da wohl nicht hinkommen. Was an und für sich kein Problem wäre (warm ist es ja immer noch), hätte Carina nicht ihre Kamera dabei. Die Lösung besteht aus einer Plastiktüte vom nächsten Souvenirstand. Unter den ungläubigen Blicken der anderen Regen-Flüchtlingen hier sprinten wir los und kommen kurze Zeit später völlig durchnässt am Restaurant an. Wir befürchten schon nicht reingelassen zu werden so nass wie wir sind. Aber die Tür wird geöffnet und man reicht uns gleich mal Servietten zum Abtrocknen. Carina bekommt außerdem eine Tischdecke, um sich darin einzuwickeln. Na das nenne ich doch mal Service! ;-)

Während wir essen hört es dann auch wieder auf zu regnen und so können wir unsere Runde fortsetzen. Da es aber am Horizont immer noch dicke dunkle Wolken hängen beeilen wir uns etwas und machen uns bald schon auf den Heimweg. Nicht zu spät wie sich herausstellt, unterwegs fängt es wieder das Tröpfeln an und kurz bevor wir ankommen setzt stärkerer Regen ein. Dank der vielen Balkone an den Gebäuden kommen wir dieses Mal aber relativ trocken an unserem Ziel an.

Abends brechen wir dann nochmal an den Malecon auf. In Havanna ist heute Karneval, das wollen wir uns doch mal ansehen. Von dem Treiben sind wir dann aber doch etwas enttäuscht. Die große Veranstaltung hat auch noch gar nicht angefangen (sollte eigentlich schon laufen nach unseren Infos) und es kann uns auch keiner so recht sagen wann es losgeht. Da sich nach eineinhalb Stunden immer noch nichts getan hat und wir beide im Grunde eh keine großen Faschings-Fans sind, machen wir uns wieder auf den Rückweg in die Unterkunft.

Der nächste Tag ist dann recht schnell erzählt: eigentlich wollten wir heute schon weiterfahren, haben aber keine Bustickets bekommen. Also verbringen wir den Tag mit Faulenzen und Lesen. Es ist ja immerhin Wochenende, da wird das mal erlaubt sein ;-)

Am nächsten Morgen werden wir dann von einem alten Ami-Schlitten-Taxi zum Busbahnhof gebracht. Die Fahrt in dem alten Ford macht schon Spaß, auch wenn man sein eigenes Wort nicht versteht und ich gar nicht wissen will wieviel Benzin die Karre schluckt. Aber an Benzin scheint es auf Kuba nicht zu mangeln, es fahren ja genug der alten Kutschen durch die Straßen. Nach einer 15 minütigen Fahrt kommen wir am Busbahnhof der Firma Viazul an, geben unser Gepäck auf und warten auf unsere erste kubanische Busfahrt.

Lima

In Pisco nehmen wir zur Abwechslung mal wieder einen Localbus, um die peruanische Hauptstadt zu erreichen. Die Fahrzeit beträgt nur ca. 4 Stunden, so dass wir in Anbetracht des Preises von lediglich 15 Soles schnell überzeugt sind. Unterwegs beachten wir jegliche Warnungen und werfen regelmäßig einen Blick auf die Gepäckklappe. Es soll schon häufiger in derartigen Bussen vorgekommen sein, dass Touristen ihres Gepäcks beraubt worden sind. Glücklicherweise kommen wir mitsamt unseren Habseligkeiten in unserm letzten südamerikanischen Ziel an.

Lima ist mit etwa 10 Millionen Einwohnern nicht nur die Landeshauptstadt, insgesamt lebt etwa ein Drittel der Bevölkerung in der dick im Smog liegenden Küstenstadt. Laut unserem Lonely Planet gibt es hier einige gefährliche Gegenden, wozu zu unserem Bedauern leider auch das historische Stadtzentrum und die Gegend um die Busbahnhöfe gehören. Wir sind kaum aus unserem Bus ausgestiegen, werden wir schon wieder von allen Seiten angesprochen und man versucht, uns in ein Taxi zu verfrachten. Zwei junge Mädels sprechen uns auf Englisch an und weisen uns ebenfalls auf die Gefahren dieser Gegend hin und wir sollen doch schnellstmöglich ein sicheres Taxi nach Miraflores, dem Touristenzentrum in dem auch das von uns vorgebuchte Hotel liegt, nehmen. Wir schauen ein wenig verdattert und ehe wir uns versehen winken uns die beiden Mädels ein Taxi, verhandeln den Preis für uns und wir sitzen wenig später auch schon drin und werden sicher zu unserer Unterkunft gebracht. Hinterher kommt uns dann der Gedanken, dass diese Art von Touristenfürsorge auch genauso gut eine Finte hätte sein können, da es wohl in Peru ein gängiges Problem ist, dass Touristen von dubiosen Taxis in entlegene Gegenden gebracht werden, wo sie dann ausgeraubt werden. Hmm, Glück gehabt – aber wie zum Teufel soll man die wirkliche Hilfsbereitschaft von Hinterlistigkeit unterscheiden ohne die ehrlichen und freundlichen Bürger zu beleidigen? Das ist wohl wirklich ein schmaler Grat und wir haben leider keine Antwort darauf gefunden. Falls jemand eine hat, kann er sie uns gerne mitteilen.

Nachdem wir unsere Unterkunft in Miraflores bezogen haben, machen wir uns auf den Weg zum zentralen Plaza und stellen schnell fest, dass wir hier in der Touristenhochburg dieser Metropole gelandet sind. Westliche Lokale an allen Ecken mit einem entsprechenden Preisniveau. Da ich mich allerdings inzwischen ein bisschen satt gegessen habe von den typischen Gerichten bestehend aus einem Stück Fleisch oder Fisch und Reis mit Kartoffeln ohne jegliche Soße bei, schreckt mich anders als Hank der Preis nicht wirklich ab. Am Ende finden wir dann doch eine westliche Option, die uns beiden gefällt.

Den Abend lassen wir dann gemütlich ausklingen, da wir aufgrund der frühen Morgenstunde, zu der wir aus den Federn mussten, doch ein wenig angeschlagen sind.

Den nächsten Tag beginnen wir in üblicher Manier mit einem üppigen Frühstück, ehe ich mich mit meiner Tagesgestaltung durchsetzen kann: Shopping! Juppie, hier in Lima gibt es auch reichlich gute Shoppingcenter, die alles anbieten, was das Frauenherz begehrt. Unglücklicherweise nur, dass unser beider Rucksäcke bereits bis auf den letzten Zentimeter vollgestopft sind. Ich muss mittlerweile sogar schon mein Schlafsack außen anbauen, damit ich alles unterbringe. Das hält mich allerdings nicht davon ab, mir mein obligatorisches Hardrock-Café T-Shirt zu kaufen. Leider liegt das hiesige Café nicht unbedingt in unserer Gegend, so dass wir ein Taxi zum Jockey Plaza nehmen und mit den Taxi-Gangstern in Preisverhandlungen treten müssen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat man uns abgezogen und wir haben zu viel bezahlt, aber es ist dennoch der sicherere Weg als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, deren Durchsichtigkeit Gringos wie uns wahrscheinlich nicht gerade mit einer Einladung anspringt. Mit wieder einem Teil mehr, das in meinem Rucksack Platz finden muss, erkunden wir auch noch die unzähligen Geschäfte, die es hier zu erkunden gibt. Nach einer gefühlten Ewigkeit und unzähligen Shops, werden wir der frustrierenden Tätigkeit, wenn man nichts kaufen kann, doch ein wenig müde und kehren wieder nach Miraflores zurück. Komisch, diesmal zahlen wir mit dem Taxi gleich fast ein Drittel weniger. Alles Verbrecher!!

Wenigstens können wir in unserer Unterkunft mal wieder richtig gut schlafen und sind am nächsten Tag wieder voller Tatendrang. Da wir keinen konkreten Plan haben, außer das Stadtzentrum noch ein wenig zu erkunden, kommt es, dass wir einfach blind drauf loslaufen und wieder in Richtung zentralem Platz in Miraflores steuern. Dort erblicken wir einen von den Touristenbussen, der Stadtrundfahrten anbietet, die zwar nicht ganz billig sind, aber in Anbetracht der Größe dieser Stadt und der Gefahrenzonen vielleicht eine gute Alternative darstellt. Wir haben sogar Glück, in 5 Minuten startet die nächste 4-stündige Tour, die auch einen Museumsbesuch beinhaltet. Spontan kaufen wir zwei Tickets und finden uns nur einen Wimpernschlag später in dem oben offenen Tourbus wieder. Und schon geht es los.

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Wir durchqueren sämtliche Stadtviertel und sind erstaunt über die Luxusbunker, die teilweise am Straßenrand aus dem Boden gestampft wurden. Manche Gegenden könnten genauso gut in deutschen Millionenstädten gefunden werden, während andere das Gefühl einer Dritte-Welt-Stadt auslösen. Überall gibt es Straßenverkäufer, die sämtlichen Ramsch unter die Leute zu bringen versuchen. Unsere Aufmerksamkeit findet vor allem ein älterer Herr, der den Autofahrern an den Ampeln Steinschleudern verkaufen will. Aha, interessant. Wie kommt der Mann darauf, dass dieses Geschäft lukrativ sein könnte? Die Eisverkäuferin neben ihm lasse ich mir ja noch eingehen, aber eine Steinschleuder? Unweit von diesem Herrn entfernt, erblicken wir einen ebenfalls älteren Herrn, der den Autofahrern Plastikschweine verkaufen möchte. Wir sind amüsiert und fasziniert zugleich und versuchen, uns eine derartige Szenerie irgendwo auf dem Mittleren Ring vorzustellen. Wahrscheinlich wären die Männer in den weißen Kitteln nicht weit…

Nach rund einer halben Stunde im Bus kommen wir auch schon bei dem Gold- und Waffenmuseum an. Die Guidin ist voll süß und erkundigt sich gefühlte hundert Mal bei uns, ob wir ihrem Spanisch folgen können, aber da sie wirklich gut artikuliert und langsam spricht, können wir bis auf ein paar Fachbegriffe ihre Erklärungen verstehen. Beim Betreten des Museums stechen uns gleich die überall befindlichen Ritterrüstungen ins Auge und wir sind einigermaßen irritiert. Peruanisches Mittelalter? Offensichtlich Überreste aus der spanischen Kolonialzeit und auch das Waffenarsenal ist sehr vielfältig. Von Revolver über Pistolen, Schrotflinten und Kanonen ist alles vorhanden. Unser Rundgang führt uns aber schwerpunktmäßig durch das Goldmuseum. Hier kann man sämtliche Goldfunde aus den verschiedensten Epochen bestaunen und die Guidin trägt wesentlich dazu bei, dass selbst ich als bekennender Nicht-Museum-Fan mich nicht langweile.

Nach rund 1 ½ Stunden geht es mit dem Tourbus weiter in Richtung des historischen Stadtzentrums. Leider ist es hier in der Stadt wirklich ziemlich smoggy, so dass das Sichtfeld ein wenig eingeschränkt ist. Außerdem ist es ziemlich frisch so „oben ohne“, so dass uns die Fahrt bis ins Zentrum ziemlich lang erscheint. Dort werden wir allerdings nicht enttäuscht, der historische Mittelpunkt kann wirklich mit vielen schönen Kolonialgebäuden auftrumpfen und an jeder Ecke gibt es irgendwas zu sehen. Tatsächlich sehen wir hier nur wenige Touristen. Anscheinend ist das Zentrum wirklich nicht die sicherste Gegend der Stadt, aber trotzdem mit Abstand die authentischste. Hier sieht die Stadt erstmals aus, wie eine südamerikanische Stadt auszusehen hat. Besonders schön ist der Plaza San Martin, der umgeben ist von prachtvollen Gebäuden und der Plaza de Armas, der mit seinen unzähligen Palmen einfach nur zum Relaxen einlädt. Schade, dass es sich bei dem Tourbus nicht um einen Hop-on, Hop-off Bus handelt. Gerne wären wir noch eine Weile hier geblieben, aber nachdem das nicht geht, kehren wir zusammen mit den anderen Tourteilnehmern zurück nach Miraflores. Der Bus fährt noch an der Küste entlang und wir können eine ganze Versammlung an Paraglider beobachten, die sich hier austoben.

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Mit etwas Verspätung kehren wir dann wieder zum Ausgangspunkt zurück. Insgesamt müssen wir sagen, dass uns diese Stadtrundfahrt eigentlich ganz gut gefallen hat. Sie bietet in Städten dieser Größe einfach eine gute und einfache Möglichkeit möglichst viel zu sehen und erspart einem die genaue Planung der Route. Wir würden sie auf jeden Fall weiterempfehlen, auch wenn wir grundsätzlich keine Fans von touristischen Touren sind.

Ach ja, am zentralen Platz in Miraflores ist uns noch etwas aufgefallen. Überall wimmelt es von Katzen in allen Farben, Rassen und Altersklassen. Hank ist natürlich in seinem Element. Wir entdecken schließlich ein Plakat, wonach man die Katzen adoptieren kann. Einen kurzen Moment überlegen wir, ob wir eine adoptieren sollen und sie im Tausch gegen unseren Jack den Hütern anbieten sollten. Projekt scheitert allerdings an der Transportmöglichkeit – sorry Linda und Toni!

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Ica & Umgebung

Trotz des angekündigten Entertainmentangebots im Luxusbus von Cruz del Sur erscheint die Fahrt nach Ica schier endlos. Dies liegt hauptsächlich daran, dass wir kaum schlafen können. Es mangelt zwar nicht an Bequemlichkeit, aber die Straßen sind relativ uneben und vor allem sehr kurvenreich. Das haben Gebirgsketten wohl so an sich. Zudem ist die Straße wegen Bauarbeiten zwischendurch gesperrt und wir müssen zwei Stunden warten, ehe wir weiter fahren können. Insgesamt dauert unsere Fahrt sodann anstatt 16 ganze 18 Stunden. Gegen 8 Uhr morgens erreichen wir endlich Ica, eine kleine Stadt mit „nur“ rund 200.000 Einwohnern, die sich auf einer Höhe von 400 Metern befindet. Nach etwa 5,5 Wochen auf etwa 3.000 Höhenmetern nähern wir uns endlich wieder dem Meeresspiegel.

Am Busbahnhof werden wir gleich wieder von den üblichen Taxigangstern überrumpelt. Wir entscheiden uns deshalb für einen älteren Herren, der uns vertrauenswürdig erscheint und der mit 5 Soles für die Fahrt einen vernünftigen Preis anbietet. Super, denken wir uns und steigen ein. Nach etwa 2 Minuten stellt sich schließlich heraus, dass er den Preis pro Person haben möchte. So haben wir aber nicht gewettet, guter Mann! Trotz unseres vehementen Widerspruchs bleibt der Alte stur und beharrt auf sein Geld. Er liefert uns an unserer Unterkunft ab, aber lässt sich nicht abschütteln. Letztendlich zahlen wir ihm 6 Soles für uns beide zusammen, aber trotzdem sind wir ein bisschen genervt von dieser Verhandlungsstrategie. Da fühlt man sich schon ein bisschen wieder Gelackmeierte!

Wir beziehen anschließend unser Zimmer und müssen erstmal ein bisschen rasten. Diese Nachtbusse sind zwar grundsätzlich eine super Sache, aber der nächste Tag ist meistens ein bisschen für die Tonne, weil man ziemlich müde und fertig ist. Aus diesem Grund ist die Produktivität des heutigen Tages auch ziemlich eingeschränkt, aber morgen, da starten wir durch…

Gesagt, getan! Pünktlich um 7 sind wir hellwach und bereit die Gegend zu erkunden, naja fast. Erstmal ein leckeres Frühstück, die heißen Duschen nutzen und dann kann es losgehen. Halt, irgendwie ist es doch auch schon wieder kurz nach 11 bis wir endlich loskommen. How comes? Keine Ahnung!

Leider ist das Wetter nicht gerade besonders, es ist ziemlich diesig und die Sicht ist ein wenig bescheiden, aber wir machen uns dennoch zu Fuß auf den Weg zum Plaza de Armas. (auch in Ica der Name des zentralen Platzes) Da wir aber ein bisschen ab vom Schuss sind, müssen wir rund 30 Minuten marschieren, ehe wir das Stadtzentrum erreichen. Und das ist – naja sagen wir es vorsichtig – nicht gerade der „Place to be“! In der Mitte gibt es einen Brunnen, außen herum einige unspektakuläre Gebäude und die üblichen Almosensammler, die man überall findet.

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Wir beobachten das Treiben eine Weile von einer Parkbank aus, ehe wir uns entschließen, hier auch gleich ein Mittagessen zu uns zu nehmen, wenn wir schon mal da sind.

Wenig später sitzen wir in einem kleinen Restaurant und stellen fest, dass in Peru andere Regeln für einen guten Service gelten, als bei uns. Angenommen in Deutschland würde man einen Burger mit Pommes bestellen und die Pommes erst eine halbe Stunde nach dem Burger serviert bekommen, oh oh, da wär der Teufel los. Hier hingegen sieht man das nicht so eng. Ich bin zwar nicht unbedingt begeistert, aber akzeptiere dennoch ohne Murren meine Pommes als Dessert. Tja, andere Länder – andere Sitten!

Anschließend nehmen wir ein Tuktuk – ja die heißen hier tatsächlich genauso wie in Asien – zurück zu unserem Hostel. Wir wollen in die Oase Huacachina fahren, aber nachdem inzwischen richtig die Sonne rausgekommen ist, müssen wir zunächst in luftigere Kleidung wechseln. Ich bin froh, dass endlich mal wieder meine Flipflops zum Einsatz kommen.

Huacachina liegt etwa 4 km außerhalb von Ica und ist eine Lagune mitten in der Wüste. Ja richtig – in Peru gibt es eine Wüste mit richtigen Sanddünen und da wollen wir jetzt hin. Wir springen schnell wieder in ein Tuktuk und nach wenigen Minuten sind wir auch schon dort. Der Anblick überrascht uns doch ziemlich. So wirklich passt das hier nicht her, aber wir sind dennoch begeistert. Umgeben von hohen Dünen befindet sich ein See, auf dem Tretboote schippern und es tummeln sich überall Menschen rum, die die Sonne genießen. Wir gesellen uns gleich mal dazu. Herrlich!

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Schließlich schnappen wir uns für 10 Soles zwei Sandboards und erklimmen die Sanddünen. Wir haben beide noch nie Sandboarding ausprobiert und sind gespannt, wie wir uns anstellen werden. Wir ahnen allerdings schnell, dass das nicht so einfach sein wird, denn anders als bei einem Snowboard, haben diese Boards ziemlich provisorische „Bindungen“, die lediglich aus Klettverschlüssen bestehen. Wir lassen uns davon aber nicht beirren und erklimmen einen Hügel, wo wir uns gleich mal an den Boards ausprobieren. Schnell bewahrheitet sich die bereits angenommene Theorie. Mit diesen Brettern hat man so gut wie gar keinen Halt, man kann nur versuchen, sich irgendwie darauf zu halten, aber von einer Kurve fahren, kann gar keine Rede sein. Es macht uns aber dennoch sehr viel Spaß und so toben wir zwei Stunden wie kleine Kinder herum und machen einige lustige Fotos. Selbstverständlich landen wir auch desöfteren im Sand und sind schließlich von oben bis unten voll davon. Insgesamt muss ich aber sagen, dass Snowboarden viel besser ist und vor allem auch viel einfachen. Selbst wenn man auf den Sandboards eine richtige Bindung hätte, ist es mit Sicherheit schwieriger das Board zu drehen, weil es sich regelmäßig im Sand eingräbt. Trotzdem ein sehr lustiges Unterfangen!

Zum Sonnenuntergang platzieren wir uns dann in einem der vielen Seerlokale und genehmigen uns die peruanische Spezialität Pisco Sour, bevor wir mit einem Tuktuk wieder zurück in die Stadt fahren.

Den nächsten Morgen heißt es wieder zeitig aufstehen. Wir werden um 6:45 Uhr für eine Tour abgeholt und wollen gleich all unsere Habseligkeiten mitnehmen. Mit einer kleinen Verspätung kommt unser Shuttle dann um 7:00 Uhr, aber dafür ist der Bus schon vollzählig. Es geht eine Stunde zu der nahe gelegenen Halbinsel Paracas, von wo aus wir mit dem Boot zu den Islas Ballestas fahren wollen.

Wie wir relativ schnell feststellen müssen, scheint diese Tour das touristischste zu sein, was wir auf unserer ganzen Reise unternommen haben. Am Hafen tummeln sich bereits hunderte Menschen und wollen wohl ebenfalls mit dem Boot zu der Inselgruppe fahren, die den Beinamen „Galapagos des kleinen Mannes“ trägt. Auch wenn uns der Menschenauflauf gar nicht gefällt, wollen wir uns davon nicht den Ausflug vermiesen lassen. Nach rund einer halben Stunde des Gedrängels am Hafen, sitzen wir endlich in einem der zig Boote und schippern zu den Inseln.

Zuerst besichtigen wir eine große Felszeichnung, der Candelabro de Paracas (Der Kerzenleuchter von Paracas), der den Nazca-Linien ähnelt, aber bedeutend jünger ist. Er diente wahrscheinlich Seefahrern als Orientierungszeichen zur Navigation. Auf jeden Fall sieht es ein wenig surreal aus. Leider ist der Halt nur relativ kurz, weil alle anderen Boote auch den obligatorischen Blick erhaschen wollen.

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Weiter geht es zu den Islas Ballestas. Dieses Reservat soll die reichen Vorkommen an Mähnenrobben, Blaufußtölpeln, Pelikanen, Humboldt-Pinguinen und anderen Meeressäugern und Seevögeln schützen. Berühmtes Wahrzeichen war bis August 2007 die Felsformation der Kathedrale von Paracas, die beim Erdbeben in Peru 2007 zerstört wurde. Die Landschaft ist aber dennoch ziemlich beeindruckend und könnte ebensogut irgendwo in Neuseeland sein. Auch die artenreiche Fauna können wir bestaunen. Lediglich die unzähligen Boote stören das Bild. Wir sind zudem ziemlich enttäuscht, dass wir nach etwa einer halben Stunde an der Inselgruppe bereits wieder zurück in Richtung Paracas fahren.

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Nachdem wir nach rund 1 ½ Stunden wieder an Land sind, müssen wir uns ein Collectivo suchen und damit in das 20 Minuten entfernte Pisco fahren. Von dort aus können wir weiterreisen bis nach Lima.

Unser Fazit zu diesem Ausflug: Die Landschaft ist wunderschön und die Tierwelt beeindruckend, aber die Massenabfertigung geht gar nicht! Ob es auch andere Möglichkeiten gibt, diesen Ort zu besichtigen, haben wir nicht weiter ermittelt. Wir würden dies aber jedem empfehlen, der hier einen Stopp einplant.