Buenos Aires

Tada, hier sind wir wieder! In Buenos Aires haben wir zur Abwechslung mal mehr Zeit als gewöhnlich verbracht, da wir unser Hauptaugenmerk auf einen Crash-Kurs in Spanisch gelegt haben. Da der Sprachkurs, den wir in Deutschland gemacht haben, schon ein halbes Jahr zurückliegt und wir auf unserer bisherigen Reise das Spanische etwas verdrängt haben, sind unsere Kenntnisse eigentlich fast vollständig verflogen. Aber der Reihe nach:

Nachdem wir am Abend des schier endlosen 19. Mai in Buenos Aires angekommen sind, quartieren wir uns in ein vorgebuchtes Hostel im Microcentro ein und müssen gleich mal entsetzt feststellen, dass hier wieder ein etwas – naja sagen wir mal „anderer“ Standard herrscht. Unser Zimmer ist die reinste Bruchbude und wir schlafen gefühlt „in der Bar“, weil sich diese gleich vor unserer Zimmertür befindet und der Tumult die ganze Nacht über nicht nachlässt.

Am ersten Tag machen wir uns gleich mal auf den Weg, um uns für einen Spanischkurs anzumelden. Wir haben hier wirklich Glück, denn obwohl es mitten unter der Woche ist und die Kurse normalerweise montags beginnen, können wir gleich am nächsten Tag um 9 Uhr einsteigen. Perfekt! Auch mit der Unterkunft sind wir nach kurzer Suche erfolgreich: unmittelbar gegenüber von der Amauta Elebaires Escuela befindet sich das Hostel Estoril, das angeblich nachts recht ruhig und tatsächlich auch ganz gemütlich ist.

unser Schulgebäude
unser Schulgebäude

Tja, am Mittwoch ist es dann soweit: wir zwei drücken wieder die Schulbank! Ja genau, wer hätte das gedacht? Ganz so formell ist es glücklicherweise nicht, denn wir haben Einzelunterricht und unser Lehrer Pablo ist auch alles andere als der klassische Stereotyp eines Lehrers, wie wir ihn normalerweise kennen. Wir haben echt sehr viel Spaß mit ihm und der Unterricht ist ziemlich locker. Er bringt uns auch viele umgangssprachliche Ausdrücke bei, so dass wir bestens auf Südamerika vorbereitet werden. Einzig, das Lernen der Vokabeln obliegt unserer eigenen Verantwortung… Verdammt!!

In der Schule werden auch täglich Nachmittagsaktivitäten angeboten: zweimal die Woche wird ein Ausflug gemacht und zweimal die Woche gibt es Conversation Clubs. Kaum vorstellbar, dass wir die Einzigen sind, die tatsächlich jeder Aktivität beiwohnen und penibel genau die Hausaufgaben erledigen. Pablo bezeichnet uns sogar als vorbildliche Schüler. Ja, ich weiß: Klingt komisch, ist aber so! Obwohl, ich muss gestehen: einmal sind wir tatsächlich OHNE Hausaufgaben zum Unterricht erschienen, aber unsere Ausrede dafür war mehr als akzeptabel: wir waren im River Plate Stadion und haben ein Spiel der argentinischen Nationalmannschaft gegen Trinidad Tobago angeschaut und hatten deshalb keine Zeit den Pflichten nachzukommen. Also wenn man‘s genau nimmt, war Lionel Messi Schuld daran, dass wir die Hausaufgaben nicht gemacht haben… Gottseidank war Pablo gnädig mit uns und hat uns von Peitschenhieben verschont.

Zu unseren täglichen Ritualen gehört auch das Mittagessen vom Chinesen, oder wie wir ihn nennen der „Chino-Hombre“. Die perfekte Lösung, wenn es schnell gehen muss, denn hier gibt es ein reichhaltiges Mittagsbüffet und das System ist ganz einfach: man nimmt sich eine Plastikbox, lädt auf, was man will und wieviel man will. Am Ende wird der Teller gewogen und man zahlt nach Gewicht. Tatsächlich haben wir zu zweit nie mehr als 6 Euro für ein wirklich abwechslungsreiches und vor allem großzügiges Mittagessen bezahlt. Diese „Chino-Hombres“ gibt’s hier wie Sand am Meer und der Andrang ist groß.

Insgesamt haben wir diesen Tagesablauf  2 ½ Wochen gepflegt und im Unterricht wirklich viel gelernt. Die Umsetzung im Alltag ist zwar noch verdammt schwierig, weil man bekanntermaßen eine Sprache nicht 14 Tagen lernen kann, aber der Grundstein ist gelegt. Jetzt liegt es wohl an uns, was wir daraus machen…

mit unserem Abschlusszertifikat
mit unserem Abschlusszertifikat

Neben dem täglichen Besuch der Schule haben wir uns selbstverständlich auch die Stadt selbst angeschaut und was soll ich sagen? Wir finden sie klasse! Buenos Aires ist wirklich sehr schön, vor allem weil es eine Stadt mit Geschichte ist und sie mit wunderschönen Kolonialbauten an allen Ecken auftrumpfen kann. Natürlich gibt es auch weniger schöne Gebäude, aber die gibt es ja überall. Entgegen des allgemein herrschenden Vorurteils, dass die Leute in Buenos Aires arrogant und eingebildet sind, hatten wir hier mit wirklich sehr netten und hilfsbereiten Menschen zu tun.

So haben wir beispielsweise folgende Situation erlebt:

Wir zwei Greenhorns fahren am Abend unseres zweiten Tages im Sprachkurs mit der U-Bahn in eine Bar in Palermo. Unwissend und ohne uns näher damit zu befassen, stellen wir auf dem Heimweg an der Subte-Haltestelle (U-Bahnsystem der Stadt) fest, dass die letzte Fahrt bereits um 22 Uhr war. Zu später Stunde stehen wir also ohne jeglichen Plan, wie wir nach Hause kommen in der 13-Millionen-Metropole da und sprechen die Landessprache nicht. Kurzerhand versuchen wir wild gestikulierend einem Busfahrer unsere Misere zu schildern und dabei zu erfahren, mit welcher Buslinie wir in Richtung des Congreso kommen. Zumindest versteht der Busfahrer  unser Problem, aber kann uns in keiner uns verständlichen Weise erklären, wie wir zur Bushaltestelle des Busses 111 kommen. Schließlich kapituliert er und deutet uns kurzerhand, dass wir einsteigen sollen und er gibt uns zu verstehen, dass er uns zur Bushaltestelle fahren wird. Kaum sind wir eingestiegen, unterhält er sich mit einem anderen Busfahrer, der uns eine andere Rückfahrmöglichkeit mit dem Bus 168 anbietet. Dieser fährt sogar an Ort und Stelle ab. Wunderbar, wir freuen uns sehr über die Hilfsbereitschaft dieser Argentinier und kommen schließlich auch noch in den Genuss einer kostenlosen Busfahrt, da wir weder im Besitz von Kleingeld noch der notwendigen Buskarte sind. Einzig deshalb, weil wir am Ende dann an der falschen Haltestelle ausgestiegen sind und noch einen längeren Fußmarsch zurücklegen mussten, ist dann nur fast alles reibungslos gelaufen.

Aber natürlich hat auch die Stadt an sich bei uns viele unvergessliche und schöne Eindrücke hinterlassen. Vor allem hat uns das Stadtviertel La Boca mit seinen bunten Häuserfassaden und dem lebhaften Treiben auf den Straßen gefallen.

Da es aber ein eher ärmerer Stadtteil und daher auch etwas gefährlicher ist, sollte man sich unbedingt an die Warnungen halten und das Viertel nur am helllichten Tag besuchen, sowie nicht von den Touristenpunkten abweichen, sonst kann es einem so gehen, wie Vincent – einem Volunteer in unserer Schule, der in La Boca mit einem Messer bedroht wurde.

Eine besonders wichtige Rolle in Buenos Aires spielt selbstverständlich die Volksheldin „Evita“, deren glanzvolle Taten man in der ganzen Stadt bewundern kann. Sei es in einem der ihr gewidmeten Mueseen, im Präsidentenpalast „La Casa Rosada“ oder an ihrem Mausoleum im Friedhof von Recoleta. Diese Frau ist hier einfach allgegenwärtig und wird selbst nach über 60 Jahren nach ihrem Tod als die Nationalheldin schlechthin verehrt. Zugegeben,  was diese aus „normalen“ Verhältnissen stammende Frau in einer Zeit, in der Frauen politisch quasi keine Rechte hatten, geschaffen hat, ist wirklich beeindruckend.

Neben den weiteren klassischen Sehenswürdigkeiten wie z. B. dem Obelisco, dem Congreso und dem Plaza de Mayo haben wir noch das Museum des Bicientario, die Avendia Florida und den Hafen Puerto Madeira besucht. Damit sei nur das wichtigste genannt.

Congreso
Congreso

Es war – abgesehen vom Klingeln des Weckers zur frühen Morgenstunde (gut, es war 7:30 Uhr, aber es war für uns trotzdem früh) geweckt zu werden – wirklich sehr schön, zwischendurch mal wieder irgendwo länger zu bleiben und einen geregelten Tagesablauf zu haben, aber jetzt freuen wir uns auch darauf, mit ein paar Spanischgrundkenntnissen ausgestattet wieder unseren Rucksack zu packen und auf große Entdeckungstour durch Südamerika zu gehen.

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