Titicacasee – Isla del Sol

So, nach einem Erholungstag kann der nächste Tag wieder aktiver gestaltet werden. Wir nehmen um 10 Uhr Vormittag ein Boot (für das wir mal wieder viel zu viel bezahlt haben) und fahren zur Isla del Sol. Dabei handelt es sich um den legendären Ort, an dem die Inka erschaffen worden sein sollen und der Mythologie zufolge außerdem den Geburtsort der Sonne.

Als Tourist hat man verschiedene Möglichkeiten die Insel zu erkunden, etwa mit Tagesausflügen oder eben so wie wir es machen, gleich mit Übernachtung und dann direkt die Insel erkunden. So fahren wir vollbepackt mit unseren Backpacks ca. 1 ½ Stunden über den Titicacasee, bis wir schließlich am Südende der Insel ankommen. Der erste Eindruck: das ist aber eine hügelige Insel! Eine steile Treppe führt eine gefühlte Ewigkeit bergauf, bis man endlich zu den ersten Unterkünften kommt. Soviel ist klar, diese Treppe ist mit den 20 Kilo-Rucksäcken und bei der Höhenluft wirklich eine Tortur! Langsam, Schritt für Schritt kämpfen wir uns nach oben und entscheiden uns, eine der ersten Unterkunftsmöglichkeiten zu nehmen.

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Das stellt sich auch als gute Entscheidung heraus, denn der Ausblick von unserer Terrasse und auch von unserem Zimmer aus, ist einfach gigantisch.

Schnell einchecken, Rucksäcke abliefern, Essen fassen und dann kann die Inselerkundung losgehen. Wir wandern heute erstmal zu den Inkaruinen im Süden der Insel und heben uns den Norden für den nächsten Tag auf. Gut, große Ruinen sind das im Süden nicht gerade, aber die Landschaft ist einfach wunderschön! Wir haben eher das Gefühl, dass wir uns irgendwo auf Kreta befinden, anstatt mitten in den Anden in Bolivien. Herrlich!

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Da die Insel wie bereits erwähnt, sehr hügelig ist, schlängeln sich an uns immer wieder vollbepackte Esel vorbei, die allerhand Lebensnotwendiges für die Inselbewohner hinauftragen. Ich bin ein wenig geschockt, als ich ein kleines Kind (das war maximal 6 Jahre alt) vollbeladen bergauf marschieren sehe. In Deutschland würde eher das Kind bergauf getragen werden, aber hier müssen die Kleinen schon ran, um als Transportmittel zu funktionieren. Aber irgendwie wundert es mich auch nicht, immerhin habe ich die Tage einen Bericht gelesen, dass die bolivianische Regierung Kinderarbeit ab 10 Jahren erlaubt hat. Echt traurig! Die Kinder gehören in die Schule und nirgends anders hin…

Aber das sind wohl so Probleme, denen man sich bewusst sein muss, wenn man in ärmere Länder reist und es wird wohl leider auch so schnell nicht zu ändern sein. Dennoch hat Bolivien landschaftlich und auch kulinarisch wirklich viel zu bieten, vielleicht kehrt hier ja doch irgendwann mal ein bisschen mehr Tourismus ein…

Bevor die Sonne untergeht kehren wir wieder zu unserer Unterkunft zurück und können vom Bett aus ein Farbenspiel betrachten, auch wenn wir uns auf der Ostseite der Insel befinden.

Nach einer etwas unruhigen Nacht werden wir von den ersten Sonnenstrahlen des Tages geweckt, die unmittelbar durch unser Fenster fallen. Herrlich! So steht es sich doch gleich viel leichter auf! Wir stärken uns an einem reichhaltigen Frühstück, wobei leider ein kleiner Junge wieder als Lieferservice den Berg auf und ab laufen muss, da der Eier-Vorrat aus ist. Ich hab fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen, beim Verzehren meiner Rühreier, aber beim Bestellen wussten wir nicht, dass Eier erst geliefert werden müssen.

Nach dem Frühstück wird es auch ziemlich schnell erstmals seit Langem wieder wärmer. T-Shirt-Wetter ist heute angesagt. Juppiie! Gegen 10 Uhr nehmen wir ein Boot in den Norden der Insel. Selbstverständlich zahlen wir auch hier wieder erheblich mehr als alle anderen, aber was soll man machen? Die Bootsfahrt dauert etwa 35 Minuten und dann befinden wir uns auch schon am Startpunkt unserer heutigen Tageswanderung.

Beim Verlassen des Bootes will man uns noch eine Tour aufschwatzen, aber wir wollen die Insel lieber auf eigene Faust erkunden. So kaufen wir uns zwei Eintrittskarten wir den nördlichen Inselteil und schon geht’s los. Kurzer Marsch durch ein minikleines und unspektakuläres Museum und dann geht’s mal wieder bergauf. Die Landschaft hier ist der Wahnsinn und wir bedauern fast ein bisschen, dass wir unsere Unterkunft nicht hier gebucht haben. Wunderschöner Sandstrand vor riesigen Felswänden und dazu tiefblaues Wasser. Herrlich!

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Der Weg führt uns zunächst an der Küste entlang, stetig ein bisschen bergauf, bis wir nach rund 45 Minuten die ersten Spuren der Inkas entdecken. Unglücklicherweise haben wir die ersten beiden existierenden Orte verpasst, weil wir so auf unseren Marsch konzentriert waren. Gut, verglichen mit dem was wir uns von Macchu Picchu erwarten ist das natürlich Kindergarten, aber wir wollen uns ja langsam steigern, so besichtigen wir auch diese Ruinen neugierig und mit großem Interesse. Leider trifft kurz nach uns eine größere Reisegruppe ein, so dass wir nachdem wir uns ausgetobt haben, relativ schnell das Weite suchen.

Der Weg führt noch weiter auf einen Berg, der dort in einer Sackgasse endet. Wir entscheiden uns dennoch, diesen Anstieg auch noch zu bewältigen und werden mit einer traumhaften Aussicht belohnt. Vor allem auf die Ruinen hat man einen wundervollen Blick. Der Abstieg gestaltet sich als ein wenig „tricky“, weil man durch das staubige Geröll oftmals ins Rutschen kommt und wir uns beide mehrmals gerade noch auf unseren Beinen halten können. Zum Glück kommen wir unten aber unversehrt an und können unsere eigentliche Wanderung beginnen. Nämlich die Inselüberquerung. Wir wollen vom Norden aus bis zu unserer Unterkunft im Süden zurückwandern. Die Strecke beträgt laut unseren Informationen ca. 12 Kilometer und soll sehr schön sein.

Na, dann wollen wir mal! Selbstverständlich geht es zunächst erstmal wieder nur bergauf. Habe ich schon mal gesagt, dass das Bergaufwandern bei diesen Höhenmetern wirklich kein Zuckerschlecken ist? Ich glaube schon, aber ich möchte es an dieser Stelle nochmals ausdrücklich betonen! Ich bin ziemlich froh, dass der Weg sich immer wieder mit geraden Abschnitten, Bergabstücken und dann wieder aufwärts wandern abwechselt. Dennoch ist es ziemlich anstrengend – die wunderschöne Landschaft entschädigt aber für die Mühen, das muss ich an dieser Stelle auch nochmal besonders hervorheben. Ich will ja nicht, dass jemand denkt, ich würde hier jetzt nur meckern. Nein, die Wanderung ist wirklich sehr schön und ich bin froh, dass wir uns dafür entschieden haben!

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Bedauerlicherweise sucht mich nur schön langsam ein ziemliches Hungergefühl auf und es gibt weit und breit nichts, wo man einkehren könnte. Aus unseren letzten Traubenzuckervorräten schöpfe ich schließlich die notwendige Kraft, um auch die letzten Anstiege erfolgreich zu meistern.  Gegen halb 4 erreichen wir endlich unser Dörfchen und somit auch eine Vielzahl von Restaurants. Hui, jetzt bin ich glücklich. Hank hingegen ist mit andern Problemen beschäftigt: trotz dicker Schicht Sonnencreme und einem großen Sonnenschutz hat er offensichtlich einen Sonnenstich abbekommen. Na hoffentlich ist es nicht schlimmer! Sein Appetit ist jedenfalls nicht davon betroffen, er stürzt sich genauso enthusiastisch auf seinen Burger wie ich auf meinen übergroßen Teller Spaghetti Bolognese.

Nach unserer Stärkung gibt es nur noch eins, worauf wir uns mehr freuen: nämlich endlich mal wieder eine warme Dusche, nachdem die letzten jeweils kalt waren! Wir müssen uns hierfür allerdings beeilen, da es nur tagsüber warmes Wasser gibt und die Sonne schon ziemlich tief steht.

Danach fühlen wir uns pudelwohl. Zwar ein wenig erschöpft, aber dennoch pudelwohl. Die Wanderung war sehr schön, die Insel selbst ist herrlich und der Ausflug hierher hat sich wirklich sehr gelohnt! Definitiv zu empfehlen!


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