Foz do Iguazu

So, nach 3 Wochen in Bueos Aires ist es nun soweit: wir verlassen die argentinische Hauptstadt, um uns wieder dem Backpacker-Dasein hinzugeben. Da Argentinien ein sehr großes Land ist, bedeutet das natürlich auch, dass die Busfahrten relativ lang sind. Nachdem wir noch unsere in Uruguay erworbenen US-Dollar auf den Straßen von Buenos Aires gewinnbringend in argentinische Pesos getauscht haben, machen wir uns auf den Weg zum Retiro Busfahnhof und kaufen uns zwei Tickets für den Bus nach Puerto Iguazu. Für umgerechnet rund 65 Euro pro Ticket können wir mit dem Cama-Bus (Bett-Bus), die mit 18 Stunden veranschlagte Busfahrt in den Norden antreten. Faktisch brauchen wir zwar über 21 Stunden, aber das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Busfahrt ist zwar verdammt lang, wir bekommen keine Decken und das Essen schmeckt auch nicht unbedingt überragend, aber sie ist trotzdem nicht so schlimm, wie man vielleicht meinen könnte. Man erinnere sich an die Nachtbusfahrt in Laos von Luang Prabang zur thailändischen Grenze, dagegen war diese doppelt so lange Fahrt der reinste Luxus. Um 15 Uhr geht’s los und am nächsten Tag um 12 Uhr Mittag kommen wir schließlich in Puerto Iguazu an.

Wir suchen uns schnell ein Hostel, sind aber zu kaputt, um uns ernsthaft umzuschauen, so buchen wir uns kurzentschlossen in das erstbeste Hostel ein. Ein Fehler – wie sich schnell rausstellt. Wir sind zielsicher auf die größte Absteige zugelaufen, die man finden kann. An den Wänden hängt dicker Schimmel, der Geruch im Zimmer ist mehr als modrig und die Küche ist eine Katastrophe. Aber gut, das hilft jetzt nichts, wir bleiben da. Der Hunger macht sich auch schon breit, so dass wir gleich mal das Örtchen erkunden, um etwas Nahrhaftes zu finden. Wir landen schließlich in einem netten kleinen Café und erfahren dort eher zufällig von einem Australier, dass die Wasserfälle momentan auf der argentinischen Seite geschlossen sind, weil es Hochwasser hat. Ähh – bitte, wie meinen? Das soll doch wohl hoffentlich ein Scherz sein. Natürlich war es kein Scherz, kurz darauf erfahren wir in einem Touristenbüro, dass es hier wohl wochenlang ziemlich stark geregnet hat und die Aussichtsplattformen allesamt in Argentinien geschlossen sind. Etwas bedröppelt überlegen wir, was wir nun machen. Da wir schon eine Unterkunft haben, entscheiden wir uns, für heute nur noch ein bisschen zu relaxen und am nächsten Tag dann mit Bus auf die brasilianische Seite zu fahren und dort unser Glück zu versuchen.

Gesagt – getan! Gleich nach dem Frühstück machen wir uns wieder vollbepackt auf den Weg zur Bushaltestelle und springen in den nächsten Bus zur Grenze. Nach rund 10 Minuten sind wir dort und reisen aus Argentinien aus und nach Brasilien ein. Das ist wirklich cool in Südamerika – das Länderhopping funktioniert sehr einfach und kostet nix. Nach etwa 1 ½ Stunden sind wir dann auf der anderen Flussseite und in der neuen Unterkunft angekommen. Einchecken dürfen wir zwar noch nicht, weil wir anscheinend eine Stunde zu früh dran sind, aber wenn wir einen weiteren Tag bezahlen, dürfen wir gleich ins Zimmer. Aha, interessant! Wir hinterlegen kurzerhand nur schnell unsere großen Rucksäcke und marschieren erste Schritte durch Brasilien und holen uns die hiesige Währung.

Nachdem wir unser Zimmer, das eine eindeutige Verbesserung zum Vortag ist, bezogen haben, machen wir uns endlich auf den Weg zu den mächtigsten Wasserfällen von Südamerika. Und wir werden dort nicht enttäuscht. Der Park hat geöffnet und wir stehen bald vor diesem unbeschreiblichen Naturspektakel.

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Das Ausmaß dieser Wasserfälle lässt sich gar nicht in Worte fassen, es ist einfach nur atemberaubend. Die Victoria Falls in Afrika waren ja schon absolut eindrucksvoll, aber ich muss ehrlich gestehen, ich finde diese fast noch beeindruckender. Vielleicht liegt das auch ausgerechnet an dem Hochwasser, denn die Fälle führen wirklich gigantische Wassermassen und hauen uns schlichtweg einfach nur um. Wegen des Hochwassers ist das Wasser zwar eine ziemlich braune Plörre, aber das macht das Schauspiel nicht weniger eindrucksvoll. Es ist nur wirklich sehr schade, dass die spektakulärste Aussichtsplattform gesperrt ist, aber die ist teilweise richtig weggespült worden und darauf zu spazieren wäre wahrscheinlich der reinste Selbstmord. Aber auch von den anderen Aussichtsplattformen kann man einen herrlichen Blick auf die Fälle erhaschen.

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Wir gehen den Cataratas-Track insgesamt zweimal um die verschiedenen Lichtsituationen voll auskosten zu können. Überall auf dem Weg irren kleine Waschbärenartige Tierchen umher, die äußerst zutraulich sind und Hanks volle Aufmerksamkeit gewinnen können. Was für eine Überraschung… :-)

Nach Sonnenuntergang machen wir uns schließlich auf den Rückweg in die Stadt, wo wir noch ein nettes mexikanisches Lokal besuchen und dort den Abend verbringen. Da es hier auch eine Großleinwand gibt, beschließen wir, morgen zurück zu kommen um die WM-Eröffnungsfeier und das Eröffnungsspiel hier zu schauen.

Den nächsten Tag haben wir außer WM-Einstimmung nicht wirklich viel geplant. Den Vormittag verbringen wir im Hostel und können uns nicht vom PC lösen und gegen Mittag machen wir uns dann auf, um unsere Location fürs Spiel aufzusuchen. Unglücklicherweise muss man ganz schön blechen, wenn man Brasilien spielen sehen will. So kostet der Tisch bei dem Mexikaner beispielsweise umgerechnet 50 EUR. Gut, da ist zwar Speis und Trank eingeschlossen, aber für brasilianische Verhältnisse ist das schon wirklich ziemlich teuer. Glücklicherweise finden wir nahegelegen ein anderes Lokal mit großen Plasmafernsehern, das nur einen Mindestumsatz von umgerechnet 10 EUR pro Person hat. Das lassen wir uns doch eher eingehen. Da wir die ersten im Lokal sind, befürchten wir schon, dass wir zielgenau auf die Location zugesteuert sind, in der absolut gar nichts los ist, aber zum Glück füllt sich das Lokal bis zum Anstoß noch.

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Vor dem Anstoß geht der Kellner noch durch die Reihen und sammelt Wetten ein und fragt uns etwas zaghaft, ob wir auch mitmachen wollen. Na klar, sagen wir und geben mit 3-1 unseren Siegertipp ab. So können wir am Ende aus 10 Real 60 Real machen (ungefähr 20 EUR). Die Stimmung ist wirklich gut, allerdings ein Brasilianer ist hier, bei dem wir befürchten, dass er die WM nicht lebendig überstehen wird, da er mit jedem kroatischen Ballbesitz gefühlte 5 Jahre altert. Am Ende aber feiert er, als wäre Brasilien bereits Weltmeister. Verrückt! Die sind definitiv vergleichbar fußballverrückt wie wir Deutschen. Nach dem Abpfiff eilen die Leute sofort auf die Straßen, um den Autokorso zu starten und die Fahnen zu schwingen. Wir hingegen trinken gemütlich unser Cerveza und begeben uns eher gemächlicher auf die Straßen und verfolgen das bunte Treiben eine Weile, ehe wir uns auf den Rückweg machen.

Der nächste Tag ist wettermäßig nicht ganz so rosig, aber wir lassen uns davon nicht beunruhigen und fahren mit dem Bus zum nahegelegenen Vogelpark, der angeblich sehr sehenswert sein soll. Wir sind zwar beide keine großen Fans von Tierparks, aber dieser Vogelpark ist wirklich beeindruckend.

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Es gibt unzählig viele verschiedene Papageienarten und wunderschöne Tukane an allen Ecken und man kann sogar in die Käfige hinein gehen und die Vögel aus unmittelbarer Nähe betrachten. Gut, soweit sie das natürlich zulassen. Hank will die Tukane gerne auf den Arm nehmen, aber da spielt irgendwie keiner so richtig mit. Sie piksen ihn zwar, aber aufsteigen will keiner. Auch die Papageie sind von seinen Plänen nicht ganz so angetan und meiden den „Dr. Doolittle“ ein bisschen. Am Ende zeigt uns ein Ranger schließlich, wie Hank das Unterfangen angehen muss und so sitzt dann doch noch ein wunderschöner farbenprächtiger Papagei auf seinem Arm. Puh, Gott sei Dank – ist er doch noch glücklich. Insgesamt ist dieser Ausflug wirklich empfehlenswert und wir sind froh, dass wir uns diesen Park noch angeschaut haben, bevor wir uns wieder auf den Weg nach Argentinien machen. Wir würden zwar wirklich sehr gerne zur WM hier in Brasilien bleiben, aber am Ende entscheiden wir uns doch dafür, unsere ursprüngliche Route einzuhalten. Von der Uhrzeit her können wir hier ohnehin fast alle Spiele live verfolgen.

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