Death Road

Unser Tag startet recht früh, wir müssen um 10 vor 7 beim xTreme Downhill Office sein. So bleibt leider keine Zeit fürs Frühstück aber zumindest ist unser Hostel nur 5 Minuten entfernt. So sitzen wir also um 7 mit einigen anderen Touris in einem Minivan und harren der Dinge die da kommen werden. Nachdem wir in der Stadt noch an verschiedenen Hostels Halt gemacht haben, um weitere Mountainbiker einzusammeln, fahren wir etwa eine Stunde lang aus der Stadt hinaus, zum Startpunkt fürs Radeln. Dort angekommen schmeißen wir uns in unsere Ausrüstung und bekommen noch eine kurze Einweisung. Nach einer Eingewöhnungsrunde auf dem Rad am Parkplatz und einem Gruppenfoto geht es dann auch schon los.

Bereit für die Death Road
Bereit für die Death Road

Der erste Abschnitt besteht aus 22 km bergab auf einer asphaltierten Straße. Kein Problem sollte man meinen. Als wir jedoch gerade losstarten kommt auch von oben eine kleine Gruppe Radler herangedüst. Naja, der nächste von denen ist noch weit genug entfernt, also folge ich unserer Gruppe. Kurz nachdem ich auf der Straße bin höre ich es hinter mir auch schon scheppern. Oh nein, Carina ist hinter mir! Ich drehe mich also um und schaue was passiert ist, aber Carina sitzt zum Glück noch im Sattel. Dafür purzelt einer der anderen Gruppe im Graben herum. Also Graben ist gut gesagt, nennen wir es lieber Abhang. Wobei es hier nicht gleich neben der Straße steil nach unten geht, sondern erst nach 2 3 Metern. Warum es den anderen hingehaun hat können wir beide nicht so recht sagen, wir haben darauf geachtet ihn nicht zu schneiden und es war noch ein genügend großer Abstand. Hm, vielleicht hat ihn das Starten unserer Gruppe so erschreckt, dass er sich verbremst hat oder so. Wir werden es wohl nie erfahren.

Gut, dann sind wir also fast ohne Zwischenfälle auf der Piste und schießen bergab. Nachdem der Guide ganz vorne anfangs noch langsam fährt zieht er das Tempo bald an. Da ich immer mal wieder einen Fotostopp einlege ist die Führungsgruppe bald außer Sicht. Aber hinter mir müssen auch noch irgendwo die langsameren Fahrer sein. Die Straße führt in ein Tal, das auch Nebeltal genannt wird. Und an einer der Kurven mit guter Aussicht wird auch schnell klar warum: unten im Tal hängt eine dichte Suppe. Sieht aber echt super aus wie der Nebel die Berge hoch kriecht. Tolle Landschaft. Die Fahrt an sich ist eigentlich gar kein Problem bis auf die Kälte. Vor allem in die Finger friert es uns schon bald sehr, trotz der Schutzhandschuhe die wir tragen. Aber da müssen wir jetzt durch.

Nebeltal
Nebeltal

Die Abfahrt dauert mit 2 oder 3 Gruppen-Sammel-Stopps etwa 40 Minuten und endet auf einem kleinen Parkplatz, wo auch schon das Frühstück aufgebaut ist. Es handelt sich zwar nur um ein Tischchen mit einer Tüte Semmeln, Marmelade aus dem Beutel, Butter und Tee und Kaffee, aber wir sind sehr froh um die Stärkung und vor allem die warmen Becher an denen wir die Hände aufwärmen können. Nachdem alle Semmeln vertilgt sind steigen wir wieder in den Minivan (unsere Räder kommen aufs Dach) und fahren das nächste Stück. Hier geht es wieder bergauf und das würde wohl zu lang dauern bis sich da alle raufgequält haben. Und außerdem sind wir ja zum Spaß hier und nicht zur körperlichen Ertüchtigung ;-)

Nächster Halt ist dann der Beginn der berühmt berüchtigten Death Road. Bevor es losgeht gibt es wieder einige Erklärungen zur Sicherheit. Wichtigster Punkt: wer bergab unterwegs ist hat sich auf der linken Seite zu halten. Das ist unglücklicherweise die direkt am Abgrund. Aber dafür ist die Fahrspur auf der linken Seite auch besser in Schuss, extra für die Radler. Immer wieder schärft uns unser Guide ein, dass die Sache hier nicht ungefährlich ist und wir unsere volle Konzentration auf die Straße und nicht etwa die Landschaft richten sollen. Bei dieser Abfahrt kommen jährlich durchschnittlich 4 Leute ums Leben. Dieses Jahr hat es schon 2 erwischt. Na dann passen wir mal auf, dass wir heute den Jahresschnitt nicht erfüllen…

Wir vor der Death Road!
Wir vor der Death Road!

Nachdem alle aufgesessen sind greifen wir dann auch endlich die 33 Kilometer lange Strecke an. Der erste Teil hat es echt in sich, neben der Straße geht es meistens einfach direkt nach unten. Als ob das nicht schon genug Nervenkitzel wäre macht mein Bike auf einmal auch noch komische Geräusche. Hört sich fast so an, als wäre eine Speiche gebrochen und fällt jetzt hin und her. Das verunsichert mich dann doch sehr und ich bin eher langsam unterwegs. Dieses verfluchte Klicken macht mich echt irre. Ich halte immer wieder an und untersuche die Reifen, kann aber nichts feststellen. Was das Gefühl aber nicht besser macht. Oh Mann, das kann ja heiter werden. Bei einem weiteren Kontroll-Stopp stelle ich dann fest, dass das Geräusch von meiner Kette kommt, die vorne immer mal wieder gegen einen Schutz am Pedal schlägt. OK, das ist zwar auch nicht unbedingt optimal, aber immer noch besser, als wenn sich mein Reifen in seine Einzelteile auflösen würde. Dann kann ich ja jetzt Gas geben ;-)

Leider sind Carina und ich inzwischen etwas von der vorderen Gruppe abgeschlagen. Unter anderem auch, weil wir einmal in einer kleinen Bucht anhalten müssen, um einen entgegenkommenden LKW vorbei zu lassen. So verpassen wir das Gruppenfoto in einer Kurve, wo es einfach senkrecht nach unten geht. Schade. Kurz danach legen wir eine kleine Pause ein. Die holprige Fahrt geht doch etwas auf die Arme und es tut gut die etwas ausschütteln und entspannen zu können. Bei der Gelegenheit gibt es dann auch noch einen kleinen Snack. Inzwischen ist es auch richtig warm geworden und wir schwitzen ganz schön in unseren Klamotten. Aber das ist uns dann doch lieber als ohne die Sachen zu fahren und bei einem eventuellen Sturz Arme und Beine total aufzuschürfen. Weiter geht es. Inzwischen haben wir den gefährlichsten Teil der Strecke auch hinter uns gelassen. Die Straße ist jetzt etwas breiter und es ist nicht ständig ein Abgrund neben uns.

Alles in allem brauchen wir für die 33 Kilometer etwa 2 ¼ Stunden, inklusive 2 etwas längeren Pausen und diversen Foto-Stopps. Unterwegs müssen wir einmal durch eine Art Wasserfall fahren (Sprüh- bis Nieselregen) und fetzen zweimal durch kleine Bäche die die Straße kreuzen. Ansonsten geht es fast ständig bergab und es macht richtig Spaß über kleine Hügel zu springen oder um eine Kurve zu düsen. Nur zwei oder drei Mal müssen wir ein ebenes Stück Strecke überwinden und selbst in die Pedale treten. Dabei kommen wir aber gut ins Schwitzen und sehnen schnell wieder eine abschüssige Strecke herbei.

Carina (rechts) in Action
Carina (rechts) in Action

Nachdem alle heil am Ziel angekommen sind haben wir etwa eine Stunde Zeit uns im strahlenden Sonnenschein zu entspannen. Danach geht es weiter zu einem kleinen Hotel im Dschungel, wo wir ein reichliches und gutes Mittagessen bekommen. Außerdem können wir hier duschen und uns den Staub der Straße abwaschen. Hier gibt es auch einen Pool, den wir nutzen können, nur leider ist der so versteckt, dass wir ihn zu spät finden. Naja, lassen wir halt die Beine in das kühle Nass baumeln und genießen weiterhin die Sonne oder beobachten die vielen bunten Schmetterlinge hier. Nach etwa 1 ½ Stunden heißt es dann wieder ab in den Minivan, wir fahren zurück nach La Paz. Zum Glück müssen wir mit dem Van nicht die mit dem Rad zurückgelegt Strecke fahren, sondern können eine neue asphaltierte Straße fahren. Aber auch so dauert die Fahrt 3 Stunden.

Insgesamt hat uns der Ausflug echt Spaß gemacht und wir würden es sicher wieder machen. Ob die Tour aber für jemanden zu empfehlen ist, der noch nie länger mit dem Bike unterwegs war würde ich jetzt mal bezweifeln. Aber probiert es doch einfach selber aus! ;-)

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