Salar de Uyuni

Am nächsten Morgen heißt es vorm Frühstück gleich mal zusammen packen. Beim Frühstück lernen wir dann gleich Conor aus England und Marika aus Holland kennen, die mit uns auf die Tour gehen. Wider Erwarten sitzen wir dann aber doch nicht im gleichen Wagen. Es kommen zwei Jeeps an, um uns aufzusammeln. In beiden sitzen auch schon jeweils zwei andere Touris. Wir verstehen erst nicht was das für einen Sinn macht, aber es stellt sich heraus, dass Marika und Conor im Gegensatz zu uns einen englisch sprachigen Guide bzw. Fahrer gebucht haben. So stoßen wir in unserem Jeep auf Marie aus Frankreich und Renaud aus Belgien, sowie unseren Fahrer Oscar.

Und dann geht die Reise auch schon los und wir verlassen Tupiza auf einer Schotterstraße Richtung Westen. Oscar erklärt uns dann auch gleich, dass der heutige Tag hauptsächlich aus Fahren bestehen wird, da wir etwa 300 km auf der Schotterpiste zurücklegen müssen. Aber das stört uns gar nicht so sehr, die Landschaft ist echt beeindruckend und auch vom Auto aus gut anzusehen. Und den ein oder anderen Stopp legen wir dann doch ein. Und hier treffen wir dann natürlich auch immer auf Marika und Conor und noch einige andere Leute, da wir im Grunde mit etwa 6 Jeeps in Kolonne fahren. Mal ist der eine eher an einem der Stopps, mal der andere, aber man sieht sich immer wieder. Das ist zwar etwas komisch und fühlt sich nach Massenabfertigung an, ist aber gar nicht anders möglich, da das auch der Sicherheit dient. Gibt’s ein Problem an einem Auto ist schnell Hilfe da.

So halten wir heute unter anderem an einem Canyon aus roten Felsen, einem Feld voll mit Lamas, einer Ruinenstadt und einem Viewpoint auf einen See und Vulkan dahinter auf 4855 Metern (so weit über dem Meeresspiegel waren wir noch nie, außer im Flieger natürlich ;-) ). Außerdem wird zwischendurch Mittagspause in einem kleinen Dorf gemacht. Hier lernen wir dann auch noch die beiden Mitreisenden aus dem anderen Auto kennen: Len und Stefaan aus Belgien. Das Essen ist entgegen der Auskünfte im Internet gut und reichlich und wir werden alle satt. Den ganzen Tag über scheint die Sonne und es ist noch einigermaßen warm. Ich befürchte schon, dass die neue Jacke nur Ballast zum Tragen wird. Aber je höher wir kommen und je später es wird, desto frischer wird es auch. So bin ich dann irgendwann doch ganz froh um die Jacke.

wir auf 4855 Metern, im Hintergrund: Vulkan Uturuncu
wir auf 4855 Metern, im Hintergrund: Vulkan Uturuncu

Abends sitzen wir dann mit unseren Mitreisenden in einer gemütlichen Runde. Naja, gemütlich ist vielleicht die falsche Formulierung, da es echt saukalt ist und es hier weder Heizung noch Ofen gibt. So sind wir alle dick eingepackt und bibbern etwas vor uns hin. Aber wir haben trotzdem Spaß und lachen viel. Ab 10 Uhr gibt’s hier leider auch keinen Strom mehr und so schauen wir, dass wir noch rechtzeitig ins Bett kommen und nicht im Dunkeln herumlaufen müssen. Die Nacht wird eine der schlimmsten Nächte überhaupt. Es ist arschkalt und obwohl wir 4 Decken und 2 Schlafsäcke haben können Carina und ich lange nicht einschlafen. Das Problem ist, dass wir richtige Eiszapfen-Füße haben die sich einfach nicht aufwärmen wollen. Für mich kommt es dann noch schlimmer: entweder liegt es an der Höhenluft oder ich habe das Essen nicht vertragen, auf jeden Fall ist mir ziemlich übel. Die Details der Auswirkungen spare ich mir jetzt mal, aber es war nicht schön.

So hänge ich am nächsten Morgen beim Frühstück auch noch ziemlich in den Seilen und kann leider gar nichts essen. Allein der Gedanke daran lässt meinen Magen unruhig werden. So richtig gut geschlafen hat keiner der Gruppe, aber wenigstens ist der Rest fit und haut gut rein. Dann packen wir auch schon wieder unsere sieben Sachen und los geht die Fahrt. Erstes großes Ziel ist die Laguna Verde nahe der chilenischen Grenze. Auf der Fahrt dorthin halten wir wieder ein paar Mal an und springen aus dem Auto. Dabei können wir unter anderem eine Herde Lamas im Stall betrachten, sowie an einem See herumlaufen, in dem Kalk (hoffe das habe ich richtig in Erinnerung) gefördert wird. Auf dem weiteren Weg durchqueren wir die sog. Dali-Wüste, benannt nach dem berühmten Maler. Er hat wohl ein Bild gemalt, das der Gegend hier sehr sehr ähnlich sieht, jedoch ohne jemals hier gewesen zu sein. Wie das Bild heißt kann mir Oscar aber leider nicht sagen. Die Landschaft sieht auf jeden Fall sehr merkwürdig aus: eigentlich eine flache karge Wüste, nur dass immer wieder Felsen aus dem Boden ragen. Naja, schwer zu beschreiben, schaut einfach das Bild an ;-)

Dali-Wüste
Dali-Wüste

Als wir dann an der Laguna Verde ankommen sind wir etwas enttäuscht, das Farbenspiel kommt im Moment nicht sehr zur Geltung und der See sieht nicht so viel anders aus wie die bisherigen auf dem Ausflug. Außerdem ist es im Moment sehr windig und es macht nicht besonders viel Spaß sich außerhalb des Autos aufzuhalten. Schade. Haben uns doch die Bilder der Lagune mit dazu bewegt den Ausflug zu machen. Aber OK, die Landschaft ist auch so beeindruckend und toll. So geht es nach einem eher kurzen Stopp wieder den Weg zurück und wir durchqueren nochmal die Dali-Wüste. Dann ist es auch schon wieder Zeit für die Mittagspause. Während unsere Köchin, die auch im anderen Auto mitfährt, das Essen zubereitet, haben wir aber ein besondere Abwechslung im Programm: baden in heißen Quellen. Schnell springen wir in unsere Badeklamotten und hasten die wenigen Meter von der Umkleide zum 37° warmen Pool. Das warme Wasser tut unheimlich gut und wir fühlen uns pudelwohl. Am liebsten würden wir noch Stunden in dem Becken rumdümpeln, aber nach etwa einer halben Stunde ist das Essen fertig und Oscar weigert sich mit einem Lachen es uns zum Pool zu bringen.

in den Aguas Calientes
in den Aguas Calientes

Nach dem Essen steuern wir den höchsten Punkt unserer Fahrt an: das Geysirfeld Sol de Manana auf etwa 5000 Metern. Es besteht aus vielen Löchern aus denen es blubbert und dampft. Leider kann man nicht näher rangehen, da die Gefahr besteht einzubrechen und sich im siedenden Wasser zu verbrühen. So beobachten wir das Geschehen aus sicherer Entfernung. Die Höhenluft macht sich hier zum Glück nicht bemerkbar. Vielleicht sind wir auch nicht lange genug hier um sie zu spüren. Danach verringern wir unsere Höhe wieder etwas und steuern ca. 4300 Meter an. Auf dieser Höhe liegt das heutige Quartier und wir halten dort kurz, um unser Gepäck abzuladen. Danach besuchen wir noch die nahe gelegene Laguna Colorada, die auf den Bildern herrlich rot erschienen ist. Leider werden wir auch hier wieder enttäuscht und der See ist größtenteils vereist, von der roten Farbe keine Spur. Außerdem halten sich hier zu Top-Zeiten um die 30.000 Flamingos auf, heute sind nur um die 30 da und auch noch sehr weit weg. Schade. Aber das ist trotzdem Jammern auf hohem Niveau, die Landschaft ist auch so beeindruckend und wunderbar.

So kehren wir etwas durchgefroren in unsere Unterkunft zurück. Nachdem wir verköstigt wurden wird zu unserer Freude der kleine Holzofen angeheizt und wir suchen dessen Nähe. So sitzen wir zusammen mit einer anderen 8er Gruppe im Kreis und genießen die Wärme. Nachdem wir uns ein wenig aufgewärmt haben starten wir zu fünft eine Pokerrunde. Damit es auch um was geht setzt jeder 10 Bolivianos ein, das entspricht etwa 1,10 Euro. So spielen wir die nächsten zwei Stunden um den Hauptgewinn von 50 Bolivianos. Am Ende setzt sich Conor mit einer gewissen Genugtuung durch, musste er auf der Fahrt doch schon einige auf die WM bezogene „England is out“ Scherze ertragen (die Teams aller anderen Teilnehmer waren zu dem Zeitpunkt noch dabei *g*). Da auch hier wieder um 10 Zapfenstreich ist verkriechen wir uns rechtzeitig vorm dem Aussetzen des Lichts in unsere Deckenlager. Zwar hat es heute Nacht Temperaturen von bis zu minus 15 Grad, aber wir schlafen dennoch besser und es kommt uns mit unseren 4 Decken und 2 Schlafsäcken gar nicht so kalt vor.

Den nächsten Tag beginnen wir wieder mit einem ausgiebigen Frühstück. Die Warnung im Internet, dass wir nicht viel zu essen bekommen war also absolut nicht angebracht. Und nachdem unser Gepäck wieder auf dem Jeep verstaut ist brechen wir auch schon wieder auf. Erster Stopp heute ist wieder eine tolle Lagune. Das Wetter ist aber weiterhin eher ungemütlich und wir trauen uns nur dick eingepackt raus. Danach geht es weiter zum sog. Arbol de Piedra, einem Felsen der aussieht wie ein Baum. Mich begeistern aber viel mehr die anderen Felsformationen außen rum. Hier kann man überall rumklettern und sich austoben. Nur der schneidende Wind ist sehr störend, wenn man oben auf einem Felsen steht treibt es einem sofort die Tränen in die Augen und man muss aufpassen, dass man nicht runter geweht wird. Nach 20 bis 30 Minuten setzen wir die Fahrt dann auch wieder fort.

Die Strecke führt uns dann an einigen weiteren Lagunen vorbei. Da diese sich aber nicht so groß unterscheiden halten wir nicht jedes Mal an. Ein Stopp lohnt sich dann aber doch noch mal, eine der Lagunen kann dann doch noch mit den versprochenen Flamingos aufwarten. Es sind zwar bestimmt auch nicht mehr als um die 200 Vögel, aber diese staksen sehr nah am Ufer herum und stören sich auch wenig an unserer Anwesenheit. So können wir sie aus wenigen Metern Entfernung beobachten und natürlich ausgiebig Fotos schießen.

Flamingos in einer Lagune auf dem Aliplano
Flamingos in einer Lagune auf dem Aliplano

Nach den ganzen Lagunen passieren wir einen aktiven Vulkan. Von dem sieht man aber leider nicht so viel, weil es etwas bewölkt ist. Dafür kommen wir dann in eine recht felsige Gegend, die aus Lavagestein besteht, wie uns Oscar erklärt. Eigentlich wäre hier auch die Mittagspause geplant, aber da es immer noch sehr windig ist wird daraus nichts. Ohne Dach über dem Kopf wird das nichts mit dem Essen. Also fahren wir direkt weiter und peilen das Örtchen San Juan an. Um dort hinzukommen müssen wir noch die kleine Salzwüste Salar de Chiguana durchqueren. Der Aufenthalt in San Juan hat auch noch den positiven Nebeneffekt, dass wir das Ergebnis des letzten Vorrundenspiel Deutschlands bei der WM mitbekommen. Wir hätten sogar einen Fernseher gehabt, um die letzten Minuten anzusehen, nur leider können wir den Kanal mit der Übertragung nicht empfangen.

Nach dem verspäteten Mittagessen ist das nächste Ziel auch schon wieder die heutige Unterkunft. Diese liegt am Rand der großen Salzwüste Salar de Uyuni und ist ein Salzhotel, erbaut aus Salzblöcken. So sind die Wände aus Salz, die Tische und Stühle, ja sogar die Bettgestelle. Aber im Gegensatz zu den letzten beiden Unterkünften ist es hier echt gemütlich und schön und es gibt warmes Wasser. So kommen wir alle in den Genuss einer warmen Dusche, die zwar extra kostet aber jeden Centavo wert ist. Den Abend verbringen wir dann wieder im Kreis der Gruppe mit Kartenspielen, ratschen und lesen.

Sind wir die letzten beiden Tage immer gegen 8 Uhr aufgebrochen, müssen wir heute schon um 6 los. Sehr zu Carinas Missfallen ohne Frühstück, das gibt es später. Der Grund für den frühen Aufbruch liegt darin, dass wir zum Sonnenaufgang gegen 7 auf der Isla Incahuasi, einer Insel in der Salzwüste, sein wollen und bis dahin noch einige Kilometer zurücklegen müssen. Also brausen wir im Dunkeln los und hoffen, dass wir rechtzeitig da sind. Unterwegs haben wir dann aber das erste Mal auf der Reise ein Problem: das Auto vor uns bleibt im Salzmatsch stecken. Normalerweise ist die Salzkruste steinhart und man kann problemlos drüber fetzen, aber an dieser Stelle scheint Feuchtigkeit das Salz in eine zähe Masse verformt zu haben. Oscar bleibt rechtzeitig stehen, um nicht auch festzustecken, aber die Leute aus dem anderen Jeep müssen aussteigen und anschieben. Mit vereinten Kräften schaffen sie es dann auch sich wieder aus der misslichen Lage zu befreien. Als der Weg frei ist legt Oscar den 4×4 Gang ein und gibt Gas. Mit etwas Geschick und Glück kommen wir wieder auf festem Untergrund an und können unseren Weg in Richtung der Insel fortsetzen.

Dort kommen wir dann auch rechtzeitig vorm Sonnenaufgang an. Bevor wir den kleinen Hügel inmitten der Salzwüste erklimmen können müssen wir aber noch den Eintritt von 30 Bolivian pro Person bezahlen. Danach machen wir uns auch sogleich auf den Weg und eilen den Pfad hinauf. Um uns herum ist alles voller riesiger Kakteen, ein einzigartiger Anblick. Am Ende des Weges lassen wir uns nieder, um auf die Sonne zu warten. Diese lässt sich auch nicht lange bitten und betritt wenig später die Bühne. Das weiß der Salzwüste blendet und fast, der Ausblick ist einfach fantastisch. Nach etwa einer Stunde machen wir uns schön langsam auf den Rückweg. Inzwischen ist uns doch etwas kalt und der Hunger macht sich auch bemerkbar. Unterwegs kann man noch über einige Felsen kraxeln und durch eine Höhle gehen. Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Carina freut sich aber mehr auf einen warmen Kaffee und geht zielstrebig weiter. Aber ich habe ja noch ein paar andere Spielkameraden hier und schaue mich mit ihnen zusammen um.

Isla Incahuasi
Isla Incahuasi

Schließlich kehren wir aber alle wieder zu den Jeeps zurück, wo das Frühstück schon auf uns wartet. Wir werden mit einem super Kuchen verwöhnt und dazu gibt’s warmen Kaffee bzw. Tee. Während wir uns aufwärmen und stärken kommt ein Reisebus voller Bolivianer an. Einige davon eilen auf uns zu und wollen Fotos mit uns machen. Kein Problem, echt witzig. So werden wir auch mal zum Fotomotiv für die Einheimischen nicht immer nur anders herum ;-)

Marie, Marika, Bolivianer, Len, Stefaan, Bolivianerin, Carina
Marie, Marika, Bolivianer, Len, Stefaan, Bolivianerin, Carina

Nach dem Frühstück verlassen wir die Insel wieder und setzen unseren Weg quer durch die Salzwüste fort. Inmitten der großen weißen Ebene halten wir dann nochmal an, um eine Fotosession zu machen. Mit nichts als weiß im Hintergrund lassen sich allerlei lustig Fotos mit verschobener Perspektive machen. Allerdings ist das gar nicht so einfach, weil die Kamera immer mal wieder das Falsche scharf stellt. So ganz zufrieden sind wir nicht mit unseren Ergebnissen, aber es macht auf jeden Fall Spaß und wir machen allerlei Blödsinn und probieren die Verschiedensten Posen aus. Nach etwas über einer Stunde bremsen uns Oscar und Milton, der andere Fahrer, dann aber in unserem Eifer und drängen zur Weiterfahrt.

Wir halten noch kurz bei der Salzgewinnungsanlage (alles Salz in Bolivien kommt von hier) und einem kleinen Markt, bevor wir auf den Eisenbahnfriedhof vor den Toren der Stadt Uyuni fahren. Dort stehen viele alte ausgediente Dampfloks herum und rosten vor sich hin. Das ist auch noch mal ein schöner Abenteuerspielplatz, wo wir auf und in Loks klettern können und ein gelungener Abschluss für diese fantastische Tour. Nach dem Besuch des Friedhofs und einem letzten gemeinsamen Essen heißt es dann nämlich Abschied nehmen, die Tour ist zu Ende. Naja, eigentlich verabschieden wir uns nur von Oscar und Milton, sowie Renaud und Marika. Mit den restlichen 5 Leuten der Tour reisen wir nämlich gleich weiter und springen zusammen in den Bus nach Potosi.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.