Phonsavan – Ebene der Tonkrüge

Von Vang Vieng aus geht es weiter nach Phonsavan, die Hauptstadt der laotischen Provinz Xieng Khouang, die hauptsächlich wegen der sogenannten Ebene der Tonkrüge für Touristen interessant ist. Von Vang Vieng aus fährt man rund 6 Stunden mit dem Minivan über Serpentinen. Die Fahrt gestaltet sich für uns als recht anstrengend, da wir wieder zu viert zusammengepfercht auf drei Plätzen sitzen und in jeder Kurve hin und her geschleudert werden.

Erleichtert erreichen wir gegen halb 4 endlich Phonsavan und suchen uns erstmal eine Bleibe. Wir finden eine für rund 5 EUR. Nix besonderes, aber wird schon gehen – denken wir uns. Bevor wir uns auf die Suche nach Ausflugsangeboten machen, stärken wir uns erstmal im nächstbesten Restaurant.

Bei den Touranbietern werden wir dann wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Die Laoten wissen genau, dass die Touris nach Phonsavan nur wegen der Ebene der Tonkrüge kommen, so dass sie das preislich ganz schön ausnutzen. Kaum einer wird den anstrengenden Weg hierher in Kauf nehmen und dann wegen den Preisen keinen Ausflug machen. Für 2 Personen würde ein Ausflug rund 60 EUR kosten! Krass, das ist unser ganzes Tagesbudget. Allerdings gilt der gleiche Preis für 4 Leute, so dass wir schauen müssen, ob wir noch 2 weitere Personen akquirieren können. Die Option mit einem Roller zu fahren kommt uns zwar kurzzeitig in den Sinn, wir verschlagen diese Idee aber aufgrund der letzten Ereignisse sofort wieder…

Erfreulicherweise treffen wir nach kurzem herumirren auf Henry und Jenny, ein Pärchen aus Neuseeland/England, das mit uns im Minivan gefahren ist und so zögern wir nicht lange, die beiden zu fragen, ob sie sich einer Tour mit uns anschließen wollen. Und tatsächlich, wir haben Begleiter gefunden! So sieht das ganze doch preislich gleich viel besser aus! Wir buchen mit den beiden eine Tagestour für morgen und kehren schließlich wieder in das Lokal, in dem wir davor schon waren, zurück und bleiben da irgendwie den ganzen Abend hängen…

Die Nacht in unserer 5 EUR-Bleibe war nicht gerade von Schlaf gekrönt. Die Matratze war steinhart und die vielen hier einquartierten Laoten haben die ganze Nacht rumgeplärrt. Etwas gerädert krabbeln wir schließlich aus dem Bett und beschließen, erstmal nach einer neuen Unterkunft Ausschau zu halten. Tatsächlich können wir auch gleich in der Früh umziehen in eine wirklich gute Unterkunft, die zwar mit 10 EUR etwas teurer ist, aber dafür ist das Frühstück inbegriffen. Insgesamt hebt sich das dann wieder auf!

Um 8:30 Uhr werden wir dann für unseren Ausflug aufgegabelt. Mit dem Minivan geht es zu den einzelnen Stationen. Wir haben einen Guide, der wirklich gut Englisch spricht, um allerdings sicher zu gehen, dass ich wirklich sinngemäß alles korrekt widergebe, muss ich mich hilfsweise noch weiterer Quellen bedienen (Wikipedia sei Dank):

Verteilt auf mehreren Stätten befinden sich einige Hundert Steinkrüge in der Größe von einem halben bis zu drei Metern. Obwohl die Krüge also nicht aus Ton bestehen und auch nicht in einer zusammenhängenden Ebene zu finden sind, hat sich die Bezeichnung eingebürgert. Das Alter der Krüge wird auf 1500 bis 2000 Jahre geschätzt. Das Gewicht beträgt bis zu 6.000 Kilogramm. Die Herkunft der Tonkrüge ist allerdings nicht bekannt. Es gibt drei verschiedene Theorien, wie uns unser Guide erklärt. Denkbar wäre, dass es sich um Totenurnen aus der Steinzeit handelt. Es könnten allerdings auch Fässer zur Herstellung von LaoLao-Whiskey oder Fässer zum Auffangen von Regenwasser sein. Jedoch ist die erste Theorie die Wahrscheinlichste.

Der Großteil der Krüge befindet sich auf den drei Großen Lagerstätten 1,2,3. Bei Stätte 1 alleine befinden sich mehr als 250 dieser großen Steinkrüge. Archäologen halten die Gefäße für Begräbnisurnen eines megalithischen, proto-malaiischen Volkes, Verwandte der Lao Theung. Im Moment wird erwogen, das Gebiet zum UNESCO-Welterbe zu erklären.

Da die Provinz Xieng Khouang während des Laotischen Bürgerkriegs in den 1970er-Jahren von der Amerikanischen Luftwaffe massiv bombardiert wurde, sind auch heute noch viele der Lagerstätten nicht zugänglich. Lediglich bei den Stätten 1, 2 und 3 wurde ein Großteil der Bomben geräumt. Die begehbaren Flächen sind dort markiert.

Bevor wir zu den Ebenen 1, 2 und 3 fahren, machen wir noch einen Stopp bei der Touristeninfo, wo man einige, der entschärften Fliegerbomben bestaunen  und Eindrücke über das Leben der Bergvölker gewinnen kann.

An der Ebene 1 angekommen, staunen wir nicht schlecht, als wir vor den riesigen Krügen stehen. Schwer vorstellbar, dass der Ursprung dieser steinernen Kolosse nicht näher definiert werden kann. Es sind wirklich sehr viele Steinkrüge verteilt auf einem großen Plateau. Von klein bis riesig ist alles vorhanden. Einige sind absolut unbeschadet, andere sehen ziemlich mitgenommen aus. Überall sind Markierungen im Boden, dass die Gegend von Landminen befreit ist. Die Felder um uns herum wurden vor kurzem brandgerodet, deswegen sind weite Teile des Bodens schwarz verkohlt. Das gibt dem ganzen einen ziemlich mystischen Touch.

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Die Ebene 2 ist zwar kleiner als die erste, aber nicht weniger eindrucksvoll. Man muss ein Stückchen marschieren, ehe man erneut vor den nicht näher definierbaren Steingefäßen steht. Einige sind begehbar, andere haben spinnenartige Bewohner und wieder andere sind einfach nur mit Wasser gefüllt.

Bevor wir zur dritten Ebene fahren machen wir noch einen kurzen Halt beim „Russian Tank“, ein russischer Panzer, der aus Kriegszeiten übrig geblieben ist und als Denkmal nun hier zu besichtigen ist. Naja, kein Must-Have-Seen, aber nachdem es in der Tour inbegriffen ist…

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Die Ebene 3 besticht in erster Linie dadurch, dass einige der Steinkrüge von Baumwurzeln umschlungen sind. Das ist echt faszinierend, welche Kraft die Natur hat. Die Ebene ist wirklich sehr schön. Vor allem hat man von hier aus wirklich einen sehr schönen Ausblick. Es ist fast ein bisschen schade, das momentan Trockenzeit ist, denn sonst würden hier die ganzen Reisfelder in einem saftigen Grün erstrahlen. Wir 4 könnten hier echt ewig ausharren, aber unser Guide drängt schön langsam ein bisschen, dass wir weiter gehen sollten. Okay, dann folgen wir ihm halt. Wir haben noch zwei weitere Ziele auf unserem Programm.

Zunächst geht es zu einer LaoLao-Whiskey-Brennerei. Ein kleines Village, in dem die Dorfälteste für die Whiskey-Versorgung zuständig ist. Wir sind fast ein wenig schockiert, wie stark der Whiskey ist. Wir waren an eine wesentlich mildere Variante gewöhnt, aber der brennt runter wie Feuer. Henry und Jenny kaufen für umgerechnet ca. 50 Cent doch eine Flasche, da freut sich die alte Dame wenigstens.

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Als letzten Stopp fahren wir nach Muang Khoun (die old Capitol), in wir an den folgenden Stationen Halt machen: Wat Phiawat, ein bis auf die Grundmauern zerbombter Tempel – einzig der Buddha in der Mitte steht noch, ein französisches Krankenhaus, das auch schon bessere Tage hinter sich hat und die That Foun Stupa, ein Gedächtnisdenkmal, dass laut unserem Guide zu Ehren des laotischen Sieges gegen Frankreich aufgestellt wurde.

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Gegen halb 5 kommen wir schließlich wieder in Phonsavan an. Da in der Stadt nicht besonders viel los ist, hängen wir wieder ein wenig in „unserem“ Restaurant rum, buchen noch unsere Weiterfahrt nach Luang Prabang für den nächsten Tag und verbringen den Rest des Tages mit Lesen und Recherchieren.

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