Colca Canyon

Wie bereits angekündigt, müssen wir für unsere Tour besonders früh aufstehen. Pünktlich um 02:50 Uhr klingelt der Wecker. Ja, richtig gelesen! Um zehn vor drei in der Nacht müssen wir aus den Federn, weil wir zwischen drei und halb vier abgeholt werden. Das ist wirklich eine unmenschliche Uhrzeit und so packen wir schlaftrunken unsere restlichen Sachen für den dreitägigen Ausflug und können glücklicherweise unsere großen Rucksäcke während der Zeit in unserem Hostel bunkern.

Zu unserer Überraschung ist unser Abholservice überpünktlich und wir sind nicht unnötig früh aufgestanden. Der 15-sitzige Bus ist bereits gut gefüllt und wir müssen uns die letzte Reihe zwischen zwei etwas – naja sagen wir‘s mal freundlich – unangenehm riechende und platzverschwenderische Amerikaner quetschen. Das ist für die anstehenden 3 Stunden nicht gerade die komfortable Variante und mit Schlafen wird es auch schwierig, aber da haben wir ja schon ganz anderes erlebt.

Gegen 7 Uhr erreichen wir die Ticketstation zum Canyon. Der Eintrittspreis war leider nicht in den Tourpreis inbegriffen, so dass wir hier nochmal 70 Soles pro Person (rund 17,50 Uhr) blechen müssen, ehe wir passieren dürfen. Mit dem Bus geht es dann nochmal rund 15 Minuten bis nach Chivay, ein kleines Örtchen, in dem wir unser Frühstück bekommen. Wir stärken uns nochmal reichlich, bevor es dann weiter geht zum Cruz del Condor. Auf dem Weg dorthin rutscht mir das Herz noch schnell mal in die Hose, als wir durch einen unbeleuchteten Tunnel fahren und – ich weiß nicht, ob es ein Joke des Busfahrers war, oder ein technischer Defekt – plötzlich das Licht des Busses ausfällt. Wir fahren also mit rund 50 km/h in der totalen Dunkelheit. Und damit meine ich auch wirklich totale Dunkelheit, denn man sieht GAR nichts! Gott sei Dank aber geht das Licht nach wenigen Sekunden wieder an und mein Herzschlag normalisiert sich wieder.

Nach diesem morgentlichen Schock geht es dann zum angekündigten Cruz del Condor, von wo aus man den ersten Blick auf den Colca Canyon erhaschen kann und die gigantischen Kondore, mit einer Flügelspannweite von bis zu 3 Metern bestaunen kann. Hier halten wir uns etwa 45 Minuten auf und wir haben Glück, dass wir gleich eine ganze Menge Kondore sehen können. Schade nur, dass sich keiner für ein Portraitfoto in Schale wirft…

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Gegen neun Uhr brechen wir dann auf, um zum Ausgangspunkt unserer Wanderung namentlich Cabanaconde zu fahren. Dort herrscht bereits Massenandrang, da anscheinend nicht nur wir auf die Idee gekommen sind, diesen Trail zu machen. Bevor es losgeht, werden die Gruppen eingeteilt. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil sowohl die 3-Tagesleute, als auch die 2-Tagesleute alle im Kollektiv aufgesammelt worden sind. Unser Tourguide ist Victor, der uns zusammen mit einem Pärchen aus Frankreich, einem Pärchen aus dem englischsprachigen Teil von Kanada, einer Holländerin, einer Amerikanerin und zwei Mädels aus dem französischsprachigen Teil von Kanada in eine Gruppe steckt. Nachdem wir uns alle reihum vorgestellt haben, geht es auch schon los.20140718100322DSCN5299

Wir haben einen dreistündigen steilen Abstieg vor uns. Schnell zeigt sich, dass dieser Marsch kein Zuckerschlecken wird und für die Knie wird es eine Höchstbelastung. Victor hat uns zuvor instruiert, dass es passieren kann, dass uns Esel entgegenkommen und falls dem so ist, sollen wir auf jeden Fall innen gehen, da wir sonst Gefahr laufen, von einem unkontrolliert ausschlagenden Lastenesel geschubst zu werden. Dies wäre in Anbetracht der neben uns befindlichen Klippe eher suboptimal. Der Weg an sich ist sehr schmal, es geht ständig am Abgrund entlang und aufgrund der seit längerer Zeit anhaltenden Trockenheit ist der Weg sehr staubig und erfordert höchste Konzentration. Im Grunde kommt jeder von uns mindestens einmal ins Straucheln, aber Gott sei Dank geht es bei allen gut aus und niemand stürzt oder verletzt sich. Ich bin wirklich sehr froh, als wir nach den angekündigten drei Stunden endlich unversehrt unten im Canyon ankommen. Dort versammeln sich dann alle Hiker wieder und werden auf Nationalparktickets kontrolliert. Unglücklicherweise haben aus unserer Gruppe nicht alle ein Ticket, weil die Holländerin und das Pärchen aus Frankreich mit dem öffentlichen Bus fahren mussten, da sie der Touranbieter nicht mitgenommen hat, was an und für sich eigentlich wirklich eine Unverschämtheit ist. Die drei sehen es allerdings gelassen und dürfen nach Schilderung der Sachlage vor Ort noch ein Ticket kaufen.

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Damit geht es über den Rio Colca und nach einem kurzen Aufstieg auf der anderen Flussseite zu unserem Mittagessen und gleichzeitig auch zum Nachtlager in San Juan de Chuccho. Schnell die eher basic Zimmer verteilt, erhalten wir unser heißersehntes Mittagessen. Leider ist das ein wenig enttäuschend. Die Suppe zu Beginn schmeckt noch sehr gut, das Hauptgericht ist allerdings ein wenig fad. Victor hat angekündigt, dass es Alpaca-Fleisch gibt. Naja, ganze 3 Minibrocken haben wir in unseren Tellern. Dazu gibt es die klassischen Beilagen: Pommes und Reis (ohne Soße bei, versteht sich)

Den Nachmittag haben wir dann zu unserer freien Verfügung. Wir pflacken uns mit unseren Büchern bewaffnet in die umstehenden Stühle und verbringen lesend den Nachmittag, halten eine Siesta und kehren sodann gegen halb 6 zum Rest der Gruppe zurück und wir spielen alle miteinander Karten. Das ist wirklich sehr lustig und so vergeht die Zeit bis zum Abendessen sehr rasch. Leider ist auch da wieder die Suppe das Highlight.

Nachdem es relativ bald ziemlich frisch wird, heißt es zeitig schlafen gehen.

Überraschenderweise können wir beide in unserer Basic-Unterkunft wie Babys schlafen und sind einigermaßen verwirrt, als uns der Wecker aus dem Schlaf reißt. Schnell die Wanderkleidung angezogen und schon geht es ab zum Frühstück. Es gibt Pancakes mit Banane und Schokolade. Da ich seit meinem Erlebnis in Luang Prabang von derartigem Abstand genommen habe, bin ich von dieser Frühstücksvariante nicht ganz so angetan, wie alle anderen. Da wir heute aber wieder eine anstrengende Wanderung vor uns haben, möchte ich aber die angebotene Stärkung nicht missen müssen.

Mit vollen Mägen geht es schließlich los. Zunächst müssen wir, bzw. müssen ist falsch, da wir uns freiwillig dazu entschieden haben, einen Umweg zu machen, bergauf wandern. Und zwar dauert das, nicht wie Victor angekündigt hat eine Stunde, sondern zwei Stunden. Ich bin echt überrascht, dass ich den Aufstieg doch nicht als so schlimm empfinde, wie ich erwartet habe. Offensichtlich ist es schon ein erheblicher Unterschied, ob man sich in Regionen zwischen 2000 und 3000 Höhenmetern aufhält, oder über 4000 Metern. Klar, am Anfang ist es noch ein wenig mühsam, aber wenn die Muskulatur mal warm ist und man einmarschiert ist, dann geht es einfach so dahin.

Nach den bereits erwähnten 2 Stunden erreichen wir dann das Dörfchen Tapay, welches sich massiv von den anderen Taldörfern unterscheidet. Vor allem der zentrale Dorfplatz erregt unsere Aufmerksamkeit, da er eigentlich überhaupt nicht ins Bild passt. Victor zwängt uns dann noch in der Kirche durch einen dunklen Schacht, von wo aus man das Innere der selbigen aus der Vogelperspektive betrachten kann. Naja, außer dass wir allesamt von oben bis unten voller Staub und Dreck sind, war es eher nicht sonderlich lohnenswert. Aber egal!

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In einem kleinen Shop decken wir uns noch mit Schokoriegeln und Wasservorräten ein, ehe es wieder abwärts geht. Dieser Weg führt wieder über sandige schmale Pfade unmittelbar am Abhang entlang. Ganz wohl ist mir auch diesmal nicht dabei, aber mit voller Konzentration kann man den Abstieg schon gut meistern. Ich bin ziemlich froh, als wir dann endlich eine breite „Straße“ entlang wandern und für eine Weile nicht direkt an der Kante marschieren müssen.

Nach etwa einer Stunde kehren wir nochmal ein, nehmen einen Snack zu uns und greifen dann das letzte Teilstück für heute an. In einem Dorf verliert Victor plötzlich die Orientierung und wir müssen umkehren. Glücklicherweise hat er das Problem aber nach wenigen Metern erkannt, so dass nicht so schlimm ist. An dieser Stelle treffen wir auf einen streunenden Hund, der für den Rest des Tages nicht mehr von unserer Seite weicht und tatsächlich die ganze restliche Wanderung mitläuft.

Nachdem wir wieder auf dem richtigen Pfad sind, geht es eigentlich nur noch bergab. Erst sehr kontinuierlich, schließlich wieder steil. Aber auf dem steilen Part können wir zumindest die ganze Zeit unser Ziel in Sangalle sehen. Auf uns wartet dort ein erfrischender Sprung in den Pool. Leider geht es aber erst noch über zig Kurven runter, bis wir endlich an der Brücke ankommen. Eine der beiden Mädels aus Kanada hat sich unglücklicherweise dicke Blasen an den Füßen gelaufen, so dass wir unten eine gefühlte Ewigkeit auf die Nachzüglerin warten müssen.

Gegen 14 Uhr und damit nach rund 5 Stunden erreichen wir dann endlich unser Lager. Wir sind allesamt völlig ausgehungert und wollen nur endlich was Essen, aber Victor möchte zuerst die Zimmereinteilung machen. Gut, dann beziehen wir eben unsere windige Holzhütte, die an allen Ecken und Enden undichte Stellen hat und dürfen anschließend endlich was Essbares zu uns nehmen. Highlight auch diesmal wieder die Suppe.

Der Nachmittag steht uns auch heute wieder zur freien Verfügung. Der Sprung in den Pool, auf den wir uns den ganzen Tag schon gefreut haben, steht da natürlich bei allen von uns hoch im Kurs. Leider ist hier im Canyon nur die Sonne relativ schnell weg, so dass uns nicht viel Zeit für die Erfrischung bleibt. Die fühlt sich aber dennoch unglaublich gut an – vor allem bietet sie uns die Möglichkeit, den Schweiß der letzten beiden Tage abzuwaschen.

Im Anschluss daran, liegen wir gemütlich in der Wiese, lesen ein bisschen und tun einfach mal bis zum Abendessen gar nichts. Nach dem Essen ist ziemlich schnell Zapfenstreich, da uns ein hartes Morgenprogramm erwartet.

4:45 Uhr – Zeit zum Aufstehen!! Verdammt, wer hat sich denn den Blödsinn einfallen lassen? 5 Uhr ist Aufbruch! Es ist noch stockfinster, es gibt KEIN Frühstück und wir haben einen mit 3 ½ Stunden angesetzten steilen Anstieg über ca. 1300 Höhenmeter vor uns, ehe wir endlich was zum Essen bekommen. Ja, so schauts aus! Und wer mich kennt, weiß, dass ich vorm Frühstück, allen voran vorm Kaffee eigentlich zu nichts zu gebrauchen bin. Was mich geritten hat, mir eine derartige Tortur freiwillig anzutun, weiß ich nicht, aber nach einem schnellen Bananen-Snack und 2 Keksen bin ich startklar um eine Strecke vergleichbar mit 25 Aufstiegen auf den Landshuter Hofberg zur Unzeit in Angriff zu nehmen.

Zu Beginn ist die Wanderung eigentlich eher eine Prozession, da gefühlte 300 Menschen zur gleichen Zeit losmarschieren und jeder in Reih und Glied hinter seinem Vordermann/-frau herläuft. In der Dunkelheit sieht man zum Glück auch nicht, wie weit es tatsächlich nach oben geht.

Wir laufen eine knappe Stunde im Dunklen, bis die Sonne endlich ihren Weg findet. Und damit gibt Victor auch das Startsignal, dass jeder von uns sein eigenes Tempo laufen kann. Dadurch lockert sich die Volkswanderung auch endlich ein wenig auf und wir müssen nicht mehr alle 10 Meter wegen Stau stehen bleiben.

Die ersten 1 ½ Stunden des Aufstieges gehen noch relativ geschmeidig und wir kommen gut voran, aber irgendwann wird es dann zunehmend anstrengender. Vor allem weil die Stufen auch immer höher werden und es sich dadurch zum Kraftakt entwickelt. Da uns allerdings nichts anderes übrig bleibt, als diesen Marsch zu bezwingen, mobilisieren wir alle unsere Energie und kämpfen uns nach oben. Als ich nach 2 ½ Stunden drei Bäume sehe, bin ich verwirrt. Sehe ich jetzt schon Fata Morganas? Das kann doch noch nicht unser Ziel sein – wir haben doch laut Victor noch eine Stunde vor uns. Aber tatsächlich, wir sind wirklich schon oben angekommen und damit beim ersten Drittel mit dabei. Ich bin wirklich angenehm überrascht, dass ich anscheinend doch nicht so unfit bin, wie ich befürchtet habe.

Gruppenfoto
Gruppenfoto

Es dauert nämlich tatsächlich noch eine Stunde bis wirklich auch der letzte Wanderer obe angekommen ist. Die Kanadierin, die sich gestern die fiesen Blasen gelaufen hat, lässt sich von einem Esel den Berg hinauftragen und auf den müssen wir dann schließlich warten, bis wir endlich zu unserem wohlverdienten Frühstück kommen.

Und dieses Frühstück ist auch wirklich gut! Rühreier, leckere Semmeln und KAFFEE!!! Jetzt bin ich glücklich, meine Füße schmerzen zwar, aber ich bin glücklich.

Damit geht es dann an den entspannteren Teil des heutigen Programms. Zunächst machen wir nochmal Halt am Cruz del Condor, damit die drei, die mit dem öffentlichen Bus fahren mussten, auch noch die Möglichkeit haben, die Kondore zu sehen. Schade nur, dass wir diesmal keinen zu Gesicht bekommen.

Danach machen wir einen Stopp an einem sehr guten Aussichtspunkt, von dem man einen herrlichen Blick auf den Canyon hat und hunderte von Inkaterrassen.

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Das ist wirklich sehr spektakulär. Im Anschluss daran folgt der klassische Touristenstopp in einem Dorf, wo man allerlei Ramsch und Nippes kaufen kann, bevor wir dann endlich das Ziel anpeilen, worauf wir uns alle schon die ganze Zeit freuen: nämlich die Aguas Calientes oder auch Hot Springs. Das heiße Quellwasser ist wirklich eine Wohltat für die geschundenen Muskeln und trägt wesentlich dazu bei, dass wir uns gleich viel besser fühlen. Insgesamt verbringen wir rund 45 Minuten in den Thermalquellen, aber das reicht, um den Körper wieder auf Vordermann zu bringen.

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Damit geht es dann zum Mittagessen. Diesmal gibt es ein Büffet. Da wir dafür extra bezahlen müssen, ist es wahrscheinlich auch erheblich besser, als der Rest, den wir zum Essen vorgesetzt bekommen haben. Wir stürzen uns auf die Fleischberge, Kartoffelvariationen und Reisgerichte, als wenn wir tagelang nichts zu Essen bekommen hätten.

Ehe wir wieder nach Arequipa zurückkehren, machen wir noch einen Halt am höchsten Punkt bei 4910 Metern und bei ein paar Alpacas. Gegen 18 Uhr kommen wir schließlich erschöpft aber zufrieden wieder in Arequipa an.

Insgesamt war es eine sehr schöne, aber auch anstrengende Tour. Wir haben bei dem Anbieter Peru Schweiz Explorer gebucht, weil wir gute Rezessionen auf Tripadvisor gelesen haben. Wir glauben, dass es keine Rolle spielt, wo man bucht, da am Ende sowieso alle zusammen gewürfelt werden. Jeder Anbieter hat die gleichen Unterkünfte, war vor allem in der zweiten Nacht sehr deutlich geworden ist und das Essen ist auch für alle das Gleiche. Beim Buchen sollte man daher in erster Linie nach dem Preis gehen, da dieser je nach Anbieter anscheinend ziemlich weit auseinanderklafft.

Arequipa

Mit den peruanischen Touristenbussen erleben wir eine sehr angenehme Überraschung! Nach eingehender Internetrecherche und Empfehlung einer Travelagency in Puno, buchen wir unsere Weiterfahrt nach Arequipa mit einem Touristenbus, der untertags fährt. Die etwa 6 stündige Fahrt ist wohl nachts nicht zu empfehlen, da es da häufiger zu Unfällen kommt wegen übermüdeten und unkonzentrierten Fahrern.

So kommt es, dass wir um halb 10 in einem Doppeldeckerbus mit Semi-Cama sitzen und eine ziemlich entspannte Busfahrt genießen können. Die Strecke windet sich kurvenreich durch die Anden und nicht selten geht es neben uns den Abhang hinab. Glücklicherweise erreichen wir die zweitgrößte Stadt Perus ohne Zwischenfälle gegen 16 Uhr. Hier gilt es, ein sicheres Taxi zu finden, da wir vorab bereits in Erfahrung gebracht haben, dass es in Arequipa wohl Taxis gibt, die wie alle anderen aussehen, aber die auf Touristen abzielen und sie in entlegene Viertel bringen, um sie dort auszurauben.

so sehen die dubiosen Taxis aus
so sehen die dubiosen Taxis aus

Nach unseren Erlebnissen in Sucre bin ich ein wenig verunsichert und checke zweimal, ob der von uns ausgesuchte Taxifahrer auch wirklich ein Offizieller ist. Unser Bauchgefühl hat uns nicht getrügt und wir werden sicher am Plaza de Armas (der zentrale Platz) abgeliefert und können zu Fuß die letzten Meter zu unserem vorgebuchten Hostel zurücklegen. Hier kommt gleich wieder ein Asia-Feeling auf, denn wir werden von allen Seiten angesprochen und man will uns von Touren, über Late-Lunches bis hin zu Nippes quasi alles andrehen. Da kommt Freude auf!

Wir schauen, dass wir uns schnell vom Acker machen können und beziehen unser Zimmer, eines der bislang Besten auf unserer Reise, ehe wir uns endlich was Essbares suchen können. Hier gibt es wirklich alles Mögliche und die Preise sind typisch für eine touristischere Gegend. Nachdem Hank immer noch ein bisschen angeschlagen ist, gehen wir es heute auch noch ein bisschen ruhiger an und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Am nächsten Morgen nutzen wir erstmals auf unserer Tour das Angebot einer Free-Walking-Tour und suchen dementsprechend um 10 Uhr die offizielle Tourist-Information auf, wo wir uns in die Teilnehmerliste eintragen. Offensichtlich sind noch mehrere Leute auf die gleiche Idee gekommen, denn die Tour ist wirklich sehr begehrt. Erfreulicherweise strahlt die Sonne und es wird wirklich erstmals seit langem wieder heiß und ich freue mich, im Spagetti-Shirt rumlaufen zu können. Hank hingegen, immer noch geplant von seiner Erkältung, packt sich trotz der angenehmen Temperaturen dick ein.

Die Touren werden von Studenten gehalten, die das auf freiwilliger Basis machen. Unsere Guidin ist Beatrice, die uns mit einem wirklich gut verständlichen Englisch einen interessanten Einblick in die Stadt geben kann. Highlight von Arequipa ist der Blick auf die umliegenden Berge: Pichu Pichu (5571 m), Chachani (6075 m) und der aktive Vulkan El Misti (5822 m), der der Millionenstadt im Falle eines Ausbruchs exakt 20 Sekunden Zeit zur Evakuierung überlassen würde.

Blick auf den El Misti von unserem Zimmer aus
Blick auf den El Misti von unserem Zimmer aus

Von einer Brücke haben wir einen wirklich herrlichen Blick auf diese mystische Landschaft. Leider ist das Licht nicht ganz optimal, da Arequipa ein wenig smogbelastet ist. Dennoch gefällt es uns sehr gut. Auf unserer Tour besichtigen wir nicht nur versteckte Kirchen, sondern erfahren auch von der Geschichte der gefrorenen Inkajungfrau Juanita, die vor über 500 Jahren auf dem Gipfel des Ampato geopfert wurde. Außerdem bekommen wir einen Einblick in die lokale Küche von Arequipa. Wir dürfen eine Dessert-Spezialität namens Queso Helado (zu deutsch Käseeis) probieren. Klingt ekelhaft, hat aber in Wirklichkeit mit Käse überhaupt nichts zu tun.

Carina probiert Queso Helado
Carina probiert Queso Helado

Darüber hinaus besuchen wir eine lokale Schokoladenfabrik, in der wir die süßen Köstlichkeiten auch testen dürfen. Zum Abschluss der Tour besuchen wir ein lokales Restaurant und erfahren mehr, über die typischen Gerichte in der Stadt. Ein Klassiker ist gekochtes Meerschweinchen. Ich habe mir zwar vorgenommen, dass ich das auf der Peru-Reise unbedingt probieren möchte, ganz dazu durchringen kann ich mich heute allerdings noch nicht.

Insgesamt dauert die Free-Tour ca. 3 Stunden und dadurch, dass sie kostenlos ist, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis natürlich unschlagbar. Eine angenehme Abwechslung eine Stadt zu erkunden, wenn man nicht weiß, wo man zuerst hingehen soll.

Anschließend kehren wir zum Mittagessen in ein Roof-Top-Restaurant ein und genießen die herrliche Aussicht auf den zentralen Plaza und die umliegende Berglandschaft. Wie bereits erwähnt, kann ich mich noch nicht zur Delikatesse durchringen, sondern lasse mir lieber ein Tenderloin-Steak Medium Style bringen. Das kann man zur Not auch mal essen! :-)

Gut genährt informieren wir uns mal über die möglichen Tourangebote zum Colca Canyon, den weltweit zweittiefsten Canyon. Wie wir feststellen, bieten die unterschiedlichen Agenturen jeweils alle die gleichen Touren an. Es empfiehlt sich daher, in erster Linie den Preis entscheiden zu lassen. Unser einziges Problem ist, ob wir die Tour in zwei Tagen oder in drei Tagen machen sollen. Da Hank aber noch immer angeschlagen ist, entscheiden wir uns schließlich für die gemütlichere Variante und buchen eine dreitägige Tour. Das bedeutet allerdings für uns, dass wir am nächsten Tag besonders früh aufstehen müssen, so dass wir auch besonders früh schlafen gehen…

Puno

Von der Isla del Sol schippern wir wieder mit dem Boot 2 Stunden an Land. In Copacabana angekommen müssen wir erstmal unsere vielen Bolivian loswerden. Wir hatten schon das ganze Geld für unseren Dschungelausflug abgehoben und tragen das jetzt noch rum. Es gibt hier aber an jeder Ecke Wechselstuben und nach kurzem Vergleichen der Kurse (das Vergleichen lohnt auf jeden Fall) werden wir alle Bolivian los. Zwar nicht ganz verlustfrei, aber hilft ja nix. Immer noch besser als ein Bündel Bolivian als Souvenir mitzunehmen ;-)

Danach buchen wir auch gleich ein Busticket zur Weiterfahrt nach Puno in Peru. Das liegt ebenfalls am Titicacasee und es gibt in der Nähe einige Inselchen zu besichtigen. Vor der Abfahrt kehren wir dann noch kurz in ein Restaurant ein, um einen Happen zu uns zu nehmen. Mir geht’s zwar gar nicht gut und ich fühl mich nicht wirklich wohl, aber vielleicht hilft eine Pizza. Hilft leider nicht. Der Restaurantbesitzer orakelt, dass es bestimmt am Vollmond liegt, dass ich mich so schlecht fühle. Da bin ich mir nicht ganz so sicher wie er. Naja, bald darauf fährt unser Bus und wir gelangen problemlos über die Grenze und nach Puno. Im Bus wird uns ein Flyer vom Hostel Lobos Place in die Hand gedrückt und so fahren wir da eben mal hin. Auf große Hostel-Suche habe ich im Moment nicht wirklich Lust. Das Zimmer ist ganz OK und so checken wir auch gleich ein. Es ist zwar erst früher Nachmittag, aber mir geht’s eher schlechter als besser und so verbringe ich den restlichen Tag im Bett. Carina hat auch keine Lust allein loszutigern und beschäftigt sich mit dem Internet, Lesen, etc.

Nachts stellt sich heraus, dass unsere Hostel-Wahl eine ziemlich schlechte war: gleich nebenan scheint eine Disko zu sein und so werden wir bis halb 6 morgens mit Party-Musik beschallt. Na wunderbar, genau das was ich jetzt brauche. So suchen wir uns also erst mal eine neue Bleibe und landen im Pacha Hostel. Nachdem wir umgezogen sind und noch etwas entspannt haben geht es dann auch schon zum Mittagessen und anschließendem WM-Schauen. Finale! So richtig fit bin ich zwar noch nicht, aber das kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. So schauen wir inmitten von Argentinien-Fans den deutschen WM-Triumph und genießen den Sieg. Nach dem Schlusspfiff sitzen wir dann auch schnell allein vorm Fernseher und schauen Schweini & Co beim Feiern zu. Jetzt wären wir schon gerne daheim beim Feiern. Naja, in 4 Jahren dann halt ;-)

Danach geht’s auch gleich wieder zurück ins Hostel, relaxen und versuchen gesund zu werden.

Auch den nächsten Tag hänge ich noch etwas in den Seilen und unser Aktionsradius hält sich sehr in Grenzen. Hoffentlich wird das bald wieder besser.

Heute fühle ich mich schon wieder etwas fitter und so buchen wir in der Früh schnell noch einen Ausflug auf die schwimmenden Uros-Inseln. Diese bestehen nur aus Schilf und das Volk der Uro lebt in kleinen Schilfhütten darauf. Das ist zwar laut Internet ein sehr touristischer Ausflug und viele Leute waren enttäuscht davon, aber da wir wissen auf was wir uns einlassen wird’s schon nicht so schlimm werden. Also werden wir gegen 9 von einem Minivan aufgesammelt und zusammen mit etwa 12 anderen Touris zum Hafen gebracht. Dort steigen wir um in ein kleines Boot und fahren im sehr gemütlichen Tempo in Richtung der Inseln.

schwimmende Uro Schilf Insel
schwimmende Uro Schilf Insel

Nach etwa einer halben Stunde Fahrt durch einen Schilf-bewachsenen Teil des Sees kommen wir bei den schwimmenden Inseln an. Es gibt um die 80 davon und auf jeder leben 2 oder 3 Familien. Sieht schon etwas unwirklich aus. Nachdem wir eine kleine Runde gedreht haben legen wir an einer der Inseln an.  Dort begrüßt uns der Vorstand dieser Insel und erklärt uns wie so eine Insel aufgebaut ist: die unteren Schilfschichten verrotten langsam und oben werden regelmäßig neue Schichten aufgetragen. So wird die Insel am Leben gehalten. Der Untergrund ist natürlich nicht ganz stabil und man sinkt mit jedem Schritt ein kleines Stückchen ein. Ist schon witzig hier herumzulaufen. Nachdem der Chef mit seinen Ausführungen fertig ist beginnt die Verkaufsveranstaltung: man kann den üblichen Touristen Krims Krams erstehen, angeblich von den Insel-Bewohnern gefertigt. Das kann ich mir bei einigen der Sachen zwar nicht vorstellen, aber OK. Wir erstehen dann auch zwei Armbändchen. Die uns zugewiesene Verkäuferin kleidet und dann kurzerhand auch noch in Uro-Klamotten ein.

Carina & Hank im Uro Outfit
Carina & Hank im Uro Outfit

Danach kann sich mit einem Schilfboot eine kleine Runde fahren lassen, aber da lehnen wir dann doch ab. Der Spaß soll 15 Soles pro Person kosten. Uns und zwei anderen jungen Pärchen die nicht mitfahren wollen wird zwar dann noch der Spezialpreis von 10 Soles zu zweit angeboten, aber auch das lehnen wir ab. Also haben wir etwas Zeit, uns noch besser auf der Insel umzusehen und zu sonnen, während die anderen Tourteilnehmer über den See schippern. Zwischen den Hütten entdecken wir dann einen Schilf-Puma-Kopf mit dem sich ein paar gute Fotos machen lassen ;-)

Hank der Puma
Hank der Puma

Nachdem das Schilfboot mit dem Rest wieder zurückgekehrt ist besteigen wir wieder unser normales Boot. Mit dem fahren wir dann zur Hauptinsel der Uros. Hier kann man sich einen Stempel in den Pass machen lassen, etwas essen oder – Überraschung! – Souvenirs kaufen. Wir schauen uns nur ein wenig um und kehren bald darauf in unser Boot zurück, das wenig später auch wieder ablegt, um zum Festland zurückzukehren. Dort angekommen werden wir dann wieder zu unserem Hostel zurückgebracht. Unterm Strich muss man sagen, ja, der Ausflug ist sehr touristisch. Aber wir fanden in trotzdem ganz schön. Diese Inseln zu sehen und auf ihnen herumzulaufen ist auf jeden Fall interessant. Und die Verkaufsaktionen waren jetzt auch nicht sonderlich aufdringlich, von daher voll OK.

Nach dem Ausflug laufen wir noch ein wenig in der Innenstadt von Puno herum, aber recht viel gibt es da leider nicht zu sehen (oder wir finden die Attraktionen nicht). Carina nutzt die Gelegenheit, um sich in einem der vielen Souvenir-Shops einen Alpacca-Pulli zu kaufen. Anschließend buchen wir noch unsere morgige Weiterfahrt nach Arequipa, das wars dann aber auch schon.

Titicacasee – Isla del Sol

So, nach einem Erholungstag kann der nächste Tag wieder aktiver gestaltet werden. Wir nehmen um 10 Uhr Vormittag ein Boot (für das wir mal wieder viel zu viel bezahlt haben) und fahren zur Isla del Sol. Dabei handelt es sich um den legendären Ort, an dem die Inka erschaffen worden sein sollen und der Mythologie zufolge außerdem den Geburtsort der Sonne.

Als Tourist hat man verschiedene Möglichkeiten die Insel zu erkunden, etwa mit Tagesausflügen oder eben so wie wir es machen, gleich mit Übernachtung und dann direkt die Insel erkunden. So fahren wir vollbepackt mit unseren Backpacks ca. 1 ½ Stunden über den Titicacasee, bis wir schließlich am Südende der Insel ankommen. Der erste Eindruck: das ist aber eine hügelige Insel! Eine steile Treppe führt eine gefühlte Ewigkeit bergauf, bis man endlich zu den ersten Unterkünften kommt. Soviel ist klar, diese Treppe ist mit den 20 Kilo-Rucksäcken und bei der Höhenluft wirklich eine Tortur! Langsam, Schritt für Schritt kämpfen wir uns nach oben und entscheiden uns, eine der ersten Unterkunftsmöglichkeiten zu nehmen.

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Das stellt sich auch als gute Entscheidung heraus, denn der Ausblick von unserer Terrasse und auch von unserem Zimmer aus, ist einfach gigantisch.

Schnell einchecken, Rucksäcke abliefern, Essen fassen und dann kann die Inselerkundung losgehen. Wir wandern heute erstmal zu den Inkaruinen im Süden der Insel und heben uns den Norden für den nächsten Tag auf. Gut, große Ruinen sind das im Süden nicht gerade, aber die Landschaft ist einfach wunderschön! Wir haben eher das Gefühl, dass wir uns irgendwo auf Kreta befinden, anstatt mitten in den Anden in Bolivien. Herrlich!

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Da die Insel wie bereits erwähnt, sehr hügelig ist, schlängeln sich an uns immer wieder vollbepackte Esel vorbei, die allerhand Lebensnotwendiges für die Inselbewohner hinauftragen. Ich bin ein wenig geschockt, als ich ein kleines Kind (das war maximal 6 Jahre alt) vollbeladen bergauf marschieren sehe. In Deutschland würde eher das Kind bergauf getragen werden, aber hier müssen die Kleinen schon ran, um als Transportmittel zu funktionieren. Aber irgendwie wundert es mich auch nicht, immerhin habe ich die Tage einen Bericht gelesen, dass die bolivianische Regierung Kinderarbeit ab 10 Jahren erlaubt hat. Echt traurig! Die Kinder gehören in die Schule und nirgends anders hin…

Aber das sind wohl so Probleme, denen man sich bewusst sein muss, wenn man in ärmere Länder reist und es wird wohl leider auch so schnell nicht zu ändern sein. Dennoch hat Bolivien landschaftlich und auch kulinarisch wirklich viel zu bieten, vielleicht kehrt hier ja doch irgendwann mal ein bisschen mehr Tourismus ein…

Bevor die Sonne untergeht kehren wir wieder zu unserer Unterkunft zurück und können vom Bett aus ein Farbenspiel betrachten, auch wenn wir uns auf der Ostseite der Insel befinden.

Nach einer etwas unruhigen Nacht werden wir von den ersten Sonnenstrahlen des Tages geweckt, die unmittelbar durch unser Fenster fallen. Herrlich! So steht es sich doch gleich viel leichter auf! Wir stärken uns an einem reichhaltigen Frühstück, wobei leider ein kleiner Junge wieder als Lieferservice den Berg auf und ab laufen muss, da der Eier-Vorrat aus ist. Ich hab fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen, beim Verzehren meiner Rühreier, aber beim Bestellen wussten wir nicht, dass Eier erst geliefert werden müssen.

Nach dem Frühstück wird es auch ziemlich schnell erstmals seit Langem wieder wärmer. T-Shirt-Wetter ist heute angesagt. Juppiie! Gegen 10 Uhr nehmen wir ein Boot in den Norden der Insel. Selbstverständlich zahlen wir auch hier wieder erheblich mehr als alle anderen, aber was soll man machen? Die Bootsfahrt dauert etwa 35 Minuten und dann befinden wir uns auch schon am Startpunkt unserer heutigen Tageswanderung.

Beim Verlassen des Bootes will man uns noch eine Tour aufschwatzen, aber wir wollen die Insel lieber auf eigene Faust erkunden. So kaufen wir uns zwei Eintrittskarten wir den nördlichen Inselteil und schon geht’s los. Kurzer Marsch durch ein minikleines und unspektakuläres Museum und dann geht’s mal wieder bergauf. Die Landschaft hier ist der Wahnsinn und wir bedauern fast ein bisschen, dass wir unsere Unterkunft nicht hier gebucht haben. Wunderschöner Sandstrand vor riesigen Felswänden und dazu tiefblaues Wasser. Herrlich!

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Der Weg führt uns zunächst an der Küste entlang, stetig ein bisschen bergauf, bis wir nach rund 45 Minuten die ersten Spuren der Inkas entdecken. Unglücklicherweise haben wir die ersten beiden existierenden Orte verpasst, weil wir so auf unseren Marsch konzentriert waren. Gut, verglichen mit dem was wir uns von Macchu Picchu erwarten ist das natürlich Kindergarten, aber wir wollen uns ja langsam steigern, so besichtigen wir auch diese Ruinen neugierig und mit großem Interesse. Leider trifft kurz nach uns eine größere Reisegruppe ein, so dass wir nachdem wir uns ausgetobt haben, relativ schnell das Weite suchen.

Der Weg führt noch weiter auf einen Berg, der dort in einer Sackgasse endet. Wir entscheiden uns dennoch, diesen Anstieg auch noch zu bewältigen und werden mit einer traumhaften Aussicht belohnt. Vor allem auf die Ruinen hat man einen wundervollen Blick. Der Abstieg gestaltet sich als ein wenig „tricky“, weil man durch das staubige Geröll oftmals ins Rutschen kommt und wir uns beide mehrmals gerade noch auf unseren Beinen halten können. Zum Glück kommen wir unten aber unversehrt an und können unsere eigentliche Wanderung beginnen. Nämlich die Inselüberquerung. Wir wollen vom Norden aus bis zu unserer Unterkunft im Süden zurückwandern. Die Strecke beträgt laut unseren Informationen ca. 12 Kilometer und soll sehr schön sein.

Na, dann wollen wir mal! Selbstverständlich geht es zunächst erstmal wieder nur bergauf. Habe ich schon mal gesagt, dass das Bergaufwandern bei diesen Höhenmetern wirklich kein Zuckerschlecken ist? Ich glaube schon, aber ich möchte es an dieser Stelle nochmals ausdrücklich betonen! Ich bin ziemlich froh, dass der Weg sich immer wieder mit geraden Abschnitten, Bergabstücken und dann wieder aufwärts wandern abwechselt. Dennoch ist es ziemlich anstrengend – die wunderschöne Landschaft entschädigt aber für die Mühen, das muss ich an dieser Stelle auch nochmal besonders hervorheben. Ich will ja nicht, dass jemand denkt, ich würde hier jetzt nur meckern. Nein, die Wanderung ist wirklich sehr schön und ich bin froh, dass wir uns dafür entschieden haben!

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Bedauerlicherweise sucht mich nur schön langsam ein ziemliches Hungergefühl auf und es gibt weit und breit nichts, wo man einkehren könnte. Aus unseren letzten Traubenzuckervorräten schöpfe ich schließlich die notwendige Kraft, um auch die letzten Anstiege erfolgreich zu meistern.  Gegen halb 4 erreichen wir endlich unser Dörfchen und somit auch eine Vielzahl von Restaurants. Hui, jetzt bin ich glücklich. Hank hingegen ist mit andern Problemen beschäftigt: trotz dicker Schicht Sonnencreme und einem großen Sonnenschutz hat er offensichtlich einen Sonnenstich abbekommen. Na hoffentlich ist es nicht schlimmer! Sein Appetit ist jedenfalls nicht davon betroffen, er stürzt sich genauso enthusiastisch auf seinen Burger wie ich auf meinen übergroßen Teller Spaghetti Bolognese.

Nach unserer Stärkung gibt es nur noch eins, worauf wir uns mehr freuen: nämlich endlich mal wieder eine warme Dusche, nachdem die letzten jeweils kalt waren! Wir müssen uns hierfür allerdings beeilen, da es nur tagsüber warmes Wasser gibt und die Sonne schon ziemlich tief steht.

Danach fühlen wir uns pudelwohl. Zwar ein wenig erschöpft, aber dennoch pudelwohl. Die Wanderung war sehr schön, die Insel selbst ist herrlich und der Ausflug hierher hat sich wirklich sehr gelohnt! Definitiv zu empfehlen!

Titicacasee – Copacabana

Nachdem etwas unglücklichen Flugchaos und der Ratlosigkeit ist klar, dass eine alternative Busfahrt nach Rurrenabaque für uns nicht infrage kommt. Wir sind zwar vielleicht ein bisschen durchgeknallt, aber ganz sicher nicht lebensmüde. So schreiben wir den Dschungel endgültig ab und entscheiden uns kurzerhand direkt weiter zum Lago Titicaca zu fahren, der ohnehin noch auf unserem Bolivien-Plan gestanden ist. Wir erkundigen uns, wo der Bus abfährt und springen dann in das nächste Taxi, da wir nicht wirklich scharf drauf sind zwölf Blocks vollbepackt bergauf zu laufen. Wahrscheinlich hätten wir zwar zu Fuß auch nicht länger gebraucht, weil der Verkehr wirklich ziemlich crazy ist und unser Taxi den Anschein erweckt, jeden Augenblick auseinander zu fallen, aber wir sind dennoch froh, dass wir gefahren werden. Wir sind nach unserer Ausrauberfahrung jetzt auch ein bisschen vorsichtiger mit unseren Habseligkeiten geworden. Am Busbahnhof wird uns dann gleich mitgeteilt, dass der Bus nach Copacabana (nein, nicht Rio de Janeiro – das kleine Copacabana am Lago Titicaca) in 5 Minuten abfährt. Na wunderbar – schnell ein Ticket gekauft, Empanadas mitgenommen und dann sitzen wir schon in einem einigermaßen komfortablen Bus.

Nach rund zwei Stunden müssen wir dann aus dem Bus aussteigen. Wir sind ein wenig irritiert, da die Busfahrt mit rund 3 ½ Stunden angesetzt war, aber nachdem alle rausspringen, folgen wir der Menschenmenge. Was dann kommt, haben wir so auch noch nicht erlebt. Es gilt, einen Teil des Sees zu überqueren, da es keinen Landweg gibt. Die Passagiere werden dazu alle in ein kleines Boot verfrachtet (für das man natürlich zahlen muss) und der Bus mitsamt unseren großen Rucksäcken fährt extra. Aber das Gefährt, auf dem der Bus fährt, das ist das eigentlich Interessante. Ich würde es als großes Holzfloß beschreiben, dass den Bus und noch einen Minivan tragen kann. Von weitem schaut es so aus, als wenn der Bus über den See schwimmen würde. Echt witzig.

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Die Überfahrt dauert für den Bus ca. 20 Minuten und dann dürfen wir alle wieder einsteigen und die letzte Stunde bis Copacabana in gewohnter Manier zurücklegen.

Gegen 16 Uhr kommen wir schließlich in dem ruhigen Nest am See an und suchen uns eine Unterkunft. Glücklicherweise ist das hier nicht so schwer, da es ein relativ touristischer Ort ist und es reichlich Optionen gibt.

So machen wir uns dann noch auf den Weg, um den Ort auszukundschaften und erstmal was zu Essen zu finden. Spezialität am Titicacasee ist Troucha (Forelle) in allen Formen und wie wir schnell feststellen, definitiv zurecht!

Wir schauen dann noch an den See und genießen die herrliche Landschaft. Da wir heute Morgen allerdings zu menschenunwürdiger Uhrzeit aufgestanden sind, bin ich doch relativ geschlaucht und froh, mich anschließend im Zimmer verkriechen zu können. Hank hingegen zieht es nach Einbruch der Dunkelheit nochmal hinaus und er wird Zeuge eines typischen Rituals. Sämtliche neuen Fahrzeuge müssen, bevor sie auf die Straße gelassen werden, geweiht werden und so berichtet er von einer großen Prozession, die sich am Marktplatz abspielt. Ich kann mich leider nicht mehr aufraffen.

Den nächsten Tag wollen wir ein bisschen ruhiger angehen lassen und nur das Örtchen erkunden und am Nachmittag Fußball schauen. Viel gibt es hier nicht zu sehen, es ist in erster Linie ein Ort zum Chillen und relaxen.

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Unglücklicherweise befindet sich der Ort direkt neben einem Aussichtshügel und Hank ist natürlich höchstmotiviert da hoch zu laufen. Ich hingegen hab so gar keine Lust schon wieder einen Berg hinauf zu rennen, da mich die Höhenluft ganz schön schlaucht. Kaum geht man drei Meter bergauf hat man einen Puls von 180, das ist echt krass. Der Titicacasee ist der höchstgelegene schiffbare See der Welt und liegt auf ca. 3.800 m über dem Meeresspiegel. Trotz meiner fehlenden Motivation kämpfe ich mich dennoch auf den Hügel hinauf. Die Aussicht oben ist schon wirklich wunderschön, aber wie schon gesagt, um da erstmal hinzukommen, muss man sich wirklich quälen. Es geht eigentlich nur ca. 1 Kilometer bergauf, aber es fühlt sich an, wie eine Alpenüberquerung. ;-)

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Wir bleiben dann auch eine ganze Weile auf dem höchsten Punkt, unterhalten uns mit einem netten Bolivianer auf Spanisch, Englisch und Deutsch und genießen die Sonnenstrahlen. Im Nachhinein bin ich doch froh, dass wir rauf gewandert sind, aber ich brauche glaube ich jetzt echt mal einen Tag Auszeit, ich bin wirklich erschöpft und fühle mich etwas ausgelaugt.

Wieder unten angekommen legen wir eine Mittagspause ein und genehmigen uns wieder die leckere Titicacasee-Forelle. Einfach köstlich!

Pünktlich zum Anstoß fürs Halbfinale gegen Brasilien finden wir uns vor einer Großleinwand ein und sind verwundert, dass wir erstmals Fußball schauen können und die Mehrheit der Zuschauer für Deutschland ist. Dementsprechend ausgelassen ist die Stimmung natürlich bei dem Schützenfest. :-)

Schließlich ist es den darauffolgenden Tag dann tatsächlich soweit und wir machen wirklich mal gar nichts. Den Vormittag versanteln wir im Schlafanzug und den Nachmittag opfern wir für die Holländer gegen die Argentinier. Und, ich muss gestehen, ich bin unendlich froh, um diesen Nichtsmachtag! Der war sowas von notwendig!