Salta & Umgebung

Die Busfahrt von Puerto Iguazu bis zu unserem nächsten Ziel Salta war – naja – sie war lang! Ganze 28 Stunden haben wir gebraucht, um die rund 1.600 km zurück zu legen. Glücklicherweise sind die argentinischen Fernbusse ziemlich luxuriös, so dass wir schlafen konnten und es uns bequem machen konnten. Einzig das Essensangebot ist nicht ganz so überzeugend. Wir stellen fest, dass die Argentinier wirklich sehr verrückt nach Schinken und Käse sind. Zu allem wird Jamon y queso serviert und es hängt uns bald zu den Ohren raus, aber trotzdem besser als Hunger leiden zu müssen.

Gegen Mitternacht erreichen wir dann ziemlich gerädert das kleine Städtchen (hat nur rund 500.000 Einwohner, daher Städtchen) im Nordwesten von Argentinien. Schnell ins nächste Taxi gesprungen, geht’s in die vorgebuchte Unterkunft, wo wir sofort in einen tiefen Schlaf fallen.

Am nächsten Morgen wollen wir gleich mal mit einer Stadterkundung beginnen. Zu unserem Enttäuschen ist das Wetter relativ bescheiden und auch die geplante Wanderung auf den nahe gelegenen Berg, um die Aussicht zu genießen, macht heute wenig Sinn. So irren wir ein wenig umher und möchten am Hauptplatz die Kathedrale besichtigen, da aber gerade eine Messe stattfindet, findet unsere Fotogier auch nicht gerade Begeisterung bei den Gläubigen. Also, wieder raus und weiter umher schlendern. Viel zu sehen gibt es eigentlich nicht, die Kirchen sind – soweit keine Messe stattfindet – geschlossen und zur großen Shoppingtour haben wir auch nicht so wirklich Lust. So kommt es am Ende, dass wir in einem Restaurant landen und mal wieder die WM verfolgen. Echt praktisch – so ist uns wenigstens nie langweilig!

Aber wir haben trotz der ganzen WM-Euphorie natürlich auch noch was Sinnvolles gemacht: wir haben uns hinsichtlich Ausflugsmöglichkeiten informiert und festgestellt, dass man hier in Salta eine ganze Menge interessante Sachen machen kann.

So kommt es, dass wir gleich am nächsten Tag um 7:15 Uhr von einem Guide namens Noah für einen Tagesausflug in den Süden, genauer gesagt nach Cafayate abgeholt werden. Insgesamt haben wir mit diesem Ausflug knappe 400 km vor uns und deswegen legt Noah zunächst mal eine große Strecke zurück, bevor er uns zu unserem ersten Stopp bringt. Leider scheint es Petrus mal wieder nicht besonders gut mit uns zu meinen, denn der Himmel ist trostlos und grau. Laut unserem Guide sollen wir uns davon nicht aus der Ruhe bringen lassen, denn wir fahren in ein anderes microclimate und Cafayate hat angeblich über 300 Sonnentage im Jahr. Ganz glauben kann ich das zwar noch nicht, aber ich bin dadurch zumindest schon ein wenig optimistischer gestimmt.

Bei unserem ersten Halt, eine rote Felshöhle, merkt man noch nicht, dass das Wetter besser werden soll, aber die Felsformation ist dennoch ziemlich beeindruckend. Hank kann man mal wieder nicht bremsen, weil man hier kraxeln kann. Ich bleibe hingegen zurück, da irgendwie bis auf ein Mädel aus Uruguay niemand loskraxelt und ich mich lieber in Richtung Bus begebe, nicht dass der noch ohne uns weiterfährt. Tatsächlich kommen Hank und die andere Kraxlerin als letztes zum Bus und wir müssen warten. Typisch! :-)

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Weiter geht die Fahrt durch bergige Landschaft und das Wetter wird langsam ein wenig besser. Es fängt tatsächlich an aufzuklaren. Juppiee! Wir halten noch ein weiteres Mal und kraxeln alle zusammen auf einen Aussichtshügel. Wirklich sehr schöne Landschaft, die sich uns hier präsentiert. Gegen Mittag erreichen wir dann endlich Cafayate. Nicht zu verwechseln mit Calafate, eine Stadt ganz im Süden von Argentinien. Diese Verwechslung ist wohl bei dem Bau der Bank der Stadt unterlaufen, denn es wurden anscheinend die Baupläne vertauscht und so steht nun in Cafayate das schneesichere Haus (Schnee gibt’s hier nicht), das eigentlich in Calafate stehen sollte. Tja, die Gauchos hald – müssen auch für alles gleich klingende Namen verwenden, da kennt sich doch niemand aus! :-)

In Cafayate geht’s gleich mal zu einem ganz wichtigen Ziel. Das hiesige Weingut! Leider ist unser kurzfristig erworbenes Spanisch nicht ausreichend, um den Prozess des Weinanbaus und der Herstellung des Weines im Einzelnen zu verstehen, aber beim Probieren sind wir natürlich ganz vorne mit dabei! Ja, kann man schon trinken, aber um eine verbindliche und allgemein gültige Aussage zu treffen, hätten wir vermutlich eine Flasche trinken müssen, welche leider nicht im Tourpreis inbegriffen war. Schweinerei!

Nach der Weinverköstigung haben wir rund 2 Stunden zur freien Verfügung in dem kleinen Nest. Da sich der Hunger inzwischen bemerkbar macht, erkunden wir mal Möglichkeiten. Leider ist die argentinische Küche nicht sonderlich vielfältig. Fleisch oder Pizza, hin und wieder auch Nudeln. Das sind die Optionen. Fleisch ist zwar günstiger als bei uns, aber dennoch nicht wirklich billig und die Pizzas bestehen zu 95 % aus Käse. Hab ich schon erwähnt, dass die Argentinier auf Schinken und Käse stehen? :-) Ganz ehrlich, im Vergleich zur argentinischen Küche ist ein Schweinsi mit Knödel die reinste Diät!

Inzwischen scheint auch tatsächlich die Sonne und es ist einigermaßen warm. Wer hätte es gedacht? So ist der Stadtspaziergang wirklich herrlich und wir genießen den Ausflug in vollen Zügen. Um 15 Uhr sammelt uns Noah wieder am Hauptplatz ein und wir fahren weiter durch wunderschöne Berglandschaften und machen zahlreiche Stopps. Gut, wenn wir selbst mit dem Auto unterwegs wären, dann würden wir wahrscheinlich noch wesentlich öfter anhalten, aber so ist das auch in Ordnung.

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Highlight ist ein Halt bei 4 Lamas. Eins ist so zottelig, dass man sich sofort in das übergroße Fellknäul verlieben könnte. Es lässt sogar zu, dass man mit ihm kuschelt. Echt putzig!

Es kommen noch ein paar weitere Pausen, ehe wir unsere Fahrt zurück nach Salta fortsetzen. Insgesamt war es ein wirklich gelungener Ausflug und wir sind froh, dass wir ihn gemacht haben. Kurzerhand entscheiden wir uns deshalb, dass wir für den nächsten Tag mit der gleichen Company noch den größeren Ausflug zu den Salinas Grandes buchen. Uns wird als Fahrer wieder Noah versprochen, mit dem wir wirklich sehr zufrieden waren und der auch wirklich sehr gut Englisch gesprochen hat.

Wieder pünktlich um 7:15 Uhr erscheint Noah in unserem Hostel und holt uns ab. Diesmal haben wir keinen Bus sondern einen Jeep und unsere Tour besteht mitsamt Guide aus 5 Personen. Leider sind die anderen beiden Teilnehmer eher eine Belastung als unterhaltsame Genossen. Es handelt sich dabei um 2 ältere Herren aus Buenos Aires, die ein Kauderwelsch von sich geben, das selbst jemand, der jahrelang Spanisch gelernt hat, kaum versteht. Wenn sie nicht gerade unverständliches Geschwafel von sich geben, dann schlafen sie. Eigentlich schlafen sie fast die ganze Zeit. Zu meinem Leidwesen braucht der Alte, der neben mi sitzt dabei auch unglaublich viel Platz, so dass ich auf der Strecke von insgesamt ca. 540 km ziemlich eingepfercht ausharren muss. Naja, so what!

Das Wetter ist zunächst auch wieder sehr bescheiden, aber auch heute ist Noah zuversichtlich, dass wir einen Sonnentag erleben werden. Und auch diesmal soll er damit Recht behalten! Wir fahren etwa eine Stunde und dann klart es auf – und zwar richtig! Anscheinend liegt Salta in einem ziemlichen Nebelloch und sobald mal aus der unmittelbaren Umgebung rauskommt, wird das Wetter gut. Noah hält heute wo auch immer wir Fotostopps machen wollen und so halten wir regelmäßig. Damit wir allerdings nicht zu sehr vom Zeitplan abweichen, gibt er ordentlich Gas. Er fährt aber dennoch um Welten besser als die Minibusfahrer in Asien! Wir fühlen uns bei ihm sicher aufgehoben. Die beiden Alten schlafen vor sich hin und lassen abwechselnd den ein oder anderen Schnarcher los. Und ist es recht, wenn die beiden Ruhe geben, so kann Noah in erster Linie uns mit Informationen versorgen.

An einem kleinen Dorf mit 24 Einwohnern machen wir eine erste Pause. Das ist der klassische Touristenstopp mit Verkaufsständen etc. Da inzwischen die Sonne herrlich scheint genießen wir diese Pause um selbige ein bisschen zu tanken, ehe wir wieder in den Jeep klettern und weiter Richtung Norden brausen. Die Strecke besteht zu großen Teilen aus Gravel-Road, aber mit dem Jeep lässt uns das ziemlich kalt. Gegen halb 12 ist der Mittagsstopp angesetzt, da es offensichtlich später auf der Strecke keine Möglichkeit mehr gibt. Auch hier werden alle Tourbusse zur selben Zeit zum selben Lokal gekarrt und so herrscht hier ein wenig Rushhour.

Spezialität des Hauses ist Lama-Steak. Naja, dann probieren wir hald mal ein Lama. Ist zwar ein wenig fies, gestern haben wir noch das Lama gestreichelt und uns in das putzige Fellknäul verliebt und heute liegt es Medium Style in unseren Tellern, aber das Gesetz des Dschungels „Fressen oder gefressen werden“ zwingt uns ja quasi dazu, das arme Tierchen zu verzehren. Wir wollen ja nicht verhungern. Zunächst finden wir beide, dass es ein wenig zäh ist, aber hat man sich mal an den Geschmack gewöhnt, dann ist es eigentlich ganz lecker. Und: es gibt keinen Schinken und keinen Käse dazu!

Gestärkt schlendern wir noch ein wenig durch den Ort und werden von allen Seiten von Kindern angequatscht, die irgendwelche Handarbeiten verkaufen wollen. Mir tun die armen Kinder echt verdammt leid, aber es steht ja auch überall, dass man diese Mafia nicht unterstützen soll, so sagen wir freundlich aber bestimmt zu allen „no gracias“ und setzen schließlich unsere Fahrt fort. Unterwegs erblicken wir wieder einige Lamas und sogar Straußen-ähnlichen Laufvögel. Noah macht brav Halt und wir können die Kameras zücken. Inzwischen sind wir erstmals wirklich in den Anden angekommen und wir kommen in immer höhere Regionen. Als wir schließlich die zweithöchste Stelle des Tages mit 4.080 m über dem Meeresspiegel erreichen, springen wir aus dem Bus und schnuppern erstmals die Höhenluft, an die wir uns die nächsten Wochen wohl gewöhnen müssen. Und wir merken schnell, dass die hier um einiges dünner ist, als wir es gewöhnt sind. Auch herrscht hier ein eisig kalter Wind und wir bewegen uns entsprechend langsam.

Puh, das ist definitiv eine interessante Erfahrung! Nachdem wir diesen Punkt überquert haben, pendelt sich unsere Höhe auf rund 3.500 m über dem Meeresspiegel ein. Wir kommen gut voran und erreichen schließlich endlich die Salinas Grandes. Eine große Salzwüste mitten in den Anden und die ist wirklich spektakulär. Die weiße Landschaft mitten im Hochgebirge fasziniert uns sofort. Wir hüpfen und tollen rum wie kleine Kinder und erfreuen uns an dem weißen Pulver.

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Unsere beiden Schlaftabletten-Begleiter kommen nicht wirklich weit vom Jeep weg. Ich frag mich echt, warum die beiden diese Tour überhaupt machen. Obwohl, sie nehmen beide jeweils eine 1-Liter-Flasche Salz mit. Wenn sie meinen!

Die Fahrt geht schließlich irgendwann weiter und wir überqueren nun einen weiteren Pass und kommen mit 4.170 m über dem Meeresspiegel an den für heute höchsten Punkt. Wir springen wieder aus dem Jeep, wobei springen etwas übertrieben ist, denn bei dieser dünnen Luft muss jede Bewegung genau überlegt sein. Hank kraxelt auf das Schild mit den Höhenmetern und klagt hinterher über ein Schwindelgefühl. Naja, ich bin ja gespannt, wie es uns auf der weitern Reise ergehen wird. Bolivien liegt ja großteils im Hochgebirge.

Die Straße schlängelt sich nach dem höchsten Punkt wieder langsam bergab und die Aussicht ist einfach spektakulär. Auch das Licht ist herrlich, wir sind wirklich beeindruckt. Noah hält weiter brav an allen Ecken an und wir schießen Unmengen an Fotos. Schließlich kommen wir noch an einen 7-farbigen Felsen, den wir aber eigentlich anhand der Fotos ein wenig faszinierender erwartet hätten, aber er ist dennoch sehr schön.

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Wir wollen ja nicht überheblich werden. In dem angrenzenden Örtchen machen wir noch einen klassischen Touristenstopp und wir marschieren durch einen größeren Markt, der uns gleich an die Märkte an Asien erinnert. Nur die Kleidungsstücke sind hier ein wenig wärmer als in den asiatischen Ländern. Aber auch hier gibt es Essensstände und so kaufen wir gefüllte Tortillas, die aussehen wie Empanadas (der absolute Klassiker hier), aber noch viel besser schmecken.

Das war dann unser letzter Stopp für heute und nun geht es auf direktem Weg wieder zurück nach Salta. Da ziemlich dichter Verkehr herrscht brauchen wir länger als geplant. Gegen 8 sind wir schließlich wieder in unserer Unterkunft und können direkt weiter WM schauen.

Eigentlich hatten wir für den nächsten Tag noch geplant, den Berg rauf zu wandern, aber auch diesmal ist das Wetter eher bescheiden, so dass wir uns am Vormittag unmittelbar auf den Weg zur Bushaltestelle machen und ein Busticket nach Tupiza buchen wollen. Das ist ein Ort in Bolivien, von wo aus wir eine Tour buchen wollen. Unglücklicherweise gibt es nur Busse bis zur Grenze und von dort aus müssen wir auf eigene Faust schauen, wie wir weiter kommen. Na gut, hilft dann wohl nicht. Wir buchen kurzerhand ein Ticket für den nächsten Tag um 7:15 am Morgen und verfolgen anschließend eine Mission. Wir müssen uns warme Jacken kaufen! Ja, richtig gelesen! Es geht nicht anders! Die Tour, die wir machen wollen dauert 4 Tage und es kann in der Nacht etwa 0 Grad haben. Dazu kommt besonders erschwerend, dass die Unterkünfte keine Zentralheizung haben! Na wunderbar, auch sonst soll Bolivien sehr kalt werden, aber wir sind anscheinend dennoch in der optimalen Reisezeit, da es sehr trocken ist. Schön langsam denke ich echt, ob es nicht klüger gewesen wäre, von Foz do Iguazu aus weiter durch Brasilien zu reisen, aber gut, jetzt ist es zu spät!

Ich finde mir zum Glück relativ schnell eine dicke Jacke, die mir gut gefällt und die auch zu Hause im Winter anziehen möchte, nur für Hank wird es ein wenig schwieriger. Er ist einfach mit keiner zufrieden! Naja, versuchen wir es später nochmal. Jetzt ist erstmal Fußball angesagt. Zunächst ist Argentinien an der Reihe und wir stehen pünktlich zum Anstoß am Hauptplatz zum Public Viewing. Tja, das funktioniert hier nur nicht ganz so geschmiert, wie bei uns daheim, denn der Bildschirm ist tot! Die Menge ist ziemlich ungeduldig und vor allem unzufrieden. Wir kehren schließlich zurück zu unserem Hostel und gesellen uns dort zum Rest der Bewohner und verfolgen gespannt, was passiert. Dass dann kurz vor Ende der Volksheld persönlich noch den Sieg einbringt, lässt die Menge explodieren und „la gente“ ist zufrieden! Das anschließende Spiel der deutschen Nationalmannschaft interessiert hier hingegen außer uns niemanden und wir sind froh, dass wir doch noch einen Sender finden, der nicht die Pressekonferenz von Lionel Messi, sondern unser Spiel überträgt.

Etwas unzufrieden machen wir uns im Anschluss wieder auf den Weg um für Hank doch noch eine lebensnotwendige Winterjacke zu kaufen. Ich fass es immer noch nicht, dass wir tatsächlich zu solch drastischen Maßnahmen greifen müssen, aber in der Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen. Am Ende sind wir dann doch noch erfolgreich und auch Hank kann seinen Kleidungsbestand erweitern.

Gegen halb 10 kehren wir dann zurück zu unserem Hostel und packen mal wieder unsere Habseligkeiten für den morgigen frühen Aufbruch zusammen.

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