Taupo & Rotorua

Nach unserer Tageswanderung lässt natürlich am nächsten Tag der Muskelkater nicht lange auf sich warten. Zu einer weiteren Wanderung können wir uns heute nicht überwinden, obwohl unser nächstes Ziel, der Lake Taupo, mit wahrscheinlich vielen ebenfalls tollen Wanderwegen auftrumpfen kann. Das Wetter ist heute ohnehin mehr als bescheiden, es regnet in Strömen und uns wird bewusst, dass wir zumindest für unser Alpine Crossing wirklich alles richtig gemacht haben. Aber was machen wir nun in Taupo? Im Lonely Planet haben wir gelesen, dass es dort auch Hot Springs gibt, in denen man einfach relaxen kann und das klingt für uns heute einfach perfekt.

Voller Vorfreude auf ein wenig Entspannung in den heißen Quellen springen wir ins Auto und fetzen die rund 80 Kilometer ohne weiteren Stopp einfach durch. Im Örtchen Taupo müssen wir mal wieder Einkaufen, bevor wir uns einen Campingplatz suchen. Wir landen schließlich beim De Bretts Spa Resort Holiday Park. Das klingt auf dem ersten Blick nach einem ziemlich teuren Platz, da wir jedoch damit nur den halben Eintrittspreis zu den Thermalquellen bezahlen müssen, relativiert sich der Preis dann doch ganz ordentlich. Das Besondere an dem Platz ist, dass er genau neben den Quellen ist und man mit einem Tagesticket den ganzen Tag hin und her marschieren kann. Perfekt! Bevor wir uns allerdings ins heiße Wasser stürzen, gibt’s noch ein leckeres und abwechslungsreiches Mittagessen und dann stehen wir auch schon vor den Toren.

Es ist echt kaum zu beschreiben, wie wohltuend dieses Thermalwasser für unsere brennenden Muskeln ist. Wir könnten echt stundenlang in dem badewannengleichen Wasser bleiben, aber nachdem das nicht sonderlich empfehlenswert ist, müssen wir irgendwann doch auch mal rauskommen. Aber danach fühlen wir uns wie neugeboren!

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Den Rest des Tages verbringen wir ganz relaxed in der TV-Lounge des Campingplatzes, nur Hank zieht es zu später Stunde nochmal ins Thermalwasser. Meine Wenigkeit kann sich leider nicht mehr aufraffen nochmal in den Bikini zu springen…

So, genug gefaulenzt. Am nächsten Tag geht’s weiter nach Rotorua, die Stadt, in der man sich insbesondere mit der Geschichte der Maori auseinandersetzen und zudem jede Menge Geysire und Schlammlöcher bestaunen kann. Von Taupo aus sind das rund 80 Kilometer. Unterwegs kommen wir an den Huka Falls vorbei, bei denen wir einen Stopp einlegen. Das Besondere an diesen Wasserfällen ist, dass das Wasser beim Brechen von der Klippe eisblau und beim Auftreffen im Becken arktisweiß ist. Das ist schon ziemlich beeindruckend und der lohnt den Stopp. Es gibt hier einige Wanderwege, aber so richtig motiviert eine größere Loop zu laufen sind wir auch heute noch nicht. Also machen wir es diesmal wie die unzähligen Japaner um uns rum – Klick: 3 Fotos sind im Kasten – und weiter geht’s!

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Eine weitere Stoppmöglichkeit sind die Craters oft he Moon, die allerdings laut Reiseführer 6 Dollar Eintritt kosten. Naja, können wir ja mal anschauen. Im Information Center schauen wir uns ein paar Postkarten an und stellen fest, dass wir unser Geld nicht in diesen Walk investieren wollen und doch auf direktem Weg weiter nach Rotorua fahren.

Gegen Mittag kommen wir schließlich an und stehen vor den T­­­oren von Te Puia. Etwas enttäuscht müssen wir dann feststellen, dass uns ein Ausflug in die Welt der Maoris kaum unter 50 Dollar pro Person hergeht. Naja, wenn wir schon da sind, müssen wir die Dollar wohl oder übel in die Hand nehmen. Inmitten der Stadt gibt es aber noch in den Kurirau Park, in dem man kostenlos zumindest ein paar Schlammlöcher bestaunen kann. Naja, das ist dann für heute nach einem Thai-Lunch unser Ziel. In der ganzen Stadt herrscht der Geruch von Schwefel, was daran liegt, dass Rotorua in einem der geothermisch aktivisten Gebiete der Erde liegt.

Der Park ist echt ganz nett anzusehen. Überall dampft und blubbert es. Wir sind schon ziemlich beeindruckt von diesem Schauspiel, auch wenn man eigentlich innerhalb einer halben Stunde durchgelaufen ist, aber als kleiner Vorgeschmack für morgen ist es schon nicht schlecht.

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Ansonsten schlendern wir heute noch ein bisschen durch die Gässchen von Rotorua, bevor wir uns einen Campingplatz suchen, an dem ich feststelle, dass ich fix und fertig bin und eigentlich nur noch meine Ruhe haben will.

Gut ausgeschlafen und motiviert starten wir am nächsten Tag unser Kulturprogramm. Für insgesamt 105 Dollar erwerben wir die Eintrittskarten für die Maoristätte Te Puia und sind kurz nach der Öffnung an den Toren. Das erste Maorikonzert beginnt um 10:15 Uhr und da wir bis dahin noch ein wenig Zeit haben, steuern wir als erstes Ziel das Kiwi-House an. Juppie, endlich haben wir die Gelegenheit auf unserer Reise einen zu sehen, auch wenn er nicht in freier Wildbahn lebt. Der Kiwi ist ein flugunfähiger und nachtaktiver Vogel, der ein Nationalsymbol von Neuseeland darstellt. Er ist vom Aussterben bedroht und steht unter Artenschutz. In freier Wildbahn kann man ihn tagsüber nur ganz im Süden von Neuseeland, auf Stewart Island beobachten. Zum Glück gibt es aber einige Sanctuarys, die dem Kiwi einen künstlich geschaffenen Lebensraum bieten und man als Tourist die Möglichkeit hat, ihn zu bestaunen. Unglücklicherweise darf man ihn nicht fotografieren…

In Te Puia gibt es zwei Kiwis, ein Männchen und ein Weibchen. Letztere ist nicht sonderlich aktiv bei unserem Besuch, das Männchen hingegen pickt fleißig im Boden rum und präsentiert sich unmittelbar vor der Glasscheibe. Wir haben den Raum ein paar Minuten für uns alleine, bis schließlich die obligatorische Busladung Japaner eintrifft. Das ist dann auch der Zeitpunkt in dem wir die Flucht ergreifen.

Inzwischen ist es auch schon Zeit für das Maorikonzert. Es ist zwar recht touristisch, aber dennoch ziemlich cool. Die Krieger präsentieren ihren Haka – das ist der Tanz, der zur Abschreckung der Feinde eingesetzt wird und insbesondere aufgrund der gefährlichen Gesichtsausdrücke besonders einschüchternd ist. Die Maorifrauen führen den traditionellen Poi, einen Tanz mit Flachskugeln, auf. Highlight ist allerdings, dass wir irgendwann ebenfalls in die Veranstaltung eingebunden werden. Hank wird der Haka-Tanz auf der Bühne gelehrt und ich muss mich an den Poi-Kugeln versuchen. Beide haben wir leider ungefähr Null Taktgefühl und das Wort „Rhythmus“ kennen wir auch eher vom Hören-Sagen, so dass wir Euch von unseren gedrehten Videos verschonen wollen. ;-)

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Nach diesem interessanten und äußerst unterhaltsamen Konzert geht auch schon unsere Führung durch die Anlage los. Carol, unsere Guidin, ist eine Maori und sie erzählt uns viel von der Geschichte ihres Volkes, deren Lebensstil und wie die Maoris in Neuseeland heute leben. Insgesamt gibt es momentan rund 65.000 Menschen mit Maori-Wurzeln. Die Einen leben mehr nach den alten Lebensweisen, die anderen weniger. Von den typischen Tätowierungen im Gesicht sehen die meisten aber mittlerweile ab, da es damit für die Maoris schwer ist Jobs zu finden. Stattdessen tätowieren sie sich inzwischen mehr am Rücken. Klingt ja auch vernünftig. Die paar Maoris, die wir noch mit den Gesichtstätowierungen gesehen haben, haben schon wirklich ein wenig furchteinflößend ausgeschaut.

Auf der Tour schauen wir uns die Schnitzschule und die Webschule an. Beides wichtige Maorikunst, die wirklich beeindruckend ist. Außerdem marschieren wir noch einmal durch das Kiwi-House und als abschließendes Highlight kommen wir zum Pohutu, ein Geysir, der bis zu 20 Mal täglich ausbricht und dabei heißes Wasser bis zu 30 Meter hoch in die Luft spritzt. Laut Carol passiert das innerhalb der nächsten 15 Minuten, also warten wir brav, aber es passiert nichts. Erst etwa eine Stunde später beginnt das atemberaubende Ereignis. Wir sind wirklich begeistert von der Wucht dieses Geysirs und sind froh, dass wir nicht vorzeitig abgebrochen haben, auch wenn unsere Geduld schon ein wenig am Ende war.

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Im Anschluss an Te Puia fahren wir heute noch in den Redwoods – Whakarewarewa Forest. Ein Wald voll Giant Redwoods. Die sind schon spektakulär, auch wenn sie noch nicht so alt sind. Naja, wenn wir schon dabei sind, dann machen wir neben Birdwatcher hald auch noch einen auf Treewatcher…

Nach einem abschließenden Besuch am Lake Rotorua haben wir unser Tagespensum für heute wieder erreicht und können zufrieden in einem Campingplatz einkehren…

Tongariro National Park

Den Vormittag des nächsten Tages verbringen wir wieder mal im Auto und fahren von Foxton Beach, wo wir übernachtet haben, über Whanganui, wo wir kurz anhalten zum Einkaufen und Tanken, bis nach Whakapapa Village. Das liegt im Tongariro Nationalpark und von dort aus wollen wir morgen eine Tageswanderung starten. Nein, nicht eine, sondern DIE beste Tageswanderung Neuseelands, so steht es zumindest im Reiseführer und dem Informaterial aus der Touristeninfo. Es handelt sich um die Tongariro Alpine Crossing. Sie geht durch spektakuläres vulkanisches Gebiet, wo es einen aktiven Vulkan gibt (der zuletzt 1926 ausgebrochen ist), sowie einige ältere Krater, einige Seen und Öffnungen aus den heißer Dampf aufsteigt. Nicht zu vergessen führt sie am Mount Ngauruhoe vorbei, der in den Herr der Ringe Filmen den Schicksalsberg verkörperte. Aber da die Wanderung nur bei gutem Wetter Sinn macht müssen wir uns erst mal im DOC-Büro (=Department of Conservation) nach dem Wetterbericht für morgen erkundigen und das Beste hoffen. Der sehr nette Herr hinter der Theke meint, dass es nach aktueller Lage für morgen ganz gut aussieht: vormittags ein wenig wolkig, danach klar. Allerdings um die null Grad auf dem Gipfel. Auch ansonsten versorgt er uns noch mit einige Infos. Na dann hoffen wir mal, dass der Wetterbericht hält was er verspricht, was in Neuseeland noch unwahrscheinlicher ist als daheim ;-)

Aber zuerst will der heutige Tag noch sinnvoll gestaltet werden. Auf der Fahrt hierher war es die ganze Zeit sonnig, auf den letzten 30 Kilometern wurde es dann wolkig und es regnet immer mal wieder ein wenig. Nachdem dann einige Zeit kein Wasser vom Himmel kommt entscheiden wir uns zur Einstimmung auf morgen noch eine kleine 2-Stunden-Runde zu gehen. Das Ziel sind die Taranaki Falls, die man über einen Rundweg erreichen kann. Die Wanderung ist nicht sonderlich anspruchsvoll und der Weg gut ausgebaut. Von der Strecke aus haben wir eine gute Aussicht auf den Mount Ngauruhoe und den Mount Tongariro, unserem morgigem Ziel – so das Wetter will. Ist schon ein beeindruckender Anblick. Wenn wir in die andere Richtung sehen erblicken wir den 2797 Meter hohen mit Schnee bedeckten Mount Ruapehu. Auch nicht schlecht, aber für uns sicher das falsche Ziel. Nach ca. einer dreiviertel Stunde kommen wir an den 20 m hohen Falls an und erfreuen uns an dem Anblick. Auf dem Rückweg kommen wir dann immer wieder an Stromschnellen das zugehörigen Wairere Stream vorbei. Da es inzwischen aber wieder ein wenig regnet beeilen wir uns zurück ins Camp zu kommen.

Mount Ngauruhoe
Mount Ngauruhoe

Hier verbringen wir den Abend mit Spielen und Lesen im Gemeinschaftsraum. Es ist schon ganz schön frisch draußen. Wir nehmen es als Vorgeschmack für morgen. Um genug Zeit für die Wanderung zu haben buchen wir noch den Shuttle-Bus, der uns zum Start bringt und am Ziel aufsammelt, für 7 Uhr in der Früh. Die nur wenige Kilometer lange Busfahrt kostet 35 Dollar pro Person. Das ist ganz schön happig, aber wir haben nicht wirklich eine Alternative. Also gehen wir dann recht früh ins Bett, damit wir auch ausgeruht genug sind. Das mit der Nachtruhe klappt aber nicht ganz so wie wir uns das vorstellen, wir können beide nicht richtig schlafen. Da im Reiseführer und auch in den Broschüren des DOC immer wieder darauf hingewiesen wird, dass das eine schwere Wanderung ist und das Wetter in Minuten umschlagen kann mache ich mir schon ein wenig Sorgen ob wir richtig ausgerüstet sind. Statt den angesagten 0 Grad könnten es ja auch -5 sein. Mir gehen Horrorvorstellungen von plötzlich aufziehenden Schneestürmen durch den Kopf und ich überlege wie lange man in solchen Temperaturen aushält, wie schnell kann man eigentlich erfrieren?

Irgendwann scheinen wir wohl doch eingeschlafen zu sein, denn der Wecker reißt uns um halb 6 aus den Träumen. OK, dann wollen wir mal. Wir packen uns dick ein und machen uns nach dem ausgiebigen Frühstück auf zur Bushaltestelle. Der Bus ist schon da und tatsächlich schon bis auf zwei Plätze voll besetzt. Wir steigen ein und es geht auch schon los. Auf der Fahrt müssen wir uns alle in eine Liste eintragen, damit kontrolliert werden kann, ob jeder Wanderer auch wieder vom Berg gekommen ist. Na das ist ja ermutigend. Aber der Wetterbericht sieht immer noch ganz gut aus und am Himmel sehen wir auch keine Wolke. Nach ca. 20 Minuten Fahrt sind wir am Ende der Mangatepopo Road, dem Startpunkt der Wanderung angekommen. Auf der Fahrt hierher sind uns schon einige andere Busse entgegengekommen. Auch hier stehen noch welche rum. Dementsprechend geht es hier auch zu. Vor den kleinen Klohäuschen ist eine lange Warteschlage, es wimmelt nur so von Menschen. Und als ich sehe wie einige von denen rumlaufen frage ich mich schon, ob die dieselbe Wanderung machen wollen wie wir. Einige haben kurze Hosen an, andere nur T-Shirts, wieder andere tragen Chucks und Stiefeletten anstatt von Wanderschuhen. Hm, und ich mache mir Gedanken darüber ob wir da oben erfrieren können…

OK, vielleicht wollen die ja nicht die ganze Wanderung machen, sondern nur bis zum Schicksalsberg gehen, ein Foto machen und wieder zurück. Aber wieso sind sie dann so früh da? Naja, die werden schon wissen was sie machen. Schon sind wir auf dem Wanderweg. Aber so richtig nach Wandern fühlt es sich nicht an, viel eher gehen wir in einer langen Schlange. Das nervt. Ständig wird man von langsam gehenden Gruppen aufgehalten. Wenn man dann mal vorbei ist mag man selber gar nicht mehr anhalten, um die Landschaft zu betrachten oder ein Foto zu machen, weil man dann wieder hinter denselben festhängt. Hoffentlich löst sich das noch ein wenig auf. Nach etwa einer Stunde leichtem Marschieren kommen wir an den Soda Springs an. Das sind ein paar kleine Wasserfälle, die uns aber nicht sonderlich beeindrucken und so gehen wir direkt weiter.

Hier beginnt dann das erste harte Stück der Wanderung, der Aufstieg zum Mangatepopo Sattel. Wir müssen etwa 340 Höhenmeter überwinden, es geht stetig und steil bergauf. Nach wenigen Minuten kommen wir vom Schatten in die Sonne. Die Temperatur steigt sofort merklich an und auf einmal bin ich zu dick eingepackt. Also entledige ich mich gleich mal einiger Kleidungsstücke. Auf die gleiche Idee kommen auch viele andere Wanderer und so stehen wir hier in einer großen Freiluft-Berg-Umkleide. Weiter geht es den Berg hoch. Der Ausblick ist wirklich toll, vor uns die Vulkane, hinter uns das eben durchwanderte Tal. Weit entfernt am Horizont sehen wir sogar den Mount Taranaki ein anderes sehr beliebtes Ziel für Wanderungen. Naja, vielleicht ein anderes Mal…

Nach etwa 1 ½ Stunden mit einigen kleinen Pausen kommen wir oben an. Wir suchen uns einen Platz, wo wir in Ruhe die Aussicht genießen können. Was gar nicht so einfach ist, weil sich hier wieder dutzende Leute ansammeln, die alle erst mal durchschnaufen müssen oder wollen nach dem Aufstieg. Außerdem hat man hier die Möglichkeit den Hauptweg zu verlassen und den Gipfel des Mount Ngauruhoe in Angriff zu nehmen. Für diesen Aufstieg werden ca. 3 Stunden veranschlagt. Ich muss sagen, dass mich das schon jucken würde da raufzukraxeln (von den nächtlichen Sorgen bin ich inzwischen meilenweit entfernt *g*). Leider zieht Carina nicht so recht, da sie meint die 19,4 Kilometer des Hauptwegs sind genug und wenn wir einen 3-stündigen Umweg machen wird’s zeitlich auch eng. Na gut, ich füge mich meinem Schicksal und kehre dem Schicksalsberg den Rücken.

Auf zum Mount Ngauruhoe ;-)
Auf zum Mount Ngauruhoe ;-)

Weiter geht es über den South Crater hoch auf den Red Crater. Das ist der zweite und damit auch letzte steile Aufstieg der Tour. War der erste noch harmlos und gut ausgebaut wird es hier schon ein wenig anspruchsvoller: die Felsen sind teilweise vereist und es ist ziemlich rutschig. An einer Stelle sind dann auch Stahlseile an den Felsen befestigt, an denen man sich entlanghangeln kann. Aber wir bewältigen das kritische Stück problemlos und kommen schließlich gut oben an. Hier ist ein kleines Plateau mit vielen Felsbrocken und wir suchen und zwei Sitzbrocken, um Mittagspause zu machen. Es gibt Toast, belegt mit Salami, dazu noch einen Schokoriegel. Mhm, sehr gut. Einzig störend ist der Lärmpegel hier oben. Habe ich schon erwähnt, dass viele Leute die Wanderung machen? Ist so. Also es geht wirklich gut zu. Sowas habe ich noch nicht erlebt. Das erinnert eher an eine Shopping-Mall als an einen Wanderweg im Gebirge. Aber damit müssen wir wohl leben. Außerdem ists bei dem super Wetter ja auch nicht verwunderlich, dass viele Leute die Wanderung machen. Wir vermuten, dass einige extra auf das gute Wetter gewartet haben, da die letzten Tage nicht so toll waren. Wir haben echt Glück, es ist super schön, keine Wolke trübt den Himmel und die Sonne lacht. Von den null Grad sind wir zum Glück ein Stück entfernt.

wir vorm Mount Ngauruhoe
wir vorm Mount Ngauruhoe

Nach der Essenspause haben wir noch ein kleines Stück zum höchsten Punkt der Wanderung. Erst gehen wir aber zum Red Crater am Rand des Plateaus. Der Anblick ist echt der Wahnsinn. Der Krater ist wie der Name schon sagt rot. Außen rum ist dann noch das schwarze Lavagestein. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen thront im Hintergrund der Schicksalsberg. Also das muss man echt gesehen haben! Die Auslöser der Kameras laufen heiß. Nachdem wir uns losreißen können geht es weiter bergauf. Oben angekommen stehen wir auf einmal im Nebel, überall steigt hier Dampf auf. Wow! Nachdem wir wieder klare Sicht haben bleibt uns echt die Spucke weg. War das vorhin schon grandios gehen mir jetzt schön langsam die Worte aus. Vor uns im Tal liegen die farbenprächtigen Emerald Lakes, im Hintergrund schimmert der Blue Lake, dazwischen und daneben ist eine von den Vulkanen geformte Mondlandschaft. Naja, schaut euch einfach die Bilder an.

Jetzt kommt der letzte schwierigere Teil der Wanderung, der Abstieg vom Red Crater. Der Weg besteht aus grobem schwarzem Sand mit dicken Steinbrocken dazwischen. Erschwerend hinzukommt, dass hier gerade ein übler Verkehr ist (habe ich schon erwähnt, dass viele Leute unterwegs sind?) und man gleich jemanden im Heck hängen hat, wenn man mal stehen bleibt. So ist es nicht verwunderlich, dass immer wieder Leute ausrutschen und auf dem Hintern landen. Auch Carina bleibt von dem Missgeschick nicht verschont, ich kann mich gerade noch in letzter Sekunde auf festen Steinuntergrund retten. Die Situation nervt uns dann doch ein wenig, wir würden gerne öfter stehen bleiben zum Knipsen und Genießen, wollen aber aufgrund der Menschenmassen einfach nur weg hier. So sind wir bald im Central Crater angekommen und wandern weiter.

Nachdem wir den Krater durchwandert haben kommt noch mal ein kleiner Anstieg zum Blue Lake, einem herrlich blauen großen See. Fast noch besser als der See ist der Blick zurück: links vorne die Emerald Lakes, rechts vorne schwarzes Lavagestein, in der Mitte der Red Crater und dahinter der Mount Ngauruhoe. Fantastisch! Da sich aber auch hier wieder die Menschenmassen sammeln gehen wir recht flott weiter. Nachdem wir den See umrundet haben geht es wieder an den Abstieg ins Tal. Haben wir die Wanderung bei etwa 1100 Metern begonnen und sind auf 1886 Meter aufgestiegen, so müssen wir jetzt auf etwa 750 Meter hinunter. Dabei kommen wir am Anfang des Abstiegs durch eine vulkanisch aktive Zone, neben dem Weg dampft der Te Maari vor sich hin.

Danach zieht sich der Weg sehr, die letzten 8 Kilometer ändert sich landschaftlich nicht mehr viel. Der Weg schlängelt sich ins Tal und man hat das Gefühl nicht recht vorwärts zu kommen. Wir wandern etwa zwei Stunden stetig bergab und wollen eigentlich nur noch ankommen. Die Füße werden immer schwerer und es tut sich nicht mehr viel, die Highlights liegen alle hinter uns. Dann kommt noch eine kleine Abwechslung, der Weg führt durch einen Wald. Auch hier sind wir noch mal eine dreiviertel Stunde unterwegs und fragen uns schon ob wir jemals ankommen werden. Dann endlich hören wir die Geräusche von Autos, irgendwo nicht weit vor uns muss der Parkplatz liegen. Als wir um die nächste Kurve biegen sind wir dann auch endlich da und heilfroh. Das letzte Stück war echt eher nervig als schön, aber das muss man wohl in Kauf nehmen bei dieser Wanderung.

Der Parkplatz ist auch schon gut gefüllt mit erschöpften Wanderern, alle warten auf ihre Busse. Insgesamt haben wir für die Wanderung 7 Stunden und 4 Minuten gebraucht. Zieht man die Pausen ab waren wir etwa 6 bis 6 ½ Stunden unterwegs. Damit sind wir ganz zufrieden, war ja auch kein Rennen. Nachdem wir dann vom Bus wieder zum Campingplatz gebracht worden sind, machen wir es uns wieder im Gemeinschaftsraum gemütlich und genehmigen uns das verdiente Bierchen. Heute Nacht schlafen wir ziemlich gut. ;-)

Wellington

Warum Wellington den Spitznamen „Windy Welly“ trägt wird uns ziemlich schnell klar. Statistisch hat die Stadt rund 175 Tage im Jahr  einer Windgeschwindigkeit von etwa 75 km/h ausgesetzt. Grund für diese enorme Windstärke ist zum Einen die geografische Lage an einer Landspitze, die ihr mehr Angriffsfläche für den Wind bietet und zum Anderen ist Wellington die einzige Hauptstadt der Erde, die innerhalb des Einflussbereichs starker Westwinddriften, sogenannte  Roaring Forties, liegt.

Wir wollen uns zunächst mal ein Bild von der Stadt machen und fahren daher auf den Mount Victoria Lookout. Uns wird schnell klar, unseren Gaskocher anzuwerfen können wir hier vergessen. Bei dem Wind kann selbst Dreiwetter-Taft nichts ausrichten. Naja, so läuft es drauf hinaus, dass wir ein paar Fotos schießen und uns dann wieder in ein bisschen windgeschütztere Teile der Stadt begeben.

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Ein nettes vietnamesisches Lokal klingt dafür sehr gut. Offensichtlich haben wir nach 2 ½ Monaten in Asien noch immer nicht genug von dessen Küche.

Während wir unser geliebtes Curry verzehren, machen wir uns Gedanken, was wir hier in Wellington eigentlich machen wollen. Sehr beliebt soll Zealandia sein, ein Naturschutzgebiet, in dem viele einheimische Vogelarten beheimatet sind. Die Besonderheit ist der 8,6 Kilometer lange Zaun außen rum, der extra dafür entwickelt wurde, die eingeschleppten Tierarten, wie beispielsweise Possum, Hase oder Maus fernzuhalten. Nachdem wir ohnehin noch eine Rechnung mit dem Kiwi offen haben (er hat sich uns noch nicht gezeigt), klingt das nach einem guten Plan. Wir folgen kurzerhand unserer Straßenkarte zu dem wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Sanctuary. Als wir dann die Eintrittspreise für den Park lesen, stehen wir wieder ein bisschen ratlos da. Sollen wir reingehen – oder lieber nicht? Hmmm, naja aber was machen wir sonst? So what – Ticket gekauft und reinspaziert. Es ist sogar für zwei Tage gültig, wir dürfen also morgen wieder kommen.

Der Park ist wirklich sehr schön. Es ist ein eingezäuntes Areal von rund 225 Hektar, das schöne Rundwege hat und an allen Ecken stoßen wir auf sehr motivierte Rentner, die als Volunteers begeistert die lokalen Vogelarten an die Touristen näher bringen. So kommt es, dass wir im Laufe unserer Reise noch zu „Birdwatchern“ werden. Unglücklicherweise sind diese kleinen Tierchen unglaublich schwierig mit der Kamera einzufangen. Eins steht schon jetzt fest, auf meiner Anschaffungsliste, wenn ich wieder daheim bin, steht ein vernünftiges Tele-Objektiv ganz weit oben…

Vorerst muss aber das vorhandene Equipment ausreichen. Wir bekommen immerhin den – in Anführungsstriche –  unglaublich bewegungsflinken Takahé, einige Kaka`s, Bellbirds, Kakarikis, Hihis (ja, die heißen wirklich so) und Tuataras vor die Linse.

Takahé
Takahé

Nur der Kiwi lässt sich natürlich nicht blicken. Der Ticketverkäufer hat zu uns gemeint: „if you saw a kiwi, it would be ill“, da dieser lokale Vogel ausschließlich in der Nacht aktiv ist.

Da uns der Aufenthalt wirklich überraschend gut gefallen hat, beschließen wir die Gültigkeit des Tickets für morgen auch noch auszunutzen und wieder zurück zu kommen, nachdem wir nach rund 2 Stunden wegen Schließung den Park verlassen müssen.

Schließlich bleibt uns nichts anderes übrig, als uns einen schönen Campingplatz zu suchen und es uns in den Aufenthaltsräumen gemütlich zu machen.

Freude kommt am nächsten Tag auf! Die Sonne strahlt bereits zum Frühstück. Herrlich! Es ist noch nicht mal 8 Uhr und wir können schon im T-Shirt in der Sonne sitzen. Das ist ja eine Neuseeland-Premiere.

Voller Tatendrang stehen wir pünktlich zur Eröffnung vor den Toren von Zealandia. Wir machen uns gleich mal auf den Weg eine kleine Loop zu laufen. Unterwegs treffen wir auf eine sehr nette Rentnerin, die uns einiges über den Park erklärt und so freuen wir uns schon, die Runde über den Valley View Track zu beginnen. Wir wandern, naja gut wandern ist vielleicht ein bisschen übertrieben, wir marschieren durch den Wald, horchen an allen Ecken, ob wir irgendwelche Vögel zwitschern hören und halten die Kameras schussbereit. Ganz schön flink, diese kleinen Mistviecher… :-)

An einer kleinen Lichtung machen wir Halt und genießen einfach das herrliche Wetter. Hach, so lässt es sich in Neuseeland doch ganz gut aushalten. Schließlich müssen wir uns aber doch von dieser schönen Stelle entfernen, wir wollen ja keinen Sonnenbrand bekommen und außerdem auch noch mehr vom Park sehen.

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Die Kaka`s präsentieren sich wieder stolz und auch die Tuataras (eine sehr alte Echsenart die nur in Neuseeland vorkommt, auch bezeichnet als „lebende Fossilien“) wollen vor die Linse. Die Zeit fliegt vorbei, ehe wir uns versehen, verbringen wir nochmal 3 Stunden in Zealandia.

Heute ist es in „Windy Welly“ sogar einigermaßen windstill, so dass wir diesmal unseren Gaskocher anwerfen können und uns zum abertausendsten Mal Nudeln kochen können. Naja, same same – but different!

Gestärkt fahren wir in die Stadt. Wir können ja nicht in Wellington gewesen sein, ohne was von der Stadt gesehen zu haben. Am Hafen ist es wirklich wunderschön. Die Leute genießen den Sonnenschein, sind auf Skates unterwegs oder spazieren einfach so umher. Drei Wahnsinnige springen sogar ins wahrscheinlich eisig kalte Wasser zum Baden. Brrrr, da friert mich ja schon vom Zuschauen. Es ist heute zwar einigermaßen warm, aber von sommerlichen Temperaturen sind wir trotzdem noch weit entfernt, von den Wassertemperaturen mal abgesehen. Naja – jedem das seine. Ich setz mich lieber mit einem guten Cappuccino an einen windstillen Platz in der Sonne und beobachte die Leute.

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Gegen 16 Uhr brechen wir dann auf gen Norden. Wir haben große Pläne…

Nelson & Picton

Von Kaikoura fahren wir durch bis Blenheim. Dort holt uns der Hunger ein. Da wir nicht so recht wissen wo wir uns was kochen sollen suchen wir uns kurzerhand ein ruhiges Eck auf dem Parkplatz des Supermarktes in dem wir auch gerade eingekauft haben. So kommen die Nudeln direkt vom Einkaufswagen in den Topf ;-) Nächster Stopp ist die Ortschaft Picton. Hier wollen wir uns gleich mal umsehen, wo wir in ein paar Tagen die Fähre nehmen müssen. Da Picton ein recht kleines Nest ist und außer den beiden Fährunternehmen zur Nordinsel nicht viel zu bieten hat ist das nicht weiter schwer. Weiter geht es Richtung Nelson über den Queen Victoria Drive. Der entpuppt sich als sehr kurvenreiches Sträßchen, das sich an den Bergen der Küste entlangwindet. Wir fahren an vielen kleinen Buchten vorbei. Bei schönem Wetter ist das hier sicher super toll, aber inzwischen nieselt es wieder so vor sich hin. Gegen halb sechs müssen wir feststellen, dass wir uns zeitlich ein wenig vertan haben, es dämmert schon. Der nächste Campingplatz ist aber noch etwas entfernt, also fahren wir weiter. Um sechs wird es dann dunkel und es ist gar nicht mehr so spaßig diese Straße entlangzufahren. Zum Glück kommen wir dann bald auf eine breitere Straße. Doch auch die windet sich durch die Berge und hier hats auch mehr Gegenverkehr. Ich bin inzwischen etwas angenervt von der Fahrerei. Aber irgendwann kommen wir dann doch in Nelson an und können das Fahrzeug am Campingplatz abstellen.

Erstes Ziel am nächsten Tag ist die Touristeninfo, da wir die aktuelle Wetterlage nördlich von hier im Abel Tasman Nationalpark checken wollen. Hier in Nelson regnet es übrigens. Leider teilt uns die Dame am Schalter mit, dass das Wetter im Norden noch schlechter ist. Auch überall anders sieht es nicht besser aus. Außer ganz im Süden der Insel… Tja, jetzt ist guter Rat teuer, was nun? Das Angebot an Regen-Aktivitäten in Nelson haut uns nicht gerade vom Hocker. So kommt es, dass wir wenig später in der öffentlichen Bibliothek Nelsons sitzen. Hier ist es warm, trocken und es gibt sogar kostenloses WiFi. Damit geben wir uns dann zufrieden. Wir verlassen die Bücherei nur kurz, um beim MC zu essen und sind dann schon wieder zurück. Da die Internet-Verbindung hier echt gut ist kann ich mir sogar einen Tatort im Stream anschauen. Auch mal wieder schön *g*

Nelson Bibliothek
Nelson Bibliothek

Da die Bücherei große Glasfenster hat können wir auch das Wetter draußen beobachten. Und was wir da sehen ist echt unterste Kategorie. Es regnet nicht einfach, es schüttet. Der Parkplatz steht teilweise schon unter Wasser. Zusätzlich zum Regen weht noch ein heftiger Wind, eher schon Sturm. Das gefällt uns ganz und gar nicht, ist aber leider nicht zu ändern. Nachdem die Bib um 6 schließt kehren wir zu unserem Campingplatz zurück.

Am nächsten Morgen sieht das Wetter zwar etwas besser aus, aber auch nicht wirklich toll. Also fahren wir vom Campingplatz Richtung, jetzt dürft ihr raten, ja genau, Richtung Bibliothek. Pünktlich zur Öffnung um 10 sind wir da. Nur leider wird nicht geöffnet. Hm, was ist da denn los? Ahja, Moment, da ist ein Schild an der Tür: „Karfreitag geschlossen“. Mist, damit haben wir jetzt nicht gerechnet, der Karfreitag passt uns jetzt aber gar nicht ins Programm. Tja, was nun? Natürlich haben heute auch alle Läden geschlossen und wir sind ratlos und frustriert. Während wir im Auto rumsitzen und überlegen was wir machen sollen klart es dann glatt etwas auf und hört auf zu regnen. Na gut, dann tigern wir eben ein wenig durch die Stadt denken wir uns und machen uns auf den Weg.

Die Stadt ist aber wie ausgestorben, sogar die meisten Restaurants haben zu. Wir werfen einen kurzen Blick in Nelsons Kathedrale und sitzen danach im Park daneben rum und werfen aus lauter Langeweile mit kleinen Tannenzapfen auf eine Mülltonne. Zwischendurch nieselt es auch immer mal wieder, so dass nicht daran zu denken ist eine Wanderung in den Bergen bei der Stadt zu machen. Als es dann wieder stärker zu regnen anfängt ziehen wir uns wieder ins Auto zurück. Als wir so auf dem Bücherei-Parkplatz rumstehen stellen wir irgendwann fest, dass das WiFi auch heute aktiviert ist und wir von hier draußen auch Zugriff haben. Na gut, diese Einladung nehmen wir gerne an und bringen ein wenig Zeit mit surfen rum.

Nelson Kathedrale
Nelson Kathedrale

Später steht dann wieder ein Besuch beim MC Café auf dem Programm, den wir etwas ausdehnen und im MC Rommé, Kniffel und Carcassonne spielen. Nebenbei erfahren wir von einer Angestellten, die seit 5 Jahren in Nelson lebt, dass wir das schlechteste Wetter hier miterleben dürfen, das sie in dieser Zeit hatte. Na super, das freut uns doch an so einem außergewöhnlichen Ereignis teilhaben zu dürfen…

Für die Nacht wollen wir dann mal einen anderen Campingplatz ausprobieren. Der liegt einige Kilometer im Wald. Aber kurz bevor wir dort ankommen ist die Straße gesperrt wegen Unwetterschäden. In dem Campingplatz sieht es auch nicht besonders gut aus, überall liegen größere abgebrochene Äste herum. Na ein Glück, dass wir gestern nicht auf die Idee gekommen sind hierher zu fahren. Die Camper hatten hier wahrscheinlich richtig viel „Spaß“ in der stürmischen Nacht. So kehren wir also die dritte Nacht zu unserem Campingplatz zurück.

Neuer Tag, neues Glück, neues Wetter? Nein, es regnet immer noch, teilweise sogar ziemlich heftig. Naja, heute müssen wir eh zurück nach Picton fahren, da morgen um 8 Uhr unsere Fähre Richtung Nordinsel geht. Da Picton aber wie gesagt eher ein kleines Nest ist wollen wir da erst nachmittags ankommen. Also haben wir noch ein wenig Zeit in Nelson. Jetzt ratet mal, wo unser Weg also hinführt: na klar, in die Bibliothek! Als wir dort ankommen hat der Wettergott aber ein Einsehen und es hört auf zu regnen. Nicht nur das, in der nächsten halben Stunde schlägt das Wetter um, und es wir einigermaßen gut. Es hängen zwar immer noch Wolken am Himmel, aber auch die Sonne lässt sich immer wieder blicken und es wird angenehm warm. Das ist zwar einerseits toll, andererseits aber auch etwas frustrierend, weil wir jetzt gerne die Zeit hätten noch in den Nationalpark zu fahren und das Wetter auszunutzen. Geht aber zeitlich nicht, also beschränken wir uns darauf ein wenig durch die Stadt zu schlendern.

Nach dem Essen treten wir dann die Rückfahrt nach Picton an. Wir fahren also wieder über den Queen Victoria Drive. Diesmal zum Glück nicht nachts was auch dahingehend besser ist, dass man die tollen Ausblicke genießen kann, die sich immer wieder bieten. So ist die Fahrt recht gemütlich mit zahlreichen Fotostopps. Neben der Straße liegt ein langer Meeresarm, ein sogenannter Sound. Darauf schippern viele Boote und Jachten herum und nutzen das gute Wetter. Da sind wir dann schon ein bisschen neidisch. Aber hilft ja nix. So haben wir wenigstens doch noch einen schönen Tag hier in der Gegend.

Queen Victoria Drive
Queen Victoria Drive

Der Wecker klingelt sehr ungemütlich um kurz vor 6, damit wir rechtzeitig an der Fähre sind. Um 20 nach 7 reihen wir uns in die Schlange vor der Fähre ein. Damit sind wir aber scheinbar recht spät dran, da wir in der letzten Warteschlange stehen und der Platz hinter uns frei bleibt. Nachdem wir ca. 20 Minuten warten kommt Bewegung in die Reihen und die ersten Autos rollen auf die Fähre. Da starten wir doch mal die Engine und machen uns bereit. Denkste! Unser Spaceship reagiert überhaupt nicht auf die Startversuche. Na toll, in den Warteminuten habe ich das Licht angelassen und nun ist die Batterie wieder tot! Nach 20 Minuten! Das kanns ja echt nicht sein! Was nun, neben uns lichten sich die Reihen, bald stehen wir alleine da. Wir sehen unsere 220 Dollar für die Fähre schon verschwinden. Ich laufe schnell zum Einweiser und erkläre ihm unser Problem, er verspricht uns gleich Hilfe zu holen. Ist wohl kein Einzelfall, dass vor oder auf der Fähre jemand liegen bleibt und das Auto das dann ankommt hat vorne an der Motorhaube schon ein fest installiertes Kabel. So kommen wir dann doch noch auf die Fähre.

Wenig später legen wir auch schon ab und beginnen die etwa 3 ½ stündige Überfahrt. Der erste Teil der Strecke verläuft dann noch mal sehr schön durch einen langen Sound hier und wir stehen an Deck und genießen die letzten Anblicke der Südinsel.

Kaikoura

Nach Einbruch der Dunkelheit erreichen wir schließlich fix und fertig endlich Kaikoura. Wir nisten uns in einer eher billigen Motel-Absteige mit anliegendem Campingplatz ein und lassen uns auf den ziemlich durchgesessenen Couchen nieder.

Kaikoura – ein kleines Küstenstädtchen etwa 180 Kilometer nördlich von Christchurch, das dafür bekannt ist, dass man ganzjährlich Wale beobachten kann. Natürlich lassen es uns auch wir nicht nehmen, mit einem Boot die gigantischen Meeresbewohner zu beobachten.

Unglücklicherweise war auf der morgentlichen Fahrt nur noch ein einziger Platz frei, so dass wir wohl oder übel die Mittagsfahrt machen müssen. Da das Wetter überraschend gut ist, verbringen wir den Vormittag auf der Kaikoura Peninsula. Das ist eine wunderschöne Klippenlandschaft, auf die das Meer mit all seiner Kraft dagegen schlägt. Die Gesteinsformationen sind echt spektakulär und es gibt Seerobben wohin man schaut. Ein kurzer Weg führt hinauf zum Aussichtspunkt, von wo aus man einen herrlichen Blick auf den Ozean genießen kann. Wir haben nicht ausreichend Zeit um den Rundweg zu machen, aber wir balancieren dennoch eine Weile auf den rutschigen Felsen herum. Die Seerobben sind herzlich unbeeindruckt von unserem Besuch.

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Gegen 12 Uhr machen wir uns dann auf den Weg zum Whale Watching Office. Bevor wir aufs offene Meer gelassen werden, gibt es noch eine kurze Einweisung. Außerdem werden wir auf die mögliche Seekrankheit hingewiesen. Da wir bislang noch nie Probleme mit Seegang hatten, lässt uns das eher kalt.

Neben den üblichen Sicherheitsinformationen bekommen wir auch einiges an Hintergrundwissen zu den hiesigen Meeresgiganten. Derzeit gibt es einen Pottwal, der sich hier unweit der Küste aufhält. Pottwale sind die viertgrößten aller großen Wale. Die Männchen können eine Länge von ca. 15 bis 20 Meter erreichen und bis 40 bis 60 Tonnen schwer werden. Die Weibchen sind etwa 30 – 40 Prozent kleiner. Ihre Lebenserwartung beträgt bis zu 70 Jahre und sie sind das am tiefsten tauchende Säugetier der Welt, da er über 2 Stunden lang und mehr als 3000 Meter tief tauchen kann.

Mit diesem Wissen ausgestattet, geht es endlich auf den Katamaran. Schnell zeigt sich, dass mit der Seekrankheit tatsächlich nicht zu scherzen ist. Der Seegang ist wirklich sehr stark und die Wellen haben eine Höhe von rund 2 Metern. Da fühlen selbst wir uns nicht mehr pudelwohl. Reihum greifen die Leute nach ihren Tüten. Na wunderbar – hoffentlich vermiest uns der Magen nicht die Tour.

Nachdem wir etwa 4 Kilometer von der Küste entfernt sind, machen wir einen Stopp. Der Kapitän Rick packt sein Walortungsgerät aus und versucht den Aufenthaltsort des Pottwales zu bestimmen. Nein, hier noch nicht. Wir fahren ein Stück weiter und das gleiche nochmal. Ja, jetzt scheint er zufrieden zu sein. Alle Mann an die Reling, Wal auf der linken Seite des Schiffes geortet. Und tatsächlich, nach wenigen Augenblicken lässt sich dieser Koloss blicken. Wirklich faszinierend. Er schnappt ca. 30 Sekunden nach Luft, ehe er wieder in die Tiefen des Meeres verschwindet. Unglücklicherweise kann der Pottwal, wie bereits erwähnt, bis zu 2 Stunden unter Wasser bleiben. Wir hoffen, dass wir ihn noch ein weiteres Mal zu Gesicht bekommen.

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Allerdings ist es dennoch recht unterhaltsam, denn es wimmelt geradezu an Albatrossen und wir machen zudem einen Seerobbenstopp. Es gibt also auch so reichlich zu beobachten. Einzig der Magen zickt ein bisschen. Unser Glück ist, dass wir davor nichts gegessen haben, so können wir der Übelkeit trotzen.

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Zum Abschluss versuchen wir nochmal unser Glück bei dem Pottwal. Neben uns sind noch einige andere Schiffe, die ebenfalls versuchen, den Wal zu orten. Rick, der Kapitän packt wieder mehrmals sein Ortungsgerät aus und horcht, ob er ihn lokalisieren kann.

Kurze Anmerkung am Rande: der Pottwal gilt als eines der weltweit lautesten Tiere. Er wurde mit 230 Dezibel aufgenommen. Zum Vergleich – ein Flugzeug beim Start hat 140 Dezibel.

Wir vermuten schon, dass wir ohne die zweite Walsichtung zurückfahren müssen, aber Rick lässt sich nicht beirren. Er will ihn nochmal ausfindig machen. Und so steuern wir noch einige Minuten umher und warten auf sein Kommando. Tatsächlich – er lässt sich wirklich nochmal blicken. Und diesmal verharrt er auch wirklich sehr lange an der Luft. Laut Auswertung der Kamera waren es 13 Minuten, die er sich an der Wasseroberfläche hat treiben lassen, ehe er wieder mit einem eleganten Eintauchmanöver verschwunden ist. Gigantisch!

Anschließend geht es wieder an Land. Und wir sind auch tatsächlich recht froh, dass wir wieder festen Boden unter den Füßen haben. Einige der anderen Whalewatcher haben immer noch eher eine grüne Gesichtsfarbe, aber auch bei ihnen kehrt langsam wieder Leben ein.

Nach diesem gelungenen Ausflug müssen wir uns wieder mal neu entscheiden, was wir als nächstes machen. Weiterfahren oder Hierbleiben? Guter Rat ist mal wieder teuer, aber am Ende quartieren wir uns nochmal eine Nacht in Kaikoura ein.

Als am nächsten Morgen der Wecker klingelt, staunen wir nicht schlecht, da der Himmel strahlend blau ist. Juppiee! Da fällt das aus dem Bett kriechen doch gleich viel leichter. Nach dem Frühstück machen wir erstmal einen Abstecher an den angrenzenden Strand. Es ist ein Black Sand Beach. Es ist zwar kein Badestrand, aber der schwarze Sand gibt schon ein eindrucksvolles Bild ab. Hier gibt es auch eine kleine Spielecke mit einem Flying Fox, den wir begeistert einnehmen.

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Nach diesem kleinen Adrenalinschub am Morgen entschließen wir uns, erstmal das schöne Wetter auszunutzen und in Kaikoura noch eine Runde auf der Peninsula zu wandern. Wir marschieren erst einmal wieder zu dem Aussichtspunkt und von dort aus beginnt der Rundweg. Es wäre eigentlich herrlich warm, wenn nicht so ein unangenehmer Wind wehen würde. Naja, man kann wohl nicht alles haben. Immerhin ist die Aussicht herrlich. Nach etwa 45 Minuten führt uns der Weg hinunter zu den Felsen. Hier ruhen wieder an allen Ecken Seerobben, diverse Vögel und eine verirrte Miezekatze, die leider zu scheu ist, um sich von Hank, dem Katzenflüsterer, retten zu lassen.

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Inzwischen verzieht sich das schöne Wetter auf das Meer hinaus und es kommen immer dickere Wolken landauswärts,  die uns einholen. So machen wir uns schließlich auf den Weg zurück zu unserem Auto und setzen unsere Fahrt in nördliche Richtung fort.