Siem Reap & die Tempel von Angkor

20140213064259IMG_0421

„Ein Busfahrt die lustig – eine Busfahrt die macht Spaß!“ Naja, nicht unbedingt, wenn man für die ca. 320 Kilometer lange Strecke von Phnom Penh bis Siem Reap den billigsten aller billigen Busse bucht. Anstatt der veranschlagten 6 Stunden dauert die Fahrt 9 Stunden. Der Bus ist nicht voll, er ist proppevoll. Es steigen Leute ein und ein und ein – wir fragen uns, wo die denn alle hin sollen, aber irgendwie scheinen die das hier gewöhnt zu sein, denn jeder Fahrgast findet einen Quadratdezimeter Platz. So kann die beengende Fahrt über die streckenweise wirklich miserablen Straßen losgehen. Es dauert rund eine Stunde, bis plötzlich alle rausspringen, weil unter dem Bus Rauch aufsteigt, na bravo! Bus kaputt? Ne, ne – kurz ein paar Kübel Wasser über die Rauchquelle geschüttet, alle Mann wieder in den Bus und weiter geht’s. Teilweise sind es wirklich üble Schlaglöcher und wir werden ziemlich durchgeschüttelt, auf den Sandstraßen dringt Sand in den Bus. Die geöffneten Dachluken lassen die Luft zwar zirkulieren, aber dennoch atmen wir häufig eine frische Brise Sand ein. Dass die Klimaanlage in regelmäßigen Abständen ausfällt und uns die Soße grad so runterläuft, versteht sich wahrscheinlich von selbst.

Wir sind völlig erschöpft, aber auch froh, dass wir endlich in Siem Reap ankommen. Dort haben wir eine Unterkunft vorgebucht, die wir mittels TukTuk kurze Zeit später erreichen. Wir schlendern am Abend noch durch die City und suchen uns ein gemütliches Lokal.

Am nächsten Morgen steht dann Teil 1 unserer Erkundung der Tempelanlagen von Angkor auf dem Plan. Zum Bericht mit Bildergalerie geht es hier.

Nach rund 9 Stunden Tempelhopping sind wir dann doch etwas reizüberflutet und nicht mehr wirklich aufnahmefähig, so dass wir völlig erschöpft die 8 Kilometer bis nach Siem Reap radeln. Eine erfrischende Dusche und ein gemütliches Restaurant runden einen wunderschönen, aber auch sehr anstrengenden Tag ab.

Am darauffolgenden Tag heißt es früh aufstehen! Um 4:30 Uhr klingelt der Wecker – wir wollen zum Sonnenaufgang am Angkor Wat. Zuvor müssen wir wieder mit unserem Drahtesel die 8 Kilometer überwinden um dann in Ruhe das Farbspiel am Himmel genießen zu können. Zum ausführlichen Bericht mit zahlreichen Fotos geht es hier.

Irgendwann kehren wir schließlich völlig erschöpft wieder nach Siem Reap zurück, genehmigen uns noch ein gemütliches Abendessen ehe wir heute vorzeitig in den großen Schlaf fallen.

Leider dauert der aber nicht besonders lange, da wir von einem unfassbaren Krach geweckt werden. Schlaftrunken definiere ich den Lärm und die Schreie einer Frau als Schießerei und verkrieche mich schutzsuchend in meinem Bett. Hank hingegen kann die Ursache des Krachs schneller deuten als ich. Der Strom ist ausgefallen und die Leute hier versuchen verzweifelt das Notstromaggregat anzuwerfen. Warum allerdings eine Frau schreit, können wir nicht nachvollziehen. Hank kehrt in der Dunkelheit wieder ins Bett zurück und dann passiert‘s… Es gibt einen Schlag und dann Stille. Hank ist über irgendwas drüber gestolpert und ist mit seiner Nase gegen den Tisch geschlagen. Völlig benebelt ist er erstmal mucksmäuschenstill. Ich ahne Böses. Die Ansage „Wir müssen ins Krankenhaus, ich muss genäht werden!“ unterstreicht zunächst meinen Verdacht. Schnell stellt sich zumindest heraus, dass die Nase ist nicht gebrochen ist! Nur eine Schnittwunde, die aber mit Sicherheit eine Narbe in seinem Gesicht hinterlässt! Puh, trotzdem nochmal glimpflich davon gekommen! Naja, da wir keine Souvenirs kaufen, gibt’s für Hank ein anderes Andenken an Angkor…

Wie sich herausstellt können wir auch gar kein Krankenhaus aufsuchen, weil es anscheinend keins gibt. Also Wunddesinfektion und Pflaster drauf und die Erstversorgung ist gesichert… Weiterschlafen!

Am nächsten Tag gönnen wir uns eine Auszeit. Die Tempelbesichtigungen gehen ganz schön an die Substanz. Zunächst frühstücken, dann suchen wir eine Apotheke auf um den Patienten besser zu versorgen. Entwarnung an alle Leser: Hank wird durchkommen! :-)

Die nächste Enttäuschung lässt allerdings nicht lange auf sich warten. Es gibt laut Lonely Planet in Siem Reap ein Restaurant/Bar, das einen großen Pool hat und der Öffentlichkeit dient. Das klingt doch verlockend. Der Marsch dorthin dauert ca. 30 Minuten, was bei der wieder aufkommenden Hitze schon eine ganz schöne Ecke ist. Endlich können wir das Schild erkennen, auf dem der Name „Aqua“ zu lesen ist – juhu wir haben es gefunden! Und dann… wir stehen vor verschlossenen Toren! Der Inhaber werkelt drinnen und kommt zu uns rüber um uns zu erklären, dass er erst später aufmachen kann, weil er kein Personal hat. Der eine Mitarbeiter hat gestern gekündigt und der andere ist heute krank. Er muss nochmal weg und einige Erledigungen machen, aber in ca. 1 Stunde schätzt er, wird er aufmachen können. Na bravo – was machen wir jetzt. In einem nahegelegenen Hotel trinken wir erstmal was und sitzen ca. 2 Stunden ab, aber der Mister Aqua hat noch immer nicht geöffnet. Jetzt ist noch nicht mal mehr jemand da… Was für ein Reinfall!!! Frustriert geben wir schließlich auf und lassen uns von einem TukTuk zurück in die Stadt bringen. Am Ende landen wir in einem Lokal, in dem wir den Nachmittag über versumpfen.

Als wir zurück an unserem Guesthouse ankommen, stellen wir fest, dass direkt gegenüber bei Mom`s Guesthouse ein Pool gewesen wäre. Das ist jetzt aber schon wirklich richtig fies. Hank ist schon sehr genervt vom heutigen Tag und als er dann zu allem Überfluss auch das Sandwich, das er sich einbildet nicht bekommt, ist es ganz vorbei. Der Tag ist für die Tonne!! Ach ja, angeblich war heute auch noch ein herrlicher Sonnenaufgang…

Naja, neuer Tag – neues Glück! Nach eingehendem Abwägen der beiden Übel (aufstehen und keinen Sonnenaufgang sehen oder nicht aufstehen und hinterher feststellen, dass der Himmel tiefblau ist) entscheiden wir uns, dem Sonnenaufgang nochmal eine Chance zu geben. Zum Bericht mit Bildergalerie geht es hier.

Insgesamt haben wir rund 30 Stunden in den Tempelanlagen zugebracht und irgendwann reichts. Wir freuen uns auf ein leckeres Amok Chicken im Star Rise Restaurant. (ein absoluter Geheimtipp, das Preisleistungsverhältnis ist einfach unschlagbar!)

20140213163520IMG_1772

Wir machen noch unsere Weiterfahrt für den nächsten Tag klar – 4:30 Uhr aufstehen ist wieder angesagt (wenigstens nicht für die Sonne!!!) und dann sind wir froh, die Beine ausstrecken zu dürfen.

Eine interessante Information zur Korruption im Lande, die uns doch ziemlich schockiert hat, noch zum Schluss: Die Tempel von Angkor werden vom Staat an einen privaten Mineralölkonzern verpachtet, der die Eintrittsgelder kassiert. Der Staat selbst sieht nur einen geringen Anteil der Einnahmen, die mit geschätzten 6 Mio. Besuchern pro Jahr und Eintrittspreisen von durchschnittlich 30 bis 40 USD pro Besucher die Volkswirtschaft mit Sicherheit immens ankurbeln könnten. Mit der Instandhaltung/Restaurierung der Tempelanlagen hat der Konzern hingegen nichts am Hut, das wird in erster Linie von ausländischen Programmen finanziert… (wir haben alleine 3 Schilder mit „sponsored by Germany“ gesehen)


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>