Potosi

Die Busfahrt von Uyuni nach Potosi ist erheblich komfortabler als erwartet. Da haben wir in Asien schon schlimmere Busse gehabt. Die Strecke schlängelt sich durch die Berge und es geht dementsprechend etwas langsamer vorwärts. Die Aussicht ist jedoch sehr schön, so dass wir die Fahrt im Großen und Ganzen recht entspannt genießen können.

Gegen 17 Uhr erreichen wir schließlich die laut Lonely Planet mit 4067 m über dem Meeresspiegel höchstgelegene Stadt der Welt.

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An dieser Stelle müssen wir uns auch von Conor verabschieden, der sich weiter bis nach Sucre durchschlägt. So stehen wir mit Marie, Leen und Stefaan am Busfahnhof von Potosi und überlegen wohin wir gehen sollen. Etwas planlos steuern wir zunächst mal zu Fuß los, was sich angesichts der Höhenlage und der schweren Rucksäcke schnell als schlechte Variante herausstellt.

Kurzentschlossen springen wir in den nächsten Stadtbus und fahren zum Central Plaza. Tja, da hätten wir wohl lange gehen können, denn wir sitzen bestimmt 10 Minuten im Bus und fahren kreuz und quer durch die Stadt. Erschwerend kommt hinzu, dass es hier wirklich extrem hügelig ist. Glücklicherweise werden wir hinsichtlich einer Unterkunft schnell fündig und wir quartieren uns alle fünf in einem netten Hostel ein. Und das Beste: Hier gibt es sogar eine Heizung in unserem Zimmer. Das ist anscheinend in Bolivien etwas außergewöhnliches, wie uns von mehreren Seiten berichtet wurde. Juppiee! Endlich nicht mehr frieren in der Nacht!

So, Bleibe gefunden – was können wir in Potosi machen? Potosi hat ein sehr reiches Aufkommen an Silber und zählte im 17. Jahrhundert zu den größten Städten der Welt. Zu dieser Zeit wurden Millionen von Sklaven aus Südamerika und Afrika gezwungen, unter furchtbaren Bedingungen in den Minen zu arbeiten. Viele von ihnen starben. Obwohl die Silbervorräte inzwischen ausgeschöpft sind, arbeiten immer noch tausende Kumpel in harter Knochenarbeit und suchen nach anderen Mineralien. Die Hauptattraktion für die Touristen sind daher die Minen, die man besichtigen kann. Dieser Besuch ist laut Lonely Planet allerdings sehr anstrengend und schockierend und bringt wohl auch Gefahren mit sich. Mit einer geführten Tour kann man durch niedrige, enge und schmutzige Schächte kriechen und über wacklige Leitern klettern. Man kann auf diese Weise einen Einblick gewinnen, welch katastrophalen Arbeitsbedingungen die Bergarbeiter ausgesetzt sind. Die Temperaturen in diesen Minen schwanken von 0 Grad bis 45 Grad. Häufig sterben die Bergarbeiter, die unglaublich vielen schädlichen Chemikalien ausgesetzt sind, nach weniger als 10 Jahren an einer Quarzstaublunge.

Grundsätzlich wären wir ja schon interessiert an einer derartigen Tour, nachdem wir aber ein paar Bilder gesehen haben, wird uns aber beiden schon allein davon ganz anders. Leen und Stefaan wollen sich das am nächsten Tag mal antun, so dass wir zunächst deren Bericht abwarten wollen. Vielleicht ist das Ganze ja gar nicht so schlimm…

Obwohl wir eigentlich nach unserer Altiplano-Tour ziemlich erschöpft waren, haben wir beide ziemlich mies geschlafen. Die Heizung hat auch nicht so viel gebracht, wie wir uns erhofft haben und dementsprechend sitzen wir mal wieder fast als erstes beim Frühstück.

Gestärkt machen wir uns dann mal auf den Weg, um die 175.000-Einwohner-Stadt zu erkunden. Angeblich gibt es hier eine ganze Reihe alter kolonialer Gebäude und die Stadt an sich kann sich als UNESCO-Weltkulturerbe bezeichnen. Ich bin gespannt, denn bislang habe ich noch kein einziges Kolonialgebäude gesehen. Aber so viel sei gesagt, wenn man sich mal im Zentrum befindet und ein wenig durch die schmalen Gässchen schlendert, dann entdeckt man doch sehr viele.

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Es gibt gefühlte 100 Kirchen, aber keine einzige ist geöffnet und man hat von allen Ecken einen schönen Blick auf den riesigen Cerro Rico (reicher Berg).

Zu viel Sightseeing können wir uns aber dennoch nicht durchringen, da die WM unseren Zeitplan ein wenig durcheinander bringt. So kommt es, dass wir uns mittags ein Restaurant suchen, um Brasilien gegen Chile anschauen zu können. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn die Potosianer sind offensichtlich nicht so sehr an der WM interessiert, wie andere Südamerikaner. Nachdem wir schon fast aufgegeben haben, können wir doch noch einen Platz vorm Flatscreen erhaschen und das leckere bolivianische Essen genießen.

Anschließend kehren wir wieder in unser Hostel zurück und treffen auf Leen und Stefaan, die uns von ihrer Minentour berichten. Schlussendlich sind wir aber dann doch davon überzeugt, dass wir gut daran getan haben, diese Tour nicht mit zu machen. Wir wären wahrscheinlich beide klaustrophobisch geworden.

Wir relaxen ein wenig in unserer Unterkunft, ehe wir uns nochmal ein bisschen umschauen. Leider haben die Kirchen immer noch alle geschlossen, so dass man eigentlich gar nicht so viel machen kann. Dennoch ist Potosi ein interessanter Ort, der aufgrund seiner Geschichte auf makabere Art fasziniert.


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