La Paz

Wir erreichen La Paz am frühen Vormittag und staunen schon bei der Einfahrt in diese Großstadt über sie. Die Straße führt uns an der oberen Kante eines Talkessels entlang und an den steilen Hängen unter uns drängen sich die vielen vielen Häuser. Das sieht echt verrückt aus, so eine Stadt haben wir noch nie gesehen. Wenig später erreichen wir dann den Busbahnhof und nehmen uns das nächste Taxi zu unserer Unterkunft. Für einen normalen Bus sind wir noch etwas zu verunsichert nach dem gestrigen Schock. Zum Glück können wir unsere neue Bleibe gleich beziehen und uns ein wenig ausruhen.

La Paz

La Paz

Gegen Mittag ziehen wir bewaffnet mit einem Stadtplan los, um die nähere Umgebung in Augenschein zu nehmen. Vom Hostel aus gehen wir gleich mal ein Stück bergauf und kämpfen uns durch die verschiedensten Straßenstände. Der Gehsteig wir hier fast überall in eine Einkaufsstraße umfunktioniert und man muss sich zwischen den Ständen hindurchschlängeln und immer mal wieder auf die Straße ausweichen, auf der der Verkehr nicht minder chaotisch ist. Bald kommen wir in die Sagarnaga Straße, in der sich eine Travel-Agency neben der nächsten befindet und wir holen erste Infos ein über die Tourangebote rund um La Paz. Wir haben 3 Ziele vor Augen: wir wollen die Ruinen von Tiwanaku besichtigen, die legendäre Death Road mit dem Mountainbike bezwingen und Rurrenabaque reisen, um dort eine Amazonas-Tour zu machen.

Nachdem wir einige Infos eingeholt haben, führt uns unser Weg weiter zur San Francisco Church, dem Mercada Lanza über den Plaza Murillo zu einem riesigen Park und wieder zurück zum Hostel. Es gefällt uns das bunte Treiben in den Straßen zu beobachten, aber auch die Gebäude sind gut anzusehen. Der erste Eindruck der Stadt ist auf jeden Fall positiv. Im Hostel beschäftigen wir uns dann mit der Planung der nächsten Tage, was gar nicht so leicht ist. Neben unseren touristischen Aktivitäten will ja auch noch die WM mit eingeplant werden ;-)

Plaza Murillo

Plaza Murillo

Am nächsten Morgen brechen wir wieder auf und verlassen das Hostel in eine andere Richtung. Unser Ziel sind die Telefericos, das ist eine Gondelbahn vom Talkessel hinauf aufs Alto (spanisch für hoch), so heißt die Gegend der Stadt. So schlagen wir uns wieder durch das bunte Treiben am Gehsteig bzw. Markt und kommen so auch fast ohne Umweg am gewünschten Ziel an. Die Gondelbahn ist erst wenige Monate alt und wirkt irgendwie doch fehl am Platz. Aber sie ist natürlich für die Einwohner super, um schnell von oben nach unten oder umgekehrt zu kommen. So kaufen wir uns Hin- und Rückfahrt Tickets für insgesamt 12 Bolivian und sitzen wenig später in der Gondel.

Zuerst geht die Fahrt relativ flach dahin, bis wir über den Friedhof der Stadt schweben. Hier ist eine Zwischenstation an der man auch aus- und einsteigen kann. Aber wir wollen natürlich ganz hinauf. Also setzen wir die Fahrt fort und überqueren auch den letzten Teil des riesigen Friedhofs. Dieser ist in kleine Straßen unterteilt und die Begräbnisstätten für die Urnen (vermuten wir zumindest, da Särge dort drin kaum Platz haben) sehen aus wie kleine Wohnblocks. Ein sehr bizarrer Anblick. Nachdem der Friedhof hinter uns liegt, geht es dann steil bergauf. Die Aussicht ist recht gut und im Hintergrund der Stadt sieht man den über 6000 Meter aufragenden schneebedeckten Berg Illimani. Unter uns wird der Hang immer steiler, was die La Pazianer aber nicht daran hindert hier immer noch Häuser zu bauen. Auch das letzte Fleckchen vor einem Steilhang wird genutzt und so geht der Hang nicht selten direkt in eine Hauswand über. Die obersten Häuser sind dann auch nur noch über Treppen zu Fuß erreichbar, Straßen für Autos gibt’s keine mehr.

La Paz

La Paz

Oben angekommen sind wir dann aber etwas enttäuscht, weil es bei der Gondelbahn keinen Aussichtspunkt gibt, von dem man die Stadt überblicken könnte. Vermutlich wird man in der Zukunft mal aufs Dach der Station können, aber die Bauarbeiten sind noch nicht abgeschlossen und so treten wir nach einigen Minuten schon wieder die Rückfahrt ins Tal an. Wieder unten angekommen machen wir uns nach dem Mittagessen auf dem Weg zu Xtreme Downhill, einem Anbieter für die Death Road, der uns von Leen und Stefaan empfohlen wurde. Dort angekommen buchen wir den Ausflug für den nächsten Tag und probieren auch gleich die Ausstattung an. Wir bekommen Hose, Jacke und Handschuhe aus Sicherheitsmaterial, sowie Knie- und Ellbogenschoner und natürlich einen Helm. Als alles passt werden die Sachen mit unseren Namen beschriftet und für morgen beiseitegelegt. Danach machen wir bei der sehr netten aber auch etwas verplanten Dame von Godbless Tours auch gleich noch den Ausflug nach Tiwanaku für übermorgen klar.

Bleibt nur noch den Trip nach Rurrenabaque klar zu machen, aber vorher schauen wir uns natürlich noch das WM-Viertelfinale gegen Frankreich an. Wir freuen uns zwar über das Ergebnis, haben jetzt aber auch das Problem das Halbfinale mit einzuplanen. Na gut, das sollte schon klappen. Nach langem Überlegen und Recherchen im Internet haben wir uns dazu entschlossen nach Rurrenabaque zu fliegen und nicht mit dem Bus zu fahren. Das ist zwar deutlich teurer, aber dafür auch sicherer (hoffen wir zumindest). Im Internet haben wir viele Horror-Storys über die Busfahrt gelesen, die laut Plan 18 Stunden dauert, aber nicht selten 30 Stunden in Anspruch nimmt. Grund dafür sind die sehr schlechten Straßenverhältnisse und Pannen mit dem Bus. Tja, und dann kommt es scheinbar auch noch vor, dass ein Bus gar nicht ankommt, sondern im Abgrund endet und so wollen wir unsere Reise sicher nicht abschließen!

Nächstes Problem ist die Auswahl des Touranbieters für einen Ausflug in den Dschungel. Hier gibt es auch zig verschiedene und die Qualität soll sehr schwanken. Nach langem Hin und Her entscheiden wir uns auch hier für eine teurere Variante. Anstatt einer der Standard 3-Tages-Touren, die man an jeder Ecken für um die 500 bis 700 Bolivian angeboten bekommt wollen wir mit Madidi Travel ins Serere Reservat. Das ist ein Projekt, bei dem alle Gewinne dem Natur- und Artenschutz sowie der indigenen Bevölkerung die dort auch arbeitet zugutekommen. Über dieses Projekt hat auch schon der National Geographic groß berichtet und so schenken wir den Aussagen Glauben. Der Preis ist mit 550 Bolivian pro Tag pro Person nicht ohne, aber wenn das Geld wirklich gut verwendet wird, können wir damit leben. Und es ist eben auch ein etwas spezielleres Erlebnis. Vermutlich. Hoffen wir zumindest ;-)

Also buchen wir unseren Hinflug für Montag um 7 Uhr morgens mit einer kleinen Militär-Airline und machen eine Reservierung für einen 3-tägigen Aufenthalt in Serere. Dann heißt es auch schon wieder ins Bett gehen, morgen müssen wir früh raus und top fit sein, die Death Road ist angesagt.

Den Bericht zur Death Road gibt es hier.

Den nächsten Tag lassen wir es dann wieder etwas ruhiger angehen und verbringen ihn mit Sightseeing. Wir haben eine Tour nach Tiwanaku gebucht, der bedeutendsten archäologischen Stätte Boliviens. Über das Volk Tiwanakus ist zwar relativ wenig bekannt, aber es muss wohl von ca. 900 v.Chr. bis 1200 n.Chr. die Gegend hier beherrscht und besiedelt haben. Also sitzen wir am frühen Morgen wieder Mal in einem Minivan und tingeln durch die Stadt, um alle Sitzplätze voll zu bekommen. An einem Hostel treffen wir dann wieder auf eine alte Bekannte: Marie, mit der wir auch schon in der Salar de Uyuni waren. Sehr witzig, so kreuzen sich die Wege von Reisenden doch oft immer wieder und wir verbringen den Großteil der Fahrt damit uns gegenseitig zu erzählen was wir in der Zwischenzeit getrieben haben.

Nach etwa 1 ½ Stunden kommen wir an der Ausgrabungsstätte an und beginnen unsere Runde durch die Anlage. Unsere Guidin erklärt uns immer wieder einige Fundstücke. Die Anlage ist zwar nicht besonders groß, aber mir gefällt sie eigentlich schon ganz gut. Was mir allerdings nicht gefällt ist das Tempo, welches unsere Führerin anschlägt: kaum hat sie an einem Punkt ihre Erklärungen abgeschlossen und uns 2 Minuten Zeit für Fotos gegeben, wieselt sie auch schon weiter. So richtig umschauen kann man sich da nicht. Aber da mir das am meisten Spaß macht bleibe ich eben etwas zurück und schaue mich lieber selber um. Mit dabei bei den Nachzüglern ist auch noch Marie und ein Amerikaner namens Jeff. Der erklärt uns dann auch, dass das was die Guidin erzählt teilweise falsch ist. Er hat Archäologie studiert (Schwerpunkt Südamerika und Maya) und ist jetzt Professor in dem Fach. Na dann ists ja auch nicht so schlimm, wenn ich ihre Ausführungen nicht höre ;-)

Die Ausgrabungen und Restaurierungen an der Anlage sind noch lange nicht abgeschlossen, und so liegt der Großteil der Hauptpyramide noch unter dem Erdreich begraben. Aber es gibt auch sonst noch genug zu bestaunen, es gibt ein steinernes Portal, Sonnentor genannt, mit allerlei Verzierungen, sowie zwei große stehende Steinfiguren. Und noch einen etwas tiefer gelegenen Tempel mit allerlei Steinköpfen in den Mauern. Einer davon stellt angeblich einen Asiaten dar, einer anderer sieht aus wie ein typisches Hollywood Alien, weshalb Erich von Däniken auch behauptete die hiesige Kultur hatte Kontakt mit Außerirdischen oder stammte sogar von ihnen ab. Was seiner Meinung auch die erstaunlich präzise Bearbeitung von den Steinen hier erklärt. Ahja, alles klar.

Sonnentor Tiwanaku

Sonnentor Tiwanaku

Nach ziemlich genau einer Stunde und 20 Minuten verlassen wir dann das Gelände wieder und begeben uns ins nahegelegene Museum, wo wir allerlei Skulpturen, Krüge und Werkzeuge bestaunen können. Nachdem wir in einem anderen Gebäude noch einen 8 Meter hohen Monolithen besichtigen fahren wir noch zu einer weiteren Ausgrabungsstätte. Dort bleiben wir aber nicht mal 20 Minuten, dann müssen wir auch schon weiter zum Mittagessen. Dort haben wir wunderlicher Weise genug Zeit, um nach dem Essen auch noch einen Tee zu trinken, den wir natürlich extra zahlen müssen. Ich muss sagen ich hätte gern aufs Essen verzichtet und dafür mehr Zeit in den Anlagen gehabt, aber so funktionieren diese Touren leider nicht. Naja, zumindest macht es Spaß sich während dem Essen mit den anderen Tour-Teilnehmern auszutauschen.

Wieder zurück in La Paz machen wir nicht mehr viel. Da wir ja morgen in der Früh unseren Flug nach Rurrenabaque haben und zwischen halb 6 und 6 abgeholt werden, packen wir schon mal all unsere Habseligkeiten in die Rucksäcke. Während Carina dann noch am Computer arbeitet entschließe ich mich mal wieder einen Friseur aufzusuchen. Ein wenig unsicher bin ich zwar schon, ob ich erklären kann was ich möchte, aber das muss ich halt probieren. Nachdem der erste Laden um die Ecke schon zu hat sehe ich in einiger Entfernung ein leuchtendes Peloqueria (=Friseur) Schild. Ich eile hin, nur um festzustellen, dass alle Stühle besetzt sind. Da hier aber immer gleich ganze Straßenzüge mit den gleichen Typen von Geschäften voll sind, sind es nur wenige Meter zum nächsten Friseur. Da hier scheinbar jeder am Sonntagabend zum Friseur geht braucht es ein paar Läden bis ich einen Platz finde. Der Friseur versteht meine Wünsche dann auch und macht sich ans Werk. Ich muss sagen, so gründlich wurden mir noch nie die Haare geschnitten. Nachdem der Haaransatz mit der Maschine geschnitten wurde, zückt der Meister auch noch ein Rasiermesser und geht die Kanten alle ganz genau nach. Ich hoffe er versteht sein Handwerk und folge dem Messer im Spiegel mit bangen Blicken. Aber alles geht gut und so habe ich bald darauf einen neuen Kurzhaarschnitt für den Dschungel ;-)

Am nächsten Morgen werden wir pünktlich um halb 6 abgeholt und fahren im Minivan mit einigen anderen zum Militär-Flughafen. Dort angekommen müssen wir aber im Van warten. Und warten. Und warten. Irgendwann wird uns mitgeteilt, dass unsere Maschine gecancelt wurde. Sie scheint wohl kaputt zu sein. Aber kein Problem, fahren wir halt weiter zum normalen Flughafen, dort kann uns eine andere Fluggesellschaft mitnehmen. Nach kurzer Fahrt kommen wir an, dürfen aber wieder nicht aussteigen. Also warten wir wieder. Und warten. Und warten. Schließlich erfahren wir, dass auch diese Maschine gecancelt wurde. Wieso wird uns nicht gesagt. Heute können wir auf jeden Fall nicht mehr fliegen und wir fahren zurück zum Hostel. So eine verdammte Sch…! Wir haben keinen blassen Schimmer wie es jetzt weitergeht, die Informationspolitik hier im Van ist nicht gerade gut. Also fragen wir nach was jetzt passiert, ob wir vielleicht doch später oder morgen fliegen können. Die Antwort darauf gefällt uns gar nicht: nein, können wir nicht. Wir kriegen unser Geld zurück und fertig. Na super. Zum Glück haben wir unsere Tour noch nicht fest gebucht und bezahlt!

Als wir am Hostel ankommen meint die Dame, die mit dabei war, wir bekommen unser Geld dann von der Travel-Agency wo wir das Ticket gebucht haben. Hmja, so leicht wollen wir uns aber nicht abspeisen lassen und sagen wir hätten das Geld lieber gleich. Sie hat grad nicht so viel dabei, kommt aber in einer halben Stunde wieder sagt sie. Na gut, was sollen wir denn auch machen, festhalten können wir sie ja schlecht. Also kehren wir erst mal zurück ins Hostel und können so zumindest noch unser Frühstück nachholen. Nach einer halben Stunde kommt natürlich niemand mit unserem Geld. Auch nicht nach einer dreiviertelten und einer ganzen. Und die Agency wo wir gebucht haben hat noch zu. Super! Unsere Rezeptionistin ruft dann mal bei der Telefonnummer auf unserem Ticket an und erklärt die Lage. Sie bekommt die Auskunft, dass in 20 Minuten jemand mit dem Geld kommt. Also warten wir mal wieder. 20 Minuten. 40 Minuten. 60 Minuten. Nichts.

Wir sind schön langsam echt genervt und befürchten unser Geld nicht mehr zu bekommen. Beim nächsten Anruf heißt es dann wir sollen in die Travel-Agency gehen. Ich will gerade los, da kommt die Dame von selbiger auch gerade zur Tür herein. Aber nicht weil sie geschickt wurde, sie wollte nur nachfragen ob alles gut gegangen ist. Ist es ganz offensichtlich nicht. Dann bricht das Chaos aus. Die Travel-Dame sagt sie war gestern hier und hätte uns eine Nachricht hinterlassen, dass der Flug später geht. Ausgerichtet wurde uns das nicht. Die Chefin vom Hostel ist inzwischen auch da und meint sie wären nicht verantwortlich dafür, dass Nachrichten übermittelt werden. Wir stehen zwischen den Fronten und sind uns nicht sicher ob wir jetzt den richtigen Flug verpasst haben und die Gelackmeierten sind. Und da die Laune eh schon lange am Boden ist streiten wir eifrig auf Spanisch und Englisch mit.

Irgendwann kommt dann auch der Chef des Hostels dazu und beruhigt die Gemüter (die Travel-Dame und die Chefin waren kurz davor sich an die Gurgel zu gehen). Er ruft erst mal bei der Airline an und erfährt, dass alle Flüge aller Airlines für heute gestrichen sind. Also haben wir den Flug nicht verpasst und bekommen unser Geld zurück. Wenigstens etwas. Das klappt dann auch. Jetzt haben wir jedoch das Problem, dass wir nicht wissen was wir als nächstes machen sollen. Und die Enttäuschung nicht in den Dschungel zu kommen, sitzt tief. Also müssen wir uns erst einmal neu sammeln und entscheiden was wir als nächstes machen.


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