Kratie

Punkt 5 schlurfen wir aus dem Garden House und rechnen schon damit erst einmal eine halbe Stunde in der Dunkelheit sitzen zu müssen. Aber weit gefehlt, unser Pick Up Van hält nur ein zwei Minuten später vor uns an. Nachdem alle Mitfahrer aufgesammelt sind, werden wir bei unserem Bus abgesetzt. Hm, der sieht aber ganz und gar nicht so aus wie in der Beschreibung gestern. Wird wohl der günstige Bus sein. Stimmt aber nicht, ist unser Bus. Etwas verdutzt fragen wir die anderen rumstehenden Touris was sie denn für diesen Bus gezahlt haben (wir 15 Dollar p.P.). Die einen 12 Dollar, die anderen 25 Dollar. Weiter fragen wir dann nicht. Der eine Bus fungiert wohl sowohl als Billig-Liner als auch als Luxus-Bus. Aber der Bus ist dann auch gar nicht so schlecht und so geht die erste Hälfte der Fahrt relativ entspannt rum. Uns wurde zwar im „Reisebüro“ versprochen, dass dieser Bus nicht überall anhält, aber natürlich nehmen wir unterwegs jeden Bauern und seinen Reissack mit, der an der Straße steht. So brauchen wir für den ersten Teil der Strecke schon die 6 Stunden, die es insgesamt dauern sollte.

Als wir für den obligatorischen Essen-Stopp halten, holen wir uns auch zwei Portionen. Wir sitzen gerade noch an unserm Tisch, da kommt eine der anderen aus dem Bus zu uns und fragt „Ihr wollt doch auch nach Kratie, oder?“. Ja, wollen wir. So erfahren wir ganz nebenbei, dass wir hier umsteigen müssen. Nachdem wir mit einigen anderen unser Gepäck aus dem Bus geholt haben versuchen wir herauszufinden, wann und wie es denn weiter geht. Unser Busfahrer meint dazu nur, dass in einer Stunde ein Bus kommt. Mehr kann er nicht sagen. Na gut, warten wir halt. Nur kurze Zeit später werden wir von einem anderen Fahrer angesprochen und er meint dann wir fahren mit ihm weiter und deutet dabei auf seinen Minivan. OK, auch recht. Bald haben sich aber ca. 30 Leute vor dem Van versammelt. Das ist sogar für hiesige Verhältnisse zu viel. Der Fahrer weiß auch nicht so recht was er tun soll und auf mehrmaliges Nachfragen, ob wir wirklich mit ihm weiter fahren, bekommen wir eher zögerliches Nicken zu sehen. Naja, steigen wir halt mal ein. Zum Glück kommt dann noch ein zweiter Minivan, sodass alle weiterkommen. Trotzdem ist es recht eng in dem Gefährt: wir sind 8 Touris incl. großem Gepäck, 9 Einheimische – auch mit diversen Gepäckstücken – und der Fahrer. So sitzen auf jeder 3er-Bank 4 Leute und einer noch vorne am Boden. Ich hab mal wieder besonderes Glück und sitze genau an der Schnittstelle einer Reihe wo es keine Rückenlehne gibt. Die nächsten 4 Stunden sind dann echt anstrengend. Aber wenigstens lernen wir ein paar Leute kennen: von uns 8 Touris sind 6 Deutsche und 2 Schweizer.

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Nach insgesamt etwas mehr als 10 Stunden kommen wir endlich in dem kleinen Ort Kratie an. Nachdem wir uns ein Guesthouse gesucht haben sitzen wir eigentlich nur noch ein wenig in dessen Restaurant rum und überlegen uns was wir am nächsten Tag machen wollen. Ganz klar: erst mal wieder ausschlafen! Danach zu den in der Nähe im Mekong lebenden Irawadidelfinen und vielleicht noch einen Tempel anschauen. Guter Plan.

Ausschlafen wird leider nichts, da direkt neben dem Hostel der Markt ist und ab 6 in der Früh dort der Trubel losgeht. Na super! Aus diesem Grund und auch weil unser Bad kein Waschbecken hat wechseln wir nach dem Frühstück erst mal die Unterkunft. Hoffentlich ist es hier ruhiger. Den restlichen Vormittag gehen wir eine Runde durch die kleine Stadt und den Markt. Alles sehr beschaulich hier, recht viel gibt es nicht zu sehen. So sitzen wir bald wieder in der Lobby des U Hong Guesthouse II und lassen es uns mit einem Kaffee bzw. Frucht-Shake gutgehen.

Um 3 werden wir dann von einem Tuk Tuk Fahrer abgeholt, der uns zu dem ca. 15 km entfernten Kampie bringen soll. Dort kann man ein Boot zu den Delfinen nehmen. Die Fahrt ist sehr holprig und wir wünschen uns bald, wir hätten uns einen Roller ausgeliehen. Gut durchgeschüttelt kommen wir am Pier an und springen auch gleich an Bord des bereitstehenden Longtail-Bootes. Mit dem tuckern wir gute 15 Minuten zu den Delfinen. Vor Ort macht unser Fahrer (Kapitän?) den Motor aus und paddelt weiter, um die Geräusch-empfindlichen Süßwasserdelfine nicht allzu sehr zu stören. Kurz darauf macht er uns auf die Delfine aufmerksam, die in einiger Entfernung gerade zum Luft holen aufgetaucht sind. Schwups, sind sie aber auch schon wieder weg. Die nächsten 20-30 Minuten verbringen wir damit gespannt zu warten, bis wieder ein Delfin auftaucht. Man hört immer ganz gut, wie sie die Luft ausblasen. Leider tauchen sie immer nur sehr kurz auf. Gute Fotos machen ist sehr schwer bis unmöglich. Aber schön ist es trotzdem. Die Beobachtungszeit ist viel zu schnell vorbei und schon sind wir wieder an Land.

Auf dem Rückweg haben wir noch einen Zwischenstopp am Wat Sambok ausgemacht. Der Tempel liegt auf einem Hügel und man soll eine sehr gute Aussicht auf den Mekong haben. Wir steigen die Treppen zum Tempel hoch, nur um festzustellen, dass es hier noch weiter nach oben geht. Und nachdem die nächste Treppe bewältigt ist stehen wir gleich wieder vor einem Aufstieg. Puh, nach der dritten Treppe sind wir dann doch etwas außer Atem. Für sportliche Betätigungen ist es einfach zu warm hier! Oben werden wir aber wirklich mit einer tollen Aussicht belohnt. Wir suchen uns ein gutes Plätzchen, um den anstehenden Sonnenuntergang gut beobachten zu können. Dabei haben wir freie Auswahl, da außer uns niemand den Weg hier herauf angetreten hat. So sitzen wir auf dem Geländer und warten auf die große Show. Fängt auch ganz gut an mit einer roten Sonne und der Spiegelung im Mekong. Leider wird es eher schlechter je tiefer die Sonne kommt, da über dem Horizont ein Dunstnebel hängt. Hm, schade. Aber nicht das erste Mal, dass uns das auf unserer Reise passiert. Was solls, war ja trotzdem schön und wir hatten eh nichts anders vor ;-)

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Zurück in Kratie suchen wir wieder Zuflucht im Hotel-Restaurant. Es dauert nicht lange und wir sitzen zu sechst am Tisch: 4 der anderen Reisenden aus dem Minivan gesellen sich zu uns – ein Hamburger Pärchen, noch eine Hamburgerin und eine Schweizerin. So verbringen einen lustigen Abend und tauschen fleißig Reisegeschichten aus. Außerdem holen wir uns noch Tipps für den morgigen Tag: wir werden eine kleine Mekong-Insel Koh Trong mit dem Rad erkunden. Da die Insel aber nicht besonders groß ist können wir es gemütlich angehen lassen und noch mal versuchen auszuschlafen.

Diesmal klappt das auch sehr gut und wir gehen am späten Vormittag gut ausgeruht auf die kleine Fähre. Wir legen an einer riesigen Sanddüne an und müssen mit den Rädern über einen schmalen Bretterweg zur Insel. Dort angekommen wenden wir uns erst Richtung Süden. Gemütlich radeln wir an die Spitze der Insel und beobachten dort eine Weile das Treiben in einem vietnamesischen Fischerdorf. Die Leute leben auf ihren Hausbooten auf dem Mekong. Allzu viel rührt sich aber nicht und wir radln bald weiter bzw. erst ein Stück zurück, um auf den Rundweg zu gelangen. Vom Rad aus können wir das ländliche Leben hier beobachten. Alles ist sehr einfach und man fühlt sich etwas in der Zeit zurück versetzt. Lediglich die gelegentlich vorbeibrausenden Roller zeigen, dass wir nicht in die Vergangenheit gereist sind.

So drehen wir unsere Runde in einem sehr gemächlichen Tempo. Unterwegs gibt es noch ein kleines Picknick mit einer sehr leckeren Dragonfruit. Als wir zu unseren Rädern zurückkehren sind diese von zwei kleinen Kindern belagert. Sie versuchen sich irgendwie verständlich zu machen, aber über den Austausch der Namen kommen wir nicht hinaus. Als wir die auf einen Pappkarton schreiben deuten die beiden auf den Kugelschreiber. Den hätten sie wohl gerne. Da wir noch einen auf Reserve haben können wir uns von dem auch trennen. Wir hoffen bloß, dass der dann auch in der Schule benutzt wird und nicht daheim abgegeben werden muss…

Kurz bevor wir die Insel komplett umrundet haben kommen wir am Rajabori Villas Resort vorbei. Von dem hat uns das Hamburger Pärchen gestern berichtet. Hier gibt es einen Pool den man nutzen kann. Das kostet zwar 5 Dollar pro Person, aber es ist so warm und wir so durchgeschwitzt, dass uns das als ein sehr geringer Preis für eine Abkühlung erscheint. Die beiden anderen liegen auch schon am Pool, sie sind heute hierher gezogen. So erholen wir uns die nächsten Stunden von der – zugegeben nicht besonders langen, dafür aber sehr schweißtreibenden – Radtour am und im Pool.

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