Colca Canyon

Wie bereits angekündigt, müssen wir für unsere Tour besonders früh aufstehen. Pünktlich um 02:50 Uhr klingelt der Wecker. Ja, richtig gelesen! Um zehn vor drei in der Nacht müssen wir aus den Federn, weil wir zwischen drei und halb vier abgeholt werden. Das ist wirklich eine unmenschliche Uhrzeit und so packen wir schlaftrunken unsere restlichen Sachen für den dreitägigen Ausflug und können glücklicherweise unsere großen Rucksäcke während der Zeit in unserem Hostel bunkern.

Zu unserer Überraschung ist unser Abholservice überpünktlich und wir sind nicht unnötig früh aufgestanden. Der 15-sitzige Bus ist bereits gut gefüllt und wir müssen uns die letzte Reihe zwischen zwei etwas – naja sagen wir‘s mal freundlich – unangenehm riechende und platzverschwenderische Amerikaner quetschen. Das ist für die anstehenden 3 Stunden nicht gerade die komfortable Variante und mit Schlafen wird es auch schwierig, aber da haben wir ja schon ganz anderes erlebt.

Gegen 7 Uhr erreichen wir die Ticketstation zum Canyon. Der Eintrittspreis war leider nicht in den Tourpreis inbegriffen, so dass wir hier nochmal 70 Soles pro Person (rund 17,50 Uhr) blechen müssen, ehe wir passieren dürfen. Mit dem Bus geht es dann nochmal rund 15 Minuten bis nach Chivay, ein kleines Örtchen, in dem wir unser Frühstück bekommen. Wir stärken uns nochmal reichlich, bevor es dann weiter geht zum Cruz del Condor. Auf dem Weg dorthin rutscht mir das Herz noch schnell mal in die Hose, als wir durch einen unbeleuchteten Tunnel fahren und – ich weiß nicht, ob es ein Joke des Busfahrers war, oder ein technischer Defekt – plötzlich das Licht des Busses ausfällt. Wir fahren also mit rund 50 km/h in der totalen Dunkelheit. Und damit meine ich auch wirklich totale Dunkelheit, denn man sieht GAR nichts! Gott sei Dank aber geht das Licht nach wenigen Sekunden wieder an und mein Herzschlag normalisiert sich wieder.

Nach diesem morgentlichen Schock geht es dann zum angekündigten Cruz del Condor, von wo aus man den ersten Blick auf den Colca Canyon erhaschen kann und die gigantischen Kondore, mit einer Flügelspannweite von bis zu 3 Metern bestaunen kann. Hier halten wir uns etwa 45 Minuten auf und wir haben Glück, dass wir gleich eine ganze Menge Kondore sehen können. Schade nur, dass sich keiner für ein Portraitfoto in Schale wirft…

20140718082619IMG_9119

Gegen neun Uhr brechen wir dann auf, um zum Ausgangspunkt unserer Wanderung namentlich Cabanaconde zu fahren. Dort herrscht bereits Massenandrang, da anscheinend nicht nur wir auf die Idee gekommen sind, diesen Trail zu machen. Bevor es losgeht, werden die Gruppen eingeteilt. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil sowohl die 3-Tagesleute, als auch die 2-Tagesleute alle im Kollektiv aufgesammelt worden sind. Unser Tourguide ist Victor, der uns zusammen mit einem Pärchen aus Frankreich, einem Pärchen aus dem englischsprachigen Teil von Kanada, einer Holländerin, einer Amerikanerin und zwei Mädels aus dem französischsprachigen Teil von Kanada in eine Gruppe steckt. Nachdem wir uns alle reihum vorgestellt haben, geht es auch schon los.20140718100322DSCN5299

Wir haben einen dreistündigen steilen Abstieg vor uns. Schnell zeigt sich, dass dieser Marsch kein Zuckerschlecken wird und für die Knie wird es eine Höchstbelastung. Victor hat uns zuvor instruiert, dass es passieren kann, dass uns Esel entgegenkommen und falls dem so ist, sollen wir auf jeden Fall innen gehen, da wir sonst Gefahr laufen, von einem unkontrolliert ausschlagenden Lastenesel geschubst zu werden. Dies wäre in Anbetracht der neben uns befindlichen Klippe eher suboptimal. Der Weg an sich ist sehr schmal, es geht ständig am Abgrund entlang und aufgrund der seit längerer Zeit anhaltenden Trockenheit ist der Weg sehr staubig und erfordert höchste Konzentration. Im Grunde kommt jeder von uns mindestens einmal ins Straucheln, aber Gott sei Dank geht es bei allen gut aus und niemand stürzt oder verletzt sich. Ich bin wirklich sehr froh, als wir nach den angekündigten drei Stunden endlich unversehrt unten im Canyon ankommen. Dort versammeln sich dann alle Hiker wieder und werden auf Nationalparktickets kontrolliert. Unglücklicherweise haben aus unserer Gruppe nicht alle ein Ticket, weil die Holländerin und das Pärchen aus Frankreich mit dem öffentlichen Bus fahren mussten, da sie der Touranbieter nicht mitgenommen hat, was an und für sich eigentlich wirklich eine Unverschämtheit ist. Die drei sehen es allerdings gelassen und dürfen nach Schilderung der Sachlage vor Ort noch ein Ticket kaufen.

20140718143841IMG_9163

Damit geht es über den Rio Colca und nach einem kurzen Aufstieg auf der anderen Flussseite zu unserem Mittagessen und gleichzeitig auch zum Nachtlager in San Juan de Chuccho. Schnell die eher basic Zimmer verteilt, erhalten wir unser heißersehntes Mittagessen. Leider ist das ein wenig enttäuschend. Die Suppe zu Beginn schmeckt noch sehr gut, das Hauptgericht ist allerdings ein wenig fad. Victor hat angekündigt, dass es Alpaca-Fleisch gibt. Naja, ganze 3 Minibrocken haben wir in unseren Tellern. Dazu gibt es die klassischen Beilagen: Pommes und Reis (ohne Soße bei, versteht sich)

Den Nachmittag haben wir dann zu unserer freien Verfügung. Wir pflacken uns mit unseren Büchern bewaffnet in die umstehenden Stühle und verbringen lesend den Nachmittag, halten eine Siesta und kehren sodann gegen halb 6 zum Rest der Gruppe zurück und wir spielen alle miteinander Karten. Das ist wirklich sehr lustig und so vergeht die Zeit bis zum Abendessen sehr rasch. Leider ist auch da wieder die Suppe das Highlight.

Nachdem es relativ bald ziemlich frisch wird, heißt es zeitig schlafen gehen.

Überraschenderweise können wir beide in unserer Basic-Unterkunft wie Babys schlafen und sind einigermaßen verwirrt, als uns der Wecker aus dem Schlaf reißt. Schnell die Wanderkleidung angezogen und schon geht es ab zum Frühstück. Es gibt Pancakes mit Banane und Schokolade. Da ich seit meinem Erlebnis in Luang Prabang von derartigem Abstand genommen habe, bin ich von dieser Frühstücksvariante nicht ganz so angetan, wie alle anderen. Da wir heute aber wieder eine anstrengende Wanderung vor uns haben, möchte ich aber die angebotene Stärkung nicht missen müssen.

Mit vollen Mägen geht es schließlich los. Zunächst müssen wir, bzw. müssen ist falsch, da wir uns freiwillig dazu entschieden haben, einen Umweg zu machen, bergauf wandern. Und zwar dauert das, nicht wie Victor angekündigt hat eine Stunde, sondern zwei Stunden. Ich bin echt überrascht, dass ich den Aufstieg doch nicht als so schlimm empfinde, wie ich erwartet habe. Offensichtlich ist es schon ein erheblicher Unterschied, ob man sich in Regionen zwischen 2000 und 3000 Höhenmetern aufhält, oder über 4000 Metern. Klar, am Anfang ist es noch ein wenig mühsam, aber wenn die Muskulatur mal warm ist und man einmarschiert ist, dann geht es einfach so dahin.

Nach den bereits erwähnten 2 Stunden erreichen wir dann das Dörfchen Tapay, welches sich massiv von den anderen Taldörfern unterscheidet. Vor allem der zentrale Dorfplatz erregt unsere Aufmerksamkeit, da er eigentlich überhaupt nicht ins Bild passt. Victor zwängt uns dann noch in der Kirche durch einen dunklen Schacht, von wo aus man das Innere der selbigen aus der Vogelperspektive betrachten kann. Naja, außer dass wir allesamt von oben bis unten voller Staub und Dreck sind, war es eher nicht sonderlich lohnenswert. Aber egal!

20140719101908IMG_6741

In einem kleinen Shop decken wir uns noch mit Schokoriegeln und Wasservorräten ein, ehe es wieder abwärts geht. Dieser Weg führt wieder über sandige schmale Pfade unmittelbar am Abhang entlang. Ganz wohl ist mir auch diesmal nicht dabei, aber mit voller Konzentration kann man den Abstieg schon gut meistern. Ich bin ziemlich froh, als wir dann endlich eine breite „Straße“ entlang wandern und für eine Weile nicht direkt an der Kante marschieren müssen.

Nach etwa einer Stunde kehren wir nochmal ein, nehmen einen Snack zu uns und greifen dann das letzte Teilstück für heute an. In einem Dorf verliert Victor plötzlich die Orientierung und wir müssen umkehren. Glücklicherweise hat er das Problem aber nach wenigen Metern erkannt, so dass nicht so schlimm ist. An dieser Stelle treffen wir auf einen streunenden Hund, der für den Rest des Tages nicht mehr von unserer Seite weicht und tatsächlich die ganze restliche Wanderung mitläuft.

Nachdem wir wieder auf dem richtigen Pfad sind, geht es eigentlich nur noch bergab. Erst sehr kontinuierlich, schließlich wieder steil. Aber auf dem steilen Part können wir zumindest die ganze Zeit unser Ziel in Sangalle sehen. Auf uns wartet dort ein erfrischender Sprung in den Pool. Leider geht es aber erst noch über zig Kurven runter, bis wir endlich an der Brücke ankommen. Eine der beiden Mädels aus Kanada hat sich unglücklicherweise dicke Blasen an den Füßen gelaufen, so dass wir unten eine gefühlte Ewigkeit auf die Nachzüglerin warten müssen.

Gegen 14 Uhr und damit nach rund 5 Stunden erreichen wir dann endlich unser Lager. Wir sind allesamt völlig ausgehungert und wollen nur endlich was Essen, aber Victor möchte zuerst die Zimmereinteilung machen. Gut, dann beziehen wir eben unsere windige Holzhütte, die an allen Ecken und Enden undichte Stellen hat und dürfen anschließend endlich was Essbares zu uns nehmen. Highlight auch diesmal wieder die Suppe.

Der Nachmittag steht uns auch heute wieder zur freien Verfügung. Der Sprung in den Pool, auf den wir uns den ganzen Tag schon gefreut haben, steht da natürlich bei allen von uns hoch im Kurs. Leider ist hier im Canyon nur die Sonne relativ schnell weg, so dass uns nicht viel Zeit für die Erfrischung bleibt. Die fühlt sich aber dennoch unglaublich gut an – vor allem bietet sie uns die Möglichkeit, den Schweiß der letzten beiden Tage abzuwaschen.

Im Anschluss daran, liegen wir gemütlich in der Wiese, lesen ein bisschen und tun einfach mal bis zum Abendessen gar nichts. Nach dem Essen ist ziemlich schnell Zapfenstreich, da uns ein hartes Morgenprogramm erwartet.

4:45 Uhr – Zeit zum Aufstehen!! Verdammt, wer hat sich denn den Blödsinn einfallen lassen? 5 Uhr ist Aufbruch! Es ist noch stockfinster, es gibt KEIN Frühstück und wir haben einen mit 3 ½ Stunden angesetzten steilen Anstieg über ca. 1300 Höhenmeter vor uns, ehe wir endlich was zum Essen bekommen. Ja, so schauts aus! Und wer mich kennt, weiß, dass ich vorm Frühstück, allen voran vorm Kaffee eigentlich zu nichts zu gebrauchen bin. Was mich geritten hat, mir eine derartige Tortur freiwillig anzutun, weiß ich nicht, aber nach einem schnellen Bananen-Snack und 2 Keksen bin ich startklar um eine Strecke vergleichbar mit 25 Aufstiegen auf den Landshuter Hofberg zur Unzeit in Angriff zu nehmen.

Zu Beginn ist die Wanderung eigentlich eher eine Prozession, da gefühlte 300 Menschen zur gleichen Zeit losmarschieren und jeder in Reih und Glied hinter seinem Vordermann/-frau herläuft. In der Dunkelheit sieht man zum Glück auch nicht, wie weit es tatsächlich nach oben geht.

Wir laufen eine knappe Stunde im Dunklen, bis die Sonne endlich ihren Weg findet. Und damit gibt Victor auch das Startsignal, dass jeder von uns sein eigenes Tempo laufen kann. Dadurch lockert sich die Volkswanderung auch endlich ein wenig auf und wir müssen nicht mehr alle 10 Meter wegen Stau stehen bleiben.

Die ersten 1 ½ Stunden des Aufstieges gehen noch relativ geschmeidig und wir kommen gut voran, aber irgendwann wird es dann zunehmend anstrengender. Vor allem weil die Stufen auch immer höher werden und es sich dadurch zum Kraftakt entwickelt. Da uns allerdings nichts anderes übrig bleibt, als diesen Marsch zu bezwingen, mobilisieren wir alle unsere Energie und kämpfen uns nach oben. Als ich nach 2 ½ Stunden drei Bäume sehe, bin ich verwirrt. Sehe ich jetzt schon Fata Morganas? Das kann doch noch nicht unser Ziel sein – wir haben doch laut Victor noch eine Stunde vor uns. Aber tatsächlich, wir sind wirklich schon oben angekommen und damit beim ersten Drittel mit dabei. Ich bin wirklich angenehm überrascht, dass ich anscheinend doch nicht so unfit bin, wie ich befürchtet habe.

Gruppenfoto
Gruppenfoto

Es dauert nämlich tatsächlich noch eine Stunde bis wirklich auch der letzte Wanderer obe angekommen ist. Die Kanadierin, die sich gestern die fiesen Blasen gelaufen hat, lässt sich von einem Esel den Berg hinauftragen und auf den müssen wir dann schließlich warten, bis wir endlich zu unserem wohlverdienten Frühstück kommen.

Und dieses Frühstück ist auch wirklich gut! Rühreier, leckere Semmeln und KAFFEE!!! Jetzt bin ich glücklich, meine Füße schmerzen zwar, aber ich bin glücklich.

Damit geht es dann an den entspannteren Teil des heutigen Programms. Zunächst machen wir nochmal Halt am Cruz del Condor, damit die drei, die mit dem öffentlichen Bus fahren mussten, auch noch die Möglichkeit haben, die Kondore zu sehen. Schade nur, dass wir diesmal keinen zu Gesicht bekommen.

Danach machen wir einen Stopp an einem sehr guten Aussichtspunkt, von dem man einen herrlichen Blick auf den Canyon hat und hunderte von Inkaterrassen.

20140720110415IMG_9181

Das ist wirklich sehr spektakulär. Im Anschluss daran folgt der klassische Touristenstopp in einem Dorf, wo man allerlei Ramsch und Nippes kaufen kann, bevor wir dann endlich das Ziel anpeilen, worauf wir uns alle schon die ganze Zeit freuen: nämlich die Aguas Calientes oder auch Hot Springs. Das heiße Quellwasser ist wirklich eine Wohltat für die geschundenen Muskeln und trägt wesentlich dazu bei, dass wir uns gleich viel besser fühlen. Insgesamt verbringen wir rund 45 Minuten in den Thermalquellen, aber das reicht, um den Körper wieder auf Vordermann zu bringen.

20140720125404DSCN5431

Damit geht es dann zum Mittagessen. Diesmal gibt es ein Büffet. Da wir dafür extra bezahlen müssen, ist es wahrscheinlich auch erheblich besser, als der Rest, den wir zum Essen vorgesetzt bekommen haben. Wir stürzen uns auf die Fleischberge, Kartoffelvariationen und Reisgerichte, als wenn wir tagelang nichts zu Essen bekommen hätten.

Ehe wir wieder nach Arequipa zurückkehren, machen wir noch einen Halt am höchsten Punkt bei 4910 Metern und bei ein paar Alpacas. Gegen 18 Uhr kommen wir schließlich erschöpft aber zufrieden wieder in Arequipa an.

Insgesamt war es eine sehr schöne, aber auch anstrengende Tour. Wir haben bei dem Anbieter Peru Schweiz Explorer gebucht, weil wir gute Rezessionen auf Tripadvisor gelesen haben. Wir glauben, dass es keine Rolle spielt, wo man bucht, da am Ende sowieso alle zusammen gewürfelt werden. Jeder Anbieter hat die gleichen Unterkünfte, war vor allem in der zweiten Nacht sehr deutlich geworden ist und das Essen ist auch für alle das Gleiche. Beim Buchen sollte man daher in erster Linie nach dem Preis gehen, da dieser je nach Anbieter anscheinend ziemlich weit auseinanderklafft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.