Puerto Iguazu

Nach unserem kurzen Besuch in Brasilien fahren wir wieder mit dem Bus zurück Richtung Argentinien. Leider sind wir diesmal die einzigen im Bus, die ausreisen müssen und werden somit allein an der brasilianischen Grenze zurückgelassen. Nach keinen 5 Minuten haben wir unsere Stempel im Pass. Toll die hätte der Bus doch wirklich warten können! Jetzt müssen wir eine halbe Stunde auf den nächsten Bus warten, fahren dann weiter zur argentinischen Grenze, müssen uns dort wieder einen Stempel in unseren Pass machen lassen und dann wieder auf den Bus warten. Das gefällt uns nicht. Wir sind noch unschlüssig ob wir es per Anhalter versuchen sollen, da hält auch schon ein Autofahrer an und fragt uns ob er uns mitnehmen soll. Stellt sich raus, dass es ein Taxler in seiner Freizeit ist. Der nimmt uns zwar dann nicht umsonst mit, aber mit den 3,30 Euro können wir gut leben. Eigentlich dachten wir er nimmt uns nur bis zur Grenze mit, aber er meint wir können gern im Auto sitzen bleiben und so schneller abgefertigt werden. Er fährt uns dann auch gleich zu unserem Hostel. Das Angebot nehmen wir doch gerne an.

So stehen wir früher als erwartet in unserer neuen Unterkunft und können auch gleich unser Zimmer beziehen. Das ist zwar nichts besonders, aber wenigstens kein solches muffiges Loch wie das letzte hier im Ort. Somit sind wir schon zufrieden. Den Nachmittag verbringen wir dann in einer Pizzeria und genießen wie Holland Spanien bei der WM zerlegt. Die meisten Argentinier halten eher zu Spanien, sind also nicht ganz so begeistert wie wir von dem Spiel. Danach streifen wir ein wenig durch den Ort und landen letztendlich in dem Café, in dem wir schon vor einigen Tagen waren. Dort werden wir sogleich von den beiden Chefs wiedererkannt und freudig begrüßt. Außerdem lernen wir eine Schweizerin kennen die auch auf Weltreise ist. So verbringen wir den Abend zu fünft mit Fußball, Bier und Reiseweisheiten. Auch wenn wir hier weg wollten, wir können gar nicht: es regnet inzwischen so heftig, dass man keine 10 Meter kommen würde ohne total durchnässt zu sein. Der Gehsteig verwandelt sich zwischendurch in einen reißenden Bach und wir fragen uns echt wie wir halbwegs trocken zu unserem Hostel kommen sollen. Irgendwann hört es aber dann doch auf zu schütten und wir kommen unerwartet doch ohne Probleme trocken Heim.

Das Wetter am nächsten Morgen ist nicht unbedingt berauschend und so beschließen wir nicht zu den Wasserfällen zu fahren, sondern uns Sibyll, der Schweizerin von gestern Abend, anzuschließen, die einen kurzen Ausflug nach Paraguay macht. Nehmen wir das Land halt auch noch mit ;-) So sitzen wir bald darauf zu dritt in einem Remise-Taxi und fahren los. Um nach Paraguay zu kommen müssen wir durch Brasilien durch. Das gibt dann heute wohl insgesamt acht Stempel im Pass: Argentinien Ausreise, Brasilien Einreise, Brasilien Ausreise, Paraguay Einreise, Paraguay Ausreise, Brasilien Einreise, Brasilien Ausreise, Argentinien Einreise. Denken wir zumindest. Die ersten beiden Stempel bekommen wir noch, die nächsten vier allerdings nicht: der Grenzübergang nach Paraguay ist für solche Tagesausflüge ohne Bürokratie möglich. Das wäre auch sehr schwer machbar, da gerade am Wochenende sehr sehr viele Brasilianer über die Grenze gehen, um in Paraguay günstig einzukaufen. Wenn die alle nen Stempel bräuchten würde der Verkehr hier total zusammenbrechen. Es ist auch so schon Stau auf der Grenzbrücke.

Aber nach ca. einer Stunde sind wir dann am Ziel angekommen und sind schon etwas verblüfft. Unmittelbar nach der Grenze ist auf Paraguayischer Seite ein riesiger Markt. Wir fühlen uns nach Asien zurückversetzt. Sieht genauso aus, ist genauso chaotisch, man wird genauso ständig angequatscht und die Artikel sind genauso original. Von Bohrmaschinen über Elektroschocker und Socken über Fußball-Trikots (klar, WM-Boom) gibts hier praktisch alles zu kaufen. Wir schlendern ein wenig umher und beobachten das rege Treiben. Außerdem informieren wir uns, was wir hier noch machen könnten. Ganz in der Nähe ist der Itaipu-Staudamm, der zweitgrößte Damm der Welt. Ich würde den ja schon gerne anschauen, aber Carina zieht nicht so recht. Und Sibyll hat keine Zeit dafür, da sie am Nachmittag nach Buenos Aires weiterfliegt. Also fahren wir gegen halb eins wieder Richtung Argentinien los. Weit kommen wir aus dem Parkhaus allerdings nicht, da der Verkehr inzwischen wohl doch kollabiert ist. So stehen wir eine halbe Ewigkeit im Stau vor der Brücke nach Brasilien. Sibyll gefällt das nicht so recht, da sie ja zum Flieger muss. Aber bevor sie verzweifelt geht es dann doch endlich vorwärts.

Da der Taxifahrer mitbekommen hat, dass Sibyll inzwischen etwas Zeitdruck hat fetzt er nur so durch Brasilien und 30 Minuten später stehen wir schon an der argentinischen Grenze und denken „gleich sind wir wieder zurück“. Falsch gedacht. In einem Auto vor uns gibt es ein Problem mit dem Pass eines Paraguayers. Und anstatt den Kerl rauszuziehen und das Problem abseits zu klären wird das vor Ort geregelt. D.h. die Warteschlange steht. Und steht. Und steht. Für Carina und mich ist das ja kein allzu großes Problem, wir haben eh nichts vor, aber die berühmte Schweizer Gelassenheit verfliegt schön langsam. Und auch der Taxler wird nervös und tigert vor dem Schalter auf und ab. Aber wir kommen dann doch noch weiter und fahren so schnell wie geht zur Unterkunft von Sibyll. Sie holt ihr Gepäck und lässt sich gleich weiter zum Flughafen fahren, wir bleiben zurück und kehren in unsere Unterkunft zurück. Da bleiben wir allerdings nicht allzu lang, sondern begeben uns lieber wieder in unser „Stamm-Café“ zum Essen, Trinken und – klar – WM schaun.

Als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster schauen sind wir wenig begeistert, dichter Nebel hängt über der Stadt. So vertrödeln wir den Vormittag, bevor wir uns dann doch dazu entschließen heute die argentinische Seite der Iguazu Falls anzugreifen. Der Nebel hat sich inzwischen auch verzogen und so sind wir zuversichtlich doch etwas von den Wasserfällen zu sehen. Am Busbahnhof können wir gleich in den schon bereitstehenden Bus einsteigen und nach etwa einer halben Stunde Fahrt kommt dieser am Eingang zum Nationalpark an. Tickets gekauft und rein ins Vergnügen. Zu den Wasserfällen müssen wir allerdings erst ein kleines Stückchen durch den Dschungel wandern. Auch hier sieht man deutlich die Spuren, die das Hochwasser hinterlassen hat. Vor einigen Tagen stand hier noch alles unter Wasser. Kaum vorzustellen was für Wassermassen das waren.

Iguazu Falls
Iguazu Falls

Auf dem Weg zu den Falls kommen wir an einem kleinen Restaurant vorbei, wo eine ganze Horde der kleinen putzigen Waschbären auf Gaben der Touristen wartet. Und wenn nicht freiwillig was abgegeben wird muss der Waschbär von Welt halt die Initiative ergreifen und einen Tisch stürmen. Wir beobachten das lustige Treiben ein wenig und gehen dann weiter Richtung der Falls. Es gibt hier zwei Rundwege (eigentlich drei, aber der dritte ist noch gesperrt) und wir nehmen erst den unteren in Angriff. Dort angekommen sind wir dann schon begeistert wie die Anlage hier aufgebaut ist. Die Wege führen in Form von Stahlbrücken über die einzelnen Teilstücke der Wasserfälle. So kommt man sehr nahe an das Geschehen heran. Zugleich sind wir aber auch ein wenig enttäuscht, da sich der Nebel von heute Morgen wohl nach Brasilien verzogen hat und wir wenig von der anderen Seite sehen. Naja, aber bringt ja jetzt auch nichts schlechte Laune zu haben, also genießen wir das Naturschauspiel hier.

Die Fälle führen immer noch deutlich mehr Wasser als normal, somit kommen wir in den Genuss eines seltenen Anblicks. Immer wieder stehen wir staunend an einer Wegbiegung oder einem Aussichtspunkt und können uns gar nicht statt sehen. Die Schattenseiten dieser extremen Lage sehen wir dann auch: auf der brasilianischen Seite liegt ein großes Stahlgerüst am Flussufer, ein anderer Teil hängt schief am Hang. Da war wohl vorher eine Art Aussichtsplattform oder etwas in der Art, jetzt ist sie auf jeden Fall zerstört. Und auch auf der argentinischen Seite wurde großer Schaden angerichtet, ein Boothäuschen wurde komplett ausradiert und nur die Trümmer liegen noch herum.

Am Ende dieser Runde gibt es dann noch ein Highlight: eine Plattform, die einen wirklich sehr sehr nahe an einen Wasserfall heranführt. Im Moment kann man sie nur zur Hälfte begehen, weil es ganz vorne wie unter der Dusche ist. Aber auch in dem geöffneten Teil wird man gut nass und kann nur kurz vor. Als wir ankommen sind nur wenige Leute da und wir reihen uns in die Warteschlange ein, dass jeder mal ein Bild ganz vorne machen kann. Kurz bevor ich dran bin kommt dann eine größere Reisegruppe an und es ist vorbei mit der Gemütlichkeit. Den Leuten ist es völlig egal ob alle dran kommen, Hauptsache sie kommen vor. So drängeln sich gleich mal einige an mir vorbei und stellen sich bei den anderen einfach mitten ins Bild. Ich bin noch zu fassungslos um zu reagieren, stelle mich der nächsten, die sich vorbeidrängeln will in den Weg und mache deutlich, dass ich sie nicht vorbeilasse. Das versteht sie nicht ganz und redet wild drauf los. Mir egal. Ich bin bloß froh, dass mir in dem Moment die spanischen Schimpfwörter die wir von unseren Lehrern gelernt haben nicht einfallen, sonst wäre das vielleicht ausgeartet. Carina kann dann doch auch noch ein Foto von mir vorm Wasserfall machen, bevor wir weiter gehen.

Wir machen uns auf den Weg zum zweiten Rundweg. Dieser führt oben an den Fällen entlang. Während wir die ersten Meter gehen reißt dann auch die dichte Wolkendecke etwas auf. Das hat zur Folge, dass sich über dem Becken der Wasserfälle ein Regenbogen bildet. Einfach herrlich. Die Aussicht auf dem Weg hier oben ist einfach der Wahnsinn, man kann quasi direkt über die Kante des Wasserfalls in den Abgrund schauen. Leider wurde aber der obere Rundweg auch von den Fluten beschädigt: eine längere Brücke wurde einfach weggespült, so dass die zwei oder drei letzten Aussichtsplattformen leider nicht zu erreichen sind. Ein wenig mulmig wird uns beim Anblick der Brückenreste dann auch noch. Im Grunde stehen wir auf einer identischen Konstruktion, wer weiß schon ob die die letzten Tage auch in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wir hoffen der argentinische TÜV hat sich die Konstruktion gut angeschaut bevor sie wieder für Besucher freigegeben wurde ;-)

Iguazu Falls
Iguazu Falls

Da es inzwischen richtig schön ist und erst früher Nachmittag drehen wir noch eine Runde auf dem unteren Rundweg und weils so schön war auch gleich noch eine auf dem oberen Rundweg. Zwischendurch essen wir ein paar Cookies beim oben erwähnten Restaurant und werden sogleich von hungrigen oder auch nur gierigen Waschbären umringt. Schon putzig wie sie vor mir Männchen machen, weil sie was abhaben wollen. Carina fällt dann von ihrem Keks ein Teil runter und sie kann gar nicht so schnell schauen wie die kleinen Pelztierchen um sie rumwuseln und sich um die Beute streiten. Sie wird dann auch gleich noch von einem Ranger ermahnt die Tiere nicht zu füttern *g*

Coati - argentinischer Waschbär bei den Iguazu Falls
Coati – argentinischer Waschbär bei den Iguazu Falls

Nach einige Stunden verlassen wir dann den Nationalpark wieder und kehren zurück in unser Hostel. Fazit der Iguazu-Falls: HAMMER! Also wir haben ja schon einige Wasserfälle auf der Welt gesehen, aber Iguazu schlägt sie alle. Ob die brasilianische oder die argentinische Seite besser ist läßt sich schwer sagen. Von Brasilien aus hat man nen tollen Überblick und in Argentinien ist man sehr nah dran am Geschehen. Wir würden auf jeden Fall wieder beide Seiten besuchen. Abends gehen wir dann wieder WM schauen und sehen Messi zu, wie er das Land durch sein Tor erlöst ;-) Der Messiismus hier ist schon irre.

Den nächsten Tag machen wir dann nicht viel. Für den Abend haben wir unsere Weiterfahrt nach Salta gebucht. Gegen Mittag suchen wir wieder ein Lokal auf, um das Deutschland-Spi

el gegen Portugal zu verfolgen. Wir sind jedoch die einzigen die die 4 Tore bejubeln und lachen wenn Ronaldo mal wieder greint, aber das macht ja nichts. Nachmittags regnet es dann wieder in Strömen und uns bleibt nichts anderes übrig als im Hostel unsere Zeit rumzubringen.

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