Killing Fields & S21

Die jüngste und vor allem traurige Geschichte des Landes Kambodscha hat uns so in ihren Bann gezogen, dass wir ihr einen eigenen Artikel widmen möchten. Insbesondere die Art und Weise wie sie in Phnom Penh vermittelt wird, nimmt uns ziemlich mit.

Am 17. April 1975 wurde die Stadt Phnom Penh von den Roten Khmer (Khmer Rouge) unter der Führung von Pol Pot eingenommen und die Einwohner von ihren Familien getrennt. Die einstige Tuol-Svay-Schule wurde von Pol Pots Sicherheitsdienst eingenommen und die Klassenzimmer in Folterkammern verwandelt. Die Anlage wurde sodann umbenannt in Security Prison 21 oder auch S21. Hier beginnt auch unsere Erkundungstour…

Bereits in der ersten Folterkammern kann man das Leid der Menschen auf bizare Weise immer noch spüren. Neben den Pritschen mit den Stahlfesseln hängen Bilder der geschundenen Opfer. Dazu kommt der Fliesenboden, auf dem die Spuren des getrockneten Blutes noch deutlich erkennbar sind – eine äußerst beängstigende Kulisse.

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K.ambodscha wurde damals in demokratisches Kampuchea umbenannt und sollte nach Pol Pots Vision in eine von Bauern bestimmte landwirtschaftliche Kooperative umgewandelt werden. Dies bedeutete, dass alle höher gebildeten Menschen ausgelöscht werden mussten. Ärzte, Anwälte, Lehrer, jeder der eine Fremdsprache sprach oder sogar alle diejenigen, die eine Brille trugen landeten in einer der Foltereinheiten. Pol Pots Devise war „lieber einen Unschuldigen versehentlich töten, als einen Feind versehentlich am Leben zu lassen“

Jeder, der nicht in einem Foltergefängnis gelandet ist, musste, unabhängig von seinem Alter oder Geschlecht, Feldarbeit leisten und das 15 Stunden täglich mit nur 2 Mahlzeiten. Diese bestanden aus jeweils einer kleinen Schüssel wässrigem Reis. Viele von ihnen starben auch aufgrund der menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen.

In S21 kamen täglich durchschnittlich rund 100 Menschen auf grausamste Weise zu Tode. Dies nicht genug, Pol Pot ließ zudem jeden einzelnen von den etwa 20.000 Inhaftierten fotografieren – viele dieser Bilder sind nun in den Räumen des S21 ausgehängt und unterstreichen die Grausamkeiten, die hier einst einhergingen in erschreckender Weise.

Uns verschlägt es die Sprache und so geht es ziemlich geschockt weiter zu den ca. 15 Kilometer entfernten Killing Fields von Choeung Ek

Dort geht die Grausamkeit nicht minder brutal weiter. Für 6 USD-Entrance-Fee bekommt man in der Landessprache einen Audioguide in die Hand gedrückt und kann den Ort einfach nur auf sich wirken lassen.

Die Gefangenen wurden täglich in LKWs von den Foltergefängnissen zu den sogenannten Killing Fields gebracht, nur um dort – wie der Name schon vermuten lässt – umgebracht zu werden. Das Schlimmste war, dass die Opfer keine Ahnung hatten, wohin sie gebracht wurden und sie auch dort nicht erfuhren was mit ihnen gemacht wird. Es lief den ganzen Tag laute Musik, damit die Schreie derjenigen, die gerade getötet wurden, übertönt werden konnten.

Die Opfer wurden auch nicht einfach erschossen, da Munition zu teuer gewesen wäre, vielmehr wurden sie mit allem was scharf, hart oder schwer genug war erschlagen. Danach wurden sie in eines der Dutzenden Massengräber gestoßen und mit einer giftigen Chemikalie übergossen, die ihnen dann endgültig den Garaus machten.

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Die Erzählungen auf den Audioguides sind so ergreifend und echt, dass wir Mühe haben unsere Tränen zu unterdrücken. Insbesondere die Geschichte eines 13-jährigen, der in S21 gequält wurde, geht uns an die Substanz.

Einer der makabersten Orte der Killing Fields ist der Killing Tree. Hier wurden Babys von ihren Müttern getrennt und mit dem Kopf gegen den Baumstamm gedroschen bis sie starben, bevor sie wie Müll in die Grube geworfen wurden…

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Insgesamt wird geschätzt, dass bis zum Sturz des Regimes der Roten Khmer mithilfe des Nachbarstaates Vietnam am 9. Januar  1979 innerhalb von 3 Jahren 8 Monaten und 20 Tagen rund 3.000.000 Menschen ihr Leben ließen.

Im Zentrum des Killing Fields von Choeung Ek steht heute ein Gedenkstupa, in dem über 8000 Schädel von Opfern und ihre zerlumpten Kleider zu sehen sind und so in ehrwürdiger Weise an die Opfer erinnern soll.

Während wir beim Verlassen dieses tragischen Ortes noch die Gedenkmusik anhören, beginnen wir, richtig zu verstehen, was das Regime der Roten Khmer aus dem heutigen Kambodscha gemacht hat und fragen uns, wo das Land wohl heute stehen würde, wenn es nicht einer Vergangenheit ausgesetzt gewesen wäre, in der systematisch die komplette vorhandene Bildung einfach ausgelöscht wurde…

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