Titicacasee – Copacabana

Nachdem etwas unglücklichen Flugchaos und der Ratlosigkeit ist klar, dass eine alternative Busfahrt nach Rurrenabaque für uns nicht infrage kommt. Wir sind zwar vielleicht ein bisschen durchgeknallt, aber ganz sicher nicht lebensmüde. So schreiben wir den Dschungel endgültig ab und entscheiden uns kurzerhand direkt weiter zum Lago Titicaca zu fahren, der ohnehin noch auf unserem Bolivien-Plan gestanden ist. Wir erkundigen uns, wo der Bus abfährt und springen dann in das nächste Taxi, da wir nicht wirklich scharf drauf sind zwölf Blocks vollbepackt bergauf zu laufen. Wahrscheinlich hätten wir zwar zu Fuß auch nicht länger gebraucht, weil der Verkehr wirklich ziemlich crazy ist und unser Taxi den Anschein erweckt, jeden Augenblick auseinander zu fallen, aber wir sind dennoch froh, dass wir gefahren werden. Wir sind nach unserer Ausrauberfahrung jetzt auch ein bisschen vorsichtiger mit unseren Habseligkeiten geworden. Am Busbahnhof wird uns dann gleich mitgeteilt, dass der Bus nach Copacabana (nein, nicht Rio de Janeiro – das kleine Copacabana am Lago Titicaca) in 5 Minuten abfährt. Na wunderbar – schnell ein Ticket gekauft, Empanadas mitgenommen und dann sitzen wir schon in einem einigermaßen komfortablen Bus.

Nach rund zwei Stunden müssen wir dann aus dem Bus aussteigen. Wir sind ein wenig irritiert, da die Busfahrt mit rund 3 ½ Stunden angesetzt war, aber nachdem alle rausspringen, folgen wir der Menschenmenge. Was dann kommt, haben wir so auch noch nicht erlebt. Es gilt, einen Teil des Sees zu überqueren, da es keinen Landweg gibt. Die Passagiere werden dazu alle in ein kleines Boot verfrachtet (für das man natürlich zahlen muss) und der Bus mitsamt unseren großen Rucksäcken fährt extra. Aber das Gefährt, auf dem der Bus fährt, das ist das eigentlich Interessante. Ich würde es als großes Holzfloß beschreiben, dass den Bus und noch einen Minivan tragen kann. Von weitem schaut es so aus, als wenn der Bus über den See schwimmen würde. Echt witzig.

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Die Überfahrt dauert für den Bus ca. 20 Minuten und dann dürfen wir alle wieder einsteigen und die letzte Stunde bis Copacabana in gewohnter Manier zurücklegen.

Gegen 16 Uhr kommen wir schließlich in dem ruhigen Nest am See an und suchen uns eine Unterkunft. Glücklicherweise ist das hier nicht so schwer, da es ein relativ touristischer Ort ist und es reichlich Optionen gibt.

So machen wir uns dann noch auf den Weg, um den Ort auszukundschaften und erstmal was zu Essen zu finden. Spezialität am Titicacasee ist Troucha (Forelle) in allen Formen und wie wir schnell feststellen, definitiv zurecht!

Wir schauen dann noch an den See und genießen die herrliche Landschaft. Da wir heute Morgen allerdings zu menschenunwürdiger Uhrzeit aufgestanden sind, bin ich doch relativ geschlaucht und froh, mich anschließend im Zimmer verkriechen zu können. Hank hingegen zieht es nach Einbruch der Dunkelheit nochmal hinaus und er wird Zeuge eines typischen Rituals. Sämtliche neuen Fahrzeuge müssen, bevor sie auf die Straße gelassen werden, geweiht werden und so berichtet er von einer großen Prozession, die sich am Marktplatz abspielt. Ich kann mich leider nicht mehr aufraffen.

Den nächsten Tag wollen wir ein bisschen ruhiger angehen lassen und nur das Örtchen erkunden und am Nachmittag Fußball schauen. Viel gibt es hier nicht zu sehen, es ist in erster Linie ein Ort zum Chillen und relaxen.

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Unglücklicherweise befindet sich der Ort direkt neben einem Aussichtshügel und Hank ist natürlich höchstmotiviert da hoch zu laufen. Ich hingegen hab so gar keine Lust schon wieder einen Berg hinauf zu rennen, da mich die Höhenluft ganz schön schlaucht. Kaum geht man drei Meter bergauf hat man einen Puls von 180, das ist echt krass. Der Titicacasee ist der höchstgelegene schiffbare See der Welt und liegt auf ca. 3.800 m über dem Meeresspiegel. Trotz meiner fehlenden Motivation kämpfe ich mich dennoch auf den Hügel hinauf. Die Aussicht oben ist schon wirklich wunderschön, aber wie schon gesagt, um da erstmal hinzukommen, muss man sich wirklich quälen. Es geht eigentlich nur ca. 1 Kilometer bergauf, aber es fühlt sich an, wie eine Alpenüberquerung. ;-)

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Wir bleiben dann auch eine ganze Weile auf dem höchsten Punkt, unterhalten uns mit einem netten Bolivianer auf Spanisch, Englisch und Deutsch und genießen die Sonnenstrahlen. Im Nachhinein bin ich doch froh, dass wir rauf gewandert sind, aber ich brauche glaube ich jetzt echt mal einen Tag Auszeit, ich bin wirklich erschöpft und fühle mich etwas ausgelaugt.

Wieder unten angekommen legen wir eine Mittagspause ein und genehmigen uns wieder die leckere Titicacasee-Forelle. Einfach köstlich!

Pünktlich zum Anstoß fürs Halbfinale gegen Brasilien finden wir uns vor einer Großleinwand ein und sind verwundert, dass wir erstmals Fußball schauen können und die Mehrheit der Zuschauer für Deutschland ist. Dementsprechend ausgelassen ist die Stimmung natürlich bei dem Schützenfest. :-)

Schließlich ist es den darauffolgenden Tag dann tatsächlich soweit und wir machen wirklich mal gar nichts. Den Vormittag versanteln wir im Schlafanzug und den Nachmittag opfern wir für die Holländer gegen die Argentinier. Und, ich muss gestehen, ich bin unendlich froh, um diesen Nichtsmachtag! Der war sowas von notwendig!

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